Das Giftgas von Ghouta und unser Krieg gegen Syrien

Verlassen wir mit diesem Artikel einmal die „Türkischen Gratwanderungen„, ohne dabei den Blick auf die Türkei zu verlieren. Hat doch auch sie viel zu tun mit der so genannten Roten Linie, die im Jahre 2013 gezogen wurde und in deren Folge ein massiver offener Krieg der USA gegen Syrien drohte. Die Betrachtung der Roten Linie wird vor allem mit einer (weiteren) Reise in die Tiefen unseres (Unter)bewussten verbunden sein. Ich möchte Sie auf diese Weise darauf aufmerksam machen, wie sehr u.a. die Geschehnisse um die Rote Linie auch Sie ganz persönlich betrafen, auch wenn Sie sich der Wirkmechanismen nicht bewusst sind.


Die Rote Linie wurde in Zusammenhang mit dem angenommenem Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Armee gezogen. Zum Verständnis zuvor ein kurzer Abriss, in welches große Bild die dramatischen Ereignisse um die Rote Linie eingebettet waren.

Anfang des Jahres 2013 wurde aus dem von den Medien propagierten „Volksaufstand“ in Syrien ein vielschichtiger Krieg – ausgetragen auf dem Rücken der Syrer. Einerseits setzten die im gesamten arabischen Raum vernetzten Muslimbrüder ihren Kampf gegen die Assad-Regierung und für einen islamistischen syrischen Staat fort. Hierfür benutzten sie die sogenannte Freie Syrische Armee (FSA), in der sich auch tausende Enttäuschte und von der westlichen Propaganda und ihren Gehilfen von Al-Jazeera und Al-Arabija Verführte einfanden. 

Über die Vernetzung der Muslimbrüder wandelte sich der Charakter dieser fragwürdigen Armee zu dem eines Sammelsuriums extremistischer salafistischer Milizen, mit dem Al-Qaida-Ableger Dschabhat Al-Nusra als stärkster Kraft. Diese Milizen steigerten den Terror durch eine bestialische Gewalt gegen ihre Gegner [1]. Alle drei Gruppen; Muslimbrüder, FSA und Al-Qaida wurden durch einen nicht enden wollenden Strom immer modernerer Waffen, durch Logistik, Rückzugsräume und eine unverhohlene Propaganda westlicher Medien und Politiker gestärkt. Diese legte ihren Schwerpunkt unvermindert auf die „unmenschliche Assad-Regierung, welche ihr eigenes Volk abschlachtet„.

Damit wurden die Menschen in den europäischen Demokratien von Fragen abgehalten, die thematisiert hätten, woher denn die Kämpfer, Waffen und Ausrüstungen dieser extremistischen Milizen eigentlich kamen – und vor allem, was das alles mit einem „Volksaufstand“ zu tun hatte.

Geostrategische Lage aus türkischer Sicht

Doch neben dem Krieg gegen Syrien entwickelten sich schleichend weitere Kriege. Wie im letzten Türkei-Artikel thematisiert, begann ein verdeckter Krieg der USA, unter Benutzung der Kurden in Barzanis Pseudo-Staat und der Kurden in Nordsyrien, die durch den Abzug der syrischen Streitkräfte zu nennenswerter Selbständigkeit gelangt waren. Dieser verdeckte Krieg lief im Rahmen des strategischen Planes zur Zerschlagung Syriens und der Etablierung eines kurdischen Staates auf syrischem Gebiet. Daraus ergäben sich Möglichkeiten für die Geostrategen des Westens, ein Protektorat namens Großkurdistan zu errichten – mit Zugang zum Mittelmeer.

Das wiederum veranlasste die Türkei, einen Krieg gegen die Kurden in Nordsyrien zu beginnen und den Krieg gegen die PKK im Osten der Türkei zu verschärfen. Dafür benutzte man in Nordsyrien jene Milizen, die eigentlich den syrischen Staat zerschlagen sollten. Das war eine verhängnisvolle Konstellation, welche die Türkei (nach ihrem Selbstverständnis) zwang, den Krieg unbedingt weiter führen zu müssen. Und das auch noch mit erhöhten Einsätzen.

Und weil man andererseits den Krieg auch rasch beenden wollte, waren die Einsätze mit einer immer weiter sinkenden moralischen Hemmschwelle verbunden. Der Preis schien es wert; ein typisches Denkmuster von in Macht und Herrschaft agierenden Menschen, die auf diese Weise ihre Handlungen, egal welches Leid sie über andere Menschen bringen, für sich legitimieren.

Mit ihrem (noch) verdeckten Krieg gegen die Kurden in Nordsyrien verletzte die Türkei allerdings auch klar US-Interessen! Und dieser sich nachfolgend immer mehr verschärfende Konflikt spielte sich auf unterschiedlichen Ebenen ab, die wir uns (wenn auch nicht hier) noch näher anschauen werden. Eine These dazu stelle ich schon an dieser Stelle auf:

In Konzept, Aufstellung und Handeln waren die zu aller erst durch den türkischen Tiefenstaat dirigierten „Aufständischen“ nicht dafür vorgesehen, gegen die Kurden vor zu gehen. Die offizielle türkische Politik verletzte die im Hintergrund gesetzten Regeln für die Kriegsführung gegen Syrien. 

Der immer gleiche Traum: Ein schneller Sieg

Daraus schlussfolgere ich: Die Türkei wollte einerseits – um fast jeden Preis – einen schnellen Sieg in Syrien. Als „Seiteneffekt“ erhoffte sie sich dadurch, die schleichende Etablierung eines Kurdenstaates im Norden Syriens am besten verhindern zu können. Für einen raschen Sieg über die für die Kriegsstrategen überraschend standhafte Assad-Regierung würden aber die Mittel des bisher geführten verdeckten Krieges nicht genügen. Der Krieg musste unbedingt auch offiziell, als „humanitärer Einsatz“ und möglichst unter Zustimmung der Staatengemeinschaft geführt werden. 

Eine Intervention musste her und es mussten Gründe erschaffen werden, welche die Intervention rechtfertigten. Der Vorwand musste emotional aufrüttelnd sein und das vermeintlich Verbrecherische der syrischen Regierung herausstellen. Damit wäre der humanitäre Charakter dieser Intervention nach dem Prinzip der „Verantwortung zu Schützen“ (R2P = Responsible to Protect) gegeben. Die Drahtzieher solcher Szenarien nutzen für so etwas ein bewährtes Prinzip: Operationen unter falscher Flagge (False Flags).

