Alexander Dugin, Wladimir Putin und ein Hetzwerk von frontal21

Ist das ZDF-Magazin frontal21 ein investigatives Format für Bildung und Aufklärung oder doch einfach nur ein Erfüllungsgehilfe zur Etablierung und Festigung von Feindbildern? Aus meiner Sicht trifft eindeutig das Zweitgenannte zu. frontal21 betreibt systematisch Hetze. Das Elaborat „Putins geheimes Netzwerk“ sehe ich als eindrucksvolles Beispiel für ein Hetzwerk.


Vorwort

Inspiriert zur Beschäftigung mit jener frontal21-Sendung hat mich ein politisch aktiver, wacher Freund. Ein Mensch, der nicht in Schablonen denken möchte, sich auf die Gedanken anderer einlässt und immer bereit ist, seine eigenen Ansichten zu hinterfragen. Monate nach dessen Veröffentlichung hatte er sich die frontal21-Dokumentation Putins geheimes Netzwerk [1] angeschaut. Mein Freund hatte in seiner selbstkritischen Reflexion nun die Erkenntnis, dass es doch – trotz aller Propaganda – Wahrheiten in dieser Dokumentation gegeben habe, die man nicht so einfach unter den Tisch kehren könne.

Wir tauschten unsere Gedanken zu dieser Sendung aus, wobei ich auf einen Artikel der Propagandaschau aufmerksam machte, der die Sendung analysiert hatte. Mein Freund fand diesen Artikel nun seinerseits propagandistisch und damit nicht geeignet zur Wahrheitsfindung. Er bediente damit unbewusst ein Klischee, dass doch alle Seiten das Gleiche machen würden. Ist dem so?

Anliegen dieses umfangreichen Artikels soll daher sein, Ihnen etwas tatsächlich Wirksames in die Hand zu geben, das Ihnen hilft, einer Vereinnahmung durch Propaganda zu entgehen. Denn das Problem, was ich im Nachhinein für meinen Freund erkannte, war, dass er mit den Werkzeugen, die er dort zur Wahrheitsfindung benutzte, an der Propagandafront auf verlorenem Posten stand. Machen wir uns also an’s Werk und untersuchen mal intensiv das Propaganda-Machwerk aus der öffentlich finanzierten Medienanstalt  Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) – und das möglicherweise für Einige von Ihnen aus einer ganz neuen Sicht.

Die rationale und emotionale Ebene

Was mein Freund versuchte – und was uns in unzähligen Lebenssituationen vorwärts bringt, war eine rationale Betrachtung. Dieser Ansatz läuft auf ein Streben nach maximaler Objektivität und Akzeptanz anderer Meinungen hinaus. Das eigene Weltbild wird permanent in Frage gestellt und im positiven Sinne erkenne ich hier das Prinzip des Skeptizismus. Dieser Skeptizismus wird auch von mir als höchst wertvoll und notwendig erachtet.

Machen wir es kurz. So erstrebenswert diese Herangehensweise im Kontext einer gesunden, kooperativ denkenden und handelnden Gesellschaft auch ist, so fatal ist sie, wenn der Gegenüber von dem Gedanken beseelt ist, unseren der Wahrheitssuche verpflichteten Helden auf ein Spiel völlig anderer Art einzuladen. Das Werkzeug des Skeptizismus wird damit zur Waffe desjenigen, der Macht über den Geist anstrebt – über den Geist anderer Menschen.

Nun ist es so, dass eine vorherige Pauschalverurteilung von Meinungen, wie sie ja auch in der frontal21-Dokumentation geäußert werden, doch genau das ist, was wir selbst bei Anderen verurteilen. Wir müssen uns also erst mit den Inhalten befassen, bevor wir eine Bewertung treffen können. Das war eine starke Argumentation des Freundes und eine ebenso starke Motivation für mich, das Thema gründlicher zu untersuchen. Und in deren Verlauf fragte ich mich an einem bestimmten Punkt:

Moment, müssen wir das wirklich?

Und wenn, wie wollten wir das bewerkstelligen? Außerdem: Glauben Sie, dann tun wir das tatsächlich aus unserem eigenen freien Willen heraus? Treffen wir wirklich eine eigene Entscheidung oder wird sie uns womöglich aufgezwungen?

Mit was beschäftigen wir uns eigentlich in unserer Gesellschaft, wenn wir politisch denken und handeln? Mit den wahren, durchaus von uns selbst erkannten Problemen oder eher mit den Problemen, die uns als solche offeriert werden?

Erste Schlussfolgerung in Bezug auf angezeigtes Thema: Jemand möchte, dass wir uns unbedingt genau damit auseinander setzen, warum?

Und es stellt sich eine wichtige; eine entscheidende Frage:

Welche Motivation gibt es für die Dokumentation: Putin’s geheimes Netzwerk?

Nächster Punkt: Was ist denn bei dem uns hier vorgegebenen Thema für uns und unser eigenes Tun tatsächlich so wichtig – aus unserem ganz eigenen Bestreben nach Wahrheit und aktiver gesellschaftlicher Teilhabe heraus? Ich sage es Ihnen:

Nichts.

Für uns SOLL es aber etwas wichtiges sein; aber was? Tatsächlich eine bestimmte Wahrheit? Vor allem: Was soll es bewirken? Diese Sendung hat doch ein Ziel und schon rein nach dem formalen Bildungsauftrag des ZDF ist es klar, dass hier Denk- und Handlungsanleitungen vermittelt werden. Allein das ist schon ein Diskussionsthema für sich, aber schlicht festzuhalten an dieser Stelle ist der Fakt:

Die frontal21-Dokumentation Putins geheimes Netzwerk hat bestimmte Ziele, denn sonst wäre sie nicht produziert wurden. Lassen sich diese Ziele ermitteln?

Selbstverständlich.

Das Problem ist, dass Sie mit Rationalität, mit einer Analyse, welche faktenbasiert, technisch und detailliert bis auf eine beliebige Ebene geführt wird, eben nicht hinter die Ziele der Macher dieser Dokumentation kommen werden. Sie müssen schon auf eine völlig andere Ebene wechseln: auf die Ihrer Emotionen.

Denn genau auf der Ebene der Emotionen werden Sie nämlich angegriffen. Der Inhalt der Sendung richtet sich nur scheinbar auf ermittelte „Fakten“ wie „Putins Netzwerk“; nein, er richtet sich ganz deutlich gegen („gegen“ weil im Grunde gegen Ihren Willen!) SIE. Die Macher wollen etwas von IHNEN – aber was?

Das Dilemma für Sie ist, dass Sie, selbst wenn Sie meinen rational zu denken und zu handeln, von Ihren Emotionen geleitet werden. Problem deshalb, weil diese Emotionen nun mal nicht rational im Sinne dessen sind, was wir unter Rationalität verstehen. Durch die Halle der Emotionen geht aber jeder, tatsächlich jeder Entscheidungsprozess Ihrerseits. Und daher ist Eines ausgesprochen wichtig:

Hören Sie auf Ihr Herz.

Wenn wir also hinter das Anliegen dieser Dokumentation kommen möchten, müssen wir – im übertragenen Sinne – mit unserem Herz sprechen. Auch wenn wir immer wieder von Emotionen sprechen; das Herz ist entscheidend für unsere Suche. Klingt das für Sie absurd? Das kann ich verstehen; bestimmte Dinge sind uns Menschen hier fremd geworden. Warum mir das so wichtig ist – etwas Geduld.

Wahrheit?

Wie rasch es um ihre Emotionen geschehen ist, dass ahnen die wenigsten, wenn Sie den Texteinstieg zur Dokumentation auf der Online-Präsenz des ZDF konsumieren [b1]:

Haben Sie die Manipulation bereits erkannt?

So etwas wird auch gern bei Produktwerbung eingesetzt. Und nicht umsonst hat sich deren geistiger Vater, Edward Bernays, sowohl im Bereich kommerzieller Produktwerbung als auch im Propagandakrieg zur Destabilisierung anderer Gesellschaften seine Tantiemen verdient. [2][3]

Es geht um die Verpackung. Und oft ist das was drauf steht nicht drin.

Diese Überschrift, dazu der Untertitel „Wie Russland den Westen spaltet“ und nachfolgend der einleitende Text ist ungemein wirkmächtig. Denn einerseits suggerieren sie uns ermittelte Wahrheit, ermittelt durch umtriebige, fleißige, keine Mühen und Unbilden scheuende investigative Journalisten und andererseits – und das ist fast noch schwer wiegender:

Genügt dem größten Teil der Medienkonsumenten diese Information, um sie als Wahrheit hin zu nehmen. Diese Medienkonsumenten sind auch nicht das geistige Ziel. Sie sind so stark indoktriniert, politisch und geistig sediert, dass sie unfähig sind, zu zweifeln.

Ziel dieses Machwerks [a1] sind viel mehr die politisch aktiven Menschen, Menschen die zweifeln und hinterfragen. Diese Menschen, so wie mein Freund, sollen in die Matrix der einzigen, normierten und alternativlosen Wahrheit gezwungen werden. Und das tut man, in dem man sie genau in diesen Kampf, z.B. in diese Dokumentation zwingt.

