China – Suche nach Wegen aus dem Dollar

Chinas Wirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten in atemberaubendem Tempo gewachsen. Die inzwischen zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steht einerseits vor vielfältigen nationalen Herausforderungen und drängt andererseits auf die internationalen Märkte. Das Land hat finanzielle Ressourcen wie auch Technologien und kluge Köpfe – und stößt dabei an den Hegemon USA, der stur auf seiner Rolle des Führers einer unipolaren Weltordnung beharrt. Welche Rolle für China spielt dabei das vom US-Dollar beherrschte Weltfinanzsystem?


Die Macht des Petro-Dollars

Als die Vereinigten Staaten um die Jahrtausendwende begannen, ihre Strategie des PNAC (Project for the new american century) [1] in die Tat umzusetzen, hatte das den Beginn bzw. die Verschärfung einer Reihe von kriegerischen Konflikten zur Folge, an denen die USA unmittelbar oder mittelbar beteiligt waren. Unter der verlogenen Prämisse, Freiheit und Demokratie weltweit durchzusetzen, destabilisierten und stürzten die USA und ihre Verbündeten eine Reihe von Staaten, was dort bis heute ein nicht enden wollendes Chaos zur Folge hat. Auffallend dabei war, dass das militärische Engagement der führenden Weltmacht immer Staaten traf, die große Ressourcen an Rohstoffen besaßen (vor allem Öl und Gas) und außerdem eine Wirtschaftspolitik umsetzten oder anstrebten, die weg ging von der Bindung an das die Welt beherrschende US-Dollar – System.

Die Dominanz des US-Dollars resultiert aus seiner weltweiten Akzeptanz. Aber diese ergibt sich nicht etwa aus irgend einer monetären oder wirtschaftlichen Stärke! Vielmehr wird sie durch eine entsprechende aggressive weltweite Politik und Propaganda sowie der Drohkulisse einer dahinter stehenden gewaltigen Militärmaschinerie hoch gehalten. Da die damit erzeugte Akzeptanz auch die einzige Qualität ist, die der Dollar zu bieten hat, entscheidet ihre Aufrechterhaltung auch über dessen Zukunft als Weltleitwährung. Hinter dem Begriff Weltleitwährung steht dabei in erster Linie ihre Funktion als Verrechnungseinheit für andere Währungen und globalem Zahlungsmittel (insb. für Rohstoffe). Aus diesem Grund wird auch nicht zu Unrecht sehr oft vom Petro-Dollar gesprochen. Aber warum ist das so wichtig?

Solange der US-Dollar weltweit anerkanntes allgemeines Äquivalent für Waren und Dienstleistungen ist, können große multinationalen Konzerne fast beliebig Dollar-Kredite aufnehmen und mit diesem Buchgeld auf dem Weltmarkt investieren – und einkaufen. Das mag ungläubiges Kopfschütteln hervor rufen, allerdings sind die großen Industrie- und Technologiekonzerne eng verwoben mit dem US-Bankensystem wie auch Investment- und Vermögensgesellschaften. Und haben zudem noch einen traditionell heißen Draht zur US-Administration um z.B. staatliche Aufträge abzugreifen.

Dieses Privileg, großzügig mit Krediten oder auch staatlichen Aufträgen (finanziert über Darlehen der Fed an die US-Regierung) bedacht zu werden, besitzen verständlicherweise vor allem US-geführte Konzerne. Die Verbindung zur Fed (Federal Reserve) ist natürlich keine Direkte, sondern wird über die großen Finanzinstitute hergestellt – z.B. Goldman Sachs. Merken wir uns den Namen, er wird zum Abschluss dieser Abhandlung noch eine Erwähnung finden.

Die Kredite an Unternehmen werden also von privaten Großbanken ausgereicht und die Fähigkeit dies in großem Maße tun zu können, erhalten die Banken ihrerseits wiederum über Liquiditäten der US-Zentralbank (eben der Fed), in deren Vorständen die Banken ihrerseits direkt oder indirekt vertreten sind. Wer also eine der großen mit der Fed verflochtenen Banken als Finanzier seines Vertrauens nennen darf, besitzt damit die Fähigkeit an große Mengen (durch Kredit geschöpfter, quasi aus der Luft erzeugter) Dollars heranzukommen und mit diesem „Luftgeld“ reale Werte auf dem Weltmarkt zu beschaffen. Wir sollten uns klar machen, was das bedeutet.

