Erfolgreich infiziert …

mit dem „Killervirus“? Nein, doch dafür mit Lebensfreude und damit Lebensmut.


Letzteres kann jedoch nicht gelingen, wenn man sich asozial voneinander distanziert. Asozial deshalb, weil wir Menschen soziale Wesen sind und dauerhaft auch nur in sozialen Gemeinschaften überleben können. Hierfür wiederum bedarf es eines Urvertrauens in unsere Mitmenschen, eines welches die herrschende Macht systematisch zu untergraben versucht. So etwas spaltet die Menschen, befördert deren Ängste und zieht sie in die Einsamkeit.


Einsamkeit seinerseits macht uns krank, krank in der Seele und nachfolgend krank in unserer Physis. Angst und Einsamkeit lassen uns misstrauisch werden, schütten unsere soziale Kompetenz zu, lassen unsere Empathie verkümmern. Wer Menschen in die Angst und Einsamkeit — eben das steckt tatsächlich hinter asozialer Distanzierung — zu zwingen sucht, ist selbst in Ängsten gefangen. Statt sich diesen Ängsten zu stellen, sucht er Schuldige und damit den Kampf im Außen.

Die Angst vor dem Coronavirus ist eine Angst vor dem Leben, und somit gleichzeitig ein Tod auf Raten. Ob es dieses Virus gibt oder nicht, tut nichts zur Sache. Es gibt genug weitere Beispiele, die uns zeigen, wie man versucht, die Menschen permanent in Angst zu halten. Beispielhaft seien die von der Macht inszenierte „drohende Klimakatastrophe“ und der Kampf gegen den „internationalen Terrorismus“ genannt. Menschen in Angst sind gut lenkbar, geistig passiv, unfähig zur Selbstermächtigung und statt dessen auf die, nur vermeintlich schützende Hand der Macht angewiesen.

Erst recht haben die vergangenen 18 Monate gezeigt, dass es keinen triftigen Grund gibt, sich vor dem „neuartigen Virus“ zu fürchten, gar vor ihm zu flüchten oder als Gipfel der Angst um eine zweifelhafte Injektion zu betteln, statt dem in Millionen von Jahren geübten, wie phänomenal wirkenden eigenen Immunsystem zu vertrauen (1). Eines, dass auch ganz und gar nicht vorrangig für den Kampf gegen Erreger „da draußen“ aufgestellt ist. Weil wir nicht abgetrennt und isoliert von der Natur leben. Weil wir Teil derselben sind. Wir sind eins mit unserer Umwelt und Millionen von Erregern empfangen wir Tag für Tag. In gleicher Weise bringen wir diese und andere dafür wieder aus unserem Organismus heraus.

Sich zurückzuziehen ist also ein nur auf den ersten Blick bequemer Weg, denn er führt in die Einsamkeit, verstärkt die Ängste und beraubt uns unserer sozialen Fähigkeiten. Das Gegenteil tut Not und zwar dringender denn je. Das ist mit Überwindung von Bequemlichkeit und Ängsten verbunden, aber ein Hohelied auf das Leben. Das Ja zum Leben, das selbstredend eines in sozialen Gemeinschaften ist, habe ich als Kernbotschaft von Kurt Kopfs Denkschrift verstanden, die auf dieser Plattform vor einigen Wochen veröffentlicht wurde (2). Kurt Kopf ist auf die Suche nach echter, erfüllender wie befreiender Kollektivität gegangen — und fündig geworden.


Von einem, der auszog, von Keimen zu lernen und dabei die Kraft der Netzwerke entdeckt hat

von Kurt Kopf

Seit meine Denkschrift veröffentlicht wurde, warte ich gespannt, was sich wohl daraus ergibt. Im Folgenden möchte ich von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten, die sich über einen Kontakt ergeben haben.

Dieser Kontakt ist aktiv in einem Netzwerk in Bayern und ich hatte die Gelegenheit, Einblick in die Aktivitäten und — noch wichtiger — in das soziale Miteinander zu gewinnen.

Dieses Netzwerk versucht seit Sommer des vorigen Jahres all jene Menschen in der Region, die den Maßnahmen und deren Folgen kritisch gegenüber stehen, miteinander in Verbindung zu bringen. Einerseits gilt es, der immer stärker werdenden Tendenz zur Vereinzelung der Menschen entgegenzuwirken. Anderseits geht es aber auch darum, eine starke Gemeinschaft jenseits der offiziellen und zunehmend korrumpierten Strukturen des überkommenden Altsystems aufzubauen.

Die Menschen in dem Netzwerk bemühen sich um einen Geist der Verständigung und Toleranz, was trotz eines maximal breiten Spektrums an politischen Grundhaltungen erstaunlich gut gelingt. Die Grundidee dabei ist, dass die Menschen wieder lernen, von Angesicht zu Angesicht ins Gespräch zu kommen und abweichende Meinungen nicht nur aushalten, sondern als inspirierend und lustvoll zu empfinden.

Das Netzwerk umfasst inzwischen über fünfhundert Menschen. Es bestehen enge Kontakte zu örtlichen Unternehmern, Handwerksbetrieben, Ärzten, Rechtsanwälten usw. und auch in den örtlichen Verwaltungsapparat hinein, einschließlich der operativen Einheiten wie beispielsweise der Polizei. Ziel ist es, dass sich das Netzwerk in Krisenzeiten soweit selbst versorgen kann, dass es den Menschen ein Überleben in der Gemeinschaft ermöglicht.

