Stippvisiten bei den Bilderbergern (5)

Mit Analyse der Bilderberg-Teinehmer haben wir uns bis hier her durch die Finanz- und Realwirtschaft gearbeitet. Dabei deckten wir immer neue Verbindungen zwischen ihnen und den Medien auf. Nach vier Teilen dieser Artikelreihe haben wir eine Motivation erkannt: die strikt nach der Lehre von Adam Smith gelebte Sehnsucht nach Mehrung von Kapital zur Mehrung privaten Reichtums als Symbol persönlichen Glücks – und dem Seiteneffekt, dass alle anderen dabei auch glücklich würden. Absurd wie akzeptiert ist diese Weltsicht. Aber warum streben die Exponenten so hingebungsvoll egoistisch in diese Richtung?


Einführung

Wenn Menschen das eigene Interesse vor das der Gemeinschaft stellen und das auch durchsetzen möchten, ist für sie eines unverzichtbar: Durchsetzung von Macht. Denn schließlich will sich hier der Egoismus einer Minderheit gegen gesellschaftliche Interessen einer Mehrheit durchsetzen. Macht nun hat viele Facetten. Sie kann brutal physisch bis subtil wirken. Am besten aber für den Machtbewussten ist es doch, wenn er die Beherrschten im Glauben lässt, sie würden ihren freien Willen ausleben – dabei aber im Sinne des Egoisten handeln. Um das umzusetzen, benötigt der Machtbewusste eine Ideologie; ein Denkmuster welches er den zu Beherrschenden überhelfen kann; eine geistige und eben gar nicht schmerzhafte Waffe der Unterwerfung seiner missbrauchten Opfer.

In diesem Zusammenhang möchte ich Eines in den Raum stellen: Wozu brauchen Menschen Ideologien, außer, um Macht umzusetzen? Machen wir uns bewusst, dass kein Mensch von sich glaubt, Böses zu tun, subjektiv ist er immer auf der Seite der Guten. Und weiterhin ist Ideologie kein Ausdruck freien Denkens als Angebot und Inspiration für Andere. Ideologie ist einzig der freie Wille des Apologeten, dem sich das Denken der Anderen unterordnen muss. Und wenn Machtgierige sich treffen, Ideologen also, dann kommt es zum Kampf der Ideen. Gut?

Um Menschen gegen ihren inne wohnenden natürlichen freien Willen handeln zu lassen, sie also geistig zu beherrschen, ist ein erheblicher und nicht endender Aufwand erforderlich. Die gewalttätige Manipulation der Köpfe, als Propaganda bekannt, das Aufzwingen von Ideologien durch (sich so sehende) Eliten muss in großer Breite und dogmatisch daher kommen, sie muss laut und unehrlich sein. Sie muss das Unterbewusste der Menschen missbrauchen, um sie zu hindern, kritisch und reflektierend nachzufragen.

Dafür sind Institutionen notwendig. Die „Lautsprecher“, die Medien haben wir im vergangenen Teil schon auf ihre Vertreter bei Bilderbergs untersucht. Nun wenden wir uns den Einrichtungen zu, in denen Ideologien mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen werden und in denen Menschen herangezogen werden, um diese Ideologien zu leben und weiter zu verbreiten. Und die weiterhin Mechanismen erforschen, wie Macht erhalten und erweitert werden kann. Diese Institutionen erscheinen uns harmlos, doch sind sie das Gegenteil. Sie sind die geistige Quelle unzähliger Kriege, denn sie schaffen etwas ganz Entscheidendes, eine geistige Kriegsbereitschaft der Menschen. Jeder Krieg beginnt im Kopf!

Denkfabriken und Institute

Der Begriff flößt Respekt ein. Hier machen sich Tag für Tag kluge Menschen ernsthafte Gedanken um Wohl und Wehe der Gesellschaften. Sie können Politikern mit Rat und Tat zur Seite stehen. In Denkfabriken sind die Geostrategen zu Hause, die unsere komplizierte Welt als Einzige wirklich verstehen und uns erklären. So sehen sich wohl die Menschen, die dort tätig sind. Sie verbinden ihre strategischen Konzepte mit Fürsorge und Weitblick, doch dieses Selbstverständnis hält den Auswirkungen von Denkfabriken auf die gesellschaftliche Realität nicht stand. Denkfabriken [a1] werden von bestimmten Menschen geprägt und sind ebenso von bestimmten Menschen oder Menschengruppen finanziell abhängig. Das Bild einer unabhängigen Einrichtung, das sie gern von sich selbst vermitteln, stimmt also nicht.

