Israels Selbstbetrug und die Folgen

Israel biegt sich seinen Krieg gegen Syrien noch immer als Verteidigung zurecht – und betrügt sich damit selbst.


Über 100 mal hat Israel in den vergangenen sieben Jahren Syrien angegriffen, immer begründet mit angeblich notwendigen Vergeltungsschlägen gegen eine vorgebliche iranische Bedrohung oder auch einfach deshalb, weil es der syrischen Regierung schlicht das Recht, deren Land politisch zu vertreten, absprach. Bis in das Jahr 2018 nahm sich Israel faktisch ungestraft das Recht heraus, in Syrien militärisch einzugreifen und stützte damit die militanten Islamisten, in derem Würgegriff sich Syrien befand. Die Hasbara verschweigt aus gutem Grund, dass Israels „Vergeltungsschläge“ der jüngsten Vergangenheit in Wirklichkeit unangenehme Offenbarungen zeitigten. 


Die Paranoia, welche von der israelischen Politik immer weiter auf die Spitze getrieben wird, forcierte über Jahre die Aggressivität gegenüber Syrien und dem Iran. Beide Staaten – unter enormen politischem und militärischem Druck des Westens stehend – wurden sich bewusst, welche Gefahr das für sie bringt und haben sich deshalb immer enger zusammengeschlossen. Damit einher ging – mit russischer und chinesischer Hilfe – eine stetige Verbesserung ihres defensiven (!) militärischen Potenzials, was für Israel eine überraschende Offenbarung geworden ist.

Sayed Hasan erläuterte auf seinem Blog sayed7asan diese Offenbarung etwas genauer. Sott.net hat dessen Artikel übernommen, mit weiteren Anmerkungen und Quellen bereichert und die Online-Plattform Linke Zeitung schließlich hat das Ganze hier übersetzt und veröffentlicht. An dieser Stelle nun die komplette Wiedergabe des Textes, der eine Sicht aufzeigt, die der Medienkonsument in den Leitmedien wohl kaum präsentiert bekäme.


Damaskus zwingt Israel neue Einsatzregeln auf: Syrische Gegenangriffe erfolgreich in Golan

10. Mai 2018, von Sayed Hasan; Originalartikel: Syria Imposes New Rules of Engagement on Israel 


Am Donnerstag, den 10. Mai 2018, fanden beispiellose Luftschläge zwischen Israel und Syrien statt. Die Mainstream-Medien, wie auch einige „alternative“ Medien wie Russia Today, gaben schnell die Version der israelischen Armee weiter, wonach die zionistische Einheit „Vergeltung“ gegen einen „iranischen Angriff der Al-Quds-Force der Revolutionsgarden“, bestehend aus „zwanzig Raketen“, die auf israelische Positionen im besetzten Golan abgefeuert wurden, von denen vier „vom Eisernen Dom“ abgefangen wurden und die anderen „in syrisches Gebiet stürzten“, wobei in Israel kein Schaden registriert wurde. Israel hat auf diesen beispiellosen „Akt der Aggression“ mit einer „Großoperation“ reagiert, die „die gesamte iranische Infrastruktur in Syrien“ zerstörte, um die Islamische Republik von jeglichen Luftschlägen abzuhalten.

Diese Darstellung setzt die Postulate, Daten und Mythen der Propaganda der zionistischen Einheit voraus – die den israelischen Medien eine permanente militärische Zensur auferlegt und jeden, der dagegen verstößt, einer Gefängnisstrafe aussetzt. Und wenn man die internationalen Medien liest, könnte man den Eindruck gewinnen, dass diese Zensur wie die amerikanischen Wirtschaftssanktionen extraterritorial ist. Auf jeden Fall kann die Darstellung einer Überprüfung nicht standhalten.

Der Angreifer ist zweifellos Israel, das seit Beginn des Konflikts mehr als hundert Luftschläge gegen Syrien durchgeführt hat. Nach den inszenierten chemischen Angriffen in Duma verstärkte sich diese Aggression mit Angriffen auf die syrische T-4-Basis am 9. April, bei denen 7 iranische Revolutionsgardisten getötet wurden. Nach der Ankündigung des Rückzugs aus dem Atomabkommen mit dem Iran haben neue israelische Luftschläge am Dienstag (8. Mai) in den südlichen Vororten von Damaskus und am Mittwoch (9. Mai) in Quneitra im Süden des Landes stattgefunden. Zweifellos hat Syrien nur auf eine weitere Aggression reagiert, mit einer Entschlossenheit, die Israel erschüttert hat und Syrien aus dem Schweigen, auf das es sich normalerweise beschränkt, herausgebracht hat.