Und dabei konnte die Türkei auf Verbündete in den USA zählen. Vor allem die Politiker-Kaste um Hillary Clinton und John McCain versuchte mit aller Macht, den heißen Krieg der USA gegen Syrien zu entfachen.

Operationen unter Falscher Flagge

Im Prinzip war ja schon die bis dato zweijährige Geschichte des Syrien-Krieges eine groß angelegte Operation unter Falscher Flagge. Während im Hintergrund seit Jahren an der Zerschlagung der syrischen Gesellschaft gearbeitet wurde, lief im Vordergrund ab 2011 der sogenannte Volksaufstand ab. Die gesamte Operation die von außen in das Land getragen wurde; Gewalt, wahlloses Schießen auf Menschen (egal ob Sicherheitsbeamte, Demonstranten oder ärztliche Helfer), Bombenanschläge, Angriffe auf die Armee; sie wurde zur Geschichte einer Demokratiebewegung umgeschrieben, in der die Täter zu Opfern gemacht wurden und umgekehrt. Das ist klassisches pathologisches Verhalten und das gilt nicht nur für die Täter vor Ort es gilt vor allem für die Schreibtischtäter, welche die Köpfe der Menschen vergifteten und ihre (unreflektierten) Gefühle missbrauchten.

Innerhalb dieser großen False Flag – Operation liefen unzählige kleine Operationen ab. Ständig wurden neue Geschichten über „die Gewalt des Regimes“ erfunden, während die real existierenden Gewalttäter zu Aufständischen mutierten. Bild- und Ton-Dokumente wurden massenhaft gefälscht oder mit dem Ziel der Falschinformation produziert, um den Konsumenten im Westen aber auch den Menschen im arabischen Raum die neue fiktive Welt zu deren neuer Realität zu machen.

Ohne die systematische Kodierung der Weltsicht für die Menschen in den westlichen Demokratien, ohne das fest eingebrannte Bild des „Volksaufstandes“, wider allen Realitäten. Ohne das Wirken der Medien in ihrer Rolle als der eines Propaganda-Apparates hätte man die haarsträubende Geschichte von Giftgasangriffen der Syrischen Armee „auf friedliche Zivilisten; vor allem Frauen und Kinder“, im Jahre 2013 niemals an das Volk bringen können.

Wir wurden in die Spur gebracht.

Das Feld war zuvor systematisch vorbereitet wurden und dazu gehört auch – vom Großteil der Menschen bis heute nicht erkannt – dass man sie als geistige Mittäter in diesen Krieg hinein zog. Unzählige Durchschnittsbürger waren inzwischen bereit, die Hetze zum Krieg gegen ein Land, dass sie weder kannten, noch mit dem sie sich zuvor jemals beschäftigt hatten, aktiv mit zu tragen. Ohne, dass ihnen das bewusst war. Hunderttausende deutsche Bürger verbreiteten nun wie Zombies die Propaganda der Medien weiter und stärkten so die Glaubwürdigkeit der erfundenen Geschichten. Dass diesen Geschichten die innere Logik abging, dass sie ungeprüft waren, erfunden, verfälscht, dass sie von Hass und Aufruf zum Krieg nur so trieften. All das spielte keine Rolle mehr. Die Geschichten wurden wahr, weil es ja die anderen auch ständig erzählten.

 

Auf wen ein False Flag zielt

Jede False Flag – Operation hat ein Drehbuch und zwingend dazu eine fiktive Geschichte, die den Menschen passend erzählt wird. Jede Operation unter Falscher Flagge ist eine Umsetzung pathologischer Ideen, sie ist zwingend mit Lügen und Betrügen („für den guten Zweck“) verbunden. Sie unterstellt ihrem Gegner in der krassesten Form das, was sie selbst tut.

Zynismus ist der unverhüllte Spiegel jener menschlicher Denkmuster, die in der Lage sind, soziale Systeme zu zerstören, wenn dessen Mitglieder nicht wachsam sind. False Flags sind schlimmster Zynismus – und seit vielen Jahrzehnten erprobtes Mittel westlicher Demokratien.

Und wie schon w.o. gesagt, trifft der False Flag nicht nur die Opfer im angegriffenen Land, sondern vor allem SIE. Denn wegen IHNEN macht man sich überhaupt erst die Mühe. SIE müssen betrogen werden und den Betrug auch bereit sein, anzunehmen. Die innige Schwester eines False Flags ist deshalb immer die Propaganda, die Sie, als Konsument (und zwar exakt in dieser Rolle) auf schnupfen sollen. Und eben deshalb muss bei Ihnen schon vor Entfaltung des False Flags ein Feindbild ehern im Kopf sitzen, denn nur dann gehen Sie dem Betrug auch auf den Leim.

Ein Ereignis bei Aleppo

1. Im März 2013 ereignete sich westlich von Aleppo ein Vorfall, der die syrische Regierung zutiefst beunruhigte und in deren Folge sie mehrfach eindringlich bei den Vereinten Nationen vorsprach, eine unabhängige UN-Kommission nach Syrien zu entsenden, um diesen Vorfall zu untersuchen. [2]
2. Diese Untersuchungskommission würde schließlich fünf Monate benötigen (was übrigens nicht an der syrischen Regierung lag), um in Syrien einzutreffen. Just in jenen Tagen im August des Jahres, als der US-amerikanische Präsident Barack Obama nochmal mit markigen Worten eine sogenannte Rote Linie gezogen hatte, in der er eine militärische Intervention androhte – und gerade als die UN-Ermittler eingetroffen waren, sollte die syrische Armee chemische Waffen eingesetzt haben.


Das nenne ich doch mal einen Zufall. Dass die Assad-Regierung aber auch so bescheuert ist, monatelang mit Nachdruck auf eine UN-Kommission zur Untersuchung von Gasattacken zu drängen, geduldig zu warten, bis die UN-Ermittler da sind, bis Obama die Rote Linie deklariert, um dann fast in Sichtweite der UN-Ermittler hunderte Zivilisten mit Gas zu ermorden. 

Wer sich nur fünf Minuten Zeit lässt, um – das ist entscheidend(!) – die Emotionen runter zu kühlen, wird nur noch den Kopf schütteln.

Wer glaubt so einen Blödsinn?

Jeder der sich emotional und unreflektiert einfangen läst. So schlicht funktioniert Propaganda.

