Gedanken zu Krieg und Frieden

Dieser Artikel speist sich aus mehreren, teilweise öffentlichen Diskussionen. Die dort dargelegten Meinungen und Gedanken befassten sich mit der allumfassenden Frage, warum es überhaupt Krieg gibt. Ob es Krieg vielleicht immer geben wird und wir uns mit dieser Form von Konfliktlösung abfinden müssen, weil sie Teil unseres Wesens ist. Damit fließen in die Beiträge neben den Meinen auch sehr viele Ansichten meiner Freunde ein. 


Krieg und Frieden sind universelle Begriffe und so wurden bei deren Betrachtung Aspekte aus Philosophie, Ideologie, Psychologie, Politik und Wirtschaft, im Prinzip das ganze Spektrum, was eine menschliche Gesellschaft heutzutage ausmacht, beleuchtet – ohne dabei den Anspruch zu vertreten, alle Fragen zu Krieg und Frieden erschöpfend beantworten zu können. Eher möchte die Artikel zu einer lebhaften Diskussion und dem damit möglichen Erkenntnisgewinn ermutigen. An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön meinen Freunden Anna, David, Dan, Mark und Josek für ihre Unterstützung!

Was eigentlich ist Frieden und was ist Krieg?

2016-01-17_Taube-Kanone_mainpost.de

Frieden beginnt auf der kleinsten Ebene, im eigenen Ich. Durch ihn ist es dem Menschen gegeben, symbiotisch mit anderen Elementen zu harmonisieren. Krieg ist der Unfrieden – mit sich selbst und mit anderen. So entsteht er also – zuerst im Kleinen – oft als Folge des Unfriedens mit sich selbst und kommt damit ursächlich aus uns Menschen. Krieg ist außerdem unmittelbare Machtausübung, von sich und dem eigenen Konflikt weg zeigend und übrigens zuerst auf die gerichtet, welche man für „seinen“ Krieg zu „gewinnen“ sucht. Menschen verfügen über unterschiedliche Mittel zur Lösung von Problemen. Diese Lösungswege sind wie eine Matrix im Menschen angelegt und Produkt von Faktoren, wie Erziehung, psychischer Konstitution, Empathie; zusammengefasst Anlagen und Erlebtem. Krieg (Gewalt) ist auch ein Zeichen von Hilflosigkeit und Kontrollverlust.

Krieg ist ein gewaltsames Mittel, um Frieden im eigenen (egoistischen) Sinne durchzusetzen. Frieden dagegen ist ein Wagnis, eine innere Einstellung. Krieg ist die Abwesenheit von Empathie, Frieden ist die Anwesenheit von Empathie. Das Wagnis ist die Aufgabe von Sicherheit und hierzu möchte ich Dietrich Bonhoeffer zitieren, der da sagte:

„Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung.“ [1]

Bei Betrachtung unserer eigenen Leben entsteht oft der Eindruck, dass Menschen sich in Angst generell verlieren oder dass eine übersteigerte Wahrnehmung von Gefahren impliziert wird. Auf unserem Planeten haben wir viele Gefahren. Ja, unser ganzes Universum birgt Gefahren. Diese Wahrnehmung von Gefahren ist aber höchst unterschiedlich. Vor was hat man im Alltag mehr Angst? Dass uns ein Meteorit auslöschen könnte oder dass wir an Vogelgrippe sterben oder dass unser Wirtschaftswachstum nachlässt? Auf welche Weise werden wir in unseren heutigen Gesellschaften eigentlich auf Gefahren „aufmerksam“ gemacht?

Im Leben ist nichts wirklich sicher, im Gegensatz zur Endlichkeit des selbigen. Es fängt ja in den zwischenmenschlichen Beziehungen an. Wenn Freundschaften oder Beziehungen aus einem Zwang heraus entstehen, weil man glaubt dadurch Sicherheit zu gewinnen, ist das ein Trugschluss, der sich letztlich in Unzufriedenheit äußert. Sinnigerweise enden solche Beziehungen daher auch gelegentlich in einem Rosenkrieg, in dem Jeder auf den Anderen zeigt, dabei Jenen in Schuld sehend.

