Wann Soldaten gern töten

Warum Töten Soldaten normalerweise eben nicht Spaß macht.


Damit Soldaten beim Töten Befriedigung empfinden, muss zuvor etwas in ihnen gebrochen worden sein. Psychpathen sind seelisch verkrüppelte Wesen und gehören dazu. Starke Ideologien können unser Menschsein aber ebenso verschütten. Doch die Natur des Menschen ist es nicht.


Der folgende Text stammt von John Horgan und erschien ursprünglich am 23. April 2010 in SCIENTIFIC AMERICAN unter der URL http://www.scientificamerican.com/blog/post.cfm?id=why-soldiers-get-a-kick-out-of-kill-2010-04-23 (leider dort nicht mehr abrufbar). Klaus Madersbacher hat aber damals den Text freundlicherweise übersetzt und auf seinem Blog antikrieg.com veröffentlicht.


Warum Töten Soldaten Spaß macht

von John Horgan, 23. April 2010

Übersetzung: Klaus Madersbacher, 28. April 2010; http://www.antikrieg.eu/aktuell/2010_04_28_warumtoeten.htm


Haben manche Soldaten Spaß am Töten? Wenn ja, warum? Auf diese Frage sind wir gestoßen durch das vor kurzem veröffentlichte Video, auf dem zu sehen ist, wie Piloten eines Apache Helikopters der Vereinigten Staaten von Amerika 2007 einen Reuters-Kameramann und dessen Fahrer in Bagdad erschießen. Nachdem sie die Kamera des Reuters-Reporters für eine Waffe hielten, erschossen die Piloten den Reporter und seinen Fahrer und weitere Menschen in der Nähe mit Maschinengewehren (v1):



Der abstoßendste Aspekt des von Wikileaks veröffentlichten Videos ist das Gespräch zwischen den beiden Piloten, deren Namen nicht bekannt gegeben wurden. Wie Elizabeth Bumiller von der New York Times es ausdrückt, “schwelgen die Soldaten in ihrem Töten”. “Schau dir diese toten Bastarde an”, sagt ein Pilot. “Nett”, antwortet der zweite. (v2)

Dieser Wortwechsel erinnert mich an eine Geschichte in der Times im März 2003, während der Invasion Bagdads durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Reporter zitiert Sergeant Eric Schrumpf, einen Marinescharfschützen, mit den Worten:

“Wir hatten einen großartigen Tag. Wir töteten eine Menge Leute.”

Nachdem er erwähnte, dass sein Trupp eine irakische Frau getötet hat, die sich in der Nähe eines Kämpfers aufgehalten hatte, fügte Schrumpf hinzu:

“Tut mir leid, aber die Puppe stand im Weg.”

Kommt die offenkundige Genugtuung – nennen wir sie Schrumpf-Effekt – die einige Soldaten aus dem Töten schöpfen, in erster Linie aus der Natur oder aus der Erziehung? Natur, behauptet Richard Wrangham, Anthropologe an der Harvard-Universität und Autorität im Bereich Schimpansen. Wrangham behauptet, dass die natürliche Selektion in männlichen Menschen und Schimpansen – unseren engsten genetischen Verwandten – eine angeborene Veranlagung für “gruppenmäßig organisiertes Töten” eingebettet hat, durch die die Mitglieder einer Gruppe Mitglieder einer rivalisierenden Gruppe attackieren. Männliche Menschen “genießen die Möglichkeit” andere zu töten, besonders wenn ihr Risiko, selbst getötet zu werden, dabei klein ist.

Vor ein paar Jahren stellten Genetiker an der Victoria-Universität in Neuseeland eine Verbindung her zwischen gewalttätiger männlicher Aggression und einer Variante eines Gens, das das Enzym Monoaminoxydase A verschlüsselt, das die Funktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin regelt. Laut diesen Forschern findet sich dieses Gen bei 56% der Maori-Männer, die bekannt dafür sind, “furchtlose Krieger” zu sein, und nur bei 34% der kaukasischen Männer.

Studien an Veteranen des Zweiten Weltkriegs legen allerdings nahe, dass sehr wenige Männer von Natur aus kriegerisch sind. Die Psychiater Roy Swank und Walter Marchand fanden heraus, dass 98% der Soldaten, die 60 Tage anhaltenden Kampfes mitgemacht hatten, an psychiatrischen Symptomen litten, zeitweilig oder chronisch. Die zwei aus den 100 Soldaten, die durch lange Kampfzeiten unbeeinträchtigt erschienen, wiesen “aggressive psychopathische Persönlichkeiten” auf, berichteten die Psychiater. Anders ausgedrückt, hat der Kampf diese Männer nicht verrückt gemacht, weil sie schon von Anfang an [davor] verrückt waren.

