Avaaz und ihr Herz für Hunde … in China

Avaaz ist wieder einmal besorgt. Und es ist kein Zufall, dass sich die Besorgnis gegenüber dem Riesenreich im Fernen Osten äußert, dass so herzlos mit Hunden umgeht. Eine gleich geartete Petition gegen das abartige Mästen und Töten von Hühnern, Schweinen und Rindern in den entwickelten Industrienationen des Westens dagegen wird wohl seitens Avaaz für immer auf sich warten lassen. Denn diese Tiere gucken erstmal nicht so niedlich wie die armen Hündchen. Und vor allem sind das Tiere, die NICHT in China gequält werden und daher für propagandistische Zwecke völlig ungeeignet sind.


Eine weitere Petition, der u.a. aus den Finanzquellen des durch Hedgefonds reich gewordenen Milliardärs George Soros entstandenen sozialen Plattform Avaaz, füllt die Postfächer der Internet-Benutzer. [1] Und jeder kann selbst für sich erarbeiten, ob es hier um wirkliche Empathie für gequälte Wesen oder schlicht um eine weitere dumpfe Propagandawelle gegen Jene geht, die nicht die Werte der westlichen Demokratie hundertprozentig aufgesogen haben. Denn offensichtlich gibt es für sie (und für sie steht Avaaz) – wie bei den Menschen – gute und böse, bessere und schlechtere, höherwertige und niederwertige Tiere.

„An den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, den Gouverneur der Provinz Guangxi, Chen Wu, sowie die Mitglieder der chinesischen Zentralregierung:“

„Als Bürgerinnen und Bürger aus aller Welt sind wir über die Misshandlung und den Verzehr von Hunden auf dem Yulin-Festival zutiefst erschüttert und fordern Sie dazu auf, dieses umgehend zu verbieten. Millionen chinesischer Bürgerinnen und Bürger befürworten ein Gesetz, das der Hundefleischindustrie Einhalt gebietet, und wir unterstützen ihren Aufruf zur Beendigung dieses brutalen Handels. “ [2]

Die Aktivisten von Avaaz sind wie gelähmt, wenn es um die perverse Tierzucht in den USA und den westeuropäischen Staaten geht, dafür aber voller Enthusiasmus und Entschlossenheit beim Kampf gegen die bösen chinesischen Politiker, die die ethisch doch viel wertvolleren Hunde einfach nicht schützen wollen. Und da ich ja einmal eine Petition von Avaaz unterschrieb (ja, das tat ich und dazu stehe ich auch), bin ich ja jetzt Unterstützer und Freund. Und bekomme deshalb regelmäßig Post, lehrreiche Post:


Von:Rewan Al-Haddad – Avaaz <avaaz@avaaz.org> An:ped43z@*** <ped43z@***> Betreff:Dieses Video bricht einem das Herz Datum:Tue, 31 May 2016 12:36:02 -0400 (31.05.2016 18:36:02)


„Liebe Freundinnen und Freunde,

ganze zwei Millionen von uns sind schon dabei, doch das brutale Festival beginnt in wenigen Tagen. Klicken Sie hier, um sich ein ergreifendes neues Video dazu anzuschauen, die Aktion zu unterschreiben und mit Freunden zu teilen — sorgen wir für den größten Aufruf aller Zeiten, um diese Hundefolter zu stoppen!

Mit Hoffnung und Entschlossenheit,

Rewan, Mike, Alice, Patri, Luis, Will, Ricken und das ganze Avaaz-Team“

Ich fühlte mich gemüßigt, zu antworten:

Wertes Avaaz-Team,

sehr ehrenwert, Ihre Initiative, oder vielleicht doch nicht? Denn was Sie damit auch ausdrücken: Das Halten und Schlachten von Rindern, Schweinen und Hühnern in den pervertierten Fleischindustrien westlicher Industrienationen ist offenbar aus Ihrer Sicht viel humaner und sanfter als das, was die demokratiefernen Chinesen da im Fernen Osten tun. Warum sonst ist Ihr Engagement für eine würdigere Haltung von Nutztieren „im eigenen Haus“ praktisch nicht vorhanden?