Politiker und Medien, gefangen im Banne der eigenen Propaganda, haben das ernsthaft geglaubt und den Bürgern weis gemacht. Verrrückte Welt …

Diese beiden Ereignisse jedenfalls bilden die Klammer für einen False Flag, in dessen Folge, wäre er durch gekommen, Syrien in Grund und Boden gebombt worden wäre.

Der investigative Journalist Seymour Hersh [a1] und andere haben viele Details gesammelt, über die – und wenn mittels des indirekten Beweises – die Operation unter Falscher Flagge mit Kernpunkt des Giftgasangriffes auf den Damaszener Randbezirk Ghouta nachgewiesen werden konnte. Daher werde ich mich dazu knapp halten und auf die Quellen verweisen. Wichtig ist mir, dem Leser deutlich zu machen, wie tief wir eigentlich in völlig absurden Denkmustern stecken.

Wenn Assad Giftgas eingesetzt hätte

Alles hing Ende August / Anfang September des Jahres 2013 davon ab, ob man den Vorwurf entkräften konnte, die Syrische Arabische Armee hätte Giftgas eingesetzt. Erst als der britische Geheimdienst Expertisen vorlegte, dass die Spuren des in Ghouta gefundenen Giftgases eine andere chemische Signatur hatten, als die in den Reservoirs der syrischen Armee, begann man diplomatische Lösungen anzugehen.

Sie als Konsument von Propaganda wurden ausreichend lange zuvor und lange genug darauf eingestellt, die „richtigen“ Affekte zu zeigen. [3] Ende April 2013 als die Gazetten absolut nichts wissen konnten über die Einzelheiten der Gasattacken bei Aleppo, träufelten sie Ihnen dosiert in das Gehirn, dass Sie einen Schuldigen im Augenblick der Inszenierung aus Ihrem Unterbewussten abrufen können:

„Der ultimative Beweis steht aus – doch offenbar hat Syriens Regime bei einem Angriff in Aleppo kleine Mengen des Giftgases Sarin zum Einsatz gebracht. Dabei sind seine Herstellung und Lagerung durch die Chemiewaffenkonvention seit 1993 verboten. Die Uno-Sicherheitsratsresolution 687 vom April 1991 stuft die Verbindung außerdem als Massenvernichtungswaffe ein.“ [4]

Die Schlüsselwörter, die zum Betrug Ihres Unterbewussten verwendet wurden, habe ich hervor gehoben. Besonders hinterhältig ist das unauffällige „ultimative„. Sie glauben nicht ernsthaft, dass es sich dabei um ein Versehen handelt, oder doch? Die Passage ist Teil eines Artikels aus der Rubrik „Wissenschaft“ in jenem Blatt. Das ist sehr clever, weil Wissenschaft einen Geruch an Seriösität verströmt, der Propaganda nicht vermuten lässt.

Wie waren die Emotionen der Menschen damals? Ja, denn darum ging es – um Emotionen, nicht um Rationalität. Es ging (s.o.) um eine Affekt getriebene Politik. Es ging um Gut und Böse. Und die Frage, die sich (sinngemäß) stellte, lautete:

Hatte er es getan oder nicht?

An dieser Stelle bitte ich den Leser kurz, inne zu halten. Denken Sie über den Inhalt der Frage nach, deren Beantwortung damals über eine massive militärische Intervention der USA zu entscheiden hatte.

???

Diejenigen, welche glaubten, „Assad ist der Gute“, lehnten eine Intervention ab. „Der macht so was nicht.“ Und die vom „bösen Assad“ Überzeugten senkten den Daumen. Es war wie im antiken römischen Colloseum, in dem die Bürger Sklaven das Leben schenkten oder auch nicht. Einfach ihrem Gefühl entsprechend, dass die (Sklaven) es verdient(!) hätten – oder auch nicht.

Gedanklich erhoben sich beide Seiten über den (aus beider Sicht) vor Gericht stehenden Angeklagten. Aber weder die Einen noch die Anderen begriffen, dass sie in einer tückischen manipulativen Falle steckten.

Denn mit dem Einlassen auf die Frage bestätigten sie die Alternativlosigkeit, die ihnen von den Fragestellern suggeriert wurde. Nicht wenige, die damals noch an Assads Unschuld glaubten, wurden infolge des Dilemmas, in das sie durch die Manipulation geraten waren, davon überzeugt, dass er (Assad) schuld ist und deshalb gehandelt werden müsse. Ihr Gefühl, ihre Emotionen sagten es ihnen. 

Dieses Werkzeug, Schuldfragen auf zu werfen und dadurch das Opfer (den Manipulierten) in eine emotionale Not zu bringen, was ihn zwingt Dinge zu tun, die seinen natürlichen Prinzipien menschlichen Zusammenlebens eigentlich widersprechen,  wird gern von Psychopathen angewandt. Die bürden Anderen Schuld auf, um Macht und Herrschaft über sie aus zu üben.

WER Schuld hat, entscheidet übrigens der Psychopath! Er ermittelt die Schuld nicht, er definiert sie!

Finden Sie, dass Emotionen das richtige Werkzeug sind, um ausgewogen Sachverhalte einschätzen zu können? Ermöglicht uns das Zuweisen von Schuld, alle Seiten in einem Konflikt zu verstehen, um somit einen Konflikt lösen zu können? 

Um einvernehmliche, für alle Seiten akzeptable Lösungen entwickeln zu können, muss man halt auch die Belange, Motive und Nöte aller Seiten gehört haben.

Es ist aber im Falle der Roten Linie so, dass jemand bereits zuvor über die Schuld entschieden hatte, weil er seinen Willen gegenüber dem „Schuldigen“ durchsetzen wollte – mit Gewalt. Obige Frage wurde suggestiv gestellt, das erkennen Sie an der groß angelegten Hetze, welche die Frage umrahmte. Diese Hetze galt nicht Syrien, sie galt IHNEN. Die Hetze verhinderte erfolgreich, dass Sie sich objektiv, unvoreingenommen mit dem Thema beschäftigten.

Wie ist das, wenn Sie sich schuldig fühlen, was empfinden sie? Schuld diszipliniert, rechtfertigt Zwangsmaßnahmen, ist erniedrigend, ausgrenzend, macht einsam. 

Es ging nämlich gar nicht darum, ob Assad Giftgas eingesetzt hat oder nicht. Es ging darum, Schuld zu zu weisen und SIE darauf hin zu weisen, sich auf der Seite der Sieger zu platzieren und sich nicht mit den Schuldigen gemein zu machen.