Und, ich denke Sie wissen, auf welcher Ebene dieser Kampf statt findet. [b2]

Sie haben nun zwei Möglichkeiten, die Rationale und Emotionale, sich mit dem Gelesenen auseinander zu setzen; scheinbar(!):

Sie wählen die rationale Ebene, in dem Sie das Gelesene durch Sehen der Dokumentation prüfen und danach durch eigene Recherchen hinterfragen. Machen Sie sich schon ein wenig Vorstellungen, mit welchen Aufwand das verbunden ist? Ist Ihnen bewusst, dass Sie mittels dieses Verfahrens bei jeder ähnlich gearteten Dokumentation so vorgehen müssten. Glauben Sie, dass so etwas im realen Leben umsetzbar ist?

Was denken Sie, wo sie bei Nutzung eben beschriebenen Verfahrens zuerst Kompromisse machen werden?

Sie werden aufgrund Ihrer begrenzten Ressourcen die anhängige aufwändige Recherche irgendwann weg lassen. Dieser Aufwand, den sie da betreiben, ist wohl kalkuliert – von Anderen. Deshalb bekommen Sie auch umgehend immer wieder neues Material „zugespielt“, damit Ihnen das Futter nicht ausgeht.

Sie werden in einen Kampf gezwungen. Oder richtiger ausgedrückt: Sie haben sich auf einen Kampf eingelassen, den Sie nicht gewinnen können. Weil Sie nicht verstanden haben, dass es gar nicht um ihre Ratio geht, sondern um Ihre Emotionen – um Ihr Unterbewusstes!

Sie haben also gar nicht die zwei Möglichkeiten; denn es geht immer nur um Ihre Emotionen. Selbst wenn sie reflektieren, sich selbst und andere. Am Ende landet alles bei Ihren Emotionen. Das Dilemma vieler Menschen, die reflektieren ist, dass ihnen nicht bewusst ist, dass trotzdem eine Steuerung ihres Unterbewussten erfolgt. Und zwar immer, wenn sie sich in den Kampf auf der Ebene von Propaganda begeben. Die empathischen Fähigkeiten werden so missbraucht und gegen sie selbst gelenkt.

Menschen, die mit Schuldgefühlen behaftet sind, können besonders leicht auf diese Weise manipuliert werden, weil man sie vergleichsweise leicht in den Zwang versetzen kann, etwas gut machen zu müssen, im Sinne von Abarbeitung einer Schuld. Sind Sie sicher, dass Sie zu dieser Gruppe von Menschen nicht gehören? Aus meiner Sicht denkt der übergroße Teil der Gesellschaft sehr wohl in Schuldkategorien. Und ist damit hervorragend manipulierbar. Und auf dieser Basis werden grundlegende, weitreichende politische Konzepte und Entscheidungen durch geboxt. Ein Beispiel:

Das Prinzip des Responsible to Protect (R2P) – Die Pflicht zu schützen; und zwar überall auf der Welt – wenn es Ihnen jemand sagt, dass es dort oder dort notwendig sei. Auf dieser aus Schuld geborenen Grundlage werden seit Jahrzehnten blutige Kriege des Westens in anderen Teilen der Welt geführt! Entscheidungen, die emotional vom größten Teil der westlichen Gesellschaften mit getragen werden.

Das ist der Grund, warum ich selbst mich sehr diszipliniert und vor allem limitiert auf die Auseinandersetzung mit den Leitmedien einlasse [a2], denn es ist ein Einlassen auf einen Kampf auf der Ebene des Unterbewussten. Dieser Kampf ist niemals konstruktiv, er ist kräftezehrend, denn es geht um die Verteidigung des Ich’s, das auf der emotionalen Ebene sehr wohl spürt, dass es in Besitz genommen werden soll.

Vom Rationalen ins Emotionale

Gut; im Sinne der Erweiterung unserer Medienkompetenz genehmigen wir uns ein paar (aber beileibe nicht alle) „Fakten“ dieser nur auf den ersten Blick(!) schlampig zusammen gewürfelten „Dokumentation“. Die ersten Sätze bereits; nur den Inhalt bewertend, lassen erkennen, wohin die Reise geht. Zwei Lügen werden in den Auftakt geklatscht:

„Viele Teilnehmer sind davon überzeugt. Der Westen und seine Medien schüren Hass; gegen Russland und Präsident Putin. Trotz Krim-Annexion und Krieg in der Ukraine steht Russland für die Leute hier [Teilnehmer der Internationalen Friedensfahrt] für Frieden.“ [4]

Da treffen sich Menschen, opfern Zeit und Geld, um den Gedanken von Frieden und Völkerverständigung (Verständigung > Verstehen) nach außen zu tragen. Und was machen „unsere investigativen“ Filmemacher daraus? Eine geradezu bösartige Diffamierung, die diesen Menschen schlicht unterstellt, unterbelichtet und Opfer von russischer Propaganda zu sein. Bedenken Sie, dass das Zitat aus dem Film entnommen wurde. Ihre Möglichkeiten der Reflexion sind beschränkt. Der Satz rauscht durch Ihr Hirn aber die nächste Filmsequenz verhindert eine gründliche Verarbeitung des Gehörten. Ihr Unterbewusstes aber hat es wohl vernommen.

Und schon da frage ich mich: Warum in alles in der Welt soll ich mir diesen Schund weiter rein ziehen?

Später sieht man die Friedensfahrt-Teilnehmer bei ihrer Ankunft in Moskau, singend das Drushba und seine deutsche Entsprechung Freundschaft. Wie wird die Bereitschaft zum Verstehen, zum Hände reichen, kommentiert?

„mit wehenden Fahnen in Putins Machtzentrum“ [5]

Dieses hässliche Konzept, dem Zuschauer ein zu trichtern, was er bei den gezeigten Bildern zu denken hat, ihm das Positive an Emotion einfach weg zu nehmen und durch eine Negative zu ersetzen, zieht sich durch den Film wie ein roter Faden.

Der Zuschauer soll in seinem Kopf diese Logik fest verdrahten: Obwohl Russland eigentlich für Krieg und Annexion steht, steht es bei den gefilmten Friedensfahrt-Teilnehmern für Frieden. Die Leute müssen also Spinner sein, wenn sie sich mit Kriegstreibern solidarisieren. Die Lüge von der Annexion der Krim ist genauso billig, wie die von der russischen Invasion in der Ostukraine. SIE aber sollen sich in acht nehmen vor Leuten, die sich mit Russland in Frieden verbunden fühlen(!). Das sind Leute, die keine Angst vor Russland haben.

Aber darum geht es. SIE SOLLEN ANGST VOR RUSSLAND HABEN! Und nicht nur vor Russland. Sie sollen vor viel mehr Dingen Angst haben. Angst soll Teil Ihres Alltags sein. Und was ist Angst?

Eine Emotion.

Angst ist Misstrauen und Unsicherheit. Angst verhindert in jedem Fall eine Annäherung an die andere Seite – immer! Weil sie als Symptom einer erfolgreichen Erkennung und Abwehr von Gefahr in uns „fest einprogrammiert ist“, durchschneidet sie alle Kommunikationsstränge. Und sie verhindert ein Verstehen der anderen Seite. Sie verhindert sogar den Versuch eines Verstehens der „Versteher“. Auch diese Menschen werden damit ausgegrenzt. Und mit jedem Menschen und jeder Gruppe von Menschen, die sie infolge erfolgreicher Indoktrination ausgegrenzt haben, passiert etwas wirklich Schlimmes mit Ihnen:

Sie werden immer einsamer.

Aber kein Mensch möchte einsam sein, wir sind soziale Wesen und nur als solche dauerhaft mit dem durchdrungen, was man gemeinhin Glück nennt. Also werden wir versuchen Anschluss zu finden. In uns entsteht ein Anpassungsdruck, wir wollen nicht ausgegrenzt sein. Aber vor Vielfalt fürchten wir uns, wir können nicht mehr reale Gefahren von imaginären Gefahren unterscheiden. Wir sind in Angst gefangen – und damit ein leicht benutzbares Werkzeug.

Genau so entsteht ein Feindbild. Selbst wenn Sie um die gesellschaftlichen Prozesse in der Ukraine wissen, die zur Sezession der Krim und ihrem Beitritt zur Russischen Förderation führten, wurde Ihnen damit erfolgreich in einer kleinen Dosis Angst ein getröpfelt. Würden Sie es spüren, diese Dosis Angst? Wie spürt man das?

