Machtinstrument Leopoldina

Von der Unfreiheit einer Akademie und ihrem Dienern vor der herrschenden Politik.


Siebenmal ist die Sacri Romani Imperii Academia Caesaro-Leopoldina Naturae Curiosorum, kurz gefasst Leopoldina im Jahre 2020 mit Stellungnahmen zur sogenannten Corona-Krise aufgetreten. Als vorgeblich unabhängige Akademie hat sie dabei eine Unwissenschaftlichkeit an den Tag gelegt, die nur diejenigen verblüffen kann, welche diese Unabhängigkeit für bare Münze hielten. Die Krönung des Ganzen ist der Aufruf von mehreren Professoren — mit dabei ein gewisser Christian Drosten — zur “Rettung vor dem Virus” den Ausnahmezustand im Land zu verhängen.


Ärzte waren es, durch welche die Leopoldina drei Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ins Leben gerufen wurde. Ärzte die ihrem Ehrenkodex, sich in den Dienst der Menschen zu stellen, ohne sich dabei von politischen und ideologischen Vorgaben leiten zu lassen, werden in diesen Zeiten dringender denn je gebraucht. Die gibt es auch, und das nicht zu knapp, aber auch in der Leopoldina?

25 Jahre nach ihrer Gründung und im Sehnen sich von der Macht segnen zu lassen, wurde die Akademie im August 1677 durch Kaiser Leopold I. offiziell bestätigt. Wohl daher kommt auch der Kurzname der Akademie. Der Selbstbetrug der elitenartig aufgestellten Anstalt beginnt bereits mit ihrer historischen Nabelschau:

“Zehn Jahre später stattet Kaiser Leopold I. sie mit besonderen Privilegien aus. Damit wird ihre Unabhängigkeit von den herrschenden Dynastien in den einzelnen Ländern und die völlige Zensurfreiheit für ihre Veröffentlichungen garantiert. […] Die nachfolgenden Kaiser Karl VI. und Karl VII. bestätigen und erweitern ihre Privilegien.” (1)

Die gepriesene “Unabhängigkeit von den herrschenden Dynastien” (den damaligen deutschen Fürstentümern und Königreichen) klammert die Abhängigkeit von den Interessen deutscher Kaiser aus. Die Akademie hat von Beginn an eben nicht im politischen Niemandsland gewirkt. Unabhängige Akademien, zumal in dieser Größe, gibt es schlicht nicht. In allen Zeiten war die eigenständige Existenz des Hauses an die politischen Verhältnisse gebunden. Das gilt sowohl für die Zeit des Nationalsozialismus, als auch dem Wirken der Leopoldina in der Deutschen Demokratischen Republik und danach in der Bundesrepublik Deutschland (2,3).

Erst recht ist dies gegeben, seit die Leopoldina 2008 zur ersten Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde (4). Damit einher ging ein bedeutender Zuwachs an Reputation und eine wachsende Bewerbung durch die Massenmedien. Was jedoch besonders auffällig wurde, war die wachsende Rolle der Akademie als Echokammer für die politischen Eliten Deutschlands. Praktisch in einem Zirkelschluss erstellt das Haus nämlich für die Regierenden — nun sagen wir es mal so — Gefälligkeitsgutachten (5).

Zumindest seit die Corona-Krise ausgerufen wurde, ist das gerade Angemerkte mehr als offensichtlich. Das Institut passt sich den “Bedürfnissen” der — wiederum von privaten Interessen gesteuerten — Politik geschmeidig an.

Folgende Themen wurden von der Leopoldina im März 2019 auf ihrer Webpräsenz herausgestellt:

  • Medizin und Gesundheit
  • Energie
  • Klima, Ernährung und Umwelt
  • Kultur und Verhalten
  • Lebenswissenschaften
  • Demografie und Gesellschaft
  • Wissenschaft und Gesellschaft
  • Wissenschaftsgeschichte (6)

Die Leopoldina wird von der Politik finanziert — zu vier Fünfteln vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Rest kommt vom Land Sachsen-Anhalt. Die Einflussnehmer auf die deutsche Politik schlagen zunehmend auf den wiederum von diesen finanzierten Wissenschaftssektor durch. Anderthalb Jahre später sehen die Themenschwerpunkte so aus:

  • Pandemien
  • Biodiversität
  • Energiewende
  • Klimawandel
  • Fortpflanzungsmedizin
  • Künstliche Intelligenz
  • Digitalisierung und Privatheit
  • Genomchirurgie
  • Dual Use (7)

Die wenigstens thematische Verbindung zu einflussreichen, rasch wachsenden und verdienenden und ebenso rasch an politischen Einfluss gewinnenden, weltweit operierenden und vernetzten privaten Unternehmen herzustellen, dürfte nicht allzu schwer fallen; ganz im Gegensatz zu den vorher favorisierten Themenkomplexen. Was nun die ausgerufene Pandemie betrifft, hat die Leopoldina die Hosen heruntergelassen, als sie — im Zuge von Corona — “Warnungen” an die Politiker richtete und dabei Mindeststandards wissenschaftlichen Arbeitens begrub.

Diese “Warnungen” passen perfekt in den Einheitsbrei von Politik und Massenmedien. Es sind beauftragte “Warnungen”, um eine privaten Interessen geleitete Politik der Entmündigung und Kontrolle der Bevölkerung mit einer vorgeblichen Wissenschaftlichkeit zu kaschieren und diese Politik auf diese Weise seriös darzustellen. Was aber die Leopoldina tatsächlich tut, lässt sich in einem Wort beschreiben: Propaganda.

Immer mal wieder — und wohl eher als Feigenblatt fungierend — finden sich in den Massenmedien Kritiken zu den die Demokratie in nie da gewesener Weise gefährdenden Maßnahmen, die derzeit im Zuge der “Corona-Pandemie” gefahren werden. Diese Kritiken gehen letztlich unter im tagtäglichen Corona-Bombardement des Mainstreams, der die Menschen in Angst und Schrecken hält, sie einfach nicht zur Besinnung kommen lässt.

Jedenfalls fand am 11. Dezember des Jahres ein Kommentar des Wissenschaftlers, Philosophen und Unternehmers Jörg Phil Friedrich (8) in das Leitblatt Welt, der folgendermaßen einleitete (Hervorhebung durch Autor):

“Sie glaube an die Fakten – so Angela Merkel, als sie den harten Lockdown forderte. Doch das Leopoldina-Papier, auf das sie sich berief, genügt selbst einfachsten Standards nicht. Der Schaden, den die Wissenschaftsfunktionäre anrichten, ist immens.” (9)

Friedrich ging es um eine sogenannte Ad-hoc Stellungnahme aus dem Hause Leopoldina (10), die ansonsten vom Mainstream bereitwillig und völlig unkritisch verbreitet wurde (11). Mit diesem Inhalt ging die Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gern ihren Status auch als Wissenschaftlerin pflegt, in den Bundestag und plädierte leidenschaftlich für weitere Grundrechtseinschränkungen, um die “Pandemie zurückzudrängen”. In diesem Zusammenhang wiederhole ich es auch an dieser Stelle gern:

Die Maßnahmen der sogenannten nichtpharmzeutischen Intervention — entwickelt in den USA (12,13) und nun über weltweite politische Einflussnahme in fast allen Ländern ausgerollt — beinhalten vielfältige Regelungen zur sozialen Isolierung von Menschen, übertriebener Hygiene und die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Keine dieser Maßnahmen hat jemals einer wissenschaftlichen Prüfung auf deren Wirksamkeit auch nur ansatzweise standgehalten. Allein Korrelationen aber sind es, die auch der Leopoldina genügten, eine Verschärfung der nichtpharmazeutischen Interventionen anzumahnen.

Die Kritik des Wissenschaftlers Friedrich an dem Leopoldina-Papier ist geharnischt, obwohl er das herrschende Narrativ vom “gefährlichen Virus” durchaus mitträgt.