Wir reden ständig von der Schuld anderer, um uns selbst ständig und unterschwellig zugeschobene Schuld auf andere abwälzen zu können. Das ist übrigens ein normaler psychischer Prozess und hat mit unseren Ängsten zu tun. Schuld spielt in unserer Gesellschaft eine große Rolle – nicht zu unserem Besten.

Und es ist eben so; die Antwort: „Assad hat es nicht getan“, war im Szenario überhaupt nicht vorgesehen! 

Daumen oben, Daumen unten? Das in der antiken Vergangenheit zu erkennen, mag dem aufgeklärten Bildungsbürger westlicher Gesellschaften vielleicht nicht so schwer fallen. Wie aber sieht es mit der Gegenwart aus? Woran bitte machten die USA ihr Recht fest, Krieg gegen ein anderes Land zu führen, mit den errechneten und im voraus hin genommenen Kollateralschäden in Form zehntausender Toter?

Schließen sich bereits die Reihen der Empörten, die da sagen?:

„Aber Giftgas geht ja gar nicht, das ist unmenschlich. Das ist geächtet. Wer das macht, ist ein gewissenloser Schlächter. Solche müssen aus der Völkergemeinschaft ausgestoßen werden.“

Ach ja?

Gute und böse Bomben, chirurgisches Töten und Töten durch Diktaturen, demokratisches Töten zur Befriedung als Befreiung. Verabscheuungswürdiges Töten durch Demokratiefeinde als Unterdrückung. Eliminieren für die gute Sache, Ermorden für die schlechte Sache …

Wie absurd ticken wir eigentlich?

Und dann kommt noch die Wahl der Mittel:

Huch! Giftgas ist gaaaanz, gaaanz schlimm.

und

Napalm?

Leidet ein Mensch durch Napalm weniger als durch Giftgas?

Sterben Menschen durch Napalm vielleicht humaner? Sind die Leiden durch die Verbrennungen geringer? Und wenn wir von Napalm der USA sprechen und dazu von Chemiewaffen der Syrer, springt uns ein Unterschied doch gerade zu ins Gesicht. Ist Ihnen schon klar, welcher?

Die USA haben Millionen von Menschen durch Napalm umgebracht und weitere Millionen haben ihr Leben lang unter den Folgen dieser Verbrennungen gelitten. Dies in tausende Kilometer entfernten Ländern, von denen „die Führer der Freien Welt“ Eines mit der Verschwörung eines False Flags (der Tonking-Affäre) zum Täter stigmatisierten und ein Jahrzehnt verheerten.

Wenn schon denn schon, oder? Eine massive vernichtende Intervention in den USA durch die Staatengemeinschaft, ob des unerhörten Verbrechens an den Vietnamesen (und noch mehr Koreanern), wäre doch angesichts dieser Tatsache dringend erforderlich gewesen. Nicht? 

Und dieses Land USA, dessen Regierungen es bis heute weder für nötig befunden haben, den Opfern eine nur minimal angemessene Entschädigung zu zahlen. Ja, die es bis heute nicht einmal fertig gebracht haben, sich bei diesem Volk in Südostasien zu entschuldigen. Ausgerechnet dieses Land USA war besorgt? Besorgt, dass Massenvernichtungs-Waffen eingesetzt werden könnten?

Kann jeder fühlen, welch ungeheurer Zynismus in diesen Vorwürfen von Amtsträgern der US-Politik steckt? Wie verlogen ist da die Empörung über ein Land, welches chemische Kampfstoffe vorhält? Warum empört uns ausgerechnet das so besonders? Woher soll ich den Glauben nehmen, dass die USA, wenn sie mal wieder besorgt sind, nicht lügen?

Machen wir doch einmal die Rechnung auf: Wieviel Menschen wurden (nachweisbar!) mittels Chemiewaffen durch Armee und Sicherheitskräfte Syriens getötet. Kommen Sie auf das gleiche Ergebnis wie ich? Danach waren es nämlich Keine.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leute in Kabinetten und Pressestuben angeregt davon träumen, Assad einmal nur einen einzigen Giftgas-Toten belegbar(!) sicher unter schieben zu können. Der Medien-Orkan – im Triumph, es schon immer gewusst zu haben – wäre Ohren betäubend.

Nur wird das nicht passieren – und das ist sehr nachvollziehbar.

Die Menschen in den westlichen Nationen haben aber diese geheuchelte Besorgnis – und das nicht erst im Falle Syriens – einfach hingenommen und damit diesem Krieg einen weiteren Segen gegeben.

Man hat also nie in den USA interveniert, trotz derer millionenfachen Kriegsverbrechen. Das man es es nicht tat, finde ich, unabhängig mal ob der Verhinderung durch die gegebenen Machtverhältnisse, sehr vernünftig. Denn nichts hätte es verbessert. Können Sie den Gedanken teilen?

Der Gedanke hat natürlich Konsequenzen. Weil so auch eine gewaltsame  Einmischung in die Belange Syriens nicht in Frage kommen darf! Zumal ja Syrien keine Aggression gegen einen anderen Staat angezettelt hat, ganz im Gegensatz zum globalen Ordnungshüter. Alle Mittel friedlicher Einflussnahme – unter Wahrung der Souveränität Syriens – sind dagegen erlaubt. Und genau so sieht es das Völkerrecht vor.

Die Logik des Führers der Freien Welt (die nicht die Meine ist!); sie verlangte doch aber ganz explizit ein Eingreifen, wenn ein Land andere Länder bedroht – und erst recht, wenn es diese Bedrohung umsetzt. Irgend etwas stimmt hier nicht. Finden Sie nicht auch?

Und lassen Sie sich nicht durch die Propaganda irritieren. Deren Bekundungen, dass alle friedlichen Mittel zur Konfliktlösung ausgeschöpft wurden, ist eine blanke Lüge. Wenn man in den gleichen Artikeln unverfroren Feindbilder verbreitet und Partei ergreift, wenn man Achtung vor den Menschen vermissen lässt. Wenn man ungeprüft und in emotionaler Stimmung auf der guten Seite zu stehen, die Schuldfrage stellt. Dann kann man nicht fair und deeskalierend sein.

