Syriens strategische Neuausrichtung in einem aufgezwungenen Krieg

Die syrische Führung hat ihre Doktrin, den Krieg zu gewinnen, aufgegeben. Als sie massiv mit konventionellen Mitteln gegen die Terroristen vorging, mit der Rasenmäher-Methode, hatte das zwei schlimme Konsequenzen. Die Assad-Regierung erkannte diese, ihre eigenen Fehler. Spätestens jedoch als Russland massiv in den Krieg eingriff, änderte sich ihre Strategie grundlegend.


Zuvor ein wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält auch verstörende Bilder misshandelter und geschändeter Menschen!

Jeder, der es möchte, findet reihenweise Videos im Internet, die zeigen, wie die syrische Armee in den Jahren 2012 – 2014 versuchte, durch massiven Beschuss aus der Luft [a1] mit Artillerie und Panzern die radikalisierten Kämpfer, die in Syrien eingedrungen waren, in urbanen Gebieten nieder zu schlagen. Das Ergebnis: Komplette Zerstörung von Städten, Dörfern und Infrastrukturen. [a2] Dazu große eigene Verluste, Entwurzelung der Bevölkerung – und das, ohne dass es wirklich zur beabsichtigten Vernichtung des Gegners geführt hätte. [a3]

Vielmehr förderte es die Spaltung innerhalb der syrischen Gesellschaft und führte zur Radikalisierung der beteiligten Gruppen. Durch Terror allein hätten die Schlächter des IS, wie auch die Radikalen von Al-Nusra und Co., trotz der enormen Zuwendungen aus dem Ausland, nicht so dominant werden können. Sie bekamen durchaus Zulauf von Seiten der örtlichen Bevölkerung und das hat auch etwas mit eingangs Gesagtem zu tun. Wie aber soll nach einem möglichen Sieg, einem der vollständigen Niederwerfung, einschließlich Demütigung des Gegners, ein Konsens in der Gesellschaft erreicht werden? Sollte alles in einer Nacht der langen Messer enden, in der Gleiches mit Gleichem vergolten wird? Das wäre bereits wieder die Aussaat für den nächsten schwelenden Konflikt, der auch sehr sicher von außen zur Destabilisierung genutzt würde. Das würde nicht funktionieren. Und das wurde nach 2013 Syriens Führung umissverständlich klar.

Zweitens führte die syrische Armee einen Krieg, dessen Strategie, unter Verkennung der Kampfweise des Gegners, auch unter den eigenen Soldaten zu immensen Verlusten führte. Bis heute sind geschätzte 40- bis 60.000 von ihnen umgekommen und weitere zehntausende verletzt. Immer wieder wurden ganze Einheiten der Syrischen Arabischen Armee (SAA) aufgerieben, weil sie in Hinterhalte gerieten, die durch Tunnel der Extremisten angelegt wurden. Diese Tunnelsysteme wurden übrigens beileibe nicht mit bloßen Händen oder Hacke und Spaten gegraben, sondern mit modernen Tunnelbohrsystemen. [1] Hunderte Panzer gingen verloren, weil sie veraltet und nicht mit dem notwendigen Schutz gegen tragbare Panzerabwehrwaffen (insbesondere die US-amerikanische BGM-71 TOW, die zu Tausenden an die Rebellen geliefert wurde) ausgerüstet waren. [2]

Die fortwährende Zerstörung des Landes, mehr noch aber der hohe Blutverlust führte zu einer Demoralisierung und folgerichtig massenhaften Desertierungen vor allem junger Männer. Bis 2011 galt eine zweijährige Wehrpflicht in Syrien. [3] Dann wurde sie auf 18 – 21 Monate verkürzt, worauf allerdings eine dreijährige Reservistenzeit folgt, in der jeder Wehrpflichtige innerhalb 48 Stunden einberufen werden kann. [4] Der Terror, in Form der brutalen, geradezu bestialischen Methoden, die syrische Soldaten erwarten mussten, wenn sie in Gefangenschaft radikalisierter islamistischer Gruppen wie auch der sogenannten „moderaten“ Opposition gerieten, verfehlte zudem seine beabsichtigte Wirkung nicht.