“Ist es vorstellbar, dass eine solche Arbeitsgruppe ein wissenschaftliches Dokument verfasst, welches eine Länge von viereinhalb Seiten Text hat? Kann das, was darin enthalten ist, überhaupt eine wissenschaftliche Aussage sein, eine begründete Tatsachenfeststellung über den Zustand der Wirklichkeit, etwas also, das sich nicht außer Kraft setzen lässt, so, wie die von Merkel bemühte Schwerkraft oder Lichtgeschwindigkeit?” (9i)

Die Wissenschaft die keine ist, aber durch klangvolle Namen und Titel dem Empfänger als solche erscheinen soll, nähert sich zunehmend den katastrophalen journalistischen Standards an, welche in den Leitmedien Einzug gehalten haben (14). Friedrich meint:

“Die sogenannte Ad-hoc-Stellungnahme der Leopoldina ist aber alles andere als ein wissenschaftliches Dokument, sie ist auch keine wissenschaftliche Zusammenfassung eines Forschungsstandes. Sie ist ein Sammelsurium von sorgenvollen Aussagen über die aktuelle Situation, kombiniert mit einigen drastischen Vorschlägen, die ihre Autorität daraus ziehen sollen, dass die Autoren nun einmal in leitenden Funktionen im Forschungsbetrieb tätig sind.” (9ii)

Ein weiterer bemerkenswerter Kritikpunkt Friedrichs zeigt Parallelen zum März des Jahres auf:

“Betrachtet man die Infektionszahlen der letzten Wochen, findet man den Tag, an dem die Lockdown-Maßnahmen wirksam werden sollten, nicht wieder. Man würde diesen Tag, wenn man ihn darin suchen würde, etwa in der Mitte des Oktobers vermuten, denn um den 20. Oktober herum war der Übergang von der Wachstumsphase zur Stabilitätsphase. Bekanntlich wurde der Lockdown aber erst zum 1. November in Kraft gesetzt.” (9iii)

Auch im März war die Anzahl der eh äußerst fragwürdig ermittelten “Infektionszahlen” bereits zurückgegangen, bevor die Notstandsmaßnahmen der Regierung für die Bevölkerung verordnet wurden (a1). In diesem Zusammenhang zeigt auch das folgende Argument Friedrichs auf die unredliche wie widersprüchliche Argumentation sowohl der Leopoldina in ihrem Papier als auch überhaupt der gegenwärtigen Politikdarsteller zur Rechtfertigung ihrer willkürlichen, medizinisch unsinnigen Maßnahmen:

“Wenn sich überhaupt jemand bemüßigt fühlt, diese Tatsache [Rückgang der “Infektionszahlen” vor Einführung der Maßnahmen] zu bemerken, wird oft gesagt, dass die Menschen ihr Verhalten eben schon vorher geändert hätten, dass sie schon aufgrund der öffentlichen Diskussionen ihre Sozialkontakte eingeschränkt hätten. Wenn das so ist, dann fragt man sich, warum die Politik, die jetzt auf einen harten Lockdown zusteuert, nun über die ungezogenen Menschen schimpft, die angeblich die Regeln nicht beachten, an Glühweinständen nicht genug Distanz wahren und überhaupt nachlässig mit der Umsetzung der Vorschriften wären.” (9iv)

Schließlich weist Friedrich auf noch etwas sehr wichtiges hin, nämlich auf unseren gesunden Menschenverstand, den eigenen Kopf zum Denken zu benutzen, letztlich unsere Fähigkeit Verantwortung wahrzunehmen, und zwar für uns selbst, denn das ist der Sinn des Begriffes Verantwortung:

“Schon mit der Alltagsregel „Wasch dir regelmäßig die Hände und niese nicht in die Richtung anderer Menschen“ lässt sich in einer Viruspandemie jede vernünftige Hygieneregel begründen, da braucht man keine große Wissenschaft. Wenn Wissenschaft derzeit meint, in „Ad-hoc-Stellungnahmen“ der Gesellschaft Vorschriften machen zu können, ohne wenigstens andeutungsweise zu zeigen, wie sie ihre „letzten Warnungen“ begründen und hinsichtlich der Wirksamkeit belegen kann, verrät sie ihren eigenen Anspruch an wissenschaftliches Arbeiten.” (9v)

Wenn es um das Erzeugen von Hysterie und Panik in Deutschland geht, scheuen die Massenmedien keine Mühen, um zwei Vertretern dieser Art von “Aufklärung” immer wieder das Podium zu überlassen. Offenbar werden solche dringendst benötigt, um die aktuelle Notstandspolitik bis zum St. Nimmerleinstag weiter betreiben zu können. Neben Karl Lauterbach tut sich seit Anbeginn der ausgerufenen Pandemie in besonderer Weise Christian Drosten hervor. Drosten hat darin Übung, schließlich praktizierte er als Panikmacher bereits ausgiebig bei der Schweinegrippe 2009 (15,16). Einmal in Fahrt gekommen, hat er heute keine Skrupel angesehene Mediziner, Epidemiologen und Virologen zu diskreditieren (17 bis 19).