Was mich aber viel mehr interessiert: Wie sieht es denn mit Ihrer Empörung aus, wenn es um das Abschlachten von Menschen geht? Als aufmerksamer Beobachter entging mir nicht, dass Sie sich zwar regelmäßig in Ihren Petitionen anmaßen, über die Köpfe ganzer Völker hinweg Jenen IHRE Sicht von Freiheit und Demokratie über zu helfen. Dabei aber konsequent ausblenden, dass die „Freiheitsbringer“, für die Sie in Staaten das Nahen Ostens aktiv waren und sind, ja, Halsabschneider sind. WOLLEN Sie es nicht wissen oder wollen Sie nicht, dass die Menschen es wissen?

Ich erfuhr – und meine eigene Recherche bestätigte es, dass militärisch vom Westen hochgerüstete (und ich betone) SOGENANNTE moderate Rebellen Alawiten die Hälse durchtrennen – einfach nur, weil sie Alawiten sind. Oder auch syrischen Soldaten, einfach nur weil sie Soldaten sind. Oder einfachen Beamten, Bauern usw., einfach weil sie gerade dort sind, wo sie von den SOGENANNTEN moderaten Rebellen angetroffen werden.

Diese SOGENANNTEN moderaten Rebellen haben auch eine spezielle Technik entwickelt: Das SCHÄCHTEN von Menschen, Sie wissen doch sicher, was das bedeutet, oder? Wenn Sie im Internet recherchieren, werden sie schnell fündig, denn die SOGENANNTEN moderaten Rebellen sind ganz stolz auf ihr „Verfahren“ und stellen Beispiele wiederholt in´s Netz. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) – als auch IHRE Informationsquelle – hat aber ausgerechnet dort keine SOGENANNTEN Aktivisten, die über diese Greuel berichten. Oder enthält uns SOHR oder auch Sie diese Informationen vielleicht ganz bewusst vor?

Ich rede hier wie gesagt von Menschen – nicht von Hunden (auch wenn das Leid von Tieren keinem fühlenden Menschen fremd sein kann). Es würde mich außerordentlich freuen, wenn Sie DIESES BRUTALE FESTIVAL, das Abschlachten von Menschen durch sogenannte Rebellen, richtiger ausgedrückt Terroristen, die von den selbst ernannten freiheitlich demokratischen Nationen des Westens logistisch, propagandistisch, wirtschaftlich und militärisch genährt werden, ähnlich engagiert angehen würden.

Nebenbei würde Ihnen auch der Begriff Terrorismus sicher etwas näher gebracht – näher insofern, dass Ihnen dann klar würde, dass der ECHTE BRUTALSTE Terrorismus nicht in Europa und den USA stattfindet, aber von deren Hand gefüttert wird. Denn das Abschlachten von Menschen ist ja eben – wie sie doch hoffentlich wissen – TERRORISMUS.

Ja, man kann nicht nur niedliche Hunde sondern auch entsozialisierte und radikalisierte Menschen füttern; materiell und mit Hass. Füttern statt ihnen zu gewähren, was ihnen, was allen Menschen zusteht: ein selbstbestimmtes würdevolles Leben. Also: Was das Abschlachten von Menschen betrifft, vermisse ich einen ähnlich gearteten emotionalen Aufschrei ihrerseits wie bei den Hunden in China. 

Vielleicht sind meine Worte ja ein Impuls für Sie; ja Sie: Rewan, Mike, Alice, Patri, Luis, Will, Ricken – und natürlich das ganze Avaaz-Team. Wenn Sie nicht wissen, was ich damit meine, dann kontaktieren Sie mich einfach.

Achtungsvoll
ped43z

Welchen Wert das Avaaz-Team dieser meiner Antwort beimisst, denke ich, einschätzen zu können. Aber vielleicht dient es ja dem einen oder anderen Leser, kritischer auf die eben vor allem über Emotionen geschürte Propaganda der Petitions-Plattform Avaaz zu schauen.


