Türkische Gratwanderungen (7)

Als das Jahr 2012 zu Ende ging, hatte die Syrische Arabische Armee (SAA) die strategische Initiative zwar zurück gewonnen, doch Tod und Zerstörung waren in das Land gezogen. Und so wie die Freie Syrische Armee (FSA), nach anfänglichen Siegen, von einer Niederlage zur Anderen stolperte, so erwuchsen, wie aus dem Nichts, neue extremistische Milizen aus dem Wüstenboden. So mochten es die Leitmedien uns glauben machen,  also lösen wir auch diesen Teil der groß angelegten Lügengeschichte über Syrien auf; immer mit Blick auf die türkische Rolle in diesem Krieg. Und wieder treffen wir „alte Bekannte“ aus der „einzigartigen Nation“.


Das Märchen von der guten Armee

Im letzten Teil der Artikelreihe riss ich an, dass im Jahre 2012 die FSA plötzlich auch die Kurden im Norden des Landes angriff. Das war keine willkürliche eigene Entscheidung dieser Milizen sondern die Ausführung nach Plan und Befehl von starken Machtgruppen, die ihren Einfluss über den türkischen Schattenstaat, den Syrischen Nationalkongress (SNC), die Muslimbruderschaft, die FSA selbst und auch über ihre Verbindungen zur offiziellen türkischen Politik geltend machten.

Die Massenmedien vermittelten das folgende Bild über die FSA und verklebten den Medien-Konsumenten in Europa so die Augen ob des wahren Charakters dieser Milizen:

  1. Die FSA sei eine Volkswehr zum Schutz der Bevölkerung.
  2. Die FSA sei eine spontan gebildete und selbständig agierende Gruppe als militärischer Arm einer sogenannten Opposition (des Syrischen Nationalkongresses).
  3. Die FSA sei eine „Volksarmee“ von Deserteuren.

Warum die Massenmedien das taten? Es handelt sich eben nicht um unabhängige Medien, sie handelten im Auftrag, dem sie sich auch selbst über ihr indoktriniertes Weltbild verpflichtet fühlten. Zweitens und auf erstens aufbauend ging es ihnen deshalb darum, dem Konsumenten die Geschichte von einen Kampf zwischen Gut und Böse einzureden, damit sein eigenes Weltbild zu polarisieren und die kriegerischen Akte der FSA in Syrien geistig mit zu tragen.

Die fortwährende Berichterstattung über eine angebliche ehrenwerte „bewaffnete Opposition“ im Kampf gegen ein „Regime“ ging vollständig auf. Politiker, Medien und Bevölkerung sangen zu 95 Prozent das Lied vom Freiheitskampf der FSA in Syrien. Weil sie diese drei Narrative nicht als Lügen erkannten (oder sich innerlich verweigerten, sie als solche zu erkennen):

  • Die Lüge von der „Volkswehr“ haben wir bereits im letzten Teil dieser Artikelreihe aufgelöst. Die FSA war danach von Anfang an als Armee geschaffen wurden, um die SAA in einen asymmetrischen Krieg zu zwingen und zusätzlich das Land mittels Terror gegenüber der Zivilbevölkerung zu destabilisieren.
  • Auch eine mehr oder weniger spontane Selbstorganisation der FSA kann verworfen werden. Wir haben feststellen dürfen, dass diese Milizen, wie auch der SNC, dem sie unterstellt wurden, Kunstprodukte eines Geflechts aus Schattenstaat, Geheimdiensten und Muslimbruderschaft waren. [1][2] Ausrüstung und Finanzierung sicherten der US-Geheimdienst CIA, sowie die Staaten Katar und die Türkei. Und andere …
  • Deserteure (Offiziere wie Soldaten) brachten der FSA in den Jahren 2011 und 2012 einen durchaus signifikanten Zulauf. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass Deserteure die FSA nicht prägten. Das aggressive, oft rücksichtslose und grausame Auftreten der FSA gegenüber den syrischen Sicherheitskräften wie auch der Zivilbevölkerung wurde vor allem bestimmt durch den Einfluss der Muslimbrüder in ihr. Und möglicherweise auch noch von anderen? Wir kommen darauf zurück.

Humanitärer Helfer?

Die türkische Führung und die hinter und neben ihr stehenden Netzwerke erschufen der türkischen Gesellschaft ein weiteres Problem: So wie sie den Strom von Waffen und Kämpfern über die Grenze steuerten und den Krieg auf der anderen Seite befeuerten, trieben sie die Fluchtbewegungen syrischer Zivilisten in das (vermeintlich, s.w.u.) sichere türkische Hinterland voran. Hier war die FSA besonders aktiv, mit der logistischen Unterstützung ganz in der Nähe konnte sie sehr wirksam Sicherheitskräfte bekämpfen und die Menschen damit aus ihrem bis dahin sicheren Umfeld reißen.

Auf diese Weise nahmen sie den Menschen in Syrien – vor allem in dessen Norden und Nordwesten – die einfachsten Lebensgrundlagen. Die Menschen wurden vertrieben und landeten in türkischen Flüchtlingslagern. Den türkischen Behörden erlaubte das, sich nach außen hin als humanitäre uneigennützige Helfer dar zu stellen. Sie selbst vertrieben die Menschen und schlugen noch Profit aus der Lüge.

Es war übrigens ganz und gar nicht so, dass die Flüchtlinge in der Türkei tatsächlich sicher gewesen wären. Die westliche Propaganda verschwieg nämlich auch, dass Kämpfer in diesen Lagern rekrutiert wurden [3][4] – mit Geld und/oder mit Zwang. Viele FSA-Angehörige waren ideologisch vereinnahmt aber nicht alle wurden es aus freien Stücken.

