Tagesschau – Emotionale Trigger statt Vielfalt

Nach gebotener Pause schaute ich mal wieder auf die Online-Präsenz der ARD-Tagesschau. Deren Block Innenpolitik ist reichhaltig an Nachrichten, aber arm im inhaltlichen Spektrum, so mein Fazit. Da ich mich nun einmal darauf einließ, was gewollt selten geschieht, ging ich auch tatsächlich auf jede Nachricht der letzten 36 Stunden ein, wich also – sehr bewusst – auch der Konfrontation nicht aus, die sich mir aufzwang. Jede dieser Nachrichten hofiert Macht, vor allem ideologische Macht, Meinungsmacht. Aber nehmen Sie es gelassen und betrachten das Folgende als Satire.


Nachricht 1: BGH-Urteil – Terrorverdächtiger Soldat Franco A. frei

Trigger für Sie: Terror; Substanz der Nachricht: Nichts genaues weiß man nicht, alles nur heiße Luft. Der emotionale Trigger TERROR aber wurde gesetzt und darum ging es. Vergessen Sie nicht, welcher Gefahr wir jeden Tag ausgesetzt sind, zum Beispiel der von Gerüchten. Ja, und potz plautz, da ist doch etwas mit Rechtsextremismus! Ach so, „soll geplant haben“. Auf jeden Fall gut merken: Rechtsextremismus. Ist wichtig für weitere Trigger. Wir kommen darauf zurück. (a1)

Aber sicher, wir müssen uns unbedingt stärker wappnen – aber tatsächlich gegen Terror? Vielleicht den auf den freiesten Autobahnen der Welt? Dort sterben jedes Jahr Hunderte. Oder doch eher gegen solche Nachrichten. Übrigens sind im Nahen Osten eine ganze Reihe von deutschen terrorverdächtigen Soldaten frei herum laufend. Auch wenn die das selbst verständlicherweise nicht so sehen mögen. Aber etwas anderes als Teilnahme an Staatsterrorismus ist das uneingeladene Praktizieren des militärischen Handwerks in einem und vor allem GEGEN DIESEN souveränen Staat eben nicht. (b1)

Nachricht 2: Umstrittenes Bahnprojekt – „Stuttgart 21“ eine Milliarde teurer?

Hm, zu teuer. Komisch, dass so etwas stört, denn je teurer desto höher das Wirtschaftswachstum. Und das brauchen wir doch, damit es Deutschland weiter gut geht, oder? Das Problem an Stuttgart 21 ist ja auch nicht wirklich das Geld sondern ein ziemlich krasser Interessenkonflikt. Wen interessiert es noch, warum die Stuttgarter dieses Projekt ablehnten? Aber gut, als Nachricht kann man es gelten lassen.

Nachricht 3: Nach Messerattacke – „Neue Dimension der Hasskriminialität“

Hier haben wir den nächsten emotionalen Trigger für Terror und das Kunstwort „Hasskriminalität“. Klar, wir brauchen unbedingt schärfere Gesetze. Nach drei Nachrichten liegt der Trigger Terror in Führung. Was das für eine Messerattacke war? Also hallo, das hier ist die Tagesschau, die berichtet über Themen, die relevant für Deutschland sind, ausführlichst! Was noch bewiesen wird. (b2)

Nachricht 4: Nach Glyphosat-Eklat – Wird Schmidts „Ja“ für die Union zu teuer?

Das ist interessant. Die Glyphosat-Nummer schwebt seit Monaten im Raum und wird in den Medien warm gehalten. Die Tagesschau nennt es sogar bedeutungsschwer: „Glyphosat-Beben“. Und herrlich: „Die SPD fordert Aufklärung“. Glyphosat wurde auf Betreiben Deutschlands bei der EU zur Weiternutzung durch gewunken – warum wohl? Emotionale Trigger hier: Empörungs-Management und vorgeführte, doch nur scheinbare politische Handlungsfähigkeit. Seht her, Politik und Medien tun was! Sie können jetzt schön mit Aktionismus glänzen.

Nachricht 5: Berliner Verkehrsbetriebe – Mit der Schutzweste in die U-Bahn

Der emotionale Trigger Terror (respektive „wir brauchen mehr Sicherheit“) baut seinen Vorsprung aus. Kaufen auch Sie sich so langsam Schutzwesten. Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln ist nämlich ein völlig neues Phänomen, vor dem wir uns schützen müssen. Nein, nicht wir. Es kümmert sich schon jemand um uns, WIR müssen gar nichts tun.