Kommentar: Wir betonen dies nicht, weil wir dieser Einschätzung notwendigerweise zustimmen, sondern weil die Offenheit Israels in der vergangenen Woche im Vergleich zu seinem üblichen Verhalten tatsächlich bemerkenswert war.


Die syrische – und nicht iranische – Antwort bestand aus mehr als fünfzig – und nicht zwanzig – Raketen gegen vier empfindliche israelische Militärbasen im besetzten Golan, die laut Al-Manar, dem Medium der Hisbollah, materielle Schäden und sogar Verluste verursachten. Diese wurden von der israelischen Presse nicht gemeldet, weil die drakonische Militärzensur die Erwähnung der anfänglichen Aggression Israels verbot – mehr als zwanzig Raketen wurden auf Israel abgefeuert; die Identifizierung ihrer Ziele und jeder Hinweis auf den von ihnen verursachten Schaden wurden unterschlagen, um die israelische Bevölkerung zu beruhigen und es den westlichen Vasallenhauptstädten zu ermöglichen, ihre widerlichen Sprüche vom sakrosankten „Recht Israels auf Verteidigung“ zu schreien.

Der libanesische Kanal Al-Mayadeen identifizierte speziell die getroffenen Militärposten:

–    ein militärisches technisches und elektronisches Aufklärungszentrum;
–    die Grenzschutz- und Nachrichtenstation ‚9900‘;
–    ein militärisches Zentrum für elektronische Störsendungen;
–    ein militärisches Spionagezentrum für drahtlose und drahtgebundene Netzwerke;
–    eine Übertragungsstation;
–    der Beobachtungsposten einer Präzisionswaffeneinheit;
–    einen Kampfhubschrauberlandeplatz;
–    das Hauptquartier des regionalen Militärkommandos der Brigade ‚810‘;
–    die Kommandozentrale des Militärbataillons in Hermon;
–    das Winterquartier einer alpinen Spezialeinheit.

Und wie dieser Kanal berichtet hat, haben sogar israelische Journalisten und Analysten Zweifel an dieser nicht überzeugenden Version geäußert, wonach diese massiven Luftschläge, die seit 1974 beispiellos und daher unerwartet waren, harmlos gewesen wären. Sie äußerten auch ihre Befürchtungen über eine Eskalation gegen den Iran, Syrien und/oder die Hisbollah. Darüber hinaus hat sich, wie Norman Finkelstein betonte, für Israels Kriege in Gaza von 2008 bis 2014 nichts geändert; trotz des Einsatzes des „Eisernen Doms“ wurden nur 5% der – weitgehend primitiven – Hamas-Raketen während des „Protective Edge“ abgefangen. Einer der besten Raketenabwehrspezialisten, Theodore Postol vom MIT, hat bereits die chronischen Mängel dieses Systems aufgedeckt. Es ist unwahrscheinlich, dass es mit den viel anspruchsvolleren russischen, chinesischen und iranischen Raketensystemen, die Syrien hat, besser fertig werden konnte.


Kommentar: Ziad Fadel berichtet, dass seine Quelle in Damaskus, Monzer, ihm die folgenden Angaben gemacht hat:

Es ist für uns alle offensichtlich, dass die Reaktion des Iran auf den Luftangriff auf die Tiyaas Airbase, bei dem letzte Woche etwa sieben seiner Militärberater getötet wurden, ein Test für Teherans Entschlossenheit war. Wir wurden nicht enttäuscht. Iran und Syrien feuerten über 20 Bodenraketen auf zionistische Positionen auf den Golanhöhen ab. Die Raketen trafen eine Überwachungseinrichtung, die alle 4 zionistischen Terroristen im Inneren tötete, wobei 2 aus der zionistischen Drusengemeinschaft im Norden Palästinas stammten. Die Raketen trafen auch direkt auf eine Früherkennungsradarstation ohne Angaben zu den Verletzten. Andere Raketen wurden auf ein Panzerbataillon gerichtet. Bei dem syrischen Raketenangriff wurden viele Menschen getötet oder verwundet.