Die Propaganda unterschlug die Bedeutung der Tatsache, dass diese Flüchtlingslager, entgegen geltender Konventionen, genau an der Grenze eingerichtet wurden, in unmittelbarer Nähe zu Kampfgebieten. [5][6] Kann es nicht sein, dass auch deshalb viele Flüchtlinge den risikoreichen Weg nach Europa suchten? Seit dem Jahre 2011 verweigerten die türkischen Behörden außerdem internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zu diesen Flüchtlingslagern, warum? [7][8][9]

Es gibt auch Quellen, die berichten, dass diese Flüchtlingslager bereits im Jahre 2010 errichtet wurden, Monate vor Beginn der Unruhen. Woher wusste man in der Türkei davon, dass es Unruhen in der Zukunft geben würde – zu einer Zeit, in der sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien als ganz prächtig darstellten? [10] 

Man warf der syrischen Armee immer wieder vor, Flüchtlingslager beschossen zu haben, zwang sie aber zu Kampfhandlungen in der Nähe dieser Lager, wenn die SAA versuchte, die Grenze zur Türkei zu sichern [11][12] und dort von terroristischen Gruppen angegriffen wurde, die ihre Taktik des „Hit and Run“ verwirklichten und sich der drohenden Vernichtung entzogen, in dem sie einfach wieder über die türkische Grenze zurück wichen. Auf diese Weise wurde auch für eine dauerhaft durchlässige Grenze von der Türkei aus gesorgt. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass auch der Missbrauch von Flüchtlingen wohl kalkulierter Teil des Plans zur Zerschlagung Syriens war. 

Diese Zone der  Vernichtungsgefahr für die SAA wurde von der Türkei erweitert, als sie im Jahre 2012 an der türkisch-syrischen Grenze eine fünf Meilen breite Flugverbotszone, nach dem eigenen Duktus „Pufferzone“ genannt, über syrischem Territorium ausrief. Diese Völkerrechtsverletzung wurde von westlichen Medien in keiner Weise beanstandet; auch nicht, dass nachfolgend syrische Flugzeuge und Hubschrauber über deren eigenem Territorium abgeschossen wurden. [13]

Waffenbrüder des Westens als Terrorhelfer

Die Niederlagen der FSA in der syrischen Metropole Homs ab Jahresmitte waren desaströs und – dieser Miliz gingen die Kämpfer aus. Immer weniger Syrer waren bereit, für sie zu kämpfen, nachdem erkennbar wurde, mit welcher Grausamkeit sie selbst die Bevölkerung terrorisierte und skrupellos im Kampf gegen die SAA in Geiselhaft nahm. Hätte es sich um einen Bürgerkrieg in Syrien gehandelt, wäre damit sein Ende eingeläutet gewesen. Ein Bürgerkrieg war es aber eben nicht! Der Krieg wurde nun mal von außen, von der Türkei her gesteuert, die SAA war ein Proxy, ein Stellvertreter. Und um es klar zu sagen: Ihr drohte die vollständige Auflösung!

Und das, obwohl diese Milizen massiv von außen unterstützt wurden, nicht nur logistisch, nicht nur durch Rückzugsräume, Waffen und einen für sie geführten unfassbar verlogenen, Hass erfüllten medialen Krieg. [14] Und auch nicht nur durch Saudi-Arabien, die Türkei, Großbritannien und die USA. Deutschland war und ist viel mehr in diesen Krieg verwickelt, als viele ahnen mögen. Diese Meldungen stammen aus dem Jahre 2012! [Richtigstellungen. d. Peds Ansichten]:

Ein Spionageschiff der Deutschen Marine kreuzt nach Zeitungsinformationen vor der syrischen Küste, um die dortigen Rebellen für ihren Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad [die syrische Regierung] gezielt mit Informationen zu versorgen. Dieses sogenannte Flottendienstboot habe modernste Spionagetechnik des Bundesnachrichtendienstes (BND) an Bord, berichtet die „Bild am Sonntag“. Damit ließen sich Truppenbewegungen bis zu 600 Kilometer tief in Syrien beobachten. Der BND war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut „Bild am Sonntag“ gibt der BND die gewonnenen Erkenntnisse, etwa über militärische Einsätze der Assad-Armee [der syrischen Armee], an US- und britische Partnerdienste weiter. Von dort aus gelangten auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee [Freie Syrische Armee], hieß es. Nach Informationen der „BamS“ sind zudem BND-Agenten im türkischen Nato-Stützpunkt in Adana stationiert. Von dort aus hörten sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab. Daneben werde der informelle Kontakt zu Quellen im direkten Umfeld des Assad-Regimes [der Assad-Regierung] gehalten.“ [15]

Das ist unzweifelhaft ein Bruch des Völkerrechts! Und auch die immer wiederkehrenden Behauptungen in den Leitmedien, wie „der Westen schaut weg“ oder „es wird nur geredet statt den Menschen endlich zu helfen“, sind schlichte Lügen. Im Gegenteil, weil Syrien nicht in die Knie geht, wird der Einsatz durch die „Kreativen Gestalter“ fortwährend erhöht. Auf Kosten aller.

Die Tatsache, dass die Verletzung des Völkerrechts und der UNO-Charta von der deutschen Bevölkerung nicht wahr genommen wird, macht deutlich, wie wirksam die Propaganda deren Hirne vernebelt. Und deutsche Politik ist inzwischen schon so abgestumpft, dass sie auch noch stolz über ihre „Erfolge“ berichtet. Und die Medien klopfen ihnen auf die Schulter bei ihrem Tun, „Deutschland zu neuer Größe zu führen“:

„Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND“, sagte ein US-Geheimdienstler dem Blatt. Laut „BamS“ wird innerhalb des BND und der Bundesregierung die Rolle des Dienstes bei der internationalen Zusammenarbeit als große Auszeichnung wahrgenommen. „Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten“, erklärte ein BND-Mitarbeiter der „Bild am Sonntag“. BND-Chef Gerhard Schindler hatte Mitte August ein baldiges Aus für die syrische Führung vorhergesagt. „Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass die Endphase des Regimes begonnen hat“, hatte Schindler der „Welt“ gesagt. Die Strategie der Rebellen, „eine Art Guerillataktik“, zermürbe außerdem zunehmend die Armee.“ [16]

Die Türkei leistet(e) nur humanitäre und logistische Hilfe für unschuldige Zivilisten? Lächerlich!:

„Auch der britische Geheimdienst  unterstützt die syrischen Rebellen einem Oppositionsvertreter zufolge mit Informationen über Bewegungen der syrischen Truppen. „Der britische Geheimdienst beobachtet die Lage von Zypern aus genau“, sagte ein Vertreter der Aufständischen der Zeitung „The Sunday Times“. Gesammelte Informationen würden dann an  die USA und die Türkei weitergegeben. „Wir bekommen sie von den  Türken“, sagte der Oppositionsvertreter. Bereits bei der Verlegung von Regierungstruppen in Richtung der umkämpften nordwestsyrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo habe Großbritannien Informationen geliefert. Daraufhin hätten die Rebellen die Armee Anfang August bei der südwestlich gelegenen Stadt Idlib und auf ihrem Weg nach Aleppo hinein „mit Erfolg“ angegriffen, sagte der Vertreter der Aufständischen der Zeitung.“ [17][18]

