Werbung für die Bundeswehr – Ein Fallbeispiel in mehreren Akten (1)

Kaum ein Mensch wird verneinen, wenn man ihn fragt, ob er für den Frieden ist. Und rasch findet der Gesprächspartner Ursachen von Kriegen. Wie geschmeidig wir einerseits im Falle von Krieg und Frieden unsere eigene Verantwortung jedoch auszublenden versuchen, was auf der anderen Seite aber auch möglich ist. Das möchte ich in anhand eines Fallbeispieles in dieser weiteren Artikelreihe aufzeigen.


Warum?

Das untersuchte Fallbeispiel möchte erklären, inwieweit unser alltägliches Verhalten Einfluss auf Krieg und Frieden nimmt. Es beschreibt, dass unsere ganz menschlichen Verhaltensweisen wie Bequemlichkeit, Egotismus, unterdrückte Empathie, Gier und Ängste unser Leben bestimmen und dadurch aber auch mit dem Leben von Menschen wechselwirken, die wir niemals zu Gesicht bekommen. Wir werden feststellen, dass der Friedensgedanke durch die Mühen der Ebene gekennzeichnet ist, dabei aber Menschen kooperieren und schöpferisch kommunizieren lässt und uns so auch in durchaus glücklich machender Weise erfüllen kann. Frieden leben ist nicht (belastende) Arbeit sondern Leben mit Herz und Empathie.

Es geht nicht um Schuld

Worum es hier nicht geht, ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Auch aus diesem Grund werden die Namen der Akteure (die mir im wesentlichen bekannt sind) nicht aufgeführt. Es geht um das Darlegen von Mechanismen, um das eigene Reflektieren und die sich ergebende Möglichkeit, ohne irgend eine Übernahme von Schuld in eigener Verantwortung Schlussfolgerungen zu ziehen – oder eben auch nicht.

Ein Dank im voraus

Meine Rolle ist im Grunde nur die des Dokumentators. Denn den Einsatz haben andere Menschen geleistet. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, eine Geschichte zu erzählen, die sich in ähnlicher Weise zig tausendfach jeden Tag in unserem Land ereignet. Ihnen danke ich an dieser Stelle sehr herzlich. Doch nun wollen wir uns an die Geschichte selbst, die ich der besseren Übersicht wegen in mehreren Teilen erzähle, heran wagen. [a1]

Eine Stadt und ein Unternehmen

Die sächsische Landeshauptstadt Dresden ist sozusagen eine Vorzeigestadt im Osten der Republik. Wirtschaftlich, baulich, kulturell und landschaftlich hat sie so einiges zu bieten und die meisten Besucher schwärmen von Dresden, wenn sie die Stadt einmal besucht haben. Und viele beeindruckt der öffentliche Personennahverkehr in dieser Stadt. Ausgestattet mit einem modernen Fuhrpark, einem dichten Straßenbahn- und Busnetz, modernen Verkehrsleit- und Fahrgastinformations-Systemen ist es ein Vorzeigeunternehmen Dresdens.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) befördern pro Jahr über 150 Millionen Fahrgäste, beschäftigen fast 1800 Mitarbeiter und machen jährlich knapp 120 Millionen € Umsatz. Die DVB sind eine Aktiengesellschaft (AG) deren hundertprozentiger Anteilseigner die Technischen Werke Dresden (TWD) sind, die wiederum vollständig von der Landeshauptstadt Dresden betrieben werden. Die DVB sind ein modernes Unternehmen mit einem attraktiven Angebot, soweit ein paar Fakten. [1]

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist eine Leistung von Kommunen für ihre Bewohner und wird über Einnahmen plus Bezuschussungen des Gesellschafters finanziert. ÖPNV kostet als Leistung für alle Menschen innerhalb der Gesellschaft insgesamt mehr, als es (finanziell!) einbringt. Der Zweck der Einnahme von Steuern liegt nun darin, über diese Mittel Leistungen zu finanzieren, die sich (aus fiskalischer, unternehmerischer Sicht!) nicht rechnen, aber der Allgemeinheit nutzen. Im Rahmen über Geldsysteme regulierter Gesellschaften können Steuern ein sinnvolles Instrument zur Pflege der Solidargemeinschaft sein. Die DVB ist als kommunale- und Aktien-Gesellschaft natürlich verpflichtet; dem Aktionär wie dem Steuerzahler. Und sie ist angehalten, mit den Mitteln sorgsam umzugehen. Dass sie ihre Einnahmesituation über die Vergabe von Werbeflächen auf ihren Verkehrsmitteln und der Infrastruktur zu verbessern sucht, auch das ist logisch und nachvollziehbar.