Und das waren die Medien auch nicht und sind es bis heute nicht. Es ist die Sprache in den Medien, die deren wahren Absichten entlarvt. Sie, lieber Leser, können die Unredlichkeit erkennen, wenn Sie auf die Art der Sprache schauen. Ist sie von Verständnis, Vorschlägen und Ausgleich, von Kompromissen und dem Verzicht auf die Sprache der Macht geprägt, dann können Sie Wahrhaftigkeit erkennen.

Wir selbst aber stellen leider die falschen Fragen. Wir stellen – ohne es zu merken – Fragen, die uns in den Mund gelegt wurden. Und wir erkennen nicht, dass auch die Antworten schon definiert sind, statt Ergebnisse eigener kritischer Denkprozesse zu sein.

Und deshalb sind wir auch Teilnehmer im Krieg gegen Syrien. Wir können uns aus der Verantwortung stehlen, aber das ändert nichts. In deutschem Namen sterben Menschen weit weg von Deutschland, auch in Syrien, jeden Tag, auch heute. Wir führen Krieg gegen Syrien. Beachten Sie – gegen Syrien, NICHT gegen Assad!

Wir regen uns über den Krieg von Assad auf, dabei ist das vor allem unser Krieg. Syrien hat diesen Krieg nicht gewollt, auch die gesellschaftlichen Kräfte Syriens, die für Reformen im Lande einstehen, haben diesen Krieg nicht gewollt. Dieser Krieg kam nicht aus Syrien, er kam nach Syrien.

Mächtige Gruppen außerhalb Syriens, ein Gemisch aus Arroganz und Gier, aus ideologischem Wahn und Verachtung gegenüber anders Denkenden, haben diesen Krieg entfacht. Diese Menschen glauben, das Recht dafür zu haben. Und sie haben kein Problem, den Gesellschaften die sie zerschlagen, dafür auch noch die Schuld zu geben. Diese Menschen sind zynisch. Und wir hier in unserer Gesellschaft haben deren Sprache angenommen. Eine Sprache des Krieges – und wenn wir nicht aufpassen und dieser Sprache weiter verfallen, einer Sprache die unser Denken spiegelt, dann wird auch in Deutschland aus dem Krieg mehr werden als „nur“ ein Krieg der Worte.

Aber kehren wir noch einmal auf die falsche Frage zurück, die da lautete:

Hat er es getan oder hat er es nicht getan?

Ich konkretisiere und sage, die Frage ist falsch weil deplatziert. Deplatziert bedeutet für mich, dass sie am falschen Ort und zur falschen Zeit gestellt wurde. Lassen wir uns das Folgende in Ruhe durch den Kopf gehen:

Die Politiker jenes Landes (der USA), welches in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt Massenvernichtungs-Waffen einsetzte, beschuldigten einen Staat, der noch nie Massenvernichtungs-Waffen einsetzte, nämlich Syrien, eben Massenvernichtungs-Waffen eingesetzt zu haben.

Das finde ich sehr bedeutsam! Und da habe ich ein Glaubwürdigkeitsproblem. Es wird ein Land einer Tat beschuldigt, die der Richter selbst (die USA) ungestraft mehrfach begangen hat. Und jener göttliche Richter möchte tatsächlich ohne vorliegende Beweise dieses Land bombardieren, auf Verdacht, halt weil es sein eigener Verdacht ist.

Versuchen wir das doch einmal in den Alltag zu übertragen, nur um deutlich zu machen, wie irre Politik sein kann. Denn offenbar fällt das den Leuten gar nicht auf. Hier also die unglaubliche Geschichte aus dem täglichen Leben:

Eine gewalttätige antisoziale Persönlichkeit hatte seit Jahren den Wohnbezirk unsicher gemacht. Das äußerte sich so, dass sie vor bestimmten Häusern lärmte, die Bewohner bedrohte und verleumdete, ihnen regelmäßig Gas- und Wasserleitungen beschädigte und die Bewohner physisch angriff, wenn sie das Haus verlassen wollten.

Ganz klar, die Bewohner rufen die Polizei, erstatten Anzeige und der Übeltäter wird festgenommen.

Nicht so in unserer Geschichte. Denn hier ist der Ganove (und so was nennt man doch Ganove, oder nicht?) auch gleichzeitig die Polizei. Das sollte beunruhigen, ist aber noch nicht alles. Denn der Ganove ist zusätzlich noch Richter! Und er hat eine Gruppe von Bewaffneten unter sich, die er per Gesetz, denn er selbst ist ja das Gesetz, ermächtigt, in die Wohnungen einzubrechen.

Er begründet dies damit, dass ihn die Bewohner bedroht hätten und außerdem in ihren Wohnungen ganz furchtbare Sachen miteinander täten. Er hätte sichere Quellen, könne die aber aus Sicherheitsgründen nicht offen legen. Jedenfalls müsse dringend geholfen werden. Das wurde überall in der Gegend verbreitet und die Bewohner der umliegenden Wohnbezirke waren gern bereit, dabei mit zu machen.

Also dringen seine Bediensteten in die Wohnungen ein, erschießen mehrere Menschen, weil jene sie bedroht hätten und stecken einige Räume in Brand und gehen auch insgesamt mit großer Brutalität vor, denn sie hatten zuvor von ihrem Ganoven ein „robustes Mandat“ erhalten.

Die Bewohner der umliegenden Blocks finden das auch alles völlig in Ordnung. Sie selbst haben sich ja nichts zu Schulden kommen lassen. Und die Methoden sind zwar nicht sehr vornehm und auch dieser Antisoziale ist schon ein wenig komisch. Aber schließlich sind die Opfer ja selbst schuld, wenn sie sich nicht benehmen können, so wie der es gesagt hatte.

Der Antisoziale lässt nun überall verkünden, dass er die Unruhestifter befriedet habe und alle froh und glücklich sein können.

Und alle glauben es.

Nun, wie finden Sie diese völlig abgedrehte Geschichte? Unglaubwürdig?

„Amerikaner. Als Präsident und oberster Kommandierender ist es meine Pflicht, dem amerikanischen Volk mitzuteilen, dass erneute feindselige Akte gegen Schiffe der Vereinigten Staaten auf hoher See im Golf von Tonkin mich heute gezwungen haben, den militärischen Verbänden der Vereinigten Staaten zu befehlen, diese zu beantworten.“ [5]

Eindeutig Notwehr, oder eher nicht? Das Obige sagte Lyndon B. Johnson, damaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, als er sein Land von den Vietnamesen angegriffen wähnte; tausende Kilometer weit weg vom amerikanischen Kontinent und direkt in Sichtweite zur nordvietnamesischen Küste. Wie immer der Leser das auch bewerten mag, aber ich sehe darin ganz klare Merkmale paranoiden, antisozialen Verhaltens.