Luftgeld gegen Ausbeutung

Dollars – faktisch wertlos, aber durch Politik, Propaganda und Militär in Akzeptanz gebracht, werden als Kredite (in Form von Buchgeld) massenhaft auf den Markt geworfen. Ein Nichts in großen Zahlen! Aber mit diesen Dollars verschafft – nein, ergaunert man sich reale Werte. Dieses System etabliert Ausbeutung, die in vielen Teilen der Welt an ein modernes Sklavenhalter-System erinnert. Der gewaltige Anstieg der Wirtschaftskraft Chinas bspw. basiert auf dessen jahrzehntelanger Funktion als verlängerter Werkbank des Westens und bezahlt wurde China mit dem ex nihilo geschöpften Dollar.

Natürlich hat das China – im Sinne eines kapitalistischen Landes (und nichts anderes ist China) – auch genutzt. Denn die Unternehmen des Landes bzw. der Staat selbst, konnten mit diesen Dollars auf dem Weltmarkt Investitionsgüter beschaffen, in Forschung und Entwicklung investieren und so technologisch wie auch sozial Fortschritte erzielen. Aber der Preis dafür war hoch, sehr hoch. Denn er beinhaltete eine Ausbeutung gleich der im Manchester-Kapitalismus des 19.Jahrhunderts, eine gigantische Umweltzerstörung im Land und die großflächige Vernichtung gewachsener sozialer Strukturen. Die wahren Gewinner saßen anderswo. Es waren die westlichen Gesellschaften – wir(!), die von der Sklavenarbeit in Fernost profitierten, in dem sie Konsumgüter zu Billigstpreisen erstehen durften. Wie ich schon in anderen Artikeln anmerkte; erst der Konsum macht die Ausbeutung vollständig!

Dass die Konsumenten sich dabei in das eigene Fleisch schnitten, weil sie gewachsene nationale Industrien und ihre Produkte aus reiner Preishascherei mieden, soll nicht unerwähnt bleiben. Nicht China hat Wirtschaftszweige wie Elektronik und Textilindustrie in Deutschland platt gemacht, sondern der Verbraucher, der mit seiner eigenen Kaufentscheidung Verantwortung für die Vernichtung von Arbeitsplätzen in der Heimat übernahm!

Ökonomen des Mainstreams möchten uns immer wieder weis machen, dass zu wenig Geld da ist, um die Gemeinkosten (sozialen Kosten) der Gesellschaften zu finanzieren. Dabei ist mehr Geld vorhanden als je zuvor. Es kann ja auch gar nicht anders sein, funktioniert doch das kapitalistische Wirtschaftswachstum auf der Basis einer durch Kreditschöpfung ständig anwachsenden Geldmenge. Aber hinter dem Prinzip eines ausbeutenden Systems steckt nun mal Umverteilung – Umverteilung in Gesellschaften und Umverteilung zwischen den Gesellschaften. China hat seine wahren Ressourcen jahrelang „verschenkt“ und sitzt nun, obwohl fleißig mit Dollars auf der ganzen Welt investierend, auf einem Riesenberg von US-Dollars. Fast fünf Billionen Dollar an Buchgeld nannte China zeitweise sein eigen; beachte: Buchgeld – eine Zahl in einem Computer. Der größte Schuldner weltweit dagegen – sind die USA, die über 18 Billionen Dollar Schulden angehäuft haben; auch nur eine Zahl in einem Computer.

Wie dem auch sei, fast ein Viertel seiner Schulden hat die USA bei China (vor allem in Staatsanleihen) und im Reich der Mitte macht man sich keine Illusionen ob des Abbaus dieser Schulden. Im Gegenteil läuft die Geldschöpfungsmaschinerie der Fed-Banken unvermindert weiter [a1]. Die Bemühungen Chinas seine Dollar-Liquidität im Ausland für Investitionen zu nutzen, werden vom US-Geflecht aus Banken, Wirtschaft und Politik mit Argwohn beobachtet – und zunehmend aggressiv bekämpft. Freie Marktwirtschaft ja – so deren Credo – aber nur wenn es ihnen nützt und es zeigt sich hier deutlich, dass der freie Wettbewerb eine ideologische Chimäre zur euphemistischen Aufwertung eines brutalen auf Eigennutz getrimmten Systems ist. Die US-Politik hat Chinas Investitionskraft im Ausland mit aller Macht versucht zu hintertreiben, hierzu ein Beispiel.

