Der Council on Foreign Relations und das Grand Area

Am 24.Juli des Jahres 1941 – seit einem Monat drang die deutsche Wehrmacht unaufhaltsam auf sowjetischem Hoheitsgebiet nach Osten vor – wurde in den USA eine Denkschrift verfasst. Eine Denkschrift die von enormen Einfluss auf die weitere strategische Politik der Vereinigten Staaten gewesen sein dürfte. Überschrieben war sie mit dem Titel „Grand Area Planning“, zu deutsch Großgebietsplan. Dieses Memorandum wurde umgehend an den damaligen Präsidenten Franklin D.Roosevelt weitergeleitet. Die in ihm beschriebene Konzeption erklärt schlüssig das politische -, wirtschaftliche – und militärische Verhalten der USA in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.  Und entstanden war es in einer knapp zwei Jahrzehnte zuvor gegründeten sogenannten Denkfabrik, im Council on Foreign Relations. 


Der Einfluss des 1921 gegründeten Concil on Foreign Relations (CFR) manifestiert sich allein schon in der Tatsache, wie dessen Statements Eingang in die höchste US-Politik fanden. Das besagte Memorandum sollte Grundlage solch umwälzender Strategien und Verträge sein wie dem Abkommen von Bretton Woods, der Truman-Doktrin, der Containment-Politik (Politik der Eindämmung des Kommunismus), dem Marshall-Plan, der Politik auf Basis der Domino-Theorie, z.B. der Rollback-Politik (des Kommunismus) und betrachtete alle Hindernisse zur Erreichung der definierten Ziele als Feinde. Man kann durchaus sagen, dass dieses Dokument als eine Art offizieller Startschuss einer Feindbild-geprägten US-amerikanischen Politik bis in die Gegenwart anzusehen ist – ohne dabei auszublenden, dass die Politik als Eine gegenüber erkannten bzw. zu suchenden Feinden schon zuvor eine lange Tradition hatte. [1][2][3]

Die Denkschrift hielt Einzug in den Planungsstäben der US-Administration und wurde Basis des gleichnamigen Konzepts, welches über die folgenden Jahre weiter entwickelt wurde. Damit kommt zum Ausdruck, dass der Aufstieg und das Gebaren der USA als Imperator nicht irgendwelchen zufälligen Ereignissen entsprang, welche das Land in die Rolle einer globalen Ordnungsmacht gedrängt hätten. Vielmehr war es die ideologische Macht eines Establishments, das aus dem Hintergrund u.a. über (sogenannte) Denkfabriken wie dem Council on Foreign Relations tief in das Räderwerk der US-Politik eingriff und diese zu ihrem Werkzeug umformte. [4]

Die grundsätzlichen Elemente des Grand Area Planning wurden bereits seit den dreißiger Jahren des 20.Jahrhunderts entwickelt und stellten eine Analyse der Wirtschaftskraft der USA und ihres Anwachsens in der Zukunft in Relation mit den dazu benötigten Ressourcen dar. Aus diesen Daten herleitend, definierte man geographische Räume als sogenannte westliche Hemisphäre, auf die man einen ungehinderten Anspruch erhob. Zur westlichen Hemisphäre taufte man diese Gebiete: Europa, die Kolonien Großbritanniens, Lateinamerika (selbstgefällig auch gern als den Hinterhof der USA betitelt), China, Japan, Indonesien und – den Nahen Osten. Nicht ohne sich alle Optionen für eine weitere Ausdehnung offen zu halten. [5][6]

Die Leute vom CFR fanden es (und dies ist nicht ironisch gemeint) „ungerecht“, dass es ein Ungleichgewicht zwischen dem Verbrauch an Ressourcen (speziell in den USA) und dem Vorhandensein an Ressourcen (anderswo) gab. Über diverse Studien, die sie sich von verbandelten Universitäten (wie z.B. der University of Wisconsin) zuarbeiten ließen, gaben sie diesem Anspruch einen (schein-)wissenschaftlichen Klang. Und sie agitierten über ihre persönlichen Beziehungen in der US-Administration beständig für die Interessen „ihrer Klienten“. 1939 sprach Walter Mallory (CFR-Direktor) persönlich im US-Außenministerium vor, um die „Sorge“ des CFR ob des „Rohstoffproblems“ zu unterstreichen. Interessant für eine ganz bestimmte Denkweise: Man definierte (schuf) ein Problem – und bot hierzu die Lösung an. In diesem Falle würde man dem überlasteten US-Außenministerium mit der Kompetenz des CFR unter die Arme greifen und die entsprechenden Planungen für die Nachkriegszeit selbst in die Hand nehmen. Selbstredend nahm Cordell Hull (US-Außenminister) das „generöse Angebot“ dankend an. [7]