Ein Jahr nach Beginn der Rebellion wurde bekannt, dass ganz in der Nähe der NATO-Basis Incirlik, in der südtürkischen Stadt Adana, Rebellen ausgebildet und mit Waffen versorgt wurden; finanziert von der Türkei und Katar. Ehemalige Mitarbeiter der US-Sicherheitsdienste erklärten dazu, dass die Türkei „eine wachsende Rolle für [die] militärische Ausbildung der Aufständischen“ spiele. Ein Insider in der katarischen Hauptstadt Doha sagte dazu der Nachrichtenagentur Reuters: „Es sind die Türken, die in dem Stützpunkt das Sagen haben.“ [19]

Ist es dem Leser aufgefallen? In der südtürkischen Stadt Adana werden Rebellen ausgebildet, und? Drei Zitate weiter oben fand sich u.a. das:

„Nach Informationen der „BamS“ sind zudem BND-Agenten im türkischen Nato-Stützpunkt in Adana stationiert. Von dort aus hörten sie Telefonate und Funkverkehr aus Syrien ab. Daneben werde der informelle Kontakt zu Quellen im direkten Umfeld des Assad-Regimes [der Assad-Regierung] gehalten.“

BND-Agenten trieben sich also in der Nähe von Ausbildungslagern für Terroristen herum. „Deutschland schaut weg“ – wirklich? Deutschland schaute niemals weg im Syrien-Krieg!

Die New York Times berichtete, eine Gruppe von CIA-Offizieren operiere im Gebiet und über deren Kontakte erhielten die Rebellen (einschl. der Muslimbrüder) automatische – und schwere Waffen sowie MANPADs, bezahlt von der Türkei, Saudi-Arabien und Katar. Ein arabischer Geheimdienstmann, der regelmäßig Kontakte mit den „Kollegen“ der US-Seite hatte, sagt über deren Präsenz in der Südtürkei:

„CIA-Offiziere sind hier und sie versuchen, neue Quellen zu erschließen und Leute zu rekrutieren.“ [20]

Erst als der „friedliche Aufstand in Syrien brutal niedergeschlagen wurde, griffen die Unterdrückten zu den Waffen“? Wie passt das zu dieser Information? [Hervorh. Peds Ansichten]:

„Die Versorgung […]  über die Türkei ist trotzdem sehr nützlich für die FSA, weil von hier aus in weit größerem Umfang der Nachschub der ausländischen Militär-Hilfe erfolgen kann. Die Lieferung von Waffen und anderem militärischen Material für die Opposition begann bereits im April/Mai 2011 über die US-Militärbasis Incirlik im Süden der Türkei. Berichten zufolge transportierten nicht gekennzeichnete NATO-Maschinen das Material für die FSA von dort weiter nach Iskenderum an der syrischen Grenze. [21]

Moment mal, im April/Mai 2011 wurden schon Waffen in Richtung Syrien verfrachtet? Da hatten doch die friedlichen Proteste gerade erst begonnen und eine Freie Syrische Armee gab es zu dieser Zeit überhaupt noch nicht. An wen gingen dann eigentlich die Waffen? Denn, dass bei diesen friedlichen Protesten Menschen starben, ist unbestritten. Die Frage ist nur, von wem die Gewalt ausging und wer ein Interesse daran hatte.

Allerdings, Iskenderum wurde wenige Monate später Sitz der FSA in der Türkei. Französische und britische Spezialeinheiten trainierten deren Kämpfer, während die CIA und US-Spezialkräfte mit Kommunikationstechnik und Geheimdienst-Informationen (z.B. über die Flugbewegungen der syrischen Luftwaffe) die neu geschaffene Rebellen-Armee unterstützten. [22]. Und Anfang Oktober 2012 schließlich autorisierte das türkische Parlament ganz offiziell Operationen auf syrischem Boden. [23]

Was nun ausreichend genug belegt sein sollte, ist, dass es den Schattenstaat in der Türkei tatsächlich gab (und gibt) und dieser Schattenstaat enge Kontakte zu US-Geheimdiensten betrieb (und betreibt), genauer noch, in hohem Maße von diesen Geheimdiensten gesteuert wurde (und wird). Der Aufwand war immens und kaum zu verbergen und auch nur so ist die anwachsende Zahl von Terroristen und immer moderneren Waffen plausibel zu erklären. [24]

Nur, es half nichts. Im Laufe des Jahres 2012 schwante Jenen, wie auch den türkischen Spitzen, dass ihr schöner Plan eines neuen Syriens unter wohlwollender türkischer Führung auf ganzer Linie zu scheitern drohte. Die FSA brauchte neue Kämpfer, entschlossene rücksichtslose Krieger, die das syrische „Problem“ rasch lösen würden. Und das Netzwerk aus Schattenstaat, offizieller türkischer Politik, Muslimbrüdern und Opportunisten fand sie (s.w.u.) [25]

Qualität und Quantität in der türkischen Politik

Nicht erst seit den Angriffen der FSA auf die Kurden (in Nähe der türkischen Grenze) tauchten in ihren Reihen Extremisten ganz besonderer Art auf. In gleichem Maße, wie sich Syrien gegen den Angriff auf sein Staatssystem und sein Volk behauptete, wurde der Krieg gegen das Land immer massiver und brutaler geführt. Alle Hebel unterhalb eines „offiziellen“ Krieges seitens des Westens zur „Befreiung der unterdrückten Syrer“ wurden bewegt, um das Land doch noch mit dem in der westlichen Bevölkerung unterlegten Narrativ eines „Volksaufstandes“ zerschlagen zu können.

Es ist eines der Mut machenden Lehren aus dem Syrien-Krieg, dass ein Land, egal wie groß seine inneren gesellschaftlichen Zerwürfnisse sein mögen, in der Lage ist, die Kraft aufzubringen, um sich zu vereinen und dem Angriff auf die Seelen seiner Menschen zu widerstehen. Den „Freunden Syriens„, die sich diesen Sinn verkehrenden Terminus gaben, um ihren wahren Charakter, nämlich den von Feinden Syriens, zu verbergen, war es nicht gelungen, genug Menschen im Land zu rekrutieren, die sich, verblendet oder gezwungener maßen, an der Zerschlagung des eigenen Landes beteiligen würden.