Andererseits sind die Strafen für Deserteure hart. Es gilt der sogenannte Military Penal Code, nach dessen Artikel 68, sich dem Wehrdienst Entziehende in Kriegszeiten mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen müssen; wenn sie das Land verlassen, sogar mit bis zu zehn Jahren. Artikel 102 sieht lebenslange Haft vor, wenn ein Deserteur zum Feind überläuft. [5]

Es gibt hunderte, wenn nicht tausende Videos im Internet, die abgeschnittene Köpfe und geschundene entwürdigte Körper von Angehörigen der syrischen Armee zeigen, als Trophäe präsentiert von dutzenden Gruppierungen aus dem Dunstkreis von al-Nusra/al-Kaida, FSA, Islamischer Armee, ISIS/IS und wie sie alle noch heißen mögen. [a4][6][7][8][9][10][11][12]

Wie entmenscht die sogenannten „Freiheitskämpfer“, „Aktivisten“, „Aufständischen“ oder „moderaten Oppositionellen“ agieren, dafür ist die (als sicher anzunehmende) Folterung und nachfolgende Schändung der Leichen eines abgeschossenen russischen MI-8 Hubschraubers Anfang August 2016 beispielhaft. Die Maschine wurde auf dem Rückflug von Aleppo (in das sie zuvor humanitäre Güter gebracht hatte) von den Rebellen getroffen. Was westliche Massenmedien verschwiegen, war dieses ([b1], Bildmaterial von Al-Nusra):

2016-08-02_Schaendung_russ_Besatzung_durch_Rebellen_URS17982

Wer auf der Suche nach Wahrheit ist, kommt nicht umhin, sich mit diesen Tatsachen zu konfrontieren. Wie gesagt, das Bildmaterial veröffentlichen die Rebellen selbst. Deren Handlungsweise zielt auf die Überlebenden. Das ist ein Merkmal von Terror. Die Rebellen sind schlicht Terroristen [13][14]:

https://twitter.com/Turkeyshalhoub/status/760043632019771392

Am frischen, noch nicht geronnenen Blut des Opfers (zweites Bild [b2]) erkennt man: Dieser Mensch hat kurz zuvor noch gelebt!

Wer jetzt junge syrische Männer verurteilt, die sich diesem Krieg durch Flucht entziehen, ja teilweise durch ihre Familien, ihre Mütter angefleht werden, dies zu tun, weil z.B. ihre Brüder grausame Schicksale (s.o.) ereilte, sollte sich selbst auf innewohnende Fähigkeiten überprüfen, über die wir uns in die Gefühle und Nöte anderer Menschen hinein versetzen können. Umso wichtiger ist es für die Führung eines Landes und seiner Armee, Zeichen zu setzen, dass ihnen Leben, gerade ihrer Soldaten, etwas wert ist. Das konnten viele Wehrpflichtige nicht erkennen.

Oft wird die syrische Armee als solche unfähig dargestellt, das glaube ich nicht. Vielmehr hat sie einen Aderlass bis in die höheren Ränge hinnehmen müssen. Mal ganz abgesehen von den materiellen Verlusten. Die von der Führungsspitze angeordnete Strategie, um die ausbrechende Gewalt in den Griff zu bekommen, überforderte schlicht die eigene Armee. Sehr spät erst wurde erkannt, dass man in einem asymmetrischen Krieg kämpft.

Wenn man sich in einem Krieg befindet, wie es die Syrer sind, sitzt man im Glashaus und denkt, es gibt keine Alternativen. Ich denke, dass der Blick eines Freundes von außen hilfreich ist. Und die Russen treten, auch wenn sie ureigene Interessen verfolgen, genau so auf und haben den Ansatz grundsätzlich verändert. Und der heißt: Die syrische Führung tut alles, um den Krieg zu BEENDEN! Frieden im Krieg anzubieten, ist eine hochkomplexe Aufgabe, die viel Geduld und die Niederwerfung des eigenen Ego´s verlangt.