Wie weit der Selbstbetrug Öffentlich-Rechtlicher Medien inzwischen geht, sieht man in deren Ansicht, dass nur die Wühlarbeit einer fremden Macht Schuld sein kann, wenn die Menschen sich von ihnen (den Medien) beginnen, abzuwenden:

„In Umfragen sprechen sich 70 Prozent der Deutschen dafür aus, die Wirtschaftssanktionen zu beenden. Und das trotz Krim-Annexion, Ukraine-Krise und der tödlichen Bomben im Syrienkrieg. Wie passt das zusammen?“ [6]

Ja, wie passt das nur zusammen? Wenn ein Finger auf den Anderen zeigt, zeigen immer drei Finger (und das unbewusst) auf sich selbst. Und da liegt das Problem. Hier werden mit großer Selbstverständlichkeit gleich mehrere Behauptungen als bewiesene Tatsachen hin gestellt. Wir befinden uns am Anfang des Filmes. Diese falschen Grundannahmen sind dessen Basis – und Sie sollen sie schlucken. Sie sollen diese Lügen schlucken – nicht auf einer Verstandesebene sondern in Ihren Emotionen. Tun Sie das, nehmen Sie auch die darauf aufbauende Kausalität hin, denn die ist ja durchaus schlüssig. 

Verstehen Sie? Wenn Sie irgendwie (und „nur“ unbewusst) akzeptiert haben, dass zwei größer als vier und eins größer als vier ist, dann ist die Aussage zwei plus eins ist größer als vier plausibel. Das nur zum Verständnis, was ich mit den Folgen einer willkürlichen Grundannahme meine. Dabei ist das Zahlenbeispiel harmlos, warum sollen wir nicht auch so etwas einfach mal denken; also kein Problem. Was aber, wenn Menschen andere Menschen verleumden; ihnen Dinge unterstellen und die Verleumdungen werden mittels manipulativer Überzeugungskraft anderen Menschen als glaubhaft über geworfen? Was, wenn solch eine willkürliche, diffamierende Grundannahme Basis der folgenden Logiken ist?

Und die Grundannahme haben Sie dabei gar nicht auf der rationalen sondern auf der emotionalen Ebene verinnerlicht. Das ist faktisch Ihr Einstieg und ab jetzt können Sie bearbeitet werden. Wie können wir vermeiden, in so eine Falle zu tappen?

Ein russischer Ideologe

Zwei Namen werden groß als Aufhänger benutzt, um dem russischen Präsidenten eine Verbindung zu Rechtsextremen und Rechtspopulisten an zu dichten. Und seien Sie vorsichtig! Schon die Begriffe sind reine Kampfbegriffe, um sich selbst ein Feigenblatt für die Vermeidung sachlicher Diskussionen mit Andersdenkenden verpassen zu können. Und sie dienen noch mehr dazu, dass SIE die dort verorteten Menschen in IHREM Kopf ausgrenzen.

Es ist nicht mein Ansinnen, die Rolle dieser beiden Männer einzuordnen und zu bewerten. Sondern es geht darum, offen zu legen, wie sie in dem Film verwurstet werden, um auf abenteuerliche Weise ein rechtes, antidemokratisches, dem Westen feindlich gesonnenes Putin-Netzwerk zu konstruieren. Gleich am Anfang kommen sie zu Wort: Alexander Dugin und Konstantin Malofejew.

Im Begleittext zur Dokumentation schreibt das ZDF:

„Erstmals im deutschen Fernsehen äußern sich Putin-Gefolgsleute wie Alexander Dugin über ihre Rolle in Russlands Propagandafeldzug gegen den Westen: „Ich verachte und lehne dieses liberale und bourgeoise Europa ab, dieses degenerative, politkorrekte Pseudo-Europa.“ [7]

Haben Sie es gelesen? Wie lange haben Sie dafür benötigt? Was denken Sie, hat Ihr Unterbewusstes gerade gespeichert? Lesen Sie den Text ein weiteres mal, nein besser noch mehrmals und lassen Sie sich vor allem Zeit. Reflektieren Sie. Entsteht für Sie ein neues Bild?

Leicht dahin gelesen, bekommen Sie die Absurdität des Gesagten gar nicht mit. Mit fehlender Logik hat unser Unterbewusstes auch keine Probleme, es hat keinen Sensor dafür. Es nimmt die Information einfach auf. Und ebenso wenig erkennt es, wenn es in einer Filterblase steckt, man ihm also ständig (vor-)selektierte Informationen präsentiert. Das Unterbewusste nimmt, was es wahr nimmt! Bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie anstrengend es ist, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, wenn hinter der Botschaft eine gezielte einseitige Manipulation steckt? Mit Klugheit und Intelligenz hat das nichts zu tun; mit Reflexion schon mehr – nur hat auch die ihre Grenzen.

Dugin sagt offen, was er über das Europa von heute denkt – und? Ist er tatsächlich so weit von der Wahrheit weg? Ich meine, er ist ist sogar verdammt nah dran! Und was hat diese Aussage mit irgend welchen Putin-Netzwerken zu tun? Wieso ist Dugin ein „Gefolgsmann“ Putins? Man wechselt die Begrifflichkeiten, verstärkt aber damit nur eine verfälschte Wahrnehmung, dass Dugin einer der großen Lenker der russischen Regierung sei und blendet ihn deshalb immer mal kurz als „Berater des Kreml“ ein. Permanent wird hier Ihr Unterbewusstes bearbeitet. [b3] Wo außerdem spricht Dugin von einer Rolle im „Propagandafeldzug gegen den Westen“? Wenn er so stark verbunden mit Putin ist, warum kann man ihn dann so einfach von seinem Posten an der renommierten Moskauer Lomonossow-Universität entbinden – einen Posten den er unbedingt behalten wollte?! [8][a3]

Die tumben Filmaufnahmen und selektiven Interview-Schnitte über Dugin versperren völlig den Blick auf dessen Weltbild und zwängen ihn in die von Paranoia getriebenen und deshalb eingeschränkten wie alternativlosen Narrative der selbst ernannten, natürlich auch einzig wirklich freien demokratischen Medien. [b4]

Halten wir fest, dass sich Dugin auf russischem Boden befand, als er „vorteilhaft“ für die frontal21-Doku ins Bild genommen wurde. Wenn sich Pastor Gauck geschniegelt und stolz bei den deutschen Truppen im fernen Afghanistan ablichten ließ, dann sind das natürlich Bilder, die vom Sendungsbewusstsein des westlichen Wertesystems und dessen edlen Idealen zeugen. [b5]

Das ist wichtig: Dugin trifft sich mit Vertretern einer (ja, auch militärisch geprägten) russischen Jugendorganisation Eurasische Jugend auf russischem Boden. Ja, und? Der deutsche Bundespräsident besucht die Bundeswehr tausende Kilometer von Deutschland entfernt auf afghanischem Boden. [9] Ich hörte außerdem, dass sich die Werber der Bundeswehr bereits regelmäßig auf dem Gelände von Schulen in Deutschland herum treiben. [10][b6]

Wobei man kein Problem hat, einen großen deutschen Dichter zur Werbung für den „attraktiven Job“ bei einer Interventionsarmee zu missbrauchen. Das ist es, was ich meine mit den drei Fingern, die auf sich selbst zeigen. Welche tatsächlichen Erkenntnisse jedoch haben Sie hier zu Putins so genannten Netzwerken sammeln können? Absolut keine! Und welchen immensen Aufwand betreiben wir hier, um dieses Propagandawerk auseinander zu nehmen?

  Was sagt darauf hin die Sprecherin mit düsterer Stimme?

„Dugin ist ein nationalistischer Vordenker, der nicht nur mit Worten für ein russisches Imperium kämpft.“ [11]

Hatte ich was verpasst, nein. Dugin hatte sich zuvor äußerst kritisch über (West-)Europa geäußert, von einem russischen Imperium war jedoch keine Rede. Warum also wird das so kommentiert? Aus Schlamperei oder einfach nur, weil es in das Feindbild passt? Meiner Ansicht nach ist es schlimmer. Das sind sehr bewusst von Spin-Doktoren sorgfältig ausgeformte Sätze, die Ihnen in der Dokumentation unter geschoben werden. Sie haben (s.a.w.o.) keine Chance, das zu reflektieren. Glauben Sie nicht, dass Sie es mit Dilettanten zu tun haben.