Durch Sicherheit „befreit“ man sich aber auch von Verantwortung. Wir werden passiv und lassen mit uns geschehen, statt aktiv und aus eigenem Antrieb die erkannte Verantwortung auch wirklich wahr zu nehmen. Wenn wir jedoch in Passivität verharren, wird uns das Heft des Handelns aus der Hand genommen und statt dessen tritt die Kategorie Macht in Erscheinung. Und mit Dominanz von Macht tritt nun das kriegerische Element auf den Plan; egoistisch, gewalttätig und ausnutzend manipulativ. Man kann auch sagen, dass unsere unreflektierten Sehnsüchte nach Sicherheit und Bequemlichkeit die Steigbügelhalter der Macht und des Krieges sind!

Es lässt sich erkennen, dass Frieden und Krieg zwei grundsätzliche Arten des Herangehens zur Lösung von Konflikten sind. Krieg muss damit aber beileibe nicht zwangsläufig auf einen entstandenen Konflikt folgen. Denn in empathisch denkenden und handelnden sozialen Gemeinschaften, die von Mitgefühl, Mitleid und Hilfsbereitschaft geprägt sind, wird auf jeden Fall die friedliche Lösung angestrebt. Krieg im Gegensatz dazu ist nichts anderes als ausgeübte Macht zur Bekämpfung eines (über die getriggerte Angst als Gefahr erkannten) Gegners.

Mit diesem Denken ist die angestrebte Niederwerfung eine Vollständige, aber auch nur dann wenn der Gegner sich der Macht unterwirft und diese somit akzeptiert. Anderenfalls ist eine vollständige Schädigung bzw. Zerschlagung des Gegners das Ziel. Letztendlich beinhaltet der Gedanke an Krieg immer eine bewusste, gewollte und maximale Schädigung Anderer, das macht einen „humanen“ Krieg, wie er im Völkerrecht versucht wurde, bindend für alle Staaten zu machen, illusorisch.

Kriegstreiber und zum Krieg Getriebene

Naturgemäß führen ihn Menschen, wie andere Wesen auch, um zu überleben. Krieg ist dann echter archaischer Überlebenskampf. Die Kriegsgene des Menschen haben demnach eine selbstverständlich sinnvolle Aufgabe und Angst ist der entscheidende Impuls, den Krieg (Aggression, Flucht nach vorn) in uns zu entfachen. 2016-01-17_Angst_scinexx.deDie damit im Menschen geprägten Strategien zur Gefahrenabwehr haben seine Existenz bis heute maßgeblich (mit) ermöglicht. Die Frage ist, auf welche Weise die kriegerischen Instinkte des Menschen geweckt werden. Und leider lässt sich die menschliche Psyche auch „hinters Licht führen“ und ihr können vermeintliche Gefahren vorgegaukelt werden, die in Wirklichkeit gar nicht existieren, aber trotzdem unsere Kriegsbereitschaft (per Angsttrigger) wecken. Fast zwangsläufig fällt damit unser Blick auf die Berichterstattung der Massenmedien …

Wie auch immer getriggert, das friedliche – wie auch das kriegerische Verhalten sind unbestreibare Wesensmerkmale des Menschen und die Frage stellt sich unweigerlich, ob damit für alle Zeiten Krieg ein Teil der menschlichen Zivilisation sein wird – oder hat diese Logik einen Haken? Betrachten wir das, was geschieht, wenn wir uns nicht in einer akuten Gefahrensituation befinden, erkennen wir schnell den Normalzustand des Menschen, der dauerhaftes menschliches Zusammenleben erst möglich macht; ein friedliches, gemeinschaftlich handelndes Wesen. Dieses kooperative Merkmal ist daher genauso wichtig für das Überleben der menschlichen Spezie wie seine Mittel zur Gefahrenabwehr. Damit ist auch gesagt, dass ein immerfort währendes menschliches Agieren im „Kriegsmodus“ eben nicht normal ist.

