Mesut Özil, Ilkay Gündogan und die Doppelmoral

Wo alles in einen moralischen Kontext gepackt wird, sind die Diktatoren nicht weit – im doppelten Sinne.


Denn Diktatoren, erkannt aus Sicht der selbst ernannten fortschrittlichsten Gesellschaft aller Zeiten, genannt repräsentative Demokratie, sind das Eine. Doch es gibt noch einen anderen Typ von Diktatoren und der tummelt sich unter uns. Dieser diktiert Gedanken, verurteilt und straft für falsche Gedanken. Die Drohung für Abtrünnige lautet soziale Ausgrenzung und damit Ausschluss aus der Gemeinschaft der Guten. Dabei spielen Feindbilder eine große Rolle.


Der türkische Präsident Erdogan ist so ein Feindbild. Warum sollen wir eigentlich den Präsidenten der Türkei hassen? Was haben wir davon, wenn wir sein Handeln, das neuerdings (vor zehn Jahren sah man das interessanterweise noch nicht so verbissen) nicht in unsere emotional, moralisch gefestigten Vorstellungen einer Musterdemokratie passt, ständig verurteilen?

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft wird zum wiederholten Male die moralische Keule ausgepackt, die unser gutes Wesen an Worten und Gesten belegen möchte – aber ja nicht im selbstverantworteten, tatsächlich empathischen Handeln. Wieso muss ein Fußballer mit türkischen Wurzeln sich rechtfertigen, wenn er dem Präsidenten seines Heimatlandes die Hand gibt?

“Mesut Özil schweigt weiter in der Affäre um sein Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.” (1)

Wieso ist das eine Affäre? Warum wird Mesut Özil geradezu ultimativ aufgefordert, sich zu einem Treffen mit Erdogan öffentlich zu äußern? Wie darf er sich denn äußern? Soll er sich gar distanzieren? Hatte sich die deutsche Kriegsministerin von der Leyen auch distanziert, nachdem sie sich tagelang mit den Führern eines feudalen, kriegführenden und simpelste Menschenrechte mit Füßen tretenden Unrechtsstaates namens Saudi-Arabien zu vertrauensvollen Gesprächen traf (2)?

Wie weit die Menschen in Deutschland inzwischen manipuliert sind, erkennen Sie schon daran, dass der Nationalspieler Ilkay Gündogan, der gleichfalls von Erdogan empfangen worden war, nach seiner Einwechslung minutenlang ausgepfiffen wurde – in einem Länderspiel. Gegen wen dieses Länderspiel ausgetragen wurde? Na, gegen Saudi-Arabien! Kaum anzunehmen, dass sich die Zuschauer der armseligen Symbolik ihres Verhaltens bewusst geworden sind (3).

Wessen Bedarf nach politischer Korrektheit sollen die beiden gebürtigen Türken also Genüge tun und vor allem stelle ich mir die Frage nach der Aufrichtigkeit im Ansinnen an die beiden deutschen Fußballnationalspieler. Wer legt außerdem fest, was allgemein UMSTRITTEN ist? (b1)



Finden Sie das normal? Nicht das Bild führt mich zu der Frage, sondern das folgende Zitat:

“Während sein Kollege Ilkay Gündogan die Gelegenheit nutzte, um seine Sicht der Dinge zumindest im kleinen Kreis darzustellen, ließ der 29 Jahre alte Özil die Gelegenheit verstreichen und verweigerte erneut eine Debatte.” (4)

Liebe Leser, warum soll Özil diese Debatte denn führen? Glauben Sie, dass die geforderte “Debatte” als ergebnisoffen beabsichtigt ist? Wären Begriffe wie “Reue” und “Geständnis” nicht sehr viel ehrlicher, als “Debatte”? Erkennen Sie, was der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hier tut?

“Wenn ich die beiden Aussagen ernst nehme – und ich habe keinen Anlass, das nicht zu tun -, dann haben die beiden jedenfalls erkannt, dass es für sie gut ist, sich zu diesem deutschen Staat und ihrem loyalen Verhältnis zu ihm zu bekennen und das entstandene Bild zu korrigieren.” (5)

Kennen Sie noch den Spruch “Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns”? (6) Hier sollen sich Menschen BEKENNEN. Erst dann werden sie wieder vollständig in den Kreis der Guten aufgenommen. Von WESSEN zu korrigierenden Bild reden wir? Um was geht es hier also? Behandeln wir einen Sündenfall, bei dem gegenüber reuigen Tätern Gnade vor Recht ergehen soll? 

