Georg Schramm, Warren Buffet und ein Kapitel Psychologie

Georg Schramm ist für seine bissige Gesellschaftskritik bekannt. Das hängt auch mit seiner außergewöhnlichen Fähigkeit zusammen, so souverän mit Sprache um zu gehen. Gern benutzt er auch Zitate, um sein Anliegen zu untermauern. Durch ihn hat ein Zitat schon fast Kultstatus erreicht und wird von den Menschen fleißig weiter gereicht – unvoreingenommen?


Sprache ist so wertvoll. Wir sollten sie mehr achten und uns darin üben, sie richtig zu gebrauchen. Georg Schramm zeigt, wie das gehen kann und für diejenigen, denen er noch nicht so geläufig ist, ist es sicher interessant, ihn mal in Bild und Ton zu erleben und damit kommen wir auch gleich zu DEM Zitat. Aber schauen Sie sich ruhig vollständig den Ausschnitt seines (insgesamt 25-minütigen) Vortrages an, den er 2014 bei einer Veranstaltung der GLS-Bank hielt:

Georg Schramm ist übrigens selbst Mitglied der GLS-Bank [1]; einer besonderen Bank. GLS steht für Leihen und Schenken, aber schauen Sie selbst mal auf die Webseite der GLS-Bank, um sich zu informieren. Kommen wir nun zum Zitat, dass im Video gleich am Anfang aufgeführt wird:

„Es herrscht Klassenkampf, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ [2]

Schramm hat auch gleich die Quelle mit gegeben, es ist die New York Times (NYT), der gegenüber sich Warren Buffet im Jahre 2006 in dieser Weise geäußert hatte.

Nun, was gibt es dazu eigentlich noch zu sagen? Warren Buffet ist Milliardär und mit der Arroganz der Besitzenden, im Bewusstsein intellektueller Überlegenheit der herrschenden Klasse über die ungebildete und daher nicht Vermögen besitzende Masse der Menschen, bringt er diese Worte hervor; anmaßend und moralisch widerwärtig. Oder etwa nicht?

???

Können Sie sich vorstellen, dass wenn Sie jetzt ähnlich gedacht haben, dass Sie damit in eine ideologische Falle gestolpert sind? Was Sie gerade gelesen haben, ist übrigens eine Wertung – und eine eindeutige moralische Verurteilung. Das „gelingt“ uns nur, wenn wir zuvor konditioniert wurden und nun über einen bewusst oder unbewusst gesetzten Trigger unsere Emotionen angesprochen werden. Sie mögen in diesem Falle glauben, über das Problem nachgedacht zu haben, die Quelle der wertenden Entscheidung kam jedoch eindeutig aus dem emotionalen Zentrum des Unterbewussten.

Dieser Emotion kann man nicht entgehen – aber man kann sie reflektieren! Man kann sich also bewusst damit auseinander setzen, warum man emotional so reagierte. Unsere Psyche benötigt Emotionen, um im Leben zurecht zu kommen und Alltagsentscheidungen treffen zu können. Das ist ein Überlebensmechanismus. Nur kann er leider auch missbraucht werden. Das geht besonders dann gut, wenn wir auf Kampf (im Geiste beginnend) trainiert wurden. Kampf der nicht gegen sich selbst geführt wird, hat zuvor immer ein Feindbild ausgemacht.

Und hier ist das Feindbild die Klasse der Reichen. Über dieses Feindbild verschafft sich der Träger auch die Legitimation, mit den Menschen die er dem Feindbild zuordnet anders umgehen zu dürfen als mit „normalen“ Menschen. Ja er fühlt sich sogar in der (moralisch-ethischen) Pflicht, es tun zu müssen. Wenn wir in Feindbildern denken, sind wir im Krieg und müssen dafür immer auf der Hut sein. Im Dauerstress klopfen wir also unsere Umgebung nach Gefährdern ab, immer bereit sofort zurück zu schlagen. Alles das beginnt auf der geistigen (unterbewussten, emotionalen) Ebene.

Es ist nur logisch, dass uns in einer solchen psychischen Situation, gestresst durch den geistigen Kampfmodus, eine Differenzierung, Abwägung, ein Bemühen um Empathie, also ein wirkliches Verstehen des Anderen niemals gelingen kann! Solange wir im Krieg sind, werden wir kämpfen. Aber warum sind wir im Krieg?

weil wir Opfer und dadurch Träger von Propaganda sind

Propaganda ist der Krieg mit den Köpfen, der Krieg in den Köpfen. Und das Fatale ist, dass damit eine Art Zombifizierung einher geht, die uns selbst Propaganda verbreiten lässt.

Dabei ist Propaganda der Transmitter, um eine Ideologie unter die Menschen zu bringen. Ohne Propaganda können Gedanken von Menschen nicht zu einer Ideologie reifen, in der dann viele Menschen die Kopie der ursprünglichen Gedanken in sich tragen. Und diese gewaltsame Vereinnahmung tut dem Kopf überhaupt nicht weh. Vorerst. Doch rasch äußern sich die „Schmerzen“ auf besondere Weise. Denn wir verlieren die Fähigkeit, zu kommunizieren, anderen zuzuhören, zu reflektieren. Dafür sind wir viel mehr bestrebt, entweder die Ideologie aktiv zu leben, im Bewusstsein von Macht oder sie aber gefügig hinzunehmen, gestützt von unserer Bequemlichkeit.