Ein Fallbeispiel von Dollar-Hegemonie

Als die westliche Koalition im Bunde mit ihren Terror-Proxies die legitime libysche Regierung unter Muamar al-Gaddafi stürzten, hatte das auch den Weggang von 30.000 chinesischen Fachkräften aus dem Land zur Folge. Chinesischen statt westlichen Konzernen hatte Libyen Aufträge im Technologie- und Bausektor sowie in der Ölindustrie zukommen lassen. Noch im Juli 2011 verhandelte die libysche Regierung mit Vertretern Chinas und Russlands über neue Investitionsabkommen. [2] Und im Frühsommer 2011 schrieb die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“  :

„Der Krieg in Nordafrika sei nicht gegen Libyen, sondern gegen China gerichtet, stellte der Republikaner Craig Roberts fest, der Vizefinanzminister unter dem früheren Präsidenten Ronald Reagan gewesen war. In der Zeitschrift „Foreign Policy Journal“ vermutete er, dass „die Anti-Gaddafi-Proteste anscheinend von der CIA im Osten Libyens organisiert wurden, wo etwa 80 Prozent aller Ölvorräte konzentriert sind und China mit seinen Investitionen im Energiesektor tätig ist. Der Gedanke ist nicht abwegig: Nach Angaben des Handelsministeriums in Peking waren im März (Beginn des Libyen-Einsatzes) 75 chinesische Großunternehmen in Libyen mit Verträgen im Gesamtwert von 18 Milliarden Dollar engagiert. Wegen der Kämpfe müssen die Chinesen jetzt mit riesigen Verlusten rechnen.“ [3]

18 Milliarden Dollar sind für China nicht das Gleiche wie für die USA, denn US-Banken können diese Summe als Kredit und somit global gültiges Geld neu schöpfen. Für die Chinesen aber ist dieses Geld definitiv weg und sie wurden damit als Konkurrent geschwächt! Schließlich müssen sie reale Werte auf dem Markt verkaufen, um wieder an Dollar-Geld heran zu kommen. Das ist nur einer der Punkte, warum es in China Bestrebungen nach einer Unabhängigkeit vom Dollar-System gibt.

Spiele mit Chinas Währung

Der Drang den Dollar weltweit ohne Einschränkungen zu etablieren, ist logischer Bestandteil einer imperialen US-Machtpolitik. Diesem hat sich China bislang mit einigem Erfolg widersetzen können und das insbesondere durch den Schutz seiner Währung Renminbi (mit dem Yuan als Zahlungsmittel) auf dem Binnenmarkt. Hierfür nutzt es einen im Inland verbindlichen Wechselkurs mit dem Yuan als verbindlichem Zahlungsmittel im Land. Mit der Expansion des chinesischen Binnenmarktes haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zwei Konsequenzen ergeben:

  1. Die Geldmenge der nationalen Währung Chinas ist rapide angewachsen.
  2. Die Sehnsucht westlicher Konzerne, vom gewachsenen chinesischen Binnenmarkt zu profitieren, ist rasant angestiegen.

Wie gesagt; zwar hat der Renminbi einen Wechselkurs zum Dollar, aber er ist nicht in diesen frei konvertierbar, sprich als Zahlungsmittel ist der Dollar in China (bis auf einzelne Ausnahmen) nicht zugelassen. Aber natürlich kann die chinesische Währung auf den Finanzplätzen gehandelt werden – mit positiven und negativen Effekten für China selbst – und das passiert auch. Und führt uns zu einem spannenden und für viele undurchsichtigen Thema: Finanzspekulationen. Spekulationen sind wie ein Spiel – allerdings ein bitter Ernstes, nämlich das Spiel der Gier und der Spieltisch sind – die Börsen. China ist davon betroffen, deshalb mal ein kleiner vereinfachter (nur das Prinzip verdeutlichender) Einblick in die Welt der Finanzjongleure.

