Mesut Özil, Ilkay Gündogan und die Doppelmoral

Wo alles in einen moralischen Kontext gepackt wird, sind die Diktatoren nicht weit – im doppelten Sinne. Denn Diktatoren, erkannt aus Sicht der selbst ernannten fortschrittlichsten Gesellschaft aller Zeiten, genannt repräsentative Demokratie, sind das Eine. Doch es gibt noch einen anderen Typ von Diktatoren und der tummelt sich unter uns. Dieser diktiert Gedanken, verurteilt und straft für falsche Gedanken. Die Drohung für Abtrünnige lautet soziale Ausgrenzung und damit Ausschluss aus der Gemeinschaft der Guten. Dabei spielen Feindbilder eine große Rolle.

Böser Erdogan und gute Kurden – eine verzerrte Realität

Wie holt man ein Konglomerat von Glaubenskriegern, Warlords und gesteuerten Sockenpuppen türkischer Großmachtphantasien als auch US-amerikanischer Gestaltungsträume zurück in die Flasche? Auf diesem Ansatz basierend ein paar Gedanken zum Verstehen türkischer Politik Anfang des Jahres 2018.

Türkische Gratwanderungen (9)

Im Sommer 2014 wurde der Welt das Drama von Kobane vorgeführt. Die nahe der türkischen Grenze liegende syrische Stadt wurde vom IS belagert und die Medien berichteten täglich über den aktuellen Stand. Aus meiner Sicht wurde in Kobane eine Show abgezogen, um die Bevölkerung der westlichen Staaten davon zu überzeugen, dass die Kurden in Nordsyrien militärisch unterstützt werden müssen. Von Kobane spannen wir im Folgenden außerdem den Bogen zur Gegenwart und schließen damit die Artikelreihe „Türkische Gratwanderungen“ ab.

Die Türkei, die USA und der Islamische Staat

Als die russische Luftwaffe im Herbst 2015 begann, hunderte von Tanklastzügen zu zerstören, die von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geraubtes syrisches Öl in die Türkei transportierten, war das in den westlichen Medien keine Sensationsmeldung wert. Und fortan wurde das Thema, so weit es ging, tot geschwiegen. Dagegen ist die Geschichte in den Leitartikeln der gleichen Medien vom Kampf gegen den IS ein Märchen und hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Sie werden getäuscht! Der folgende Artikel soll das

Türkische Gratwanderungen (8)

Es ist ein langer Anlauf, den die Leser in bisher sieben Artikeln zur Verwicklung der Türkei in die Konflikte im Nahen – und Mittleren Osten begleitet haben. Der aber aus meiner Sicht verständlich macht, wie die fortwährende Eskalation des Krieges an und hinter seinen Grenzen wie auch in der Türkei selbst(!) verstehbar ist. Jetzt nun wenden wir uns der Ausweitung des Krieges auf die Kurdengebiete zu.

Türkische Gratwanderungen (5)

Nachdem wir nun in vier Artikeln (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit) eine Analyse der türkischen Gesellschaft, bestimmter Interessengruppen wie deren Konfliktpotenzial einerseits und die Abhängigkeit zu Interessengruppen außerhalb der Türkei andererseits vorgenommen haben, wagen wir nun eine Interpretation türkischer Politik in der jüngeren Vergangenheit bis hin zur Gegenwart. Dabei werden wir erkennen, dass türkische Politik ganz und gar nicht unberechenbar ist, so wie uns die Leitmedien das einzureden versuchen.

Türkische Gratwanderungen (3)

Wie konnte es passieren, dass zwei friedlich miteinander kooperierende Staaten zu Feinden wurden? Alles reduziert sich beim Politik-Wechsel der Türkei gegenüber Syrien (seit 2011) auf einen – erwiesenermaßen inszenierten – Volksaufstand und dessen angebliche Niederschlagung durch Assads Sicherheitskräfte. Doch die Medienlüge greift nicht, um die Teilhabe der Türkei am Syrien-Konflikt wirklich zu verstehen.

Türkische Gratwanderungen (2)

Im Sommer 2016 versuchte das Militär in der Türkei die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Von einer Verstrickung westlicher Geheimdienste in diesen Coup muss dabei ausgegangen werden. Warum jedoch war es in ihrem Sinne, dass die Armee putschte? Hatte es mit der bemerkenswert radikalen Veränderung türkischer Politik in den Monaten zuvor zu tun? Insbesondere mit der ostentativen Hinwendung zu Russland? Wer und warum wollte Erdogan’s Politik beenden? Arbeiten wir uns im Folgenden weiter an das Verstehen der Konflikte im Nahen

Türkische Gratwanderungen (1)

Vielen Beobachtern erscheint das Verhalten der türkischen Regierung einschließlich ihres exzentrischen Führers Recep Tayyip Erdoğan sprunghaft und unberechenbar. Eine selektive und Interessen geprägte Informationspolitik der deutschen Leitmedien vermittelt zudem eine verzerrte Darstellung der dort vor sich gehenden Prozesse. Doch verbirgt sich dahinter sehr wohl Logik, denn auch in der Türkei geschieht nichts einfach so.