Werbung und Propaganda, das ist ein zweischneidiges Schwert und inwieweit beides unserer Gesellschaft dienlich ist, darf stark hinterfragt werden. Um so mehr, wenn Werbung für eine Institution betrieben wird, die zur Durchsetzung von Machtinteressen im Ausland militärisch tätig ist – die Bundeswehr.

Diese – seit einigen Jahren Berufsarmee – wirbt seit dem Jahr 2015 (auch) auf Dresdner Straßenbahnen mit „attraktiven, zukunftssicheren Jobs“ für den Kriegsdienst.

Geht es nach ihm, soll künftig auch keine Bundeswehr-Straßenbahn durch Dresden rollen.

Ja, das ist die Frage: Was zählt wirklich? Und welche Karriere wird hier angeboten?

Bildergebnis für Bundeswehr-Straßenbahn Dresden

Welchen verfassungsmäßigen Auftrag hat eigentlich die Bundeswehr und wirbt sie in dem Sinne für die Landesverteidigung? Kaum!

  1. Frage: Welchen der Leser stört es – so wie mich – dass die Bundeswehr (welche nebenbei gesagt über Steuermittel finanziert wird) Werbung auf öffentlichen Verkehrsträgern machen darf?
  2. Frage: Welche der Leser treibt die Unzufriedenheit mit dem beschriebenen Sachverhalt so weit um, dass sie aktiv werden (würden), um die Dinge zu ändern?

Doch nun haben erstmal die Helden meiner Geschichte das Wort.

Ein Mensch wird aktiv

Ein guter Freund, nennen wir ihn hier einfach Herr Nansen, schrieb im November 2015 einen Brief an die Dresdner Verkehrsbetriebe AG:


Liebe Menschen,

ich selbst habe kein Auto und fahre am liebsten Fahrrad oder bin zu Fuß unterwegs. Aber gerade in der kalten Jahreszeit schätze ich den öffentlichen Nahverkehr sehr. Ich bin in dieser Zeit dann sozusagen Kunde bei Ihnen, da ich mir eine Monatskarte kaufe.

Ich bin ein aufmerksamer Beobachter und mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass Sie als DVB für die Bundeswehr Werbeflächen an Haltestellen und sogar auf Straßenbahnen zur Verfügung stellen. Mir ist schon klar, dass Sie als DVB in einem knallharten Kampf zur Automobilindustrie und anderen Alternativen stehen. Und nur eine gut organisierte Firma kann so etwas auch stemmen und Werbeeinnahmen sind sicher eine Säule zur Kostendeckung.

Aber ich mach mir da so meine Gedanken und nun möchte ich eben diese an Sie in dieser Form formulieren. Ich selbst habe früher Wehrdienst geleistet und konnte den Ansatz einer wehrhaften Demokratie vertreten. Doch schon als der Umbau der Bundeswehr begann, habe ich dies Entwicklung als sehr kritisch betrachtet.

Artikel 26 Grundgesetze Verbot des Angriffskrieges
(1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.
(2) Zur Kriegsführung bestimmte Waffen dürfen nur mit Genehmigung der Bundesregierung hergestellt, befördert und in Verkehr gebracht werden. Das Nähere regelt das Bundesgesetz. [2]

Gerhard Schröder sagte am 09.03.2014 in einem Interview mit der Zeit folgendes:

Hier spricht er eindeutig davon, dass bereits der Krieg in Jugoslawien völkerrechtswidrig war. Warum dieser Mensch noch frei rumläuft, weiß ich nicht, denn es war eine glasklare Aussage. Warum verfolgt die DVB Schwarzfahrer massiver, als der Gerichtshof in Den Haag einen Kriegsverbrecher? Sind diese Menschen seriöser, weil sie Schlips und Anzug tragen?