Wir wissen das aus Berichten von Dorfbewohnern auf dem Golan, die über 50 Krankenwagen sahen und hörten, die zu den Orten der Zerstörung eilten und die Hubschrauber, die die Verletzten aus dem Gebiet ausflogen. Im Gegensatz zu dem, was die MSM hier im Westen berichten, haben die Zionisten hier einen großen Schlag erhalten, als sie es am wenigsten erwartet haben.


Der Erfolg der israelischen Luftschläge, die laut dem israelischen Kriegsminister Avigdor Lieberman „die gesamte iranische Infrastruktur in Syrien“ fast zerstört haben, ist weitgehend übertrieben: Russische Militärs, deren Radare diesen Kampf in Echtzeit verfolgt haben, gaben bekannt, dass mehr als die Hälfte der 60 von 28 israelischen F-15 und F-16 abgefeuerten Raketen – sowie 10 Boden-Boden-Raketen – abgefangen wurden. Die syrische Armee verzeichnete 3 Tote und 2 Verwundete, eine Radarstation und ein Munitionsdepot wurden zerstört und Sachschäden an syrischen Fliegerabwehr-Einheiten entstanden. Letztere hat bereits ihre Wirksamkeit gegen Luftschläge aus Tel Aviv, Washington, London und Paris bewiesen, im Gegensatz zum mythischen „Eisernen Dom“, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die israelische Bevölkerung zu beruhigen.


Kommentar: Zum Vergleich: Das syrische Observatorium für Menschenrechte meldet 42 Opfer während der zwei Tage der israelischen Luftangriffe [Korr.PA] (8. bis 10. Mai), darunter 19 Iraner und mindestens 6 syrische Soldaten.


Die bloße Präsenz iranischer Militärstützpunkte und/oder großer iranischer Kontingente in Syrien ist eine Fabel: Der Iran hat nur eine bescheidene Präsenz (im Wesentlichen aus Militärberatern, ja aus den Einheiten der islamischen Revolutionsgarden), im Gegensatz zur Hisbollah oder Russland. Robert Fisk weist darauf hin, dass „eine israelische Erklärung, dass die Iraner Raketen in Syrien hatten, sicherlich in Übereinstimmung mit der Trump-Administration abgegeben wurde“, dass die iranischen Streitkräfte in Syrien „weitaus weniger sind, als der Westen sich das vorstellt“ und dass alle israelischen Erklärungen mit größter Vorsicht gemeldet werden sollten. Jede objektive Berichterstattung über diese Ereignisse sollte der von Robert Fisk ähneln:

„Die jüngsten israelischen Luftangriffe über Nacht, angeblich auf iranische Streitkräfte in Syrien nach einem angeblichen iranischen Raketenangriff auf israelische Streitkräfte in Golan – und es ist wichtig, das „angebliche“ zu benutzen und das alles nicht für bare Münze zu nehmen – müssen den Amerikanern im Voraus bekannt gewesen sein. Tatsächlich waren diese so genannten unerwarteten Angriffe seit Tagen von der israelischen Armee angekündigt worden, die bereits am 8. Mai einen sogenannten „Präventivschlag“ – eher eine Provokation – durchgeführt hatte.“

Die „rote Linie“, die diese angebliche iranische Präsenz für Israel darstellen würde, wird dadurch widerlegt, dass Tel Aviv seit Beginn des Konflikts den Fortschritt der syrisch-arabischen Armee stetig ausbremst und unter verschiedenen Vorwänden (Lieferung von Waffen an die Hisbollah, Reaktion auf tatsächliche oder vermutete Schüsse aus den Golanhöhen usw.) bewaffnete Terroristengruppen in jeder möglichen Weise unterstützt: Waffen, Geheimdiensterkenntnisse, mit Bodenoffensiven koordinierte Luftangriffe, medizinische Versorgung etc.