Das als Verhaltensmuster einer Regierung sollte eigentlich deren Bewohner nicht mehr ruhig schlafen lassen. Doch Propaganda macht es tatsächlich möglich, dass Menschen eine solche Politik mit tragen. Verurteilen Sie diese Bewohner nicht, denn es bringt weder Sie noch jene wirklich weiter.

Wie würden Sie sich eigentlich verhalten, und zwar als einer der Bewohner aus den umliegenden Blocks (meiner frei erfundenen Geschichte)? Und wie sicher sind Sie sich dessen? Was denken Sie, wovon Ihr Verhalten abhängen wird?

Ich hänge noch eine kleine Essenz an die Geschichte dran – und versuchen Sie sich mal, in die Gefühle der Betroffenen hinein zu versetzen, nicht nur in Bezug auf die physischen Repressalien sondern auch auf den zusätzlich gelieferten Zynismus (Marke: Ihr seid selbst schuld!):

Weil die Bewohner der dann überfallenen Wohnblocks nach Aussage des Antisozialen zu einer Bedrohung für das gesamte Wohngebiet geworden waren, wurde ihnen der Strom gekappt. Denn aus geheim gehaltenen Kreisen war durchgesickert, dass diese Schurken-Familien mit Strom betriebene Geheim-Waffen entwickelten, die das ganze Wohngebiet in Asche hätten verwandeln können …

Wissen Sie was? Ich finde es in dieser Zeit höchst bedenklich, dass Syrien gezwungen wurde, seine Chemiewaffen zu vernichten.

Die Marotte des Ganoven haben die Vereinigten Staaten von Amerika schon mit solchen winzigen Karibikstaaten wie Grenada abgezogen. [a2] Und der Hohn des Täters ist dem Opfer sicher; Schlagzeile damals in Die Zeit:

Grenada: Reagan interveniert gegen die „Strolche“ [6]

Vom Recht auf Selbstverteidigung 

Weiterhin frage ich mich, weshalb niemand die Frage stellt, WARUM Syrien überhaupt Chemiewaffen besaß?

Ist dem Leser die Doktrin der Abschreckung bekannt?

Schaue er nach Nordkorea, einem kleinen Land, dessen Drang zur Befriedung durch die USA nur deshalb gebremst wird, weil Nordkorea ein Drohpotenzial besitzt, dessen Wirkung für die Vereinigten Staaten nennenswert sein könnte. Staaten, die begriffen haben, dass ein Hegemon nach Lust und Laune ordnet und befriedet und die sich damit nicht abfinden wollen, tun das Natürlichste der Welt, sie sorgen für einen Schutz, den sie selbst auch erwirtschaften, leisten und technologisch beherrschen können. Das wird mit Sicherheit keine Satelliten-gestützte weltweit agierende Flotte von Atom-Unterseebooten und strategischen Bombern sein.

Ob nun Nordkorea demokratisch oder nicht ist, spielt bei dieser Betrachtung für mich keine Rolle. Auch kommt offenbar niemandem in den Sinn, dass ein permanenter Druck, wie er von der Weltmacht gegenüber Nordkorea aufgebaut wird, die Chancen demokratischer Wandlungen fast auf Null zurück fährt. Das kleine Land sieht sich ganz klar in einem Verteidigungskrieg – und das kann ich gut nach vollziehen.

Nur eines ist mir klar. Wird Druck erzeugt, gibt es zwei Möglichkeiten: Nachgeben (Unterwerfen) oder Gegendruck (Widerstehen). Syriens Chemiewaffen waren ein Drohpotenzial in Richtung Israel (und damit schon auch strategisch weit weg von einem Einsatz gegen die eigene Bevölkerung). Und Syrien nahm damit für sich das gleiche Recht wahr wie sein südwestlicher Nachbar.

Und es sei noch angemerkt, dass die libysche Regierung unter Gaddafi, im naiven Glauben ihren westlichen „Partnern“ vertrauen zu können, wenige Jahre vor der Zerschlagung des Landes das eigene Drohpotenzial (nach außen), ihre chemischen Waffen, abgeschafft hatten. Warum nur soll ein Land außerhalb der westlichen Hemisphäre  den salbungsvollen Worten westlicher Demokratie-Vertreter vertrauen?

Unsere Konditionierung

Wir werden daran gehindert, die richtigen Fragen zu stellen, weil uns unsere Bequemlichkeit und unsere manipulierten Emotionen dazwischen stehen. Können wir das ändern?

Ersteres lässt sich durch Reflexion, durch Innehalten umgehen. Das Zweite nur durch einen bewussten Abstand zur Propaganda. Das aber heißt auch, von lieb gewordenen Gewohnheiten Abstand zu nehmen, z.B. vom täglichen Konsum der Nachrichten unserer Leitmedien. [a3]

Man hatte uns Trigger verpasst, schon lange bevor der False Flag mit den Giftgasanschlägen in Ghouta erfolgte. Wir hatten unreflektiert ein Feindbild aufgenommen, obwohl wir weder das Land noch seine Menschen und seine Probleme kannten. Wir hatten akzeptiert, dass es „gute“ und „böse“ Waffen gibt und dadurch konnten wir die „bösen“ Waffen auch ganz leicht dem „bösen“ Diktator zuordnen und unser bequemes Feindbild festigen. Wir glauben ernsthaft, einem Land zu helfen, wenn wir ihm die Dinge zum Leben vorenthalten (Wirtschaftssanktionen) und die Menschen dort deshalb leiden und sterben. Und wir haben tatsächlich verinnerlicht – so ungeheuerlich das auch klingt, dass es rechtens ist, ein fremdes Land in die Freiheit zu bomben. So ist das, wenn Propaganda wirksam umgesetzt wurde.

 Um es zusammen zu fassen:

Die Frage, ob die syrische Armee Giftgas eingesetzt hatte oder nicht, durfte nie und nimmer als Entscheidungsgrundlage über kriegerische Handlungen diesem Land gegenüber dienen. Leute, die solche Fragen – mit ultimativem Hintergrund stellen – wollen den Krieg! 

Die Rote Linie

Giftgas als Propaganda-Werkzeug war jedenfalls das Mittel der Wahl, um Bevölkerung und Politiker in den westlichen Staaten in den Gleichschritt zum offenen Krieg gegen Syrien zu bewegen.

