Saudi-Arabien als Spiegel der Doppelmoral

Im Beitrag „Israels aktuelle Syrien-Politik – Versuch einer Einordnung“ verwies ich auf den Artikel einer deutschen Gazette, die Saudi-Arabien allen Ernstes als Bündnispartner im Kampf gegen den Islamischen Staat verkaufte. Die plumpe wie gefährliche Lüge, die dafür benutzt wurde, den wahren Charakter und die Ursachen der Kriege im Nahen Osten zu verbergen, veranlasste mich, etwas tiefer in das Thema Saudi-Arabien einzusteigen. Die geheuchelte, moralisch gestützte Empörung deutscher Politiker und Medien, wenn es um den Tod von Menschen geht, wird dabei zwangsläufig offenbar.


Einführend diese bemerkenswerte Aussage aus einem Artikel der  New York Times:

„Daesh has a mother: the invasion of Iraq. But it also has a father: Saudi Arabia and its religious-industrial complex. Until that point is understood, battles may be won, but the war will be lost.“ [1]

„Daesh hat eine Mutter: die Invasion des Irak. Aber er hat auch einen Vater: Saudi-Arabien und seinen religiös-industriellen Komplex. Solange man diesen Fakt nicht verstanden hat, mögen Schlachten gewonnen werden, aber der Krieg wird verloren.“ [Übers. Peds Ansichten]

Wie intensiv sich Saudi-Arabien am „Kampf gegen Daesh“ (Islamischer Staat) beteiligt, möge beispielhaft das hier verdeutlichen:

„Oppositionelle aus der 500.000-Einwohner-Stadt Raqqa, die als Zentrale des „Islamischen Staates“ in Syrien fungiert, berichten, alle zwölf Scharia-Richter seien Saudis. Die dortige Religionspolizei agiert nach saudischem Vorbild.“ [2]

Wenn es um Fassbomben-Angriffe der syrischen Armee ging, waren „Oppositionelle“ (gern auch als „Aktivisten“ betitelt) für deutsche Leitmedien immer eine ausreichend zuverlässige Quelle. Zuverlässig genug, um sofort deren Informationen in moralischer Entrüstung münden zu lassen – im Chor mit der internationalen westlichen Politik. Die Vorgänge im Ost-Aleppo des Jahres 2016 lassen beispielhaft grüßen. Warum nicht auch in diesem Fall?

Anfang des Jahres 2016 wurden sage und schreibe 47 Menschen in Saudi-Arabien hingerichtet. Wie fein Propaganda auch sein kann, dazu gebe ich Ihnen mal eine Kostprobe [3]:



Und – die propagandistischen Kunststückchen erkannt? Dass Obiges geschehen ist, daran besteht kein Zweifel. Folgende Schlagzeilen können das nicht einmal annähernd behaupten [4]:



Die routinierte Exekution von Menschen in Saudi-Arabien ruft Kritik hervor. Ganz so empört kann man ja nicht sein, schließlich handelt es sich um Terrorverurteilte. Und bei solchen Leuten, das hat ja die Hysterie im „Kampf gegen den Terror“ bewirkt, sind wir nicht ganz so empört. Das sind ja keine „normalen“ Menschen und so trifft es zumindest die Richtigen. Im Extremfall muss es auch Ausnahmen geben.

Solche Meinungen sind auch in Deutschland durchaus gängig. Saudi-Arabien erfährt in den deutschen Leitmedien auch keine Benennung wie Diktatur oder Regime. Nein, es ist eine Monarchie, ein Königshaus oder (und daran hat man in Denkfabriken sicher eine Weile gebastelt) ein ultrakonservatives Königreich. [5] Derzeit sollen wir unsere Emotionen nicht gegen Saudi-Arabien richten.

Die niemals bewiesenen Behauptungen von Exekutionen durch syrische Soldaten (möglicherweise, sollen, man habe) dagegen zeigen den kompletten Verlust von Menschlichkeit. Die Vorwürfe erhebt auch gleich mal die objektivste Instanz, die man sich vorstellen kann (glauben Sie es?), die Vereinten Nationen. Im UN-Menschenrechtsrat hat übrigens Saudi-Arabien seit dem Jahr 2006 Sitz und Stimme [6]. Wer wählt warum einen Staat mit einem dermaßen überkommenen politischen System, das die vom Westen gepriesenen Menschenrechte verhöhnt, in den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen?