“Steinmeier wirbt um Nachsicht für Özil und Gündogan.” (7)

Aus meine Sicht geht es hier schlicht um Macht, um die konsequent durchgesetzte Umsetzung von Meinungshoheit, um Entmündigung.


Es geht darum, ein weiteres Mal die Gedankenpolizei zu aktivieren – und zwar in jedem von uns.


Weder Özil noch Gündogan haben sich eines Vergehens schuldig gemacht und die moralische Verurteilung ihres Treffens mit Erdogan ist schlicht und einfach verlogen – warum?

“Welche politische Dimension der Fall erreichte, wurde spätestens am 19. Mai deutlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing die beiden Spieler, die beide türkische Wurzeln, aber nur einen deutschen Pass haben, im Schloss Bellevue.” (8)

Und? Was wäre, wenn sie nicht einmal die, also türkische Wurzeln gehabt hätten? Was wäre da anders?

Nichts.

Den – sicher äußerst unwahrscheinlichen – Wunsch Erdogans, mit mir zu reden, würde ich keinesfalls ausschlagen. Das gilt genauso für Trump, Merkel, Putin, Assad, Macron und so weiter. Wo soll denn Verstehen und Verständigung sonst herkommen? Die Geste Gündogans und Özils ist also ein symbolischer Brückenschlag zwischen der Türkei und Deutschland gewesen, auch wenn die Beiden das selbst gar nicht so wahrgenommen haben. Sie taten einfach. Die damit verbundene Schaffung eines positiven Klimas ist jedoch ganz offensichtlich nicht gewünscht – denn sie löst die Feindbilder auf!

Was mich auch zur Frage treibt, WER die politische Dimension des Wochen zurückliegenden “brisanten Treffens” (9) erst konstruierte, bevor man sie dann ausschweifend behandeln konnte. Alle Massenmedien behandeln den “Fall Özil, Gündogan, Erdogan” als moralischen Fehltritt. Allesamt schwimmen sie in der gleichen trüben Suppe ihrer eigenen moralischen Unfehlbarkeit. Es ist so, liebe Leser, dass Gleichschaltung nicht unbedingt ausdrücklich angeordnet werden muss, wird sie doch meistens in innerem vorauseilenden Gehorsam praktiziert. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin unterwarf sich diesem Gehorsam und traf sich allen Ernstes in einem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft mit den beiden “Sündern”, um die “Bekehrung” voranzutreiben (10).

Ist der türkische Präsident etwa ein größerer Kriegstreiber als die deutsche Kanzlerin? Bei dieser Frage geht es mir um den reinen Sachverhalt, keineswegs um eine Verurteilung des einen oder anderen Politikers. Wie ich auch jedes Praktizieren wahrhaftiger Demokratie an der Behandlung des wichtigsten Völkerrechtes festmache, der Unverletzbarkeit staatlicher Souveränität, der Achtung von Grenzen und dem Willen, Differenzen konsequent auf friedlichem Wege auszutragen.

Wir beschweren uns zum Beispiel über Erdogans Krieg gegen die Kurden. Zu sagen, Erdogan führt Krieg gegen seine Bevölkerung, wie man das im Falle des syrischen Präsidenten Assad seit Jahren demonstriert, ist die Zeit für die Wertewächter offenbar noch nicht reif.


Warum beschweren wir uns eigentlich über alle tatsächlichen wie vermeintlichen Vergehen Erdogans an der einzig wahren Demokratie, nie jedoch über den Krieg der Türkei gegen Syrien? Weil das möglicherweise auch unser Krieg ist? Weil er “deutsche Interessen” bedient?


Was also ist mit unseren Kriegen? Hat der Krieg der Türkei gegen Syrien etwas mit dem Krieg Deutschlands gegen Syrien zu tun? Kann es sein, dass es den einen Krieg ohne den anderen gar nicht erst gegeben hätte?

Wo bitte sind deutsche Truppen in Kriege verwickelt und wo türkische? Man kann ja gern kritisch die türkische Politik untersuchen. Warum aber beginnen unsere Massenmedien nicht endlich, die deutsche Politik – und zwar im entscheidenden Fokus von Krieg und Frieden – kritisch zu untersuchen? Wo kommt die Anmaßung her, anderen Völkern und Staaten vorschreiben zu wollen, wie sie ihre Gesellschaften zu gestalten haben?

Wenn wir von der zutiefst unehrlichen Empörung der deutschen “Öffentlichkeit” über Recep Erdogan als postulierten Totengräber der Demokratie sprechen, dann müssen wir unweigerlich auf den Krieg im südlichen Nachbarland schauen. Denn nur so wird das Lächerliche so richtig deutlich, was sich in der Rolle von Moralaposteln als Hütern der westlichen Wertegemeinschaft verbirgt.