Der Niedergang der FSA ist der eindrucksvolle Beweis, dass die Vernichtung Syriens als eines souveränen Staates durch Erosion von Innen gescheitert war. Beweis genug dafür ist das Verhalten der Syrer (in ihrer Gesamtheit) gegenüber der politischen Führung unter Baschar al-Assad. Überwogen im Frühjahr des Jahres 2011 die kritischen Stimmen, die eine Demokratisierung des Landes und einen Rücktritt (nicht Sturz!) der Assad-Regierung forderten, so schlossen sich in den folgenden zwei Jahren immer mehr Menschen hinter dieser Regierung zusammen. Das zeigte sich an Umfrage- wie auch an den Wahlergebnissen im Land.

Im Umkehrschluss machte es das Desaster deutlich, welches sich nun für die politische Führung der Türkei abzeichnete. Sie hatte sich, getrieben von eigenen Großmachtansprüchen und geführt von einem System, dass sie selbst wahrscheinlich gedanklich gar nicht vollständig durchdrang, auf ein Abenteuer eingelassen, in dessen Ergebnis ihr eigener Sturz drohte. Sie selbst und ihre Einflüsterer bekämpften die Einsicht eines fehlgeschlagenen politischen Coups mit der Eingebung, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf“.

Das ist das schlechteste Ergebnis, um kognitive Dissonanz aufzulösen, denn es ignoriert mit aller Macht die eingetretene Realität und ändert somit nichts an der Qualität der Politik. Es wurde die Qualität eigenen Handelns also nicht grundsätzlich überdacht. Statt dessen wurde auf die einfallslose Variante Quantität zurück gegriffen, sprich: Die Einsätze wurden erhöht. Die Illusion, doch noch irgendwie das Unerreichbare erreichbar zu machen, wurde mit immer weiter erhöhten Aufwänden bezahlt.

Diese Illusion hoch zu halten, war und blieb aber natürlich oberstes Ziel der US-Geostrategen. Nur wenn das gekränkte Ego der türkischen Regierungsspitzen weiterhin die Realität verdrängte, waren auch die umfassenden Ziele zur „Umgestaltung“ des Nahen Ostens machbar. Und, wie taten die selbst ernannten Lenker der Welt das?

Bevor man „richtig“ Krieg führen kann, muss der Krieg erst einmal in die Köpfe der Akteure eingebrannt werden. Der einzige Sinn der Implementierung von Feindbildern ist schlicht, die Bereitschaft zum Krieg zu wecken.

Sie, lieber Leser, werden, wenn sie Hass getränkte „Berichte“ oder Kommentare lesen, aufgefordert, sich für den Krieg zu öffnen! Sie werden damit gewaltsam einer geistigen Vereinnahmung unterworfen. Eines der mächtigsten Werkzeuge, Ihr Unterbewusstes in den Kriegsmodus umschalten zu lassen, ist das Verbreiten von falschen Informationen, zum Zwecke der Erweckung von Emotionen wie Angst und Hass.

Geistige Kriegführung findet auf der Basis von Lügen, Intrigen und Verleumdungen statt, denn nur so, können Sie, lieber Leser, auch hassen! Und dieser Hass ist unbedingte Voraussetzung jedweder Kriegführung, völlig egal, ob sie sich auf geistiger, ökonomischer oder militärischer Ebene abspielt. Schauen Sie mal unter Beachtung dieses Aspekts auf die Hauptnachrichten und bestimmenden Kommentare der großen „Leit“-Medien. 

Viele der Quellen, auf die ich mich beziehe, sind voll von Propaganda, von emotional geschürter Kriegshetze, doch eingebettet sind wertvolle Informationen, denn Propaganda hat das Problem, dass ihre Lüge nie konsistent ist und die Mechanismen tatsächliche Ereignisse einbetten müssen, um die Lüge glaubwürdig zu machen. Achten Sie auf die Emotionen, die durch die Artikel in Ihnen geweckt werden und versuchen Sie aufmerksam „zwischen den Zeilen“ zu lesen.

Sie können erkennen, dass die großen Medien (aber beileibe nicht nur die!) einen Informationskrieg führen. Der Begriff Informationskrieg beschreibt eine gewaltsame geistige Auseinandersetzung zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Nur wenige Gruppen – auch in Deutschland – bringen die Kraft auf, diesem Informationskrieg zu entgehen. Damit ist natürlich auch eingeschlossen, den Informationskrieg im eigenen politischen Handeln zu verwerfen.

Der Informationskrieg ist unverzichtbare Komponente einer Politik des „Teile und Herrsche“, so wie es die USA seit vielen Jahrzehnten praktizieren. Das in ihrem Sinne handelnde Netzwerk in der Türkei erfüllt daher auch die Aufgabe, „passende“ Informationen an die zu beeinflussenden Akteure zu „liefern“. Es ist die wirksame Methode, jene Menschen geistig zu manipulieren und damit „das Richtige“ tun zu lassen. 

Geben Sie sich keinen Illusionen hin! Die Öffentlich-Rechtlichen Medien Deutschlands sind ein aktiver Teil dieses Informationskrieges. [26] Hier als Beispiel die Analyse einer „Dokumentation“ der ARD aus dem Jahre 2011 über den „Aufstand“ in Homs.

Medien in Not

Am 29.Mai 2015 kam das Wochenblatt Der Spiegel seiner Informationspflicht nach und berichtete über ein Geheimpapier der DIA, zu welchem sie im Zuge eines gerichtlichen Verfahrens, welches die US-Organisation Judical Watch angestrengt hatte, verpflichtet wurde. [27][28] Obwohl ein großer Teil der Papiere unkenntlich gemacht wurde, ist sein Inhalt brisant – wenn auch für den Eingeweihten wenig überraschend.

Bevor ich zum Inhalt komme, präsentiere ich dem Leser „die Geschichte von dem kleinen Strolch, den man auf frischer Tat beim Klauen erwischt hat und der nun standhaft die Tat leugnet, obwohl er das gestohlene Gut noch in der Hand hält.“ Eine absurde Ausrede nach der Anderen ist ihm nicht blöd genug, solange er nur nicht zu seinem Handeln stehen muss. Wie sieht das nun beim Spiegel aus? Schauen Sie selbst:

2015-05-29_dia_bengasi_derspiegel

Bereits die Überschrift und erst recht der folgende Text will dem Leser weismachen, dass man das alles nicht so ernst nehmen sollte. Die Geheimdienste liefern so viele Daten – und außerdem ist das ja alles noch gar nicht bewertet. Schon das Ergebnis der Google-Suche trifft auf die klare Ansage der Spiegel-Redaktion, dass das Offensichtliche nicht sein darf:

2016-10-17_google_dia-bengasi_spiegel

Neeeiiiiin!   WIR sind die Guten!!!   Terrorplan?!    Niemals!!!