Pikant ist, dass der Virologe Christian Drosten zu den Unterzeichnern des Ad-hoc Papieres der Leopoldina gehört. Ja, Drosten ist in neben seiner virologischen Chefrolle an der — übrigens unter anderem von der Bill & Melinda Gates Stiftung finanziell unterstützen — Charité (20,21) auch Mitglied der Leopoldina. Drosten fährt aber “nebenbei” noch wie ein Prediger durch die Mainstream-Landschaft, die ihn unverdrossen feiert, um von der drohenden Apokalypse zu verkünden (22).

Aber es gibt auch Mitglieder der Akademie, die sich für ihre Kollegen schämen. Dazu gehört zum Beispiel der Philosoph Michael Esfeld. Wie Friedrich (siehe weiter oben) argumentiert auch Esfeld als Wissenschaftler. In seinem offenen Brief an die Leopoldina lesen wir:

“Diese Stellungnahme verletzt die Prinzipien wissenschaftlicher und ethischer Redlichkeit, auf denen eine Akademie wie die Leopoldina basiert. Es gibt in Bezug auf den Umgang mit der Ausbreitung des Coronavirus keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die bestimmte politische Handlungsempfehlungen wie die eines Lockdowns  [sprich Maßnahmen der sogenannten nichtpharmazeutischen Intervention] rechtfertigen.” (23)

Als Philosoph bohrt Esfeld auch noch in einer anderen Wunde. Das dort offen Liegende ist noch viel fundamentaler, denn es zwingt uns darüber nachzudenken, wie wir zukünftig leben wollen: betreut, entmündigt und kontrolliert oder selbstverantwortlich mit all den Risiken, die das Leben nun einmal ausmacht. Ist es doch so, dass ein Leben ohne jedes Risiko kein Leben mehr ist. Wollen wir das allen Ernstes?

“Ethisch gibt es insbesondere in der auf Immanuel Kant zurückgehenden Tradition Gründe, grundlegende Freiheitsrechte und die Würde des Menschen auch in der gegenwärtigen Situation für unantastbar zu halten. Zur Würde des Menschen gehört dabei insbesondere die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, was die jeweilige Person als ein für sie würdiges Leben erachtet und welche Risiken sie für diesen Lebensinhalt einzugehen bereit ist in der Gestaltung ihrer sozialen Kontakte.” (23i)

Was die Corona-Arbeitsgruppe der Leopoldina im Auftrag der Regierung selbiger anbietet, ist nicht nur wissenschaftlich fragwürdig. Es ist durchaus auch juristisch relevant. Schließlich bezieht sich die Bundesregierung auf die Wissenschaftlichkeit ihrer Berater, wenn sie derzeit ihre fragwürdigen, die Verfassung verletzenden Rechtsakte mit den Länderchefs auswürfelt. Selbst das heikle Infektionsschutzgesetz bedarf Voraussetzungen, die aktuell offenbar überhaupt nicht gegeben sind, und trotzdem wird das Gesetz angewandt. Die Corona-Arbeitsgruppe der Leopoldina hatte in ihrer vorherigen Ad-hoc Stellungnahme sogar wörtlich erklärt:

“Der Nachweis von Virus-RNA durch die RT-PCR ist gleichbedeutend mit einer Infektion der positiv getesteten Person.” (24)

Diese Aussage ist selbst für den Autor — einem Laien auf diesem Gebiet — ganz erstaunlich. Das behaupten ja nicht einmal die Hersteller der Testkits. Ja, diese legen sogar Wert darauf, dass die PCR-Methode für diagnostische Zwecke nicht geeignet ist und klinische Untersuchungen keinesfalls ersetzen (25 bis 28). Hierzulande erfahren positiv Getestete teilweise per Post, dass sie “infiziert” wären. Das ist wissenschaftlich ein Unding, aber die Corona-Arbeitsgruppe der Leopoldina schreibt so etwas in ihre Stellungnahmen.