Welche Arroganz und Anmaßung schimmert doch hier durch! Was Dugin jedoch meint, dafür mal ein paar Sätze, die in dieser „Dokumentation“ nicht mal im Traum Platz gefunden hätten:

„Im Westen stehen die Menschenrechte über denen des Kollektivs, in der islamischen Welt steht die Religion höher als das Recht des Einzelnen, in Russland sind es die Rechte der Gemeinschaft, kollektive Rechte. Bei allem Postmodernismus, bei aller Toleranz: Sie im Westen kommen nicht mit dem Problem des Anderen [sprich dessen faktischer Existenz] zurecht. Für Sie ist der Andere immer etwas Negatives – oder dasselbe wie Sie. Sie finden einfach nicht den Schlüssel zum philosophischen Problem des Anderen [also dass es ihn überhaupt gibt]. Sie versuchen, uns zu belehren, wie dieses Problem zu lösen ist, ohne dass Sie es selbst gelöst haben. Das war schon immer so: in der Kolonialzeit, in der Zeit der großen geografischen Entdeckungen, in der Epoche des europäischen Nationalismus, der Zeit des Westfälischen Friedens, der Epoche der britischen Kolonialeroberungen, unter Hitler und in der Zeit des Liberalismus [die Gegenwart]. Edmund Husserl […] schrieb über die „europäische Menschheit“: „Wer so spricht, schafft die Basis für den Ethnozentrismus [die eigene Ethnie ist die einzig Wahre], weil für ihn das „Europäische“ und das „Menschliche“ ein und dasselbe sind. Europa als Schicksal der Menschheit. Da muss man sich nicht über die Konzentrationslager wundern.“ [12]

Darf darüber wenigstens einmal kurz nach gedacht werden? Nein, mit solchen Gedanken möchte man den deutschen Bürger an exponierter Stelle im deutschen Fernsehen natürlich nicht intellektuell belasten. Mehr noch verhindert man so etwas ganz gezielt! Müsste man sonst doch das eigene Weltbild in Frage stellen …

Das Schmierentheater um die Alternative für Deutschland (AfD) löst Dugin kurz und knapp auf:

„In Deutschland wird die AfD an die Macht kommen.“ [13]

Aber nicht, weil die AfD von russischer Propaganda unterwandert ist, sondern weil diese Partei wichtiger Akteur eines derzeit stattfindenden Wechsels bei den europäischen Eliten ist – und natürlich nicht von Russland orchestriert. Die AfDund nicht nur die – ist Teil eines Netzwerkes in (West-)Europa und dieses vernetzt sich wiederum vielfältig mit den unterschiedlichen Schichten der russischen Gesellschaft. Warum reden denn russische Oligarchen, Unternehmer, Ideologen und Politiker mit der AfD und bestimmten anderen deutschen Parteien (wie der CSU)? Was denken Sie? 

Nun, ich würde sagen, weil die AfD eine Politik der Verständigung mit Russland sucht, bei allem neoliberalen Mist, den auch sie mit verzapft. Differenzieren wir also und fragen, was an Verständigung schlecht ist. Wir können uns ja auch noch ein wenig in Geopolitik ausprobieren. So wie in den USA eine einflussreiche Machtgruppe erkannt hat, dass die US-Politik der vergangenen Jahrzehnte in den eigenen Untergang führen wird, genauso gibt es erstarkende Kräfte in der europäischen Wirtschaft und Politik, die den aggressiven antirussischen Kurs als schlicht schädlich für die eigenen Interessen ansehen. Daher suchen und finden sich ganz exakt die Kräfte, die auf eine Deeskalation, Verständigung und gute wirtschaftliche und politische Beziehungen drängen. Diese sich als neue Elite ansehende Machtgruppe hat sich von den transatlantischen Bindungen weitestgehend lösen können und tritt entsprechend auf. Ja logisch, dass da auch Geld fließt und Medien eingebunden oder sogar aufgebaut werden. Und logisch, dass auch diese Welt nicht nur weiß ist.

Ein Machtkampf von Eliten untereinander findet also nicht nur in den USA sondern auch hier in Europa statt. Und jetzt überlegen Sie mal, auf welcher Elitenseite die etablierten Massenmedien, einschließlich der Öffentlich-Rechtlichen Medien, stehen. Nie war das offensichtlicher als heute und in diesem Film spüren Sie es hautnah. Denn Sie sollen ja als Instrument benutzt werden für eine Elitenschicht, welche die eigene Macht bedroht sieht.

Nichts dieser so wichtigen Hintergründe zeigt der Film – und das ist nachvollziehbar. Seine Protagonisten sind von einer Welt von Feinden umgeben. Und sie projizieren die eigene Propaganda:

„Sie können ja problemlos heute bei der funktionierenden Propagandamaschine in Russland Dinge[n] eine Bedeutung verleihen, die diese Bedeutung gar nicht haben und genau so ist das mit den Herren und Damen von der AfD und anderen rechtspopulistischen Parteien. Da kann man sagen, seht her, das was wir euch hier erzählen, das denken die ja auch!“ [14]

Mal abgesehen davon, dass das aus Sicht der deutschen Sprache gequirlter Unrat ist, sollte man vielleicht darauf hinweisen, wer es im Film sagt: Wilfried Jilge. Dieser arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, einer Denkfabrik deren Aufgabe es ist, politischen Einfluss auf die parlamentarische Demokratie zu nehmen. Ihr Name täuscht vor, eine staatliche Institution zu sein; ist sie aber nicht!

„Die DGAP ist ein Think tank, der sich als nationales Netzwerk für deutsche Außenpolitik versteht. Seine Gremien werden von Vertretern der Wirtschaft und deren Lobbyorganisationen dominiert.[15]

Man kann den Namen auch ins Englische übersetzen, was dem Eingeweihten deutlich macht, nach welchem Muster diese Denkfabrik ins Leben gerufen wurde: German Council on Foreign Relations. Die Leitfiguren dieser Institution sind ganz eng an die transatlantischen Netzwerke gebunden und heißen z.B. Wolfgang Ischinger und Elmar Brok. Ja, der Think Tank selbst ist Teil davon als Mitglied des Transatlantic Policy Network (TPN). Und nicht überraschend „betreut“ die DGAP auch die Journalisten großer Medienkonzerne, so wie Roland Herzinger, der für das „seriöse“ Flaggschiff des Springer-Konzerns Die Welt schreibt.

Welcher Normalbürger in Deutschland weiß das schon? Im Film bekommt er das trügerische Gefühl mit einer staatlichen, unabhängigen Institution zum Schutz der Demokratie zu tun zu haben. Dabei tut jene genau das, was sie der russischen Regierung unter Putin unterstellt.

Wenn man nur noch Feinde sieht, ist das krankhaft – eine Phobie. Und über die erleiden Sie ein ununterbrochenes gnadenloses Trommelfeuer auf Ihr Unterbewusstes. Und ich sage Ihnen, davor sollten Sie wirklich Angst haben!

Ich habe tatsächlich versucht, diesen Film vollständig anzuschauen. Das tat ich wirklich einzig für meinen Freund, den ich hoch schätze, dessen Meinung mir wichtig ist. Ich tat es aus Achtung vor diesem Freund, damit ich seine Ansicht nachvollziehen kann.

Und ich gestehe: Ich habe es nicht geschafft. Nach etwa einer reichlichen viertel Stunde habe ich meine Analyse (des Filmes) abgebrochen. Nachdem ich über 15 Minuten diesem bösartigen Bewerfen mit propagandistischen Dreck auf meine Seele widerstanden habe, bin ich aus dem Spiel ausgestiegen. Denn ich möchte entscheiden, in welchen Kampf ich gehe. Und deshalb war das keine Niederlage sondern ein Sieg. Wie war mir das möglich?

In diesen 15 Minuten wüster Hetze habe ich absolut nichts Verwertbares entdecken können, was ein sogenanntes „Putin-Netzwerk“, zur propagandistischen Beeinflussung der europäischen Bevölkerung auch nur erahnen lassen würde. Und wissen Sie:

Es ist für mich völlig unerheblich, ob in den weiteren 30 Minuten dieser Goebbels jede Ehre gemachten Sendung vielleicht noch eine Gücksperle an Wahrheit aus dem stinkenden Schlamm der Propaganda ans Licht gekommen wäre. Weil es das nicht wert ist. Weil der stinkende Schlamm Hass darstellt und es den Hass nicht wert ist, den Sie dadurch in vielfacher Dosis zu jener der Erkenntnis aufnehmen.

Beachten Sie die Bild- und Tonführung wie auch (neben deren Inhalten) die Art und Weise der Sprache:

„An der Stimme erkennen wir die Absicht des Sprechers.“ [16]

Und das – die sogenannte nonverbale und hier auch einseitig geführte (unidirektional gerichtete) Kommunikation ist von enormer Bedeutung für das Antriggern unserer Emotionen, denn:

„Von ihr [der Sprache] hängt nahezu ein Drittel der Wirkung ab, die Menschen auf ihre Umwelt ausüben.“ [17]

Noch ein mal kurz ins Rationale

Zu einem weiteren „Gefolgsmann“ Putins:

Konstantin Malofejew ist ein Oligarch. Eine der größten Herausforderungen russischer Innen- und mittelbar Außenpolitik sind die oligarchischen Strukturen ihrer Wirtschaft. In der Dokumentation wird suggeriert, die Strukturen wären Teil eines, wie auch immer gearteten Putinschen Netzwerkes. Belegt kann das nicht wirklich werden; nicht in dem man einen russischen Oligarchen zu Wort kommen lässt und dieser positiv oder negativ über Putin und seine Regierung spricht.

Verstehen Sie? Die Verbindung wird konstruiert, nicht erkannt! Nirgends ist erkenntlich, dass Putin ein Netzwerk von Oligarchen um sich gescharrt hat. Und etwas Entscheidendes wird verschwiegen, etwas, dass der Westen direkt mit zu verantworten hat. Denn diese Oligarchen sind seine Babies:

Die oligarchischen Strukturen Russlands sind eine direkte Folge der Durchdringung der russischen Wirtschaft durch die westliche neoliberale Politik. Sie wirkte direkt und über die Strohmänner von Nichtregierungsorganisationen (NROs), welche sich im Russland der 1990ger Jahre rasch zu Hauf tummelten. Die Eliten des Westens korrumpierten alte und neue Eliten aus Politik und Wirtschaft der untergehenden Sowjetunion und bereicherten sich gleichzeitig in schamloser Weise an den Ressourcen des auseinander brechenden Staates.

