Notenpressen, Hilfspakete – Politik als Vasall der Finanzlobby

Oft hören wir, dass die Zentralbanken die Notenpressen anwerfen und wie wild Geld drucken, um Staaten zu retten. Was wie eine generöse Geste wirkt, ist jedoch nur ein Schein und was dahinter abläuft, dient auch nicht der Rettung von Staaten. Vielmehr ist es ein gigantisches Bankenrettungs-Programm. Wie das?


Erinnern Sie sich an das Jahr 2015? Das erste Halbjahr war geprägt von einer unfassbaren Hetze gegen die griechische Regierung [1][2], gegen die griechische Gesellschaft als Ganzes. Grund war der Aufstand der Tsipras-Regierung gegen das Spardiktat der sogenannten Troika (EZB, IWF, Europäische Kommission). Man erpresste Griechenland mit der Drohung einer Kreditsperre, falls die „Sanierung“ der staatlichen Sozialsysteme und die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Investoren nicht fortgeführt würde.

Die verweigerten Kredite wurden verbrämt als „Hilfsgelder“ in den Medien publiziert. Verschwiegen wurde außerdem, dass ein Großteil dieser „Hilfen“ umgehend an die griechischen Privatbanken weiter zu reichen war. Dieses interessante Thema führen wir andernorts weiter. Nicht minder interessant ist das zur gleichen Zeit erfolgte „Anwerfen der Notenpressen“. So ähnlich klangen damals die Alarmrufe der „Experten“:

„Ab März [2015] will die EZB die Notenpressen auf Hochtouren laufen lassen und für 1,14 Billionen Euro Staatsanleihen kaufen.“ [3]

Die Massenblätter kamen regelmäßig auf das Thema aber bei wem die EZB für was einkauft, erfuhren Sie eher nicht. Dafür so etwas:

„Sie [die EZB] überschwemme durch die Anleihekäufe die Wirtschaft mit Geld und riskiere so eine Geldentwertung, also Inflation.“ [4]

Welcher Leser ist von dieser gigantischen Geldschwemme betroffen? Wenn sie es gäbe, müsste sie doch irgendwo gespürt werden?! Längst hätten wir in Deutschland eine grassierende Inflation. Nur überschwemmt halt der „Kredit“ einer Zentralbank niemals den Markt. Dieses Geld landet auch nicht im „Casino“ des Bankensystems, wie oft geschrieben wird. Und die Notenpresse angeworfen wird dabei schon gar nicht.

Das gleiche Blatt brachte auch das:

„Durch die Krise sei der Mechanismus, über den die Notenbank normalerweise die Geldversorgung der Wirtschaft steuert, gestört und müsse nun repariert werden. Um das zu unterstreichen, will die EZB auch nur Anleihen mit kurzer Laufzeit von einem Jahr bis drei Jahren kaufen.“ [5]

Seit wann versorgen Zentralbanken die Wirtschaft mit Geld? Wie sollen Zentralbanken Geldschöpfung steuern – doch nicht etwa über ihre Leitzinsen!?

„Um den Reformdruck in den Krisenländern wie Spanien oder Italien aufrechtzuerhalten, sollen die Anleihekäufe an strikte Bedingungen geknüpft werden: Nur wenn sich ein Land zuvor einem sogenannten Anpassungsprogramm des europäischen Rettungsfonds ESM unterwirft, will die EZB überhaupt erwägen, einzugreifen. Das heißt: Hilfe aus der Notenpresse gibt es nur gegen eisernes Sparen.“ [6]

„Reformdruck“ und „sich einem Anpassungsprogramm UNTERWERFEN“ öffnet Ihnen schon einen kleinen Spalt, was diese „Staatenrettung“ wirklich tut: Bedingungen zur Kapitalverwertung, zur Generierung von Profiten, zur Neugenerierung privater Geschäftsbanken-Kredite zu schaffen. Doch halten wir erst einmal fest:

Zentralbanken versorgen Staaten NICHT mit Geld! Sie versorgen nicht einmal private Banken mit Geld. Vielmehr schaffen sie die Voraussetzungen im definierten System, die den privaten Banken den Kreditprozess ermöglichen. Geldschöpfung auf der Publikumsebene (s.u.) wird ausschließlich durch Geschäftsbanken; Kreditbanken realisiert.