Erhebungen an Infanteristen des Zweiten Weltkriegs durch Brigadegeneral S.L.A. Marshall von der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika ergaben, dass nur 15 bis 20 Prozent ihre Waffen im Kampf abgefeuert hatten, sogar obwohl ihnen das befohlen worden war. Marshall schloss daraus, dass die meisten Soldaten es vermeiden, auf den Feind zu schießen, weil sie das Töten genauso fürchten wie das getötet werden. Marshall meinte in seinem nach dem Krieg veröffentlichten Buch Men Against Fire (Männer gegen Feuer):

“Das durchschnittliche und gesunde Individuum hat einen derartigen inneren und normalerweise nicht wahrgenommenen Widerstand gegen das Töten eines Mitmenschen, dass er nicht willentlich töten wird, wenn es möglich ist, aus dieser Verantwortung herauszukommen … Am entscheidenden Punkt wird er zum Kriegsdienstverweigerer.”

Kritiker haben Marshalls Behauptungen bestritten, aber die Armee der Vereinigten Staaten von Amerika nahm sie so ernst, dass sie ihre Ausbildung umorganisierte, um in den nachfolgenden Kriegen die Feuerquoten zu steigern. Laut Dave Grossman, einem ehemaligen Oberstleutnant der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika und Psychologieprofessor in West Point (Militärakademie). In seinem 1995 erschienenen Buch On Killing (Über das Töten) argumentiert Grossman, dass Marshalls Resultate erhärtet worden sind durch Berichte aus dem Ersten Weltkrieg, dem amerikanischen Bürgerkrieg, den Napoleonischen Kriegen und anderen Konflikten. „Der außerordentliche Mangel an Enthusiasmus am Töten eines Mitmenschen findet sich in der gesamten Militärgeschichte,” bestätigt Grossman.

Der Widerwille normaler Männer gegen das Töten kann überwunden werden durch intensives Training, direkte Befehle von Offizieren, weitreichende Waffen und Propaganda, die die Sache des Soldaten glorifiziert und den Feind enthumanisiert.

“Mit der entsprechenden Konditionierung und unter den entsprechenden Umständen sieht es so aus, dass fast jeder töten kann und töten wird,”

schreibt Grossman. Viele Soldaten, die Feinde in der Schlacht töten, freuen sich anfänglich, sagt Grossman, aber später fühlen sie oft tiefgehenden Ekel und Reue, was sich in posttraumatisches Stressleiden und andere Krankheiten umwandeln kann. Grossman glaubt, dass in Wirklichkeit die Probleme vieler Kriegsveteranen der Beweis sind für einen “starken angeborenen Widerstand des Menschen gegen das Töten seiner eigenen Art”.

Mit anderen Worten – der Schrumpf-Effekt ist normalerweise weniger ein Ergebnis der Natur als der Erziehung – obwohl “Erziehung” ein ungewohnter Begriff ist für eine Ausbildung, die aus normalen jungen Männern begeisterte Killer macht.


Nachtrag von Peds Ansichten

Ein ebenfalls bei WikiLeaks veröffentlichter Film mit Hintergrundinformationen zum Vorfall des Mordes an einem für Reuters arbeitenden irakischen Kameramann und dessen Fahrer sowie weiteren unbewaffneten irakischen Zivilisten (in englisch,v2):



Um zu erahnen, wie die US-amerikanischen Besatzungstruppen in dem von der eigenen Administration angerichteten Chaos im Irak tickten, empfehle ich außerdem das Studium des ins Deutsche übersetzten Transskripts über die Unterhaltung der Apache-Besatzung während ihres Einsatzes (3):

Die Leitmedien in den USA beeilten sich damals – im Juli 2007 – zu beschwören, dass es sich beim Tod der Reuters-Mitarbeiter (a1) um einen “Kollateralschaden” beim Kampf gegen “schiitische Milizen” gehandelt hätte (1). Diese Version wurde von Beginn an auch von Reuters selbst bezweifelt (2). Erst die Aufdeckung durch WikiLeaks brachte die Wahrheit an das Licht. Genau dafür wird Julian Assange bis heute vom US-Establishment gehasst.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(a1) Überhaupt nur, weil es sich um Mitarbeiter einer namhaften westlichen Nachrichten-Agentur handelte, schlug dieser Fall so hohe Wellen. Wie viele tausend irakische Zivilisten auf ähnliche Weise “versehentlich” getötet wurden, lässt sich kaum ermitteln.

