Offener Brief an Sigmar Gabriel

Brief an den Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Sigmar Gabriel, zu dessen mit den Außenministern Dreier weiterer führender westlicher Staaten verfassten Presseerklärung zum Thema Giftgas in Syrien.


Sigmar Gabriel

Außenminister der Bundesrepublik Deutschland

Auswärtiges Amt
11013 Berlin

zu Händen Herrn Sigmar Gabriel


Werter Herr Gabriel,

in Ihrer Funktion als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland gaben Sie am 8.November 2017 eine gemeinsam mit den Außenministern der Vereinigten Staaten von Amerika (VSA), Großbritanniens und Frankreichs verfasste Erklärung ab. Thema waren die „syrischen Chemiewaffen“. Schon hier möchte ich Sie auf eine Unkorrektheit hinweisen. Denn ob die Chemiewaffen, welche in Syrien tatsächlich oder vorgeblich eingesetzt wurden, vollständig oder auch nur teilweise tatsächlich aus den früheren syrischen Chemiewaffenbeständen kamen, ist nicht erwiesen. Dass sie es eher nicht waren, müssten Sie, nach den nun im Folgenden von mir zitierten gemeinsamen Ausführungen Ihrerseits, von Rex Tillserson, Jean-Yves Le Drian und Boris Johnson eigentlich selbst annehmen – was Sie nicht tun. (a1)

Mein Anliegen an Sie ist allerdings schwerwiegender. Denn mit dieser Ihrer gemeinsamen Presseerklärung haben Sie Grundsätze des Völkerrechts verletzt und gegen die Prinzipien friedlicher Zusammenarbeit der Völker verstoßen. Ob Sie das bewusst oder aufgrund fehlenden Wissens taten, kann ich nicht einschätzen. Ebenso wenig wie ich einschätzen kann, welchem Druck Sie von anderen Seiten unterliegen, was Sie bewegte, eine solche Erklärung abzugeben. Sie, Herr Gabriel, wissen natürlich, dass diese Gründe Sie niemals von der Verantwortung befreien, die Sie als Bundesaußenminister, ja als Mensch nun einmal tragen.

Im weiteren zitiere ich Passagen aus Ihrer Presseerklärung und kommentiere diese, um Sie auf die Unwahrheiten und Verdrehungen aufmerksam zu machen:

„Am 26. Oktober ist der durch einstimmigen Beschluss des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen geschaffene Gemeinsame Untersuchungsmechanismus der Organisation für das Verbot chemischer Waffen und der Vereinten Nationen (JIM) zu dem Schluss gekommen, dass das Assad-Regime für den Einsatz von Sarin in Khan Shaykhun am 4. April 2017 verantwortlich ist.“ (1)

Das Zitat ist richtig wiedergegeben. Der „Schluss“ der JIM ist jedoch so ungeheuerlich, dass Sie als Bundesaußenminister doch die Grundlagen des „Schlusses“ sofort und sorgfältig zu prüfen hatten. Denn wie der weitere Verlauf der mit von Ihnen verfassten Presseerklärung zeigt, sind die auf Grund dieses „Schlusses“ beabsichtigten Maßnahmen von größter Schwere. Meine Frage ist: Taten Sie das? Wenn Sie es taten, dann wissen Sie, so wie ich, dass dieser „Schluss“ der JIM den Tatbestand einer Verleumdung darstellt.

Ihre Erklärung setzt fort mit:

„Wir haben vollstes Vertrauen in die Untersuchungsergebnisse des JIM, seine Professionalität und seine Unabhängigkeit.“ (2)

Hierzu meine nächste Frage: Ist es dieses „vollste Vertrauen“, welches Sie von einer Prüfung der dokumentierten Untersuchungen zu den tatsächlichen oder vorgeblichen Vorfällen mit Giftgas in Syrien Abstand nehmen ließ? So wertvoll auch das Vertrauen in Menschen zu betrachten ist, ist das allein kaum ausreichend, um tiefgreifende, gewalttätige Maßnahmen gegen andere Völker oder Staaten zu legitimieren. Die Folgen betreffen fundamentale Fragen zu Krieg oder Frieden. Das ist Ihnen, Herr Gabriel doch bewusst, oder etwa nicht? Ihr „vollstes Vertrauen“ (statt Prüfung?) lässt Sie daher weiter verkünden:

„Das syrische Regime hat nicht nur gegen das Chemiewaffenübereinkommen, sondern auch gegen das Völkerrecht verstoßen.“ (3)

„Vollstes Vertrauen“ genügt Ihnen und Ihren Kollegen (hinter denen Sie sich nicht verstecken können), um eine solche Anschuldigung gegen die Regierung eines souveränen Staates zu erheben? Dazu fühlen Sie sich, als hochrangiger Vertreter des Regimes der Bundesrepublik Deutschland, ermächtigt? „Regime“ wird im englischen Sprachraum nicht zwingend negativ konnotiert, dass es aber so gemeint ist, lässt mich der folgende Satz Ihrer Presseerklärung annehmen:

„Wir verurteilen diese abscheuliche Tat und fordern, dass das syrische Regime sofort jeglichen Einsatz chemischer Waffen beendet und endlich der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) alle in seinem Besitz befindlichen chemischen Waffen meldet.“ (4)

Ihr moralisierendes „abscheulich“ zeigt deutlich, dass Sie in keiner Weise unvoreingenommen sprechen. Die Folgen der deutschen Politik, unter denen das syrische Volk leidet, sind Ihnen doch bekannt. Die von Ihrer Regierung im Rahmen der Europäischen Union vorangetriebenen Wirtschaftssanktionen, die von Ihrer Regierung betriebene Falschberichterstattung über und die politische Kampagne gegen Syrien, die offene wie verdeckte Unterstützung eine sogenannten „moderaten Opposition“, die Lieferung von Kriegsmaterial aus Deutschland in Staaten die aktiv und für jedermann sichtbar den Krieg in Syrien befeuern, die unverhohlene Einmischung in die Belange eines souveränen UN-Mitgliedsstaates – finden Sie die nicht auch abscheulich?

Was mich jedoch noch mehr entsetzt, Herr Gabriel, ist, dass Ihr „vollstes Vertrauen“ in den JIM (Joint Investigative Mechanism), Sie dazu befähigt, den Richter zu spielen und die Regierung eines souveränen Staates zu verurteilen. Sie nehmen sich heraus, zu verurteilen; moralisch, was eine der Voraussetzungen ist, um justiziabel zu verurteilen. Ist Ihnen zudem bewusst, dass Sie ein sehr hässliches Machtmittel anwenden, um die syrische Regierung zu „beeinflussen“?

Es gibt keinerlei Indizien, dass es noch Bestände an Giftgas unter Kontrolle der syrischen Regierung gibt. Trotzdem verlangen Sie von der syrischen Regierung deren Offenlegung. Sie verlangen etwas, das nicht umsetzbar ist. Mit einer (wissentlich?) falschen Grundannahme bauen Sie Kausalketten, um Machtpolitik zu betreiben. Denn darum geht es doch, nicht wahr?

Ein weiterer Passus Ihrer Presseerklärung lautet:

„Wir stimmen der Einschätzung des JIM zu, dass es für die internationale Staatengemeinschaft unerlässlich ist, weiterhin Fälle von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien zu untersuchen. Wir fordern daher den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nachdrücklich auf, die Untersuchungskapazität des JIM aufrechtzuerhalten. “ (5)

Noch einmal frage ich Sie, Herr Gabriel: Haben Sie die bisherigen Untersuchungsberichte, welche der JIM von den Ermittlern der OVCW gereicht bekam, gelesen? Oder spricht da erneut Ihr „vollstes Vertrauen“? Denn, wenn Sie die Berichte gelesen haben, dann wissen Sie auch, dass weitere Untersuchungen durch Fact Finding Missions (FFMs) des OVCW völlig sinnlos sind! Wenn Sie das jedoch wissen – warum fordern Sie dann die sinnfreie Weiterführung?

„Wir fordern ferner den Exekutivrat der OVCW auf, als Reaktion auf den Bericht des JIM Maßnahmen zu ergreifen und so ein eindeutiges Signal zu senden, dass die für den Einsatz chemischer Waffen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“ (6)

An dieser Stelle weise ich Sie darauf hin, dass dieses „zur Rechenschaft ziehen“ niemals gewollt war. So, wie man niemals der syrischen Armee den Gebrauch von Giftgas nachweisen konnte, was Sie in den OVCW-Berichten sehr rasch herauslesen können, so war man auch niemals ernsthaft gewillt, die wahren Verursacher des Gebrauches von Giftgas zu ermitteln. Was Sie in den OVCW-Berichten ebenfalls ohne Weiteres nachlesen können. Stattdessen geben Sie sich in Ihrem Amt dazu her, die moralische Keule „der Guten“ zu schwingen:

„Eine entschlossene internationale Antwort ist jetzt unerlässlich, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, den Opfern dieser abscheulichen Angriffe Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und zu verhindern, dass sich solche Angriffe wiederholen.“ (7)

Sie und ich wissen, was „eine entschlossene internationale Antwort“ ist. Sie und ich wissen, dass es hier um Krieg geht! An dieser Stelle wird mir die Unredlichkeit des mit von Ihnen verfassten Statements klar bewusst. Denn Sie wagen es nicht, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Für Machtpolitik gebrauchen Sie wohlfeile Worte, die geeignet sind, Menschen in Kriege zu treiben oder sie zumindest zu akzeptieren.

Abschließend noch dieser Hinweis an Sie und die Mitlesenden: Erfreulicherweise verlinkt die Seite des Auswärtigen Amtes, auf der die hier behandelte Presseerklärung wiedergegeben ist, auf eine andere Seite des Auswärtigen Amtes, welche das Thema Giftgas in Syrien behandelt. Noch erfreulicher ist, dass Sie dort die Links zu den Untersuchungsberichten der Organisation zur Verhinderung des Einsatzes chemischer Waffen (OVCW) finden. Schlecht ist, dass direkt nur zu den JIM-Berichten des Jahres 2016 verlinkt wird. Wie auch der für das Verständnis sehr wichtige OVCW-Bericht aus dem Jahre 2015 nicht direkt aufrufbar ist. Positiv ist der Zugang auf die Ergebnisse der Sellström-Mission, die auch Ihnen, Herr Gabriel, einige wertvolle Erkenntnisse geben können. (8)

Das Studium wie die Auswertung und öffentliche Verbreitung der tatsächlich in den Berichten dokumentierten Ereignisse zeigt auch Ihnen, Herr Gabriel, eines ganz klar:

Es gibt nicht einen einzigen Vorfall mit Giftgas in Syrien, dessen Urheberschaft man der syrischen Regierung beziehungsweise deren Armee unterstellen kann! Verstehen Sie? NICHT EINEN! Wenn Sie trotzdem an diese Urheberschaft glauben, ist das Ihr gutes Recht. Nur taugt Ihr Glaube nicht, um Recht zu sprechen. Oder etwa doch? Gibt es in unserer Demokratie andere Prioritäten, um verurteilen zu können?

Als Blogger mit einer Reichweite von ein paar hundert bis tausend Lesern habe ich mir die Mühe gemacht, diese OVCW(OPCW)-Berichte aufzuarbeiten. (a2) Natürlich können auch Sie, Herr Gabriel, gern von dieser Arbeit profitieren. Hier die entsprechenden Artikel (Gesamtlesezeit drei bis vier Stunden):

  1. https://peds-ansichten.de/2017/04/die-opcw-und-die-un-als-werkzeuge-der-globalisten-1/
  2. https://peds-ansichten.de/2017/04/die-opcw-und-die-un-als-werkzeuge-der-globalisten-2/
  3. https://peds-ansichten.de/2017/05/die-opcw-und-die-un-als-werkzeuge-der-globalisten-3/

Werter Herr Gabriel, Sie bekleiden ein hochrangiges öffentliches Amt. Mein Schreiben an Sie betrachten Sie bitte auch als öffentliches Anliegen. Weil ich Thematiken, die Krieg und Frieden betreffen, als existenziell für jeden von uns halte, ist dieser Brief auch auf den mir zugänglichen Plattformen öffentlich zugänglich. Es treibt mich um, dass, auch in meinem Namen, Deutschland kriegerische Handlungen gegen andere Staaten und Kollektive unternimmt. Damit finde ich mich nicht ab.

Die im Brief gestellten Fragen sind keinesfalls rhetorischer Natur, deshalb bin ich Ihnen also für eine Antwort dankbar.

Weil an Sie in Ihrer Funktion als Außenminister gerichtet, sende ich Ihnen dieses Schreiben an die Postadresse des Auswärtigen Amtes, parallel dazu als Mail über Ihre persönliche Web-Präsenz.