Es kommt hinzu, dass keinesfalls nach verbindlichen Standards getestet wird. So sind das Ob und die Anzahl der Spezifitätstests nicht transparent. Gleiches gilt für die Anzahl der gefahrenen Zyklen (Ct), welche die WHO mit 45 empfiehlt (29). Das ist ein Wert, der die Aussagekraft für das Ergebnis eines PCR-Tests faktisch auf Null setzt. Und all das wissen die Experten von der Leopoldina nicht?

Ein Gruppe von mehreren Dutzend Juristen, zusammengeschlossen unter der Arbeitsgruppe Anwälte für Aufklärung machen nun den Unterzeichnern dieses Leopoldina-Manifests ein interessantes Angebot.

“Sehr geehrte Damen und Herren Professores,

derzeit befinden sich hunderttausende (meist gesunde) Menschen in „häuslicher Absonderung“, darunter etwa 200.000 gesunde Schulkinder. Die entsprechenden Quarantäne-Anordnungen basieren auf dem sogenannten PCR-Test. Personen mit einem Positivtest werden vom RKI und von der Regierung als sogenannte „Infizierte“ und damit als Ansteckungsverdächtige angesehen. Sie sollen sich daher nach Anordnung durch das Gesundheitsamt der Quarantäne-Anordnung fügen, andernfalls wird eine Geldbuße oder gar eine Freiheitsstrafe angedroht. Angedroht wird alternativ die mit Polizeieinsatz verbundene Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung (z.B. Psychiatrie oder Gefängnis). Dies sind Maßnahmen, die die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland noch nie erlebt haben.

Nun zu unserem Anliegen: Es gibt eine Vielzahl von Stimmen, die behaupten, der PCR-Test könne keine Infektion nachweisen und sei hierzu auch nicht gedacht. Wir erlauben uns, nachfolgend einige dieser Ansichten vorzustellen.” (30)

Im weiteren werden von den Anwälten eine ganze Reihe namhafter Wissenschaftler — unter diesen auch Christian Drosten — zitiert, die in ihren Aussagen eindringlich darauf hinweisen, dass mit PCR-Tests RNA (Ribonukleinsäure, Nukleotide) nachgewiesen werden können, nicht aber isolierte Viren oder gar Infektionen und Krankheiten. So schreibt auch Roche in den Begleitdokumenten zu seinem cobas PCR-Test:

“Zur Anwendung bei Patienten mit Anzeichen und Symptomen einer möglichen COVID-19-Erkrankung (z.B. Fieber und/oder andere Symptome akuter Atemwegserkrankungen). Positive Ergebnisse deuten auf das Vorhandensein von SARS-CoV2 RNA hin, aber nicht unbedingt auf das Vorliegen eines übertragbaren Virus. Zur Bestimmung des Patienteninfektionsstatus müssen sie in klinischer Korrelation zur Anamnese des Patienten und sonstigen diagnostischen Informationen gesehen werden. Positive Ergebnisse schließen eine bakterielle Infektion oder Koinfektion mit anderen Viren nicht aus. Der nachgewiesene Erreger ist eventuell nicht die definitive Ursache der Erkrankung.” (30i)

Worum es den Anwälten zum Einen geht, ist die Aufdeckung eines Zitierkartells, das zunehmend von Gerichten verwendet wird, um Klagen gegen die völlig unverhältnismäßigen “Corona-Maßnahmen” niederzuschlagen. Diese berufen sich neuerdings auf eben die unter (24) getätigte und wissenschaftlich völlig unzureichend begründete Aussage der Leopoldina. Es sieht nämlich ganz so aus, als ob die Leopoldina sich als “wissenschaftliche Quelle” zu Corona im Ballwechsel mit dem Robert Koch-Institut übt. Daher addressierten die Juristen folgendes an den Corona-Ausschuss der Leopoldina:

“Sie haben in Ihrer 6. Ad-hoc-Stellungnahme vom 23. September 2020 auf Seite 6 geschrieben:

Der Nachweis von Virus-RNA durch die RT-PCR ist gleichbedeutend mit einer Infektion der positiv getesteten Person.