Händler (Trader) an den Börsen versuchen über Devisen-Käufe bzw. -Verkäufe Gewinne zu „erwirtschaften“. So könnte z.B. ein Händler morgens (über einen Broker) eine Summe an chinesischen Devisen gegen US-Dollars erwerben, um sie am Abend für eine größere Summe an US-Dollars wieder zu verkaufen. Hier hätte der Händler also erfolgreich auf eine Aufwertung des Renminbi (gegenüber dem US-Dollar) gewettet. Solche Spekulationen sind allerdings oft undurchsichtig und haben manchmal Interessengruppen im Hintergrund, die weit mehr bezwecken, als einen Tagesgewinn. Schaut man sich an, was da auf den Finanzplätzen geschieht, in einem einzig dem Gott der Zahlen dienenden System (quantitativ, sprich Rendite orientiert) und völlig abgekoppelt von Aspekten wie z.B. menschlichem Leid, ist man geneigt zu sagen, dass diese ein treffliches Bild für unsere absurden Wirtschaftssysteme abgeben und eines nicht in sich tragen: Empathie.

Die Börsenhändler zeigen dabei oft Strategien, die denen von Lemmingen ähneln. Ergibt sich ein Trend für fallende oder steigende Kurse und die Spekulationen auf ein weiter Fallen oder wieder Steigen werden offenbar, machen (übertrieben ausgedrückt) alle mit, was dann die Trends von steigenden oder fallenden Kursen verstärkt. Das antizyklische Verhalten (gegen den Trend) derer, die im Auftrage von Akteuren im Hintergrund handeln (und fast immer gewinnen, vor allem langfristig und mit politischem Kalkül!), lassen wir bei dieser Betrachtung einmal raus. Aber die Auswirkungen können natürlich enorm sein. Die beträchtliche Menge an  Yuan zirkuliert nun natürlich auch an diversen internationalen Finanzplätzen und ist zum begehrten Objekt von Spekulationen geworden. Und kann rasch auch eine nationale Währung in Bedrängnis bringen, unter der Voraussetzung dass die Menschen auch die gewollte Rolle als homo oeconomicus spielen.

Unter diesen Bedingungen führt ein massenhaftes Verkaufen von Yuan an den Finanzmärkten und das Einströmen diesen Geldes in den chinesischen Binnenmarkt zu einem Überangebot, einem Anschwellen der Geldmenge (Inflation). Das wiederum hat die Gefahr eines allgemeinen Preisanstiegs im Land zu Folge. China ist ein kapitalistisches Land und es sind die gleichen ideologischen Denkweisen präsent wie hier in Deutschland. Es gilt Konsumdenken, traditionelle Sozial- und Wirtschaftsstrukturen wurden teils mit Gewalt verdrängt, Wirtschaftswachstum ist gut, es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. So wie hier erwarten also auch die Menschen in China, dass es der Staat richtet. Beachten wir aber: Spekulationen basieren auf Gier zur Gewinnmaximierung und weiterhin auf politischem Machtkalkül, um ganze Staaten zu destabilisieren und gefügig zu machen!

Der US-Dollar als Machtinstrument

Noch ein dritter schwer wiegender Aspekt ist Grund genug für China, Wege aus dem Dollar zu suchen. Staaten, die sich dem politischen Druck der USA nicht beugen, werden gern mit Wirtschaftssanktionen belegt und eine oft unterschätzte Bedeutung haben dabei Sanktionen im Finanzwesen, speziell im Zahlungsverkehr. Jede bargeldlose Dollar-Transaktion läuft über eine Bank auf US-amerikanischem Boden, über einen Computer in den USA – und kann faktisch per Mausklick geblockt werden. Durch die Rolle des US$ als Weltleitwährung wird über sie ein sehr großer Teil internationaler Handelsgeschäfte umgesetzt. Das kann bilateralen Handel sehr erschweren.

Ein vereinfachtes Beispiel: Überweist ein deutscher Geschäftsmann 100.000 US$ an seinen russischen Geschäftsfreund, dann läuft die Transaktion über die Deutsche Bank New York, die wiederum über das System der Zentralbanken mit der russischen Deutsche Bank Filiale oder einer angeschlossenen Geschäftsbank verbunden ist.