Achtungsvoll,

Peter Frey

 



Anmerkungen

(a1) Da chemische Mischungen sich per Analyse durch eine jeweils eindeutige Signatur bestimmen lassen, war es auch rasch möglich auszuschließen, dass die Syrische Arabische Armee (SAA) im August 2013 Verursacher des Giftgasanschlags von Ghouta war. Das ist den Geheimdiensten der VSA und Großbritanniens (CIA und MI6) auch seit 2013 bekannt.

(a2) OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons) ist die englische Entsprechung zur deutschen Bezeichnung OVCW.

Quellen

(1-7) Auswärtiges Amt; 8.11.2017; http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2017/171108_Syria_Chemical_Weapons.html?version=2

(8) 11.11.2017; http://www.auswaertiges-amt.de/sid_AFC5F2E95CC912F53BCCA649ACC850D4/DE/Aussenpolitik/Themen/Abruestung/BioChemie/Chemiewaffen-Syrien.html?nn=382708

(b1) Screenshot; 11.11.2017; Brief an Sigmar Gabriel zu dessen Presseerklärung vom 8.11.2017; versendet auf dessen Web-Präsenz: https://sigmar-gabriel.de/kontaktformular/

(b2) Screenshot; 13.11.2017; Brief an Sigmar Gabriel; Datei: 2017-11-13_SigmarGabriel_Brief_3.png; Quelle: Peds Ansichten

(Titelbild) Datei: krak-of-chevaliers-1078528_960_720.jpg; Quelle: https://pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain

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19 Kommentare zu Offener Brief an Sigmar Gabriel

  1. Oliver sagt:

    Es ist an der Zeit Ihnen einen herzlichen Dank auszuprechen und meinen Respekt zu bezeugen. Was Sie hier geleistet haben ist erstklassige Recherchearbeit von der sich die Berichtende Zunft eine dicke Scheibe abschneiden könnte…Danke…

    Nach einem Gespräch im Freundeskreis zu Lage Syriens und den genannten Giftgas Angriffen habe ich mich auf die Suche gemacht und bin auf Ihre Seite gestoßen. Nirgendwo habe ich solches Fachwissen und eine ähnliche Leidenschaft für Hintergründe finden können. Nach der umfangreichen Lektüre Ihrer sowie anderer Datensammlungen zu diesem Thema bin ich nun ein wenig schlauer und um einiges desillusionierter was unsere Sogenannte Elite betrifft.

    Ich wünsche Ihnen, lieber Ped, noch viel Kraft und Ausdauer, denn die werden Sie brauchen.

    Mit herzlichen Grüßen
    Oliver

  2. TR Garbe sagt:

    Die Giftgas-Vorwürfe an die syrische Regierung stinken genauso wie seinerzeit die Vorwürfe gegen Saddam Hussein, „Massenvernichtungswaffen“ zu besitzen und zu entwickeln. Somit outet sich Herr Gabriel als ein Büttel der Kriegspartei.

  3. Till Sitter sagt:

    Unfassbar, was sich dieser Außenminister herausnimmt, aber bewundernswert, wie Du, lieber Ped, ihm dafür auf die Füße trittst. Danke dafür.

  4. adolfkurt sagt:

    Lieber Ped!
    Meinen Respekt, meine Hochachtung zu diesem Brief!
    Ich hätte ihn auch mit unterzeichnet, wenn er zum Beispiel als Petition verfaßt wäre.

    Nun überlegen wir Leser, welches Schicksal unser Anliegen, unser aller Protest, den Du in unserem Sinne formuliert hast, nehmen wird. Ich möchte jetzt nicht meine Mutmaßungen zum Besten geben. Wir werden es bald sehen, was passiert, denn als öffentlicher Brief wird es sicher auch irgendwelche öffentliche Äußerungen dazu geben.