Finden Sie es unpassend, Deutschland als aktiven Unterstützer des internationalen Terrorismus zu bezeichnen?

Der internationale Terrorismus wird allenthalben als Todfeind der Demokratie angesehen, doch deutsche Politik untergräbt als Sponsor von Terroristen systematisch das, was sie moralisch den anderen als alternativlos vorschreibt; und das ist kein Versehen. Reden wir also von den Totengräbern der Demokratie, welche in Deutschland beheimatet sind. Reden wir von uns und blicken dabei von der Türkei des Recep Erdogan nach Syrien.

Für den, der es wissen möchte, ist längst bekannt, dass zum Beispiel die Organisation der Weißhelme in Syrien immer nur dort unterwegs ist, wo islamistische, sektiererische Extremisten vom Schlage al-Nusra, al-Sham, al-Islam, al-Zenki und wie sie alle heißen mögen, ebenfalls aktiv sind? Irritiert es Sie, dass dort, wo die Weißhelme agieren, auch immer Terroristen in Rufweite sind, aber in Berichten die von den Weißhelmen stammen, absolut niemals vorkommen? Unsere Regierung unterstützt diese Vereinigung mit großen finanziellen Mitteln und außerdem mit Propaganda.

Glauben Sie, dass, wenn die Terroristen einfach keine signifikante Rolle in der Medienberichterstattung spielen, sie quasi medial unsichtbar gemacht wurden, dass die dann auch tatsächlich weg sind?

Was Ihrer Wahrnehmung entzogen wird, entschwindet auch aus ihrem ganz eigenen Bild von der Welt. Doch das Entzogene, es ist sehr wohl weiter vorhanden.

Aber die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA könnte das unsichtbar Gemachte rasch wieder sichtbar machen, man bräuchte sie nur als Quelle benutzen und hätte damit eine Alternative für die Syrienberichterstattung. Sie denken, SANA ist nicht glaubwürdig, weil die doch Staatspropaganda verbreitet?

Wer nicht?

Armak aber, die halbamtliche Nachrichtenagentur des IS, die ist glaubwürdig? Oder die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Mittelengland – ist die glaubwürdig? Von wem hat die ihre Informationen? Ach, von Aktivisten? Oder die Weißhelme, geleitet von einem britischen Geheimdienstoffizier, die nur über die Rettung von durch Assad bombardierte Zivilisten berichten, aber die Terroristen seit fünf Jahren “übersehen” – die sind glaubwürdig? (11,12) Oder auch einfach “Beobachter” – sind die vielleicht glaubwürdig? Sie alle dienen als Quellen, aber SANA fristet ein Nischendasein in den deutschen Leitmedien.

Aber die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland, welche beim mit Abstand wichtigsten politischen Thema, dem von Krieg und Frieden, völlig unkritisch als Sprachrohr des politischen Establishments (nicht nur) in Deutschland herhalten; die sind glaubwürdig?

Oder geht es gar nicht um die Glaubwürdigkeit, sondern um vorgefasste Meinungen, ja Weltbilder, die man um jeden Preis bestätigt sehen möchte? Und da passt es eben gerade sehr gut, Erdogan Demokratiedefizite vorzuhalten, aber die eigene Verwicklung in selbst (mit)gezündete Konflikte einfach zu verschweigen.

Wie kontrolliert die deutsche Bundesregierung den Strom millionenschwerer Hilfsgelder nach Syrien, wenn doch die Zielgebiete in der Hand von Terroristen liegen? Raten Sie mal, über welches Land diese Unterstützung zu den “Moderaten” gelangt. “Aufbau der Zivilgesellschaft” nennt das die deutsche Regierung. Tatsächlich ist es nach wie vor der Versuch zur Erschaffung einer Parallelgesellschaft, dominiert von radikalen, gewalttätigen Sektierern. Deutsche Politik geht Hand in Hand mit salafistischen Terroristen, erklärt aber im gleichen Atemzug, dass es moralisch verwerflich ist, sich mit dem türkischen Präsidenten ablichten zu lassen. In welcher Welt leben wir eigentlich?

Warum haben deutsche Medien so ein Problem, die Terroristen im syrischen Idlib oder in Suweida (im Südwesten des Landes) auch als solche zu benennen und greifen stattdessen in ihrem Vokabular bis heute unverdrossen auf Titulierungen wie “Rebellen”, “Oppositionelle” und “Aufständische” zurück. Im Norden werden diese Terroristen über die Türkei versorgt, im Süden vor allem über Jordanien. 