Nachricht 6: Manipulierte Autos – Lieber Dreckschleuder als teuer tanken

Trigger Empörungs-Management macht Boden auf Trigger Terror gut. Was für ein Verbrechen, die Luft stärker zu verschmutzen! So was machen sonst nur die Chinesen und Inder, diese Barbaren. Unsere weltweite reinweiße Wirtschaftspolitik schreit auf, ob dieser Niedertracht und die nachhaltigen Konsumenten, welche die Sorge um das Klima bei jedem Einkauf im Supermarkt umtreibt, in gleicher Weise.

Nachricht 7: Glyphosat-Zulassung – Der eine Satz von Minister Schmidt

Der Sturm im Wasserglas um Ihnen substanzielle Politik zu suggerieren, geht weiter. Der Trigger Empörungs-Management zieht in der Rubrik Innenpolitik mit dem Trigger Terror gleich. Beachten Sie, es geht nicht um die Sache sondern um Emotionen. Weiter gehts.

Nachricht 8: Vor Innenminister-Konferenz – Union will wieder nach Syrien abschieben

Die Politiker im angestrengten Ringen um Entscheidungen; eine Komödie sonders Gleichen. Müssen jetzt die bösen Syrer in das böse Assad-Gefängnis. Eine verdrehte Wirklichkeit verbirgt, dass den Syrern die Rückkehr in ihre Heimat ganz gezielt durch deutsche Politik erschwert oder verwehrt wird. Politischer Aktionismus als emotionaler Trigger bekommt einen weiteren Punkt. Warum tatsächlich so viele Syrer in Deutschland sind, muss nicht besprochen werden, dafür wurde schließlich mit viel Aufwand das Narrativ vom Fassbomben-Diktator erzeugt und gepflegt.

Nachricht 9: Verkehrsforscherin im Interview – „Jedes dritte Auto auf Parkplatzsuche“

Ach ne! Untertext der Tagesschau: „Eine Millarde für bessere Luft in den Städten – lange versprochen, jetzt soll Geld fließen“. Richtig, wird sich der Deutsche mit seinem sauer verdienten fetten, überdimensionierten und Sprit fressenden SUV sagen. Auch die Parkhäuser müssen alle neu gebaut werden, DAFÜR ist der Staat da, nicht für ineffiziente soziale Wohltaten. Punkt geht erneut an Empörungs-Management, welches DIE DA (also Kommunen und Länder) aufruft, endlich mehr Geld auszugeben; irgendwie lustig.

Nachricht 10: Urteil wegen Volksverhetzung – Haftstrafe für Holocaust-Leugnerin Haverbeck

Der Punkt geht jetzt eindeutig in Richtung Ausgrenzung und Kontaktschuld. Wagen Sie es nicht, an der etablierten Meinungsführerschaft zu rütteln. Es ist VERBOTEN, über den Holocaust zu diskutieren oder Zweifel an ihm anzumelden. Besser noch VERBIETEN Sie sich, darüber nachzudenken. Wieso ist es unzulässig, über bestimmte geschichtliche Themen andere Meinungen zu haben? Wer bestimmt, wo Meinungsfreiheit aufhört? Ich meine, sie hört dort auf, wo Achtung und Respekt vor anderen Menschen verloren geht. Tat das Frau Haverbeck?

Lügen, also LEUGNEN dürfen Sie sehr wohl, aber nur wenn es Lügen im Sinne des Mainstreams sind. Nach dem was ich in den letzten Jahren bei der Tagesschau recherchiert habe, hätten für Redakteure, Journalisten und weitere Verantwortliche schon ein paar dutzend Haftstrafen vollstreckt werden müssen. Die ARD berichtet über Volksverhetzung, das kommt mir rüber wie ein schlechter Witz. Klar, die 89jährige Dame muss unbedingt in den Knast. Oh, ich muss aufpassen, nicht zu viel Mitleid für die Betagte nach außen zu zeigen, denn das ist ja eine Holocaust-Leugnerin – da kann ich ganz schnell in Kontaktschuld geraten.