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – einschließlich der oben angegebenen Primär- und Sekundärquellen – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(1) 13.7.2007; https://www.nytimes.com/2007/07/13/world/middleeast/13iraq.html

(2) Dean Yates; 16.7.2007; https://www.reuters.com/article/us-reuters-iraq/reuters-seeks-u-s-probe-into-killing-of-iraqi-staff-idUSL1617459520070716

(3) 12.7.2007; https://collateralmurder.wikileaks.org/file/transcript-de.txt

(v1) Wikileaks; https://youtu.be/is9sxRfU-ik; entnommen bei: 5.4.2010; https://collateralmurder.wikileaks.org/

(v2) Wikileaks; https://youtu.be/kelmEZe8whI; entnommen bei: 5.4.2010; https://collateralmurder.wikileaks.org/

Allgemein) Plattform zum Download der Original-Videos über den Einsatz https://collateralmurder.wikileaks.org/en/download.html

(Titelbild) Apache-Kampfhubschrauber; 25.7.2017; Autor: Military_Material (Pixabay); https://pixabay.com/de/ah-64e-apache-angriff-hubschrauber-2536299/; Lizenz: CC0 Creative Commons

6 Kommentare

  1. Ich kann in diesem Zusammenhang ein Video des englischen Youtubers Nicholas Lloyd, alias Lindybeige, empfehlen: „Shooting to kill – how many men can do that?“
    Link: https://www.youtube.com/watch?v=zViyZGmBhvs

    Lloyd ist Historiker und beschäftigt sich vor allem mit Militär- bzw. Kriegsgeschichte. Seine Beiträge sind in der Regel gut recherchiert und insgesamt recht unterhaltsam.
    Im oben genannten Video, denkt Lloyd über die Frage nach, ob und wie Menschen dazu gebracht werden können, andere Menschen zu töten. Ausgangspunkt sind dabei die Beobachtungen, die Militärs, allen voran das US-Militär bei ihren Soldaten gemacht haben. Vier dieser Beobachtungen möchte ich herausgreifen:

    Im zweiten Weltkrieg (WW2) erzielten 2% der US-Airforce Jägerpiloten 50% der Abschüsse. Damit haben diese 2% ebensoviele feindliche Flugzeuge abgeschossen, wie die übrigen 98%.
    Ebenfalls in WW2 machte nur rund ein Viertel der US-Infanteristen bei Feindkontakt von der Schusswaffe Gebrauch. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um die Soldaten in der Etappe, sondern die in vorderster Front, soll heißen, die in Kampfhandlungen verwickelt waren. Von den 25 %, die geschossen haben, lässt sich lediglich sagen, dass sie ihre Waffe grob in Richtung Feind abgefeuert hatten. Die wenigsten hatten ihre Waffe auf einen Gegner angelegt in der vollen Absicht, ihn zu töten.
    Diese Erkenntnis korrespondieren mit Experimenten der preußischen Armee, die die Effektivität ihrer Schützen überprüfen wollte. Zu diesem Zweck schoss ein Regiment (ca. 1000 Soldaten) eine Salve auf eine Stoffbahn, die so bemessen war, dass sie in Breite und Höhe einem gegnerischen Regiment entsprach. Nachdem jeder Soldat einen Schuss abgegeben hatte, wurden die Löcher gezählt, es waren ca. 500 Treffer. Immerhin. Unter Kampfbedingungen waren es dagegen ganze 3 Treffer. Die meisten Soldaten hatten über die Köpfe des Feindes hinweggeschossen.
    Als weiteren Punkt spricht Lloyd die Scharfschützenausbildung an: Nur ein kleiner Teil der Soldaten kommt für diese Ausbildung in Frage. Das liegt nicht daran, dass die meisten Soldaten schlechte Schützen wären, im Gegenteil: Viele Soldaten können, mit ein bisschen Übung, auf dem Schießstand dieselben Leistungen wie ein Scharfschütze erbringen. Aber nur etwa 2 % der Soldaten bekommt es auf die Reihe, die Waffe auf einen Menschen zu richten und abzudrücken, der sie selbst in keiner Weise bedroht.