Ganz ähnlich gilt das Gesagte für die Institute. In uns ist das Bild von Professoren und Doktoren, welche sich mit gesellschaftlichen Themen beschäftigen, die viel zu komplex sind, als das einfache Menschen sie noch verstehen können. Oder sollen sie eher nicht verstehen? Und sollen sie viel mehr das aufnehmen, was ihnen die „Experten“ direkt oder indirekt vermitteln?

Denkfabrik / Institut
Teilnehmer bei Bilderbergern von 2013-2015
Stratfor
Robert D. Kaplan
Council on Foreign Relations
Robert E. Rubin (3x)
The Messina Group Jim Messina
Berggruen Institute on Governance Nicolas Berggruen
Institute for Advanced Study Robbert H. Dijkgraaf
American Enterprise Institute Nicholas N. Eberstadt; Richard N. Perle (3x); Charles A. Murray
Novartis Institutes for BioMedical Research Mark C. Fishman
Hudson Institute Marie-Josée Kravis(3x)
Edmond J. Safra Center for Ethics Lawrence Lessig (s.o.)
Carnegie Endowment for International Peace Jessica T. Mathews (2x), Eugene Rumer, William Burns, Karim Sadjadpour
French Institute for International Relations Thierry de Montbrial
The Hoover Institution Kevin Warsh, James Mattis
Peterson Institute for International Economics Robert B. Zoellick
École des Hautes Études en Sciences Sociales (Türkei)
Nilüfer Göle
Massachusetts Institute of Technology Susan Hockfield, Andrew McAfee
Rensselaer Polytechnic Institute Shirley Ann Jackson
The Brookings Institution Bruce J. Katz, Cheng Li
Legatum Institute Anne Applebaum
Institut Montaigne Laurent Bigorgne
Sciences Po Sergei Guriew, Gilles Kepel
KKR Global Institute David H. Petraeus
Concalves Pereira (Anwaltskanzlei) Vin Weber

Der CFR, das Brooking Institution, der Carnegie Endowment for International Peace (s.w.u.) und das American Enterprise Institute werden als die einflussreichsten Denkfabriken gewertet [1] – und alle vier sind sie bei den Bilderbergern vertreten – Jahr für Jahr. Und zwischen 2013-15 mit insgesamt 15 Teilnahmen.

Vom US-Finanzminister zur Citigroup

Den Council on Foreign Relations (CFR) hatte ich ja vor geraumer Zeit bereits thematisiert; im Zusammenhang mit dem Grand Area Planning., als es um die (aus der Sicht seiner Akteure) legitimen Zugänge zu den Ressourcen der Erde für die westliche Staatengemeinschaft (vornweg die USA) ging. Und auch hier in dieser Artikelreihe fiel er uns schon auf. Mathias Döpfner (Chef des Springer-Konzerns), Martin H. Wolf (Mit-Herausgeber der Financial Times) sind langjährige und einflussreiche Mitglieder des CFR. [2] Seit einigen Jahren ist Robert E. Rubin Stammgast bei der Bilderberger-Konferenz. Und wir stellen nebenbei fest, dass es enge Verbindungen nicht nur zwischen der Wirtschaft und Denkfabriken bzw. Instituten gibt, sondern dass auch eine starke Vernetzung zu Bildungseinrichtungen [a2] existiert.