Griechenland wäre sicher glücklich, wenn es so wäre, dass (zum Beispiel) deren eigene Zentralbank Geld schöpfen könnte. Technisch ist das natürlich auch möglich, denn wir reden hier nicht von Naturgesetzen! Es ist der politische Wille der (Finanz-)Macht, welcher ein solches Verfahren der Entschuldung eines Staates aus sehr profanen, nämlich Profitgründen, unter allen Umständen zu verhindern sucht.

Entgegen dem was uns Der Spiegel suggeriert (s.o.), hat Griechenland also keine Schulden bei (fälschlicherweise gern staatlich angesehenen) Zentralbanken sondern bei Privatbanken. Und es hat diese Schulden, weil es mehr oder weniger GENÖTIGT WURDE, die faulen Kredite seiner eigenen (griechischen) Privatbanken zu übernehmen! Um diese Schulden nun bedienen zu können, nimmt Griechenland bis heute ständig neue Schulden auf: wiederum bei Privatbanken. [7]

Das griechische Schuldenproblem ist Keines der Realwirtschaft, auch nicht der Griechischen. Es ist auch keines einer ineffizienten Verwaltung des griechischen Gemeinwesens. Sondern es ist eines des INTERNATIONALEN Finanz- und Bankensystems!

Wir reden in Wirklichkeit von einem Geschäftsmodell von Privatbanken, dass durch eine – nämlich korrumpierte Politik – abgesichert wird. Mit der Schaffung von Institutionen wurde sehr bewusst dem ahnungslosen Bürger die Illusion vermittelt, bei diesem Gebaren handelte es sich um einen demokratischen Rechtsakt, welcher die Stabilität von Staaten im Euro-Raum sichert. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Namen dieser Institutionen sind bewusst gewählt. Sie sind nur die Fassade eines dahinter liegenden Mechanismus, der zur Auspressung anderer Volkswirtschaften im Interesse einer immer mächtiger werdenden Finanz- und Wirtschafts-Elite dient. Wer mag schon durchschauen, was hinter dem wohlklingenden Namen Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) wirklich steckt? [a1] Welcher Bürger ahnt denn, dass wir es hier mit einem der unzähligen Narrative zu tun haben, die ein absurdes Wachstums-Modell zu stützen haben? Stattdessen werden wir über Politik und Medien mit Feindbildern von ineffizienten und faulen Südeuropäern gefüttert. Das innerhalb eines Systems, welches sich plakativ offen und tolerant gegenüber anderen Menschen und Gesellschaften gibt.

Was bezweckt diese Art von Finanz-Berichterstattung? 

Die Akteure in und um die Privatbanken herum [a2] – mit ihrer Rolle als am Profit orientierten Instrument der Geldschöpfung – speisen das primäre Problem der Finanzkrise. Stattdessen aber lenkt man die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf staatliche Akteure. Staatliche Institutionen, die nicht in der Lage wären, zu wirtschaften – eine unsinnige Aussage, wenn man die Wirtschaftstätigkeit der privaten Banken dagegen stellt. Dazu kommen Zentralbanken, die ebenfalls den Hauch des Staatlichen verströmen und das Finanzsystem „bändigen“. Das wirkliche Problem aber, die private Geldschöpfung und deren Institutionen, sind einfach verschwunden. 