Das Problem unserer gegenwärtigen Gesellschaften ist also nicht darin begründet, dass wir sowohl zum Frieden als auch zum Krieg befähigt sind. Es liegt vielmehr darin, dass wir auch Krieg führen, wenn wir es eigentlich gar nicht müssen! Aber wie das?

Manche Menschen (die Minderheit) sind für gewalttätige Methoden – und das ist ja Krieg – scheinbar mehr prädestiniert als die große Mehrheit. Die Minderheit hat zudem offenbar auch die Fähigkeit, die große Mehrheit sozusagen in ihren Bann zu ziehen. Das bedeutet, dass Menschen zwar ganz allgemein affin für Kriege sind – prinzipiell aber eigentlich nur, wenn das auch wirklich (z.B. zur Erhaltung der eigenen Unversehrtheit) notwendig ist. Leider jedoch gibt es eben diese kleine Minderheit, welche über Anlagen verfügt, aus sich heraus permanent in den Krieg zu treiben.

Hinter den Anlagen dieser Menschen verbirgt sich allerdings in Wirklichkeit ein Defekt und unglücklicherweise werden in Gesellschaften wie der Unsrigen diese Menschen auch noch fälschlicherweise als besonders gut geeignet für Führungsaufgaben betrachtet. Warum? Weil es z.B. (wie w.o. bereits erwähnt) bequem für die Anderen ist und sie auf diese Weise, der mit Aufwand verbundenen Verantwortungsnahme entgehen können.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Menschen in den Führungsetagen von Wirtschaft und Politik tendenziell psychische Störungen aufweisen und diese Posten durch Negativauslese erreicht haben, dann lässt sich schlussfolgern, dass Kommunikationsmuster und Interessengrundlagen tendenziell doch sehr andere sind, als im Kreise der Bekannten und Freunde. Im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung gibt es eine signifikante Konzentration an Psychopathen, Soziopathen und Narzisten in den Führungsriegen. Dies hat auch strukturelle Ursachen, denn so ist z.B. der homo oeconomicus, der unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegt und so auch gewünscht ist, mit den Merkmalen von Charakteropathen ausgestattet. Woran nun lassen sie sich erkennen?

Psychopathen urteilen rein rational aus Kontrollsucht heraus, sind extrem machtorientiert und ohne Empathie. Diese Orientierung „befähigt“ sie, Führungsaufgaben zu übernehmen. Auch Soziopathen haben eine gestörte Empathie und zeichnen sich durch einen ausgeprägten Egoismus aus. Narzisten ihrerseits finden im Kreis der Erstgenannten eine Bühne, auf der sie sich profilieren können. Dabei scheuen sie in der Sehnsucht nach Anerkennung nicht vor exzessiver Arbeitsübernahme zurück und versuchen so, ihren Wert zu untermauern. Die gesellschaftlichen machtbasierten Strukturen, so wie sie heute gegeben sind, fördern den Aufstieg solcher Menschen.

Diese Menschen – zusammengefasst eben Charakteropathen genannt – werden durch die beschriebenen Verhaltensweisen geprägt, was nicht heißt, dass die große Masse der Menschen frei von diesen ist. Angst, Hass, Gier, Missgunst, Egoismus und Selbstsucht sind selbstverständlich in Jedem von uns mehr oder weniger stark ausgebildet. Demnach können sie jederzeit bei uns abgerufen werden, sinnvollerweise (ja es hat schon seinen Sinn!) – aber leider eben auch missbräuchlich. Und das machen sich insbesondere Psychopathen zu Nutze, sind sie doch aufgrund ihrer gestörten bzw. nicht vorhandenen Empathie in der Lage, andere Menschen für eigene Zwecke zu manipulieren, ohne dabei selbst Schuld, Mitleid, Reue oder Selbstzweifel zu empfinden.

Nach all dem bisher Gesagten sind Zweifel angebracht, ob der Traum von einer Menschenwelt ohne Kriege nicht doch unrealistisch ist. Und es gibt wohl auch keine ultimativen Lösungen, die den Krieg absolut ausschließen können. Aber es wäre ein Fortschritt, wenn die Menschen sich viel mehr mit dieser Thematik beschäftigen würden und das beginnt im täglichen Leben.