Deutschland exportiert Waffen in viele Regionen der Erde und ist der viertgrößte Exporteur von Rüstungsgütern. Die Liste der momentanen „Einsätze“ der Bundeswehr liest sich wie folgt:

  1. Afghanistan (Resolut Support und UNAMA)
  2. Kosovo
  3. Mittelmeer (OAE und EUNAVOR Med Sophia)
  4. Horn von Afrika
  5. Libanon
  6. Türkei
  7. Unterstützung Irak
  8. Mali (EUTM Mali und MINUSMA)
  9. Somalia
  10. Sudan
  11. Südsudan
  12. Westsahara
  13. Liberia

Quelle: http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/…IvyHZUBABmZcLy/ (Einsatztagebücher der Bundeswehr) [Anm. PA: Stand Herbst 2015]

Wenn Sie sich die Mühe machen und auf dieser Webseite nachsehen, dann können Sie die Einsatztagebücher nachlesen. Eine Chronik des Grauens. Und es geht nicht nur um die Menschen, die durch die Bundeswehr getötet werden, denn dazu gibt es keine offiziellen Zahlen und auch Anfragen werden nicht beantwortet. Mir geht es um junge Männer und Frauen die weit der Heimat in einem Krieg kämpfen müssen, der nicht der Krieg dieser Soldaten ist. Wir müssen diesen armen Menschen helfen, denn viele Soldaten/innen kommen traumatisiert wieder und mussten unter Umständen andere Menschen töten, damit sie selbst nicht sterben.

Wie ist dies alles mit dem Grundgesetz vereinbar? Meinen Sie wirklich, dass Personen die uns heute regieren nur im Sinne des Völkerrechts agieren? Glauben Sie wirklich solchen Menschen, die im „Sicherheitsrat“ Milliarden schwere Deals durch winken, wirklich im Interesse von uns Menschen handeln?

Die Bundeswehr ist Teil der NATO, was meiner Ansicht nach kein Verteidigungsbündnis mehr ist. Es werden Angriffe gegen souveräne Staaten durchgeführt. Dort wird massiv Uran-Munition verwendet. Uran hat eine Halbwertszeit von 4,468 Milliarden Jahre. Es entstehen massive genetische Schäden auch bei unseren Soldaten/innen. Diese Teile der Erde sind für lange Zeit verseucht, die Menschen können dort nicht mehr Leben. Kinder kommen mit den schlimmsten Missbildungen zur Welt, teilweise kaum als Menschen zu erkennen. Ich habe Ihnen zwei Bilder angehängt, schauen Sie sich das an! [a2][b4-b5]

Wie gesagt, ich kann Ihr wirtschaftliches Interesse als Unternehmen nachvollziehen, aber ich ertrage es einfach nicht, dass in meiner Stadt auf subtile Weise über Werbung vermittelt wird, die Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber.

Würden Sie Ihre Kinder zur Armee lassen? Glauben Sie an das Grundgesetz? Ist es Ihnen egal, dass deutsche Eltern vor Tränen umkommen, weil Ihr Kind für irgendwelche Interessen sterben musste? Wie geht es Eltern von Menschen die in Afghanistan, Mali oder Sudan ihre Kinder verlieren, weil sie erschossen oder von Drohnen getötet wurden? Vielleicht müssen die nicht weinen, denn wenn sie Pech haben, dann standen sie daneben.

Wie würde es uns gehen, wenn fremde Streitkräfte unser Land besetzen? Ist Ihnen dies alles so egal, dass Sie nur um Werbeeinnahmen zu generieren auch für eine Berufsarmee werben müssen? Wo ist Ihre Ethik, wo ist Ihr Herz, wo ist Ihr Verstand? Wer entscheidet solche Dinge? Sind diese Menschen denn nicht in der Lage differenziert die Dinge zu betrachten oder ist es schlichtweg egal, wer Werbung macht?

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie Dresden und Sachsen medial in den Dreck gezogen wird, nur weil die Menschen sich spalten lassen und Rattenfängern aufsitzen. Aber sollten Sie als Unternehmen nicht Vorbild sein? Ich finde es ja total gut, dass Sie viel über Nachhaltigkeit und Ökologie nachdenken, denn ja, Benzin und Diesel wird mit Blut bezahlt; Blut von unschuldigen Menschen.