Mehr noch – und der Iran kann bis heute ein Lied davon singen, ist dadurch selbst der Handel in Drittwährungen eingeschränkt [4] und hier kommt SWIFT in’s Spiel. SWIFT steht für Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication, hält selbst also keine Konten. Jedoch bildet es ein Informations-Netzwerk für Anweisungen im Zahlungsverkehr ab, was den es Steuernden eine enorme Macht verschafft und die Frage aufwirft, wer an solch einer Konzentration von Finanzhoheit tatsächlich das größte Interesse haben kann. Der normale Privatkunde? Zweifelhaft. Wer Macht über SWIFT hat, kann Staaten aus dem System ausschließen, was einen weitgehenden Ausschluss aus dem internationen Zahlungsverkehr zur Folge hat! [a2]

Und es gibt Begehrlichkeiten an die Verkehrsdaten von SWIFT heranzukommen, Begehrlichkeiten denen entsprochen wird! Das ist nicht nur für uns in Deutschland und Europa ein Problem, sondern betrifft alle Teilnehmer von SWIFT:

„Die SWIFT geriet negativ in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, das seit den Terroranschlägen im September 2001 die Daten von rund 20 Millionen Transaktionen pro Jahr auch von europäischen Kunden durch die CIA ausspioniert worden sind. Dieses Vorgehen wurde im Nachhinein von der belgischen Datenschutzkommission als notwendig erachtet. Im Juli 2009 wurde dieses Vorgehen durch einen Beschluss der europäischen Außenminister im Rahmen der zu treffenden Maßnahmen gegen terroristische Akte legalisiert [!]. Um die Notwendigkeit einer direkten Übergabe der Daten europäischer Kunden an die CIA künftig vermeiden zu können, soll eine europäische Kontrollbehörde geschaffen werden [soll!, derzeitig geplante Umsetzung: bis 2018]. Bis dahin wird ein EU Beamter für die Überwachung der auszuwertenden Daten ins amerikanische Finanzministerium entsendet [wie beruhigend…].“  [5]

Und noch etwas: Jede Bank, die internationalen Zahlungsverkehr im US$-Raum betreibt, ist an das Clearing-System der Federal Reserve (US-Zentralbank) angebunden, was grundlegende Voraussetzung für jeden funktionierenden Interbankenhandel ist. Nur über diese Kreditierung zwischen den Banken sind auch Kunden-Überweisungen realisierbar. Die US-Administration kann Banken, die sich Sanktionsregelungen gegen Staaten nicht unterwerfen, disziplinieren, in dem sie diese zeitweise oder dauerhaft vom Clearing-System abkoppeln lässt. Jede europäische Bank ist auch an das US$-Clearing-System angeschlossen – und befolgt deshalb brav die Weisungen des Herrn aus Übersee.

Damit wird auch China mit dessen stark auf Export orientierter Wirtschaft indirekt angegriffen. Nämlich dadurch, dass seine Handelspartner mit Sanktionen belegt und vom Dollar-Clearing getrennt werden und chinesischen Banken, die versuchen im Handel mit dem betroffenen Land den Dollar zu umgehen, mit Gleichem gedroht wird.

Chinas Geldpolitik

Es sei noch darauf hingewiesen: Auch der Yuan (Renminbi) ist nichts weiter als durch Kredite geschöpftes Schuldgeld.

china-yuan100_v-ARDFotogalerieNational schützt China seine Wirtschaft vor dem Dollar durch eine restriktive Banken- und Zollgrenzen-Politik. Wir sprachen schon die festgelegten Wechselkurse und die Nicht-Konvertierbarkeit des Dollars an. Der Renminbi als chinesische Währung ist zudem in seiner Geldschöpfung durch die vorgegebene Mindestreserve von 20 Prozent Grenzen unterworfen, die man in Europa (derzeit ein bis zwei Prozent) schon lange nicht mehr kennt. Auch die den chinesischen Banken vorgeschriebene Kernkapitalquote liegt mit 7,5 bis 8,5 Prozent über denen des Euro-Raumes [6].

