Nachrichten – nach denen wir uns nicht richten sollten (3)

In dieser unregelmäßig erscheinenden Artikelfolge gebe ich in kompakter Form meine Wahrnehmung von Nachrichten wieder, um auf deren Einseitigkeit und Widersprüchlichkeit aufmerksam zu machen. Damit möchte ich den Leser unterstützen, unterscheiden zu lernen zwischen dem ehrlichen Anspruch an objektiver Informationsvermittlung und vereinnahmender Propaganda.


Fühlen Sie sich durch das Erste Deutsche Fernsehen vielseitig informiert, liebe Leser? Schauen wir uns doch mal den Nachrichten-Teil der Tagesschau an, so wie ihn die ARD den Zuschauern im Internet am Freitag, den 10.2.2017, abends gegen 19:30 Uhr präsentierte [1]. Spitzenmeldung war diese:

Es geht um die NATO. Dazu wurde in den vergangenen Monaten eine erbärmliche Show abgezogen, die dem Konsumenten suggerierte, das NATO-Bündnis wäre gefährdet. Frage meinerseits: Was wäre daran eigentlich schlimm? Nichts wäre daran schlimm und es wäre gleichbedeutend mit dem Eingeständnis, dass der „böse Iwan“ offensichtlich gar nicht böse ist. Es geht also um das Narrativ, dass die freiheitliche westliche Wertegemeinschaft, die sich mit ihrer NATO inzwischen bis an Russlands Westgrenze gerobbt hat, sich nun direkt von den Russen bedroht fühlt. Sie sieht sie schon, die Russen, dort hinter der russischen Grenze. Aber nun bekennt sich Mattis zur NATO, da ist sicher Millionen Menschen ein Stein vom Herzen gefallen.

Natürlich darf bei solch einer Meldung Trump nicht fehlen. Das neue Feindbild (wir haben erstaunlich lange nichts mehr vom bösen Assad und vom bösen Putin gehört), was mit dem neuen US-Präsidenten aufrecht erhalten wird, zeigt, dass der ARD klar die Marschrichtung geblasen wird – und zwar von Trumps Gegenspielern im Machtkampf, die ich einfach mal Transatlantiker nenne, denn über die lässt sich die ARD ganz offensichtlich willig führen. [2] Aber gut, was gab es denn noch an außenpolitischen Themen seitens der ARD berichtenswertes?

Hach, schon wieder Trump, das ist ja eine Überraschung. Nein, nein, die ARD berichtet völlig unabhängig aus aller Welt und informiert den Zuschauer in der gebotenen Breite. Die macht keine Propaganda gegen Trump. Hat eigentlich jemand in den letzten Wochen eine positiv konnotierte Meldung zu Trump in unseren Öffentlich-Rechtlichen Medien gesehen? Wenn, dann muss sie gut versteckt gewesen sein, oder ich sehr unaufmerksam. Georg Schwarte ist natürlich ein Musterbeispiel objektiver Berichterstattung, hust.

Erkennen Sie übrigens diese wunderbare Projektion? Die hetzenden Medien beschweren sich, dass Trump hetzt. Finde ich fast ein wenig lustig, aber nur ein wenig. Denn der Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen lautet nicht, ungewollt lustig zu sein, sondern objektiv zu informieren. Gut, schauen wir auf die dritte von der ARD wohl als solche bewertete „Top-Nachricht“ zum aktuellen politischen Geschehen:

Potz blitz, das ist ja ein Zufall; schon wieder was mit Trump. Weltpolitisch ist diese Meldung ja wirklich ein absoluter Hochkaräter. Bloß gut, dass ich es durch die ARD erfahren durfte. Ja und leider, leider, leider wieder nichts Positives vom US-Präsidenten. Der ist vielleicht wirklich so böse – wenn die Tagesschau so viele böse Sachen über ihn erzählt? Nein, nein, die Tagesschau ist überhaupt nicht voreingenommen, die informiert ganz objektiv, das können Sie wirklich glauben! Und gehen Sie um Gottes Willen nicht auf die Internetplattform Breitbart, die sind gaaaaanz rechts. Noch schlimmer, die machen Propaganda; gaaaanz böse. Daher hier der Direktlink. Richtig ist übrigens, dass die wirklich Propaganda betreiben, genau so wie die ARD. Nur ist Breitbart eine private US-Plattform, die ARD

Und seit wann darf sich ein Politiker seinen Widersachern nicht widersetzen? Hillary Clinton, die weiße unschuldige Fee der Demokratie, die vom bösen Trump um ihr zustehendes Amt gebracht wurde, nimmt jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Aber das ist unsere Gute, da sind wir nicht so nachtragend, auch wenn sie sich über den Tod eines Menschen nach Herzenslust freuen kann.

Gut, schauen wir uns also die vierte Spitzenmeldung der ARD an – und? Ahnen Sie es schon?

Donnerwetter, nochmal Trump – und wieder negativ konnotiert; glauben Sie wirklich als Tagesschau-Konsument haben sie eine objektive Meinung von Donald Trump? Sie sollen die Information fest im Kopf verdrahten, dass Trump gegen Muslime vorgeht. Ist es endlich drin?! Natürlich ist die Intention von Trumps Dekret eine andere – das wissen die Journalisten bei der ARD auch, oder etwa nicht? Aber hallo, wir von der Tagesschau sind total objektiv und der Wahrheit verpflichtet und unsere Nachrichten sind weit weg davon, Stimmung zu machen. Und wir sind gaaaaanz unabhängig, das mit den transatlantischen Netzwerken sind alles Verschwörungstheorien.