    Du hast uns in vielen Artikeln immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß es das absolut Böse und Gute nicht gibt. Auch Herr Gabriel wird aus seiner Sicht das Beste wollen. Was ist wohl seine Sicht? Das interessiert mich schon, denn nur so ist seine Reaktion zu begreifen. Was können wir überhaupt erwarten?
    Nun, er ist ein Kind seiner Zeit, seiner altbundesdeutsche Erziehung und ideologischen Umwelt. Er ist der Sohn eines Beamten, der nach Gabriels Angaben unverbesserlicher Nazi und Holocaust-Leugner war, ein geprügeltes Scheidungskind. Später fand er den Weg zu den FALKEN (SPD-Jugendorganisation), wo er alle aufsteigenden Parteifunktionen übernahm und auch als Referent für antimilitaristische Arbeit tätig war. Ausgenommen seiner Nachtwächtertätigkeit, als Nebenverdienst während seines Studiums, das er in den Fächern Germanistik, Politik und Soziologie als Pädagoge mit dem zweiten Staatsexamen abschloß, sowie kurze Zeit als Volkshochschullehrer, war er ein Leben lang ‚Parteiarbeiter‘. Er durchlief wohl fast alle Parteifunktionen bis zum Vorsitzenden der SPD und der Sozialistischen Internationale, vom Ministerpräsidenten eines Bundeslandes bis zum Vice-Bundeskanzler der Bundesrepublik. Es sind dies alles Tätigkeiten, wo seine phonetische Sprachkunst gefragt ist, weniger ein akribisches Recherchieren, Analysieren, Forschen und Entwickeln objektiver Zusammenhänge unserer Welt. In seinen Funktionen hat man dazu auch keine Zeit und Möglichkeit. Ein Thema – ein Termin treibt den anderen und man hat seine Leute, die ihm alles wichtige zuarbeiten. Er war und ist darauf angewiesen, daß ihm seine Lehrer, seine Medien, seine Umwelt, seine Freunde die richtigen Informationen zuleiten. Sein ehrliches Gemüt ist auf Vertrauen aufgebaut. Er kann sich offenbar nichts Böses im Menschen seiner Umwelt vorstellen. Entweder sind es die lieben gleichgesinnten Genossen oder ihn hoffierende Außenstehende. Dort wo er in Zweifel gerät, wird er der Meinung der Mehrheit folgen, nämlich seinen Medien und Seminaren, seiner besten aller Welten. Das Wahlvolk freut sich auch über seine Äußerungen. Er versteht ihr Nöte und Meinungen. Und er möchte auch, daß durch Volksabstimmungen die Demokratie wieder geachtet wird. Aber ist er dann mit den Mächtigen zusammen, und das ist die überwiegende Zeit, so leuchten ihm deren Argumente auch wieder ein und ich glaube, er schämt sich dann etwas, seiner menschlichen Schwäche nachzugeben. Kompromisse machen, nennt man das bei Seinesgleichen. Und das ist doch normal. Es gibt ja auch Tage, da kann er sich durchsetzen. Und das entschädigt ihn wieder.

    Also zusammengefaßt:
    Daß dieser rührige Mensch Ped’s öffentlichen Brief vorgelegt bekommt, ist schon möglich, denn solche Briefe erhält er nicht alle Tage. Daß er ihn liest, ist fraglich, denn er ist etwas zu lang und viel zu tiefsinnig (für ihn). Er wird ihn überschlagen und den Inhalt erklärt bekommen. Dann sieht er entweder ratlos seine Berater an oder er sagt: ‚Wie üblich!‘ Und damit ist die Angelegenheit für ihn erledigt. Zurück bleibt ein Schamgefühl, hoffe ich zumindest.
    Aber der Brief ist öffentlich. Wenn auch nur im relativ bescheidenen Rahmen, aber sicher wäre Die JUNGE WELT bereit, diesen abzudrucken. Und die NACHDENKSEITEN würden ihn auch übernehmen. Und viele andere auch. Also das Thema wurde und wird öffentlich gemacht. Und die Antwort Gabriels auch. Und darin liegt vor allem der Wert Ped’s Initiative. Danke dafür!

  5. Nach Addierung aller bisher bekannten Fakten muss man wohl annehmen, dass ein Mensch mit der Verantwortung eines Aussenministers offensichtlich nicht in der Lage war ,diesen Bericht zu lesen.Er hat also wohl nur nachgeplappert ,was ihm seine Berater in den Mund gelegt haben.Man sollte ihn zur Leuterung in genau diese Wüste schicken.

  6. der Wachsame sagt:

    Vielen Dank für diesen Brief. Ob der Empfänger, zumindest in seinem Innersten, die Tragweite der im Brief vermittelten Aussagen versteht bleibt zu hoffen.
    Ich für meinen Teil habe Gabriel von den Vorteilen durch TTIP reden hören aber da war er ganz offenkundig noch bar jeder Kenntnis von den darin verankerten Sondergerichten.
    Wie man als Politiker in seiner Position, mit so wenig Kenntnissen, den Mund in der Öffentlichkeit so weit aufreißen kann, ist mir ein ganz großes Rätsel.