Denken wir an so simple Dinge wie das ehrliche Mitfühlen und Denken mit anderen Menschen, statt einer Kommunikation die nur darauf aus ist, das Ego herauszustellen. Oder auch die Wahrnehmung von Verantwortung, denn ohne dies wird dem Charakteropathen ja das Feld des Handelns faktisch überlassen. Also ist Eigeniniative der Menschen ein großer Hebel, um Menschen, die Verantwortung gar nicht wahr nehmen können (weil nur in Macht gefangen), den Nährboden für ihr destruktives Handeln zu entziehen.

Außerdem ist es doch heutzutage so, dass ein Krieg bspw. um Ressourcen eigentlich überflüssig ist. Die Ressourcen-Verknappung wird ja künstlich herbei geführt von Machteliten und die Betroffenen geraten in eine Situation, in der sie Krieg als unvermeidlich sehen; in Staaten der Dritten Welt durch existenzielle Nöte und zusätzlich durch soziale Entwurzelung – und in der Ersten Welt, weil den Menschen durch Propaganda diese Notwendigkeit eingetrichtert wird, obwohl sie überhaupt nicht gegeben ist. Dabei ist der Krieg nicht einmal in Zeiten von Ressourcenmangel zwingend, denn das die Menschen auch da kooperative und damit friedliche Lösungen sehr wohl zuerst angehen, wurde im Großen wie im Kleinen oft genug bewiesen.

Genau wenn diese Problematik erst einmal im Bewusstsein der Allgemeinheit manifestiert wäre, könnte man auch einen vernünftigen Diskurs über die Mechanismen in unserem System aufnehmen. Damit würde die Art der Auslese sich ändern, Führungspositionen würden charakterstarken Personen zufallen, die eben keine ausgeprägten Egotisten sind. Mehr noch, ergäbe das die Möglichkeit, machtbasierte gesellschaftliche Systeme vom Grundsatz her zu hinterfragen.

Gibt es ein Recht auf Krieg?

Ist es aber trotzdem nicht recht und billig, sich auf eine Bedrohung einzustellen und somit auch auf einen Krieg vorbereitet zu sein – propagandistisch, politisch, wirtschaftlich und militärisch? Tun wir das nicht, sind wir doch potenziellen Aggressoren schutzlos ausgeliefert, oder? 2016-01-25_no_thanks_zeichendeswandels.deVielleicht ist die Zeit tatsächlich noch nicht reif und wir benötigen zumindest übergangsweise eine militärische Macht, diese sollte dann jedoch tatsächlich und konsequent auf Verteidigung ausgelegt sein. Es wäre natürlich wundervoll, wenn es kein Militär mehr in der Welt gäbe, da ein Weltfrieden eben jener nicht bedarf. Jedoch ist es eine Utopie, die wir aller Vermutung nach zu Lebzeiten nicht erblicken werden. Wenn es also einen wirklichen Aggressor geben sollte, der unsere frei gewählte Art zu leben in Frage stellt, brauchen wir wohl einen militärischen Arm der Verteidigung – oder gar eines „vorbeugenden“ Angriffs?

Das ist für den Großteil der Menschen eine ernsthafte Option, denn Angriff ist doch die beste Verteidigung – oder eher doch nicht? Präventivschläge waren ja das Mittel der Wahl, als der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten immer aufs Neue vorgegaukelt wurde, dass vermeintlich aggressive Staaten den Weltfrieden bedrohen, praktisch UNS angreifen wollten. Woher können wir wissen, was der Wahrheit entspricht, haben wir gelernt die Sprache der Lüge zu entlarven?