Israel, das einzige Land der Welt, das offiziell nichts von ISIS, Al-Qaida und dergleichen befürchtet (und auch nichts zu befürchten hat), hat gesehen, wie sich die Situation in Syrien von einem Traum – Zeuge einer Unzahl von Terroristengruppen, die das einzige anti-israelische arabische Regime, das Rückgrad der Widerstandsachse und die Hisbollah niederreißen – in einen Albtraum verwandelt hat: sie erleben die Hisbollah und die syrischen und iranischen Streitkräften kampferprobter und mächtiger als je zuvor und mit dem palästinensischen Widerstand, dem Irak und dem Jemen sowie Russland verbündet. Israel setzt seine destabilisierende Arbeit lediglich unter neuen Vorwänden fort, und zwar direkter: Wie Hassan Nasrallah zuvor erklärte, könnten ihre Sponsoren nach der Niederlage ihrer Stellvertreter in Syrien entweder aufgeben oder immer offener eingreifen.

Der Iran, dessen Widerstand gegen das rassistische und kolonialistische Projekt Israels seit dem Triumph der islamischen Revolution 1979 ein Prinzip und sogar ein Dogma ist, wird nicht leicht zu einer unüberlegten Reaktion provoziert und hat es immer vorgezogen, mit Geduld für langfristige Ziele zu handeln. Erinnern wir uns an seine Zurückhaltung nach dem Massaker an iranischen Diplomaten in Afghanistan 1998.

Das Ziel des Iran ist es nicht, eine einfache Vergeltungsaktion durchzuführen, um seine von Israel getöteten Offiziere und Soldaten (und auch nicht zufällig, wie in Quneitra im Januar 2015) zu rächen, sondern sich für die vollständige Befreiung Palästinas einzusetzen, indem dem illegitimen „zionistischen Regime“ ein Ende gesetzt wird, genau wie das Apartheid-Regime in Südafrika, das übrigens nach seiner militärischen Niederlage in Angola und Namibia gegen kubanische Mulatten zusammenbrach, dann mit ebenso viel Rassismus betrachtet wurde, wie der israelisch-jüdische Rassismus ‚Arabushim‘ ansieht. [Sott.net ed: abwertende Bezeichnung für Araber].

Wie Nasrallah bereits sagte, ist die direkte Aggression Israels gegen die iranischen Streitkräfte in Syrien ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte des israelisch-arabischen – oder besser gesagt, israelisch-arabisch-persischen – Konflikts, und Israel muss sich jetzt darauf vorbereiten, die iranischen Streitkräfte direkt zu konfrontieren – ob in Syrien, im besetzten Palästina oder sogar anderswo. Darüber hinaus werden iranische Raketen vom Territorium der Islamischen Republik aus gestartet, und das mit unbestreitbarem Erfolg, wie die Luftschläge gegen ISIS in Deir-Ez-Zor am 18. Juni 2017 als Vergeltung für Terroranschläge in Teheran zeigten.

Wie wir sehen können, könnte sich die Realität nicht mehr von der Fabel unterscheiden, die von der Mehrheit der Medien propagiert wird. Journalisten“, die die israelischen Gesprächsthemen zahm akzeptieren, werden zu IDF-Propagandamitteln und bloßen Agenten von Netanyahus „Lügendiplomatie“. Israel lügt in der Tat ständig die Welt an – und zunehmend auch sein eigenes Volk. Und wenn ihre rücksichtslosen Aktionen katastrophale Auswirkungen haben, veröffentlichen sie voreilige und widersprüchliche Kommuniqués, in denen sie sich sowohl als Opfer als auch als strafende Falken präsentiert, und behauptet, durch Lieberman und über Russland keine Absicht zu haben, in eine Eskalation einzutreten und zu hoffen, dass die Dinge dort aufhören werden – den Erfolg ihrer Vergeltungsschläge zu verkünden, ist auch ein Weg zu sagen, dass sie nicht weiter gehen wollen/müssen.