Klar, wache Leser sind Verschwörungstheoretiker. Doch ich gebe nicht auf und möchte nun auch die fünfte Meldung sehen; die ist ein eingestreuter Kommentar:

Glauben Sie an den Weihnachtsmann? Dann gibt es auch noch eine Mini-Chance, zu glauben, die Tagesschau würde objektiv berichten. Arroganz beinhaltet immer auch eine gewisse Dümmlichkeit, einfach weil das Fenster der Wahrnehmung nur noch auf das Gewollte beschränkt ist. Haben die Tagesschau-Schreiber schon einmal etwas von einem Bundesverfassungsgericht gehört? Ja, so etwas gibt es in Deutschland, es wird genutzt, um die Einhaltung der Verfassung zu schützen und weist deshalb ggf. verabschiedete Gesetze zurück. Und ja, ähnliches gibt es offensichtlich auch in den USA. Was soll diese dümmliche Hetze gegen Trump, der bezüglich seines Dekrets den völlig korrekten Weg durch die Instanzen des Rechtsstaates geht?

Auch Trumps Amtsvorgänger ist mit Dekreten an den Gerichten gescheitert. Warum nur ist mir nicht die Empörung der deutschen Medien noch in den Ohren, ob dieses ungeheuren „Vergehens“?:

„Washington. Barack Obamas Einwanderungsreform hat einen schweren Rückschlag erlitten. Ein hochrangiges Berufungsgericht urteilte […], der US-Präsident sei nicht befugt, seinen vergangenen November vorgestellten Plan umzusetzen, vier bis fünf Millionen US-Einwohner ohne Papiere vor der Abschiebung zu schützen.“ [3]

Mit obigem Kommentar war übrigens der Reigen außenpolitischer Top-Meldungen abgeschlossen. Wurden Sie vielseitig informiert?

Es schloss sich ein gemischter Teil an, beginnend mit:

„Postfaktische Methode“ – was ist das? Die Schreiber wissen es selbst nicht, aber das macht nichts. Ein Transatlantiker wie Schäuble sagt so etwas nicht unüberlegt. Warum wird es gefeiert, wenn es zuvor niemals tatsächlich Relevanz hatte? Wird uns hier ein weiteres Wording über geholfen?

Doch tatsächlich holt uns doch nun auch in der Innenpolitik noch der dunkle Schatten des Dämons Trump ein. Es ist schon beängstigend. Und wissen Sie, darum geht es nämlich!

Es geht darum, dass Sie ein weiteres Feindbild inhalieren, durch das Sie in Atem gehalten werden. Dafür werden Sie immer und immer wieder auf das für die zur gegebenen Zeit anvisierten Ziele passende Feindbild gestoßen. Hat es keine Wirkung mehr, bekommen Sie umgehend ein neues Feindbild vorgesetzt und wieder werden Sie hecheln und in Sorge sein und Ihr Denken wird ein ums andere mal auf das neue Feindbild gestoßen. In einer Welt von (vorgesetzten) Feinden werden Sie äußerst wirksam daran gehindert, zu reflektieren und selbst Probleme zu erkennen. Und vor allem sind Sie so unfähig, Lösungen anzugehen.

Die Tagesschau berichtet unabhängig und vielseitig? Was Sie hier geradezu lehrbuchreif erkennen können, ist die propagandistische Methode der Selektion und der Pflege von Feindbildern. Damit lässt dieses Programm Informationen außen vor, es gestaltet für Sie eine Informationswelt, die weit weg ist von dem, was wirklich in der Welt passiert. Das ist gezielte Desinformation.

Es muss Ihnen klar sein, dass es aus dieser Falle keinen Ausweg gibt, wenn Sie medial konsumieren. Nur über gezielte Informationseinholung und die Nutzung unterschiedlicher Quellen gelingt Ihnen eine Annäherung an die Wirklichkeit. Durch die Tagesschau täglich abends innerhalb einer viertel Stunde objektiv über die Welt und unser Land informiert zu werden; das ist eine Illusion der sie nicht länger anhängen sollten.


Quellen

[1] 10.2.2017, 19:41 Uhr; Rubrik Nachrichten; https://www.Tagesschau.de/

[2] https://www.atlantik-bruecke.org/w/files/dokumente/jahresbericht_15_16-1.pdf

[3] 10.11.2015; http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article206558003/Gericht-stoppt-Obamas-umstrittene-Reform-der-Einwanderung.html

Alle Bilder als Snapshots aus [1]

[Titelbild] Autor: TimHaynes; Datum: 2016-04-17; Quelle: flickr.com_Lizenz: CreativeCommons; Bearb. d. Peds Ansichten

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Ein Kommentar zu Nachrichten – nach denen wir uns nicht richten sollten (3)

  1. Conrath sagt:

    Vielen Dank für Ihre Nachrichtenkommentare.

    Transatlantikers Liebchen lacht über Mord und Tod. Wer sich hinter eine Hillary begibt setzt sich damit schwerster Prüfung aus. Diese Prüfung mag nicht sofort offensichtlich sein, aber sie ist nicht ohne Folgewirkungen auch für zukünftige Leben.

    Ich habe Ihren Beitrag hier aufgegriffen:
    http://www.geolitico.de/2017/02/09/trumps-bedrohliche-nato-rechnung/#comment-5454

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