Wie gesagt, es hat viele und gründliche Untersuchungen zu den Vorfällen im August 2013 gegeben. Diese einer ernsthaften Auswertung würdigen Dokumente an dieser Stelle zu analysieren, würde jeden Rahmen sprengen. Die Zeit zu deren Studium lohnt sich natürlich allemal, hier ein paar Links:

Lesen Sie, wie führende Politiker der westlichen Staaten zum Krieg trommelten; ohne Untersuchungen abzuwarten, ohne ein Votum der Weltgemeinschaft zu berücksichtigen. Erkennen Sie die w.o. beschriebenen Muster wieder?:

https://www.welt.de/politik/ausland/article119716595/Er-luegt-und-er-weiss-dass-er-luegt-Es-ist-traurig.html


Das Schiller-Institut veröffentlichte eine Rede des syrischen Botschafters bei der UNO, deren letzter Teil die diplomatischen Bemühungen Syriens beschreibt, um die Giftgasanschläge vom Frühjahr 2013 zu untersuchen – und die Reaktion westlich gelenkter Organisationen darauf:

http://www.schiller-institut.de/seiten/2016/dschaafari.html


Eine reichhaltige Zusammenstellung von Links, auch aus offiziellen Untersuchungskommissionen:

http://www.was-die-massenmedien-verschweigen.de/aktuell/Giftgasunfertig.pdf


Hier ein Bericht des ehemaligen UN-Waffeninspekteurs Richard Lloyd und des  MIT-Professors Theodore Postol (aus den USA) vom 14.Januar 2014, in dem sie nachweisen, dass der Giftgas-Angriff (technisch) nicht durch die syrische Armee durchführbar war (in englisch):

https://s3.amazonaws.com/s3.documentcloud.org/documents/1006045/possible-implications-of-bad-intelligence.pdf


Ein Beitrag zur Involvierung des israelischen Geheimdienstes in den False Flag von Ghouta:

https://www.craigmurray.org.uk/archives/2013/08/the-troodos-conundrum/


Nicht einmal die Führung der US-Armee war wirklich bereit, diesen False Flag mit zu tragen:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/01/historische-blamage-meuterei-der-us-militaers-zwang-obama-zum-rueckzug/


Selbst die Öffentlichkeit in den USA, ja deren Politiker im Senat und Repräsentantenhaus liefen Sturm gegen die Kriegspläne:

http://antikrieg.com/aktuell/2013_09_16_dasvolk.htm


Lesen Sie über die beschämende Rolle der westlichen Medien als willfährige Kriegstreiber. An der Sprache sollt Ihr sie erkennen:

https://dl.dropboxusercontent.com/u/34527719/Medien%20als%20Kriegspartei%20Artikel.pdf


Schauen Sie, wie die Organisation Human Rights Watch (HRW) Untersuchungsberichte fälschte:

http://friedensblick.de/16682/syrien-diktator-assad-wegen-giftgas-angriff-entlastet/


Als der Kelch eines massiven Militärschlages der USA an Syrien vorbei gegangen war, zeigten sich plötzlich auch Massenblätter redselig, ob einer aktiven Beteiligung der Türkei an Giftgasanschlägen durch terroristische Gruppierungen in Syrien:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/War-Ankara-in-den-GiftgasAngriff-verwickelt/story/30962921


Die Rat Line (Rattenlinie) adaptierte ihren Namen von der sogenannten Red Line (Roten Linie), welche die USA im Jahre 2013 zogen, als sie eine direkte Intervention in Syrien abhängig machten vom Chemiewaffen-Einsatz durch die syrische Armee. Seymour Hersh hat diese namentliche Verbindung hergestellt, weil hinter ihnen die gleichen Leute stehen (in englisch):

http://www.lrb.co.uk/v36/n08/seymour-m-hersh/the-red-line-and-the-rat-line


Auf Seymour Hersh, aber bei weitem nicht nur ihn, bezieht sich auch der Blogger Dominic H in einer hochinteressanten dreiteiligen Artikelreihe mit vielen Quellen:

http://domiholblog.tumblr.com/post/119844980919/terror-paten-und-f%C3%BCrstent%C3%BCmer-in-syrien


Blauerbote hat das Thema ebenfalls über die Jahre begleitet und aktualisiert regelmäßig einen inzwischen zweiteiligen Artikel:

http://blauerbote.com/2017/03/28/giftgas-in-syrien-2/


Ein kompakter Beitrag, der Informationen aus obigen Quellen gut zusammen fasst und vor allem darstellt, welche monströsen US-Pläne zur Bombardierung Syriens bereits kurz vor der Umsetzung waren:

https://www.wsws.org/de/articles/2014/04/09/syri-a09.html


Und abschließend diese von der AG Friedensforschung zusammen getragenen Artikel, in welchen die Autoren in der von mir thematisierten manipulativen Falle argumentieren, in der sie (unbewusst) eine Kategorie zur Legitimation eines Krieges als gegebene und vor allem akzeptable Basis ihrer Betrachtung benutzen:

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/chemie4.html


[7.11.2016] Erw. i. Kap. Unsere Konditionierung

Anmerkungen

[a1] Es ist bezeichnend, dass man guten Journalisten das Prädikat „investigativ“ voransetzen muss, denn nach meinem Verständnis ist „investigativ“ der Tätigkeit eines Journalisten immanent.

[a2] Die Thematisierung US-amerikanischer Außenpolitik mit Fokussierung auf die von ihnen geführten Kriege, vor allem aber der Art und Weise mit der sie diese Kriege entfachte, ist höchst notwendig, um auf die Wunden zu zeigen und eine andere ehrliche und wahrhaftig friedliche Außenpolitik in Angriff zu nehmen. Leser, die darin einen Anti-Amerikanismus zu erkennen glauben, sollten ernsthaft prüfen, in wie weit sie selbst durch Feindbilder geleitet werden.

[a3] Es geht nicht um das Verteufeln der Leitmedien. Es geht um einen anderen Umgang mit ihnen. Dieser kann nur bewusst, reflektierend und dosiert erfolgen. Konsum dagegen ist das Öffnen des Ich´s gegenüber Propaganda; das passive, ungefilterte Einfließen lassen von Informationen, die wir aufnehmen sollen.