Eine der wichtigsten Prämissen dieser neuen grundsätzlichen Denkweise heißt deshalb auch: So wenig wie nur möglich Blut zu vergießen. Die Verluste minimieren, sowohl auf der eigenen – wie auch der anderen Seite. Und damit auch die Zivilbevölkerung so weit es möglich ist, aus dem Krieg zu nehmen. Das ist auch der Grund für die Belagerung vieler Städte durch die syrische Armee. Sie vermeidet die (früheren verlustreichen und zerstörerischen) Auseinandersetzungen in bewohnten Gebieten, weil sie dort keine Freund-Feind-Kennung hat. Sie lässt Korridore für die Versorgung und Evakuierung von Zivilisten offen und liefert selbst Lebensnotwendiges in die Enklaven. Aber sie beschießt diese Gebiete nicht! Es geht in diesem Krieg zweitrangig um Gebietsgewinne, erstrangig aber darum, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, ihnen die Perspektive eines für alle akzeptablen, ehrenvollen Friedens aufzuzeigen.

Das geht einher mit Maßnahmen zur Versöhnung (was ganz außerordentlich stark von der russischen Seite vorangetrieben wurde [15]), die Kämpfern und Mitläufern der Gegenseite eine friedliche (Re-)Integration in die Gesellschaft erst ermöglichen. Die Entmenschlichung die mit fortlaufender Dauer eines Krieges auf allen Seiten überschwappt, aufgrund der Gewalt, der Opfer, der Zerstörungen, soll gestoppt werden.

Die Stellungnahmen der syrischen Regierung machen das deutlich. So, wie deren Präsident Baschar al-Assad sich in einem Interview gegenüber der ARD äußerte, widerspricht es übrigens auch dem Narrativ westlicher Medien und Politiker von einem gewalttätigen durchgeknallten Tyrannen, der wahllos sein eigenes Volk umbringt:

ARD: Nehmen wir einmal an, Herr Präsident, ich wäre nicht ein Terrorist vom IS und der Al-Nusra-Front, sondern ein Aufständischer der Freien Syrischen Armee: Was sollte ich tun, damit Sie mich wieder als syrischen Zivilisten akzeptieren?

Assad: Legen Sie einfach die Waffen nieder – ob Sie nun am politischen Prozess teilnehmen möchten oder sich für diesen gar nicht interessieren, ob Sie überhaupt keine politische Agenda verfolgen – das spielt keine Rolle. Das Wichtigste für mich ist aus rechtlicher und verfassungsrechtlicher Sicht und im Hinblick auf das Interesse des syrischen Volkes und die in jedwedem Staat geltenden Grundsätze, dass Sie als Bürger nicht das Recht haben, mit Maschinengewehren herumzulaufen und diese gegen Menschen und deren Besitz zu richten. Mehr verlangen wir nicht. Wir verlangen überhaupt nichts. Wie schon gesagt, bekommen Sie eine uneingeschränkte Amnestie, und das ist auch schon der Fall gewesen. Sie sind der syrischen Armee beigetreten, und einige von ihnen auch dem politischen Leben. [16]

Bereits am 5.November 2011 erließ Assad per Dekret Nr.124 eine erste Generalamnestie für alle Deserteure, mit der Aufforderung, sich innerhalb der nächsten 60 Tage bei ihrer Division zu melden. Im Sommer 2014 (nach Assads Wiederwahl zum Präsidenten) folgte eine zweite Amnestie, die auch für zum Feind übergelaufene Deserteure galt, wenn sie umgehend die Waffen niederlegten. [17]

Seit 2015 gilt nun in Syrien ein weiteres Amnestiegesetz für Deserteure, einschließlich der außer Landes geflohenen. [18] Das Gleiche gilt (erneut) für alle Kämpfer auf Seiten der Rebellen, die ihre Waffen niederlegen. [19] Das geht soweit, dass militanten Regierungsgegnern mit samt ihren Handfeuerwaffen über Korridore sicheres Geleit aus Kampfgebieten garantiert wird – so wie im August 2016 in Aleppo. [20] Die Soldaten der syrischen Armee werden nicht mehr verheizt, um Siege zu erringen. Wohin auch sollte das noch führen? Man muss mit Menschenleben sorgsam umgehen.