    Ich hoffe mit Ihnen dass der Herr Gabriel begreift was er da getan hat.

    Viele Grüße
    Der Wachsame

  7. Berichtigung:
    Danke Peter, ich hatte den Verfasser verwechselt!

    Es ist tröstlich, dass es immer wieder – wenn auch noch lange viel zu wenig – Menschen wie Dich gibt, die sich solche Mühe geben, sowohl uns die Einzelheiten (noch einmal) in sehr gut verständlicher Form darzustellen, als auch an unsere Politiker den Appell zu senden, einen Rest von Anstand zu aktivieren. Wir müssen uns davor bewahren, zu glauben, dass dies ohne einen Widerhall bleibt, denn sonst müssten wir jegliche Hoffnung aufgeben.
    Wir müssen uns klarmachen und darauf vertrauen, dass wir Nachdenklichen und Kritischen immer mehr werden. Wir müssen darauf vertrauen und alles dafür tun, dass sich unsere Wachheit schneeballartig verbreitet, bis wir so viele sind, dass die, die uns nach dem Leben trachten (denn nichts anderes tun sie tatsächlich), sich nicht mehr der Illusion hingeben können, dieses unbeobachtet, unbewertet und unbehelligt weiterhin tun zu können.
    Ich werde Deinen Appell an so viele Menschen weiterreichen, wie es in meiner Macht steht. Nochmals danke!


    @Simplicissimus: Nein, nein, keine Namensverwechslung. Im Blog trete ich mit dessen Namen auf, aber bei einem solchen Brief ist der Klarname angebracht; Herzliche Grüße, Ped

  8. Gerlinde Wright sagt:

    Leider bin ich mit meinem nicht so kompetenten Wissen, nicht in der Lage die wahren Begebenheiten so zubennen. Doch habe ich immer die Aussagen der Regierung und der Medien über „Giftgas in Syrien“ angezweifelt. Danke, dass Sie so klar und verständlich die Wahrheit darstellen und die Dinge beim Namen nennen. Ich werde Ihren Brief ausdrucken und an Freunde und Verwandte verteilen.
    Danke,
    Gerlinde Wright

  9. Ped, Ihr Artikel trifft genau die Realität. Ein Glück dass der Herr bald verschwindet.
    Ich war baff als ich es lesen musste, wie ungeniert die Lüge wiederholt wurde betreff
    des Giftgases seitens Assad. Tut er blöd, oder er ist es auch? Herr Gabriel betrachtet
    sich als Vollstrecker in seinem Amt, welches er noch kurze Zeit innehat.

    Möge uns Gott von solchen nichts würdigen Menschen abhalten. MfG

    • Kassandra sagt:

      Dein Wort in Gottes Ohr! Wenn auch der „Herr verschwindet“, wird doch die Politik und das System nicht geändert. Glaubst du an den Weihnachtsmann? Das war nicht böse gemeint, nur traurig.

  10. Ossie sagt:

    Auch auf Facebook geteilt aber ob es gelesen bzw wahrgenommen wird weiss ich nich, danke für Ihre Arbeit

  11. Rainer sagt:

    Auf der offiziellen Seite
    https://www.opcw.org/special-sections/syria/fact-finding-mission-reports/

    kann ich im Summary des letzten Berichts nur finden, dass Sarin wohl verwendet wurde, aber nicht von wem.

  12. Kohlhaas sagt:

    Sehr gute Gedanken, dem Herrn Gabriel ist aber die Wahrheit nichts wert, wie es bei vielen seiner Entscheidubgen zu sehen ist. Er weiß genau dass er lügt und hat als Außenminister sicher alle Quellen zur Verfügung, aber das spielt keine Rolle, wenn es um die Interessen seiner Auftraggeber geht. Wir wissen Alle, um wen es sich da handelt). Er reiht sich ein in die Reihe der Mächte, welche die Menschheit in neue Kriege treiben wollen. Der Mann dient nicht dem deutschen Volk, er ist leider eine willfährige Marionette ohne den Willen, sich gegen „verordnete“ Erklärungen zu stellen. Hier werden wieder „Hühnerställe in der Wüste“ zu Massenvernichtungswaffen erkärt, um weiter Kriege anzuzetteln.