Quellen

[1] 15.3.2013; kgi, DPA, AFP; http://www.stern.de/panorama/stern-crime/grausames-video-aus-syrien-rebell-schneidet-totem-soldaten-herz-heraus-3383908.html

[2] Kerry sieht „starke Beweise“ für Chemiewaffeneinsatz in Syrien; 11.5.2013; http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-warnt-vor-giftgas-einsatz-im-syrien-krieg-a-899221.html

[3] Rakete mit Giftgas in Syrien eingeschlagen; dpa; 19.3.2013; http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Rakete-mit-Giftgas-in-Syrien-eingeschlagen

[4] Tödlicher Dauerstress; chs;  26.4.2013;  http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/giftgas-sarin-toedlicher-dauerstress-a-896753.html

[5] Als die USA in den Vietnam-Krieg eintraten; Otto Langels; 2.8.2014; http://www.deutschlandfunk.de/tonkin-zwischenfall-als-die-usa-in-den-vietnamkrieg.871.de.html?dram:article_id=293318

[6] http://www.zeit.de/1983/44/grenada-reagan-interveniert-gegen-die-strolche

[Titelbild] Datei: krak-of-chevaliers-1078528_960_720.jpg; Quelle: https://pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain

Dieser Beitrag wurde unter Analysen, Naher Osten, Politik und Gesellschaft, Psychologie und Philosophie abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Das Giftgas von Ghouta und unser Krieg gegen Syrien

  1. Conrath sagt:

    Lieber Ped,

    ich fände es schade, wenn der Diskurs zur BK Merkel nicht weitergeführt werden kann. Die Entwicklungen auf den ‚befreundeten Seiten‘ Vineyardsaker und Analitk sind bedauerlich, aber eben für die annonyme Internetkommunikation leider auch ständige Vorkommnisse.

    Ist es möglich, auf Ihrem Blog zu Merkel weiter zu schreiben? Ich hätte verständnis dafür, das das Thema dann strenger eingehalten werden sollte, bis der falsche Empörungsrauch abgezogen ist.

    Analitik kann ich ansonsten gut verstehen und ein zeitweiliges Aussetzen muß ja nicht Ewigkeiten dauern. Endtscheidend ist doch die gesamtargumentation der Blogbetreiber und auch der Kommentatoren. Da ist jeder für die große Linie und Konsistenz zu großer Verantwortung aufgerufen, Motto:
    keine Verunglimpfungen und Pauschalanklagen dafür anschlußfähige Argumente und auch den Willen zur Korrektur, falls erforderlich. Sollte es Ihnen recht sein, dann würde ich Ihren Beitrag, auf Analitik zu Merkel geschrieben, hier nochmals einstellen:


    [gelöscht]

    • Ped sagt:

      Werter Conradt,

      Ihr Kommentar hat nichts mit dem Thema hier zu tun, bitte beachten Sie, dass ich ihn nur ausnahmsweise und als Information auch für andere Leser und mögl. Foristen freischalte.
      Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihrer Bitte nicht entspreche, auch wenn ich Ihre Intention durchaus nach vollziehen kann.
      Es ist jedoch – so meine Sicht – nicht zielführend, Inhalte und Konflikte, die in einem Blog entstanden, auf einen anderen zu verlagern. Analitik’s Projekt genießt meine absolute Hochachtung. Was dort passiert, kann weder kopiert noch vertreten werden, es wird von ihm und eben auch seinen Lesern geformt und schon aus Achtung davor, lasse ich keine „Auslagerung“ auf meinen Blog zu, so sehr ich mich über mehr Reflexion auch freuen würde.
      Zudem würde die unweigerlich aufkommende Dynamik einer Stellvertreter-Diskussion den Zielen, die ich meinerseits mit dem eigenen Blog verfolge, entgegen laufen. Eine weitere Diskussion zu Ihrer Frage, da bitte ich Sie sehr um Verständnis, wird es nicht geben.

      Beste Grüße, Ped

  2. HPB sagt:

    Beim Lesen des Artikels „Das Giftgas von Gouta und unser Krieg gegen Syrien“ konnte ich einiges reflektieren, das mich damals stark beschäftigte.
    Seit 2012 nutzte ich vor allem urs1798 als Informationsquelle, um zu erfahren, ob die syrische Gesellschaft angesichts des Terrors noch widerstandsfähig ist. Und obendrein ist der „sozialistische Klassenstandpunkt“ aus DDR-Zeiten noch immer ein verlässlicher geistiger Anker in verwirrenden Situationen.
    Das Drehbuch der False-Flag-Ereignisse war mir schnell klar, zumal Urs aktuell viele Terror-Details lieferte, die sich zu einem Bild formten. Zwar hing ich meine Erkenntnisse nicht an die große Glocke, aber ich hielt damit auch nicht hinter dem Berg. Ich kontaktierte Leute wie den BND-Präsidenten, Liz Mohn und Friede Springer, damit keiner von denen behaupten könne, vom wirklichen Geschehen und dessen Konsequenzen nichts gewusst zu haben.

    Eine aufregende Zeit damals bei der Suche danach, wie der offene US-Angriff auf die -Syrische Arabische Republik verhindert werden kann. So wie dieser Blog hier, suchte ich nach einem Weg, wie man als Gegensatz zu den monströsen Lügengebäuden Wahrheit in die geistige Sphäre unseres Planeten hinein zu transportieren kann.
    Und tatsächlich gelang es mir, eine klare Vorstellung des -Kriegsablaufes für die nächsten 8 Monate zu gewinnen, sollte er erst einmal gestartet sein. Vermutlich sah ich die Szenerie viel deutlicher jeder andere Mensch auf der Erde (ist meiner Verbundenheit mit dem Irak geschuldet).
    Und jetzt kommt das Phantastische: In dem Moment, als ich das o. g. Bild aus meinem geistigen Universum (mit meiner Friedensabsicht) freisetzte und dadurch allen Menschen zugänglich machte , indem ich meinem Kollegen in drei Sätzen die Situation erklärte, verquatschte sich der völlig übermüdete Kerry in einer Pressekonferenz etliche tausend Kilometer entfernt. Woraus dann der politische „Kompromiss“ bzgl. der Vernichtung der syrischen Chemiewaffen entstand.

    Die Herrschenden wissen schon, warum sie mit Heimlichkeiten, Halbwahrheiten, Lügen, Drogen und Gift geistige Verwirrung und Dummheit stiften, – weil Wahrheit und Wissen eine mächtige Kraft und eine tödliche Gefahr für ihre Herrschaft bilden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.