Im Mittelalter hat man die Menschen wie Lepra-Kranke ausgestoßen oder geteert und gefedert und dann durch die Stadt geführt. Alle haben sich gut gefühlt und die, die sich nicht gut fühlten, trauten sich nicht, weil sie Angst hatten vor der Marke des Gefederten auf der eigenen Stirn. Heutzutage wird das subtiler aber kaum weniger wirkungsvoll gemacht.

Nachricht 11: Glyphosat-Entscheidung – Schmidts Alleingang war offenbar vorbereitet

Lustig, nicht war? Klappe: Glyphosat die Dritte. Klar, deutsche Politiker treffen souveräne Entscheidungen, manchmal sogar im Alleingang. Ich lach mich scheckig. Und CSU-Chef Seehofer war wohl eingeweiht. Ach ne, wirklich? Sensationell. Empörungs-Management spielt weiter ganz vorn mit in der Trigger-Rangliste. Ja, und was passiert nun mit dem Glyphosat, wollen wir es nicht einfach verbieten? Sicher nicht, sonst würde nicht dieser Zirkus in den Medien für Sie veranstaltet.

Nachricht 12: Sicherheitslücke im BAMF – Bespitzeln ohne Spuren

„Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestehen offenbar erhebliche Sicherheitslücken beim Zugriff auf Asylakten“. Auch sehr schön: Ausländische Geheimdienste haben Interesse an den Akten im BAMF. Wie jetzt – dort auch? Unglaublich. Hier ist der Artikel interessant insofern, dass die böse Erdogan-Türkei ihr Fett abkriegt, haben sich doch nach einem fehlgeschlagenen Militärputsch tausende türkische Beamte nach Deutschland abgesetzt, die in ihrem Land eine Anklage zu befürchten haben. Beamte schließt natürlich auch in der Türkei solche von staatlichen Sicherheits- und Geheimdiensten ein – und aus diesen Kreisen kam er nun mal, der Putsch. Oder sollten es dann doch die Mitglieder dieses extrem stark vernetzten und ebenso einflussreichen westanatolischen Vereins für Fußmalerei gewesen sein?

Nachricht 13: Diesel-Gipfel – Eine Milliarde für saubere Luft

(b3) Wunderbar wie das Empörungs- und Aktionismus-Management im Dienste der Industrie harmoniert. „Kritik an der Autoindustrie“ ist der Empörungs-Trigger. Diese Trickser aber auch, wie können sie es wagen! Wir, Sie und ich würden so etwas NIEMALS tun, wir sind nicht so verdorben, nicht wahr? „Sofortprogramm“ ist nun der Aktionismus-Trigger. Und die Bundeskanzlerin wird zitiert mit einer „Wende zum umweltfreundlichen Verkehr“. Aha, die öffentlichen Verkehrssysteme sollen also priorisiert werden vor dem Individualverkehr (denn DER stellt ja das Problem dar). Ne, das war ein Witz.

Nachricht 14: Elbvertiefung: Gericht weist Klagen von Fischern ab

Ist alternativlos, da die Elbvertiefung unser Wirtschaftswachstum unterstützt. Wachstum schafft Arbeit und Wohlstand. Deutschland soll es auch weiter gut gehen, Fischer und Fische müssen da nachhaltig hinten anstehen. Fischer sind zudem ineffizient und außerdem renitent aufsässig mit ihrem kleinkarierten Denken. Die haben überhaupt nicht verstanden, dass wir uns an die Globalisierung anpassen MÜSSEN. Das ist alternativlos!

Nachricht 15: Nach Glyphosat-Entscheidung: Merkel rügt Minister Schmidt

Was für ein Brüller. Jetzt hat doch der Schmidt einfach das Glyphosat durchgewunken, was die Merkel um jeden Preis verhindern wollte. Tja, nix zu machen. Nun ist es durch. Verarscht an dieser Stelle fühlen sich wohl nur noch diejenigen, die glauben, die Tagesschau bringt Nachrichten unter der Maßgabe von Objektivität heraus. Empörungs-Management als emotionaler Trigger baut seinen Vorsprung aus.

Nachricht 16: Christian Schmidt: Leisetreter, plötzlich lautstark

Schmidt, der böse Glyphosat-Bube; die Tagesschau kriegt sich kaum noch ein. Wann endlich wird sein Rücktritt gefordert? Da gehen doch bestimmt noch ein halbes Dutzend Talk-Runden ins Land, in denen man das Nicht-Thema am Thema vorbei ausschlachten kann. Empörungs-Management wird wohl das Rennen an diesem Tag machen.