In dem Netzwerk sind apolitische Menschen vertreten ebenso wie Menschen, die ihre politische Heimat im gesamten demokratischen, politischen Spektrum haben bzw. hatten. Viele sind religiös (überwiegend christlich bzw. katholisch) oder spirituell unterwegs. Die Altersstruktur in diesem Netzwerk ist ähnlich wie die in der Bewegung der Maßnahmenkritiker insgesamt. Das heißt, die junge Generation ist deutlich unterrepräsentiert. Das Geschlechterverhältnis ist ausgeglichen, eventuell besteht ein leichter Frauenüberschuss. Deutlich überrepräsentiert sind Querköpfe, Selbständige und Unternehmer. Wenn allen Mitgliedern des Netzwerks eins gemein ist, dann deren Unterschiedlichkeit und Individualität.

Das Netzwerk bündelt die kritischen Kräfte in der Region, so dass sich diese geschlossen artikulieren und dadurch ein Gegengewicht zum allgemeinen Zeitgeist und den über die Massenmedien transportierten Haltungen bilden können. Durch diesen Zusammenschluss wird beispielsweise den Verantwortlichen im örtlichen Verwaltungsapparat deutlich, dass es in der Bevölkerung auch andere Meinungen zu den Maßnahmen gibt, die sie auch berücksichtigen sollten bzw. auf die sie sich im Zweifelsfall auch berufen oder stützen können.

In unregelmäßigen Abständen trifft man sich in der ländlichen Region, organisiert öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen oder hilft sich gegenseitig aus. Das Netzwerk wächst, indem Teilnehmer, die sich auf dem Treffen wohlgefühlt haben, die Möglichkeit haben, beim nächsten Treffen ein oder zwei neue Teilnehmer mitzubringen. Es gibt einen Newsletter, in dem über solche Veranstaltungen informiert und zur aktuellen Entwicklung sachlich fundiert Stellung bezogen wird.

Ich hatte die Gelegenheit an einem solchen Netzwerktreffen teilzunehmen. Das Treffen fand auf einem einsam gelegenen Bauernhof statt, ganz wie sich ein »Norddeutscher« einen Bauernhof in Bayern vorstellt. Der Bauernhof wird naturnah bewirtschaftet und ist seit Generationen in einer Hand. Es waren etwa 40 Menschen anwesend. Alle haben etwas zum Buffet beigesteuert, so dass die Gastgeber nicht über Gebühr belastet wurden.

Wir hatten ein paar schöne Stunden. Es ergaben sich immer wieder neue Gelegenheiten für Gespräche. Das Reizthema hatte den Stellenwert, der ihm zukommt und nicht mehr. Oberflächlich betrachtet schien alles wie in der guten alten Zeit zu sein. Die Menschen sind wieder näher aneinander herangerückt, es war Herzenswärme zu spüren. Bei genauerem Hinsehen meine ich erkannt zu haben, dass sich die Menschen in diesem Netzwerk gar nicht auf dem Weg zurück in die alte Welt, sondern bereits auf dem Weg in eine neue Welt befinden.

Mich hat das Treffen inspiriert, auch in meiner lokalen Umgebung Gelegenheiten zu schaffen, dass sich ein Netzwerk bilden kann. Wobei ich denke, dass das in einer ländlichen Region alleine schon wegen des Selbstversorgungsgedankens und der schwieriger zu kontrollierenden Bewegungsfreiheiten einfacher ist. Ich werde sehen…

P.S. Leider hat es mit dem Anstecken auch diesmal nicht geklappt. Wie auch, die Menschen sind alle viel isolierter und damit keimfreier als früher. Damit ist die Chance, sich auf einer Feier anzustecken viel schlechter als noch vor zwei Jahren.

Vielen Dank Kurt!

Letztgenanntes ist eine interessante Hypothese, der ich gegenüber stellen mag, dass wir es in der Regel kaum wahrnehmen, ob und wann wir uns „angesteckt“ haben. Erst recht, wenn wir in echter geistiger und körperlicher Hygiene mit einem intakten Immunsystem ausgestattet sind. Denn wie bereits in der Einführung des Textes angemerkt, „infizieren“ wir uns schließlich pausenlos und auch nur dadurch sind wir überhaupt lebensfähig. Dies sei nur als Gedankensplitter hinzugefügt.

Bitte bleiben sie aufmerksam und werden mutig, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden. Letzte Bearbeitung: 7. Juli 2021.

(1) 20.11.2020; Nature; Shiyi Cao, Yong Gan, Chao Wang, Max Bachmann und weitere; Post-lockdown SARS-CoV-2 nucleic acid screening in nearly ten million residents of Wuhan, China; https://www.nature.com/articles/s41467-020-19802-w

(2) 11.06.2021; Peds Ansichten; Von einem der auszog, von Keimen zu lernen; https://peds-ansichten.de/2021/06/immunsystem-erreger-asoziale-distanzierung/

(Titelbild) Menschen, Glück, Gruppe, Gemeinsamkeit; Autor: Sheila Santillan (Pixabay); 03.03.2016; https://pixabay.com/de/photos/menschen-gl%c3%bccklich-1230872/; Lizenz: Pixabay License