Das hat zur Folge, dass wir uns nur noch dort wohl fühlen, wo die Meinung der Gruppe auch der unseren entspricht. Wir verlernen, Konflikte auf konstruktive und kollektive Weise zu lösen. Wir vereinsamen und sind unglaublich gut lenkbar, benutzbar, weil es genug Machtbewusste gibt, die das für sich ausnutzen.

In Bezug auf die Verurteilung von Menschen sehe ich eine Parallele zu einem Beitrag aus dem Vorjahr. Damals ging es um das Giftgas von Ghouta (im Syrien des Jahres 2013) und ob man, abhängig davon, in wie weit die Regierung Assad dies zu verantworten hätte oder nicht, eine Verurteilung und Strafmaßnahmen umsetzen dürfe. Dort beschrieb ich auch, wie subtil und unauffällig wir von der Propaganda erfasst werden, um dann im Sinne der Initiatoren zu handeln und dabei zu glauben, unser freier Wille würde unsere Haltung bestimmen. Was ich dort als Schlussfolgerung aus der Analyse beschrieb, begreife ich als ein universelles Prinzip beim Umgang der Menschen miteinander. Und da schließe ich Warren Buffet selbstredend nicht aus!

Egal was und in welchem Kontext Buffet etwas gesagt hat, lasse ich auch diesen Mann nicht als Feindbild zu. Denn habe ich das Feindbild Buffet, interessiert mich der Kontext nicht mehr, denn den habe ich dann bereits fest verdrahtet im Kopf; ich weiß es doch schon und deshalb habe ich auch sofort die Antworten aus der Schublade parat. Das ist das Problem. Die Suche nach Erkenntnis endet und man wird zum Dogmatiker, starr und blind für nicht in das Weltbild Passendes.

Aber gut, schauen wir hinter Warren Buffets Spruch, wird die Welt schon ein wenig größer und interessanter. Und außerdem tritt der Mensch in Erscheinung.

Buffets Interview bei der New York Times

Ausdrücklich weise ich darauf hin, dass es mir nicht darum geht, Warren Buffet „rein zu waschen“, ihn zu entschuldigen. Es gibt da nichts zu richten und nichts zu entschuldigen. Buffet ist ein Kind des Systems, was wir alle verinnerlicht haben und viele Menschen haben nicht den Mut sich zu gestehen, dass sie in der gleichen Rolle, in der gleichen gesellschaftlichen Position ähnlich handeln würden. Wir müssen lernen, zu verstehen, zu differenzieren. Erst dann sind wir überhaupt in der Lage, konstruktive Lösungen zu entwickeln. Das ist bisher nicht der Fall!

Im November 2006 sprach der Anwalt und Journalist Ben Stein mit Warren Buffet. Das Gespräch war eher locker und entwickelte seine eigene Dramaturgie und kam auf das Thema Steuern zu sprechen und Buffet sagte:

„[…] the rich pay a lot of taxes as a total percentage of taxes collected, but they don’t pay a lot of taxes as a percentage of what they can afford to pay, or as a percentage of what the government needs to close the deficit gap.“ [3]

„[…] die Reichen zahlen zwar eine Menge Steuern in Bezug auf die Gesamtsumme der Steuereinnahmen, aber sie zahlen wenig Steuern in Bezug auf ihr Vermögen, Steuern zu zahlen, bzw. wenig in Bezug auf das, was die Regierung benötigte, um ihr [Haushalts]defizit zu schließen.“ [PA]

Das ist eine klare nüchterne Analyse des Milliardärs in Bezug auf die Steuerlasten (nicht nur) in den USA. Und er belegte das gegenüber dem Journalisten, in dem er ihm eine Auflistung von Mitarbeitern seines Unternehmens und deren Steuerverpflichtungen wie Aufwendungen zur sozialen Fürsorge und medizinischen Betreuung zeigte.

Der Journalist begriff, dass Buffet im Vergleich zu seinen Mitarbeitern prozentual viel, viel, viel weniger Steuern zahlte. Und erfuhr, dass Buffet keinesfalls Leute beauftragt, Steuer-„Optimierungen“ zu erarbeiten. Er zahlt einfach das, was die US-amerikanischen Steuergesetze vorschreiben und er erwiderte auf die ausgesprochene Erkenntnis von Ben Stein:

„How can this be fair? […] How can this be right.“ [4]

„Wie kann das fair sein? Wie kann das gerecht sein?“ [PA]

Ben Stein berichtet nun weiter:

„Even though I agreed with him, I warned that whenever someone tried to raise the issue, he or she was accused of fomenting class warfare.“ [5]

„Zwar stimmte ich ihm zu, wies aber darauf hin, dass jedem, der dieses Problem zur Sprache bringen würde, vorgeworfen würde, einen Klassenkampf zu entfachen.“ [PA]

worauf Buffet offenbar recht emotional erwiderte, dass es diesen Klassenkampf aber doch schon gäbe – und da kommt „unser“ bekanntes Zitat:

“There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” [6]

„Es herrscht Klassenkampf, völlig richtig, aber es ist meine Klasse, die reiche Klasse, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ [PA]

Es stellt sich heraus, dass Buffet die ungerechte Verteilung der Lasten für die Gesellschaft sehr kritisch sieht.