Die Dominanz über diese Gebiete sollte wirtschaftlicher (einschließlich monetärer) – wie militärischer Natur sein. Einer der Architekten des „Grand Area“ war der Historiker und Diplomat George F. Kennan. In der 1922 durch den CFR gegründeten Zeitschrift Foreign Affairs stellte Kennan 1947 den Artikel „The sources of Soviet conduct“ (Die Ursachen des sowjetischen Verhaltens) vor. Dieser Artikel wurde auch als X-Artikel (weil anonym veröffentlicht) bekannt und basierte auf Kennan´s  sogenanntem „Langen Telegramm“, dass er 1946 in einem (tatsächlich telegraphischen) Schreiben aus Moskau dem US-Finanzministerium zu gesendet hatte. [8].

Bevor wir uns dem Inhalt des „Telegramms“ zuwenden, noch ein paar Bemerkungen über seinen Verfasser. Kennan war ein Befürworter des Kalten Krieges, glühender Antikommunist, Rassist und Antisemit. Schon als junger Mann war er in diesem Sinne geformt und lebte den Geist einer Elite, die mit Verachtung auf andere gesellschaftliche Gruppen und Ethnien herabschaute:

„Wir haben eine Gruppe von mehr oder weniger minderwertigen Rassen … Auch mit noch so viel Erziehung und Disziplin können die Bedingungen nicht geändert werden, wenn man den Unbegabten erlaubt, sich ungehemmt fortzupflanzen und ihren Nachwuchs zu pflegen.“ [9]

Zeit seines Leben lebte Kennan seinen Selbsthass über Zynismus und abgrundtiefe Verachtung gegenüber Anderen,  eben Rassismus aus – und dokumentierte dies in seinen Tagebüchern:

„Im Jahre 1978 fragte er sich in seinen Tagebüchern, ob es wohl das Schicksal der Menschheit sei, zu einer „polygotten Masse“ zu verschmelzen, bis am Ende nur noch Juden, Chinesen und „Neger“ übrig blieben und den Rest dominierten – „die Chinesen durch ihre Kombination von Intelligenz, Ruchlosigkeit und ameisenhaftem Fleiß; die Juden durch ihren schieren Willen, als Kultur zu überleben; und die Neger durch ihre unausrottbare Bitterkeit und ihren Hass gegen die Weißen?““ [10]

Es waren Menschen wie Kennan, die beim CFR Geo-Politik für den US-Staat entwickelten; das sollten wir bei der weiteren Betrachtung im Hinterkopf behalten. Es ist dabei immer wieder bezeichnend und ebenso charakteristisch, wie diese Menschen Anderen eben genau die eigene Denkweise unterstellen, z.B. latente Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit; s.o.). Kennan, zuvor jahrelang als Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau tätig [11][a1], stellt im X-Artikel folgende Behauptungen auf [12]:

  • Die UdSSR sehe sich in einem fortwährenden Kriegszustand mit der westlichen Welt.
  • In den Augen der UdSSR seien Demokratische Sozialisten und Sozialdemokraten Feinde, aber keine Alliierten.
  • Die Alliierten der UdSSR in der westlichen Welt seien von derselben kontrollierte marxistische Gruppierungen.
  • Die Politik der UdSSR wurzle in einer historisch begründeten russischen Xenophobie und Paranoia.
  • Die kommunistische Regierungsform sei strukturell unfähig, sich ein realistisches Bild der inneren und äußeren Zustände zu zeichnen.
  • Die UdSSR sei gekennzeichnet von innerer Instabilität und dem Westen geistig und ökonomisch grundsätzlich unterlegen.