Außerdem wurden Zinssätze von der National Bank of China (NBoC; chinesische Zentralbank) bislang verbindlich vorgegeben. Anlegerzinsen lagen immer im Bereich der errechneten Inflationsrate und Kredite waren an einen Mindestzinssatz gebunden, was diese entsprechend teuer machte. [7] Damit wurde eine ungehemmte Kreditierung (Geldschöpfung) und das damit verbundene Geldmengenwachstum durch Kreditvergabe chinesischer Banken von der Zentralbank Chinas wirksam verhindert. Westliche Finanz-„Experten“, die völlig in den Ideen eines weitgehend deregulierten Finanzsystems gefangen sind und einen Wettbewerb der Banken einfordern, mahnen folgerichtig die Chinesen auch ständig dazu, ihr Finanzsystem endlich zu liberalisieren; ein Schelm der Arges dabei denkt. Tatsächlich hat China auch einige dieser Restriktionen in den vergangenen Jahren aufgeweicht. [8] China besitzt durchaus ein Zentralbanken-System nach westlichem Muster, welches allerdings tatsächlich zentralistisch geführt wird und bis heute weitgehend unter Kontrolle der Regierung steht.

Um auf die Spekulationen mit dem Renminbi zurück zu kommen: Mit der Aufgabe den Geldmarkt stabil zu halten, hat die chinesische Zentralbank auf den Devisenmärkten interveniert und für hunderte Milliarden Dollar Yuan zurück gekauft, um sie den Wirtschafts- und Geldkreisläufen zu entziehen(!). Sie hat genügend Dollar-Reserven, um dies auch weiterhin tun zu können. Es zeigt sich aber auch hier die Gefahr, welche in der Kopplung an den Dollar als Weltleitwährung besteht. Das ist deshalb ein weiterer Punkt, weshalb China an einer Etablierung seiner Währung als globaler Währung und gleichzeitig einer (auch und vor allem) politischen Schwächung des Dollars interessiert ist.

Und China macht seine Währung weltweit präsent. Spektakulär ist sicher die Einführung des Renminbi im Jahre 2015 als amtlicher Währung in dem afrikanischen Land Simbabwe, welches zuvor unter dem Eindruck einer (u.a. durch Sanktionen westlicher Staaten gegen das Land verursachten) Hyperinflation die eigene Währung abgeschafft hatte. [9] Weltweit etabliert China Finanzplätze, an denen Handel über den Gebrauch der chinesischen Währung abgewickelt werden kann, so z.B. in Frankfurt/Main. Die Bank of China (Außenhandelsbank Chinas) bietet in der Main-Metropole ein Clearing-System für den chinesischen Interbankenhandel an und hat außerdem Zugang zum SWIFT-System als Drehkreuz des Euro-Finanzhandels. Mit diesen Institutionen ist Dollar-freier Handel mit chinesischen Firmen von Europa aus möglich, was vor allem mittelständischen Unternehmen zugute kommen soll. [10]

Abhängigkeiten vom US$ und SWIFT beabsichtigt China mit dem CIPS-System auszuhebeln. CIPS ist also ein Transaktionssystem für grenz- und kontinent überschreitende Überweisungen. Es umgeht den Dollar als Weltleitwährung und damit im Interbankenhandel die US-Banken – die nebenbei an jeder dieser Transaktionen auch Geld verdienen. Wenn also Staaten sich dem CIPS-System anschließen, können sie ihre Transfers ohne jede Nutzung des Dollarsystems betreiben – und schwächen damit (nebenbei) die Akzeptanz des Dollars als Weltleitwährung. Wie wenig hilfreich eine Gut-Böse-Diktion ist, zeigt sich auch hier, waren doch an der Entwicklung des CIPS-Systems auch die ehemals weltgrößte Bank Citi-Group aus den USA, die britische HSBC und die Deutsche Bank beteiligt. Diese Banken haben sich auch umgehend an das CIPS-System angeschlossen und führen Interbanken-Handel – einschl. Clearing – über dieses System und im Rahmen von Renminbi-Geschäften durch. [11]

Die Brücke zu BRICS

Chinas Aufstieg zu eine der größten Volkswirtschaften der Welt ist keine Sensation bei der Größe und Bevölkerung des Landes, nach dem dort der Weg für kapitalistisches Wirtschaften (wohlklingend gern als Marktwirtschaft bezeichnet) frei gemacht wurde. Die Wirtschaftskraft des Landes drängt auf die internationalen Märkte, die früher nur Abnehmer für die mit schlimmster Ausbeutung verbundenen Billigprodukte waren. Doch nun hat China Technologien und Fachpersonal, um auch im Ausland große Projekte zu stemmen – und es hat einen kaum stillbaren Hunger auf Rohstoffe. Dass die damit einher gehende Expansion eine politisch friedliche ist, darf man wohl als größten Pluspunkt chinesischer Politik in den vergangenen Jahrzehnten bewerten.