Das und dazu oben Gesagtes ergibt eine aus meiner Sicht sehr schlüssige Handlungsweise der syrischen Armee. Sie agiert defensiv, behutsam, lässt sich nicht von den Provokationen eines unbarmherzigen Gegners zu dummen und überhasteten Aktionen hinreißen, schont ihre Kräfte und bietet über vielerlei Gesten und Angebote das Ende des Krieges an. Dabei sind ihr die überlegenen militär-technischen und – taktischen Fähigkeiten der russischen Militärs eine unschätzbare Hilfe, wie auch die russische Außenpolitik und die Einflussnahme auf den Versöhnungsprozess. Ein mühsamer, trotzdem mit vielen Opfern verbundener Weg. Für mich aber der einzige, der langfristig Syrien den Weg zum Frieden bringen kann(!). Wie gesagt, kann, denn sicher ist gar nichts.


Anmerkungen

[a1] Mit der Tatsache der Luftherrschaft, die die syrischen Streitkräfte bis heute innehaben, soll keinesfalls die Propaganda von „Fassbomben auf unschuldige Frauen und Kinder“ genährt werden. Es gilt einfach, zu akzeptieren, dass die syrische Luftwaffe durch massive, allerdings keinesfalls chirurgisch präzise Angriffe, auf urbane Gebiete versuchte, die eingedrungenen Extremisten zu vernichten.

[a2] Die Kriegführung der syrischen Armee beinhaltete deshalb aber mitnichten die willkürliche gezielte Bombardierung eigener Infrastruktur wie Krankenhäuser und Kraftwerke! Solche Aktivitäten sind weder schlüssig, da sie ja das eigene System unterminieren würden, noch gibt es irgendwelche seriösen prüfbaren Quellen dafür. Trotzdem sind sie ein Dauerthema bei der Propaganda des Mainstreams gegen die Assad-Regierung.

[a3] Bei Beurteilung der syrischen Kampfweise in den ersten Jahren des Krieges, ist unbedingt zu berücksichtigen, dass die Armee von Anfang an bemüht war, Verluste unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. So wurden potenzielle Kampfgebiete evakuiert bzw. Flucht- und Versorgungs-Korridore für Zivilisten freigelassen.

[a4] Gewalt im Krieg ist zwangsläufig und verbleibt nicht auf einer, der „bösen“ Seite. Aber im Unterschied zu den Gräuelmärchen über massenweise angebliche Untaten der syrischen Armee, die durch die Leitmedien (beliefert vor allem von der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ und Reuters) verbreitet werden, gibt es unzählige Quellen, die das Wüten der „Aufständischen“ in Syrien belegen. Die unten aufgeführten Quellen sind dabei nur als Stichproben zu betrachten.

Quellen

[1][2] Die Rückkehr der syrischen arabischen Armee; Valentin Vasilescu; 5.3.2016; http://www.voltairenet.org/article190628.html

[3] 3.8.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Streitkr%C3%A4fte_Syriens

[4][5][17] 30.7.2014; https://www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/mittlerer-osten-zentralasien/syrien/syrien-rekrutierung-durch-die-syrische-armee.pdf

[6] Hässliche Botschaft der Rebellen; Sonja Zekri; 16.5.2013; http://www.sueddeutsche.de/politik/video-ueber-leichenschaendung-in-syrien-haessliche-botschaft-der-rebellen-1.167379

[7] Siebenjähriger Junge posiert mit abgetrenntem Soldaten-Kopf; 11.8.2014; http://www.news.de/politik/855554043/terroristen-sohn-zeigt-abgetrennten-soldaten-kopf-khaled-sharroufs-sohn-7-haelt-schaedel-in-die-kamera/1/

[8] Rebellen richten gefangene syrische Soldaten hin; 6.9.2013; Focus; http://p5.focus.de/img/fotos/origs3160392/0780491402-w630-h353-o-q75-p5/screenshot-video-rebellen-syrien.jpg

[9] 1.11.2012; Die Welt; http://www.welt.de/politik/ausland/article110546242/Rebellen-toeten-Soldaten-die-sich-ergeben-hatten.html

[10] Ermordung syrischer Soldaten durch Rebellen; Konrad Hausener; 3.11.2012; The Intelligence; theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/4979-ermordung-syrischer-soldaten-durch-rebellen-der-krieg-zeigt-sein-wahres-gesicht.html

[11] 11.4.2014; http://www.katholisches.info/2014/04/11/brutaler-dschihad-hinrichtung-von-christen-durch-islamisten-video/

