Tummelplatz der Gier – Investmentfonds

Die Reaktionen auf das Wort Investmentfonds sind höchst unterschiedlich. Für die Einen sind sie ein attraktives Feld, um Geld „arbeiten zu lassen“. Auch die Ansicht, dass eine Steuerung von Kapitalflüssen doch sinnvoll ist, um Investitionen in der Wirtschaft zu ermöglichen. Viele Andere verbinden es (fälschlicherweise) mit den sogenannten Heuschrecken, welche Unternehmen aufkaufen, „sanieren“, um sie danach mit Gewinn wieder zu veräußern.


Oft werden sie im Zusammenhang mit Hedgedfonds genannt, wie sich zeigen wird, nicht zu Unrecht. Dabei umgibt das Ganze der Nimbus des Undurchdringlichen, für den Normalsterblichen nicht Verstehbaren. Die verwendeten Termini geben den Rest, um sich als nicht befugt abzuwenden. Das jedoch sollte man tunlichst vermeiden, denn mit Verstehen der Wirkungsweise dieses Geschäfts erhält der Interessent einen eindrucksvollen Einblick über eine der Facetten unseres Finanzsystems und der dahinter stehenden Ideologie, deren Manipulationskraft äußerst effizient die Menschen zu dienlichen Mitspielern eben dieses Systems macht.

Geschäftsidee Investmentfonds

Das Börsenlexikon der FAZ mag stellvertretend für alle Finanzakteure stehen, die in das Räderwerk der Investmentfonds eingebunden sind und man mag dahinter wahrlich nichts Bedenkliches vermuten, wenn man die Zeilen liest:

„Ein Investmentfonds ist ein von einer Kapitalanlegegesellschaft (Investmentgesellschaft) verwaltetes Sondervermögen, das in Wertgegenständen wie Aktien, Anleihen (Renten), Immobilien, Rohstoffen und/oder Derivaten angelegt wird.“ [1]

Dies als Einstieg, schauen wir, was mit obigem Satz vermittelt werden soll. Es tauchen mehrere Begriffe auf:

  • Kapitalanlegegesellschaft (Investmentgesellschaft)
  • Sondervermögen
  • Wertgegenstände (Aktien, Anleihen usw.)

Die Kapitalanlegegesellschaft (KAG) ist gleich zu setzen mit einer Investmentgesellschaft und auch der Begriff Fondsgesellschaft bezeichnet nichts anderes. Dahinter verbirgt sich der Finanzdienstleister – Jener, der dem Kunden verspricht, dessen Geld zu vermehren und das lässt sich auf zweierlei Arten umsetzen.  Einmal in dem man neues Geld schöpft. Wer nicht der finanziellen Intermediationstheorie [a] nachläuft (die übrigens nie jemals bewiesen wurde), zweifelt heute kaum noch, dass Geldschöpfung zuerst über den Kreditschöpfungsprozess der (privaten) Geschäftsbanken und außerdem durch Zentralbanken erfolgt. Alternativ ist die Geldvermehrung nur auf Kosten anderer möglich, denen man Vermögen abnimmt. Das geschieht auch und soll später besprochen werden.

Eigentlich könnte man an dieser Stelle schon die Betrachtung beenden. Denn wie krank ist ein System, in dem die Beteiligten ihr Sinnen und Trachten darauf konzentrieren, Geld zu vermehren? Weit weg von den tatsächlichen Bedürfnissen der Gesellschaften, in der Regel auf Kosten derselben und damit in höchstem Maße egoistisch! Wir führen die Betrachtung jedoch fort, denn es ist äußerst lehrreich, Funktion und Struktur der Investmentfonds unter die Lupe zu nehmen. Dabei kann man nicht die Augen davor verschließen, dass das Gebaren der kleinen Privatanleger den gleichen Prinzipien folgt wie das der sogenannten institutionellen Anleger, die mit riesigen Vermögen jonglieren.