    Als mögliche Erklärung verweist Lloyd auf die Tötungshemmung gegenüber der eigenen Art, wie sie die meisten Menschen und Tiere besitzen. Oftmals würden Konflikte in der Natur, z.B. Balz- oder Revierkämpfe, eben nicht bis zum Äußersten getrieben. Es gehe mehr um das Angeben, Posieren, Drohen, vulgo das Herausstellen der eigenen Stärke. Schwerverletzte und Tote seien eher selten. Diese Tötungshemmung wirke bei etwa 2% der Menschen nicht, bzw. nicht so stark. Das seien zum einen Psychopathen, zum anderen seien es solche Menschen, die für höchste und extrem selten verliehene militärische Auszeichnungen, wie das britische Victoria Cross (VC) in Frage kämen.
    Untersuchungen des britischen Militärs haben ergeben, dass sich unter den mit dem VC ausgezeichneten Soldatinnen und Soldaten auffallend viele befinden, die als ältere Geschwister schon sehr früh Verantwortung in der Familie übernehmen mussten und für ihre kleinen Schwestern und Brüder faktisch zu Ersatzeltern wurden. Dieses Verantwortungsgefühl würden sie als Soldaten auch den Kameraden in ihrer Einheit entgegenbringen, was sie zu besonders mutigen Taten motiviere und mitunter auch die Tötungshemmung außer Kraft setze, wen es darum gehe, das Leben ihrer Kameraden zu retten.

    Um die Effektivität der eigenen Soldaten im Gefecht zu erhöhen hätten, so Lloyd weiter, Militärs seit WW2 vor allem daran gearbeitet, die Tötungshemmschwelle herabzusetzen, bzw. die Tötungshemmung zu umgehen. Maßgebend sei hier die Arbeit des Psychologen B.F. Skinner gewesen. Kurz gesagt, geht es darum, den Soldaten ein reflexartiges Schießen anzutrainieren: Sie sollten lernen, den Abzug zu drücken, BEVOR sie über das nachdenken konnten, was sie tun und die Tötungshemmung einsetzte. Dazu übten sie z.B. seit 1945 auf dem Schießstand an menschenähnlichen Zielen und nicht mehr an den abstrakten runden Zielscheiben, wie zuvor – mit beachtlichem Erfolg. Im Krimkrieg (1950 – 1953) stiegt die Zahl der US-Soldaten, die auf den Feind schossen, immerhin schon auf knapp 50 %, im Falklandkrieg 1982 lag die Rate bei den britischen Truppen sogar bei 95 %. Erst schießen, dann nachdenken – das schien die Lösung für viele Probleme zu sein, die der Faktor Mensch in der Kriegsführung aufwarf.

    ———————–Nachtrag Ulrich———————-

    Die Nachteile dieser Lösung sind bekannt: Jeden Tag nimmt sich ein US-Soldat das Leben. Durch Suizid haben die USA seit 9/11 schon mehr aktive Soldaten verloren als im Krieg gegen den Terror gefallen sind. Bei den Veteranen ist es noch schlimmer: pro Jahr sterben zwischen 6000 und 8000 von ihnen durch eigene Hand. Das sind 20 pro Tag.
    Mit anderen Worten: Es existieren sehr wirksame Methoden, um Menschen in Tötungsmaschinen zu verwandeln. Aus Tötungsmaschinen wieder Menschen werden zu lassen, ist deutlich schwieriger…

    vgl. hierzu auch den NZZ Artikel vom 11.11.2017: Die gebrochenen Helden
    https://www.nzz.ch/gesellschaft/die-gebrochenen-helden-ld.1326621