Aber die Expansion und der Rohstoffbedarf der chinesischen Wirtschaft stoßen unvermeidlich auf den Hegemon jenseits des Pazifik (von China aus gesehen). Jener mag zwar wohlfeile Losungen vom demokratischen und auf freiem Wettbewerb beruhenden westlichen Wertesystem darbieten, doch die reale Strategie ist unversöhnlich und brutal. Es ist nur logisch, dass China deshalb starke, natürliche Verbündete sucht, um mit Jenen gemeinsam vielfältige Lösungen zu entwickeln, mit denen sich das US-Dollar-System umgehen lässt. BRICS als Club (wie es sich selbst bezeichnet) hat sich genau dafür gefunden.

Die stärksten Volkswirtschaften Asiens (China), Lateinamerikas (Brasilien) und Afrikas (Südafrika), die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde (China, Indien), das rohstoffreichste Land welches gleichzeitig eine militärische Großmacht ist (Russland), zwei Nuklearmächte, die auch ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind (Russland, China), haben sich in einem Bund zusammen geschlossen, der sich immer weiter und vielfältiger verflechtet. Nicht zuletzt arbeiten diese Staaten an Lösungen eigenständiger vom Dollarsystem unabhängiger Finanz- und Bankensysteme. Das könnte schließlich auch das sich abzeichnende Ende der imperialen Epoche der USA – die ihre Apologeten auch gern „Die einzige Weltmacht“ nannten – bedeuten.

Aber da war ja noch etwas mit Goldman Sachs. Das Engagement des US-Bankriesen ist ein Indiz, dass die Dinge in Bezug auf Chinas Rolle im Weltwirtschaftssystem nicht so eindeutig sind, wie manche glauben. Kurz nach der Gründung des chinesischen Internet-Portals alibaba.com im Jahre 1998 investierte die Bank fünf Millionen US$ in die Neugründung. Heute ist Alibaba der größte Online-Händler der Welt. [12] 16 Jahre später „betreute“ u.a. Goldman Sachs den Börsengang des nunmehr Online-Riesen aus China. [13] Dabei ist vielen nicht bewusst, dass der für Goldman Sachs tätige Vermögensverwalter Jim O’Neill im Jahre 2001 die damals noch vier Staaten (ohne Südafrika) als BRIC-Staaten taufte. [14] Und noch weniger wissen, dass Goldman Sachs bis zum Jahre 2015 neun Jahre lang einen BRICS-Fonds hielt. [15]

Damit ist gesagt: Die Zukunft Chinas als durch und durch kapitalistisches Land ist also auch in seiner Rolle als Teilnehmer des weltweiten Finanzsystems offen, ungeachtet der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung, die es im Club der BRICS-Staaten ausfüllt und seiner aktiven Rolle, eine größere Unabhängigkeit seiner Wirtschaft vom US-Dollar – System zu etablieren.

Anmerkung

[a1] Immer wieder wird in Publikationen davon gesprochen, dass „die Notenpressen angeworfen“ wurden oder dass in Unmassen „Geld gedruckt wird“. Das ist so nicht korrekt, denn die immer schneller wachsende Geldmenge manifestiert sich inzwischen zu mindestens 90 Prozent in Buchgeld, welches als in Computern gehaltener Posten von doppelten Buchführungen der Banken und Wirtschaftsunternehmen auftaucht. [16]