Ohne Investmentgesellschaft, das halten wir fest, gibt es auch keinen Investmentfonds. Was nun hat es mit dem Sondervermögen auf sich?

„Das bei der Investmentgesellschaft gegen Ausgabe von Anteilsscheinen eingelegte Kapital und die damit angeschafften Vermögensgegenstände bilden ein Sondervermögen. Es ist vom Vermögen der Investmentgesellschaft getrennt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass das eingelegte Kapital der Anleger vor dem Zugriff der Investmentgesellschaft selbst und vor dem Zugriff von Gläubigern (im Insolvenzfall) geschützt ist.“ [2]

Die neuen Moloche  – Investmentgesellschaften

Was für gewaltige Sondervermögen in Investmentfonds kursieren, zeigt die weltgrößte Investmentgesellschaft Vanguard Group Inc [a], die Einlagen in Höhe von 2,4 Billionen Dollar verwaltet. [3]. Auf diese Sondervermögen besteht kein Zugriff von außen, sollte Vanguard in Schwierigkeiten geraten.

Investment-Gesellschaften im DAX [4]
Name Wert im DAX in Mrd. US-$ Invest.kap. Totalin Mrd. US-$
1. BlackRock Asset Mgmt. (Deu) AG 29,588.3 49,943.1
2. Norges Bank Inv. Mgmt. (Nor) 29,167.8 525,502,9
3. BlackRock Fund Advisors 19,272.3 1,184.640.3
4. Deka Investment GmbH 16,137.9 36,608.2
5. Lyxor Asset Mgmt. S.A. 15,108.9 47,473.4
6. The Vanguard Group Inc. 14,454.8 1,464,531.4
7. Deutsche Asset & Wealth Mgmt. Inv. GmbH 13,011.7 59,028.4
8. Capital World Investors (U.S.) 12,238.8 545,395.4
9. Allianz Global Investors Europe GmbH 11,185.8 57,674.2

Wem gehört eigentlich dieser in der Öffentlichkeit kaum bekannte Finanzriese, der inzwischen, zusammen mit BlackRock einen Anteil von über 20% an den größten 30 im DAX gelisteten deutschen Unternehmen hält (s.a.o. Grafik, Quelle: [4])? Das herauszufinden setzt einige Recherche voraus, da das Gebilde als Holding miteinander verwobener Einzelunternehmen fungiert.

Für EIN Vanguard-Unternehmen wurde ich fündig, die American Vanguard Corp (AVC), hier die Haupteigentümer [5]:

Eigentümer Aktien Gemeldet
WINTEMUTE ERIC G 889.437 19.02.2015
SODERLIND CARL R 47.657 04.06.2014
JOHNSON GLEN D 44.773 23.05.2014
LEHMAN JAMES 40.906 23.05.2014
DONNELLY TIMOTHY 39.453 23.05.2014

Womit die Basis für weitere Recherchen gegeben ist. Die größten institutionellen Anleger sind „alte Bekannte“, insb. BlackRock und Vanguard selbst [6]:

Eigentümer Aktien % Out Wert* Gemeldet
Price (T.Rowe) Associates Inc 2.563.776 8,80 27.227.301 31.03.2015
Vanguard Group, Inc. (The) 1.794.540 6,16 19.058.014 31.03.2015
BlackRock Fund Advisors 1.633.629 5,61 17.349.139 31.03.2015

Man kann sicher davon ausgehen, dass mit weiterer Untersuchung der Unternehmensbeteiligungen ein Netzwerk gegenseitiger Abhängigkeiten, wie gemeinsamer Interessen offenbar wird.