Die Bevölkerung wird konditioniert auf einen Feind, den es womöglich gar nicht gibt. Gerade in Anbetracht der Geschichte und Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges sollten wir es uns mehr als zweimal überlegen, ob wir möchten, dass wir fremdgesteuert werden. So lange es ein Machtsystem gibt, an dessen Spitze Charakteropathen stehen, können wir nun mal nicht vertrauen, dass unsere Armee, tatsächlich und ausschließlich der Verteidigung unseres Landes dient. Denn diese Menschen werden uns auch weiterhin belügen; um ihrer Selbstsucht wegen.

Womit wir zum nächsten Punkt kommen, dass nämlich Krieg als Ultima Ratio gängiges Diskussionsthema ist, viel mehr als die wahrhaftige Suche nach friedlichen Konfliktlösungen. Ich halte es für äußerst gefährlich, wenn die Menschen permanent propagandistisch, politisch, wirtschaftlich und militärisch auf Krieg vorbereitet werden. Da doch allein schon dies eine Form des Krieges ist, nämlich weil – so unwirklich das manchem erscheinen mag – hier gewaltsam unser Unterbewusstes auf die Fähigkeit zum Krieg führen konditioniert wird. Das hat tiefgreifende Konsequenzen, denn es hindert uns, andere Menschen als Partner zu sehen. In einer solchen psychischen Konstitution wird natürlich bspw. Wirtschaftstätigkeit logischerweise in Konkurrenz statt in Kooperation betrieben – völlig entgegengesetzt zu dem, was dem Menschen natürlicherweise innewohnt.

Diese Konkurrenz wird aber von Ideologen (die sich mit dem Schein der Wissenschaftlichkeit umgeben) als das Normalverhalten sozialer menschlicher Systeme propagiert! Jene Pseudowissenschaftler erfüllen mit der allseits akzeptierten Verbreitung ihrer Dogmen eine äußerst wichtige und von der Masse der Menschen unterschätzte propagandistische Funktion zum Erhalt eines weltweiten, menschenfeindlichen, ausbeuterischen Systems. Die Anerkennung der dogmatischen (weil im Sinne der Verbreiter alternativlosen) Ideologie vom Menschen als egoistischen und konkurrierenden Wesen kommt einer Unterwerfung gleich. Im Umkehrschluss ist die gesellschaftliche Durchsetzung dieser Ideologie erfolgreich umgesetzte Macht, nämlich Herrschaft.

Die Frage ob es ein Recht auf Krieg gibt, lässt sich deshalb leider nur mit einem provokativen – JA beantworten! Denn wenn ein Mensch im Kriegsmodus agiert, dann ist das ja seine wahrhaftige Verfassung, welche sich nun nach außen darstellt. Die Frage stellt sich letztendlich jedem einzelnen Individuum und wird von diesem – aus seiner Sicht – wahrheitsgemäß, seinen Erkenntnissen entsprechend und seinen (überlebenswichtigen) Emotionen folgend beantwortet.

Es gibt nun einmal keine unabhängige Instanz außerhalb unseres Ich’s, die eine moralische oder gar ethische Bewertung dieser Entscheidung vornimmt. Jeder Mensch handelt nach seinen Überzeugungen – übrigens selbst ein Psychopath handelt danach. Wenn dem so ist, ergeben sich hieraus neue und durchaus unbequeme Fragen. Denn eine reine Verurteilung und Bekämpfung uns „böse“ erscheinender Gedanken und Handlungen laufen auf die gleichen Mechanismen hinaus, die auch ein Psychopath nutzt! Was diesen Aspekt betrifft, bin ich an einer lebhaften Diskussion besonders interessiert.