Ich bitte Sie, meine Fragen zu beantworten und ich behalte mir als Mensch vor, diese E-Mail zu veröffentlichen und bei nicht Beachtung oder unzureichender Beantwortung über die freien Medien darüber zu berichten.

Ich hoffe, dass Sie meine Worte nicht als Angriff gegen Sie als DVB verstehen oder einzelnen Menschen die bestimmte Entscheidungen fällen, aber so kann es doch nicht mehr weitergehen! Wir müssen Frieden leben und nicht so tun, als wäre alles in Ordnung.

Ich erwarte in angemessener Zeit eine Reaktion von Ihnen und hoffe, ich konnte Sie nachdenklich stimmen. Denn wenn Sie wirklich nachdenken, dann müssen Sie einfach solche Dinge vermeiden, zum Wohle aller Menschen. Und dass die Situation sehr kritisch wird, erleben Sie genauso wie ich. Und die Bundeswehr in der heutigen Form ist ein Teil dieses Problems. Die NATO und die Bundeswehr führen weltweit Krieg, zerstören den Lebensraum, machen ihn unbewohnbar und wir wundern uns dann, warum so viele Menschen zu uns kommen? Sind Sie wirklich so naiv oder geht es hier nur ums Geschäft? Wer ist namentlich für solche Entscheidungen verantwortlich?

So hart es klingt, aber ja, moralisch sind auch Sie verantwortlich am Elend von vielen Menschen. Dies passiert wahrscheinlich unbewusst. Nun aber haben Sie eine Betrachtung und ich möchte gerne den Standpunkt der DVB hören. Ansonsten muss ich mir stark überlegen, ob ich überhaupt noch Kunde sein möchte, auch wenn es für mich dann unbequemer ist, aber meine Würde friert lieber und kommt eben langsamer ans Ziel, doch immer noch besser als sich das Rückgrat nach hinten zu verbiegen. Denn ich möchte wenigstens meinen Kindern in die Augen sehen können.

Ich bitte um Antwort!

Herzliche Grüße
Herr Nansen


Was Herr Nansens Brief von Petitionen unterscheidet

Herr Nansen unterzeichnete also nicht mit einem zweiminütigen Zeitaufwand eine Petition. Nichts gegen Petitionen, aber seien wir doch ehrlich, sind sie nicht wunderbar bequem? Die Denkleistung haben andere für uns erbracht. Wir setzen nur noch unser Signum darunter und unser nagendes Gewissen ist beruhigt. Eine Petition ist eine Geste, nichts schlechtes. Aber mehr als eine Geste ist es eben nicht. Vielleicht ist es Ihnen ja auch aufgefallen, dass Petitionen nicht wirklich gesellschaftliche Veränderungen bewirken.

Ich rede Petitionen nicht schlecht. Aber es sind Gedanken, mit denen Sie sich – überwiegend emotional – solidarisieren, aber allenfalls oberflächlich reflektieren. Es sind nicht Ihre originären Gedanken. Und der Adressat einer Petition sieht EINEN uniformen Text und eine Masse von Unterschriften. Doch die schiere Zahl, was sagt Sie uns? Der (vermeintliche) Erfolg hinter der Zahl ist ein fragwürdiger. Kennen Sie die „erfolgreichste“ Kampagnen-Plattform der Welt? Es ist Avaaz.

Wer Avaaz ins Leben rief und welche Methoden von Avaaz angewendet werden; darüber wurde hier und hier und hier und auch hier schon einiges geschrieben. Die Methode ist es, die viel zu wenig kritisch untersucht wird – was den Netzwerken um Avaaz zugute kommt. Immer mal wieder wird das hässlich klingende Wort Zombifizierung benutzt. Hässlich, ja, aber es trifft zu. Wenn Menschen ihr Gesicht verlieren um in einer Einheitsmasse gleichen Gedankenguts unter zu gehen, zombifizieren sie sich.