Und das als Milliardär?

Hallo? Warum nicht?

Geflügelte Worte

Diese kritische Sicht hat Warren Buffet im Verlaufe der letzten Jahre immer wieder geäußert, sodass von einem „Ausrutscher“ im Gespräch mit dem NYT-Journalisten nicht auszugehen ist. Wir sehen schon eine klare Haltung, in all ihrer Widersprüchlichkeit, denn in den 15 Jahren ist auch das Vermögen von Warren Buffet um 40 Milliarden US-Dollar angewachsen.

Reich geworden ist Buffet mit der Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway Inc. Ihr Geschäftsbericht für das Jahr 2003 [7] wies schon damals auf den „Krieg von reich gegen arm“ hin, denn dort drin steht u.a. das hier:

„Ich kann verstehen, warum das Finanzministerium nun frustriert und empört ist über die Großunternehmen in den USA. Aber es sollte Abhilfe bei der Regierung suchen, nicht bei Berkshire.

Die Unternehmenssteuern in Fiskaljahr 2003 beliefen sich auf 7,4% aller Steuereinnahmen des Bundes nach einem Nachkriegshöchststand von 32% im Jahre 1952. Mit einer Ausnahme (1983), war der Prozentsatz des letzten Jahres der niedrigste seit Beginn seiner Veröffentlichungen im Jahre 1934.

Dennoch waren die Steuersätze für Unternehmen (und für ihre Investoren, besonders die Großinvstoren) ein Hauptgegenstand der Regierungsinitiativen in 2002 und 2003. Wenn es in den USA einen Klassenkampf gibt, wird er eindeutig von meiner Klasse gewonnen. Heute zahlen viele große Unternehmen – deren agile Vorstandsvorsitzende Ihren Unternehmenschef wie einen Tolpatsch erscheinen lassen – nicht im entferntesten den föderalen Steuersatz von 35%.

Im Jahr 1985 zahlte Berkshire 132 Millionen Dollar an föderaler Einkommensteuer, und alle Unternehmen zusammen zahlten 61 Milliarden Dollar. Die vergleichbaren Beträge in 1995 waren 286 Millionen Dollar bzw. 157 Milliarden Dollar. Und, wie gesagt, werden wir 3,3 Milliarden Dollar für das Jahr 2003 zahlen, ein Jahr, in dem alle Gesellschaften zusammen 132 Milliarden zahlten. Wir hoffen, dass unsere Steuern in Zukunft weiter steigen werden – was ein Zeichen für unsere Prosperität wäre – aber wir hoffen auch, dass der Rest der US-Unternehmen uns darin nicht nachsteht.“ [8]

Das bedeutet, dass Buffets Unternehmen in jenem Jahr allein 2,5 Prozent aller Unternehmenssteuern zahlte. Zwei Jahre später äußerte sich Warren Buffet in einem Interview mit CNN [9][10]:

LOU DOBBS: „…Die Kongress-Behörde für den Staatshaushalt… hat eine Untersuchung [durchgeführt], wonach sich das Defizit unserer Sozialversicherung im Laufe von 75 Jahren nur 0,4 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes beläuft – im Gegensatz zu anderen großen Defizit-Prozentsätzen, die im Zusammenhang stehen mit Handel und Haushaltsdefizit. Haben Sie … eine schnelle Antwort zur Sozialversicherung?“

BUFFETT: Ich persönlich würde die Beitragsbemessungsgrenze über die derzeit 90.000 Dollar [jährlich] anheben. Ich zahle sehr wenig Sozialversicherungsabgaben, weil ich sehr viel mehr verdiene als 90.000 Dollar. Und die Leute in meinem Büro zahlen die vollen Abgaben. Wir heben bereits das Rentenalter ein wenig an. Und ich würde die Bedürftigkeitsprüfung… Ich erhalte jeden Monat einen [Sozialrenten-]Scheck über 1.700 oder 1.900 Dollar oder so. Ich bin 74. Und ich kassiere ihn. Aber ich werde auch ohne ihn satt.“

DOBBS: „Sie werden auch ohne ihn satt. So geht es buchstäblich auch mehr als einer Million anderen Amerikanern. Bedürftigkeitsprüfung, Steuererhöhungen, Lohnsteuern und Sozialversicherungsabgaben. Im Jahre 1983 hatte der US-Notenbankchef Alan Greenspan eine sehr einfache Idee: Erhöht die Steuern. Das sagen [auch] Sie gerade hier.“

Buffett: „Ja sicher. Aber ich würde nicht die die zwölfkommasoundsoviel Prozent Lohnsteuer anheben, ich würde die Beitragsbemessungsgrenze über 90.000 Dollar hinaus anheben.“

DOBBS: „Das ist eine progressive Idee. In anderen Worten: Die Reichen würden mehr zahlen?“