Es sei also noch einmal gesagt: Die Oligarchen Russlands sind nicht die Bündnispartner der russischen Regierung sondern eine der größten Herausforderungen mit denen sich die Regierung seit Putins Aufstieg an die Spitze des Staates herum zu schlagen hat.

Bevor Sie weiter lesen, empfehle ich Ihnen, sich eine Minute des Streifens anzuschauen und dann zum Text hier zurück zu kehren. Es geht um die Sequenz ab Minute 16:50 bis etwa 17:40.

Was Konstantin Malofejew betrifft, werden die Verkünder dieses Machwerkes nicht müde, darauf hin zu weisen, dass es sich um einen rechts gerichteten Unternehmer handelt. Hinter solch einer Aussage steckt null Information. Sie hat einzig das Ziel, emotional zu beeinflussen (rechts ist böse).

Malofejew lädt „westliche Journalisten“ in sein Fernsehstudio ein, dass

konservative und russisch orthodoxe Positionen verbreitet“. [18]

Das ist perfektes Wording, eine außerordentlich sorgfältige Formulierung, um Sie auf keinen Fall aus der emotionalen Falle zu entlassen. Welcher Zuschauer weiß (oder ist ernsthaft bestrebt zu wissen), für was „konservative und russsisch orthodoxe Positionen“ überhaupt stehen? Irrelevant, die emotionale Grundtendenz muss aufrecht erhalten bleiben, das ist wichtig. SIE dürfen emotional keine Chance erhalten, auftauchen zu können, solange Sie sich den Beitrag anschauen. Sie erfahren nichts, nehmen aber Stimmungen auf – negative, destruktive Stimmungen, Angsttrigger. 

Wenn die Betroffenen selbst zu Wort kommen, werden deren Stellungnahmen eingerahmt (Framing). Ihnen als Zuschauer wird das Hirn geführt, damit Sie schon vor dem Lesen wissen, was Sie dann darüber zu denken haben. Hier ein Beispiel:

„Malofejew ist bekennender Monarchist und verehrt Putin wie einen Zaren.“ [19]

Bevor Malofejew zu Wort kommt, bekommen SIE damit den Trigger, was hinter seinen Worten steckt. Sie haben (wenn Sie nicht politisch gut „im Saft“ stehen) keine Möglichkeit, dieser Gehirndressur zu entgehen. Jetzt Malofejew:

„Wladimir Wladimirowitsch wurde uns von Gott gesandt, denn keiner konnte ahnen, dass so jemand einmal an die Macht kommt. In den Neunziger Jahren wurden unter Jelzin unsere nationalen Interessen verraten. Jetzt jedoch ist mit Putin jemand an der Spitze, der Russland zutiefst liebt und ein echter historischer Anführer ist. Als er an die Macht kam, sahen wir das als göttliche Fügung und sind Gott bis heute dafür dankbar.“ [20] 

Und nach der einführenden Klammer nun die Ausführende; wie werden diese Worte kommentiert?

„Ganz offen antidemokratisch. Malofejew bekennt sich zu rechten Parteien in Westeuropa.“ [21]

Wenn Sie diese Szene im Film gesehen haben, gebe ich Ihnen Brief und Siegel, dass Ihnen nicht auffiel, dass die ausführende Klammer absolut nichts mit Malofejews Worten zu tun hat. Sie haben zu dieser Zeit schon 15 Minuten des Films verkraftet und sind gar nicht mehr fähig, solche Manipulationen aus dem Film heraus zu lesen. Spätestens jetzt dürfte Ihnen klar sein, dass Sie mit Logik hier nicht gewinnen. Das Absurde kann Ihnen nicht bewusst werden, es greift nur noch die Wahrnehmung auf emotionaler Ebene.

Die an Strippen hängenden Massenmedien – und da gehört das ZDF zweifellos dazu – haben einfach den Knall nicht gehört. Denken Sie über die gerade zitierten „Klammern“ im Film nach und fragen sich, WER hier antidemokratisch ist! Gerade diese Stelle im Film finde ich ungeheuerlich. Die Klammern biegen den dazwischen liegenden Inhalt zurecht und verleumden den Protagonisten. Die hetzenden frontal21-Macher legen fest, wer rechts ist, legen fest, dass rechts antidemokratisch ist und legen fest, dass Malofejew „ganz offen antidemokratisch“ ist – und das ohne jede faktenbasierte und logisch her geleitete Begründung – und ohne jeden Bezug auf seine Worte. Auf der Vernunftebene entlarvt sich das Ganze als hahnebüchener Unsinn. Ihre emotionale Ebene stellt aber die Verknüpfung trotzdem her und speichert das auch so!

Das ist kein auf journalistischer Ebene ablaufender demokratischer Prozess, das ist ein brutaler in die Gehirne gepresster Anspruch auf Meinungsherrschaft. 

Mehr noch sind das eindeutige Zeichen von Faschismus. Bisher werden Andersdenkende nur im Geiste verfolgt – aber das kann sich auch ändern, wenn wir nicht aufpassen.

Und nur wer über die Zustände im Russland der 1990ger Jahre informiert ist, kann auch verstehen, warum Malofejew von einer göttlichen Fügung spricht. Die meisten wissen es nicht und im Film wird ganz bewusst der Kontext ausgespart. Die Informationen werden fragmentiert und neu zusammen gesetzt, damit das eingebleute Narrativ weiter bedient werden kann.

An dieser Stelle frage ich mich ernsthaft wer, neben dem frontal21-Team, noch so an diesem Film herum geschraubt hat. Denn diese psychologischen Tricks sind – aus meiner Sicht – einfach zu fein, zu subtil und dramaturgisch zu perfekt eingebettet. Das sind keine journalistischen Fertigkeiten, hier werden tiefe Kenntnisse im Bereich der Psychoanalyse erahnbar.

Noch einmal: Wir lassen uns hier auf eine Auseinandersetzung ein, von der wir meinen sie sei rational. Unser Wissen (so entsprechend erarbeitet) erlaubt uns ziemlich rasch die Aufdeckung von Ungereimtheiten. Das nützt uns aber nur sehr bedingt, denn die Auseinandersetzung findet ja dort gar nicht statt! Es geht nicht um Wahrheit, es geht nicht um inhaltlichen Diskurs – es geht um Macht

Der weiter oben erwähnte Edward Bernays war ein Neffe von Siegmund Freud, dem sogenannten Vater der Psychoanalyse. Auf dessen Arbeitsfeld, der unbewussten emotionalen Ebene läuft der Film ab, während Sie versuchen, rational (verstandesmäßig) zu analysieren. Das geht auf Dauer für Sie schief. Bernays wusste das ganz genau und stellte daher auch fest:

„Wenn es im Krieg gelingt, die Massen vom Gefühl und nicht vom Verstand her zu gewinnen, warum soll man das nicht auch in Friedenszeiten nutzen?“ [22]

Wenn Sie das weiter denken, erkennen Sie, dass Ihnen also Denk- und Verhaltensweisen schon in Friedenszeiten über geholfen werden, die man „eigentlich“ nur im Krieg (im Kampf) anwendet.

Ein Tipp von George Friedman

Der als Geostratege bei Stratfor bekannte George Friedman beehrte im Jahre 2014 das ZDF. Seine wichtigsten Botschaften im dort gegebenen Interview erfahren Sie ganz am Anfang:

Friedman ist für seine Offenherzigkeit bekannt und so fiel es ihm nicht schwer, darauf hinzuweisen, wo und wie wir uns (im Prinzip gegen unseren Willen) manipulieren lassen. Die Frage der Journalistin lautete:

„Mit klarem Menschenverstand kann man derzeit nicht in die Zukunft blicken, schreiben sie in ihrem Buch. Wie machen sie das dann?“ [23]

Und sie staunte nicht schlecht, als Friedman antwortete:

„Man liest erstmal keine Zeitungen, versucht nicht Fernsehen zu gucken. Man versucht, sich nicht nervös machen zu lassen durch das, was andere nervös macht. Versucht das heraus zu finden, was wirklich noch wichtig sein wird in hundert Jahren. Was wirklich das Jahrhundert prägen wird; nicht die kleinen Aufregungen, die Neuigkeiten und die Krisen.“ [24]

Friedmann sprach da weniger von Fakten und Verdrehungen, von Wahrheit oder Unwahrheit. Er sprach von Emotionen. Emotionen mit denen gespielt wird, wenn man sich auf das Spiel einlässt. Und genau das ist den meisten Menschen nicht klar, weil sie nicht begreifen, dass die Kontrolle über das Spiel durch andere ausgeübt wird – und das nun mal nicht auf der Vernunftebene.