Herr Nansen ging einen anderen, unbequemeren aber viel tiefgründigeren Weg. Er machte sich seine ganz eigenen Gedanken und brachte sie zu Papier. Und er suchte direkte Ansprechpartner – Menschen. Stellen Sie sich einfach den Unterschied vor zwischen dem Eingang einer Petition mit hunderten Unterschriften einerseits – einer Beliebigkeit mit der einzigen Aussagekraft in der Zahl – und hunderten Briefen, alle mit dem einzigartigen Herz und Geist des jeweiligen Menschen verfasst. Allein das Befassen mit einer solchen Post läuft (auch psychologisch) auf einer anderen Ebene ab; und zwar sowohl für den Absender als auch für den Adressaten. Und wissen Sie, nach Nutzung von Herrn Nansens Variante fühlen Sie sich auch anders!

So weit der Beginn dieser Geschichte. Und so viel sei schon verraten: Herr Nansen bekam Antwort. Was glauben Sie, welchen Inhalts sie sein könnte?

Ihre Gedanken dazu sind mir wichtig, vielleicht finden Sie ja die Worte.

Fortsetzung folgt


Anmerkung

[a1] Den Stoff für diese Geschichte lieferte mir das Handeln von Menschen aus den Reihen der Mahnwache für Frieden Dresden.

[a2] Die Bilder stammen aus Afghanistan, wo die westlichen Besatzungstruppen große Mengen an Uranmunition verschossen.

Quellen

[1] 22.2.2017; https://www.dvb.de/de-de/die-dvb/unternehmen/

[2] 22.2.2017; https://dejure.org/gesetze/GG/26.html

Bildquellen:

[b1] Datum: 7.1.2017; Titel: Im Flecktarn durch Dresden; entnommen aus: http://www.sz-online.de/nachrichten/bundeswehr-tram-faehrt-noch-ein-jahr-3581827.html; Quelle: Bundeswehr/M. Glinker; Lizenz: k.A.

[b2] 19.8.2016; https://www.tag24.de/nachrichten/dresden-bundeswehr-werbung-schollbach-linke-153570; Lizenz: k.A.

[b3] 13.2.2017; https://www.tag24.de/nachrichten/wo-bleibt-die-neue-woba-schollbach-dresden-interview-216110; Lizenz: k.A.

[b4-b5] 2010; https://ansarulhaqq.wordpress.com/2010/09/12/opfer-von-uranmunition-verwendet-durch-us-terroristen-in-afghanistan/; Lizenz: k.A.

Titelbild; File:German Army Leopard 2, assigned to 104th Panzer Battalion.jpg; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:German_Army_Leopard_2,_assigned_to_104th_Panzer_Battalion.jpg?uselang=de; Originalquelle: http://www.flickr.com/photos/usarmyeurope_images/8124205192/in/set-72157631688658714; Autor: US-Army; Lizenz: Public Domain; Bild wurde bearbeitet (Fensteranpassung)

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5 Kommentare zu Werbung für die Bundeswehr – Ein Fallbeispiel in mehreren Akten (1)

  1. adolfkurt sagt:

    Zu AirBon01
    Natürlich hat alles seine Hintergründe und Zusammenhänge, die in so einem ausgezeichneten Artikel, wie von Ped nicht alle aufgeführt werden können. Ich finde es nicht notwendig, darauf hinzuweisen, daß es tatsächlich eine sichere und finanziell ansprechende Verführung ist, zum Bund zu gehen. Wir wissen, daß unsere Freiwilligenarmee aus ca. 170000 Beschäftigten bestehen, die in ihrer Tätigkeit den sportlichen Inhalt, die gegenseitige Kameradschaft und das Ausgesorgtsein sehen. Sie sind Kinder und Menschen unserer Zeit, daß heißt, politische Blindgänger, neoliberal Erzogene und Manipulierte.

    Ped hat die militärischen Einsätze und Ziele herausgearbeitet und damit den gesunden Menschenverstand angesprochen, zumindest, wenn wir schon zur Zeit nicht mehr tun können oder wollen, die Werbung zu untersagen.