Wir Anwälte befinden uns nun in einem erheblichen Konflikt, da völlig konträre hochkarätige wissenschaftliche Meinungen vorliegen, die jedoch in hunderten von Gerichtsverfahren und in hunderttausenden von Quarantäne-Anordnungen eine ausschlaggebende Bedeutung haben: Kann der PCR-Test nun eine akute Infektion nachweisen oder kann er es nicht? Wie sollen wir unsere Mandanten gut beraten angesichts solcher erheblichen Differenzen?” (30ii)

Die Anwälte sind nicht naiv und sie sind auch nicht so unwissend, wie sie sich in ihrem Schreiben an die Leopoldina geben. Das erkennen wir spätestens an dessen Ende. Denn dort bitten sie um eine eidesstattliche Erklärung seitens der Leopoldina-Experten (Hervorhebungen durch Autor). 

“Daher möchten wir Sie alle, die Sie Mitwirkende in der Arbeitsgruppe der 6. Ad-hocStellungnahme waren, höflichst um Abgabe der folgenden Erklärung bitten:

Eidesstattliche Versicherung

In Kenntnis über die Bedeutung einer eidesstattlichen Versicherung als Mittel der Glaubhaftmachung tatsächlicher Angaben in einem geordneten Verfahren vor einer Behörde oder einem Gericht, wobei der Behörde oder dem Gericht vorbehalten ist, darüber zu entscheiden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Angaben zur Glaubhaftmachung geeignet sind, sowie belehrt über die strafrechtlichen Folgen einer vorsätzlichen oder fahrlässig falschen Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, insbesondere der Strafvorschriften der § 156 und § 161 Strafgesetzbuch (1 Jahr Freiheitsstrafe bei Abgabe einer fahrlässigen bzw. 3 Jahre bei Abgabe einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung) versichere ich hiermit an Eides statt:

Die seit März 2020 millionenfach durchgeführten PCR-Tests sind imstande, ein vermehrungsfähiges SARS-CoV2-Virus, also einen Krankheitserreger im Sinne des § 2 Nr. 1 IfSG und damit eine akute Infektion im Sinne des § 7 Abs. 1 S. 1 Nr. 44a IfSG nachzuweisen.” (30iii)

Darunter ist die Unterschriftenliste für die betreffenden Mitglieder der Leopoldina vorgefertigt. Die Unterzeichner müssen sich damit freilich einer juristischen Belastbarkeit ihrer Aussage zu den von ihnen behaupteten Fähigkeiten des PCR-Tests in Bezug auf Corona stellen. Wir finden unter den, wohl eher nicht Unterzeichnenden solche Namen wie den schon erwähnten Christian Drosten und auch den Vorstandsvorsitzenden der Charité Heyko Krömer.

Die Anwälte gehen — so meint der Verfasser — nicht davon aus, dass ihr Ansinnen der Unterzeichnung einer eidesstaatlichen Erklärung erfüllt wird. Sie zielen in eine andere Richtung. Denn es wird dann problematisch für die Gerichte, auch weiterhin mit den Leopoldina-Stellungnahmen zu argumentieren. Die Unwissenschaftlichkeit von Aussagen, die dazu dienen, eine ganze Gesellschaft in den Notstand und die Spaltung zu führen, bekommt damit so oder so eine juristische Facette.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Es ist sicher eine interessante Aufgabe, herauszufinden, wie der Begriff “Lockdown” so schnell zum Alltagsbegriff werden konnte. Ebenso durch wen er überhaupt in die Sprachwelt eingeführt wurde. Ausnahmezustand, Notstandsmaßnahmen oder Notstandsverordnungen beschreiben besser, was mit den dahinter stehenden Maßnahmen verbunden ist.