Der Trick

Diese so genannte Dokumentation des ZDF ist wirklich widerwärtig. Und nach dem ich mich etwas näher mit ihr beschäftigt habe, kann ich die drastischen Worte der Propagandaschau zu diesem Machwerk mehr als verstehen. [25] Putins geheimes Netzwerk ist nichts weiter als ein schmutziger Haufen Propaganda, nur vermeintlich schlampig, in Wahrheit jedoch raffiniert aufgearbeitet und voller Hass. Aber wie wir dem entgehen oder angemessen entgegnen können, da hatte ich Ihnen ja noch einen kleinen Trick versprochen, der mit unserem Herzen zu tun hat. Trick ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn es handelt sich um ein universelles Prinzip. Dafür muss ich Sie noch ein mal mit dieser „Dokumentation“ konfrontieren. Schauen Sie sich also folgenden Screenshot an [b7]:

Es ist das Titelbild der Sendung, was deren Absichten leichter (beileibe nicht immer ist das so) fühlbar(!) macht. Lassen Sie es auf sich wirken. Versuchen Sie nicht, irgendeine Logik zu entdecken. Was spüren Sie, wenn Sie das Bild betrachten? Was geht in Ihnen vor?

Ist Ihnen bewusst, dass bei der Verarbeitung solcher Bilder bei jedem Menschen das Herz schneller schlägt?

Auch bei Ihnen. Das Bild ist ein Angst-Trigger für uns; geboren aus vielen anderen Einflüssen, denen wir im Vorfeld unterlegen waren. Unterlegen im wahrsten Sinne des Wortes, weil diese Bilder und zugehörigen Assoziationen dauerhaften Zugang in unser Unterbewusstes gefunden haben. Auch wenn Sie wissen, dass das da eine Lüge ist, sind Sie, wie jeder andere Mensch von dieser Angst vereinnahmt.

Und unser Herz spürt es, sagt es uns. Das ist der Indikator, der Ihnen mitteilt, dass hier  etwas nicht stimmt. Es schlägt schneller und Sie fühlen einen gewissen Druck auf dem Herzen bzw. der Brust. 

Und das ist auch völlig logisch, denn schließlich muss ja die Angst als Überlebensstrategie pysiologische Reaktionen in Gang setzen, die uns befähigen, Gefahren zu entgehen, ihnen zu begegnen oder uns für jene unsichtbar zu machen.

Sie haben jetzt nicht DIE Lösung zur Vermeidung indoktrinierender Propaganda erfahren, sondern ein Angebot, das Ihnen dabei helfen kann – vielleicht sogar auch auf anderen Feldern Ihres Lebens. Aber das kann Jeder von Ihnen selbst heraus finden. Und nicht immer ist es so leicht erfühlbar, dass man mit uns gerade etwas anstellt, uns konditioniert, wie in diesem schwer auf uns einschlagenden Propaganda-Stück des ZDF. Kommen Sie aus einer, möglicherweise sogar permanenten, Angstsituation (man kann es wohl auch als negativen Stress bezeichnen), werden Sie diese Signale nur schwer spüren können. Dann sind Sie den Druck gewohnt. Das ist allerdings gar nicht gut, weil Ihr Körper und Geist sich daran natürlich nicht gewöhnt haben. 

Der von mir geschätzte Blogger Analitik hat im Vorjahr mal einen Artikel veröffentlicht, der sich mit der Enttarnung eines Internet-Agenten befasste. Wie auch immer man den Menschen bezeichnen mag, dessen „Arbeit“ Analitik da auseinander nahm. Was mir bei der Erstellung dieses Artikels hier wieder einfiel, war, in welche Richtung der Analitik auffällig gewordene Mensch seine „Arbeit“ führte.

Am Zielpunkt, an dem er den eingefangenen Internet-Gänger haben wollte, wartete nämlich ein äußerst massiver Angriff auf unser emotionales Zentrum der Angst.

Analitik weist im erwähnten Artikel auf einen weiteren Aspekt hin (ich empfehle zudem die Lektüre der Kommentare zum Artikel). Wenn Sie aufmerksam auf Ihre Umwelt schauen, dürfte es Ihnen auffallen – das  Klima der Angst als umfassendes Phänomen unserer Gesellschaft. Bestehend aus einem Konglomerat diverser Phobien, die sich über alle Facetten unseres Lebens ausgebreitet haben. Folgerichtig erfahren wir Angst-Trigger keinesfalls nur von der etablierten Politik und den von Machtgruppen gesteuerten Massenmedien. Der Großteil der Menschen und Menschengruppen, die sich in Opposition zum Establishment sehen, projiziert deren Denk- und Handlungsweisen bei der Suche nach Alternativen – und verbreitet (meist unbewusst) seinerseits Ängste. Das alles hindert uns, kollektiv konstruktive Lösungen zu finden und umzusetzen.

Es ist so wichtig, Angst-Trigger zu vermeiden, um in der Seele gesund zu bleiben. Unsere Angst muss dann ihre Rolle spielen dürfen, wenn tatsächliche Bedrohungen auftreten. Wenn sie das aber dauerhaft auf den Feldern unseres Alltags tut, dann haben wir ein Problem, dann leben wir in einer allgemeinen Phobie. Allgemein heißt, dass es dabei nicht um Putin oder Russland oder Trump oder Assad oder die Rechten oder die Verschwörungstheoretiker oder die Esoteriker oder die AfD oder Pegida oder die Islamisten usw. geht. Das sind nur benutzte Objekte – Mittel zum Zweck. Es geht um die Angst als solche.

Sie können aber eben auch nicht auf rationaler Ebene (auch Verstandes- oder Vernunftebene genannt) ständig analysieren, um so Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das überfordert sie genauso und macht demnach also auch krank. Hören Sie auf ihr Herz. Wenn es beim Lesen oder Schauen ungewollt plötzlich schneller schlägt, kann das ein Signal sein, dass Ihr Angstzentrum aktiviert wurde. Reflektieren Sie, ob dieser Alarm möglicherweise ein ernsthafter Angriff auf Ihr Unterbewusstes sein könnte – und treffen Sie eine weise Entscheidung. Entscheiden Sie, ob der damit zusammen hängende Kampf es wert ist.

Zusammenfassend:

Putins geheimes Netzwerk hat das Ziel, die Ängste der Auftraggeber dieses Filmes, wie auch die seiner Macher selbst auf Sie zu übertragen, bzw. in Ihnen aufrecht zu erhalten. Die Macher von frontal21 sind selbst Opfer ihrer eigenen Angst, was sie gleichzeitig der Fähigkeit beraubt, sich weitgehend unvoreingenommen und einer gewissen Objektivität verpflichtet, der Realität anzunähern. [a4][a5] Diese getriggerten Ängste, das wünsche ich mir für Sie von Herzen, sollten nicht die Ihren werden.

Bleiben sie auch weiterhin schön aufmerksam.


Anmerkungen

[a1] So sehr ich den Anspruch achtungsvoller Diskussion lebe, bin ich doch nur (welch Wunder) ein Mensch mit Grenzen. Und so nehme ich mir doch hin und wieder das Recht heraus, ein kleines Ventil zu nutzen, um mit dieser Begrenztheit zurecht zu kommen. Ich denke der Begriff „Machwerk“ für die untersuchte ZDF-Dokumentation ist noch angemessen achtungsvoll.

[a2] Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, dass die Massenmedien per se als Informationsquelle zu verwerfen sind. In meinen Artikeln finden Sie eine Fülle von Quellen, welche auf unsere Massenmedien verweisen. Erstens findet man dort nicht wenige hochwertige Beiträge und zweitens sind auch propagandistisch verschmutzte Artikel oft gleichzeitig Träger wertvoller Informationen. Eine gesunde Vorsicht sollten Sie bei den auf den Hauptseiten walten lassen, die eben entscheidend für die Meinungsbildung sind.

[a3] Wie ich die ideologischen und politischen Ansichten Alexander Dugins bewerte, spielt hier absolut keine Rolle. Was eine Rolle spielt, ist, wie man mit Andersdenkenden umgeht. Im Jahre 2014 gab Dugin dem Spiegel ein Interview, das ich Ihnen sehr empfehle. Weil der Russe dort dem deutschen Medium sehr deutlich machte, was er unter dem von ihm scharf kritisierten Pseudo-Europa versteht. Und wichtig weil Sie da nicht über ihn etwas lesen, sondern von ihm. Und ich merke lobend an, dass Der Spiegel dieses Interview in voller Länge veröffentlichte. [26]

[a4] Die für mich einzigen Lichtblicke dieses Machwerkes waren die Auslassungen des ehemaligen Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz Horst Teltschik, die jedoch leider im Wust der Hetze maximal als Feigenblatt eines scheinbaren Anspruches an Objektivität dienen.