    Mein Vorschlag zusätzlich:
    Wenn sich die Werbung gegenwärtig nicht unterbinden läßt, dann sollten wir durchsetzen, daß wie auf den Zigarettenschachteln auf der Bundeswehrwerbung deutlich steht (Entwurfsbeispiel):
    Die Tätigkeit in der Bundeswehr kann tödlich sein oder zu persönlichkeitszerstörenden Verletzungen führen.
    Da das Töten von Menschen strafbar ist, wenn man an Aktionen und Kriegseinsätzen teilnimmt, die eine Verletzung des Grundgesetzes und der UNO-Beschlüsse darstellen, müssen sie damit rechnen, daß sie sich wegen Kriegsverbrechen vor einem Gericht zu verantworten haben.

    Ich möchte noch einen zweiten Schwerpunkt ansprechen:
    Die Bundeswehr, von der Kriegsministerin als familienfreundliches Unternehmen gedacht, doziert und wirbt regelmäßig in den Schulklassen. Dabei werden die Werbefilme von einer wunderbaren Technik gezeigt, die viele Jugendlichen sehr gern bedienen wollen. Denn es sei ja fast ungefährlich. Und die Vernichtung der Ziele erfolgt so treffsicher, daß nur das Böse ausgerottet wird. Auch gegen diese Einflußnahme auf die Gehirne der noch Kinder sollten wir uns wehren.
    Zu DDR-Zeiten gab es leider später auch den militärpolitischen Unterricht in den Schulen. Zum Glück hatten wir nie einen Krieg angefangen oder uns daran beteiligt. Dieses Wissen war so fest in der Bevölkerung verhaftet, daß es viele Freiwillige gab, die sich zu drei Jahren oder einer Militärlaufbahn entschieden, weil sie glaubte, daß es sowieso keinen Krieg geben wird und es ansonsten an interessante Aufgabe mit guten Verdienstmöglichkeiten ist.
    Also so ähnlich wie heute. Viele sagen dazu, genau wie heute. Nein, nicht genauso, denn der neoliberale, globale Kapitalismus der meint nicht Vereidigung, der meint nicht friedenstiftende Maßnahmen, der hat nicht so eine irrsinnige Militärmaschinerie ins Leben gerufen, wenn man damit keinen Profit machen kann: der meint tatsächlich Krieg. Und wir befinden uns zur Zeit mit Bewaffneten aus 80 anderen Nationen im Anfang eines 3. Weltkrieges. Das muß einen Großteil unserer jungen Bevölkerung, die nie Krieg erlebt, sondern nur am Computer gespielt haben, wissen. Aufklärung, was der Unterschied zwischen dem 2. und 3. Weltkrieg ist und daß eine Mitwirkung aus Spaß an der Sache, blöd und daß ein dienen und gehorchen unter Menschen mit Defiziten im menschlichen Geist und Bewußtsein, eine Schande ist.
    Gruß von adolfkurt

  2. Ped sagt:

    @andi

    Zustimmung, was das Skeptische betrifft. Fehlbildungen bei Neugeborenen wird es immer geben. Und ja, der Autor versucht emotional zu verstärken – und das ist nunmal Propaganda. Andererseits könnte man wahrscheinlich so niemals belegen, dass solche Missbildungen mit Uranmunition zusammen hängen. Denn der Beleg ist immer rein statistisch. Man kennt den Anstieg der statistischen Werte in Jugoslawien, im Irak und in Afghanistan. Und so kann man die Botschaft eben auch verstehen: „Seht, die Gefahr ist sehr groß, dass Kinder auf die Welt kommen, die so aussehen wie diese. Denn es ist nun mal bekannt, dass die verschiedenen Strahler bei Zerfallsprozessen radioaktiver Stoffe zu Schädigungen des Erbgutes führen.“
    Und aus dieser Sicht heraus halte ich das für legitim. Zumal ich dem afghanischen Arzt, der diese Statistik quasi am eigenen Leibe erlebt, täglich erlebt und damit sehr nachvollziehbar auch voller Emotionen ist, Vertrauen entgegen bringe. Wir haben doch allesamt keine Ahnung was in Afghanistan eigentlich los ist …

    Wenn Leser weiteres Quellenmaterial zum Einsatz von Uran-Munition liefern können, bin ich natürlich sehr dankbar. Bringt logischerweise Zeit- und Recherche-Aufwand mit sich, wäre aber wertvolle Arbeit.