Robert Rubin studierte an der Harvard University (auch diese ist regelmäßig bei Bilderbergs vertreten), und nachfolgend an der London School of Economics. Danach arbeitete er lange Jahre in leitender Position bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Unter der Präsidentschaft Bill Clintons war er vier Jahre US-Finanzminister. In seine Amtszeit fiel die Aufhebung des Glass-Steagall Act, welches bis dahin dafür sorgte, dass Banken als Kredit-Banken (Einlagen- und Kreditgeschäft) oder als Investment-Banken (Wertpapierhandel) fungieren, nicht aber als beides gleichzeitig. Damit wurde insbesondere der Eigenhandel von Banken mit Wertpapieren verhindert. [3]

Der mit der Aufhebung dieser Restriktionen von der US-Regierung verabschiedete Gramm-Leach-Bliley-Act [4] machte (u.a.) die Fusion der Travelers Group (Versicherungskonzern der mit Wertpapieren handelte) und der Citibank (Kreditbank) zur Citigroup erst möglich. Hatte Robert Rubin ein privates, egoistisches Interesse daran? Überrascht es nun den Leser, dass Rubin, kaum als US-Finanzminister zurück getreten, als Berater und Direktor in die Citigroup eintrat, bei einem Jahresgehalt von über 10 Millionen US$ (insg. 126 Mill. US$)? [5]

Wenn ein Mensch das tut, dann nicht wegen eines Systems irgendwo außerhalb seiner Persönlichkeit, sondern wegen des Systems in seinem Kopf! Denn um grundlegende Bedürfnisse, gar eine Notlage, dürfte es wohl nicht gegangen sein. Solch ein Verhalten erleben wir allerdings nicht nur bei den sogenannten Eliten sondern überall in der Gesellschaft. Wir leben in einer Welt verlogener Doppelmoral, in der ethische Werte propagiert und anderen Staaten und Völkern deren Einhaltung aufgetragen wird. Welch armselige Kampagne war das doch, als man dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mittels der Panama-Papers Bereicherung vorwarf. [6] Aber Robert Rubin, der sich völlig legal – und trotzdem zweifellos auf Kosten der Gemeinschaft bereicherte – unter Ausnutzung seiner hohen politischen Funktion innerhalb der US-Regierung, was ist mit ihm? Das Establishment hat überhaupt keine Probleme mit seinem Verhalten, denn dahinter steckt eine Ideologie, die es rechtfertigt und die vor allem vom Establishment getragen wird. Und so ist Rubin ein gern gesehener Gast für private Gespräche im Sinne einer besseren Welt bei der Bilderberg-Konferenz. Nur, was ist die bessere Welt im Geiste Robert Rubin’s?

Robert Rubin ist also Co-Vorsitzender des Council on Foreign Relations. [7] Welche Gedanken, welche Vorstellungen von der Welt wird er wohl dort einbringen, durchdrungen von seiner eigenen elitären Stellung, die sich ihre eigene Ethik zurecht biegt? Es dürfte bekannt sein, dass sich der CFR neben den Einnahmen durch die Beiträge seiner Mitglieder durch Gelder der Rockefeller-Foundation und der Ford-Foundation finanziert. Übrigens arbeitet Robert Rubin auch für das Brooking Institution [8], einer weiteren der großen Denkfabriken.

Robert Robin war zwischenzeitlich auch mal Wirtschaftsberater Barack Obama’s und ist mittels Drehtüreffekt nie in der Hierarchie nach unten gefallen. Früher saß er unter anderem im Direktorium der NYSE (New Yorker Aktienbörse) und der Ford Company, deren Stiftung wie gesagt auch den CFR unterstützt. Er saß weiterhin im Vorstand der Carnegie Corporation, zu der auch das Carnegie Endowment for International Peace gehört. Er stand der US-Börsenaufsichtsbehörde U.S._Securities_and_Exchange_Commission vor und so stellt sich heraus, dass Robin munter zwischen politischem Amt und privater Wirtschaft wechselte. [9]

Die unauffälligen CFR-Teilnehmer

Eine Personalie wollen wir hier kurz beleuchten, die als offiziell eingeladener Teilnehmer des CFR gar nicht auf der Liste erschien – aber trotzdem immer zu Gast war. In Teil 1, als vorrangig die Akteure aus Banken, Versicherungen und anhängigen Gesellschaften untersucht wurden, tauchte auch ein gewisser James A. Johnson im Namen seiner Finanzberatungsfirma Johnson Capital Partners auf. Das erscheint dem Leser vielleicht etwas wenig, um mit im Lenkungsausschuss der Bilderberger zu sitzen, wie Johnson das tut – mit Recht. Denn er ist z.B. auch Mitglied des Council on Foreign Relations. [10] Der Council ist also noch stärker bei der Konferenz vertreten, als es die offizielle Teilnehmerliste vermuten lässt.