Da es sich bei der Krise unseres Finanzsystems um ein essenzielles, ein fundamentales Problem handelt, kann ich nicht davon ausgehen, dass hier versehentlich falsch berichtet wird. Nein, ich denke, es handelt sich um gezielte Falschberichterstattung, doch warum? Während das Geschäft der Banken durch Volksvertreter abgesichert wird, lenkt man davon ab, in dem Schuldige erfunden und Ängste wie Ressentiments beim unwissenden Bürger geschürt werden; zum Beispiel so:

„Bleibt der Euro auch in Zukunft die Währung, in der wir unsere Stromrechnungen zahlen und unsere Hauskredite abstottern? Und was ist dieser Euro auf Dauer noch wert, wenn eine Zentralbank das Geld, für das die meisten Europäer schwer arbeiten, einfach so aus dem Nichts schöpfen und den klammen Regierungen zuschieben kann?“ [8]

Sehen Sie, was da passierte? Die klammen Banken sind verschwunden und wurden ersetzt durch klamme (selbstredend inkompetente) Regierungen. So werden Narrative gestrickt. Ängste werden geschürt und von sogenannten „Experten“ hoch gehalten:

„Die Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich erwarten für das Jahr 2017, dass es in Europa erhebliche Verwerfungen geben wird. Es steht für sie außer Frage, dass die Milliarden aus europäischen Steuergeldern zur Bankenrettung in Griechenland unwiederbringlich weg sind.“ [9]

Das ist ein völliges Unverständnis unseres Finanzsystems. Natürlich ist das Geld NICHT unwiederbringlich weg. Es wurde geschöpft und gebucht. Buchgeld lässt sich auch nur durch Buchungen wieder vernichten.

WÄRE DAS GELD WEG, WÄREN NÄMLICH AUCH DIE SCHULDEN WEG, BEI WEM AUCH IMMER!

Aber Weik und Friedrich setzen noch einen drauf, in dem sie behaupten:

„[…] dass die EZB ihre Geldschwemme fortsetzen wird. Sie gehen davon aus, dass das Bargeld drastisch beschränkt werden wird.“ [10]

Das ist hanebüchen, verkennt es doch die Tatsache, dass auch Bargeld Schuldgeld, also Kredit ist und in unserem aktuell gültigen Finanzsystem auch nur durch Schulden machen überhaupt auf den Markt gebracht werden kann! Vor allem jedoch wird hier ein technischer Zusammenhang konstruiert, den es so schlicht nicht gibt. Fragen Sie sich ruhig, warum die Autoren hier plötzlich eine Einschränkung des Bargelds in’s Spiel bringen! In wessen Interesse ist die Reduzierung oder gar Abschaffung des Bargeldes wirklich? (s.a.w.u.)

So sind übrigens auch Staatsanleihen schlichte Kredite; eben solche Kredite, wie sie Unternehmen oder Privatleute ausgereicht bekommen.  Nur ist hier der Staat Kreditnehmer und die Anleihe ein auf den Markt geworfener Schuldschein, den der Staat hofft, mit möglichst niedrigen Zinsen in Buchgeld einzulösen. Solche Kredite, und zwar die Leidenden, deren Rückzahlung gefährdet ist, kauft die Europäische Zentralbank seit 2015 von den Geschäftsbanken auf. [11] Sie akzeptiert diese Kredite als Sicherheiten und schreibt entsprechend auf dem Zentralbank-Konto (quasi dem Giro-Konto der Geschäftsbank bei eben der Zentralbank) Guthaben.

Womit sich ein Kreislauf bildet. Denn mit der damit erhöhten Mindestreserve hat die Geschäftsbank wieder den Kredithebel, um Geld aus dem Nichts zu schöpfen; zum Beispiel für Staatsanleihen. Das Zentralbank-Geld auf Zentralbank-Konten jedoch taucht niemals auf der Publikumsebene auf! Die Publikumsebene ist die, wo Buchgeld geschöpft und gehandelt wird. Wo für Geld eingekauft und gegen Geld verkauft wird.

Zentralbankgeld bekam eine Geschäftsbank in der Vergangenheit, wenn Sie „echte“ Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegte, beispielsweise Edelmetalle oder dingliche Sicherheiten oder auch Anteile an anderen Kapitalgesellschaften. Spekulativ aufgeblähte und nun geplatzte Wertpapiere gehören nicht dazu. Eine tatsächlich unabhängige Zentralbank würde also der Kreditbank den Finger zeigen und auf deren Geschäftsrisiko, wie es jedes Unternehmen in der freien Wirtschaft zu tragen hat, verweisen.

