Abgeschaut – das Wesen der Matrix

Was ist Spiritualität, was sind Ideologien? Was sind universelle Prinzipien? Wie frei sind wir in unseren Gedanken? Leben wir nach dem Bauplan einer Matrix? Zu diesen Fragen möchte ich an dieser Stelle Denkanstöße geben und dabei ein wenig die Aufmerksamkeit auf einen geschätzten Blog hoch halten.


Vor einigen Wochen bat mich ein Leser, an dieser Stelle eine Diskussions-Plattform für einen anderen Blog zu bieten. Das hatte ich abgelehnt; sowohl aus Respekt vor dem Betreiber des Blogs und seiner Entscheidung, eine Diskussion erst einmal auszusetzen, als auch wegen des Formats, welches meiner eigenen und anderen originären Sicht (logischerweise) nicht entspricht.

Im Folgenden lesen Sie also de facto zwei Kommentare, wie ich sie wohl auf seinem Blog verfasst hätte und  ich verbiete dem Leser natürlich nicht die Diskussion, vielmehr aber freue ich mich auf den Tag, an dem Analitik es für gut und richtig hält, seine Kommentar-Funktion wieder frei zu schalten. Damit spreche ich sicher nicht nur für mich. Was ich aber hier zum Ausdruck bringen möchte, das ist die Kraft der Gemeinsamkeiten, der Übereinstimmungen, der Kooperation, der Schnittmengen. In der (noch weitgehend) offenen Vernetzung der Friedenswilligen hier im Land sehe ich das größte Potenzial und gleichzeitig die Voraussetzung für grundlegende Änderungen der Gesellschaft. Und nach einer – aus wohl gemerkt meiner Sicht(!) – Durststrecke hat Analitik wieder zwei wunderbare Artikel hervor gezaubert. Wunderbar deshalb, weil es in ihnen um universelle menschliche Prinzipien, um unser verschüttetes wahres Wesen geht.

Finden Sie das universelle Prinzip im ersten von mir empfohlenen Artikel,

Singen gegen die Teufel

dessen Kern ein Lied ist. Es nimmt Bezug auf die Ereignisse seit den Jahren 2013/2014 in der Ukraine und auf das Verbindende zwischen den Menschen Russlands und der Ukraine. Und es fragt nach dem Sinn des Krieges. Was die Übersetzung des Textes betrifft, wurde auf Inhaltstreue geachtet, statt auf die Reimform. Wer möchte, kann sich ja daran versuchen:

“Die Sonne spaziert fröhlich
Über die Felder, im Weizenstaub.
Liebkost Gottes Vöglein,
Lässt sie über den Frieden singen.
Ich verstehe nicht, warum
Wir beide in aller Frühe
Dieses Feld beobachten
Durch die Gucklöcher unserer Panzer.

Die blaue Kuppel des Himmels
Ist über mir und über dir.
Irgendwo in der Ferne das Haus
Und die Verwandten in diesem Haus.
Die Ruhe gegen den Kampf eingetauscht,
Die Namen gegen Rufnamen,
Auf diesem Feld unter dem Berg
Werden wir beide uns gleich treffen.

Du fährst mich zunichte machen,
Ich fahre dich nieder zu walzen.
Ausgetrocknet in grimmigem Groll
Sind unsere sehnigen Seelen.
Mit den Kettengliedern wühlen wir die Erde auf,
Die unteilbar schien,
Und wir töten einander,
Selbst wenn wir vorbei schießen.

Und die blaue Kuppel des Himmels
Schaut weiter auf uns beide herab.
Das Blut kocht immer bitterer auf
Für die verlorenen Freunde,
Der Brei ist restlos aufgegessen
Aus dem verbrannten Kessel,
Die Brücken sind längst eingerissen:
Es gibt nur mich und es gibt nur dich.

Jetzt zerreißen wir einander in Stücke,
Im Feuer – wie aus der Hölle.
Arme, Köpfe – ins Gras.
Na, wer braucht das alles?
Und dennoch, allen Teufeln zum Trotz,
Den hiesigen und denen aus Übersee,
Werden die Vögel über diesem Wald
Nur slawisch singen!” [1]

Für die Menschen dort gibt es ihn nicht, einen Sinn des Krieges. Es sei denn, Trennendes schaffen, hätte Sinn; aber für wen? Ich denke an divide et impera …

Der Künstler ist ein Autodidakt (siehe Artikel von Analitik), aber was spielt das für eine Rolle? Außer der, dass sie von Wahrhaftigkeit zeugt? Die Wirkung von Wahrhaftigkeit ist von einer gütigen Macht, die jener der Lüge überlegen ist. Diese gütige Macht der Verbundenheit und Liebe überschreitet Grenzen und vereint Menschen. Sie ist manipulativ, aber nicht im schlechten Sinne vereinnahmend und Besitz ergreifend sondern viel mehr für das uns gemeinsam Wertvolle gewinnend.