Neben der Mitgliedschaft in der Trilateralen Kommission leitete James Johnson auch neun Jahre lang das Brookings Institution, als weitere der vier w.o. erwähnten großen Denkfabriken. Ein Beispiel, welche Ratschläge das Brookings Institution so den Politikern gibt:

„[…] Ende 2006 Anfang 2007 veröffentlichte dann der der U.S.-Partei „Demokraten“ nahestehende Think Tank „Brookings“ zwei Denkpapiere („A Bosnia Option vor Iraq„, „Things fall apart„), die unter Bezug der Kriege in ex-Jugoslawien eine Teilung des Irak nach ethnischen Kriterien und Selektion der Bevölkerung vorschlugen […] bzw. mit einer Intervention der Nachbarstaaten Türkei und Saudi-Arabien und / oder einem Eingreifen der N.A.T.O.. kalkulierten.“ [10]

Johnson studierte an der Princeton University (eine weitere Universität, aus denen Repräsentanten bei Bilderbergs vertreten sind). In den 1990-iger Jahren stieg er bei der größten US-Hypothekenbank Fannie Mae zum Vorsitzenden auf. Wie Robert Rubin (s.w.o.) war auch James Johnson mal bei Goldman Sachs zugegen, er im Aufsichtsrat. Die einflussreiche Investment-Bank hat also ebenfalls weit mehr Interessenvertreter vor Ort, als es die Papiere der Teilnehmerlisten aussagen. Dass Goldman Sachs einer der Hauptstifter des Council on Foreign Relations ist, kann da kaum noch überraschen. [11] Wie Rubin (w.o.) unterstützte Johnson aktiv Barack Obama und sammelte 2008 Spenden für dessen Wahlkampf. Kurzzeitig war er sogar in der Nominierungsliste für die Vizepräsidenten der Obama-Administration, zog aber seine Kandidatur wegen Korruptionsvorwürfen im Umfeld der damaligen Finanzkrise zurück. [12]

Marie-Josée Kravis ist sicher ebenfalls für die meisten ein unbeschriebenes Blatt. Dabei ist sie immer ganz in Familie bei Bilderbergs, weil immer gemeinsam mit ihrem Ehemann vor Ort. Den kennen wir aus Teil 1 der Artikelreihe, es ist der Milliardär Henry Kravis, Vorsitzender des „Firmensanierers“ (Heuschrecke) KKR – und seit 2008 zu Gast. Marie-Josée Kravis ist nun beileibe nicht als Anhängsel ihres vermögenden Gatten geladen. Als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der Federal Reserve Bank of New York, Vorstandsmitglied der Ford Company und Mitglied der Ehrenlegion ist sie seit 1989 (und damit viel länger als ihr Ehemann) Dauergast bei Bilderbergs und dort im Steering Committee. Sie präsentiert das Hudson Institute. [13][14]

Damit ist die Bilderberg-Geschichte des Ehepaares Kravis aber noch nicht zu Ende. 2013 gründete Henry Kravis sein eigenes Institut, eben das KKR Global Institute (dessen Vorsitzender bezeichnenderweise unverzüglich eine Bilderberg-Einladung erhielt). Dieser erste Chef des Instituts war auch in den Jahren zuvor bereits Bilderberg-Teilnehmer, als CIA-Direktor. Sein Name ist David Petraeus, ein neokonservativer kriegstreibender Scharfmacher, der selbst Obama zu radikal wurde und deshalb sanft aus dem CIA-Direktorat ausgebootet wurde, wie auch Hillary Clinton von ihrem Amt der Außenministerin. [15][16] Warum rekrutiert KKR für sein neues Institut einen solchen Ideologen? In welche Richtung wird wohl das KKR Global Institute forschen und welche Werte wird es verbreiten? Nun ja, vor der CIA-Geschichte war Petraeus als General im Einsatz, erst im Irak und dann in Afghanistan. Und ein Sprecher von KKR kommentierte das Petraeus-Engagement so:

„Petraeus wird KKR’s Investment-Teams beim Auswahlprozess, unter besonderer Berücksichtigung von Investitionen in neuen Gebieten, unterstützen.“ [17]

Wie schon bei George Soros (Hedgefonds-Management) ist auch bei den Kravis gern die Rede von Philanthropen. [18] Sowohl bei dem Einen als auch den Anderen werden diesbezüglich von den Medien Lügen verbreitet, warum? Das Wiktionary beschreibt den Begriff so:

Bedeutungen:

[1] den Menschen bzw. der Menschheit freundlich gesinnte Person [19]

Das hat bei Milliarden-Gewinnen an und für sich schon, aber aus dem Betrieb von Private-Equitiy Fonds erst recht ein gewisses Geschmäckle (wie auch bei Hedge Fonds). Die Investition in ein Unternehmen, was oft mit der Übernahme verbunden ist, führt von Seiten KKR zu einer gnadenlosen Rationalisierung, ohne Rücksicht auf persönliche Schicksale, ohne Beachtung langfristiger Konsequenzen für das Unternehmen und sein Umfeld. Alles wird einzig dem Ziel untergeordnet, das Unternehmen teurer zu verkaufen, als man es einkaufte. Alles ist der Rendite der dahinter stehenden Investoren untergeordnet. Kravis – Philanthropen? Ist das Sponsoring für gemeinnützige Zwecke vielleicht eher eine Beruhigung des eigenen Gewissens? Wie dem auch sei, für Bilderbergers verkörpern die Kravis die richtigen Werte, um die Welt ein wenig besser zu machen. Fragt sich nur, für wen?

Dem Frieden – NICHT verpflichtet

Die Denkfabrik Carnegie Endowment für International Peace halte ich noch für ein paar Anmerkungen würdig, schon aufgrund ihres Namens, der sich ja zu deutsch so liest:

Carnegie Stiftung für internationalen Frieden

Bei Recherchen zum Ritt der Falken aus der US-Regierung in den Krieg gegen den Irak stieß ich auf einen Artikel von Zeit Online, der u.a. das Folgende beinhaltete:

„Vergangene Woche stellte der Washingtoner Think Tank Carnegie Endowment for International Peace sein Konzept vor. Eine Spezialistengruppe um den früheren Inspektionschef Rolf Ekeus forderte dort die Radikalisierung der Kontrollen: „Bewaffnet die Waffeninspektoren!“ Danach könnte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine multilaterale Schutztruppe gründen, geführt von Amerikanern. Diese Armee von etwa 50.000 Mann sei stark genug, um zu erzwingen, dass die Inspektoren das zu sehen bekommen, was sie sehen wollen. Das Rückgrat der Schutztruppe könnten Luftwaffe und Luftlandetruppen bilden. Die irakischen Streitkräfte hätten eine Flug- und Fahrverbotszone rund um die durchsuchten Gebäude zu beachten. Inspektionen würden nur ganz kurz vorher angekündigt. Die Überraschung Saddams wäre dann kein Glücksfall mehr, sondern der Normalfall. Die Inspektoren selbst würden von einer kleinen Armee ständig bewacht. Der Rest der Truppe wäre in der Türkei, in Saudi-Arabien, in Jordanien und in Kuwait stationiert. Die Einheiten sollten mit modernstem Aufklärungs-, Foto-, Beobachtungs- und Abhörgerät ausgerüstet werden. Jegliche Verletzung der Regeln würde eine Invasion des Irak nach sich ziehen. Sicher wird der Despot von Bagdad solche Zwangsinspektionen als eine Variante des Krieges verstehen. Carnegie-Präsidentin Jessica T. Mathews glaubt trotzdem, dass Saddam am Ende zustimmen wird: „Wenn nämlich die Alternative die vollständige Zerstörung seines Regimes ist.“ [20]

Das ist Friedenspolitik? Konnte solche vermittelnden Gedanken Jessica T. Mathews beim gemütlichen Bilderberger-Plausch oft einbringen? Schaut man auf die Anzahl der Kriegsbrände, die inzwischen entfacht sind, kann man sich dem Eindruck nicht ganz verwehren, dass die Friedensarbeit des Carnegie Endowment ziemlich erfolgreich war. Von welchem Frieden nur reden diese Menschen, dem durch Krieg befriedeter Völker und Staaten?