Wissen Sie, warum ich diesen Aspekt für so wichtig halte? Sie erkennen an diesen Beispielen, wie man ganz gezielt Emotionen bei den Menschen erzeugt. Bei Ersterem, einem tatsächlich Geschehenen wird relativiert, beim Zweiten, einem gestreuten Gerücht wird versucht, unseren Hass zu wecken.

Warum die Emotionen beim Thema Saudi-Arabien nicht hoch kochen sollen, das hat natürlich triftige Gründe. Erstens ist noch nicht bewiesen, dass die amtliche Vollstreckung der Todesstrafe durch Erschießen, den elektrischen Stuhl oder die Giftspritze humaner ist als die durch das Schwert. [7] Ich sehe da keinen Unterschied. Der innigste Verbündete Saudi-Arabiens, die Vereinigten Staaten von Amerika, sind auch kein Staat den man diesbezüglich in unseren Medien emotional angehaucht an den Pranger stellt.

Wenn das aber so ist, dann ist doch die Empörung anderswo niemals echt. Entweder mich entsetzt das juristisch und moralisch legitimierte Töten von Menschen durch Menschen oder es tut das nicht. So hat z.B. der Iran 20 Menschen, mit der Begründung dass es Terroristen waren, die gemordet hatten, hingerichtet [8]:



Ich kann zwar verstehen, was der Iran da tut, weil mir die Ursachen bekannt sind. Was im Irak und Syrien läuft, ist auch im Iran angedacht. Dort wird bereits nach dem gleichen System Terror ausgeübt. Wie gesagt, es geht um Verstehen. Das heißt nicht, dass ich diesen staatlich sanktionierten Mord befürworte. Die Dinge sind geschehen und besitzen eine innere Logik. Es gibt Ursachen, die nicht zuletzt mit der Politik westlicher Nationen zusammen hängen. Das ist übrigens in Saudi-Arabien nicht anders. Das ist auch in den USA nicht anders, wenn per Präsidenten-Erlass tausende Menschen durch Drohnen getötet werden. [9][10][11][12]

Die Denke in den USA ist kein wenig ethischer als in Saudi-Arabien oder auch im Iran. Es geht doch nicht vordergründig darum, wie staatlich befohlen getötet wird. Es geht auch nicht darum, wen es gilt zu töten. sondern darum, dass es als Möglichkeit politischen Handelns überhaupt in Erwägung gezogen wird. Wo für mich das Problem liegt, zeigt die Begründung des iranischen Außenamtssprechers:

„Wir tun alles, um unsere Menschen vor Terroristen zu schützen.“ [13]

Das übersetze ich mal:

„Wir tun alles, um Menschen vor Unmenschen zu schützen.“

Und nur so geht es auch. Sie benötigen eine Emotion, in der Angst zu Hass wird, die es ermöglicht, einen zu bekämpfenden, einen zu vernichtenden Gegner aufzubauen, den Sie zuvor im Geiste entmenschlicht haben! Damit kommen wir wieder zur Doppelmoral, denn in unserer von Propaganda verseuchten Welt müssen natürlich die Gut-Böse-Diktionen geschützt werden. Warum äußert sich also die Europäische Union gegenüber dem „Partner“ USA nicht eben so entschieden wie gegenüber dem Iran?:

„Die Europäische Union hatte die Massenhinrichtung als grausame und unmenschliche Bestrafung bezeichnet. Die EU sei gegen die Todesstrafe unter allen Umständen. Mit Sorge betrachte sie auch die hohe Zahl von Hinrichtungen im Iran.“ [14]

Wenn wir Töten von Menschen durch Menschen bewerten wollen und meinen, dass es manche Menschen verdient haben, andere wiederum nicht. Dann geraten wir zwangsläufig in ein Dilemma. Denn unsere Sicht, unsere ethischen Normen setzen wir als allgemein gültig voraus. Das aber machen die Anderen auch und wenn Sie mit Jenen aneinander geraten, beide Seiten gleich tickend, dann kommt es zum Krieg.

Was wir hier nicht begreifen, ist, dass in Politik und Medien man mit moralischen und ethischen Kategorien spielt, um eigenes Morden zu rechtfertigen. Ethik wird missbraucht, um Krieg zu führen.