BUFFET: „Klar. Den Reichen geht es so gut in diesem Land. Ich meine, wir hatten es nie so gut.“

DOBBS: „Was für eine radikale Idee.“

BUFFETT: Es herrscht Klassenkampf und meine Klasse gewinnt, aber sie sollte es nicht.“

DOBBS: „Genau. Ihre Klasse, wie Sie es nennen, gewinnt bei der Erbschaftsteuer, aber Sie lehnen das ab, wie ich weiß. Ich weiß nicht, wie Ihr Sohn Howard das findet, aber ich weiß, dass Sie das ablehnen. In derselben Woche wurde vom Parlament das Gesetz über die [Aussetzung der] Erbschaftsteuer verabschiedet… Was ist los in diesem Land?“

BUFFETT: „Die Reichen gewinnen. Nehmen Sie nur die Erbschaftsteuer: Weniger als 2 Prozent aller Nachlässe sind überhaupt erbschaftsteuerpflichtig. Etliche Millionen Menschen sterben jedes Jahr, nur etwa 40.000 Nachlässe werden besteuert. Wir erheben etwa 30 Milliarden Dollar aus der Erbschaftsteuer. Und, wissen Sie, ich würde gern von den Kongressabgeordneten hören, wo sie die 30 Milliarden Doller hernehmen wollen, wenn sie sie nicht aus der Erbschaftsteuer bekommen. Wissen Sie, es ist nett zu sagen: Beseitigt diese Steuer. Aber wir haben ein riesiges Defizit. Also wer soll die 30 Milliarden Dollar bezahlen?…“

DOBBS: „Trotz allem hören wir von den Runden Tischen der Geschäftswelt, von der US-Handelskammer das Gejammere, dass es so drückend und schwierig sei, die Gesetze zu befolgen und die Vorschriften einzuhalten. Was halten Sie davon?“

BUFFETT: „Nun, gerade jetzt sind die Gewinne der Großunternehmen als Prozentsatz des Bruttoinlandsproduktes auf einem Höhepunkt angelangt. Die Steuern der Großunternehmen als Prozentsatz der Gesamtsteuereinnahmen sind fast am tiefsten Punkt.“

DOBBS: „Sie meinen das historisch.“

BUFFETT: „Ja, historisch. Also wissen Sie, die US-Großunternehmen leiden nicht – so will ich das einmal ausdrücken…“

[Übers. www.rossaepfel-exkurse.de]

In diesem Interview finden Sie auch einen Ausspruch, der gern mit dem des NYT-Interviews ein Jahr später vermischt wird. Wenn wir Sorgfalt in der Analyse vermissen lassen und dann zusätzlich nur aus dem Bauch heraus reagieren, also unsere unterbewusst stimulierten Emotionen sprechen lassen, können wir sehr rasch anderen Menschen Unrecht tun. Man hat Georg Schramm vorgeworfen, das Zitat unvollständig, also selektiv vorgetragen zu haben. Das ist falsch.

Es herrscht Klassenkampf und meine Klasse gewinnt, aber sie sollte es nicht. [11]

Wie Sie sehen, hat Buffet diese Aussage, mit der Sequenz: „aber sie sollte es nicht“ im CNN-Interview im Jahr 2005 getätigt und nicht im von Georg Schramm Zitierten. Unabhängig davon zeigt es aber noch einmal deutlich, dass Buffet diesen Klassenkampf im Grunde ablehnt und ohne jeden Triumph von der bitteren Tatsache berichtet, wer in diesem Kampf derzeit auf der Siegerseite steht. Und Warren Buffet hat noch einen weiteren Terminus „erfunden“:

Finanzielle Massenvernichtungswaffen

Dieser Begriff tauchte im Geschäftsbericht 2002 seiner Investment-Gesellschaft auf und zwar in folgendem Zusammenhang:

„Der Geist der Derivate ist nun endgültig aus der Flasche, und diese Instrumente werden sich nun gewiss vermehren nach Art und Anzahl, bis irgendein Ereignis ihre verhängnisvolle Wirkung (ihre „Giftigkeit“) klar werden lässt. Zentralbanken und Regierungen haben bisher kein wirksames Mittel bereitgestellt („gefunden“) zur Kontrolle oder wenigstens zur Überwachung der Risiken durch solche Spekulationsmittel („Kontrakte“). Nach meiner Ansicht sind Derivate finanzielle Massenvernichtungswaffen mit Gefahren, die jetzt noch verborgen („latent“) bleiben, aber potentiell tödlich sind. [12][13][Übers. www.rossaepfel-exkurse.de]

Derivate – Verbriefungen und Bündelungen von Wertpapieren; das ist das Casino-Geld von dem oft die Rede ist und über das die Investmentfonds-Gesellschaften mit dem Hang zu Hedgefonds erst so richtig aufblühten. Unzählige faule Immobilien-Kredite flossen in Derivate, wurden dort neu bewertet – und es wurde geglaubt. Bis es irgendwann nicht mehr geglaubt wurde und ihr Wert sich in Wohlgefallen auflöste. Das war im Jahre 2007  und die Finanzkrise nahm ihren Anfang. Der Wert von Produkten ist ein Spiegel des Glaubens.