Dass eine Bank mit der Begründung too big to fail (zu groß um Pleite zu gehen) „gerettet“ wird, ist aber eben keine gesellschaftlich begründete Entscheidung der vom Volk beauftragten Politiker. Geschäftsbanken sind nicht für Zentralbanken da sondern das Gegenteil ist richtig: Zentralbanken DIENEN und HANDELN immer im Interesse der Privatbanken.

Bei dem Prozess, faule Kredite den Geschäftsbanken abzukaufen und den Erlös ihren Zentralbank-Konten gut zu schreiben, passiert etwas sehr Interessantes: Die Zentralbank verschuldet sich gegen sich selbst. Finden Sie das komisch? Ich schon. Die EZB gibt nicht etwa den Geschäftsbanken Kredit, sondern sich selbst! Und die Schulden dafür nimmt sie bei sich selbst auf.

Wem ist der Schuldner rechenschaftspflichtig? Dem Gläubiger. Das bedeutet, dass die EZB im Prinzip Niemandem rechenschaftspflichtig ist, außer sich selbst. Lesen Sie mal das:

„Draghi [damals EZB-Chef] wurde am Donnerstag übrigens auch danach gefragt, was er zu tun gedenke, wenn das Gericht den ESM ablehnt. Seine Antwort war nicht überraschend. ‚Wir treffen unsere Entscheidungen völlig unabhängig.‘[12]

Oder anders gesagt: Uns doch egal, wenn eine Judikative hier Rechtsverletzungen aufdeckt. Wir sind allein uns selbst rechenschaftspflichtig. Liebe Leser, das ist unsere gelebte Demokratie, Glückwunsch!

Tatsächlich schreibt also die Europäische Zentralbank (EZB) seit einigen Jahren rote Zahlen und hat sich in einen Bereich verschuldet, der sich mit Billionen Euro bemisst. Und, ist die EZB jetzt pleite? Offenbar ja nicht, warum nicht? Welche Rolle spielt das überhaupt, wenn sich eine Zentralbank verschuldet? Wer tatsächlich mit eiserner Hand und ganz bewusst in Schulden und in Schuld gehalten wird, ist (als Beispiel) der griechische Staat, der mehr und mehr seine Souveränität an die internationale Finanzindustrie und ihre Helfer in der EU abgibt. Dessen Vertreter über stetigen Druck und Korrumpierung in die „richtigen“ Bahnen gelenkt werden.

Was bedeutet denn Schuld?

Schuld übernimmt die Pflicht zur „Wiedergutmachung“ nach einem Fehlverhalten. Sie ist eine aufgezwungene Handlung, die vom Handelnden verinnerlicht und mitgetragen wird. Schuld ist eine ethisch-moralische Kategorie. Sie ist subjektiv und das Ergebnis ausgeübter Macht. Sie ist gleichzeitig ein Signal an die Umwelt, welches Schuld eingesteht.

Glauben Sie wirklich, dass sich die Zentralbank-Verantwortlichen quasi stellvertretend für die Bevölkerung SCHULDIG fühlen und entsprechend Wiedergutmachung geloben? In den kleinen Lügen spiegelt sich die große Lüge unseres Wirtschafts- und Finanzsystems wider. Natürlich werden diese Billionen Euro niemals wieder getilgt; zumindest nicht so wie sich das der Bürger vorstellt. [a3] Doch Ihnen wird nun ständig von „Experten“ erzählt, dass SIE für diese SCHULD haften müssen. 

Wieso?

Eine Bank nimmt bei sich selbst Schulden auf, um private Banken zu refinanzieren und dafür sind SIE jetzt schuld? Genau das wird Ihnen über den sogenannten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) getriggert. Erkennen Sie noch eine Restlogik? 

Die gibt es nicht, denn natürlich KÖNNEN Sie diese Schuld gar nicht übernehmen. Man kann Ihnen das allerdings suggerieren. Denn hier geht es eben nicht um einen technischen – sondern um einen emotionalen Vorgang. Sie SOLLEN sich schuldig fühlen. Ihre Emotionen sind das Ziel. Was werden Sie tun mit der Schuld, die Sie fühlen, nachdem man Sie Ihnen manipulativ über geholfen hat?