Mehr als Behauptungen waren es nicht, denn eine fundierte, nur halbwegs wissenschaftlichen Anforderungen genügende Begründung derselben erfolgte niemals. Und trotzdem wurden sie als Grundlage von US-Handlungsmaximen verwendet. Kennan war im CFR hochgeachtet, er gehörte dem dort wirkenden elitären Kreis außenpolitischer Berater, genannt „die Weisen“ an. Und solch ein Kommunistenhasser und Feind der Sowjetunion schien den politischen Entscheidern in Washington später (1951) auch geeignet, die verantwortungsvolle Rolle eines Botschafters der USA in der UdSSR einzunehmen. [13]

Realistisch denkenden Politikern und Militärs war dabei durchaus bewusst, dass die Sowjetunion völlig im Gegensatz zu Kennan´s Hassbild-gesteuerten Behauptungen auf friedliche Koexistenz bedacht war:

„In seiner Studie vom 6. Januar 1945 kam selbst der „Vereinigte Geheimdienststab“ der USA zum Schluss, dass die Sowjetunion (SU) weder die Fähigkeit noch den Willen zur Konfrontation mit den USA und ihren Verbündeten habe, sondern sich auf den Wiederaufbau und die Sicherung ihres Einflussgebietes konzentrieren müsse und alles daransetzen werde‚ um internationale Nachkriegskonflikte zu vermeiden.“ [14]

Als Direktor des politischen Planungsstabes führte Kennan die konzeptionellen Arbeiten zum Grand Area fort und legte die Ergebnisse im Jahre 1948 in einem streng geheimen Memorandum, betitelt als „Policy Planning Study 23“ (kurz PPS23), dem US-Staatssekretär Lovett vor. [15] Dieses Dokument stellt das Selbstverständnis führender Ideologen im CFR bloß. Diese hielten es für gerechtfertigt, die sozialen Ungerechtigkeiten auf der Welt, deren Wurzeln sie völlig richtig im Wirtschaftssystem der westlichen Staaten erkannten, im eigenen Sinne aufrecht zu erhalten. Und sie entwickelten Strategien, genau dieses Unrecht vor der Bevölkerung zu verschleiern.

„Wir müssen sehr vorsichtig sein, von unserer „Führungsrolle“ in Asien zu sprechen. Wir betrügen uns und andere, wenn wir vorgeben, eine Lösung für jene Probleme zu besitzen, die die meisten dieser asiatischen Menschen bewegen. Wir besitzen etwa 50 % des Reichtums dieser Welt, stellen aber nur 6,3 % seiner Bevölkerung. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zwischen uns und den Völkern Asiens besonders groß. In einer solchen Situation kommen wir nicht umhin, Neid und Missgunst auf uns zu lenken. Unsere eigentliche Aufgabe in der nächsten Zeit besteht darin, eine Form von Beziehungen zu finden, die es uns erlaubt, diese Wohlstandsunterschiede ohne ernsthafte Abstriche an unserer nationalen Sicherheit beizubehalten. Um das zu erreichen, werden wir auf alle Sentimentalitäten und Tagträumereien verzichten müssen; und wir werden unsere Aufmerksamkeit überall auf unsere ureigensten, nationalen Vorhaben konzentrieren müssen. Wir dürfen uns nicht vormachen, dass wir uns heute den Luxus von Altruismus und Weltbeglückung leisten könnten… […] Wir sollten aufhören von vagen — und für den Fernen Osten — unrealistischen Zielen wie Menschenrechten, Anhebung von Lebensstandards und Demokratisierung zu reden. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem unser Handeln von nüchternem Machtdenken geleitet sein muss. Je weniger wir dann von idealistischen Parolen behindert werden, desto besser.[16]

Beachtenswert: Wir reden hier von der Zeit in und nach dem Zweiten Weltkrieg, in welcher (aus heutiger Sicht der politisch Herrschenden und Leitmedien) die Vereinigten Staaten von Amerika als Demokratie-Bringer und Retter der Menschenrechte im selbstlosen Kampf gegen den Faschismus gewürdigt werden. Und sehen nun, dass einflussreiche Denkfabriken wie der CFR in eben dieser Zeit für die US-Administration ein Handeln forderten, dass „von nüchternem Machtdenken geleitet sein muss“. Streng rationales Denken, so wie es hier angemahnt wird, ist genau das Denken, mit welchem psychopathisch geprägte Menschen Gesellschaften vergiften. Der Publizist Hermann Ploppa sagte dazu treffend:

„Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts hatte sich eine Elite durchgesetzt, die an der nördlichen Ostküste der USA mit Schwerpunkten in New York und Boston Zuhause ist. Diese Elite ist weiß, protestantisch und sieht die Kultur Englands als ihre geistige Heimat an. Sie hat ihre eigenen Schulen und Universitäten gegründet, wo nur der eigene Nachwuchs gefördert wird. Exklusive studentische Verbindungen garantieren, daß die Absolventen der Eliteausbildung von ehemaligen Absolventen gleich in die richtigen Karrieregleise geschubst werden.[…] De facto herrschte jene kleine Ostküstenelite. Ihr Selbstverständnis kann man als „paternalistisch“ bezeichnen: Das Volk ist dumm und weiß nicht, was ihm gut tut. Eine auserlesene Elite muss für den Pöbel das Denken übernehmen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde von oben nach unten die ganze Gesellschaft geordnet nach den Vorstellungen jener „chosen few“ aus den großen Banken und Industriekartellen. “ [17]

Hinzu kam (und kommt) eine intensiv gepflegte Vernetzung des CFR über seine Grenzen hinaus mit Seinesgleichen in anderen Institutionen. Eine gegenseitige Durchdringung mit Stiftungen (s. JP Morgan, Carnegie, Rockefeller und Ford), anderen „Denkfabriken“ (z.B. RAND Corp., Brookings Institution), Bildungseinrichtungen (z.B. University of Yale, University of Wisconsin) und (heutzutage) Nichtregierungsorganisationen (NGOs – Non Government Organisations) führten zu einer großen ideologischen – und finanziellen Stabilität und machten das System für Außenstehende immer weniger durchschaubar. Die so hoch gezogenen Eliten folgten damit dem vermittelten kalten geostrategischen Denken, ganz in der Tradition Halford Mackinder’s [18]. So wie es im späteren von Friedman, Kissinger, Brzezinski und anderen weitergeführt wurde; alles Leute mit entscheidendem Einfluss auf die Politik der USA. Es kann deshalb auch nicht überraschen, dass sowohl Brzeziniski als auch Kissinger Vorstände im Council on Foreign Relations waren. [19]

Aber schauen wir noch einmal zurück in das Jahr 1941, als das Memorandum für den Grand Area übergeben wurde. Denn diese Studie war nur eine von insgesamt 682, welche als Memorandum an das US-Außenministerium geliefert wurde, seit 1939 und innerhalb von fünf Jahren durch über 100 Männer ausgearbeitet [a2] und u.a. mit 350.000 $ finanziert durch die Rockefeller-Stiftung. [a3] Die Beteiligten waren sich völlig im Klaren, dass diese Empfehlungen einer von privaten Interessen geleiteten Denkfabrik an eine staatliche Institution demokratischen Gepflogenheiten widersprach und hielten das War and Peace Studies getaufte Projekt daher geheim. Für die Sektion Sicherheit und Rüstung im Projekt machte sich der damalige CFR-Präsident Allen W. Dulles höchst selbst verantwortlich; zur damaligen Zeit war er Chef des US-Geheimdienstes OSS und wurde später Direktor der CIA (deren Gründung er maßgeblich vorantrieb). [20]

Die Anmaßung der Vereinigten Staaten von Amerika der Nabel der Welt zu sein und politisch entsprechend aufzutreten; die Erhebung über andere Nationen, Völker und Gesellschaften; die Selbstgerechtigkeit den eigenen Wohlstand auf Kosten anderer mehren zu dürfen, weil man so besonders ist; die Bekämpfung derer, die sich diesen Prinzipien nicht unterordnen wollen, als „die Bösen“. All das entspricht dem Selbstverständnis des Council on Foreign Relations und zu Kennan’s Aussagen (w.o.) füge ich eine Stellungnahme des langjährigen CFR-Direktors Walter Lippmann [a4] hinzu:

.. das allgemeine Interesse … kann nur durch eine spezialisierte Klasse verwaltet werden, deren persönliche Interessen über lokale Themen hinausreichen. Diese Klasse ist befreit von Verantwortung, denn sie agiert aufgrund von Informationen, die nicht Eigentum der Gemeinschaft sind; in Situationen, die das breite Publikum gar nicht begreift … die Männer, die aktuell gerade die Macht ausüben, versagen nicht etwa dabei, den Willen des Volkes widerzuspiegeln, denn in den meisten Sachfragen existiert ein solcher Wille gar nicht, sondern sie üben Macht aus aufgrund von Auffassungen, die vor der Wählerschaft verborgen sind.“ [21]

So ist es: Macht ist selbstherrlich und kennt keine Verantwortung. [22] Und damit kennen wir die Ideologie und stellen nun die Verbindung zu privaten (sprich egoistischen) Interessen her, denn der CFR ist neben seiner Funktion als Ideologie-Schmiede natürlich auch als Lobby-Organisation zu verstehen. Der Politik-Wissenschaftler William Domhoff meinte im Jahre 1975:

„Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung… Die Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kann kaum hoch genug veranschlagt werden … Dennoch haben die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen Gremiums …“ [23]

Letztgenanntes ist zu unterstreichen – und bestätigt die Ergebnisse vieler Befragungen seitens des Autors (ped). Der CFR wurde anfangs von Leuten des Bankhauses JP Morgan dominiert, seit dem Zweiten Weltkrieg überwiegt der Einfluss der Rockefellers. Das eher unbekannte, aber trotzdem einflussreiche Bankhaus Kuhn & Loeb wurde in den Anfangsjahren von Paul M. Warburg vertreten. Journalisten und Redakteure namhafter Zeitungen (wie der New York Post und der Washington Post) stießen hinzu. [24][25] Wie eng dieser Filz zwischen Staat und CFR mit dem (offiziellen) Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde, belegt die Aussage des Publizisten Anthony Lukas:

„Ab 1942 verschmolzen die Studiengruppen des Council praktisch mit dem Außenministerium“ [26]

Bei solch einem hohen Grad an Vernetzung tritt ein Phänomen in Kraft, welches Drehtür-Effekt bezeichnet wird. Noch einmal sei Hermann Ploppa zitiert:

„Drehtüreffekt […] heißt: ein Elitemensch wechselt ohne größere Probleme aus einer Leitungsfunktion in der Industrie in eine solche beim Militär, der Politik, den Medien, dem Geheimdienst, der Wissenschaft, oder sogar der Kirche. Mithilfe dieser Rotation ist es möglich, mit extrem wenig Elite-Personal schnell und geräuschlos eine bestimmte Richtungsentscheidung für die gesamte Gesellschaft durchzusetzen. Diese Drehtür setzt natürlich eine unbekümmerte Verwischung der Grenzen zwischen Privatwirtschaft und Regierung voraus. Das, was sich in Deutschland gerade als „Öffentlich-Private Partnerschaft“ durchsetzt, ist in den USA spätestens nach der Etablierung von Trusts und Kartellen, also etwa seit dem Jahre 1900, eine Selbstverständlichkeit.“ [27]

Es waren also die Interessen der Finanzkonzerne und Ölmultis, der Rüstungs- und Industrie-Unternehmen, die ab dieser Zeit in der US-Politik vehementer denn je vertreten wurden. Ihr Empathie-freies Credo – geboren aus einer einmaligen rücksichtslosen Monopolbildung in den USA bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges – lautete „Freie Märkte“ und „Freie Handelswege“. Sich diesem nicht anschließende Nationen wurden selbstverständlich als Feinde angesehen. Und ein Staat wie die Sowjetunion, die auch ideologisch dieses „Spiel der freien Kräfte“ ablehnte, wurde so zum Hassobjekt erster Güte. Die US-amerikanische Politik wurde mehr denn je zum Werkzeug mächtiger privater Interessen. Mit dem Riesengeschäft des Zweiten Weltkrieges wuchs diese Macht noch an und begründete den Militärisch-Industriellen Komplex der USA.

Dass die Sowjetunion im Zuge ihres Großen Vaterländischen Krieges die deutschen Truppen in deren Deutsches Reich zurück warf und dabei folgerichtig die von den Deutschen besetzten Staaten durch die Rote Armee befreite, ist schwerlich zu bezweifeln. Allerdings wird diese Tatsache vom Mainstream bis heute gern zur Aggression der Sowjets um gedeutet. Diese Umdeutung dient auch nur der Propaganda vom „bösen Russen“ und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verbarg sich dahinter die nicht verwundene Schmach für die Wallstreet und die City of London, dass man ihnen einfach „ihre freien Märkte“ weggenommen hatte.

