Die Klimadiskussion – Fragen eines Skeptikers (2)

Das Klima ist im Wandel. Das war schon immer so. Die Konstante im Klima ist genau ihre Variabilität. Das schließt sprunghafte Änderungen mit ein. Dass aus der Vielzahl von Mitspielern und deren mannigfaltigen Wechselwirkungen auf die verschiedenen Klimata der Erde das Kohlendioxid so herausragt, erschließt sich mir nicht. Es geht also um das WIE, nicht um das OB, wenn wir die Auswirkungen dieses fälschlicherweise Treibhausgas genannten CO2 betrachten.


Wie kühn die uns vermittelte Erkenntnis der Klimaforscher ist, dass es das Kohlendioxid ist, welches die dominante Variable in Bezug auf die Temperatur der Atmosphäre darstellt, das zeigt bereits ein Blick auf die Wechselwirkung komplexer Systeme. Die Herausforderung besteht schon darin, alle Komponenten des Systems zu erfassen. Wie viele können das, auf die Klimata (a1) der Erde bezogen wohl sein? Dem Laien (also mir) fallen die Folgenden ein (Auswahl ist subjektiv und erhebt keinerlei Anspruch auf Schlüssigkeit und Vollständigkeit):

  1. Gashülle der Erde
  2. Erdkruste, Vulkanismus
  3. Ozeane und Meere
  4. Sonne und andere kosmische Faktoren
  5. Erdmagnetismus, Strahlung
  6. Gravitation

Damit wurde Komplexität herunter gebrochen auf sehr, sehr vereinfachte Kategorien. Das sind sechs globale Variablen, die untereinander im ständigen Austausch stehen. Die Werte der Variablen, die wir da ermitteln, sind reine Fantasie, weil mehr oder weniger willkürlich berechnet aus jeweils einer Vielzahl von Einzelparametern. Aber selbst dieses simple Modell von Einflussfaktoren auf das Klima taugt nicht, um es zu berechnen. Es taugt noch viel weniger, um es vorherzusagen.

Sechs globale Faktoren können auf diese Weise herausgearbeitet werden, um Strukturen zu erfassen und zu beschreiben und das ist auch sinnvoll. Nicht sinnvoll ist es jedoch, um Messgrößen zu erfassen und in Algorithmen zu pressen. Modelle zu entwickeln, um Erkenntnisse zu gewinnen, heißt nicht, dass diese Modelle auch die reale Wirklichkeit abbilden. Es sind gewollte Vereinfachungen, um sich Problemen anzunähern, es sind Abstraktionen. Allein die möglichen Wechselwirkungen bei der durch mich durchgeführten Abstraktion lassen sich zum Beispiel so abbilden (b1):

Sie sehen eine graphische Darstellung, bestehend aus Knoten (die nummerierten globalen Parameter) und Kanten, die gerichteten Verbindungen zwischen den Knoten. Wechselwirkung bedeutet eine Beeinflussung in jeweils beiden Richtungen. Nicht einmal berücksichtigt ist der (interne) Systemzustand der teilnehmenden Knoten, der ja durch interne Variablen und Prozesse ebenfalls änderbar ist.

Sie sehen nur die Interaktion zwischen den Systemen. Und schon da kommen Sie auf 30 Beziehungen – und an die Grenzen der Mathematik. Das Erfassen statischer Messergebnisse, das Mischen in einer globalen Kategorie und das Berechnen mit ebenso erfassten Messergebnissen anderer globaler Kategorien und das schließlich als „errechnetes“ Klima zu betrachten, kann ich daher nur als abenteuerlich bezeichnen. Dabei sehen Sie ein dafür völlig ungeeignetes System, da eben viel zu sehr abstrahiert und in nicht annähernd genügender Weise die Komplexität unserer Klimata (als Modell) wiedergebend.

Es geht mir nun einmal nicht darum, eine Aussage zu treffen, ob das Kohlendioxid entscheidend für ein in den vergangenen hundert Jahren insgesamt höheres Temperaturniveau in der Erdatmosphäre ist. Was mir nicht eingehen will, ist WIE es überhaupt möglich sein soll, das Klima zu berechnen – und darüber hinaus auch noch ein Spurengas als „Übeltäter“ auszumachen. Das gilt sowohl für die regionalen Klimata als auch das (doch eher fiktive) globale Klima.