Warren Buffet wies fünf Jahre zuvor auf die Gefahr hin.

Wohin gehört Warren Buffet?

Und nun, wo stecken wir Buffet jetzt nur hin? Einerseits ist er Unternehmer, hat ein Vermögen von Dutzenden Milliarden Dollar angehäuft, wo doch Milliarden Menschen in bitterster Armut leben und für Hungerlöhne schuften. Sein Vermögen ist in gleicher Höhe die Schuld unzähliger Menschen. [a1]

Andererseits zeigt sich sehr deutlich, dass Buffet einer der größten Kritiker des Neoliberalismus ist. Es stört ihn, dass der Staat nicht in der Lage ist, zu regulieren. Er bettelt regelrecht um höhere Unternehmenssteuern, überhaupt eine höhere Besteuerung von Vermögen.

Wir sind in der Bredouille, wir wissen nicht so recht, wo wir diesen Mann hin stecken sollen. Sehen Sie einen Ausweg? Im Rahmen eines Gesellschaftsmodells sich antagonistisch gegenüber stehender Klassen können wir das Problem für uns nicht lösen. Aber wir können ihn einfach als Menschen betrachten! Das heißt für mich nicht, dass man bei der Betrachtung unserer Gesellschaften eine Klassen-Sicht ausschließen muss, vielmehr halte ich das sogar für sehr nützlich. Aber alles auf diese Sicht zu reduzieren und damit gesellschaftliche Prozesse einzig auf simplen Klassenkampf einzudampfen, verengt das Fenster unserer möglichen Erkenntnis drastisch.

Also, was halten Sie von dem Gedanken, Warren Buffet in überhaupt keine Schublade zu stecken? Die Klasse der Reichen als Feindbild zu inhalieren, wird nicht wirklich grundlegende Veränderungen bewirken; so wie sie das auch in der Vergangenheit nicht tat. 

Gehen wir doch lieber den im Gegensatz dazu nicht ganz so trivialen Weg der gemeinsamen Suche nach konstruktiven Lösungen; mit weniger Kampf und Leid verbunden, dafür mit Selbstverwirklichung, die uns „nebenbei“ etwas bringt, was wir auch dringend benötigen: glücklich sein.


Anmerkungen

[PA] Übersetzung Peds Ansichten

[a1] Da im Prinzip jedes Geld über Kredite erzeugt wird (Buchgeldschöpfung) und das über eine Bilanzverlängerung in den Büchern erfasst wird, ist das Geld als Vermögen immer auch gleichzeitig eine Schuld. Ist der Kredit getilgt, ist sowohl Vermögen als auch Schuld wieder verschwunden.

Quellen

[1] https://www.gls.de/privatkunden/ueber-die-gls-bank/die-mitgliederbank/mitgliedergeschichten/georg-schramm/

[2-6] http://www.nytimes.com/2006/11/26/business/yourmoney/26every.html?_r=1&

[7] http://www.berkshirehathaway.com/2003ar/2003ar.pdf

[8][10] http://www.rossaepfel-exkurse.de/Sammlung.htm#Warren_Buffetts_Klassenkampf-Zitate

[9][11] There are lots of loose nukes around the world; Lou Dobbs; 19.6.2005; CNN, Archiv; http://edition.cnn.com/2005/US/05/10/buffett/index.html

[12] Warren Buffet on Derivatives; 2003; http://wfhummel.net/derivatives.html; entnommen aus: Berkshire Hathaway annual report for 2002

[13] http://www.rossaepfel-exkurse.de/Sammlung.htm#Derivaten_als_finanziellen_Massenvernichtungswaffen

[Titelbild] Autor: TimHaynes; Datum: 2016-04-17; Quelle: flickr.com_Lizenz: CreativeCommons; Bearb. d. Peds Ansichten

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3 Kommentare zu Georg Schramm, Warren Buffet und ein Kapitel Psychologie

  1. adolfkurt sagt:

    Das ist zweifellos wieder ein interessanter, aufschlußreicher Beitrag.
    Ped beleuchtet den Milliardär Warren Buffet ein klein wenig genauer und stellt fest, daß er (auch) ganz vernünftige Ansichten hat.
    Mit diesem Beitrag wird nach meinen natürlich subjektiven Empfindungen, ganz besonders eine gewisse Verwirrtheit des Autors deutlich. Es zeigt sich darin, daß er unbedingt neutral und objektiv bleiben möchte und sich immer wieder gegen die Vereinnahmung durch irgend eine Propaganda und Ideologie zur Wehr setzt. Dieses Bemühen, hinter die uns gewöhnlich zugänglichen Informationen zu blicken, bringt für uns Leser wichtiges Hintergrundwissen und bedeutende Erkenntnisse, für die ich sehr dankbar bin.
    Was ich bedaure, ist die versöhnliche Grundabsicht, die meines Erachtens auch aus einer Vereinnahmung gegenwärtiger Ideologie und Propaganda stammt. Um möglichst unangefochten Herrschen und die Gewinne maximieren zu können, ganz gleich um durch Geschäfte und Aktionen mit friedlichen oder gewaltvollen Mitteln, brauchen die Mächtigen die Zersplitterung und Uneinigkeit ihrer natürlichen Gegner. Sie sind sich als die Klasse der nicht nur Reichen, sondern auch Mächtigen bewußt. Sie werden trotz aller Konkurrenz auch stets als Klasse , zumindest im Schwarmverhalten zusammenstehn. Und sie werden mit allen Mittel dafür sorgen, daß wir, die Klasse, gegen die sie kämpfen, uns in jeder Weise uneinig sind.