Wie darf ich also verstehen, dass diese “Aufständischen” Geld und Güter aus Deutschland beziehen? Wie bringe ich das in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass diese “Aufständischen” mehr oder weniger allesamt mit al-Qaida in Verbindung stehen? Wissen Sie noch, warum die deutsche Bundeswehr nach Afghanistan entsandt und mit was der sogenannte Krieg gegen den Terror begründet wurde?

Hierfür gebe ich Ihnen die Antwort: Als Grund wurde die Bekämpfung von al-Qaida angegeben. Al-Qaida und internationaler Terrorismus wurden spätestens ab 2001 von der westlichen Politik und ihren Medien in einem Zungenschlag verwendet und sämtliche Kriege, welche derzeit von der westlichen Wertegemeinschaft in Asien und Afrika geführt oder befeuert werden, laufen eben unter diesem Motto.


Seit 14 Jahren ist die Bundeswehr in Afghanistan. Wer von Ihnen denkt, dass das deutsche Militär in diesem Land al-Qaida bekämpft, dazu Brunnen mitsamt einer demokratischen Zivilgesellschaft aufbaut und ansonsten Süßigkeiten an dankbare afghanische Kinder verteilt? In 17 Jahren westlicher Truppenpräsenz in Afghanistan war es möglich, dass sich dort – neben den Taliban – eine noch extremere sektiererische Organisation etablieren konnte – der Islamische Staat. Wie ist das möglich? Oder stimmt die Geschichte mit den Brunnen und der Zivilgesellschaft vielleicht gar nicht?

Wo nehmen deutsche Politik und Medien – angesichts dieser Tatsachen – die Dreistigkeit her, Erdogan über Demokratie aufzuklären?

Warum also unterstützt Deutschland Terroristen von al-Qaida, wo uns doch ständig erzählt wird, die deutsche Bundeswehr ist wegen der Bekämpfung von al-Qaida in Auslandseinsätzen tätig?

Ist es für Sie ungewohnt zu hören, dass Deutschland aktiver Unterstützer des internationalen Terrorismus ist? Wie demokratisch finden Sie das?


Noch einmal: Die von al-Qaida-Terroristen beherrschten Gebiete in Syrien können nur überleben, weil sie einen Zustrom von Waffen, Ausrüstung, Versorgungsgütern und Nahrungsmitteln genießen, der es ihnen vor allem erlaubt, den Krieg gegen die syrische Regierung weiterzuführen. Und diese Mittel kommen zum großen Teil aus Deutschland über die Türkei in die besetzten Gebiete in Syrien.


Ja richtig – nicht befreite Gebiete, sondern besetzte Gebiete. Wir reden von der Annexion großer Teile Syriens durch Proxies westlicher Staaten. Das dies geschieht und wie es geschieht, ist alles kein Geheimnis. Es sei denn man blendet, weil die eigene Weltsicht gestört ist, diese Tatsachen aus.

Deutschland untermauert seine Unterstützung des internationalen Terrorismus mit dem Vorantreiben geradezu irrwitziger Sanktionen gegen Syrien, die schärfsten Sanktionen, die jemals einem UNO-Mitgliedsstaat auferlegt wurden. Das sind Sanktionen, die – zusätzlich zum aufgezwungenen (militärischen) Krieg – das größte denkbare Leid über die Syrer gebracht haben (13). Es ist dabei kein Widerspruch, dass deutsche Politik und Medien ohne jede Hemmung von einer strategischen Partnerschaft mit Saudi-Arabien fabulieren. Wer Krieg führt, muss sein Volk belügen und das Volk muss naiv und bequem genug sein, das hinzunehmen (14).

Um auf den Anfang dieses Artikels zurückzukommen: Wenn die deutsche Regierung also den Terrorismus in Syrien gar nicht bekämpft, sondern sogar aktiv unterstützt, sollten sich dann ab sofort auch Menschen rechtfertigen, ja entschuldigen, wenn sie der deutschen Bundeskanzlerin die Hand gegeben haben? Halten Sie das in irgendeiner Weise für zielführend?

Die syrische Armee bekämpft derzeit den Islamischen Staat im Süden Syriens. Der IS kann dort in der Wüste nicht nur überleben, sondern sogar Angriffe auf syrisches Militär und Zivilisten durchführen – wie das? Wenn doch wenige Dutzend Kilometer entfernt die USA und ihre Verbündeten im Gebiet von al-Tanf und östlich des Euphrat völkerrechtswidrig syrisches Gebiet okkupierten – und das mit dem erklärten Ziel, den Terrorismus zu bekämpfen. Warum sind die tatsächlich dort?