Und das funktioniert hier ganz hervorragend, denn die Menschen sind darauf abgerichtet, in Feindbildern zu denken. Wenn es bestimmten Eliten in den Kram passt, könnte es ohne weiteres zu einem konzertierten Aufschrei kommen, mit dem man den Unrechtsstaat Saudi-Arabien anprangern und entschlossen Veränderungen fordern würde. Die Menschen würden wieder nicht erkennen, dass ihre dann willkommene Empörung nur dazu dient, egoistische Interessen von Machtgruppen um zu setzen. Denn weder davor noch danach ging es wirklich um den ethisch verwerflichen Aspekt des Tötens anderer Menschen.

Und weil das so ist, versteht sich deutsche Politik und Wirtschaft auch so prima mit Saudi-Arabien. [15] Es geht um’s Geschäft, um Notwendigkeiten, um Zwänge; begründete Zwänge. Und wir landen an einem Punkt, an dem es um die grundsätzliche Art des Finanzsystems, des Wirtschaftens und der Ideologie dahinter geht. Hier ein weiteres Propaganda-Lehrstück, aber versuchen Sie sich auch, in den Schiffswerker in Wolgast hinein zu versetzen, der mit dem dicht machen der Werft möglicherweise jede berufliche Perspektive verliert [16]:



Warum würde der Werftarbeiter keine Perspektive erkennen? Sehen Sie, was den Menschen hier angeboten wird? Ein politisches Konzept – und zwar das der Alternativlosigkeit! Ein Konzept das unter allen Umständen den Schutz des gegenwärtigen neoliberalen Wirtschaftssystems sicher zu stellen hat. Ohne Rüstung kein Wirtschaftswachstum. Und am besten sind die in Kriegsgebiete verkauften Waffen. Denn sie werden benutzt, zerstört und müssen deshalb erneut gebaut werden. Je kürzer die Lebensdauer von Waffen und Munition, umso besser. Waffen zerstören. Sie vernichten das tatsächlich für die Menschen Wichtige, Lebensnotwendige. All das muss wieder aufgebaut werden – gut fürs Wirtschaftswachstum. Gut für eine abgefahrene Ideologie und ein zerstörerisches Gesellschaftssystem. Und in dieser geistigen Matrix bewegen wir uns.

In diese Sackgasse, dass sie im gegebenen Moment aus pragmatischen Gründen nicht anders handeln können, werden auch Politiker geführt! Denn die sehen sich, getrimmt und verzagt von der erhaltenen Indoktrination, außerstande den Menschen etwas anderes anzubieten. Am geleimtesten ist der Beschäftigte selbst, der – im Banne der Matrix – keinerlei Ahnung hat, dass die Alternativlosigkeit, die ihm da vorgespielt wird, schlichte Propaganda ist.

Wenn man gegenüber Syrien mit Wirtschaftssanktionen hantiert, die das Land regelrecht zu erdrosseln drohen, warum tut man es gegenüber Saudi-Arabien nicht?

Saudi-Arabien kommt den wirtschaftlichen Notwendigkeiten vor denen Deutschland in seiner Alternativlosigkeit gestellt ist, entgegen; und Syrien nicht – so einfach ist das!

Was interessiert der Islamische Staat und die Finanzierung durch dessen größten Protege‘ Saudi-Arabien da die selbst ernannten Ethik-Kommissionäre hierzulande? Nichts. Der Rest ist billige Propaganda, in der davon geschwafelt wird, dass der politische Einfluss Deutschlands auf Saudi-Arabien zu gering sei und das weder die Lieferung noch die Nicht-Lieferung von Gütern (einschl. Rüstungsütern), den Gefangenen und Todeskandidaten nützt oder schadet. [17] Im Falle Syrien ist dem gleich geschalteten Politik- und Medien-Chor exakt diese Argumentation verlustig gegangen und fleißig wird die emotionale Keule geschwungen, um das „böse Assad-Regime“ zu disziplinieren. Und das ist eben verlogen.

Die Rolle Saudi-Arabiens wie auch Katars als Finanzier der salafistischen Terroristen in Syrien und im Irak ist unstrittig. Die Leser sind herzlich eingeladen selbst zu forschen – und zu liefern. Die nachfolgenden Belege sind nur die Spitze des Eisbergs. Immerhin hat im Jahre 2016 sogar die britische Regierung offiziell festgestellt, dass der IS tatsächlich aus dem Hause Riad finanziert wird. [18][19][20]

Diese Waffen hat das Haus Riad wie auch die USA zuvor in ganz Europa zusammen gekauft. Das berichtete die BBC unter Berufung auf Forschungsergebnisse des Conflict Armament Research (CAR). Dabei dauerte es gerade mal zwei Monate, bis in Osteuropa produzierte Waffen und Munition den Weg (über Saudi-Arabien) zum Islamischen Staat gefunden hatten. [21]

Sie ahnen, über welches Land die Waffen zum IS schließlich reisten?