    Ein Warren Buffet steht so fest in seiner Welt verankert, daß er sich solche wahren Gedanken und Äußerungen, wie uns Ped dies vorgeführt hat, durchaus leisten kann. Es macht einfach einen guten Eindruck und seine Wahrheit ist weiter nichts als ein Hohn auf die Dummheit der Welt. Ich weiß nicht aktuell, ob er bei 60 oder 100 Milliarden liegt. Es bedeutet doch nur, daß durch seine Geschäfte Unternehmen – Einrichtungen – Personen um die gleiche Summe geschädigt wurden. Er schlägt skrupellos zu, wo sich etwas verdienen läßt. Diese feine Art darf man nicht unterschlagen, wenn man, wie bei anderen Menschen auch, gute Seiten an ihm entdeckt. Doch die ‚guten‘ Seiten ändern doch das Gesamtbild nicht. Er ist bekannt für bedeutende Spenden in unterschiedlichste Kanäle. Damit macht er sich zusätzlich einen guten Namen, nimmt jedoch auch Einfluß auf die Politik. Ich ertrage nicht so ein Bild eines würdigen alten Wohltäters, nach dem Motto, wenn sie alle so wären, wäre die Welt besser.
    Ich vergleiche einmal Buffets Äußerungen mit der eines höheren Offiziers im Kriegseinsatz. Wenn dieser die getöteten Gegner und Zivilisten bedauert und sagt, eigentlich müßten wir für jeden getöteten Zivilisten bestraft werden, denn dann gingen die diesbezüglich Toten rapide zurück, ist das eine so platonische Aussage, daß sie nur dessen Image dient, aber sonst keinerlei Bedeutung hat.

    Ped führt uns regelmäßig und eindringlich die Verbrechen und Lügen der Mächtigen und ihrer Werkzeuge vor Augen. Aber er wiederholt in jedem Beitrag, daß wir uns vor Propaganda, Ideologie, Haß und Parteinahme bewahren sollen, um objektiv zu bleiben, um ein positives Beispiel zu leben, um dem Verurteilungswürdigen eine bessere, heile Welt gegenüberzustellen. Wenn wir alle füreinander Empathie , zumindest Verständnis entwickeln und aufbringen, muß die Welt ja besser werden! (Ja freilich. Aber ist es so wichtig, an einem Halunken immer wieder zu loben, was er für einen tollen Haarschnitt und wie lieb er mit seinen Bediensteten umgeht? Er ist und bleibt trotzdem ein Halunke. Und nur das ist im Moment wesentlich. Vor Gericht reicht es dann aus, auch seine positiven Seiten ins Spiel zu bringen.)
    Diese mir utopische anmutende Einstellung ist so edel, daß ich mich ihr aus vollem Herzen anschließen möchte. Aber sie ist so weltfremd, daß ich mich mit innerer Gewalt immer wieder versuche, davon freizumachen.
    Die Probleme der heutigen Welt lösen sich leider nicht durch das blose Vorhandensein einer Vielzahl edler, vorbildlebender Menschen. Das suggeriert uns die Propaganda der Mächtigen seit es die Religionen gibt und seit sie die Taktik ‚Teile und Herrsche‘ erkannt haben.
    Wir müssen uns statt dessen täglich und überall bewußt sein, daß wir die besitzlose, machtlose, ausgebeutete und verarschte Klasse sind, gegen die die Mächtigen einen Krieg führen. Das steht doch wohl eindeutig fest.
    Die strittige Frage ist nur immer wieder, wie verhalten wir uns in dieser Situation.
    Ich denke, die erste Reaktion muß sein, daß wir uns das bewußt machen. Jedem Einzelnen! Und daß wir Betroffenen uns alle als eine Klasse fühlen. Das heißt, wir sind durch einen Kriegszustand miteinander verbunden. Wir sind seit Urzeiten die Angegriffenen und die notorischen Verlierer. Wir sind diejenigen, die die Werte der Menschheit schaffen und die man um den größten Teil des erzeugten Mehrwertes unserer Arbeit betrügt. Das sind die Fakten.
    Wie sich wehren? Das ist ein hier zu weitschweifiges Thema. Jedenfalls nicht allein durch demütiges Dagegenhalten. Ich sage, jeder mit seinen Möglichkeiten. Warum nicht mit persönlichem Vorbild, mit Konsum-Abstinenz, mit Verständnis und Empathie? Das schadet nicht. Aber es verändert allein die Lage nicht, weil es nie Mehrheiten hervorbringt. Jedenfalls unter den gegenwärtigen Bedingungen.
    Wenn wir schon keine Theorie und keine Strategie für Veränderung haben, sollten wir doch die Wachsamkeit und Bereitschaft als Klasse pflegen. Jede Art von Verstehen und Glauben, daß sich unter der uns bekämpfenden Klasse auch gute Kräfte befinden und nicht alles Böse ist usw. ist natürlich wirklich so, bringt aber in einem Klassenkampf nichts. Das Bewußtsein dazu aufrecht erhalten ist wichtig, aber es darf keinen Einfluß auf eine Bereitschaft haben, sich als Klasse zu wehren und letztlich einmal die Kräfteverhältnisse umzukehren.
    Freundliche Grüße von adolfkurt

    • Ped sagt:

      Herzlichen Dank an adolfkurt für seine Replik!