Da fragt man sich doch, warum „Der Spiegel“ statt einfach sachlich über den Inhalt dieses Dokuments zu berichten, zwanghaft bemüht ist, den Inhalt zu entkräften. [29] In diesem Falle empfehle ich dem Leser wärmstens, den besagten Spiegel-Artikel zu studieren, einmal vor den nun folgenden Einlassungen und einmal nach diesen. Beim zweiten Lesen können sie erkennen, wie der Autor sich windet, um die klaren Botschaften des Reports nicht als das kommentieren zu müssen, was sie sind – ein überzeugender Beweis dafür, dass die „bewaffnete Opposition“ in Syrien ein Märchen zur Legitimierung eines Angriffskrieges gegen das Land ist.

Die Verrenkungen der großen Medien sind teilweise geradezu grotesk. In ihrer episch aufbereiteten Berichterstattung über die Freiheitskämpfer gelingt es ihnen trotzdem nicht, den Betrug (einschl. Selbstbetrug) permanent aufrecht zu erhalten. Hier ein schönes Beispiel der Frankfurter Rundschau vom Juli 2012 (findet der Leser den Widerspruch?):

„Währenddessen überrennen Einheiten der FSA die letzte Bastion der Regierung in Azaz. Abu Anas verliert drei Männer. Ein paar Regierungssoldaten können fliehen, mehr als vierzig werden getötet. FSA-Kämpfer sprengen die Minarette, in denen sich die Scharfschützen versteckt hielten. Auf dem Dach der zerstörten Moschee weht nun die schwarze Flagge der Islamisten.“ [30]

Zurück zum DIA-Report, der vom 12.August 2012 stammt. Das war eine spannende Zeit. Im gleichen Monat lief eine Großoffensive der aufgerüsteten FSA in der syrischen Metropole Homs. Ebenfalls im August 2012 legten Frachtschiffe mit illegaler Fracht (Waffen und Munition) der libyschen Armee mit Ziel Syrien vom libyschen Hafen Bengasi ab, was ebenfalls ganz offiziell durch einen Report des DIA belegt ist [31], und wenige Wochen später würde der in die Aktivitäten der Muslimbruderschaft und der CIA verwickelte Botschafter (der Mitschöpfer der Rattenlinie) Christoper Stevens bei einem Anschlag auf das Konsulat in Bengasi ums Leben kommen.

Verflechtungen

Die DIA (Defense Intelligence Agency) ist nicht mit der CIA zu verwechseln. Sie  fasst die Geheimdienste der vier Waffengattungen der US-Armee zusammen. Passend zur selbst ernannten Rolle des Hegemons hat das Pentagon die Welt in sechs Operationsbereiche für seine Truppen aufgeteilt; dazu gehören das CENTCOM (US Central Command) und das AFRICOM (US Africa Command). Diese beiden Operationsbereiche „kümmern“ sich um die Gebiete im Nahen Osten und Afrika. Über alle Kommandos hinweg operieren die vier militärischen Geheimdienste unter der Hoheit der DIA.

Das AFRICOM hat seine Kommandozentrale übrigens seit 2008, rechtzeitig vor Beginn des Angriffskrieges gegen Libyen, im deutschen Stuttgart/Möhringen eingerichtet.  Und der Oberbefehlshaber des CENTCOM ist General Joseph Votel. Hat das was mit dem Hauptthema türkische Politik im Kontext Syrien zu tun? Erinnern Sie sich an Teil 1 der Artikelreihe, als sich US-Geheimdienstler „beschwerten“, dass ihre Agenten nach dem versuchten Militärputsch in der Türkei massenweise von der Erdogan-Administration ausgeschaltet wurden?:

„US-General Joseph Votel, als Chef des „Central Command“ für alle US-Militäraktionen im Nahen Osten verantwortlich, beklagte, dass „alle unsere Ansprechpartner in der türkischen Armee verhaftet“ würden und „die Säuberung des gesamten türkischen Sicherheitsapparates ein schwerer Rückschlag für den Kampf gegen den IS ist““ [32]

Es ist also nicht nur die CIA, die Einfluss auf die türkische Politik und darüber hinaus nimmt. Die Geheimdienste unterhalb der DIA haben gleichfalls Netzwerke im Nahen Osten aufgebaut. Inwieweit sie kooperieren ist dabei eine nicht klar zu beantwortende Frage. Was die Türkei betrifft, werden sie Ihre Fühler über das NATO-Bündnis vorrangig in die türkische Armee ausgestreckt haben – seit Jahrzehnten. Dort greifen sie über ihre Kontakte Informationen ab und – was vielleicht fast noch wichtiger ist – lancieren Informationen, um die Machtpolitik des türkischen Militärs zu steuern. Was wir jedoch  – zum Verständnis des Geschehens – immer im Auge behalten müssen, ist, dass der Krieg gegen Libyen unmittelbar mit dem Krieg gegen Syrien zusammenhängt. 

Das Selbstverständnis der DIA-Geheimdienste ist auf jeden Fall von dem der CIA zu unterscheiden. Die DIA hat vorrangig die Aufgabe, die Angehörigen und Strukturen der US-Armee zu schützen und Infiltration und Ausspionierung vorzubeugen. Damit können wir verstehen, warum die DIA in einer Richtung forschte, die, wohl unbeabsichtigt, Aktivitäten der CIA aufdeckte. Versuchen wir, den Schleier etwas von dieser undurchsichtigen Gemengenlage zu heben.

Die CIA operierte also aktiv in Libyen um den dortigen Systemsturz vorzubereiten und sie operierte aktiv, um den illegalen Transfer von Waffen, Munition und Kämpfern aus Libyen in Richtung Syrien – mit Transit (u.a.) über die Türkei – zu planen und umzusetzen. Dabei nutzte sie ihre geheime Vernetzung mit terroristischen Netzwerken wie der Muslimbruderschaft und Al-Qaida, aber sie musste natürlich auch die Dienste des Pentagon nutzen. Sprich, US-Soldaten wurden eingesetzt – und starben.