„Eingekauft werden diese Waffen von den USA und Saudi-Arabien, um dann über die Türkei in die Konfliktgebiete nach Syrien und in den Irak geliefert zu werden.“ [22]

Das Balcan Investigative Reporting Network (BIRN) fand heraus, dass viele der Waffen an Saudi-Arabien durch Kroatien (aus Altbeständen) und Serbien (aus Neuproduktion) geliefert wurden. Kroatien biederte sich damit sogar bei der US-Administration an. Während Deutschland mit Saudi-Arabien legal Waffengeschäfte tätigt, tun das weitere osteuropäische Staaten unter der Hand. Tschechien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Montenegro, die Slowakei und Rumänien. Sie alle verdienen mehr oder weniger illegal am Krieg in Syrien. [23][24][25]

Der Belgrader Flughafen Nicola Tesla mutierte zum Drehkreuz dieses schmutzigen Handels, über den die nachgewiesene unglaubliche Summe von 1,2 Milliarden Euro an Rüstungsgütern den Weg über Saudi-Arabien und die Türkei zu den terroristischen Banden nahmen. [26] Die unerschöpfliche Kampfkraft der al-Qaida-Milizen und ihres Abkömmlings IS wird so allzu verständlich.

Dabei ist es für mich von keinerlei Bedeutung, ob der Fluss an Waffen und Munition in Richtung Saudi-Arabien (und übrigens auch Katar) nun legal oder illegal ist. Deutschland hat daher auch keinen Grund, mit dem Finger auf die osteuropäischen Staaten zu zeigen – wenn es nicht diesen Handel sogar ganz bewusst duldet. Zudem ist es auch egal, ob es sich um passive (z.B. Schutzwesten oder Funkgeräte) [27] oder aktive Ausrüstung handelt.

Bereits 2013 berichtete Der Spiegel, dass die „Aufständischen“ im Besitz von durch Saudi-Arabien gelieferte Milan-Raketen seien, die gemeinsam von Deutschland und Frankreich produziert werden. [28] Alles gemeinsam zeigt nur, dass das ganze demokratische Europa den Terrorismus in Syrien, im Irak und im Jemen aufrüstet; um parallel dazu in der Öffentlichkeit seine „Besorgnis über den Bürgerkrieg“ zu heucheln. Was die beiden feudal angehauchten demokratie-fremden Staaten mit diesen Rüstungsgütern anstellen, ist für alle Menschen sichtbar; Krieg führen.

In welch absurden, der Logik widersprechenden Inhalten Propaganda an die Frau und den Mann gebracht wird, dazu nun an dieser Stelle ein weiteres Schmankerl:

„Bislang liefern hauptsächlich arabische Nationen und Golfstaaten wie Katar Waffen an die Rebellen, viele dieser Transporte sind offenkundig auch mit den USA abgestimmt. Selber Waffen liefern will jedoch auch US-Präsident Barack Obama nicht, zu groß scheint die Gefahr, dass modernes Kriegsgerät wie Luftabwehrraketen in die Hände von islamistischen Kämpfern in den Reihen der Rebellen gelangt.“ [29]

Und, haben Sie erkannt, wie absurd die Worte des Spiegel-Journalisten sind?

Also: Wenn ich einem Land modernes Kriegsgerät liefere und weiß, dass dieses Land modernes Kriegsgerät an Terroristen weiter reicht, dann weiß ich, dass es eine Gefahr ist, Ersterem moderne Waffen zu verkaufen. In der Mathematik nennt man das wohl Transitivität. Aus dieser ergibt sich der (Un-)Sinn der Worte. Barack Obama weiß, dass die Ölmonarchien die Rebellen hoch rüsten, sieht aber nur eine Gefahr wenn die USA das auch selbst direkt tun würden.

Wie bitte?

Peinlich eigentlich, aber im Geflecht der Propaganda fällt den Menschen der doch offensichtliche Widerspruch überhaupt nicht auf. Dem Spiegel-Journalisten schon gar nicht. Warum das Geschäft wirklich über Saudi-Arabien läuft, kann der Führer der demokratischen Wertegemeinschaft natürlich nicht aussprechen, denn so würde er ja dieser die Maske vom Gesicht reißen, die ein brutales, von Empathie freies Wirtschaftssystem zu Tage treten ließe.