Kriegspropaganda – Direkter Weg in den heißen Krieg

Streng genommen ist der Begriff „Kriegspropaganda“ unsinnig, denn Propaganda ist Krieg! Es ist ein Krieg gegen Köpfe, ein Machtspiel, initiiert mit dem Ziel sich menschliches Denken und nachfolgend Handeln zu unterwerfen. Verblüffend wie verstörend ist aber, dass die geistig auf diese Weise vereinnahmten Menschen nachfolgend gleichermaßen Wesensmerkmale der Propaganda leben. Es ist also ein Irrtum zu glauben, nur eine sektiererische und in ihrem Wesen das Böse in sich tragende Elite wäre fähig in den Krieg zu treiben. Dazu mal dieses bildhafte Beispiel aus einem Blog: 2014-08_kurden-maedchen_propaganda_schwerdtfegrIst jedem klar, dass wir hier musterhaft praktizierte Propgaganda sehen? Wem es nicht ersichtlich geworden ist, den möge das Beispiel zum Nachdenken anregen. Mein Ding ist es übrigens nicht, die Menschen hinter der Propaganda zu verurteilen! Wie so viele andere Menschen hat mit Sicherheit auch dieser Blogger aus seiner Sicht triftige ethische Gründe, um in dieser Weise auf die Not und das Leid Dritter aufmerksam zu machen.

Aber es bleibt Propaganda, ein Angriff auf unsere (unterbewussten) Emotionen und das Aufdecken der Propaganda, um zu sensibilisieren, um wach zu rütteln, zu hinterfragen, das halte ich für unbedingt notwendig. Denn wir alle sind durchdrungen von dieser gewalttätigen Art der Kommunikation, denn es ist Gewalt, weil sie den Rezipienten daran hindert, das Gesehene zu reflektieren, Kontexte zu erforschen und zu verarbeiten um darauf hin in freier Entscheidung eigene Schlüsse ziehen zu können. Der Rezipient soll glauben! (Soll=Versuch, Macht auszuüben; Glauben=Verhinderung von Reflexion)

Propaganda – der Krieg gegen den freien Willen des Einzelnen – zur Inbesitznahme der Hirne durchdringt also die gesamte Gesellschaft, jeden von uns, Sie und mich. Im Kleinen und bei trivialen Alltagsproblemen praktizieren wir unbewusst den kleinen Krieg. Und nur durch bewusstes Reflektieren sind wir überhaupt in der Lage, diese Tatsache zu durchdringen. Denn, wie gesagt, in dem wir uns tagtäglich (und kaum vermeidbar) der Propaganda aussetzen, praktizieren wir sie auch! Es sei denn, wir werden uns ihrer bewusst – sind wir das?

Wir haben nicht gelernt, diese uns umgebende Welt, gerade die Alltagswelt, als eine Welt des Krieges zu erkennen. Wir meinen, dass Krieg nur „handfest“ geführt wird, dabei ist (wie gerade gezeigtes Beispiel zeigt) die Sprache entlarvend, mit der wir konfrontiert werden. Wer medial auf einen Krieg vorbereiten möchte, muss die Sprache verfälschen, um Feindbilder zu schüren. Wir werden konditioniert für den Krieg, müssen es, denn diese Kriege, die wir führen sollen, sind keine „natürlichen“ Kriege, die wir unseres Selbsterhalts wegen führen.

Es liegt an jedem selbst, sich mit sprachlicher Manipulation und Medienkompetenz zu beschäftigen. So und so ist es zwingend notwendig, die andere Seite zu hören oder zu lesen, denn wie sonst können wir verstehen? Es wird auf allen Seiten manipuliert, weil wir genau so indoktriniert wurden, aber die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Sichtweisen macht auch die Paradigmen der Akteure bekannt. Und sie schafft etwas sehr wichtiges – Vertrauen, denn der (entmenschte und damit bekämpf- und vernichtbare) Feind wird dadurch in unseren Augen nämlich wieder zu dem was er wirklich ist – zu einem Menschen.


Quellen

[1] Bonhoeffers Rede auf der Fanö-Konferenz, gehalten am 28.8.1934 (DBW 13, Seite 298-301); http://www.dietrich-bonhoeffer-verein.de/index.php?id=48

[Titelbild] Autor: TimHaynes; Datum: 2016-04-17; Quelle: flickr.com_Lizenz: CreativeCommons

[b1] Taube auf Kanone; Quelle: mainpost.de

[b2] Angst; D.Sharon Pruitt; CreativeCommons.org

[b3] no thanks; zeichendeswandels.de

[b4] Kurden-Mädchen; August 2014; schwerdtfegr.wordpress.com

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