Antrieb des Ganzen: Die Anleger

Ja und wer sind sie – die Anleger? Erst einmal, das sollte man bei der Betrachtung niemals außer Acht lassen, sind es Individuen, Menschen mit ihren ganz eigenen Charakteren und den damit verbundenen Motiven. Es ist demnach auch kein unabänderlicher Mechanismus, der hinter dem Handeln kleiner wie großer (institutioneller) Anleger steht, denn sie haben prinzipiell immer die Freiheit verantwortungsvoll zu entscheiden. Getrieben werden diese Menschen von ganz einfachen Motiven: Egoismus und Bequemlichkeit, ermöglicht durch eine verschüttete Empathie. Manchem mag das schlicht zu simpel klingen, doch es lohnt sich wirklich, diese These gründlich zu durchdenken. Was die Gesellschaften antreibt, ist nun letztlich mal das aus dem Bewusstsein und – mehr als man glaubt – aus dem Unterbewusstsein motivierte Handeln. Wie nun werden sie gelockt, die bestens konditionierten Anleger?

Ein kurzer Einblick in das Fondsgeschäft

Prinzipiell wird zwischen zwei Typen von Fonds unterschieden:

    1. Der aktive Fonds, ist der klassische Typ und wird von Fonds-Managern verwaltet und gesteuert
    2. Passive Fonds sind sogenannte Indexfonds und werden über Computerprogramme gesteuert.

Der zweite Fonds-Typ ist bezeichnend für die Perversion der Geldvermehrung, denn hier ist die Komponente Mensch bei der Entscheidungsfindung, wo Kapital angelegt werden soll, vollständig ausgeschaltet. Einzig das in Programme eingegebene Kalkül, maximalen Profit zu erwirtschaften zählt, Menschen, Tiere, Natur spielen keine Rolle mehr.

Grundlegend kann man sich die „Befüllung“ eines Investmentfonds nun so vorstellen:

    • Der Fondsmanager (bzw. das Programm) bietet ein Portfolio von Wertpapieren an, bestehend aus Aktien und diversen Arten von Schuldtiteln [b].
    • Er lockt die Anleger mit der Spekulation auf Profit. Es geht dabei nicht um die Verwirklichung einer Unternehmensidee, es geht auch nicht darum, ob eine Unternehmung sinnvoll, sozial oder ökologisch ist. Es geht einzig darum, die eingesetzte Geldmenge zu vermehren. Das Angebot ist also zuerst ein Angebot an Egoismus und Gier des Menschen, die Annahme durch ihn wird möglich durch dessen unterdrückte Empathie.
    • Der Anleger übergibt sein Geld einem Fondsverwalter (Fondsmanager), womit ihm ein sogenanntes Depot eingerichtet wird, in dem seine Fondsanteile gehalten werden. Das Depot wird von einer Depotbank gehalten, womit die Verbindung zwischen Investmentfonds und Banken gegeben ist.
    • Formal ist die Depotbank verpflichtet, das Geschäft des Investmentfonds zu überwachen. Jedes Kreditinstitut kann als Depotbank fungieren.
    • Der Fondsmanager kauft nun damit (z.B.) die Gewinn versprechenden Aktien bei verschiedenen Unternehmen auf und bildet so das Portfolio
    • Steigen die Unternehmensgewinne, werden Renditen an die Aktionäre ausgezahlt, das ist die erhofft erfolgreiche Spekulation. WIE der Gewinn erwirtschaftet wurde, interessiert den Anleger i.A. nicht, ist er doch viel zu weit (technisch wie empathisch) von den betreffenden Unternehmen, deren Mitarbeitern und anderen Menschen, die von den Auswirkungen der Wirtschaftstätigkeit betroffen sind, entfernt.
    • Einmal jährlich werden die Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet.

Das Geld kann außerdem bei Banken angelegt werden, um Zinseinnahmen zu erzielen. Soweit der kurze nüchterne Abriss des Fondsgeschäftes; mehr steckt nicht dahinter. Es ist eben nur eine Spekulation auf Gewinn.