      Aus meiner Sicht steht sie gewissermaßen repräsentativ für eine, so denke ich, in ihrem Umfang durchaus respektable Sichtweise in unserem Land. Sie spiegelt Ansichten, die mir sehr vertraut sind, einfach weil ich diese so in früheren Zeiten (unkritisch) aufgenommen und mehr oder weniger geteilt habe. Und sie fasst hervorragend den – sozusagen – Gegenentwurf zusammen. Eben aufgrund dieser gewissermaßen populären Sicht möchte ich sie an dieser Stelle einmal kurz antesten. Wenn es eine Theorie mit wissenschaftlichem Anspruch ist, dann kann ihre Gültigkeit, ihre Stärke durch Falsifikation geprüft werden. Der (positiv agierende) Skeptiker kann also zu Wort kommen. 😉 Stellt sich die Unwissenschaftlichkeit heraus, bleibt nichts als eine Ideologie übrig. Diese Erkenntnis muss nicht die Schlechteste sein, denn sie bringt eine Menge Wahrheiten mit.

      Was ich bedaure, ist die versöhnliche Grundabsicht,

      Ja, diese hier so genannte versöhnliche Grundabsicht, hat der Schreiber richtig erkannt. Ist er selbst in seinem Wesen nicht versöhnlich? Sollte das nicht Teil unseres Wesens sein?

      die meines Erachtens auch aus einer Vereinnahmung gegenwärtiger Ideologie und Propaganda stammt.

      Wie meinen sie das, adolfkurt? Ich sehe ganz im Gegensatz das genaue Gegenteil, wenn ich die vereinnahmenden Faktoren von Ideologie und Propaganda betrachte. Da werden Feindbilder aufgebaut ohne Ende, alles was von der Alternativlosigkeit abweicht, wird bekämpft. Wo sehen Sie Versöhnliches?

      Um möglichst unangefochten Herrschen und die Gewinne maximieren zu können, ganz gleich um durch Geschäfte und Aktionen mit friedlichen oder gewaltvollen Mitteln, brauchen die Mächtigen die Zersplitterung und Uneinigkeit ihrer natürlichen Gegner.

      Bereits an dieser Stelle erkenne ich eine starke Emotion, Dissonanz. Und es werden Begriffe genutzt, die durchaus populär sind, aber gleichermaßen unpräzise; genutzt um ein vorhandenes Muster zu bestätigen. Woher weiß der Forist, dass (z.B.) Buffet herrschen will? Ich kann darüber keine Aussage machen, würde aber nach meinen Recherchen sagen, dass er das nicht anstrebt. Der Mann möchte einfach Geschäfte machen – und das ist ein Unterschied!
      Sehr stark hatte ich betont, dass es mir hier nicht um Wertung geht, sondern um Verstehen. Verstehen ist nicht gleich Versöhnen, auch wenn das eine Voraussetzung für das Zweite ist. Wollen wir nur unsere eigene Weltsicht bestätigen oder wollen wir sie tatsächlich erweitern? Wenn wir immer nur alles in ein Muster pressen wollen, geht es um Ersteres.

      Berkshire Hathaway Inc. ist eine Holding aus 25 Einzelgesellschaften. In dieser Holding stehen etwa 360.000 Menschen in Lohn und Brot. Werden die von Buffet ausgebeutet? Ist Ausbeutung so klar und offensichtlich? Ist es nicht. Und weil es das nicht ist, erkennen wir hier auch nicht, das WIR eben auch ausbeuten. Die Klasse der Armen verbirgt sich als diffuse Schicht hinter einer gesellschaftlichen Milchglasscheibe – und wir kommen damit ganz gut zurecht. Was kann Warren Buffet dafür, wenn wir diesbezüglich genauso unemphatisch sind wie er? Die Einen schauen auf Trump, die anderen auf Putin, wieder andere auf die Reichen, die nächsten auf die Banker – und was ist mit uns? Bei dem Thema lasse ich nicht locker, weil der überwältigende Teil der Menschen nur zu gern auf andere zeigt, um Veränderungen einzufordern. Aber wie geht der Spruch? Wenn ein Finger auf andere zeigt, zeigen drei weitere auf sich selbst.