Nachricht 17: Messerattacke: Bürgermeister vermutet gezielten Angriff

Also tatsächlich kein Unfall, ja, nein, vielleicht, es wird aber vermutet. Das ist eine ganz wichtige Meldung, unbedingt berichtenswert. Können wir froh sein, dass uns die Tagesschau zum Thema auf dem Laufenden hält, ich wollte schon anrufen, hatte auch schon Stunden gegrübelt … Der emotionale Trigger Terror bringt sich noch mal in das Blickfeld.

Nachricht 18: Rechte Straftaten in Brandenburg: Falsches Spiel mit Statistiken

Terror von rechts und links, dazu noch die Rechten, die Rechtsesoteriker, die Rechtspopulisten, die Rechtsextremisten, die Antisemiten, Verschwörungstheoretiker, Klimaleugner und nicht zu vergessen die Holocaust-Leugner (siehe oben). Passen Sie ja auf, dass Sie nicht in diesen Sumpf geraten. Aber es ist alles noch viel schlimmer, als sie glauben. Die Statistiken zeigen das Dramatische nicht, denn sie sind gefälscht!!! Oh mein Gott, wir werden alle sterben, wenn uns Vater Staat nicht vor diesen Verderbern schützt. Trigger: Ein bisschen Terror, ein bisschen Empörungs-Management, ein bisschen Erinnerung, wo man sich nicht rumtreiben sollte. Die Nachricht als solches: Müll.

Nachricht 19: Telefonieren im Gefängnis: Häftlinge dürfen nicht abgezockt werden

Ach so? Na dann, auf ins Gefängnis, oder? Anders gefragt: WER darf denn abgezockt werden? Oder noch anders gefragt: Warum sollen ausgerechnet Häftlinge NICHT abgezockt werden? Wo das doch das Geschäftsmodell dieser Gesellschaft nach innen wie außen ist? Ist es nicht? Nach meinem Wissen wird bei Wirtschaftswissenschaften nach wie vor gelehrt, dass Menschen von Haus aus egoistisch und habgierig sind und DESHALB eine Gesellschaft von Marktteilnehmern notwendig ist, in der diese zum eigenen Vorteil konkurrieren können. Wie jetzt, Sie sind gar nicht so? Warum nehmen wir alle dann dieses Dreckssystem – vor allem geistig verinnerlicht – so bereitwillig hin? Gerade wichtigeres zu tun? Na dann …

Nachricht 20: SWR-Umfrage: Klare Mehrheit für Fahrverbote

Bürger diskutieren mit. Sie erleben geführte demokratische Teilhabe, GEFÜHRTE wohl gemerkt. VERBOTE sind übrigens auch das Mittel, um ein System was zielstrebig gegen die Wand fährt, solange wie möglich weiter zu betreiben. Klar, wenn die Hälfte steht, kann man noch einmal die gleiche Anzahl von Autos verkaufen, die dann natürlich fahren müssen. Oder wir machen die Autos noch größer und schwerer, dann können wir ein neues Investitions-Programm auflegen für Parkhäuser oder, nein besser und doppelstöckige achtspurige Straßen.

Das stärkt die Wirtschaft und sichert Arbeitsplätze. Genau dafür wurden wir doch auch geboren, nicht wahr? Wie reich doch unser Leben ist. 40 bis 60 Kilogramm Kupfer in einem großen Mittelklassewagen oder SUV? Kein Problem, das holen wir uns ökologisch nachhaltig in Chile. Die Indianer sind ganz entzückt, dass auch sie noch eine wertvolle Rolle im System der Kapitalvermehrung spielen dürfen. Es ist so schön, wenn man die eigene Teilhabe an dem weltweiten Desaster immer wieder elegant ausblenden kann. Bitte ansonsten noch einordnen in „Diesel-Skandal“ und „Sofortproramm“

Nachricht 21: Kanzlerin entsetzt über Messerattacke von Altena

Wie jetzt, die auch? Empörungs-Management ist überlegener Sieger dieses kleinen Wettbewerbs um das innenpolitische Thema des Tages, denn so gut wie alles was besprochen wurde, schleppte diese Empörung der ethisch Reinen hinterher. Da können wir uns alle wohl fühlen und immer schön auf die anderen zeigen. Diese Art, sich ständig auf der moralisch sauberen Position der Guten zu positionieren, hängt mir zum Halse raus – so wie auch die Hofberichterstattung der Tagesschau.