Nichts anderes steckte hinter der Strategie des Containment und später des Rollback, welche ursächlich aus den Räumen des CRF stammten. Das Konglomerat aus Ideologen, Bankern, Multis, Militärs und Politikern und den vielen kleineren oder größeren Nutznießern dieser Netzwerke, deren Mitglieder (mittels Drehtür-Effekt) fast beliebig die Rollen wechseln, wird nicht aufhören. Es wird in seiner Aggressivität, den letzten Winkel der Erde ihrem Profitstreben zugänglich zu machen, niemals nachlassen – mit den bereits programmierten Kriegen der Zukunft. Es sei denn, eine signifikante Anzahl von Menschen entwickelt und lebt(!) alternative Entwürfe und alternative Netzwerke, welche die Quellen der Macht für Erstere trocken legen.

Der weiter oben gewürdigte Rassist und überzeugte Antikommunist George F. Kennan erhielt übrigens 1982 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Unterstellen wir wohlwollend den Preisverleihern, dass sie – auch weil ideologisch gefangen – die menschenverachtende Seite des George F. Kennan nicht vollständig sehen konnten. [a5]


Anmerkungen

[a1] Unabhängig seiner rassistischen selbst überhebenden Weltanschauung sei angemerkt, dass George F.Kenneth seit den neunzehnhunderdreißiger-Jahren in verschiedenen Funktionen für das US-Außenministerium in der Sowjetunion tätig war und tiefere Kenntnis der stalinistischen Säuberungswelle erhielt. Diese Erfahrungen prägten sicher auch sein antikommunistisches Weltbild.

[a2] In den ersten Jahrzehnten nach Gründung des CFR, waren tatsächlich ausschließlich Männer als Mitglieder vertreten.

[a3] Die Summe von 350.000 $ Anfang der vierziger Jahre des 20.Jahrhunderts entspräche heute dem mindestens zehnfachen Betrag.

[a4] Es ist erstaunlich, dass im deutschen Wikipedia-Artikel zu Walter Lippmann (Stand 5.5.2016) dessen sechsjähriger Sitz im Direktorium des Council on Foreign Relations keinerlei Erwähnung findet. Dabei ist gerade seine Arbeit als Medienkritiker(!), Journalist und Schriftsteller UND eben die Verbindung zum CFR als Gesamtinformation wichtig, um Zusammenhänge zwischen Medien und sogenannten Denkfabriken verstehen zu können.

[a5] Der Inhalt der Tagebücher George F. Kennan’s wurde erst nach dessem Tod bekannt und war dem Kuratorium zum Verleih des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1982 nicht zugänglich.

Quellen

[1][4][5] http://www.infowars.com/the-council-on-foreign-relations-and-the-“grand-area”-of-the-american-empire/

[2][6] 4.5.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Area

[3] http://zcomm.org/wp-content/uploads/zbooks/www/chomsky/sam/sam-1-3.html

[7] To Have and Have Not: Southeast Asian Raw Materials and the Origins of the Pacific War; Jonathan Marshall; 1995; S.29; University of California Press, Berkeley; http://www.larsschall.com/2015/01/08/ueber-halford-mackinder-die-urspruenge-des-council-on-foreign-relations-und-die-grand-area-strategie/

[8][12] 3.5.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/X-Artikel

[9][10] Der Kalte Krieg war heimlicher Antiamerikaner; Hannes Stein; 11.4.2014; http://www.welt.de/debatte/kommentare/article126840692/Der-Kalte-Krieger-war-heimlicher-Antiamerikaner.html

[11][13] George F. Kennan; 4.5.2016, englische Wikipedia; https://en.wikipedia.org/wiki/George_F._Kennan

[14] Memorandum of the Joint Intelligence Staff, Capabilities and Intensions of the USSR in the Post-War Period,  JIS 80/2, January 6, 1945, National Archives, Washington D.C.; http://www.imi-online.de/download/JG-NATO-Geschichte.pdf

[15] Policy Planning Study 23; englische Wikisource; https://en.wikisource.org/wiki/Memo_PPS23_by_George_Kennan