[a5] Es ist bemerkenswert, dass selbst Teilen des Mainstreams die hier analysierte „Dokumentation“ als Propaganda unangenehm aufstieß, was sich in Kommentaren wie:  „It´s the Faktencheck, stupid!“ äußerte. [27]

Quellen

[1][4-7][11][13][14][18-21] 4.10.2016; https://www.zdf.de/politik/frontal-21/putins-geheimes-netzwerk-wie-russland-den-westen-spaltet-100.html

[2] Phillip Schnee; 30.9.2009; http://www.spiegel.de/einestages/pr-erfinder-bernays-a-948512.html

[3][22] Hermann Ploppa; 8.7.2015; https://zeitgeist-online.de/exklusivonline/interviews-und-portraets/1031-der-neffe-freuds-oder-wie-edward-bernays-lernte-die-massen-zu-lenken.html

[8][12][26] 14.7.2014; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-128101577.html

[9] 17.12.2012; http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afghanistan-bundespraesident-gauck-besucht-soldaten-der-bundeswehr-a-873374.html

[10] 13.4.2015; http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bundeswehr-an-schulen-30-millionen-euro-fuer-nachwuchswerbung-a-1027935.html

[15] 24.3.2017; https://lobbypedia.de/wiki/Deutsche_Gesellschaft_für_Auswärtige_Politik

[16][17] Über die Funktion de Stimme in der Kommunikation; Vazrik Bazil, Manfred Piwinger; 2001; http://www.piwinger.de/aktuell/FunktionDerStimeInDerKommunikation.html

[23][24] George Friedman – Interview auf 3sat: Die nächsten 100 Jahre; 27.2.2014; https://youtu.be/UlpIs8h_x58

[25] https://propagandaschau.wordpress.com/2016/10/06/putins-geheimes-netzwerk-frontal21-lotet-neue-tiefpunkte-oeffentlich-rechtlicher-hetze-und-verdummung-aus/

[27] 5.10.2016; http://derstandard.at/2000045433256/Frontal-21-Putins-geheimes-Netzwerk-im-ZDFIts-the-Faktencheck-stupid

Bilder:

[b1-b4][b7] Screenshots aus Online-Präsenz des ZDF; 4.10.2016; https://www.zdf.de/politik/frontal-21/putins-geheimes-netzwerk-wie-russland-den-westen-spaltet-100.html

[b5] 16.6.2014; Bundespräsident Gauck in Afghanistan; http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/mehr-auslandseinsaetze-der-bundeswehr-joachim-gauck-hat-recht/10051502.html; Originalquelle: dpa; Lizenz: k.A.

[b6] Soldat auf Werbetour bei Jugendlichen; 13.4.2015; http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bundeswehr-an-schulen-30-millionen-euro-fuer-nachwuchswerbung-a-1027935.html; Quelle: dpa; Lizenz: k.A.

[Titelbild] Autor: TimHaynes; Datum: 2016-04-17; Quelle: flickr.com_Lizenz: CreativeCommons; Bearb. d. Peds Ansichten

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5 Kommentare zu Alexander Dugin, Wladimir Putin und ein Hetzwerk von frontal21

  1. adolfkurt sagt:

    Als regelmäßiger Leser Peds-Ansichten habe ich bisher vermieden, auf jeden der gelungenen und für mich und sicher vielen anderen sehr wichtigen Beiträge, mit einem freundlichen Danke und einem dicken Lob zu reagieren. Es würde schnell langweilig werden. Aber verdient hätte er es.
    Zu dieser Analyse und Kommentierung der Frontal21-Sendung möchte ich folgende Bemerkungen nicht unterdrücken:

    Das ist eine ganz tolle Arbeit.
    Der Wert dieser Ausarbeitung erschloss sich mir noch einmal um ein Grad tiefer, nachdem ich den angebotenen Links gefolgt bin und Ped’s Artikel ein weiteres Mal gelesen habe.
    Zu meiner dadurch vertiefenden Erkenntnis bedarf es vielleicht meinerseits einer kleinen Erläuterung.
    Seit der DDR-Zeit kenne ich die Art der Propaganda, wie sie uns, die wir etwas für die Menschheit Wertvolles schaffen wollten, aus dem Westen entgegen kam. Es war ein Kalter Krieg gegen den Sozialismus von 1917 an und ich lernte es, zwischen den Zeilen zu lesen und überwand es doch bis heute nicht, die darin verpackten Giftpfeile als schmerzlich zu empfinden. Dass wir auch unsere Propaganda hatten, ist selbstverständlich. Jedoch fand ich diese psychologisch-pädagogisch dilettantisch, weshalb ich mich darüber auch nur ärgerte. Es ist nicht so einfach, auch jetzt zum Beispiel für Russland, eine wirksame und sinnvolle Abwehr durch eine Gegenpropaganda zu unterhalten. Die Psychologen raten ja, man soll nie mit gleichem Mittel zurückschlagen. Also nicht Zahn um Zahn, wie die Christen es lehren. Sondern in einer anderen, unerwarteten, oft entgegen gesetzten Art. Das klingt überzeugend, ist aber schwer umzusetzen. Wenn jemand lügt, rechtfertigt man sich mit der Wahrheit und hat damit doch keinen Erfolg. Denn die Wahrheit ist rational und wird durch die emotionale Lüge ins Lächerliche verdreht.
    Seit einigen Jahren sehe ich mir solche Sendungen wie frontal21 und viele andere nicht mehr an. Bei You Tube lade ich mir ab und zu Wichtiges herunter. Ich kann diese Dokumente eines neuen Kalten Krieges so besser auswerten.
    Also ich kenne mich aus, mit dem was Ped schlechthin Propaganda nennt. Ich bin so feinfühlig auf die miesen Tricks, uns zu manipulieren, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre, Peds Analyse-Arbeit zu der Frontal- Sendung zu machen. Aber es hat sich gelohnt, denn Ped hat etwas ganz deutlich herausgearbeitet: Es verlohnt sich nicht, nach dem rationellen Kern solcher Sendungen zu suchen. Sie haben keinen. So haben nur die eine Absicht und Aussage, uns emotional zu verblöden. In welcher furchtbaren Zeit leben wir eigentlich. Goebbels digital perfektioniert.

    Für mich gibt es neben der Sprachform noch weitere Merkmale einer Manipulation und Volksverdummung:
    Die Mischung / Bildauswahl und Farbgebung /Ton – Geräusche – Musik / Wirrnis – Sekundeneinblendungen – psychische Überforderung / sind es, die mir anzeigen, dass es hier nicht auf Faktenwissen, sondern ausschließlich auf eine emotionale Manipulierung ankommt. Das injizierte Gift wird mit entsprechenden unangenehmen Ton- und Musikfolgen untermalt.

    Ich glaube, daß Pegida, soviel Unangenehmes auch über sie gedacht und verkündet wurde, eine Veränderung in den Medien bewirkt hat. Sie sind damit leider nicht eindeutiger, sondern noch einen Grad verwirrter geworden. Denn am Beispiel der frontal21 Sendung sieht man, dass mehr als sonst üblich, freimütig andere Meinungen und Personen zu Wort kamen, von den ich sonst nichts oder nicht viel mitbekommen habe. Das ist ein Anlass, mich gerade mit denen, die uns hier als schlechtes Beispiel vorgeführt wurden, näher zu beschäftigen. Goethe schrieb irgendwo frei zitiert:

    Ich will mich nicht belehren lassen,
    macht mir den Teufel nur nicht klein,
    einen Kerl, den alle Leute hassen,
    das muß was sein.

    Also auf solche Hinweise spring ich an. Natürlich will man damit leider nur ein Bild der wahrheitsgemäßen Berichterstattung und Loyalität andeuten. Das würde vom Zuschauer und Leser sicher auch lobend entgegen genommen, wenn sie nicht im gleichen Atemzug mit der Kommentierung und mit der Hintermalung durch ausgewählte, die vorherige Aussage in den Dreck ziehende, dieser widersprechende Bilder und Misslaute alles wieder zerstörten. Und darauf darf man nicht hereinfallen. Man muss sich angewöhnen, diese Psychotricks weg zu stecken. Ich habe mir den ganzen frontal-Beitrag angesehen. Ich möchte ab und zu wissen, wie weit sie gehen, wie perfekt sie agieren, wie verlogen ihr Spiel mit unserem Gehirn ist und wie ich mit meinen Mitmenschen, die sich davon ‚Aufklären‘ lassen, umgehen kann.
    In dem frontal-Beitrag fiel mir noch auf, daß man unbedingt ein Netzwerk kreieren wollte und jede Meinungs-Übereinstimmung irgend einer Person oder Sache mit Russland, sogleich als Netzwerkbestandteil anfügte. Dabei war das grafisch schön gelöst. Es entwickelten sich sofort mehrere weitere Verzweigungen, was sehr gut aussah und suggerierte, dass hier leider nur ein paar wenige Beispiele gezeigt werden können, das Netzwerk ist viel, viel größer und wächst ständig. Dabei flimmert im Hintergrund so etwas wie ein Sternenhimmel, die Dichte der Netzwerke in weiteren Dimensionen verheißend. Ped hat schon Recht. Der Film ist von Fachleuten der psychologischen Kriegsführung mit aller Sorgfalt hergestellt worden. Der hat richtig Geld gekostet.
    Natürlich lernt der politische Gegner daraus und so haben wir bald auf beiden Seiten des Krieges solche Beiträge, gegen die wir hart werden müssen, die wir emotionslos verarbeiten müssen und die uns trotzdem unweigerlich von der Wahrheit, von der Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Friedfertigkeit weg treiben werden. Nicht alle von uns, aber die Mehrheit.