Die internationalen Medien begnügten sich damit, diese Aussagen unmittelbar nach den ersten Anschlägen ohne kritische Distanz zu wiederholen. Rationale Akteure wie der Iran, Syrien und die Hisbollah – oder Russland – haben es nicht so eilig, sich zu äußern und die Behauptungen anderer zu bestätigen oder zu leugnen, ihre Gegner in ihren Lügen zu verstricken und auf das Primat des Schlachtfeldes zu vertrauen, das für sie von Tag zu Tag günstiger wird. Darüber hinaus kann die Tatsache, dass ein herber Rückschlag für Israel, der die strategische Situation buchstäblich umkehrt, durch zionistische und atlantische Propaganda in einen militärischen Erfolg verwandelt und mit israelischen Bekenntnissen der Kriegsunwilligkeit kombiniert wird, die Widerstandsachse in ihren Entscheidungen nur bestätigen.

Yoav Kish, ein Mitglied der Knesset, zitiert von Al-Manar, betonte, dass es unabhängig vom Verursacher der Luftschläge und ihrer Ergebnisse – die von der Zensur nicht erwähnt wurden – eine große Veränderung in der Geschichte der Kriege Israels war, indem es von Syrien aus angegriffen wurde. Tatsächlich werden die Golan-Militäranlagen jetzt direkt als Folge der israelischen Aggressionen angegriffen, und nicht nur die israelische Luftwaffe, die bereits am 10. Februar 2018 eine F-16 verloren hatte [Korr.PA].

Die Journalisten und israelischen Analysten wiesen auch auf die psychologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Vorfalls hin, da mehr als 20.000 Golan-Siedler mitten in der Nacht den Weg zurück in die Unterkünfte finden mussten (wie viele werden es bei der nächsten Eskalation sein?), und der Beginn der Sommerperiode wurde durch eine Welle von Hotelreservierungsstornierungen aus Angst vor einem Krieg zwischen Israel und dem Iran eingeleitet. Das zionistische Gebilde, das den Palästinensern und ihren Nachbarn größten Verlust und Schaden zufügt, wird durch die geringsten Verluste, die für die israelische Gesellschaft unerträglich sind, schwer erschüttert.

Der Vorwurf gegen den Iran wird durch wesentliche Faktoren erklärt (der inhärente Rassismus der israelischen Gesellschaft und ihres Premierministers, der eher an die „Gefahr“ des persischen Iran als an die des arabischen Syriens glaubt) und Indizien – eine Weigerung, die Konsequenzen der Selbstmordpolitik der Regierung Netanyahu zu akzeptieren die ihn zu einer direkten Konfrontation mit der gesamten Widerstandsachse, ganz zu schweigen von Russland, führte. Und am wichtigsten ist, dass Israel den Rückzug von Trump aus dem iranischen Atomabkommen nutzen will, um seine Hauptbesessenheit, die viel älter ist als die syrische Krise, nämlich Teherans ballistisches Programm, das der Westen unter Ausnutzung des immerwährenden nuklearen Vorwandes beenden soll, voranzutreiben.


Erinnern wir uns daran, dass die Herstellung, der Besitz und die Verwendung von Atomwaffen im Islam laut Imam Khomeini und Ali Khamenei, den obersten Behörden im Iran, im Islam rechtswidrig sind.

Netanyahu hat deutlich gemacht, dass ein Krieg mit dem Iran unvermeidlich ist und dass es besser wäre, ihn jetzt als später zu führen.


Seit 2005 strebt er vergeblich danach, dass die Vereinigten Staaten ihn beginnen, aber keine Verhandlungen, Sanktionen oder Aggressionen werden den Iran jemals von seinem Kurs abbringen. Und so wie die israelischen Luftschläge vom 9. April, die Washington, London und Paris zu schweren Luftschlägen gegen Syrien ermutigen sollten, in einem bitteren Misserfolg endeten, hat Israel seine eigene Situation nur noch einmal verschlimmert und ist angesichts der katastrophalen Folgen seiner Aktionen und der blinden Arroganz, die sie ausgelöst hat, allein.