    Herzliche Grüße von Ped

    Nachtrag: @andi hat mich auf eine Schwachstelle im Artikel aufmerksam gemacht (besten Dank!). Ich hatte für den Autor die Quellen der besprochenen Bilder recherchiert und diese Bildquellen unten auch aufgeführt, allerdings nicht bei den Bildern selbst indiziert. Das habe ich jetzt nachgeholt. Jeder mag sich durch Studium der Quelle ein eigenes Urteil bilden.

    • AirBon01 sagt:

      Ich sehe die Werbung der Bundeswehr in den letzten Jahren ebenfalls sehr kritisch, muss aber feststellen, dass diese nur ein Produkt einer langjährigen Entwicklung ist.
      Für viele ist die Bundeswehr eben nicht eine militärische Einheit, die in die Welt aufbricht und dort Interessen „verteidigt“.
      Die Werbung ist auch nicht so aufgebaut, dass dort mit kampferprobten Soldaten geworben wird, sondern eher mit in 2. oder 3. Reihe stehendem Personal, IT-Experten, Ärzten usw.
      Die Bundeswehr ist ein verlässlicher Arbeitnehmer, der gut bis sehr gut bezahlt. Das ist für viele das wichtigste. Einen Kriegseinsatz würden viele persönlich ablehnen. Im meinem persönlichem Umfeld (damals Ostdeutschland) habe ich viele Personen kennengelernt, die nie in den Krieg ziehen würden, aber eine Karriere bei der Bundeswehr, auf der „zivilen Seite“, anstrebten.
      Selbst ich hatte nach der Schule solche Gedanken, Krieg aber grundsätzlich abgelehnt.
      Das dabei aber genau dieser Effekt eintritt, der hier beschrieben wurde, ist eben nicht immer offensichtlich.
      Das Augenmerk sollte ich vor allem auf die Darstellung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit richten.
      Vor allem in den neuen Bundesländern ist das Interesse mangels Alternativen groß, Karriere bei der Bundeswehr zu machen. (http://www.zeit.de/2009/49/S-Kanonenfutter, http://www.n-tv.de/politik/Unterschichtenarmee-moeglich-article834066.html).
      Erst durch Afghanistan haben einige Menschen begriffen, dass es bei der Bundeswehr auch um das eigene Leben gehen kann. Und selbst dort dann auch nur bedingt. Ein Bekannter war dort für ein paar Monate. Hatte als Elektriker nie die Kaserne verlassen und konnte sich nach dem Einsatz ein neues sportliches Auto kaufen.
      Es ist wie in so vielen Fällen in unserer Gesellschaft. Wir werden mit so viel rosaroten Brillen versorgt, dass wir die Wirklichkeit nicht mehr sehen können.

  3. andi sagt:

    Gute Nacht 🙂

    Wie immer interessant, aber die Bilder der Babys sind problematisch, weil der Zusammenhang mit der Uranmunition nicht belegt werden kann. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: auch ich halte den für sehr naheliegend. Aber als Argument bleibt das einfach schwach, weil es letztendlich auch nur Propaganda ist…

    Andreas

    • leo sagt:

      Es geht hier gar nicht darum, ob die Bilder authentisch sind, das müssen sie nicht sein.

      Unstrittig und relevant ist, das der Einsatz von Uranmunition genau solche Missbildungen auslösen kann. Daher ist es auch völlig legitim, solche Bilder zu verwenden, um beispielhaft die Problematik deutlich zu machen, ob nun authentisch oder nicht.

      Vielen Dank noch an Ped, für diesen sehr gut aufbereiteten Artikel.

      PS: Was mich an der Problematik mit Uranmunition auch besonders schockiert, ist die Tatsache, dass es praktisch keine Möglichkeit gibt, sich vor Kontamination zu schützen. Uranmunition wird beim Auftreffen/Durchschlagen von z.B. Stahl so heiss, dass sie verdampft. Die dabei entstehenden uranverseuchten Partikel sind so klein, dass keine Gasmaske sie herausfiltern kann. Wenn das Zeug also einmal in der Atemluft ist, gibt es keine Möglichkeit für die Bevölkerung, sich davor zu schützen.

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