[12] 2.8.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Hinrichtungen_durch_den_IS

[13] https://urs1798.wordpress.com/2016/08/02/abartige-szenen-am-absturzort-eines-russischen-helikopters-welche-die-tagesschau-verschweigt-update-fake-chloringas-aleppo-idlib-ruaf-jihadijulian-warcrimes/

[14] Syria’s Islamist rebels desecrate bodies of fallen Russian pilots; 1.8.2016; https://www.almasdarnews.com/article/warning-18-video-syrias-islamist-rebels-desecrate-bodies-fallen-russian-pilots/

[15] Zeitgeschehen kommentiert; Dagmar Henn; 25.2.2016; https://gedankenmut.wordpress.com/2016/02/25/alles-das-was-ard-zdf-nicht-berichten-ueber-das-zentrum-fuer-versoehnung-in-syrien/

[16] 3.8.2016; http://peds-ansichten.de/2016/07/syrien-rueckblick-auf-dessen-juengere-geschichte-2/

[18] Decree granting amnesty on deserters; 25.7.2015; H. Zain/ Mazen; SANA; http://sana.sy/en/?p=49411

[19] Presidential decree on granting amnesty for those who lay down arms and turn themselves in to authorities; SANA; 28.7.2016; http://sana.sy/en/?p=83828

[20] http://sputniknews.com/middleeast/20160729/1043768753/aleppo-liberation-military-challenges.html

Bildmaterial:

[Titelbild] Datei: krak-of-chevaliers-1078528_960_720.jpg; Quelle: https://pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain

[b1] https://urs17982.files.wordpress.com/2016/08/coyeehaxyaahhkv.jpg; https://twitter.com/gsthnin/status/760143253236776965

[b2] https://urs17982.files.wordpress.com/2016/08/cozwbxmwgaa3d86.jpg; https://twitter.com/Turkeyshalhoub/status/760043632019771392

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3 Kommentare zu Syriens strategische Neuausrichtung in einem aufgezwungenen Krieg

  1. Heinz Göd sagt:

    @ped, adolfkurt

    Das FlüchtlingsProblem ist eine mehrschneidige Angelegenheit :
    1.) Flüchtlinge sind in der Bevölkerung grundsätzlich nicht willkommen, nirgends,
    nicht mal die des eigenen Volkes.
    Die Bevölkerung hilft aus Menschlichkeit, aber nicht aus Freude über die Ankunft der Flüchtlinge.
    2.) Flüchtlinge sind hilfsbedürftig, und somit in kapitalistischen GesellschaftsSystemen Menschen-2.Klasse. Und das bleiben sie auch sehr lange, weil sie den materiellen Standard der Eingesessenen lange nicht erreichen.
    Die Hilfe wird ihnen auch lange unterschwellig vorgehalten und Dankbarkeit bis in alle Ewigkeit eingefordert.
    3.) Die Aussicht, im Kampf für den Machterhalt eines Machthabers getötet, verstümmelt oder gefoltert zu werden, so eine Aussicht ist grauenhaft, und Flucht durchaus verständlich.
    4.) Der geflüchtete wehrfähige Mann fehlt den daheimgeblieben Kämpfern, verringert deren Kampfkraft, und erhöht dadurch deren Risiko, getötet, verwundet oder gefoltert zu werden und verlängert den Krieg.
    Kehrt der Geflüchtete in seine Heimat zurück, so wird er dort als Feigling angesehen, also Mensch-2.Klasse, und das unterschwellig auch sehr lange.
    5.) Die Erfahrung mit den ‚Gast‘-Arbeitern der 1960-er Jahre:
    Die ‚Gast‘-Arbeiter damals wurden von der Industrie angeworben, siehe
    http://www.zeit.de/2011/43/50-Jahre-Migration-Schmidt
    (Suchbegriff: Ludwig Erhard )
    Eine Darstellung, wie ich es erlebt habe
    https://rundbriefe.wordpress.com/2011/04/10/2347/#comment-10657
    Damals war die WeltWirtschaft im Aufwind, trotzdem haben die Österreicher und Deutschen eine echte Integration ihrer fremdstämmigen Mitbürger nicht geschafft.
    Heute ist die Weltwirtschaft in der Krise und kommt nicht mehr raus …
    Ich glaube, wir werden unseren Kopf noch sehr anstrengen müssen.