Wie Fonds-Manager ticken, das demonstriert hier beispielhaft Thorsten Paarmann, der den Europa-Fonds Invesco Pan European Structured Equity verwaltet:

„Die Manager verfolgen eine Strategie, bei der sie sich die einzelnen Unternehmen sehr genau anschauen. Vier Kriterien hält Invesco für besonders wichtig für die Wertentwicklung von Aktien: Gewinn­revisionen, Relative Stärke, Managementverhalten und Bewertung. Aus einem Universum von 800 europäischen Titeln wird für jede Aktie ein Attraktivitätswert errechnet. Ein Ranking entscheidet dann darüber, welche Papiere es ins Portfolio des Fonds schaffen.“ [7]

War da bei den Kriterien irgendwas mit Menschen? …

Sind denn Investitionen nicht gut?

Dieses Argument wiegt für Menschen, die das System nicht durchdringen können, schwer. Denn sind es nicht die Investoren, die den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen; von Straßen, Krankenhäusern, Brücken, Sportanlagen, Schulen, Staudämmen, Flughäfen und vielem mehr?

Welches Interesse steht nun wirklich hinter dieser Investitionsstrategie, der gemeinnützige, allen zugute kommende praktische, vielleicht auch geistige Mehrwert, oder nicht eher die Gewinnerwartung? Die Antwort ist eindeutig, es ist die erwartete Mehrung des eingesetzten Kapitals, die Motivation ist eindeutig egoistisch. Die negativen Auswirkungen dieser gelebten Ideologie wiegen gesamtgesellschaftlich weit schwerer als der Nutzen, der zweifellos auch über solche Investitionsstrategien realisiert werden kann(!). Wobei zu fragen ist: Wer hat hier tatsächlich investiert? Sollte man nicht einen Unterschied machen zwischen der Investition tatsächlicher menschlicher Schöpfer- und Arbeitskraft und dem „Arbeiten“ von Geld?

Wo das Geld „arbeitet“

Die provokatorische Überschrift soll nur noch einmal darauf hinweisen, dass Geld NICHT arbeitet, es sind die Menschen, die arbeiten. Wo aber hoffen Anleger und Fondsgesellschaften nun „ihr“ Geld (woher eigentlich der Anspruch?) vermehren zu können?

Nehmen wir uns hierfür erneut die weltweit größte Fondsgesellschaft Vanguard [a] vor, für die es erstaunlicherweise bis heute keinen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia gibt. Deren größter Fonds, der Vanguard Total Stock Market Index Fund [8] ist (mit Stand Juni 2015) sage und schreibe 410 Milliarden US-Dollar schwer. [9]. Diese Summe ist über Aktienpakete auf mehr als 3000 Unternehmen verteilt. Prozentual ist der Anteil im Schnitt meist weit unter fünf Prozent, Einfluss definiert sich allerdings nicht allein über diesen hier extrahierten Wert.

Man stelle sich das Ganze wie eine nur einen Spalt geöffnete Tür vor, in der man vage erhaschen kann, wer inzwischen auf den Märkten des westlichen Industrie- und Finanzsektors das Sagen hat. Man bedenke nur, dass Vanguard noch weitere fünf Fonds unter den 10 weltweit größten hat. Schaut man sich die „dicksten Happen“ an, trifft man auf die großen Unternehmen der US-Wirtschaft. Aufgrund der Eigenschaft des (passiven) Fonds ändern sich die Werte ständig, es handelt sich also nur um eine repräsentative Momentaufnahme vom Juni 2015 [10]:

Unternehmen Fonds-Kapital in $
Untern.swert in $
Bank of America Corp. 186,188,215 3,072,105,548
General Electric Co. 177,698,245 4,845,831,141
Microsoft Corp. 130,636,999 6,121,649,773
Pfizer Inc. 111,498,187 3,874,561,998
Apple Inc. 103,061,637 13,426,870,068
AT&T Inc. 91,762,469 3,169,475,679
Wells Fargo & Co. 91,235,316 5,105,528,283
Cisco Systems Inc. 90,347,609 2,648,088,420
Intel Corp. 83,814,581 2,888,250,461
Exxon Mobil Corp. 74,238,412 6,325,112,702