Sie werden versuchen, diese Schuld loszuwerden, abzuwälzen. Sie suchen Sündenböcke. Und genau das passiert. Wie gut, dass es die faulen Griechen gibt, überhaupt diese Südeuropäer die nicht richtig arbeiten können. Sie sind die Schuldigen und wir müssen für sie bluten. Wer hinterfragt noch die völlig abgefahrene technische Erklärung? Unwissenheit, Glaube und die erfolgreiche Manipulation lassen Sie diese Absurdität sogar noch kritiklos hinnehmen.

So viel man auch über die Krisenländer schwadronierte, wie DAS Folgende technisch funktionieren soll, habe ich trotz gesteigertem Interesse, niemals entdecken können:

„Die […] Krisenländer hängen nun wie Junkies an der Geldspritze der EZB.“ [13]

Dabei beginnt die Desinformation schon bei „Krisenländern“ und dem Verschweigen der wirklichen Junkies, die unbedingt weiter Geld produzieren müssen, um ihr Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten. Und daher möchte ich des Gegenteils überzeugt werden, in dem man mir exakt die Konten-Bewegungen und die beteiligten Institute (Prozesse und Objekte) darstellt, welche das Zitierte möglich machen sollen.

Nochmal: Warum ist die Europäische Zentralbank trotz Billionen Euro Schulden (an Zentralbank-Geld) nicht pleite?

Weil Geld nicht auf Naturwissenschaften basiert sondern auf Vertrauen, auf Emotionen, auf Glauben.

Weil wir diesem Geldsystem noch immer vertrauen und weil wir der Propaganda ebenso glauben, die uns vermitteln möchte, dass mit dem Untergang dieses Finanzsystems auch die Welt untergehen wird. Unser Glaube lässt uns am Irrsinn festhalten. Es ist unser Glaube, gespeist aus Unbedarftheit und Bequemlichkeit und nicht zu vergessen aus Angst.

An dieser Stelle etwas Abbitte an den Mainstream, denn Die Welt schrieb immerhin auch:

„Denn Notenbanken vergeben keine unbesicherten Kredite. Wer von ihr Geld bekommen will, muss Sicherheiten hinterlegen. In der Regel bedeutet das: Die Banken müssen Wertpapiere oder eigene Kreditforderungen [Forderungen – nicht Kredite!] verpfänden.“ [14]

Präzisieren wir Geld mit Zentralbank-Geld (zu unterscheiden vom Buchgeld auf der Publikumsebene des Bankensystems) dann kann man das durchaus so stehen lassen. Glaube und Vertrauen, darum geht es – und siehe da; Die Welt schreibt weiter:

„An diesen Sicherheiten könnte sich die EZB schadlos halten, wenn eine Bank ihre Zentralbank-Darlehen nicht mehr zurückzahlen kann. […] im Laufe der Krise hat die EZB ihre eigenen Ansprüche an diese Sicherheiten immer weiter heruntergeschraubt, um die Banken in der Euro-Zone flüssig zu halten.“ [15]

Merken Sie auf! Warum wohl hat die EZB das gemacht? Und wo sind plötzlich die „wie Junkies an der EZB hängenden Krisenstaaten“ hin? Das Springer-Blatt war also an der Wahrheit schon recht nah dran.

Doch wiederhole ich: Die EZB kann keine (Buchgeld-)Kredite ausgeben. Sie nimmt vielmehr faule Kredite der Geschäftsbanken an, bewertet sie (nach Gutdünken) und schreibt entsprechend Zentralbank-Geld auf den Konten der Geschäftsbanken gut. Das hat auch nichts mit Zentralbank-Krediten zu tun, bei denen sich Geschäftsbanken Zentralbank-Geld leihen um über eine damit angehobene Mindestreserve ihren Kredithebel bzw. ihre Bonität im Interbanken-System zu stärken (wofür auch minimale Zinsen erhoben WURDEN).