Quellen

[1] Avaaz und der Krieg gegen Syrien; http://peds-ansichten.de/2016/03/avaaz-und-der-krieg-gegen-syrien/

[2] https://secure.avaaz.org/de/stop_the_puppy_slaughter_rb_vid/?bakZHib&v=77055&cl=10071225555&_checksum=677797bd367ecd1b6c95640f8f6cff7be7690903dcc8e79ab27b0a289a2b2ade

[Allgemein] Wenn Kopfabschneider Kopfabschneidern die Köpfe abtrennen; 28.5.2016; https://urs1798.wordpress.com/2016/05/28/fortsetzung-wenn-kopfabschneider-kopfabschneidern-die-koepfe-abtrennen-aleppo-marea/

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3 Kommentare zu Avaaz und ihr Herz für Hunde … in China

  1. Jüergen Köhler sagt:

    Hallo Ped.
    Eine sehr gute Reaktion von Dir auf die China-Hunde-Petition. Würde ich auch sofort mit unterschreiben.
    Habe bei Facebook nachgesehen und Deinen Beitrag nicht gefunden. Du hast wahrscheinlich die Petition nicht unterschrieben und da werden die Kommentare auch nicht veröffentlicht. Der Brief braucht aber eine breite Öffentlichkeit.

    In diesem Zusammenhang noch einmal zu Avaaz generell.
    Das offizielle Ziel von Avaaz halte ich für sehr nützlich und die breite Einbeziehung weltweiter Öffentlichkeit für unbedingt notwendig. Auch sind eine Reihe wichtiger Petitionen erfolgreich gestartet, die ich auch unterstützen würde, hätte ich davon Kenntnis gehabt.
    Eigentlich hätte die internationale Linke, also wir Veränderungswilligen, so etwas wie Avaaz gründen müssen, weil es eine der wenigen Möglichkeiten ist, unseren Forderungen Gehör zu verschaffen.
    Nun hat es aber Jemand ins Leben gerufen, bei dem die gute Idee für Manipulation und Propaganda mißbraucht wird. Es ist ein typischer psychologisch gut durchdachter Trick der Mächtigen zur Manipulation unserer Gehirne. Man tut das, was wir, die Opposition eigentlich tun müßten und nimmt uns damit den Wind aus den Segeln. Anstatt uns von Avaaz abzuwenden, weil hier unser Gegner mit unehrlichen Mittel gegen uns arbeitet, sollten wir diese Plattform für unsere Anliegen nutzen. Wieder nach dem Grundsatz: Wo wir nicht sind, sind die Anderen.
    Seit 2012 kann Jedermann bei Avaaz Petitionen aufgeben. Es gibt zwar auch in Deutschlande viele Möglichkeiten dazu, aber warum sollten wir nicht die weltweite Ausstrahlung und Organisation von Avaaz für unsere Anliegen nutzen?
    Auch sollten wir viele solche Beiträge, wie oben von Dir an Avaaz schicken und damit zu einer Aufklärung der Millionen Gutmenschen beitragen, die zum Beispiel bei der Hunde-Aktion überwiegend davon ausgehen, daß Chinesen gehaßt werden müssen und man solche Monster, die Hunde quälen und töten, ebenfalls töten müsse. Natürlich sind die Tatsachen, gegen die man vorgehen sollte, furchtbar. Und das dies die Menschen auf der ganzen Welt (außer China) empört, ist verständlich. Es bedarf auch unserer Unterstützung, wenn dies in die richtigen Worte gefaßt wird. Ich bin gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten, Kulturen und Wertevorstellung anderer Länder. Entsprechend aufklärerisch, aber nicht fordernd, muß man sich an die Staatsoberhäupter fremder Länder wenden.