Fazit

Der Popanz, welcher um den Empfang zweier deutscher Nationalspieler beim türkischen Präsidenten aufgebaut wurde, verbirgt das, was ich bereits andernorts immer wieder als A-Geschichte bezeichnete. Die unehrliche Moralisierung deckt die B-Geschichte von einer deutschen Regierung als Vertreter und Sendbote von Demokratie und Menschenrechten und verdeckt die A-Geschichte sehr profaner Wirtschafts- und Machtinteressen, die es zur Durchsetzung dann, gerade was die universellen Menschenrechte betrifft – nicht so genau nehmen. Zur Not müssen dann auch Kriege als Lösung herhalten und diese Lösung ist zum Standard westlicher Politik geworden.

Sich über den “türkischen Diktator” zu echauffieren, kommt mir wie ein Witz vor. Dass die Empörung verlogen ist und offenbar ganz andere politische Prozesse in der Türkei stattfinden, die “deutschen Interessen” nicht mehr in den Kram passen (und da kann auch Syrien und Russland eine Rolle spielen, natürlich), das fällt spätestens dann auf, wenn Sie es mit dem Empörungs-Management in Bezug auf Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und nicht zu vergessen Israel vergleichen.

In diesem Sinne wünsche ich den beiden Menschen Mesut Özil und Ilkay Gündogan  von Herzen, dass sie sich einen Rest an Authentizität und selbstverantwortlichem Handeln bewahren, was angesichts des “öffentlichen” Drucks, der ihnen gegenüber aufgebaut wurde, keinesfalls trivial ist.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.

Nachtrag: Mesut Özil hat der Politiker- und Medienkaste, den Funktionären des Deutschen Fußballbundes, der ganzen moralinsauren und sich selbst in die Taschen lügenden “Öffentlichkeit” wenig später die Rote Karte gezeigt (15). 


Anmerkungen

(Allgemein) Dieser Artikel ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Letzte Aktualisierung: 6.11.2018.

Quellen

(1,4) 6.6.2018; https://rp-online.de/sport/fussball/wm/dfb/mesut-oezil-schweigt-beharrlich-zur-affaere-um-erdogan-foto_aid-23254115

(2) 9.12.2016; https://www.focus.de/politik/videos/umstrittener-besuch-im-nahen-osten-saudi-arabien-von-der-leyen-schmiedet-umstrittene-militaerallianz-mit-den-scheichs_id_6315045.html

(3) 8.6.2018; http://www.sueddeutsche.de/sport/letzter-test-vor-der-fussball-wm-dfb-team-reist-mit-misstoenen-nach-russland-1.4009054

(5) 6.6.2018; http://www.spiegel.de/sport/fussball/frank-walter-steinmeier-ueber-mesut-oezil-und-ilkay-guendogan-bisschen-ratlos-a-1211482.html

(6) 7.9.2006; https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=qa&answer_id=243

(7) 7.6.2018; http://www.deutschlandfunk.de/besuch-bei-erdogan-steinmeier-wirbt-um-nachsicht-fuer-oezil.2851.de.html?drn:news_id=890488

(8,9) 6.6.2018; https://www.sportschau.de/fifa-wm-2018/guendogan-oezil-trainingslager-steinmeier-100.html

(10) 12.6.2018; https://www.welt.de/sport/fussball/wm-2018/article177393186/Erdogan-Eklat-Auch-Angela-Merkel-bat-Oezil-und-Guendogan-zum-Gespraech.html

(11) 25.10.2016; http://germancenter.net/2016/10/25/syrische-weishelme-realitat-und-fiktion/

(12) 1.3.2018; http://www.globalresearch.ca/syrias-white-helmets-fiction-and-reality/5550964

(13) 12.6.2018; https://www.rubikon.news/artikel/unser-krieg

(14) 4.1.2016; https://www.tagesspiegel.de/politik/der-westen-und-saudi-arabien-als-partner-unverzichtbar/12788386.html

(15) 23.7.2018; https://deutsch.rt.com/gesellschaft/73359-ozils-rucktritt-aus-nationalmannschaft-medien/

(b1) Mehmut Özil überreicht Recep Erdogan ein Trikot seines Vereins Arsenal London; 6.6.2018; Quelle: dpa

(Titelbild) Autor: 3dmann_eu (Pixabay); Datum: 14.1.2017; Quelle: https://pixabay.com/de/figur-fussball-fussballspieler-2018231/; Lizenz: CC0 Creative Commons

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