Es ist weit gefehlt, selbst bei diesem vereinfachten Modell, dass damit die Anzahl der Wechselwirkungen bei 30 endet. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip potenziert das Ganze in die Tausende! Komponente 1 kann zuerst auf Komponente 2 wirken, die wiederum auf Komponente 3 wirkt, welche dann Komponente 4 und schließlich 5 beeinflusst. Komponente 3 kann aber auch Initiator eines Effekts auf Komponente 2 sein, der damit Komponente 5 triggert. Zur gleichen Zeit kann Komponente 2 gleichzeitig verändernd auf Komponente 3 und 1 wirken. Die damit verbundenen kausalen Beziehungen können gleichzeitig wie auch sequenziell wirken – und dass auch noch dynamisch in Zeit und Raum. Sie können das Spiel gern selbst weiter treiben und kommen somit auf eine fantastische Anzahl von Möglichkeiten.

Haben wir damit, zumindest für dieses primitive Konstrukt erschöpfend die Vielfalt beschreiben können? Nein, das haben wir nicht. Denn der sogenannte Effekt der Rückkopplung ist noch gar nicht berücksichtigt. Rückkopplung bezeichnet ein Phänomen, bei dem das Ausgangssignal eines Objekts, auch als (Teil)komponente des Eingangssignals für ein und dasselbe Objekt wirkt. Die Wirkung auf das Eingangssignal kann tatsächlich neutral sein. Sie kann aber auch nur scheinbar neutral weil nicht messbar sein, da durch Wechselwirkung mit anderen (eingeschlossen durchaus unbekannten) Komponenten die Neutralisierung bereits vor dem Eingang in das beschriebene Objekt vorgenommen wird; sich also das rückkoppelnde Signal mit anderen Parametern in einem Gleichgewichtszustand befindet.

Erkenntnistheoretisch betrachtet erfüllt sich hier das Szenario eines Schwarzen Schwanes. Die latente Möglichkeit einer – möglicherweise unmittelbar bevorstehenden – starken negativen (dämpfenden) Rückkopplung oder positiven (verstärkenden) Rückkopplung bleibt uns verborgen, da wir in der sich für uns ständig bestätigenden Welt Weißer Schwäne keine Auffälligkeiten entdecken können – und es auch gar nicht wollen! Insbesondere dann, wenn wir uns ideologisch in eine Idee verrennen, die wir für alternativlos halten, sind wir besonders anfällig, in der Welt Weißer Schwäne zu denken. Risiken, Unstimmigkeiten und Widersprüche werden gekonnt ausgeblendet und nur nach Bestätigung der Ideologie gesucht. Das gilt auch für das Phänomen neutraler Rückkopplungen, welche an bestimmten Kipppunkten plötzlich zu ungeahnter Relevanz aufsteigen können. (1,2)

Dass es Kipppunkte gibt, steht also auch für mich außer Frage. Man kann aber Kipppunkte natürlich ebenso – außerhalb echter wissenschaftlicher Forschung – benutzen; nämlich als Angsttrigger. Zum Beispiel, in dem man behauptet, es gäbe DEN primären Kipppunkt und das wäre ein bestimmter CO2-Gehalt der Atmosphäre als Verursacher für das Erreichen so ziemlich aller anderen (dann sekundären) Kipppunkte im Erdklima. (3,4)

Was die aktuelle Diskussion um den anthropogenen Treibhauseffekt betrifft, sehe – zumindest ich – daher eher das missionarische Bestreben, bestimmte Korrelationen von Messungen als Nachweis einer positiven Rückkopplung zu betrachten. Mit dem Thema wird umgegangen wie mit dem „Stein der Weisen“ und das passt hervorragend in die Denksysteme der Gegenwart. Dort werden die Menschen regelmäßig mit jeweils EINEM Problem konfrontiert – und wie im Märchen finden geniale „Experten“ auch rasch DIE Lösung. Das Problem wurde von den „Experten“ an DER Korrelation erkannt.

DIE Korrelation von der (wie auch immer errechneten) Mitteltemperatur der Erde und dem Kohlendioxidanteil in der Erdatmosphäre ist zuallererst eine statistische Größe, nicht mehr und nicht weniger. Erkannte Korrelationen sind natürlich wichtig, betrachtet zu werden. Nur, die Einseitigkeit der Sicht macht sie zur ideologischen Waffe. Dann werden Korrelationen ganz gezielt gesucht und entsprechend überbewertet, um die Ideologie im Kampf gegen die feindliche(n) Ideologien (Thesen, Theorien) zu stärken. Die Korrelation von der Erwärmung der Atmosphäre und dem Anstieg des CO2 in ihr, ist jedoch eingebettet in eine Vielzahl anderer steuernder und rückkoppelnder Parameter, ebenso wie die Rolle der korrelierenden Partner im Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht klar bestimmbar ist (wenn das für den genannten Fall überhaupt gilt!).