Was ist mit Russland? Netanyahus Präsenz beim Jahrestag des Sieges der UdSSR gegen den Nationalsozialismus in Moskau und Berichte, dass Russland die S-300 nicht nach Syrien liefern würde, dürfen uns nicht in die Irre führen. Russland hat viel zu viel in Syrien investiert, um es jedem – sei es Washington, Tel Aviv, Riad oder Ankara – zu ermöglichen, seine Anstrengungen auf Null zu reduzieren. Moskau sagte, dass es westliche Luftschläge gegen Syrien im Falle einer neuen chemischen False Flag Aktion nicht länger tolerieren werde und dass es bereit sei, Damaskus nicht unbedingt mit dem S-300-Flugabwehrsystem auszustatten, sondern, so Sergej Lawrow, mit „allem, was nötig sei, um der syrischen Armee zu helfen, Aggressoren abzuschrecken“.

Die derzeitigen syrischen Verteidigungssysteme haben sich bereits bewährt – darunter das Pantsir, das viel besser auf die Bedürfnisse der syrischen Armee abgestimmt ist – und lassen uns den Tag erahnen, an dem Israel seinen einzigen Vorteil verliert, nämlich seine Luftherrschaft, die bereits 2006 gegen die Hisbollah oder 2014 gegen Gaza nutzlos war und ohne die seine angeblich „unbesiegbare“ Lumpenarmee buchstäblich zerfallen würde. Israels erstmaliger Einsatz von Boden-Boden-Raketen und die Konzentration der Angriffe auf die syrische Flugabwehr (die IDF veröffentlichte ein Video über die Zerstörung eines Pantsir S-1 Systems, wahrscheinlich inaktiv) beweist, dass sie sich seiner Grenzen bewusst ist.

Es ist offensichtlich, dass die israelische Aggression gegen Syrien sowohl für die israelische Luftwaffe als auch für ihre internen Militärstützpunkte und die Bevölkerung immer kostspieliger wird, da Syrien und seine Verbündeten (Hisbollah und Iran) entschlossen sind, auf jede Aggression, ihre Erfahrungen und neuen Fähigkeiten und ihre Erfolge vor Ort zu reagieren. Die Widerstandsachse – zu der Russland nicht gehört – ist nun in der Lage, Israel mit einer einheitlichen Front und ohne Angst vor Eskalation direkt gegenüberzutreten.

Was Israel betrifft, das bereits von den friedlichen Demonstrationen in Gaza überwältigt ist, die am 15. Mai ihren Höhepunkt erreichen werden, so ist es nicht bereit für einen Krieg gegen ein einziges Mitglied der Widerstandsachse, geschweige denn gegen mehrere von ihnen gleichzeitig. Die von der syrischen Armee am 10. Mai auferlegte neue Gleichung ist für Israel furchterregender als die Aussicht auf den Verlust einer weiteren einsamen F-16, da Damaskus seine Entschlossenheit – und Fähigkeit – bewiesen hat, Krieg auf feindlichem Gebiet zu führen und die zionistische Einheit in ihrer Tiefe zu treffen, sogar ihre strategischsten Militärstützpunkte.

Die Widerstandsachse wird bald ihre Augen auf den besetzten Golan richten, den Syrien nie aufgegeben hat, durch bewaffneten Kampf zu befreien – ein Recht, das durch das Völkerrecht selbst verliehen wurde, da dieses Gebiet von der gesamten internationalen Gemeinschaft als syrisch anerkannt wird: jede syrische Operation ist ein legaler und legitimer Akt des Widerstands gegen die Aggression Israels von 1967 und die anschließende Besetzung, auch ohne weitere Provokation. Bereits im Mai 2013 kündigte Nasrallah die Teilnahme der Hisbollah an der Eröffnung einer neuen Front in Golan an. Im März 2017 wurde die Golan Liberation Brigade von der irakischen Hisbollah, Harakat al-Nujaba, einer Bewegung, die vom Iran unterstützt und an der Befreiung des Irak und Syriens von ISIS beteiligt war, gegründet.

Am Vorabend des 70. Geburtstages der Gründung des ursurpierenden Gebildes eröffnen syrische Luftschläge im besetzten Golan zweifellos ein neues Kapitel in der Geschichte der israelisch-arabischen Kriege, in dem Israel zunehmend in eine defensive Position gezwungen wird. Werden wir sehen, wie die IDF eine Mauer an der Grenze des besetzten Golan errichtet, um eine künftige Invasion zu verhindern, wie dies bereits an der libanesisch-israelischen Grenze der Fall ist, um den angekündigten Einfall der Hisbollah in Galiläa zu verhindern? So oder so, der nächste Krieg gegen Israel wird die Karte des Nahen Ostens drastisch verändern.