    Die alles überragende Frage angesichts der Menge und Vielfalt an Informationen, die wir jede Sekunde erhalten, lautet: Was ist wahr, wer hat recht, wem kann ich vertrauen?
    Und hier hilft Ped’s tiefenpsychologischer Analysebeitrag.
    Ich sage dazu, wir dürfen und können auf die Dauer den Informationen nicht ausweichen, sonst wissen wir bald überhaupt nicht mehr, was auf der Welt passiert und was man mit uns vorhat. Wir müssen uns aber nicht etwas, was nach erster Augenscheinnahme nur einem Propagandazweck dient, bis zum Ende ansehen. Wir müssen die feinen Unterschiede erspüren. Für mich gehört zu einem aufrichtigen, dem Erkenntnisgewinn gewidmeten Beitrag, eine klare, überschaubare, ohne jegliche Ablenkungen und ohne mit Schnörkel verwässerte Handlung. Das Bemühen um Objektivität – das bemerkt man bereits an der Sprache. Aber wenn es sinnvoll ist, vertrage ich auch eine klare, parteiliche Aussage, ohne Wenn und Aber. Letzteres würde ich z.B. bei der Verurteilung eines Terroraktes anerkennen.

    Ein großes Danke an Ped und nachdenkliche Grüße von adolfkurt

  2. Analitik sagt:

    Dugin ist kein Gefolgsmann von Putin. Und nur weil Putin mal mit Dugin gesprochen hat, ist Dugin nicht Putins Mentor. Tatsächlich ist Dugin ein Feind Putins und es ist keinesfalls Zufall, dass die westlichen Medien Dugin penetrant zu Putins geistigem Freund erklären. Alle möglichen Feinde Russlands werden zu russischen Patrioten und Putins Freunden erklärt. An den Taten soll man sie erkennen.

    • Ped sagt:

      Dugin ist kein Gefolgsmann von Putin. Und nur weil Putin mal mit Dugin gesprochen hat, ist Dugin nicht Putins Mentor.

      Ich denke, dass dies im Artikel von mir ausreichend vermittelt wurde. Dugin kritisierte auch regelmäßig die russische Regierungspolitik und wünschte sich (bspw.) ein viel stärkeres Engagement in der Ostukraine. Ob jedoch Dugin ein Feind Russlands ist, kann und möchte ich auch nicht bewerten. Schon weil mir dafür die Kenntnisse fehlen.
      Was ich allerdings von Dugin direkt gelesen habe, vermittelt mir gerade nicht diesen Eindruck. Diversität in politischen und ideologischen Themen möchte ich nicht gleich auf ein Feindbild projizieren. Vielmehr ist sie notwendig, um eine Gesellschaft weiter zu bringen, nicht in Strukturen erstarren zu lassen, die sie möglicherweise zu Grunde richten können.
      Was wirklich (auf rationaler Ebene!) völlig absurd ist, das ist die Idee, Dugin in einem „vom Kreml gesteuerten Propaganda-Netzwerk“ zu verorten. Aber wie gesagt, es geht um Emotionen …

      Herzliche Grüße, Ped

  3. Gris sagt:

    Eine kurze Anmerkung:

    Wie wertvoll und erhellend ich diesen Beitrag fand und wie dankbar ich dem Autor dafür bin, das habe ich ihm schon persönlich kundgetan. Trotzdem möchte ich eine Perspektive einbringen die ich für zumindest bedenkenswert halte:

    Auch öffentlich-rechtliche Medien müssen ihr Programm heutzutage leider so gestalten, dass es auch angeschaut wird. Eine furztrockene Dokumentation, die auf jegliche dramaturgische Inszenierung verzichtet mag zwar den elaborierten Einschätzungen derer genügen, die sich eh umschweifend mit der Thematik beschäftigen. Jedoch wird ein solches Format für Millionen von Menschen ausgestrahlt. Ich finde in obiger Analyse sollte man an einigen Punkten doch erwähnen oder berücksichtigen, dass nicht jedes propgandistisch anmutende Stilmittel gleich willentlich hetzend oder manipulierend eingesetzt werden muss (auch wenn ich das im Fall dieser Doku weitenteils zutreffend finde). Düstere Stimmung, Geheimnisse und Zuspitzungen sind eben auch Elemente mit denen man das sogenannte Infotainment massenverträglich macht. Natürlich korelliert das in dem Fall mit der propagandistischen Ideologie die durch die Doku vermittelt wird und wirkt daher umso manipulierender. Aber ich finde dennoch die Perspektive wichtig, da sie zumindest ein Stück weit die Perspektive der Macher zu übernehmen versucht. Was deren wirkliche Perspektive ist, das wissen wir alle nicht, da wir sie nicht persönlich kennen. Aber bedenkenswert ist es in meinen Augen schon, dass die „Journalisten“ von Frontal21 auch gewissen Funkionslogiken der Medienwirklichkeit unterliegen und daher nicht völlig frei in der Wahl ihrer gestalterischen Mittel sind.
    Als Beispiel dafür, wie im Rahmen einer solchen Doku auch berechtigte Verkürzungen eine Rolle spielen, fiel mir folgendes Gedankenspiel ein: Mal angenommen, Dugin wäre wirklich wie in der Doku suggeriert ein „Kriegsfan“ (das Bild mit dem Helm), man hätte das sehr genau recherchiert und wäre zu diesem Schluss gekommen. Wie bringt man diesen Umstand in einer dreiviertelstündigen Doku rüber? Man kann ja keine Analyse über ihn und die Gründe weshalb man ihn als Bellezist einschätzt machen, das wäre mit dem Anspruch an Vollständigkeit einfach zu umfangreich. Also würde man vielleicht genau so ein Bild wählen, um diesen Fakt (von dem man ja in dem Moment überzeugt ist) darzustellen. Auf der anderen Seite kann das Bild auch reinste Propganda sein – er ist kein Bellezist aber mit dem Bild wird das einfach manipulativ suggeriert. Was von beiden Varianten der Fall ist lässt sich schwer sagen (auch wenn ich im Falle der Frontal21-Doku Ped klar zustimmen muss). Ich möchte damit nur sagen, wie schwer es ist manchmal zu klaren Deutungen zu kommen und wie schnell man vielleicht auch eine Perspektive übersehen kann.

    Beste Grüße, Gris

    • Ped sagt:

      Vielen Dank Gris,
      und keine Frage, emotionale Elemente dürfen selbstverständlich eine Rolle in einer Dokumentation spielen. Und ebenso geht es um Verstehen, womit auch das Einnehmen der Sicht der Filmemacher gemeint ist. Wir sind hier einer Meinung.
      Für mich ist jedoch von entscheidender Bedeutung, mit welchem Anliegen der Film produziert wurde. Und da weichen wir voneinander ab, denn das Anliegen hatte ich schlussfolgernd am Ende des Beitrages heraus gestellt.

      Der Film setzt permanent Angsttrigger, er macht den Menschen keinen Mut, vielmehr nimmt er ihnen diesen! Das komplette Szenario ist auf Spaltung von Menschen und Menschengruppen ausgelegt. Auf das Aussäen von Misstrauen und Zwietracht. Das ist eine andere, eine bösartige Propaganda, als die, welche Du wahrscheinlich als akzeptabel ansieht.

      Und von dieser bösartigen Propaganda sind die Macher sicher überzeugt.
      Der Witz ist ja, dass ich Dugin durchaus als Menschen mit gewissen bellizistischen Zügen erkenne! Die Perle im Sumpf der Lügen und Verdrehungen als Mittel zum Zweck. Man hat ihn sich heraus gepickt, hat das Passende selektiert und um ihn herum weitere Geschichten konstruiert.
      Daher weise ich immer wieder auf das Fühlen hin, auf das Herz. Rational können wir wahrscheinlich noch reichlich Wahrheiten heraus suchen. Nur macht das den Film nicht besser, denn er nutzt sie als Mittel zum Zweck – und noch einmal: das kann man fühlen.
      Vergleiche wir es doch mal mit unserem kleinen realen Leben. Wir alle sind als Menschen – per se einzigartig – mit Stärken und Schwächen ausgestattet. Verstehen und Akzeptieren schafft starke Kollektive und ein friedliches Zusammenleben. Menschen, die sich konsequent auf die Schwächen anderer stürzen, um sich darin selbst bestätigen zu können (als „besserer“ Mensch), machen nichts anderes als der Film; womit sie Keile zwischen die Menschen treiben und Beziehungen zerstören.
      Für mich ist das Auswerten von Propaganda dieser Art immer mit gewissen Schmerzen verbunden. Und ich tue es nur, um Menschen auf ihr Wesen aufmerksam zu machen, um ihnen zu helfen, sich vor dieser Sprache des Krieges zu schützen.
      Herzliche Grüße von Ped

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