Da der Fonds einzig auf Profit ausgelegt ist und damit moralische Aspekte konsequent ausblendet, sind auch solche Unternehmen im Portfolio [11]:

Unternehmen Fonds-Kapital in $
Untern.wert in $
Boeing Co. 11,220,488 $1,578,702,974
Chevron Corp. 33,281,703 $3,428,015,409
Monsanto Co. 8,555,477 $1,000,819,699
Raytheon Co. 5,427,727 $560,467,090
United Technologies Corp. 15,257,827 1,787,759,590

Einerseits wird hier an der Marktmacht der großen Konzerne im Pharmasektor (Merck, Pfizer), der Technologiekonzerne (Chevron, Boeing, General Electric, AT&T), der IT-Marktführer (Intel, Microsoft, Apple, Cisco), des Ölgiganten Exxon und des führenden Saatgutherstellers Monsanto partizipiert. Alle großen Technologieriesen machen ihre Gewinne zu einem erheblichen Teil im Rüstungsgeschäft, wobei hier noch Raytheon und United Technologies hinzu zu zählen sind. Chevron ist neben Boeing und Halliburton DER Profiteur aller in den letzten 15 Jahren vom Zaum gebrochenen Kriege der US-Administration. All diese Firmen machen Profite über Staatsaufträge und damit auf Kosten des Steuerzahlers, womit sich der Kreis schließt. Ein Investmentfonds ist ein aktives Instrument der Vermögensumverteilung von unten nach oben. Doch dieser Fonds teilt das Kapital nicht nur in der Industrie auf, denn wir sehen [12]:

Unternehmen Fonds-Kapital in $
Untern.wert in $
JPMorgan Chase & Co. 65,985,290 4,340,512,376
Citigroup Inc. 51,012,449 2,758,753,242
Goldman Sachs Group Inc. 7,324,984 1,510,340,513
BlackRock Inc. 1,900,904 695,312,665

Das ist erhellend. Der Fonds investiert in Investmentbanken und Vermögensverwalter – und zwar die Größten Ihrer Art! BlackRock wiederum hält an genau den oben genannten Konzernen seinerseits Anteile. Diese Verflechtung wird in weiteren Artikeln noch näher beleuchtet. An dieser Stelle wollen wir aber eine Unternehmung auf keinen Fall vergessen, die ebenfalls im Portfolio des Fonds auftaucht [13]:

Unternehmen Fondss-Kapital in $
Untern.wert in $
Vanguard Market Liquidity Fund 1,306,592,367 1,306,592,367

Über eine Milliarde US-Dollar der Anleger werden in einem Unternehmen verwaltet, das keines ist. Es ist ja ersichtlich, dass hier ein weiterer Fonds im Spiel ist, der zu 100 Prozent von Vanguard verwaltet wird und dessen „Unternehmenswert“ gleich dem Kapital der Anleger ist. Vanguard selbst (wie auch die dort übliche Finanzsprache) gibt dabei den Fonds als Holding an; also doch als ein Unternehmen. Ein Fonds im Fonds, „umschrieben“ als Holding, was soll das?

Vanguard Market Liquidity Fund

Vanguard Market Liquidity Fund [14]

Wohin die Reise geht

Obige Grafik zeigt das Portfolio dieses irritierenden „Unterfonds“, benamt als Vanguard Market Liquidity Fund, welches mit einem Anteil von 46,8%  (also etwa 600 Mill. US-Dollar) durch U.S. Government Obligations angeführt wird. Das sind nichts anderes als Staatsanleihen, also verzinste Schuldverschreibungen. Der (in diesem Falle) US-amerikanische Steuerzahler sorgt also hier mit einem Teil seiner Abgaben direkt für die Dividende der Anleger des Fonds. Weitere 34,8% (rund 450 Mill. US-Dollar) beziehen sich auf Yankee Foreign Bonds – auch nichts anderes, außer dass diese Schuldverschreibungen aus US-Sicht aus dem Ausland kommen. Man darf davon ausgehen, dass es sich um Staatsanleihen anderer Staaten handelt. Der drittgrößte Posten im Portfolio sind U.S. Treasury Bills. Man rate was das ist – richtig, US-Staatsanleihen (in diesem Falle kurzfristige sogenannte Kuponanleihen). Das sind noch einmal 100 Millionen US-Dollar, für deren Zinsen (Dividende der Anleger) der Steuerzahler aufkommt.