(1) Leopoldina; Akademiegeschichte: “Niemals müßig” — Die Gründung der Leopoldina; https://www.leopoldina.org/ueber-uns/ueber-die-leopoldina/akademiegeschichte/geschichte-der-leopoldina/; abgerufen: 17.12.2020

(2) Leopoldina; Akademiegeschichte: Zeit des Nationalsozialismus; https://www.leopoldina.org/ueber-uns/ueber-die-leopoldina/akademiegeschichte/geschichte-der-leopoldina/ns-zeit/; abgerufen: 17.12.2020

(3) Leopoldina; Akademiegeschichte: Streben nach Eigenständigkeit; https://www.leopoldina.org/ueber-uns/ueber-die-leopoldina/akademiegeschichte/geschichte-der-leopoldina/streben-nach-eigenstaendigkeit/; abgerufen: 17.12.2020

(4) Leopoldina: Akademiegeschichte: Der Weg zur Nationalakademie; https://www.leopoldina.org/ueber-uns/ueber-die-leopoldina/akademiegeschichte/geschichte-der-leopoldina/der-weg-zur-nationalakademie/; abgerufen: 17.12.2020

(5) Leopoldina; Politikberatung, Wissenschaft für Politik und Gesellschaft; https://www.leopoldina.org/politikberatung/wissenschaft-politik-gesellschaft/; abgerufen: 17.12.2020

(6) 21.03.2019; Leopoldina; Themen: http://web.archive.org/web/20190321143642/https://www.leopoldina.org/themen/ 

(7) Leopoldina; Themen im Fokus; https://www.leopoldina.org/themen/themen-im-fokus/; abgerufen: 17.12.2020

(8) Jörg Phil Friedrich; https://xn--jrg-friedrich-imb.de/vita-joerg-friedrich/; abgerufen: 17.12.2020

(9 bis 9v) 11.12.2020; Welt+; Jörg Phil Friedrich; Das Leopoldina-Desaster; https://www.welt.de/kultur/plus222264910/Angela-Merkel-und-das-Leopoldina-Desaster.html?cid=onsite.onsitesearch; Artikel befindet sich hinter einer Bezahlschranke

(10) 08.12.2020; Leopoldina; 7. Ad hoc — Stellungnahme; Coronavirus-Pandemie: Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen; https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2020_12_08_Stellungnahme_Corona_Feiertage_final.pdf

(11) 08.12.2020; FAZ; Achim Müller-Jung; Neue Leopoldina-Empfehlungen; Vier besinnlich-harte Wochen im Lockdown; https://www.faz.net/aktuell/wissen/corona-lockdown-leopoldina-empfiehlt-vier-besinnlich-harte-wochen-17091172.html

(12) 22.04.2020; Chicago Tribune; Eric Lipton, Jennifer Steinhauer; How social distancing became the heart of the national playbook for responding to a pandemic is one of the untold stories of the coronavirus crisis; https://www.chicagotribune.com/coronavirus/ct-nw-nyt-social-distancing-coronavirus-20200422-fmn6ottz65gz7h2bo634be3f5u-story.html;

(13) 16.06.2020; The Richmond Observer; Lindsay Marchello; “Socal distancing” becomes signatur phrase of pandemic; https://www.richmondobserver.com/national-news/item/8730-social-distancing-becomes-signature-phrase-of-pandemic.html

(14) 09.12.2020; Rubikon; Gerd Reuther; Abschied von der Wissenschaft; https://www.rubikon.news/artikel/abschied-von-der-wissenschaft

(15) 17.05.2010; “Die Welle hat begonnen”; https://www.sueddeutsche.de/wissen/schweinegrippe-die-welle-hat-begonnen-1.140006

(16) 30.04.2009; Alison Abbott; German virologists race for swine flu test; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7095450/

(17) 21.03.2020; Stern; Christian Drosten im Interview bei Anika Geisler und Mathias Schneider; Virologe Christian Drosten: “Wir haben in Deutschland einige Vorteile gegenüber anderen Ländern“; https://www.stern.de/gesundheit/virologe-christian-drosten—wir-haben-in-deutschland-einige-vorteile-gegenueber-anderen-laendern–9190450.html

(18) 16.09.2020; Die kongeniale Korina Hennig; https://www.corodok.de/kongeniale-korinna-hennig/