Dass Zentralbanken keine Buchgeldschöpfung betreiben, weder für die private Wirtschaft noch für anderweitige Institutionen (wie zum Beispiel Staaten), galt auch vor den Zeiten der Europäischen Zentralbank. Deshalb schreibt das Deutsche Kreditwesengesetz klipp und klar:

„Die Bundesbank selbst ist zwar im Besitz des Bundes, gilt jedoch nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 KWG nicht als Kreditinstitut, so dass sie nicht zu den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten gerechnet wird.“ [16]

Daher ist es unsinnig, zu behaupten, die Zentralbanken „schwemmen den Markt mit Geld“. Die Realität zeigt das auch. Denn die Realwirtschaft stagniert (was ich ausgesprochen positiv finde). Nicht etwa, weil kein Geld da wäre, sondern weil die Überproduktion von Waren und Dienstleistungen zu einer Übersättigung des Marktes führt. Die Menschen können trotz aller massiven Kaufanreize nicht so viel verbrauchen (kaufen). Die Staaten der Dritten Welt andererseits sind nicht so recht einverstanden, dass sie das System freier Märkte mit ihren Ressourcen, mit Schweiß und Blut, mit Krieg bezahlen sollen. Jetzt wissen Sie auch, warum wir uns so leidenschaftlich (natürlich moralisch augeplustert) politisch und militärisch im Ausland „engagieren“.

Wenn die Realwirtschaft wachsen würde, wäre das mit einem Anstieg der Kredite verbunden, was nicht der Fall ist. Aber die Geschäftsbanken sind auf ihr Kreditgeschäft angewiesen. Es ist das Wachstums-Paradigma in den Köpfen, die Umsetzung im privaten Bankensystem und der damit zusammenhängende Drang der Monetarisierung der Welt, um weiter wachsende Gewinne erwirtschaften zu können. Das nun dem Ende seiner praktischen Grenznutzungsdauer entgegen strebt. Wie der damit zusammenhängende Bruch vonstatten gehen wird – friedlich oder kriegerisch, ist kein Naturgesetz. Es liegt einzig an uns, ob wir es als Chance oder Risiko sehen.

Der Sinn von Notenpressen

Notenpressen werden im System der Geschäfts- und Zentralbanken übrigens nur dann angeworfen, wenn ein Bedarf durch die Geschäftsbanken signalisiert wird. Dabei ist zu sagen, dass die Geschäftsbanken alles tun, um eben nicht Bargeld bei der Zentralbank KAUFEN zu müssen. Bargeld ist übrigens DAS Zentralbank-Geld, mit welchem wir tatsächlich in Berührung kommen.

Warum Geschäftsbanken Bargeld meiden? Eben weil sie es KAUFEN müssen. Um die Höhe des Bargeldes, was sie bei der Zentralbank abfordern, wird ihr Zentralbank-Konto belastet. Die Geschäftsbank bezahlt also mit Zentralbank-Geld, was sie zuvor über an die Zentralbank „gepfändete“ Sicherheiten befüllt hatte. Es ist genau das Gleiche, wie wenn wir Bargeld abheben. Unser Girokonto wird um den Betrag erleichtert. Jetzt wird Ihnen eventuell auch klarer, warum Geschäftsbanken so sehr daran interessiert sind, ausschließlich bargeldlos den Zahlungsverkehr abzuwickeln.

Wenn alle Kunden ihren – selbstredend berechtigten(!) – Anspruch auf Bargeld geltend machen würden, wären alle großen Geschäftsbanken in kürzester Zeit pleite. Das, obwohl damit keinerlei Erhöhung der Geldmenge auf der Publikumsebene verbunden wäre. Was ist denn das für ein absurdes System?! Die Banken schulden uns nämlich das Bargeld, den tatsächlichen Kern des Kreditgeschäfts. Deshalb auch ist Bargeld (im Gegensatz zum Giralgeld auf Ihren Konten) DAS allgemein gültige wie verbindliche Zahlungsmittel – bis heute!