[a2] Es sei an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass – mit seinen Wurzeln im arabischen Raum – schon seit langem ein alternatives Überweisungssystem existiert, welches sogar ohne Banken und Konten auskommt. Dieses System nennt sich Hawala (arab. Vertrauen) und wird über Hawaladare (arab. denen man vertraut) abgewickelt. Und es erlaubt Bar-Überweisungen in sehr kurzer Zeit. In der Zeit der Trennung des Iran vom SWIFT-System konnte das Land die negativen Auswirkungen durch Nutzung des Hawala-Systems etwas abfedern. [17]

Quellen

[1] Project for the New American Century; 19.2.2016; http://www.sourcewatch.org/index.php/Project_for_the_New_American_Century

[2] Gaddafi-Regierung will Eni-Projekte in Libyen an Russland und China übergeben; Sputniknews; 7.7.2011;  http://de.sputniknews.com/wirtschaft/20110707/259697589.html ; Originalquelle: Reuters

[3] Libyen: Stellvertreterkrieg zwischen USA und China?; Wedemosti; 8.6.2011;    http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libyen/china.html

[4] Sanktionen im Zahlungsverkehr legen Iran-Handel lahm; Desirée Backhaus; 13.1.2014; FINANCE;  http://www.finance-magazin.de/maerkte-wirtschaft/weltwirtschaft/sanktionen-im-zahlungsverkehr-legen-iran-handel-lahm-1285521/

[5] SWIFT; 21.2.2016; Tagesgeldkontenvergleich;   http://www.tagesgeldkontovergleich.com/lexikon/swift/

[6][8] Zinspolitik beschert Chinas Banken neue Kapitallücken; Lingling Wei; The Wall Street Journal; 22.7.2013;  http://www.wsj.de/nachrichten/SB10001424127887323829104578620720847333446

[7] Chinas Bankensystem auf langem Reformweg; Klaus Schröder; 2003;  http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/studien/S2003_43_srd.pdf

[9] Teil eines Deals…; 3.12.2015; http://www.nachrichten.de/wirtschaft/Teil-eines-Deals-Simbabwe-fuehrt-chinesischen-Yuan-als-offizielle-Waehrung-ein-aid_4084609068271766099.html ; Originalquelle: Focus Online

[10] China-Geschäft: Renminbi-Clearing in Frankfurt;  Matthias Grabbe; Juli 2014; http://www.exportmanager-online.de/2014/ausgabe-7-2014/china-geschaeft-renminbi-clearing-in-frankfurt/

[11] China startet internationales Zahlungsverkehrssystem Cips; Desiree Backhaus; Der Treasurer; 8.10.2015; http://www.dertreasurer.de/news/cash-management-zahlungsverkehr/china-startet-neues-zahlungsverkehrssystem-cips-26731/

[12] Die China AG: Zielmärkte und Strategien chinesischer Markenunternehmen in Deutschland und Europa; Hans-Joachim Fuchs; 2007; FinanzBuch Verlag; S.300

[13] Debüt an der Wall Street: Alibaba schaftt Rekord-Börsengang; 19.9.2014;  http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/alibaba-boersengang-an-wall-street-wird-groesster-ipo-aller-zeiten-a-992668.html

[14] Goldman Sachs Banker O’Neill: „Ich bin Außenseiter in meinem Beruf“; Erich Follath; 18.3.2013; http://www.spiegel.de/wirtschaft/goldman-sachs-banker-jim-o-neill-ueber-die-zukunft-der-brics-a-888397.html

[15] Was passiert mit dem deutschen BRIC-Fonds von Goldman Sachs?; 10.11.2015;  DAS INVESTMENT.COM; http://www.dasinvestment.com/investments/news/news-detail/datum/2015/11/10/was-passiert-mit-dem-deutschen-bric-fonds-von-goldman-sachs/

[16] Kredite – Der Hebel zur Geldschöpfung; Peds Ansichten; 11.6.2016; http://peds-ansichten.de/2015/06/kredite-und-ihre-rolle-im-schuldgeldsystem/

[17] Geldtransfer auf Alt-Arabisch; 28.7.2010; Deutschlandradio-Kultur; Interview mit Joachim Scholl; http://www.deutschlandradiokultur.de/geldtransfer-auf-alt-arabisch.954.de.html?dram:article_id=145484

[b1] Bild einer Yuan-Note; Quelle: http://www1.wdr.de/fernsehen/aks/themen/warum-wir-kein-bargeld-brauchen-100_imageNo-4.html

 

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