Originalartikel: http://sayed7asan.blogspot.de/2018/05/syria-imposes-new-rules-of-engagement.html

Aufbereiteter und erweiterter Artikel bei Sott.net: https://www.sott.net/article/385516-Hassan-Nasrallah-Syria-Imposes-New-Rules-of-Engagement-on-Israel

Übersetzter Artikel bei Linke Zeitung: https://linkezeitung.de/2018/05/15/damaskus-zwingt-israel-neue-einsatzregeln-auf-syrische-gegenangriffe-erfolgreich-in-golan/

Übersetzung durch: https://linkezeitung.de/author/egester999/

Weiteres: https://syrianperspective.com/2018/05/at-last-zionist-rodents-struck-hard-by-syria-and-iran-homs-almost-rat-free.html

Sott.net-Artikel zum sogenannten Iran-Deal: https://www.sott.net/article/385248-The-Real-Story-Behind-Israels-Attack-on-Iranian-Targets-in-Syria-and-Trumps-Abandonment-of-the-Iran-Deal

(Anmerkung) Grobe Übersetzungfehler wurden korrigiert mit nachgestelltem [Korr.PA]

(Titelbild) F16A Netz-107 der israelischen Luftstreitkräfte; Autoren: Zachi Evenor, MathKnight; Datum: 10. Mai 2011; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:F16Netz107pic003.jpg; Lizenz: Creative Commons CC BY 3.0

2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank an Sayed Asan,

    von dem wir hoffentlich regelmäßig mehr lesen können.

    „Rationale Akteure wie der Iran, Syrien und die Hisbollah – oder Russland – haben es nicht so eilig, sich zu äußern und die Behauptungen anderer zu bestätigen oder zu leugnen, ihre Gegner in ihren Lügen zu verstricken und auf das Primat des Schlachtfeldes zu vertrauen, das für sie von Tag zu Tag günstiger wird.“ Zitatende Asan

    Eine präzise Beschreibung der Langfriststrategie und für mich einige Neuigkeiten enthaltend. Gleich ab 1979 kämpfte der Iran gegen Rassismus und Neokolonialismus!

    Ja!

    Und das fehlt im öffentlich wahrgenommenen Narrativ des Westens.

    Die Klarstellungen zu einigen tagestaktischen Über- und Untertreibungen des Militärfortschritts sind mAn glaubwürdig. Und wenn RT da teilweise auch mitmacht/ mitgemacht hat, (Übernahme von Falschmeldungen, Raketenanzahl die auf den Golan zielten), hoffe ich, dass möge nur geschehen, um das Westnarrativ nicht zu unsanft zerschellen zu lassen, denn die RF braucht primär Ergebnisse, nicht Show, ebenso die ‚Achse des Widerstands‘. –

    Dann sind die Hinweise zur Hasbara wichtig, jedeR möge nachlesen. Auch diese perfide politzionistische Arbeitsteilung und Auftragspropaganda, ist noch viel zu gering bekannt, im Kriegs- und Terrorsponsor-Westen.

    Für mich speichert sich das erreichte Ergebnis vom Mai 2018 als die große ‚Golan-Wende‘ ab. So gehört es dann auch in die Geschichtsbücher.

    Und haben Sie, Peter Frey, schon bei der WBG (https://www.wbg-wissenverbindet.de/) vorgefühlt? Die müssten Sie jetzt herausgeben, mit einer zeitgeschichtlichen Essaysammlung, allein schon, um einen inneren Proporz zu ihrem vielen hasbara-tendierten Müll zu erreichen, die nächste Wende steht ja bereits mitten in unser aller ‚Türe‘.

    Grüßend

  2. Lieber Peter,
    ich danke dir sehr, diesen text weiter zu geben. Als ich den titel las und die ersten zeilen, hatte ich mich entschieden, den link zu diesem text auf „Linke Zeitung“ hier als kommentar einzufuegen. Dann war ich begeistert, als ich begriff, dass genaus dieser text der inhalt dieses beitrags ist.
    mit dank und lieben gruessen, willi
    z.zt. Asuncion, Paraguay

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