Die USA machen das Geschäft [30], Saudi-Arabien macht die Drecksarbeit und bezahlt – nicht nur mit Dollars sondern auch mit der Gefahr des eigenen Untergangs. Und außerdem kann Washington so seine strategischen Spielchen mit eigener Kostenminimierung weiter führen. Und selbstverständlich wussten die USA auch im Jahre 2013, wer letztlich Adressat der saudischen Waffenlieferungen sein sollte – so war es ja auch von ihnen gewollt!

Immerhin berichtete das gleiche Blatt von einer viertägigen Reise (!) der sogenannten deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Dezember des Jahres 2016 bei den Freunden im saudischen Königshaus; Freunde? Wie anders, wenn es sich während des Besuches vor allem auch um militärische Zusammenarbeit drehte? Klar, was mit dem Unrechtsstaat Katar geht, warum soll das nicht auch mit Saudi-Arabien machbar sein, oder? Achten Sie auf das Wording, dass den nach innen wie außen sektiererischen Terrorstaat als Königreich umschmeichelt:

„Das Königreich Saudi-Arabien drängt auf eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland im militärischen Bereich. Nach SPIEGEL-Informationen sollen saudi-arabische Soldaten von der Bundeswehr ausgebildet werden. Außerdem rechnet das Bundesverteidigungsministerium mit einer Anfrage, Soldaten nach Saudi-Arabien zu entsenden. Sie sollen dort als Experten für ein neu gegründetes Anti-Terror-Zentrum einer von den Saudi-Arabern gegründeten Militärkoalition in Riad eingesetzt werden.“ [30]

Die Öffentlich-Rechtlichen Medien schafften es dabei tatsächlich, den sogenannten saudischen Verteidigungsminister als „Reformer“ zu stilisieren, jener der gerade hauptverantwortlich für das Zerbomben des südlichen Nachbarstaates Jemen ist. Aber da die deutsche Kriegsministerin sich mit ihm traf, musste wohl eine kleine „Umdeutung“ stattfinden. [31] Es sei noch erwähnt, dass diese Nachricht es in die Internet-Präsenz der ARD schaffte; der, wie gesagt, viertägige Besuch von der Leyens in der Fernseh-Abteilung des Senders jedoch komplett tot geschwiegen wurde. So läuft selektive, bewusst manipulierende Berichterstattung. [32]

Als man Russland im Herbst 2015 vorwarf, den Krieg in Syrien mit seiner aktiven militärischen Unterstützung der syrischen Armee zu eskalieren, zeugte das von einer Verlogenheit ohne Gleichen, denn zuvor war der Waffentransfer aus Europa für die „Rebellen“ im gleichen Jahr in ungeahnte Höhen geschnellt. [33]

Während also die europäischen Demokratien gemeinsam mit den USA den Krieg, die Eskalation und das Schlachten in Syrien erst ermöglichten, sprachen sie dem Land das Recht auf Selbstverteidigung ab.

Und nun?

Liebe Leser, wie sehen Sie das? Wo ist unser Problem, wenn wir über geschehenes oder vermeintliches Unrecht in Syrien, im Iran, in Saudi-Arabien urteilen, verurteilen, uns empören; oder es verdrängen? Unser Problem ist, dass sowohl das Eine als auch das Andere nicht mit wirklicher Empathie zu tun hat. Für andere Menschen zu empfinden, wirklich ernsthaft und tiefgründig mit zu fühlen, kann nicht mit der Oberflächlichkeit funktionieren, mit der wir mittels Propaganda durch die Manege geführt werden. Tatsächlich zu verstehen, setzt voraus, dass wir – jeder für sich – die eigene Rolle prüfen. Und wir haben alle ein Rolle; auch in Bezug auf die deutsche Politik gegenüber Syrien und Saudi-Arabien. Was meinen Sie, welche könnte das sein?

Es bietet sich regelrecht an, das WARUM der saudischen Politik weiter zu untersuchen. Das aber soll Thema des Folge-Artikels sein.