(19) 20.03.2020; Top-Virologe Drosten zerlegt wirre Corona-These von Lungenarzt; https://www.focus.de/gesundheit/news/christian-drosten-vs-wolfgang-wodarg-drosten-zerlegt-thesen-von-lungenarzt_id_11788299.html

(20) Im März 2020 veröffentlichte die Bill & Melinda Gates Foundation eine Spende von rund 250.000 US-Dollar an die Berliner Charité;  https://www.gatesfoundation.org/How-We-Work/Quick-Links/Grants-Database/Grants/2020/03/INV-005971

(21) Charité Global Heath; https://globalhealth.Charité.de/forschung/foerdermittel_fuer_global_health/; abgerufen: 26.05.2020

(22) 08.12.2020; Welt; „Deutliche und letzte Warnung“ – Drosten fordert rasche Verschärfungen; https://www.welt.de/politik/deutschland/article222093116/Christian-Drosten-fordert-rasche-Verschaerfung-der-Corona-Massnahmen.html

(23, 23i) 08.12.2020; 2020news; Michael Esfeld; An den Präsidenten der Leopoldina; https://2020news.de/wp-content/uploads/2020/12/Esfeld-Protestschreiben081220.pdf; siehe auch: 13.12.2020; Clemens Heni; “Freiheitsrechte” und die “Würde des Menschen” schützen: Leopoldina-Philosoph attackiert Leopoldina-Papier und den Lockdown; https://www.clemensheni.net/freiheitsrechte-und-die-wuerde-des-menschen-schuetzen-leopoldina-philosoph-attackiert-leopoldina-papier-und-den-lockdown/

(24) 23.09.2020; Leopoldina; 6. Ad-hoc-Stellungnahme, Corona-Pandemie: Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen; https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2020_09_23_Leopoldina_Stellungnahme_Corona_Herbst.pdf; S. 6

(25) 21.03.2020; Creative Diagnostics; SARS-CoV-2 Coronavirus Multiplex RT-qPCR Kit; http://web.archive.org/web/20200321205248/https://www.creative-diagnostics.com/sars-cov-2-coronavirus-multiplex-rt-qpcr-kit-277854-457.htm

(26) Merck; Fallstudie zum Coronavirus-qPCR-Design & Produkte für die SARS-CoV-2-Forschung; https://www.sigmaaldrich.com/germany/ncov-coronavirus.html; abgerufen: 17.12.2020

(27) 20.08.2020; Food and Drug Administration USA (FDA); Biomeme; Biomeme SARS-CoV-2 Real-Time RT-PCR Test; https://www.fda.gov/media/141052/download; S.4/5

(28) Food and Drug Administration USA (FDA); Kogene Biotech; https://www.fda.gov/media/140069/download; S. 2; abgerufen: 17.12.2020

(29) 18.03.2020; Ingenetix; Vergleich unterschiedlicher Nukleinsäure-Amplifikationssysteme für SARS-CoV-2; Florian Gruber, Peter Hufnagel; https://www.ingenetix.com/wp-content/uploads/2020/03/Vergleichsstudie_SARS-CoV-2.pdf; S. 1; siehe auch: https://www.ingenetix.com/vergleich-unterschiedlicher-nukleinsaeure-amplifikationssysteme-fuer-sars-cov-2/

(30 bis 30iii) 13.12.2020; Anwälte für Aufklärung; 4. Offener Brief der Anwälte für Aufklärung, An die mitwirkenden Professorinnen und Professoren der Arbeitsgruppe der 6. Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie vom 23. September 2020; https://secureservercdn.net/160.153.137.170/lz2.cb9.myftpupload.com/wp-content/uploads/2020/12/brief4.pdf

(31) 17.12.2020; Roche; Allgemeine Informationen zu SARS-CoV-2; https://www.roche.de/diagnostik-produkte/produktkatalog/tests-parameter/sars-cov-2-cobas-6800-8800/

(Titelbild) Blick auf die Leopoldina in Halle vom Turm der ehemaligen physikalischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; 13.04.2019; Leopoldina; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leopoldina_Halle_(Saale)_Draufsicht.jpg; Lizenz: Creative Commons 3.0

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