[16] 4.5.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Area#Policy_Planning_Study_23

[17][25][27] Der Klub der „Weisen Männer“; Hermann Ploppa; 19.8.2008; http://www.heise.de/tp/artikel/28/28513/1.html

[18][24] Über Halford Mackinder; Lars Schall; 12.1.2015; https://www.radio-utopie.de/2015/01/12/ueber-halford-mackinder-die-urspruenge-des-council-on-foreign-relations-und-die-grand-area-strategie/

[19][20] 4.5.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations

[21] Der Klub der „Weisen Männer“; Hermann Ploppa; 19.8.2008; http://www.heise.de/tp/artikel/28/28513/1.html ; Walter Lippmann: Public Opinion. New York 1921

[22] Vom Kriege – Nach Clausewitz; Kap.: Die Dialektik des Friedens; http://peds-ansichten.de/2015/04/vom-kriege-nach-clausewitz

[23][26] Ein Politbüro für den Kapitalismus; 8.12.1975; Der Spiegel; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html

[Allgemein] Generalisten: Ein Blick ins Innere des Council on Foreign Relations; http://www.uni-muenster.de/PeaCon/hw-online/13-krys-cfr.htm; aus: Hirten & Wölfe – Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen; 2016 (2004); Hans Jürgen Krysmanski; ISBN : 3-89691-602-5; Verlag Westfälisches Dampfboot

[Allgemein] Die Wertegemeinschaft der lupenreinen Hurensöhne; Werner Rügemer; 8.11.2013; http://www.hintergrund.de/201311082885/politik/welt/die-wertegemeinschaft-der-lupenreinen-hurensoehne/drucken.html

Bildquellen:

[b1] Teil des Titelbildes: George F. Kennan; 5.5.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/File:Kennan.jpeg; Quelle: US-Regierung; Lizenz: Public Domain

[b2] Teil des Titelbildes: Allan W. Dulles; 5.5.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Allen_Dulles#/media/File:Allen_w_dulles.jpg; Quelle: US-Regierung; Lizenz: Public Domain

[b3] Teil des Titelbildes: Walter Lippmann; 5.5.2016; Von Pirie MacDonald – Yale University Manuscripts & Archives Digital Images Database [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10533340

[b4] New Logo des Council on Foreign Relations; 5.5.2016; von: Council on Foreign Relations; https://en.wikipedia.org/wiki/File:Council_on_Foreign_Relations_New_Logo.jpg; Lizenz: Fair Use

2 Kommentare

  1. Ein ausgezeichneter Artikel. Vielen Dank!
    Die große Frage ist, welche Rolle Geheimgesellschaften wie Skull & Bones hinter den nach außen tretenden Denkfabriken wie CFR spielen.

    1. @Falkenauge:

      Eliten mögen es gern verschwiegen; man ist halt etwas Besonderes und kultiviert das in Clubs und Gesellschaften. Die bewusste Abgrenzung nach außen – zum gemeinen Volk – stärkt die Außergewöhnlichkeit der Mitglieder und befähigt sie, in Gottes Auftrag zu handeln. Das Elitäre wird schon (der Name ist Programm) in der Jugend geformt – an Elite-Unis. Und dort bildeten sich auch diese Geheimgesellschaften. Letztlich gab es das schon immer, in jedem Land, auch in Deutschland. Das grundsätzliche pathologische Denkmuster wird aus diesen Netzwerken in die Politik von Denkfabriken wie dem CFR eingebracht und von dort in die demokratisch plakatierte Politik weiter gereicht.
      Aber ich glaube nicht, dass bei Skull & Bones wirklich Politik gemacht wird. Ich stelle mir gerade Bush Junior dort vor – es wirkt für mich irgendwie lächerlich. Aber über solche Verbindungen wurde z.B. der aus meiner Sicht etwas limitierte George W. Bush zu politischen Entscheidungen befähigt (sie wurden ihm also nicht aufgetragen).
      Ich kann also vom jetzigen Standpunkt einer möglichen esoterischen Note von Skull & Bones nicht viel abgewinnen. Voltairenet hat mal einen ganz interessanten Artikel über die Studie von Alexandra Robbins zu den S&Bs gebracht:
      http://www.voltairenet.org/article183280.html

      Herzliche Grüße von Ped

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