„In Deutschland sind auf Euro lautende Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.“ [17]

Das bedeutet aber auch, dass Bargeld immer nur die optionale Folge eines Kreditschöpfungs-Prozesses ist. Ohne Kredit kein Bargeld! Wären alle Kredite zurück gezahlt, würde das übrigens nebenbei gleichbedeutend mit der Vernichtung allen Bargeldes sein (wenn da nicht noch die Zinsen wären).

Wäre das jetzt schlimm, wenn keiner mehr Schulden hätte? Denn das steckt hinter der Vernichtung des Geldes. Ist es nicht eher sogar gut, wenn keiner Schulden hat – keiner SCHULDIG ist? 

Wenn der Bedarf an Krediten (an Schulden) gedeckt ist, warum müssen dann Banken gerettet werden? Gibt es zu wenige Kreditinstitute, die so etwas können? Natürlich nicht.

Woran wir sehen: Das Finanzsystem ist das Primärproblem, aber das fundamentale – das Urproblem ist eine Ideologisches. Es ist die zur Nachahmung gepriesene und zur Norm erhobene Ideologie des immer Mehr, welches durch emotionale Reize die Gier der Menschen triggert. Das Problem des entwickelten, globalen, marktradikalen Kapitalismus, in dem wir leben, ist kein Technisches. Es ist ein Geistiges!

Aus dieser etablierten geistigen gesellschaftlichen Grundhaltung heraus war es auch möglich, ethisch möglich, das Geschäftsmodell des Finanzsystems ab Mitte der 1990ger Jahre profitabel „aufzubohren“. Hatte man doch infolge der Liberalisierung des Finanzmarktes (siehe Aufhebung des Trennbanken-Systems / Glass-Steagall-Acts) neue Verwertungsmöglichkeiten gefunden, über die Kreditgeld weiter kreisen und Zinsen abwerfen kann: Investmentfonds und Hedgefonds

Über solche Handwerkszeuge ist der unkontrollierten Spekulation mit unzähligen Varianten verbriefter Kredite Tür und Tor geöffnet. Menschliche Gier – zuvor ausreichend stark durch das System der Konsumgesellschaft getriggert – findet damit ein reiches Betätigungsfeld. Die ursprünglichen Kredite werden in immer neue Finanzprodukte gepackt und zuvor wild gemischt.

DAS ist der Grund für den ESM. Nämlich dass deutsche Banken drohten, ihrer „Finanzprodukte“ die sie an griechische Privatbanken verhökert hatten, verlustig zu gehen. Die griechischen Banken verbrieften diese Produkte erneut für ihre Kunden; sprich sie spekulierten weiter. Die nun drohende Pleite nach dem Platzen der Spekulationsblase für die griechischen PRIVATEN Banken drohte auch die Pleite für die großen deutschen und französischen Banken zu werden! [18]

Die Gier auf diesem Markt ist die Spitze des Eisberges; eines Eisberges der in unserer Gesellschaft als alternativlos gepredigt wird. Wachstum, Wachstum, Wachstum. Das ist eine Gesellschaft auf dem Weg in den selbst vorbereiteten kollektiven Untergang. Und nicht die Globalisierung, die Märkte oder das Kapital an sich sind die Gefahr, sondern die Art der Ausrichtung des Handelns der Menschen auf diese sind es.

Fazit

Das Aufkaufen fauler Kredite durch die EZB ist also das Abstoßen der Risiken für die Geschäftsbanken. Dabei findet mitnichten in irgendeiner Weise eine „Geldschwemme“ statt und Notenpressen werden schon gar nicht angeworfen. Die Schuld, die den Menschen übergeholfen wird („wir werden das alles bezahlen müssen“) ist ein Propaganda-Trick, der die Menschen emotional in Schuld bringt, ihnen damit leicht neue Feindbilder vermittelt und sie davon abhält, das wirkliche Problem zu erkennen: eine Gesellschaft, die ihren Drang nach Mehr als attraktiv und verbindliches Vorbild für die Welt sieht. Das wird nicht mehr lange gut gehen.