    1. Ich denke, Soldaten so zu trainieren, dass sie das Töten automatisieren und sie dann dazu zu bringen, dass sie in ersten Kriegseinsätzen schneller töten als das Nachdenken sie davon abhalten könnte, ist nur eine notwendige Zwischenstation auf dem Weg zu einer perfekten Tötungsmaschine. Nachdem junge Menschen ihren ersten Toten auf dem Gewissen haben, geht die Gehirnwäsche erst richtig los. Nun hat man einen deutlich längeren Hebel, um ihre Haltung umzudrehen. Man konfrontiert sie unterschwellig mit moralischen Vorwürfen. Dabei entstehen für die jungen Menschen schier unerträgliche kognitive Dissonanzen. Damit diese Dissonanzen aufhören, bleibt den jungen Menschen kein anderer Ausweg als ihre Haltung zu ändern. Sie müssen eine Haltung entwickeln, die ihre Taten als legitim, als geradezu moralisch erscheinen lässt. Danach erst entwickeln diese Menschen mehr und mehr Gefallen am Töten. Nach jedem weiteren Töten kann die Gehirnwäsche weitergetrieben werden. Irgendwann ist es nicht mehr notwendig schnell zu handeln, irgendwann ist die Haltung soweit umgedreht, dass auch beim längeren Nachdenken keine Tötungshemmung mehr aufkommt.

  2. Hol sie dir, solange sie noch jung sind. Die Armee ist für Psychopathen wie eine Petrischale mit Nährlösung. Die machen da Karriere.

    Das Militär soll von unseren Jahrmärkten und zivilen Messen fern bleiben und ihre an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung endlich einstellen. In den Klassenzimmern haben Militärs am allerwenigsten etwas verloren.

    Dass die BW so wenig Personal findet, macht Hoffnung. vdLeyen soll gefälligst ihre eigenen Kinder in den Krieg schicken, wenn sie mehr Soldaten will. Und am besten geht sie gleich mit.

    1. Lieber Anarchrist,

      Ex-Militärs wie Ethan McCord aus obigem Video sollten durch die Klassenzimmer ziehen. Vd Leyen hat übrigens ihre Meinung schon kundgetan, was sie davon hält, ihre Kinder zur BW zu schicken.

  3. Ich habe kürzlich hier im Forum etwas dazu geschrieben, wie nach meinem Verständnis junge unschuldige Menschen zu willfährigen Schlächtern gemacht werden. Solche Menschen sind selbst dann, wenn die zu Tätern geworden sind, auch bedauernswerte Opfer. Ich hatte mich gefragt, ob man nicht von Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen lernen kann, wie man solche Menschen wieder von ihrem Trip herunterbringen kann. Was ich hier in dem Artikel gelesen habe, gibt mir Hoffnung, dass solche Opfer-Täter über kurz oder lang ihrem Gewissen Rede und Antwort stehen müssen. Hinter der Haltung, die unser tägliches Handeln bestimmt, gibt es also scheinbar noch eine Instanz, die ab und an unsere Haltung in Frage stellt. Für mich ergeben sich daraus zwei Fragen. Wir kann ich es befördern, dass solchen Opfer-Tätern das Gewissen schlägt und wie kann ich ihnen helfen, ihre Haltung wieder in Einklang mit ihrem Gewissen zu bringen. In Bezug auf die zweite Frage meine ich, dass ich es vermeiden muss, sie nochmal zusätzlich in eine kognitive Dissonanz zu bringen. Um ihre Haltung ändern zu können, müssen sie sich von ihren Handlungen lossagen können. Das geht nur, wenn ich sie nicht zwinge ihr Handeln zu verteidigen. Ich kann ihnen zuhören, wenn sie ihre Geschichte erzählen wollen. Ich kann ihnen, die sie selbst auch Opfer wurden, ihre Taten verzeihen. Liebe schlägt das Böse.

    Man kann diese Zusammenhänge auch ein oder zwei Nummern kleiner haben. Dann sind sie natürlich nicht mehr so dramatisch, dafür aber um so relevanter im normalen Miteinander. Menschen beispielsweise, die ihre Freiheitsrechte für ein paar Gimmicks aufgeben oder weit über dem ihnen gerechterweise zustehenden ökologischen Fußabdruck leben und dies als ihr gutes Recht verkaufen, sind auch Opfer-Täter. Insofern finde ich die Überlegungen und Erkenntnisse in Bezug auf Soldaten sehr relevant.

    1. Lieber Ruben,

      ein sehr guter Ansatz. Dabei muss ich immer an meinen Vater denken, der als 17jähriger noch an die Ostfront musste, mit anschließender Gefangenschaft bis 1952. Er sprach nur sehr wenig über diese Zeit, aber eine Aussage ist bei mir besonders hängengeblieben: “Wenn ich gewusst hätte, wie die Russen sind, wäre ich nie mit einer Waffe nach Russland gegangen.” Opfer-Täter.

      Herzliche Grüße

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