  13. Es ist schade, dass im Brief an Sigmar Gabriel, die Mängel der Untersuchung von JIM nicht angeführt worden sind. Es fehlt auch ein Link zum Bericht der Kommission. Die Mängel der Untersuchung betreffen insbesondere die Bewertung der klinischen Befunde, die auf ein Sarinangriff hindeuten:

    Im Bericht wird nicht erklärt wo, wann und welche Opfer und Medizinpersonal der Ausschuss interviewte, da der Ausschuss nicht zum Ort der Tat fuhr.
    Die Verfasser des Berichts geben zu, dass sie nicht die Anzahl der Opfer bestätigen können.
    Die Verfasser des Berichts behaupten auf Grund von nicht identifizierten Beweise, dass im Krater einer Bombe sich Sarin befand 10 Tage nach dem Angriff.
    Die Fact-Finding Mission basierte ihre Einschätzung von 100 Todesopfer und mindestens 200 weitere überlebenden Opfer auf „medizinische Berichte und Zeugenaussagen“ ohne weitere Angabe.
    Der Ausschuss „feststellte“, dass mehr als 10 Kliniken in der Gegend die Betroffenen versorgte, erklärte aber nicht wie diese Tatsache festgestellt wurde.
    Der Ausschuss „feststellte“, dass 57 der 100 Patienten vor der Angriffszeit griffs in Spitälen eingeliefert wurden und konnte dafür keine Erklärung geben. Die Verfasser des Berichts erwähnen (a) Die Möglichkeit eines Inszenierung; und (b) Ungenaue Bürokratie wegen der chaotischen Umstände.
    Der Ausschuss erwähnt Inkonsistenz bei Blutuntersuchungen, die gegen Sarin sprechen.
    Der Ausschuss erwähnt Sauerstoff- und Kortisontherapie, die nicht für Sarinvergiftung geeignet sind.

    Fazit: Es bestehen schwerwiegende Mängel in der Untersuchung der JIM, die es nicht berechtigen die syrische Armee eindeutig wegen eines Sarinangiff zu beschuldigen. Darüber hinaus gäbe es für die syrischen Armee keinen militärischen Nutzen Sarin in einem Bombenangriff zu verwenden. Nur die Gegenseite hätte einen Interesse die syrische Armee eine Sarinangriff in die Schuhe zu schieben.

    Daher ergibt sich, dass die Erklärung der westlichen Politiker, darunter Sigmar Gabriel, auf dünnem Eis beruht.

    • Ped sagt:

      Werter Elias,
      sorry erst einmal für die verspätete Freischaltung; Ihr Kommentar lag im Spam.

      Es war ausdrücklich nicht meine Absicht, Herrn Gabriel vorzukauen, wo die Mängel im Bericht des JIM liegen. Von einem Menschen, der eine solche politische Funktion ausfüllt, erwarte ich zu aller erst, dass er sich selbst mit dem Thema beschäftigt. Daher auch meine ganz und gar nicht rhetorischen Fragen, ob er die OVCW-Berichte gelesen hat.

      Ihre Argumentation zum „dünnen Eis“, auf dem Politiker beim Predigen des Giftgas-Narrativs stehen, ist schlüssig – außer, dass da gar kein Eis ist. Diese Fakten sind auch mir bekannt. Der Fall Khan-Sheikhoun wurde nach einem „bewährten“ Muster inszeniert.

      Herzliche Grüße von Ped

  14. Opa Jürgen sagt:

    Vielen Dank, für diesen Brief, er findet meine vollste Unterstützung. Erwarte allerdings keine, oder wenn überhaupt eine Antwort, mit der er jegliche Verantwortung von sich weist.

  15. Lieber Ped,

    Ganz großen Respekt dafür und dass Sie uns daran teilhaben lassen. Und mit einem kleinen Augenzwinkern… Es war hoffentlich die richtige e-Mail Adresse, damit sich Herr Gabriel bzw. die SPD auch mit dem Thema befassen kann.

    Viele Grüße
    Matthias (BT)

    • Ped sagt:

      🙂
      Die Anzahl der Vorzimmer bis zum Büro Sigmar Gabriels ist mir sowohl räumlich als auch virtuell natürlich nicht bekannt. Aber das macht nichts, denn eben deshalb mache ich es ja auch öffentlich. Es geht unabhängig davon am Montag noch ein Einschreiben an das Auswärtige Amt. Wenn Sie noch ein wenig trommeln mögen …

      Seien Sie herzlich gegrüßt, Matthias,
      Ped

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