Bleibt noch zu sagen – und das wird sie nun kaum überraschen, dass die Zentralbanken mitnichten unabhängige Hüter der Währungen sind. Sie spielen ihre zugewiesene Rolle im Machtsystem.

Dabei bilden sie einen Filz mit den Geschäftsbanken, de facto ein Finanzkonsortium. Auf diesem Feld ist das europäische Finanzwesen inzwischen auf dem zweifelhaften Niveau der Federal Reserve Bank (Fed), der US-amerikanischen Zentralbank angekommen. Ja, sie wirkt wie eine Kopie. Sie brauchen sich nur die Biographie vom langjährigen EZB-Chef Mario Draghi anschauen, einem altgedienten Goldman Sachs Banker. Diese Leute vertreten die wahre Macht hinter der EZB, ein Konglomerat der Finanzlobby, sich bildend aus Banken, Investment- und Hedgefonds-Gesellschaften, wie auch „Sanierern“ (Stichwort: Heuschrecken), Versicherungen und Rating-Agenturen, vertreten durch die Politik – die alle zusammen übrigens Millionen Menschen ein gesichertes Auskommen geben.  

Jetzt können wir noch gemeinsam sinnieren, in welcher Höhe die EZB die faulen Kredite den Geschäftsbanken auf deren Zentralbank-Konten gut schreibt. Glauben wir nicht, dass es Wissenschaft ist, welche das „berechnet“. Die Mathematik, diese überaus machtvolle wie sinnvolle Hilfswissenschaft wird im Finanzsystem als Hure missbraucht. Die mit ihrer Hilfe aufgestellten Algorithmen sind der Schein an Seriösität vor einem Götzen, der entsprechend unreflektiert und kritiklos angebetet wird.

Bleiben Sie in dem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen

[a1] Mit den genauen und weitestgehend verschleierten Zweck und Wirkmechanismen des ESM werden wir uns in einem gesonderten Artikel beschäftigen. Wenn Sie sehr aufmerksam lesen und die Herausforderung lieben, können Sie einige Wahrheiten in diesem Artikel der ARD-Tagesschau herausfinden. [19]

[a2] Ich möchte nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass zu den Akteuren, ja bestimmenden Akteuren im Finanz- und Bankensystem, natürlich mehr oder weniger wir alle gehören.

[a3] Die Zentralbank könnte bspw. ihre Billionen-Schulden tilgen, in dem sie diese einfach in ihren Büchern als Verlust abschreibt. Geld ist Illusion in Zahlen.

Quellen

[1] https://propagandaschau.wordpress.com/2015/07/01/ard-propagandasendung-griechenland-am-scheideweg/

[2] 6.7.2015; Rudolf Stumberger; https://www.heise.de/tp/features/Diesmal-ist-Berlin-richtig-zornig-3374099.html

[3][13] https://www.heise.de/tp/features/Vom-heimlichen-zum-offenen-Waehrungskrieg-3370287.html

[4][5][6][8][12] 6.9.2012; http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-anleiheprogramm-markiert-wende-in-euro-krise-a-854398.html

[7][18] https://sozialismus.ch/artikel/2015/griechenland-die-wahrheit-ueber-die-griechische-staatsverschuldung/

[9][10] 28.12.2016; https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/28/investoren-die-griechenland-milliarden-sind-weg/

[11] 9.3.2015; http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ezb-anleihekaufprogramm-hat-begonnen-renditen-fallen-a-1022523.html

[14][15] https://www.welt.de/finanzen/article112420942/Die-europaeische-Notenpresse-geraet-ausser-Kontrolle.html

[16] 15.10.2017; 12:35 Uhr; https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlich-rechtliches_Kreditinstitut

[17] 8.10.2017; https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Service/Glossar/_functions/glossar.html?lv2=32032&lv3=62252

[19] 8.10.2017; http://www.tagesschau.de/wirtschaft/esm110.html

[Titelbild] Euro-Scheine; Autor: geralt, https://pixabay.com/en/users/geralt-9301/ ; Pixabay; https://pixabay.com/en/money-glut-500-euro-euro-stack-432688/; Lizenz: CC0 Creative Commons

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