Was ist hier im Gange? Das größte Kapital in ein privates Unternehmen platzierte der Vanguard Total Stock Market Index Fund in die Bank of America – und zwar mit etwa 186 Millionen $.  Ansonsten streute er das Risiko über die anderen 3087 Unternehmen. Viermal so viel aber steckte er über den besagten speziellen Fonds in US-Papiere – weil seine Gewinnerwartung dort durch nichts getrübt wurde. Private Investmentfonds sind somit aktive Mitspieler bei der Privatisierung von Volksvermögen und geben Staaten Kredit (im Gegensatz zu den Banken allerdings ohne Geldschöpfung) und natürlich gegen Gebühren.

Der Fonds hat, nur mit Schuldverschreibungen von Staaten, etwa 60 Millionen US-Dollar in einem Jahr verdient (bei einem angenommenen moderaten Zins von fünf Prozent). Dieses Geld (da Zins) wurde aber nicht geschöpft und muss irgendwo wiederum als Kredit aufgenommen werden, um weiter dem Schuldendienst nachzukommen. Womit wiederum die Geschäftsbanken als Kreditgeber profitieren. Bei alldem reden wir nur von einem einzigen Investmentfonds (wenn auch dem derzeit größten). Rechnet man den Anteil von Staatspapieren auf das Gesamtkapital von über 2,4 Billionen $ hoch, mit dem Vanguard hantiert, dann zahlen allein die Staaten (vorneweg die USA) in einem Jahr mindestens 350 Mill. $ (als Rendite) in die Fonds von Vanguard ein.

Hedgefonds – Besonders böse?

Auch Hedgefonds sind Investmentfonds – die größten sind Bridgewater Associates und JP Morgan Asset Management. Der aufmerksame Leser wird sich fragen: Ist JP Morgan nicht eine Bank? Ja – aber eben nicht nur. Hier sieht man, wie komplex und vernetzt das Weltfinanzsystem inzwischen ist. Der bekannteste Hedgefonds-Manager ist sicher George Soros, der sein spekulativ angereichertes Kapital gezielt und weltweit für die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse verwendet. [15]

Hedgefonds sind genauso wenig gut oder böse wie „normale“ Investmentfonds. Sie unterliegen kaum einer Regulierung – und nutzen das. Pervers ist, dass sie mit den Wertpapieren selbst spekulieren, um aus Einkauf und Verkauf derselben Gewinn zu erzielen. Und sie spekulieren auf alles, auf Devisen (Währungen), Rohstoffe, auf Ressourcen aller Art – und auf Nahrungsmittel. Da sie hochspekulativ, auf exorbitante Renditen aus sind, agieren sie antizyklisch (gegen den Markttrend). Ihre Spekulationen sichern sie mit immer weiter zunehmendem Einfluss in Politik und Medien ab. Dort können sie gezielt Informationen absetzen und verbreiten, um den Erfolg zu sichern. Wie die Lemminge ziehen Anleger Vermögen ab, wenn sie Nachrichten über gefährdete Profite erhalten und genauso affektiv und instinktiv platzieren sie das Kapital überall dort, wo neue Gewinne versprochen werden. Durch die Wirksamkeit solcher „Geschäftsgebaren“ können Hedgefonds sogar Regierungen stürzen.

Man kann es vielleicht so sagen: Hinter Investmentfonds stehen egotistische Anleger und Manager. Hinter Hedgefonds verbergen sich eher psychopathische Anleger und Manager. Menschen, die jede moralische Schranke beim Geld „verdienen“ gerissen haben. Typisch für Psychopathen nutzen die Manager die Schwächen anderer aus, benutzen sie und bereichern sich durch sie und an ihnen. Das Thema Hedgefonds ist hiermit nur kurz angerissen, es wird Inhalt eines speziellen Artikels werden.