Krieg oder Frieden, diese Frage können Menschen leicht beantworten, wenn die Gesellschaft, in der sie leben, tatsächlich frei ist. In der statt des (immer) angestrebten Monopols von Ideologien, die individuelle Spiritualität, die jedem Menschen gegeben ist, zur Entfaltung kommen kann und mit empathischer Sorgfalt die eigenen Grenzen in freier Entscheidung zieht, mit Achtung vor den Mitmenschen und der Natur. Die Geschichte der Verbreitung des Liedes, welches das Gedicht trägt, zeigt aber auch, dass selbst in einer Gesellschaft, in der Kräfte immer zu nach Krieg rufen, der Gedanke des Friedens stark und lebendig ist und die Kriegstreibenden neutralisieren kann.


Genau so wertvoll sind die Gedanken zur Matrix in einem weiteren Beitrag Analitiks. Auch ich habe den Begriff immer wieder in meinen Artikeln benutzt, stellvertretend seien diese genannt:

Den Begriff Matrix, als Sinnbild eines uns eingebrannten normativen Musters habe ich ebenso vorrangig mit dem gleichnamigen Film verbunden – und dabei (etwas leichtfertig) voraus gesetzt, dass meine Leser mit diesem Begriff etwas anfangen können. Man kann es sich natürlich her leiten. Matrizen sind mehrdimensionale mathematische Konstrukte, in einer Art von Tabellen, die mehrere voneinander abhängige Parameter von Objekten beschreiben. Entscheidend ist, dass eine Matrix von einem fest gelegten Konzept abstammt:

“Matrix ([ˈmaːtrɪks], [ˈmaːtriːks]; lat. matrix „Gebärmutter“, eigentlich „Muttertier“. Die Mehrzahl von Matrix heißt – je nach Bedeutung – Matrices [maˈtriːʦeːs] oder eingedeutscht Matrizen [maˈtrɪʦən], [maˈtriːʦən]).” [2]

Eine Matrix ist also etwas eher Starres und vor allem Vorgegebenes. Und sie ist dazu da, vervielfältigt zu werden, wobei die Kinder ein Abbild der Mutter sind. Das einzige, was “die Kinder” unterscheidet, ist ein Index, eine Nummer.

Sie meinen, dass solch ein Konzept für Menschen nicht taugt? Ich auch. Und wie sieht es mit den Denkmustern in den Bereichen unserer Gesellschaft aus? Und dabei meine ich keine bestimmte sondern prinzipiell alle Schichten. Denn jeder Teil für sich glaubt doch, in seinem Denken alternativlos da zu stehen. Wir haben verlernt offen zu sein, offen für Neues, für Kritik, für Menschen die anders sind als wir. Wir wollen Recht (im doppelten Sinne des Wortes) haben und versuchen dafür, unsere erstarrte Identität anderen über zu helfen. Oder, was meinen Sie? [a1]

So ist das mit Matrizen. Die Ur-Platte (Master-Platte) – um eine Anlehnung bei der Entstehung einer Vinyl-Schallplatte zu nehmen – bekommt immer Standard-Kinder. Abweichungen sind nicht vorgesehen, sie würden den mathematischen Algorithmus stören, zerstören. Tauschen Sie die Ur-Platte gegen eine Ideologie ein, dann erkennen Sie das gleiche Konzept der Alternativlosigkeit. Und das gilt für jede Ideologie!

Viele Menschen, die den schädlichen Geist der Ideologie, welcher sie bis dahin an hingen, erkennen, glauben, sich damit befreit von ihr zu sehen. Von jener vielleicht, aber nur um sofort der nächsten Ideologie anheim zu fallen. Erstere Erkenntnis schließt noch nicht die Erkenntnis des universellen Prinzips ein. Ideologien ziehen die Passiven an wie Magneten. Wir sind, wenn wir bequem – geistig bequem sind, geradezu prädestiniert, in eine Ideologie einzusteigen. Wie sie sich benennt und welche Inhalte sie hat, das spielt dabei nur eine eher unter geordnete Rolle.

Die Empörung mancher Zeitgenossen, über Jene, die in Umbruchzeiten die Seite wechselten, ist moralisch (damit das eigene Ego streichelnd) und übersieht die Macht der Ideologien. Die geben uns Sicherheit aber sie nehmen uns eben auch die Auseinandersetzung mit uns selbst ab. Dabei könnte genau dort unser freier Wille tatsächlich handeln. Und dort beginnt sie – Spiritualität. Spiritualität wirkt durch unser Ich zuerst in uns selbst und strahlt dann nach außen, als Angebot. Ideologien führen Krieg um die Andersdenkenden zu ihres Gleichen zu machen. Ideologien sind gewalttätig.