Die „Berechnung“ DES Klimas beruht auf bekannten Werten. Bei solch einem komplexen System müssen wir jedoch davon ausgehen, dass die Anzahl (ohne Priorisierung) der UNbekannten, die das System beeinflussen, viel höher ist, als die der Bekannten. Wir; also die „Überzeugten“, die „Experten“, die „Verantwortungsvollen“ tun aber so, als ob wir Götter wären und das System verstanden hätten. Haben wir das? Oder sollen wir glauben, wir hätten es? Die Überhebung der westlichen Gesellschaften erkennt man nicht nur bei der Behandlung, Nutzung, Ausnutzung dieses Themas. Ich erkenne Parallelen zu anderen gesellschaftlichen Themen mit hoher Relevanz.

Was ich NICHT suggerieren möchte, ist, dass Erkenntnis aufgrund der Komplexität wechselwirkender chaotischer Systeme, wie das unserer Atmosphäre nicht möglich wäre. Selbstverständlich ist Erkenntnis immer möglich. Skeptisch – und um Skepsis vor allem geht es ja in dieser Artikelreihe (a2) – macht mich immer DIE Lösung. Diese Skepsis verstärkt sich dann noch, wenn mit DER Lösung gleich noch die Schritte beschrieben werden, die umgesetzt werden MÜSSEN, um DIE Lösung zu realisieren. Dann sehe ich reale politische und ideologische Prozesse, Machtkämpfe – aber keine Wissenschaft.

Skeptisch macht mich, wenn über solche Angstmacherei ein unbedingter und alternativloser Handlungsbedarf EMOTIONAL in den Menschen erzeugt wird. Skeptisch macht mich, wenn DIE Lösung den Teil eines Maßnahmeplanes zur dauerhaften Sicherung von Herrschaftsstrukturen gegenüber Schwächeren darstellt.

Skeptisch macht mich außerdem, wenn dieser Handlungsbedarf elegant die für uns Menschen ganz offensichtlichen Gefahren umschifft, wie ein absurdes, ideologisch in uns verankertes Wirtschafts- und Finanzsystem, das den Raubbau an Umwelt und die empathiefreie Ausbeutung von Menschen geradezu herausfordert. Was ja mit der anhaltenden Schadstoffbelastung von Luft, Wasser und Böden einhergeht.

Das Angehen dieser tatsächlichen und auch noch offensichtlichen Probleme würde den – aus meiner Sicht gesteuerten – Aktionismus zur Reduzierung des CO2 überflüssig machen. Käme doch genau das – quasi als Nebeneffekt – automatisch im Ergebnis mit heraus.

Wir haben nun einige Begriffe gewälzt: Korrelation, Wechselwirkung, Rückkopplung, Kipppunkte, Priorität. Im Zuge dessen werde ich auch im nächsten Teil nicht auf vorgegebene Fragen „anspringen“, sondern die sich aus dem eigenen Denkprozess Ergebenden stellen. Und eine davon lautet:

Gibt es denn aber nicht tatsächlich eine oder mehrere dominierende Komponenten, welche die Klimata unserer Erde primär beeinflussen?

Bleiben Sie bis dahin schön aufmerksam.


Anmerkung

(a1) Der Trugschluss zum globalen Klima besteht aus meiner Sicht bereits darin, dass man von DEM Klima spricht. Aus welchen Daten DAS Klima gespeist wird, was dann in Zahlen zur Wahrheit hochstilisiert wird, ist fragwürdig. Messorte, Zeiten, Erfassung statistischer Daten aus der Vergangenheit wie auch verwendete Algorithmen sind allesamt subjektiven Entscheidungen unterworfen.

(a2) Nicholas Thaleb, der Autor des Buches „Der Schwarze Schwan“, hat es mir unter anderem auch deshalb angetan, weil er die Rolle eines wachen für die Gesellschaft wichtigen Skeptikers ausfüllt und sich zu dieser bekennt. 

Quellen

(1) 22.11.2017; https://de.wikipedia.org/wiki/Positive_R%C3%BCckkopplung

(2) http://www.blicklog.com/2009/05/13/risikomanagement-mit-schwarzen-schwnen-talebs-zehn-prinzipien-zur-wirtschaftskrise/

(3) 22.11.2017; https://www.pik-potsdam.de/services/infothek/kippelemente

(4) 22.11.2017; https://www.cleanenergy-project.de/kipp-punkte-im-klimasystem-was-bedeutet-das-fuer-uns/

(b1) Sechseck mit Kanten und Knoten; 5.11.2017; Peds Ansichten; Lizenz: CC0 Public Domain

(Titelbild) Text: Sunset, Sky, Industrial, Smoke, Chimney, Buildings; Autor: Unsplash; https://cdn.pixabay.com/photo/2015/03/26/11/02/sunset-692298_960_720.jpg; Lizenz: CC0 Public Domain

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