Nachricht 22: Streit mit SPD – Schmidt verteidigt Glyphosat-Ja

Was für eine Polit-Operette. Gähn …

Nachricht 23: Minister Müller zum EU-Afrika-Gipfel: „Ein neues Aufbruchsignal“

Nur kommt es aus Europa, das Aufbruchsignal und dürfte da eher als Drohung verstanden werden. Die Afrikaner freuen sich bestimmt ganz doll über weitere Segnungen unseres einzigartigen Politik- und Wirtschaftsmodells. Pech gehabt, ihr da unten. Wir brauchen das für unser dauerhaftes Wirtschaftswachstum – ist nicht persönlich gemeint. Sie, die Afrikaner mögen zwar sagen, sie hätten die grundsätzlich gleichen Menschenrechte wie wir – aber wir sind gleicher. Danke übrigens an euch alle, in der dritten Welt, denn nur durch euch können wir auch so viele dicke Autos bauen und dreimal im Jahr preiswert wie ökologisch nachhaltig zu euch düsen. Das Öl bei euch ist übrigens unser Öl, ihr könnt damit eh nichts anfangen. Eure süßen kleinen Kinder kriegen auch Schokolade von uns und zu Hause spenden wir bei „Brot für die Welt“.

Danke an Herrn Minister Müller, dass er in dieser Hinsicht unser aller Zukunft hier fern der Heimat in Afrika sichern hilft. Sie sagen, das sei Kolonialismus? Na, na, wohl Verschwörungstheoretiker; sehen Sie sich vor! Eine große Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme fällt mir auch schon für die Mohren ein: Sie können den Zaun an unseren Wohlstandsrändern unter Anleitung geschulten Fachpersonals selbst bauen, gegen gute Dollars oder Euros, sodass wir dieses lästige Migranten-Problem endlich vom Tisch bekommen.

Nachricht 24: Messerattacke auf Bürgermeister von Altena

Die erste Nachricht (ganz oben) ist die Neueste. Von hier an wurden Sie also noch dreimal erinnert an dieses ganz Deutschland zu bewegende Ereignis. Wir alle sind jetzt Altena, stehen wir gemeinsam auf gegen Gewalt und Hass. Wenn Sie das bisher nicht getan haben, weil das nämlich unser tägliches Leben auszeichnen sollte, ist es höchste Zeit. Aber dafür brauchen Sie nicht eine Gewalttat in Altena. So etwas wird als Nachricht(!) benötigt, um ihre Emotionen, und zwar jene, die sie nicht reflektieren, zu stimulieren.

Geschafft; was für eine Qual!

24 Nachrichten, sechs davon lieferten uns die Schmieren-Komödie um den „Glyphosat-Skandal“. Vier Nachrichten legten Wert darauf, dass im Automobilbereich dringend nachgelegt werden muss. Das Geld für den Bereich Automotive bezahlen wir als Steuerzahler. Dazu die Drohung an Afrika, von Minister Müller genannt: „Ein neues Aufbruchsignal“, die Elbvertiefung ist auf gutem Wege und Stuttgart 21 wird weiter getrieben, was immer es auch kosten möge. Das sind 13 Nachrichten – gewollt, vielleicht auch ungewollt oder unbewusst (wer weiß das schon) verfasst im legitimen Interesse der deutschen Wirtschaft; und zwar der Wirtschaft die klotzt und nicht kleckert.

Vier weitere Nachrichten beschäftigten sich mit dem Messerangriff auf einen Lokalpolitiker. Über 70 Millionen Menschen in Deutschland sind mit der bestürzenden Tatsache konfrontiert, dass Menschen andere Menschen mit Messern verletzen. Wie konnte es nur soweit kommen? Nie zuvor hat es so etwas in der Geschichte gegeben, dass sich Menschen in solch einer Art und Weise Gewalt antun. Seit Altena ist daher Handlungsbedarf dringend geboten, die Politiker sind gefordert. Wir müssen dringend mehr für unsere Sicherheit tun. Nein, nicht wir, bleiben Sie ruhig, gehen Sie Ihrer Arbeit nach und nehmen Sie keinerlei Verantwortung wahr. Man kümmert sich schon um Sie, keine Sorge.