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Zwei Jahre später, ein verheerender Bürgerkrieg, angestoßen durch die US-Invasion, nahm im Irak seinen Lauf, legte eben jene Jessica T. Mathews einen Bericht vor, in dem es u.a. heißt:

„Eine Bedrohung der internationalen Sicherheit, des Nahen Ostens oder gar der USA durch im Irak stationierte Massenvernichtungswaffen habe seit 1991 nicht mehr bestanden. Der Report stellt die gesamte Argumentation der US-Regierung für den Beginn des Krieges gegen den Irak in Frage.“ [21]

Auf den Spuren der Falken

Zum Abschluss wollen wir uns einem Schwergewicht aus der Riege kompromissloser Verfechter der kriegstreibenden Neocons aus den USA widmen: Robert Zoellick. Dieser Mann steht in einer Riege mit Leuten wie Richard Perle, Paul Wolfowitz, Donald Rumsfeld und Dick Cheney, die allesamt auch schon bei Bilderbergs gesehen wurden. Auf seiner Teilnehmerkarte stand Peterson Institute for International Economics, aber fast überflüssig zu erwähnen, dass er natürlich auch Mitglied des Council on Foreign Relations ist. [22]

Bis in die 1990iger Jahre arbeitete Robert Zoellick im US-Finanzministerium um dann zur Hypothekenbank Fannie Mae zu wechseln (wie James Johnson; s.w.o.). Anschließend beriet er u.a. Goldman Sachs – richtig schon wieder Goldman Sachs. Im Jahre 1998 wurde er als Teilnehmer der erzkonservativen Denkfabrik Project for the New American Century (PNAC) bekannt. [23] Das PNAC hatte seinen Sitz übrigens im gleichen Gebäude wie das American Enterprise Institute, welches weiter oben ob seiner Bedeutung hervor gehoben wurde und in dessen Namen Richard Perle (ja der war auch beim PNAC) eine Dauerkarte bei Bilderbergs hat. Das Konzept des PNAC beinhaltete die Durchsetzung der absoluten Führerschaft der USA über den Globus, notfalls mit Gewalt und lehnte sich an die Theorien von Brzezinski und Mackinder. [24]

1998 machte das PNAC (mit oben genannten Personen, einschl. Zoellick) auf sich aufmerksam, als es den damaligen Präsidenten Bill Clinton vehement aufforderte, einen weiteren Krieg gegen den Irak zu beginnen. [25] Eben die gleichen Leute bekamen dann 2003 „ihren“ völkerrechtswidrigen und durch keine Resolution des UN-Sicherheitsrates gedeckten Irak-Krieg. Zoellick war damit „Teil eines weitreichenden neokonservativen Netzwerks von Denkfabriken, Medien, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und Werbe- bzw. PR-Agenturen„. [26] Wir können uns sicher sein, dass diese Netzwerke bis heute intakt sind. Ein weiterer Bilderberg-Gast (2015), der Anwalt und Lobbyist Vin Weber, war übrigens Mitunterzeichner der PNAC-Petition 1998. [27] Nicht zu vergessen der PNAC-Mitbegründer Richard Perle; ein weiterer Dauergast der Bilderberg-Konferenz. [28]

Nicht zu vergessen: Fünf Jahre war Zoellick Weltbank-Präsident! Der Mann ist ganz eng mit Macht und Geld verbunden. [29] Und es sei noch erwähnt, dass wir Robert Zoellick hier bereits in einer anderen Rolle als Gast bei den Bilderbergern sahen. 2014 und 2015 war er als Mitglied des internationalen Beratergremiums von Goldman Sachs geladen. Klassischer Drehtüreffekt…