Wenn ein US-Konsulat angegriffen wird und US-Soldaten [a1] sterben, es sich danach herausstellt, dass dieses Konsulat (in Bengasi) in Wirklichkeit eine Außenstelle der CIA war und die Armee nicht darüber informiert wurde. Wenn erkennbar wird, dass der Angriff auf diese Außenstelle eine geplante und koordinierte Aktion war [33], dann beginnen die DIA-Dienste zu ermitteln. Darüber hinaus ist ja der grundsätzliche Auftrag für die US-Armee (und mit Sicherheit gibt es genug Menschen in ihr, die diesen Auftrag tatsächlich ernst nehmen), den Kampf gegen Al-Qaida zu führen. Somit ist es nur logisch, dass man im Sinne einer erfolgreichen Bekämpfung versucht, deren Verbindungen aufzudecken. Man mag eine grundsätzliche Politik-Strategie erkennen, die Politik darunter ist deshalb noch lange nicht homogen. Sie ist widersprüchlich und dynamisch.

Das an dieser Stelle betrachtete DIA-Dokument wurde VOR den Ereignissen in Bengasi erstellt. Seine Veröffentlichung aber wurde NACH und auf Grund der Ereignisse in Bengasi erzwungen. 

2015-04-10_bengasi-report_dia_judwatch

Die im Dokument nieder geschriebenen Geheimdienst-Erkenntnisse sind unmissverständlich, im Teil 2 lesen wir [Übers. Peds Ansichten]:

  1. Die Ereignisse zeigen eine klar definierte Ausrichtung.
  2. Die Salafisten, die Muslimbruderschaft und Al-Qaida [AQI] sind die wichtigsten Triebkräfte des Aufstandes in Syrien.
  3. Der Westen, die Golf-Staaten und die Türkei unterstützen die Opposition [Rebellen] während Russland, China und der Iran die Regierung unterstützt.
  4. Die Prioritäten seitens des Regimes [der Regierung] liegen in der Konzentration seiner Kräfte in Gebieten entlang der Küste (Tartus und Latakia); ungeachtet dessen hat es [sie] Homes nicht aufgegeben, weil darüber die wichtigen Verkehrsadern in Syrien kontrolliert werden. Das Regime [die Regierung] zieht Kräfte aus den Gebieten in Richtung der irakischen Grenze (Al Hasaka und Der Zor [Deir ez-Zor]) ab. [34][a2]

Teil 3 beschreibt die Ergebnisse der Untersuchungen zur Rolle von Al-Qaida; u.a. lesen wir:

  1. AQI [Al-Qaida] ist in Syrien aktiv. AQI wird in Syrien ausgebildet und dann in den Irak eingeschleust.
  2. AQI unterstützt die syrische Opposition [die syrischen Rebellen] von Beginn an, auch ideologisch als auch durch die Medien. AQI führt seinen Kampf gegen die Assad-Regierung auf der Basis eines angestrebten sunnitischen, sektiererischen Staates.
  3. AQI ist verantwortlich für eine Reihe von Anschlägen in verschiedenen syrischen Städten; unter dem Namen Jaish Al-Nusra (Armee der Sieger), die ein Teil von ihr [Al-Qaida] ist. [35]

Was wir hier lesen, sind keine Annahmen oder wilden Spekulationen. Es wird auch nichts im Konjunktiv formuliert. Es sind die ermittelten Tatsachen.

Die DIA hat ihre Ergebnisse im Jahre 2012 dem US-Außenministerium vorgelegt. Wenn wir das in Beziehung setzen zu dem, was wir hier in sieben Artikeln erarbeitet haben, wirkt es natürlich überaus komisch, wenn die DIA mit ihren eigenen Neuigkeiten bei Leuten vorspricht, denen die „Neuigkeiten“ längst geläufig sind, ja die sie sogar geschaffen haben.

Die nun folgende Reaktion der US-Regierung spielte sich auf der gleichen Ebene ab wie die des Spiegel-Journalisten Christoph Sydow (s.w.o.) – Verleugnen, Verdrängen und weiter die Lügengeschichte vom „Volksaufstand“ in Syrien predigen. Weil nämlich die komplette Außenpolitik der USA auf dieser Lügengeschichte aufgebaut ist und dieses Konstrukt auf keinen Fall einstürzen darf. So stellt sich Macht- und Herrschaftspolitik eines Hegemons dar. Er ist und bleibt der Gute, nichts und niemand wird das eigene glatt polierte Image stürzen, an das man selbst glaubt, wie an einen Götzen.

Aber halten wir es noch einmal ganz klar fest:

Der „Volksaufstand“ in Syrien ist eine Lüge. Und es gab nie eine „moderate Opposition“. Es handelte sich von Beginn an um einen terroristischen Angriff auf das Land, geführt von der Muslimbruderschaft und Al-Qaida, mitgetragen von manipulierten Menschen, die sich von den Verbündeten der Terroristen einwickeln ließen und begann gegen ihr eigenes Land zu kämpfen. Die Helfer der Terroristen waren demokratische Staaten wie die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Türkei und Israel sowie Unrechtsstaaten wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Und die größten Kriegstreiber und Unterstützer dieser Terroristen sind bis heute – die westlichen Medien. 

Haben wir wirklich eine funktionierende Demokratie?

Vergessen wir nicht, dass diese DIA-Analyse aus dem Jahre 2012 stammt. Der Krieg gegen Syrien wurde aber NACH Eingehen dieser Analyse noch viel,viel schlimmer, mit Millionen vor allem syrischer Opfer, die durch eine Pathokratie einfach in Kauf genommen wurde, in dem sie, blind für das angerichtete Leid, den Einsatz wieder und wieder erhöhte. Bis heute ist den meisten Menschen in Deutschland, Gehirn gewaschen von einer kungelnden Propaganda, die Abartigkeit dieser Politik nicht bewusst.