Fassen wir zusammen: Im Gesamtgefüge unserer gegenwärtigen ideologisch auf Ellbogenmentalität, auf Gier und Eigennutz getrimmten Gesellschaften, fungieren Investmentfonds als wichtiger Teil des dem Kollaps entgegen strebenden Finanzsystems. Gleichzeitig halten sie den manipulierten, egotistisch und damit empathiefrei agierenden Mitspielern den Spiegel vor, ohne dass dem Großteil derer die Bitterkeit des Bildes bewusst wird. Es bedarf noch viel Aufklärung, Sensibilisierung für die wichtigen, tatsächlich glücklich machenden Dinge des Lebens, eines grundsätzlichen Umdenkens, bis sich dieser Zustand ändern wird.

Anmerkung

[a] Im Artikel wird von Vanguard als weltweit größter Investmentgesellschaft gesprochen. Zwar ist die Bilanz von Blackrock (ebenfalls mit Schwerpunkt auf Investment) nochmal erheblich größer, allerdings betreibt dieses Unternehmen außerdem seine Geschäfte im Bereich Finanzberatung, sowohl für Unternehmen als auch für Staaten – und auch für die Europäische Zentralbank(!). Aus diesem Grund verwendet man bei Blackrock im allgemeinen den euphemistischen Begriff Vermögensverwalter.

Begriffe und Quellen

[a] Die finanzielle Intermediationstheorie besagt, dass die Einlagen der Kunden (Sparguthaben, Anlagen u.ä.) von den Geschäftsbanken genutzt werden, um sie als Kredite auszugeben.

[b] Ein Schuldtitel ist, vereinfacht gesagt ein Versprechen oder ein Vertrag, um eine Schuld zu verzinsen (mit Aufpreis zurück zu zahlen). [16]

[1][2] Investmentfonds; FAZ.NET-Börsenlexikon; http://boersenlexikon.faz.net/investme.htm

[3] The Vanguard Group; englischspr. Wikipedia; 25.6.2015; https://en.wikipedia.org/wiki/The_Vanguard_Group

[4] Investoren der Deutschland AG; Juni 2014; Ipreo Ltd, DIRK e.V.; https://www.dirk.org/dirk_webseite/static/uploads/Ipreo%20%20DIRK%20-%20DAX-Studie%20Juni%202014%20%28final%29.pdf

[5][6] AVD; 27.6.2015; Yahoo – Finanzen; https://de.finance.yahoo.com/q/mh?s=AVD

[7] Die besten Fondss der Welt; C.Platt, A.Zehbe; 13.3.2015; http://www.finanzen.net/nachricht/fonds/Raus-aus-der-Zinsfalle-Serie-Teil-1-Die-besten-Fondss-der-Welt-4199295

[8] Die 10 größten Fondss der Welt; 25.2.2015; http://de.e-fundresearch.com/funds/artikel/23830-die-groessten-fonds-der-welt

[9][10][11][12][13][14] Vanguard Total Stock Market Index Fund Investor Shares; 26.6.2015; https://personal.vanguard.com/us/funds/snapshot?FundId=0085&FundIntExt=INT

[15] George Soros; Wikipedia de; 26.6.2015; https://de.wikipedia.org/wiki/George_Soros

[16] Was sind Schuldtitel?; 19.9.2014; http://www.denmandq.com/was-sind-schuldtitel/

[Titelbild] Datei: 2016-07-08_Geld-940×198.jpg; Quelle: peds-ansichten.de; Lizenz: Public Domain

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Ein Kommentar zu Tummelplatz der Gier – Investmentfonds

  1. heckenschuetze sagt:

    Das ist doch mal ein aufschlussreicher und verständlicher Beitrag,
    weiter so. VG

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