      Buffets Unternehmens-Netzwerk wendet keine Hedgefonds-Methoden an, keine Private-Equity-Methoden (Heuschrecken). Seine Unternehmen richten sich nicht nach der Dividende, denn Berkshire zahlt keine aus! Wenn ich undifferenziert betrachte, dann will ich so etwas nicht sehen, eben weil Schwarz-Weiß solche „Feinheiten“ nicht duldet.
      Nochmal: Es geht mir nicht darum, den Kapitalismus (als eine ganz bestimmte Sicht unseres weltweiten kollektiven Zusammenlebens) hier schön zu reden. Es geht um Verstehen. Und erst dann, wenn wir das lernen, können wir auch Lösungen entwickeln, statt irgend etwas kaputt zu kloppen um es dann nach dem gleichen Muster wieder so aufzubauen.

      Bin ich mit Buffet im Krieg? Ganz sicher nicht. Der Mann hat mir nichts getan und er tut auch seinen Mitarbeitern nichts. Er legt Kapital in Firmen an, die gezwungen sind, mit Gewinn zu arbeiten, weil sie sonst schlicht pleite gehen. Auch seine Gewinne legt er wieder als Kapital an. So ist Kapitalismus. Er ist nicht der Gute und wir sind es auch nicht. Das Spiel ist komplex und groß angelegt.
      Wieviel Millionäre gibt es in Deutschland?
      1.600.000 = 1,6 Millionen
      Na aber hallo, das wird ein ganz schön großer Krieg in Deutschland. Das sind doch unsere Ausbeuter, oder? Was soll das werden? Wollen wir nur ihr Geld?
      Buffets Firmenimperium gehören auch Versicherer und Rückversicherer. Die können nur leben, wenn auch Versicherungen abgeschlossen werden. Beide Seiten müssen mitspielen. Und das tun sie auch. Klassenkampf dann nach Feierabend? Mir ist das zu simpel. Zehn Prozent der Anteile von Coca-Cola liegen bei Berkshire. Was ist daran schlimm? Die Leute kaufen doch wie die Blöden die Cola, sind es dann die Gleichen die gegen die Kapitalisten demonstrieren? Ich finde das, gelinde gesagt, widersprüchlich.

      Jede Art von Verstehen und Glauben, daß sich unter der uns bekämpfenden Klasse auch gute Kräfte befinden und nicht alles Böse ist usw. ist natürlich wirklich so, bringt aber in einem Klassenkampf nichts.

      Absolut nachvollziehbar – aus der Sicht von adolfkurt. Er bringt hier nämlich eine wichtige Wahrheit herüber. Die eigene Verantwortung, die darüber entscheidet, ob man sich in einen Kampf (welchen auch immer) begibt. Kampf ist ausschließlich, er ist gewalttätig und hat den Dissenz zuvor zum Gesetz (der Ideologie) gemacht, der Freund und Feind auseinander hält. Nicht mein Ding.
      Übrigens war Friedrich Engels Miteigentümer einer Textilfabrik. Er war – wie Warren Buffet – Teil der herrschenden Klasse, er war Kapitalist und Ausbeuter und hätte erbarmungslos bekämpft werden müssen – nach der Logik des Klassenkampfes, die nicht die Meine ist.

      Wie sich wehren? Das ist ein hier zu weitschweifiges Thema.

      Vor allem gegen was wollen Sie sich wehren? Wie gesagt, für etwas einzustehen, dafür gibt es unendlich viele Möglichkeiten – allerdings dagegen auch unendlich viele Ausreden. Alle warten auf die Mehrheit, vielleicht sollten sie langsam beginnen die Mehrheit zu bilden; durch eigenes Tun.

      Jedenfalls nicht allein durch demütiges Dagegenhalten.

      Ach ich denke nicht, dass ich demütig dagegen halte. 😉

      Ich sage, jeder mit seinen Möglichkeiten. Warum nicht mit persönlichem Vorbild, mit Konsum-Abstinenz, mit Verständnis und Empathie? Das schadet nicht.

      Sie sagen, das schadet nicht. Sozusagen ein kleines Dessert. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich sage, dass es das überhaupt Entscheidende ist, denn unser Alltagsverhalten ist es, was das System füttert.

      Aber es verändert allein die Lage nicht, weil es nie Mehrheiten hervorbringt. Jedenfalls unter den gegenwärtigen Bedingungen.

      Warum? Aus meiner Sicht ist es genau umgekehrt: Das allein (von immer mehr Menschen mitgetragen) ändert die Lage, weil es Mehrheiten hervorbringt; gerade unter den gegenwärtigen Bedingungen.

      Danke nochmals, und seien Sie ganz herzlich gegrüßt von Ped

  2. adolfkurt sagt:

    Bevor ich mich zur Ped’s Antwort äußere, warte ich noch einige andere Meinungen ab. Und auch dann werde ich nicht jeden Satz mit Gegenargumenten ‚bekämpfen‘. Die Sache, um die es Ped und mir geht: Wir wollen etwas an dem, was in unserer Welt nach unserer gemeinsamen Auffassung schief läuft, positiv beeinflussen oder gar verändern. Und dazu gibt es viele Wege und Möglichkeiten. Doch was ist der Schnellste, Nachhaltigste, Erfolgversprechende?
    Kämpferische und versöhnliche Grüße von adolfkurt

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