Die Schlussfolgerungen, welche der DIA-Report zog, lagen der Regierung in Washington natürlich auch vor, sie sind es wert, hier wider gegeben zu werden [Übers. Peds Ansichten]:

  1. Das Regime [Regierung] wird weiter bestehen und Kontrolle über syrisches Territorium behalten.
  2. Entwicklung der gegenwärtigen Ereignisse in Richtung eines Stellvertreterkrieges: Mit Unterstützung Russlands, China´s und des Iran wird das Regime [die Regierung] den Einflussbereich entlang der Küstengebiete (Tartus und Latakia) behalten und unter allen Umständen Homs verteidigen, welches die wichtigsten Verkehrsadern in Syrien verbindet. Andererseits werden die oppositionellen Kräfte [Terroristen] versuchen, die Kontrolle über die östlichen Gebiete (Hasaka und Deir ez-Zor), sowie die angrenzenden westlichen Gebiete des Irak (Mossul und Anbar), zusätzlich zu den grenznahen Gebieten zur Türkei, zu erringen. Die westlichen Staaten, die Golf-Staaten und die Türkei unterstützen diese Bestrebungen. Diese Hypothese korreliert am überzeugendsten mit den Informationen zu den vergangenen Ereignissen, was helfen wird, Sicherheitsmaßnahmen unter internationalem Schutz einzuleiten, ähnlich jenen in Libyen, als Bengasi zum Sitz einer Interims-Regierung auserwählt wurde. [36]

Man braucht nur die bewertenden Begriffe überführen und erkennt, dass sich eine legitime Regierung mit legitimer Unterstützung anderer Staaten gegen einen Einfall von Terroristen wehrt, die von der „Wertegemeinschaft des Westens“ in Zusammenarbeit mit arabischen Diktaturen unterstützt werden. Nichts ist da mehr chaotisch in Syrien. Das Herstellen von Chaos ist aber die Aufgabe der Terroristen und das herbei reden von Chaos ist die Aufgabe der Propaganda. Das ist „Kreative Zerstörung“ eines bislang funktionierenden Gemeinwesens.

Über nach wie vor bestehende Verbindungen zu seinem ehemaligen Arbeitgeber erfuhr der frühere CIA-Mitarbeiter Philip Giraldi bereits Ende des Jahres 2011(!) [Übers. Peds Ansichten]:

„CIA-Analysten sind skeptisch in Bezug auf die Kriegsursachen. Der oft zitierte Bericht der Vereinten Nationen, nachdem mehr als 3.500 Zivilisten durch Assad´s Soldaten ermordet worden seien, basiert großteils auf unbestätigten Quellen der Rebellen. […] Gleichzeitig scheinen Massenhinrichtungen durch die syrische Armee und ausgewachsene Kämpfe zwischen Deserteuren und Regierungstruppen Erfindungen zu sein. Die Vorwürfe der syrischen Regierung, dass sie durch Rebellen angegriffen wird, welche durch fremde Regierungen bewaffnet, trainiert und finanziert wurden, scheint eher zutreffend statt falsch zu sein. […] Die am besten organisierte und finanzierte politische Oppositionsbewegung in Syrien ist die Muslimbruderschaft.“ [37]

Al-Qaida in Syrien: Jabhat al-Nusra

Nachdem der Aufruhr in Syrien entfacht war, durch die landesweit von der Muslimbruderschaft geführten Anschläge auf Demonstrationen und öffentliche Einrichtungen, begleitet von einer medialen Kampagne westlicher Medien, die ihre Sorge um die syrische Zivilbevölkerung heuchelten, wurde die nächste Eskalation eingeleitet.

Diese Eskalation trug vor allem die in der Türkei aufgerüstete FSA, in dem sie die syrischen Sicherheitsorgane (Polizei, Armee und weitere militärische Verbände) angriff und in Kämpfe verwickelte. Die Szenerie der Anschläge wurde zunehmend durch die eines Krieges erweitert.

Wurde die Bedrohung des syrischen Staatswesens anfangs vor allem über die Grenzen der den südlichen Metropolen nahe liegenden Staaten Jordanien und Libanon in das Land getragen, erweiterte sich der Druck damit durch die von der Türkei her operierende FSA. Man sieht daran sehr gut, wie planvoll Syrien in den Würgegriff genommen wurde.

Folgerichtig wurde nun auch der Osten Syriens in das Visier seiner Feinde genommen. Kaum war im Juli 2011 die FSA gegründet, begann im August des gleichen Jahres die Formierung einer Al-Kaida-Gruppierung, angestoßen durch den Chef des Islamischen Staates im Irak (ISI)Abu Bakr al-Baghdadi. Die neue Gruppierung betrat die Bildfläche mit dem erklärten Ziel, den sekulären syrischen Staat zu stürzen, um ein islamistisches Staatsgebilde auf syrischem Boden zu formen und sie gab sich den Namen Jabhat al-Nusra (Unterstützungsfront). [38]

Im Konzept der „Kreativen Zerstörung“ brachte Al-Nusra nun eine neue, die religiöse Komponente in´s Spiel. Das friedliche Nebeneinander der Konfessionen, die einen erheblichen Teil zum Zusammenhalt der syrischen Gesellschaft beitrugen, sollte nun durch Entfachung eines Glaubenskrieges zerstört werden. Al-Nusra sollte sehr rasch (und aus meiner Sicht auch so konzipiert) starke Verbündete u.a. im türkischen Schattenstaat und in einer verdeckten Politik der türkischen Regierung finden. Und es sollte ein Werkzeug werden, um auch die Kurden in den Krieg zu ziehen.

Aber: Dass überhaupt eine extremistische Miliz wie Al-Nusra in Syrien Bedeutung erlangen konnte, war nur möglich, weil es im benachbarten Irak den Islamischen Staat (IS) respektive Al-Qaida gab. Wie konnten diese extremistischen, salafistischen Organisation so stark werden? Wo hatten sie ihre Unmengen moderner Waffen, Kommunikationstechnik und Fahrzeuge her? Wer waren ihre Mitglieder? Wer sorgte für ihre Finanzierung? Die Spuren führen vom Irak nach Saudi-Arabien und in die USA, einer feudal-reaktionären wahhabitischen Diktatur und der Führungsnation des demokratischen Westens … So wenig zufällig das Chaos in Syrien entstand, so wenig zufällig war es in den Jahren zuvor über den Irak gekommen. Die Blutspur von der Geburt des „Neuen Nahen Ostens“ begann nicht erst in Syrien, sie begann im Irak …

Die Umsetzung des Plans, Syrien in das Chaos zu stürzen, nahm immer mehr Fahrt auf und sehr bald tauchte Al-Qaida unter der Flagge von Al-Nusra und dem IS auch in der Türkei auf …


Anmerkungen

[a1] Beim Doppelangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi starben u.a. zwei US-Soldaten.

[a2] In den eckigen Klammern habe ich den Begriffen ihre euphemistischen bzw. dysphemistischen Wertungen entzogen. Dies möchte dem Leser auch als Hilfestellung dienen, die (von den Verfassern sicher unbewusst) in der Analyse „unter gebrachte“ Propaganda zu enttarnen, über die sich in unseren Köpfen unbewusst gleichfalls eine Wertung von Menschen und Gesellschaften formt, die uns in ein Schwarz-Weiß-Denken abtauchen lässt.