    Bleibt als Fazit meines Nachdenkens: Jemand sollte sich mit so einer Petition, wie von Dir gegen unsere westlichen Verhältnisse des Umgangs mit Tieren, beschäftigen und diese zum Laufen bringen.
    Probleme:
    • Feststellen welche Petitionen es zu diesem Thema bereits gab und wie ihr Schicksal war.
    • An wem richtet man die Petition? An das EU-Parlament? An die Bilderberger? An die Atlantikgruppe? An die UNO?
    • Was kann man überhaupt verlangen und fordern? Einzeltierhaltung und Handschlachtung, wie das Biobauern in Bayern z.B. (Tötung auf der Weise, um keinen Streß zu erzeugen? Muttertiere länger bei den Kälbern belassen usw. usw. Ist alles schon gefordert und behandelt worden, hat aber kaum etwas verändert.
    Weil wir den Produktivitätsrückgang von industriellen Produktionsmethoden auf individuellen Handbetrieb volkswirtschaftlich nicht durchstehen, aber 7 bis bald 10 Milliarden Menschen zu ernähren sind, geht es mit Handbetrieb und Bio nicht! Das müßte doch eigentlich klar sein. Also was wollen wir fordern, damit es auch realisierbar ist?

    Was wichtiger ist und uns Menschen erst einmal unmittelbar betrifft, daß ist die Entmenschlichung im Krieg und in kriegsähnlichen ‚Konflikten‘. Auch hier die gleichen Fragen zu einer Petition, die sicherlich wir verfassen müßten, weil sich bei Avaaz offenbar dazu niemand findet. Ich bin neugierig, ob und wie man so eine Petition unterstützen wird.

    Beste Grüße von Jürgen

    • Ped sagt:

      Hallo Jürgen,

      danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
      Nur ganz kurz, was mir auf die Schnelle einfällt:
      Was die Regularien zur Erstellung von Petitionen betrifft, ist es nicht so, dass Deine Petition überhaupt sichtbar werden muss!
      Das U-Boot Avaaz ist wirklich sehr geschickt durchkonstruiert.
      Daher noch mal der Link: http://peds-ansichten.de/2016/03/avaaz-und-der-krieg-gegen-syrien/

      Meine Recherchen haben ergeben, dass der Zweck eben nicht die Mittel heiligt, Avaaz können wir nicht entern:

      Wirkung: Wer die Petition übergibt, in welcher Form dies geschieht und ob sie Erfolg hat, ist häufig nicht nachvollziehbar. Avaaz Druckmittel ist die starke Medien-Präsenz.
      Petitions-Initiatoren: Die Themen der Petitionen werden hauptsächlich anhand von Mitgliederbefragungen ausgewählt. Grundsätzlich kann jeder eine Bürgerpetition starten.
      Seriosität des Verfahrens: Kein Bestätigungslink zur Aktivierung der persönlichen Unterzeichnung. Mehrfach- und Falschunterzeichnungen sind möglich.
      Datenschutz: Nach einmaliger Teilnahme ist man registriert, das Löschen des Accounts ist fast unmöglich. Es gibt kein Impressum auf der Homepage und keinen Ansprechpartner in Deutschland.

      Quelle: https://utopia.de/0/kaufberatung/avaaz-org-die-welt-in-aktion-124665

      Und auch nochmal der hier: https://zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/880-avaazorg-und-der-geheime-informationskrieg-um-syrien.html
      Für die Change.org (eine weitere weltweit agierende Petitions-Plattform) gilt ähnliches.
      Diese Plattformen sind in den Denkfabriken von Tavistock und RAND „ausgeknobelt“ wurden. Die haben eine ganz klare und fein ausgeklügelte Mission im Zuge der Destabilisierung unbootmäßiger Gesellschaften. Die Propaganda die da wirkt, wirkt immer, wenn man sich auf Avaaz einlässt.

      Die kann man aber auch nicht bekämpfen, man muss Alternativen anbieten.

      Sinn machen aus meiner Sicht z.B. Petitionen beim Deutschen Bundestag oder der Bundesregierung, aber auch auf regionaler – und kommunaler Ebene.

      Was mir noch einfällt: Ursache und Wirkung!

      Dass die Weltbevölkerung ins Uferlose steigt, ist durch das System bedingt. So komisch es klingt: Je mehr Menschen sterben (einschl. Kindersterblichkeit) und je größer die Armut, desto größer die Geburtenrate.
      Dabei ist es selbst jetzt möglich, mit „menschlichen“ Verfahren landwirtschaftlicher Produktion alle satt zu machen und eine menschenwürdige Existenz zu sichern. Was viele übersehen, ist die Tatsache, dass der Kapitalismus und seine Produktionsmethoden ganz und gar nicht effektiv sind. Die Rechnung muss global gemacht werden und stellt man den irren Aufwand, die grenzenlose Verschwendung fest, welche das System beinhaltet, erschließt sich einem auch das Paradoxe dieses „alternativlosen“ Systems.