    Freundliche Güße
    HG

  2. Heinz Göd sagt:

    Hallo Ped
    Glückwunsch !!!
    Da ist Dir ein hervorragender Artikel gelungen.

    @adolfkurt
    Volle Zustimmung.

    Freundliche Grüße
    HG

  3. adolfkurt sagt:

    Lieber Ped!
    Dank und Hochachtung für diesen Artikel. Also haben wir uns in Assad doch nicht getäuscht. Dieser Strategiewechsel scheint auch mir der einzig sinnvolle. Spät, aber hoffentlich nicht zu spät. Seltsamer Weise habe ich davon bisher noch nichts mitbekommen, außer, daß ich nach dem Einsatz russischer militärischer Hilfe einen Wandel irgendwie gespürt habe.
    Toll von Dir, wie Du an Syrien drangeblieben bist und uns hier etwas wirklich Wichtiges mitteilen konntest. Das sollten mehr Menschen lesen können. Gib doch diesen Aufsatz an die Nachdenkseiten zum Beispiel weiter. Oder auch an das Neue Deutschland oder und die Junge Welt?

    Als der eigentliche Krieg begann, war sich Syrien nicht bewußt, daß es ein aussichtloser Kampf gegen eine Weltmacht und ihrer Verbündeten werden würde. Gut, Vietnam hatte den Kampf gegen den Goliath gewinnen können. Doch den USA geht es nicht mehr, wie ich las, darum, eine neue US-gemäße Regierung einzusetzen – also einen Krieg zu gewinnen, sondern halt nur um Unruhe, Uneinigkeit, Feindschaft und Zerstörung zu organisieren, um die eigene Einflußsphäre in der Welt zu erhalten oder weiter auszubauen. Und nur darin liegt die Hoffnung begründet, daß Assad als Regierung und Syrien als ein Rest-Staat ehemaliger Größe bestehenbleiben könnte. Falls er sich von den tausenden Wunden erholen und mit den Nachbarn auskommen würde. Ohne die geflüchtete syrische Jugend und Intelligenz? Ohne Erdölvorhaben? Mit dem ISS, mit Israel und der Türkei als Nachbarn, friedlich zusammen leben; geht das überhaupt?

    Wichtig finde ich auch Deinen Appell, eine andere Einstellung zu der Vielzahl an flüchtigen, jungen syrischen Männern einzunehmen. Als Überlebend werden sie in der Lage sein, ein neues Syrien aufzubauen, als Soldat wären sie sinnlos gegen einen unbezwingbaren Feind zugrunde gegangen.
    Ja, ist der Feind wirklich unbezwingbar? Militärisch wohl nicht. Das geht nur mit Hilfe internationaler Aufklärung der Menschheit (besonders auch der in Demagogie und politischer Verdummung lebenden USA-Bevölkerung), über die wirklichen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung und damit einer möglichen Solidarität mit den Opfern sowie eine Art internationalen Mahatma- Gandhi-Bewegung gegenüber der USA und ihrer Helfer. Die USA als Aggressor-Staat verurteilen und aus dem Sicherheitsrat ausschließen – ihm das Vetorecht entziehen – die Dollar-Weltwährung durch eine andere ablösen – Handelsembargo und andere Sanktionen gegen die USA beschließen -Militärstützpunkte in fremden Ländern aufkündigen usw.. Für solch einen im Untergrund organisierten Putsch müßten sich doch auf dieser Welt inzwischen Mehrheiten finden lassen. Fragen bleiben: Welche Kraft dann die Rolle der USA übernimmt? Wie aggressiv wird die US-Administration, wenn ihr unweigerlich ihre Weltmachtstellung verlorengeht? Wie verhalten sich die ehemaligen Verbündeten – Großbritannien (eine interessante Tendenz zeichnet sich ab)?
    Die Psychologen sagen ja immer, man darf in einem Kampf nicht mit den gleichen Mittel gegenhalten. Also nicht mi Gewaltlosigkeit, eben Mahatma Gandhis Vermächtnis, auf heute Bedingungen ausgereift.

    Danke für Deinen Artikel sagt nochmals adolfkurt.

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