Und die Bedrohungslage ist komplex, der alltägliche Terror hat viele Facetten. Ein Terrorverdächtiger wurde freigelassen (was interessiert da, dass halt der Verdacht nicht hinreichend begründet war). Ohne Schutzweste kann man nicht mehr mit der U-Bahn fahren. Dann noch Leute wie diese kreuzgefährliche 89jährige Antisemitin und die vielen Rechtsextremen die wir nur deshalb nicht sehen, weil die Statistiken gefälscht werden. Dazu noch Sicherheitslücken die nicht gestopft sind. Acht Nachrichten eines Tages also hatten Gewalt und Bedrohung zum Inhalt.

Und ich verrate Ihnen jetzt etwas: Solange WIR uns nicht ändern, wird das so weitergehen. Wir werden weiter mit Terror als Nachricht terrorisiert, um zu funktionieren und zuzulassen, eben weil wir es zulassen. Der nächste furchtbare Terroranschlag, bei dem wir alle zusammen rücken müssen für die Verteidigung unseres einzigartigen Wertesystems, er kommt ganz sicher.

Gab es noch etwas? Es wird diskutiert, ob man Häftlinge nicht abzocken darf. Böse Syrer sollen zum bösen Assad abgeschoben werden (oh nein, das wird unsere Vorzeigedemokratie doch nicht zulassen!). Aber haben Sie wirklich etwas Substanzielles aus unserem Land erfahren? Mehr noch: Welche dieser Nachrichten war positiv konnotiert?

Also wenn ich das zusammenzähle, komm ich auf: Zwei. Was denken Sie, welche ich meine?

Interessant ist das vor allem deshalb, weil diese zwei Nachrichten Lösungen anbieten. Meinen Sie, dass es Lösungen in Ihrem Interesse, in unser aller Interesse als der eines Gemeinwesens und im Interesse der Menschen anderswo sind?

Doch viel wichtiger ist: Zu welchen Themen hätten Sie sich Nachrichten gewünscht? Was bewegt Sie, uns alle, dass in den Medien schlicht nicht vorkommt? Zu uns allen gehören übrigens auch Sie, die Politiker und Sie, die Medienschaffenden.

Nun, zum Abschluss verdienen Sie noch ein kleines Schmankerl. Nach Beendigung der Analyse schaute ich nochmal schnell auf die untersuchte Seite der Tagesschau und just da war doch noch eine Meldung, eine Nachricht, mit der Sie sich selbstredend beschäftigen sollen, nachgerutscht. Und nun raten Sie doch mal, was Thema dieser Nachricht war.

Na?

Haben Sie es?

Jawolll! Tusch!!! Sie haben richtig geraten! Aber lassen Sie sich nicht die Stimmung verderben. Ich sagte Ihnen ja, dass Sie statt Vielfalt Einfalt erleben würden (b4):

 

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkung

(a1) Die vorgestellten Nachrichten wurden so im Text behandelt, wie sie auch ein „normaler“ Leser wahrnehmen würde, der die Seite aufruft. Er liest von oben nach unten. Es ist aber so, dass die Chronologie eines wiederholt behandelten Themas von unten her verstanden werden muss. Dieser Hinweis für Leser, welche mit der Schlüssigkeit bestimmter Kausalketten (verständlicherweise) nicht zurecht kommen.

Quellen

(Allgemein) 29.11.2017; 17:25 Uhr, 17:40 Uhr; https://www.tagesschau.de/inland/

(b1,b2,b3,b4) Screenshots; 29.11.2017; 17:30 Uhr, 17:40 Uhr; Tagesschau – Innenpolitik; http://www.tagesschau.de/inland/

(Titelbild) Lautsprecher; Autor: TimHaynes; Datum: 2016-04-17; Quelle: flickr.com_Lizenz: CreativeCommons; Bearb. d. Peds Ansichten

 

Ein Kommentar

  1. Seite vor wenigen Tagen auf der Suche nach Ursachen, der angeblichen Annexion der Krim durch Russland gefunden.
    Natürlich dann mehr „gestöbert“ !
    Ich bin begeistert, habe leider keine Website und wünsche mir von Ihnen ein „Weiter so“

    Danke,
    Mit besten Grüßen
    Thomas Hering

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