Quellen

[1] Kamel Daoud; 21.11.2015; New York Times; http://www.nytimes.com/2015/11/21/opinion/saudi-arabia-an-isis-that-has-made-it.html?_r=0

[2] Die Klingen Arabiens; Martin Gehlen; 13.10.2014; http://www.handelsblatt.com/politik/international/hinrichtungen-in-saudi-arabien-die-bekommen-ihre-gerechte-strafe/10830296-2.html

[3] 2.1.2016; http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-01/saudi-arabien-todestrafe-nimr-al-nimr

[4] http://www.n-tv.de/politik/UN-Assads-Armee-richtet-82-Zivilisten-hin-article19314371.html

[5] Der Terror frisst seine Kinder; Paul-Anton Krüger; 17.12.2015; http://www.sueddeutsche.de/politik/saudi-arabien-der-terror-frisst-seine-vaeter-1.2785590

[6] 7.1.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Menschenrechtsrat

[7] 12.1.2017;http://www.dailymail.co.uk/news/article-4111682/Texas-death-row-inmate-Christopher-Wilkins-executed-lethal-injection.html

[8][13][14] https://web.de/magazine/politik/iran-verteidigt-massenhinrichtung-31789458; Quelle: dpa

[9] 21.6.2007; http://www.presseportal.de/pm/7899/1005148

[10] 19.10.2009; https://de.sputniknews.com/politik/20091019123566612/

[11] 20.12.2009; http://www.hintergrund.de/kurzmeldung/terroranschlag-im-iran-sind-usa-und-grossbritannien-die-drahtzieher/

[12] Joe Becker, Scott Shane; 2.6.2012; https://www.welt.de/politik/ausland/article106405037/Barack-Obama-der-Herrscher-ueber-die-Todesliste.html

[15] 2016; https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Aussenhandel/Tabellen/RangfolgeHandelspartner.pdf?__blob=publicationFile

[16][17] Wenn Deutschland nicht mehr liefert; 11.1.2016; http://www.taz.de/!5263588/

[18] http://www.publications.parliament.uk/pa/cm201617/cmselect/cmfaff/121/121.pdf?utm_source=121&utm_medium=module&utm_campaign=modulereports

[19] 13.7.2016; https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/13/britisches-parlament-golf-staaten-finanzieren-terror-miliz-isis/

[20] 13.7.2014; Patrick Cockburn; The Independent; http://www.independent.co.uk/voices/comment/iraq-crisis-how-saudi-arabia-helped-isis-take-over-the-north-of-the-country-9602312.html

[21] 22.11.2016; https://www.youtube.com/user/bbcnews; https://www.youtube.com/watch?v=r8bwCj3lfsg

[22] Sonja Ozimek; 24.11.2016; http://www.epochtimes.de/politik/welt/forscherteam-deckt-auf-usa-und-saudi-arabien-kaufen-waffen-in-osteuropa-die-spaeter-beim-is-landen-a1983658.html

[23] 17.8.2016; http://www.epochtimes.de/politik/welt/illegale-waffenlieferungen-westliche-geheimdienste-und-saudis-versorgen-terroristen-mit-waffen-aus-europa-a1923415.html

[24] http://www.nytimes.com/2013/02/26/world/middleeast/in-shift-saudis-are-said-to-arm-rebels-in-syria.html

[25] http://www.balkaninsight.com/en/article/making-a-killing-the-1-2-billion-euros-arms-pipeline-to-middle-east-07-26-2016

[26][31] 29.8.2016; http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP11716_290816.pdf

[27][29] Holger Stark, Matthias Gebauer; 26.5.2013; http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-deutschland-liefert-schusswesten-an-assad-gegner-a-901956.html

[28] 29.6.2013; http://www.spiegel.de/politik/ausland/waffenlieferungen-nach-syrien-die-rebellen-ruesten-auf-a-907689.html

[30] 7.12.2017; http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-soll-saudi-arabiens-militaers-ausbilden-a-1124789.html

[31] 8.12.2016; https://www.tagesschau.de/ausland/von-der-leyen-saudi-arabien-101.html

[32] 8.12.2016; http://www.tagesschau.de/ausland/waffenexport-nach-saudi-arabien-101.html

[33] https://propagandaschau.wordpress.com/2016/12/12/westliche-werte-ard-und-zdf-verschweigen-viertaegigen-besuch-von-der-leyens-bei-arabischen-freunden/

[Titelbild]

Original-Datei: saudi_arabia_sunset_mosque_218275.jpg; Titel: Saudi arabia sunset mosque; Quelle: http://all-free-download.com/free-photos/download/mecca-mekkah-saudi-arabia_225270.html; Autor: GLady (https://pixabay.com/de/users/GLady-768/); Lizenz: Public Domain; nachbearbeitet durch Peds Ansichten

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