      Man weiß heute, dass schon im Mittelalter die Gesellschaften technologisch in der Lage waren, für sich zu sorgen – und von der Gefahr eines Rückfalls in die Steinzeit kann keine Rede sein (höchstens wenn wir in unseren Köpfen den Kapitalismus bis zum bitteren Ende ausleben). Denn der menschliche Geist ist eben nicht so gebaut, sich selbst zu reduzieren. Er wird immer forschen, neue Ideen entwickeln. Wir wissen doch überhaupt nicht, wo wir heute technologisch stehen würden, hätte es das große Experiment, für das man den Machtgierigen das Heft des Handelns überlassen hat, nicht gegeben.

      Aber die Grundrichtung Deiner Gedanken teile ich vollständig. Nämlich sich (konstruktiv) bemerkbar machen, aktiv zu werden, Politiker und Institutionen direkt ansprechen und – darüber reden. Wir haben viele Hebel, die wir (aus Zagheit und Bequemlichkeit) noch gar nicht benutzt haben.

      Sie Du ganz herzlich gegrüßt
      von Ped

  2. Jüergen Köhler sagt:

    Hallo Ped!

    Zu Avaaz:
    Nachdem ich mir noch einmal mit Deinem ausgezeichneten Avaaz-Artikel in Verbindung mit den Links, die Du aufführtest, den ganzen Wahnsinn vor Augen geführt habe, verdichtete sich meine Erkenntnis, daß uns die Mächtigen dieser Welt, insbesondere die US-Administration, keine Chance mehr lassen, irgendwie gegen ihr Denken und Tun etwas zu unternehmen. Und in den ‚Denkfabriken‘ wird an weiteren Verfahren gearbeitet, die gewaltigen Potentiale, welche die Menschheit im Internet entwickeln könnte, gegen unsere Interessen zu leiten. Das ist alles so ungeheuerlich, daß ich mir mit meinen Gedanken, Avaaz für UNS benutzen zu können, ganz naiv vorkomme.
    Ich gebe Dir also recht und danke für die überzeugende Aufklärung.

    Zu Fragen der Grenzen der Industrialisierung und der Handarbeit (zugespitzt auf einen Nenner gebracht) teile ich Deine Meinung nicht.
    • Ich behaupte, daß am Beispiel des Umganges mit dem Tier, die Methoden der Industrialisierung wesentlich verändert werden müssen, da es ein generelles Zurück zum Hand- und Biobetrieb nicht geben kann. Der Produktivitätsrückgang hätte zur Folge, daß wir die Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen nicht mit Nahrungsmittel und Kleidung versorgen könnten.
    • Du hingegen gehst davon aus, der der Kapitalismus uneffektiv ist und (würde man effektiver produzieren und konsumieren) das Aufkommen an Nahrungsmittel für alle Menschen ausreichen würde. Außerdem hat sich die Menschheit im Mittelalter ohne technische Hilfsmittel selbstversorgen können.

    Ich denke, daß man solche Behauptungen nicht aufstellen kann, ohne Überschlagsrechnungen und Schätzungen, denn es spielen sehr viele positiv und negativ wirkende Faktoren eine Rolle. Schnelle Beispielbetrachtung:

    Das theoretische maximal mögliche Einsparungspotential:
    Was die Uneffektivität des Kapitalismus betrifft, so hat diese zusammengefaßt folgende Merkmale:
    • 1/3 der Menschheit hat direkt oder indirekt mit den Gewaltpotentialen des militärischen Komplexes zu tun. Könnte man Kriege und Gewalt ausschalten, wäre eine Kapazität von 1/3 der Menschheit für andere Aufgaben frei. Doch das ist leider für lange, lange Zeit eine Utopie.
    • 1/3 bis 1/2 unserer Produktion in den entwickelten Wohlstandsländern wird verlustreich über den Bedarf hinaus produziert und danach irgendwie entsorgt. Umgerechnet auf die Erdbevölkerung wirken sich die theoretischen Einsparungen bei 750 Millionen Menschen zu 10 Milliarden nur geringfügig, mit max. 3,75% aus.
    • Ein bedeutender Teil unserer Produkte ist nicht unbedingt sinnvoll oder notwendig – es wird durch Werbung ein Bedarf herbeigeredet oder die Menschheit wird durch andauernde Technik- und Modewechsel auf allen Gebieten in einen regelrechten Kaufzwang manipuliert. Auch diese Einsparungen, so man eine Kultur einführen würde, die solchen verzichtbaren Luxus vermeidet, hätten auf 10 Milliarden Menschen bezogen, nicht einmal 1% Einsparungen.
    Man beachte: Die Bevölkerung der Erde wächst noch um etwa 25% und gegenwärtig sind immer noch an die 3 Milliarden Menschen nicht bedarfsdeckend mit den Grundnahrungsmitteln versorgt.

    Negativ, also Produktivitätssenkend, wirken:
    • Ein Rückgang der Arbeitsproduktivität um mehrere 100%, was eine um mehrere 100% steigende Landbevölkerung erforderte.
    • Die Tiere, jetzt in Käfige gesperrt, brauchten große Weide- und Auslaufflächen, die es in dem Maße nicht mehr überall gibt.
    • Ein Großteil der noch vor 200 Jahren schier unendlich vorhanden Ressourcen ist aufgebraucht, durch eine Überbeanspruchung nicht mehr so fruchtbar wie früher, durch die zu Ende gehenden Kalivorkommen nicht mehr schnell regenerierbar, durch Umwelt- und Klimaschäden nicht mehr nutzbar.
    • Es gibt keinerlei Chancen, daß wir in den nächsten 100 Jahren eine Alternative zum Kapitalismus erdumfassend einführen und damit die Gebrechen und Verluste seiner Produktion mindern oder gar ausschalten können.

    Das Mittelalter lasse ich einmal weg, weil es meines Erachtens zu keinem Vergleich taugt. Der Lebensstandard war derart niedrig (ich habe da von Prof. Jürgen Kuczynski die fünf Bände über den Alltag des Deutschen Volkes vor Augen), daß man keinesfalls von einer bedarfsdeckenden Selbstversorgung sprechen konnte. Die Mehrheit lebte in großer Armut.
    Auch wissen wir, daß ehemals weit über die Hälfte der Berufstätigen in der Landwirtschaft notwendig waren, um wenigstens die Wohlhabenden bedarfsdeckend zu versorgen. Außerdem gab es im Mittelalter nur etwa 0,5 Milliarden Menschen auf der Erde.

    Fazit:
    Die Frage bleibt: Was können und was müssen wir fordern, um mit den Tieren und Ressourcen verantwortungsvoller umzugehen? Wenn wir etwas fordern, müssen wir auch wissen, daß es durchsetzbar ist. Alles andere wäre nur politische Polemik. Ein absolutes Zurück zum Handbetrieb ist nicht durchsetzbar, wenn man damit eine Bedarfsdeckung für 10 Milliarden Menschen erreichen will.

    Da wir uns auf die von den Mächtigen absichtlich inflationär organisierten Petitionsmöglichkeiten als Kampfinstrument gegen des Unrecht dieser Welt nicht verlassen können, sollten auch wir in ‚Denkfabriken‘ unsere geeigneten Kampfinstrumente entwickeln. Und zwar sehr schnell, bevor unser politischer Gegner nicht alle Möglichkeiten, die Öffentlichkeit und die Mächtigen in unserem Sinne zu beeinflussen, mit seinen Instrumentarien besetzt hat.

    Herzliche Durchhaltegrüße und -Wünsche, auch wenn die Welt, je tiefer man einen Einblick erhält, trostlos aussieht, von Jürgen

    Nebenbei: In meinem ersten Beitrag auf der vorletzten Zeile muß es in der Klammer heißen: (Tötung auf der Weide (anstatt Weise).

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