Gibt es gute Ideologien? Überlegen Sie, ob das, was sie denken und was sie für gut und richtig halten, tatsächlich Ihrem Inneren, Ihrer Spiritualität entspringt – oder vielleicht doch einer Ideologie. So etwas ist eine große Herausforderung, denn sie legt offen, ob wir bereit sind, unsere Denk- und Handlungsmuster in Frage zu stellen, ohne dass wir unsere Persönlichkeit verletzt sehen.

Die Matrix – der Film – er hat mich fasziniert und war mir einer der vielen kleinen Stationen, denen man im Leben begegnet und die uns Wege zeigen, die Welt mit anderen wacheren Augen zu betrachten. Was auch immer die Macher des Filmes für Ambitionen hatten. Ich lese für mich aus ihm eine wichtige positive Botschaft, die auch Mut macht. Gerade weil der Film trotzdem auch durchaus schonungslos ist. Zyniker (Hassende, vor allem sich selbst Hassende) gibt es in unserer Gesellschaft genug. Auch diejenigen, so meine Ansicht, die überzeugt sind, die Welt mit missionarischem Eifer, mit Gewalt(!) “verbessern” zu müssen, sie sind Zyniker:

“Ich will ehrlich mit ihnen sein – die Wahrheit sagen. Ich hasse diesen Planeten, diesen Zoo, dieses Gefängnis, diese Realität, wie auch immer man dazu sagen mag. Ich halte es nicht länger aus. Vor allem den Geruch, falls so was existiert. Ich bin seiner sozusagen überdrüssig. Ich kann riechen, wie sie stinken. Und jedes Mal, wenn ich es rieche, fürchte ich mich infiziert zu haben. Es ist abstoßend, finden sie nicht? Ich muss hier irgendwie raus. Ich will endlich frei sein.” [3]

Das sind die Worte des Agenten Smith zu Neo (dem Helden des Filmes). Smith hasst die Unschärfe, die Unvollkommenheit, die Brüche des menschlichen Wesens. Er steht als Vertreter der Maschinen, er steht für eine “saubere, reine”, kristallklar beschreibbare, eine “gute Ideologie”, die den “anderen schlechten Ideologien” überlegen ist. Die sich in ihrer Makellosigkeit mathematisch formulieren und somit programmieren lässt. Programmieren lässt, um als Matrix in menschliche Gehirne installiert zu werden, als dass sie funktionieren möge wie ihr Gott – die Maschinen. Abgefahren wie es klingt, ist es doch viel, viel realer, als es sich die meisten Menschen vorzustellen vermögen.

Diese meine Gedanken mögen als Anregung dienen. Über Ihre eigenen Denkprozesse werden Sie auch Ihre einzigartigen eigenen Schlüsse ziehen. Was die Meinen betrifft, denke ich, eine Menge von Übereinstimmungen mit Analitik zu erkennen – betreffs der Botschaft des Filmes [4]. Hier der Link zu seinem Artikel:

Die Matrix

Analitik erklärt sehr schön den Sinn von Metaphern. Und so ist auch die Wahl zwischen der roten und der blauen Pille (vor die Neo im Film gestellt wird) eine Metapher; die Wahl zwischen Freiheit und Bequemlichkeit (und der aus Zweitem folgenden Unfreiheit). Und diese Metapher sagt noch etwas, wovon auch ich zutiefst überzeugt bin: Wir haben immer die Wahl. Und es ist vielleicht ganz gut, wenn wir jetzt kleine Heldentaten leisten (in freier Entscheidung), als später unter großen Opfern große Heldentaten vollbringen zu müssen, “nur”, um zu überleben. Diesen kleinen Mut wünsche ich allen Menschen, denn er kann letztlich Großes bewegen.


Nachbemerkung in eigener Sache

Sollte an dieser Stelle eine Diskussion zu den beiden Artikeln Analitiks in Gang kommen, dann bitte ich Sie, diese Diskussion tatsächlich mit Fokus auf die hier betrachteten Themen zu führen. Bitte sehen Sie es mir nach, wenn ich ausschließlich Kommentare mit Bezug auf diese Themen freischalte. Befassen Sie sich – gern kritisch – mit den Inhalten, womit Sie die Menschen automatisch und gebührend würdigen.

Quellen

[1] http://analitik.de/2016/12/10/singen-gegen-die-teufel/

[2]11.12.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Matrix

[3] 2003; http://www.matrixseite.de/Texte/matrixessay.html

[4] 6.12.2016; http://analitik.de/2016/12/06/die-matrix/

Titelbild

Name: Matrix; Autor: Communication Software; https://cdn.pixabay.com/photo/2016/11/05/08/18/matrix-1799650_960_720.jpg; Lizenz: Public Domain

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