Quellen

[1] 20.10.2016; https://peds-ansichten.de/2016/10/tuerkische-gratwanderungen-5/

[2] 20.10.2016; https://peds-ansichten.de/2016/10/tuerkische-gratwanderungen-6/

[3][7] Wüstenzeltlager des luxe; Nurhan Kocaoglu; 1.7.2011; http://www.taz.de/!5117483/

[4][5] Turkey’s Evolving Syria Strategy; Aaron Stein; Foreign Affairs; https://www.foreignaffairs.com/articles/turkey/2015-02-09/turkeys-evolving-syria-strategy

[6] Every Syrian has lost someone. Now we are ready to fight back; Justin Vela; 8.12.2011; http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/every-syrian-has-lost-someone-now-we-are-ready-to-fight-back-6273728.html

[8][11] Gefangen in der Zeltstadt; Yasemin Ergin; 27.6.2011; http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/syrische-fluechtlinge-gefangen-in-der-zeltstadt-15101.html

[9] Türkei: Amnesty fordert Sicherheit für syrische Flüchtlinge; 12.6.2012; http://www.amnesty.de/2012/6/21/tuerkei-amnesty-fordert-sicherheit-fuer-syrische-fluechtlinge

[10] https://aip-berlin.org/2013/02/08/eine-stimme-aus-syrien-interview-an-syrische-aktivistin/

[12] Proteste in Syrien greifen auf Aleppo über; 30.6.2011; Neue Züricher Zeitung; http://www.nzz.ch/proteste-in-syrien-greifen-auf-aleppo-ueber-1.11126100

[13] Turkish defense radar locked on Russian fighter as it bombed Syrian town; Roy Gutman; 4.10.2015; http://www.mcclatchydc.com/news/nation-world/world/article37739349.html ; zitiert bei heise.de: http://www.heise.de/tp/artikel/46/46187/1.html

[14] Das Mafiakartell; 19.3.2012; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84430212.html

[15][16][17] Deutsches Spionageschiff hilft syrischen Rebellen; 19.8.2012; https://www.welt.de/politik/ausland/article108682338/Deutsches-Spionageschiff-hilft-syrischen-Rebellen.html

[18] Gerüchte um deutsches Syrien-Engagement; 19.8.2012; sueddeutsche.de/politik/bnd-engagement-in-syrien-deutsches-spionageschiff-hilft-syrischen-rebellen-1.1444500

[19] http://www.handelsblatt.com/politik/international/syrien-rebellen-werden-heimlich-mit-waffen-versorgt/6931820.html

[20] http://www.nytimes.com/2012/06/21/world/middleeast/cia-said-to-aid-in-steering-arms-to-syrian-rebels.html?pagewanted=all&_r=0

[21] Der syrische Konflikt 2012; Angelika Bator; 9.4.2012; Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e.V.; http://www.vip-ev.de/text739.htm; Originalquelle: NATO vs. Syria; Philip Giraldi; 19.12.2011; The American Conservative; http://www.theamericanconservative.com/articles/nato-vs-syria/

[22][37] NATO vs. Syria; Philip Giraldi; 19.12.2011; The American Conservative; http://www.theamericanconservative.com/articles/nato-vs-syria/

[23] Muriel Asseburg, Heiko Wimmen; SWP 68; November 2012; https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2012A68_ass_wmm.pdf

[24] http://www.hintergrund.de/201208132194/politik/welt/syrien-schlachtfeld-international-agierender-dschihadisten.html

[25] Hasserfüllte Milizennamen; Monika Sarkiz, 10.8.2012; http://www.heise.de/tp/artikel/37/37423/1.html

[26] Die ARD und ZDF-Lügner: Dasselbe Video – verschiedene Berichterstattung; Peter van Dorren; 9.6.2012; http://medien-luegen.blogspot.de/2012/06/die-ard-und-zdf-lugner-dasselbe-video.html

[27] http://www.judicialwatch.org/wp-content/uploads/2015/01/DSCC-Benghazi-Filed-Stamped-Complaint-4.pdf

[28] http://www.judicialwatch.org/press-room/press-releases/judicial-watch-new-obama-administration-intelligence-report-tied-benghazi-assault-to-terrorism-group/

[29] http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-us-geheimdienstpapier-ist-kein-terror-masterplan-a-1036118.html

[30] Die Schlacht um Azaz; Christian Stormer; 28.7.2012; http://www.fr-online.de/aegypten-syrien-revolution/syrien-die-schlacht-um-azaz,7151782,16734038.html

[31] http://www.judicialwatch.org/wp-content/uploads/2015/05/Pgs.-1-3-2-3-from-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version1.pdf

[32] http://www.webcitation.org/6jvVwBZDq?url=http://www.taz.de/Beziehungen-USA-und-Tuerkei/!5322859/

[33] 20.10.2016; https://peds-ansichten.de/2016/09/tuerkische-gratwanderungen-3/

[34][35][36] https://www.judicialwatch.org/wp-content/uploads/2015/05/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version11.pdf

[38] Profiling Jabhat al-Nusra; Charles Lister; 24.7.2016; https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/07/iwr_20160728_profiling_nusra.pdf

Allgemein:

[A1] Viele Links für eigene Recherche; Forum selbst aber sehr  propagandistisch;  http://www.politikforen.net/archive/index.php/t-143777-p-106.html

Bilder:

[Titelbild] Antikabir; Grabstätte des Staatsgründers der Türkei Mustafa Kemal Atatürk; Datei: monument-471329_960_720_bearb.jpg (peds-ansichten.de); aus Originaldatei: monument-471329_960_720.jpg; Foto: Joakim Roubert (d97jro); Quelle: https://pixabay.com/p-471329/?no_redirect ; Lizenz: Public Domain

[b1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-us-geheimdienstpapier-ist-kein-terror-masterplan-a-1036118.html; Screenshot; 20.6.2016

[b2] http://google.de; Screenshot; 20.6.2016

[b3] Nach Klage freigegebener Teil des Bengasi-Reports der DIA; 10.4.2015; https://www.judicialwatch.org/wp-content/uploads/2015/05/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version11.pdf; Kopie freigegeben von Judical Watch; Screenshot v. Peds Ansichten, 18.10.2016

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