Zwischenfazit

Vorausgesetzt, die von mir auf ihre Karriere und ihr Denken betrachteten Menschen, welche Denkfabriken bei der Bilderberg-Konferenz vertraten, sind auch nur annähernd repräsentativ, zeigt sich eine klare Ideologie. Eine Ideologie von Machtbewusstsein und selbst legitimierter Bereicherung, eine Ideologie der Überlegenheit, des Herabschauens auf Andere. Denkfabriken sind elitäre Einrichtungen und sie sind überhaupt nicht kreativ. Sie entwickeln immer nach den gleichen Denkmustern im Sinne: Wir holen uns, was wir brauchen und weil wir es brauchen, steht es uns zu; wer das nicht einsieht, steht auf der Seite der Bösen und wird von uns – den Guten – bekämpft. Im Grunde nehmen sie nur den Egotismus der Menschen in sich auf, verwursten diesen pseudo-wissenschaftlich, um ihn dann wieder auszuscheiden. Menschen mit Empathie, Menschen, die ihr Herz sprechen lassen, erkennen das. Das genau ist die Herausforderung für viele, viele Menschen, die das aus mannigfaltigen Gründen – derzeit nicht können.

Es wird Zeit, die Politiker bei Bilderbergers unter die Lupe zu nehmen, was im nächsten Teil geschehen wird.


Teil 4 <<<  Stippvisiten bei den Bilderbergern  >>> Teil 6

Anmerkung

[a1] Oft wird für Denkfabrik auch der englische Begriff Think Tank verwendet.

[a2] Der Aspekt Universitäten und Schulen wird in einem späteren Teil noch gesondert behandelt.

Quellen

[1] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Brookings_Institution#Policy_Influence

[2] http://peds-ansichten.de/2016/06/stippvisiten-bei-den-bilderbergern-4/

[3][4] Der Glass-Steagall Act und die Bankenregulierung; Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages; http://www.bundestag.de/blob/191032/99dcf3bbf89e3de31679202c7f291c6d/glass-steagall-act-data.pdf

[5][7][8] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Rubin

[6] https://propagandaschau.wordpress.com/2016/04/04/wie-die-cia-gesteuerten-medien-propaganda-mit-den-panama-papers-betreiben/

[9] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations#Membership

[10] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/James_A.Johnson%28politics%29

[11] 18.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Goldman_Sachs

[12] 4.6.2016; http://peds-ansichten.de/2016/03/die-spieletheorie-und-der-siegeszug-des-neoliberalismus-3/; Zitat aus: https://www.radio-utopie.de/2012/11/18/bbc-filmreihe-the-trap-iii-die-freiheit-von-berlin-oder-der-kampf-der-zivilisationen/

[13][18] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Marie-Jos%C3%A9e_Kravis

[14][16] 4.6.2016; https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Kravis

[15] 4.6.2016; USA/1370: Kriegstreiber werfen Obama Versagen in Syrien vor (SB); http://www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/usa1370.html

[17] 30.5.2013; http://www.reuters.com/article/us-kkr-petraeus-idUSBRE94T0D820130530

[19] 4.6.2016; https://de.wiktionary.org/wiki/Philanthrop

[20] Wahrheitssucher beim Vater aller Täuscher; Thomas Vasek; 26.9.2002; http://www.zeit.de/2002/40/Wahrheitssucher_beim_Vater_aller_Taeuscher/komplettansicht

[22] USA: think tank stellt Irak-Politik in Frage; Jens Steiner; http://de.indymedia.org/2004/01/71844.shtml

[21][23][25][29] 4.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Zoellick

[24][26] 4.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Project_for_the_New_American_Century

[27] 18.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Vin_Weber

[28] 18.6.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Perle

[Allgemein]

Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2013; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2013.html

Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2014; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2014.html

Teilnehmerliste – Bilderberg-Treffen 2015; http://www.bilderbergmeetings.org/participants2015.html

[Titelbild] Quelle: peds-ansichten.de; Lizenz: Public Domain

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