Fragen an eine Referentin

Der Dresdner Oberbürgermeister hat bislang auf meine offenen Briefe nicht geantwortet, aber immerhin seine Referentin.


Es geht in diesem Text, einen weiteren offenen Brief eingeschlossen, um Selbstverständnis, und außerdem darum, was geschieht, wenn dieses ins Wanken gerät. Kognitive Dissonanz verunsichert uns, bringt unser Selbstverständnis aus dem Lot. Berücksichtigen wir das auch angemessen dann, wenn diese Dissonanz unseren Gegenüber betrifft?


Am 4. Mai des Jahres sendete ich einen weiteren offenen Brief an den Sächsischen Ministerpräsidenten und den Dresdner Oberbürgermeister. Wie gehabt, bekam ich auch diesmal keine Antwort aus der Sächsischen Staatskanzlei und wie gehabt antwortete mir aus dem Oberbürgermeisteramt eine Referentin.

Mein Brief befasste sich mit den Maßnahmen der erwähnten Behörden zur angeblichen “Bekämpfung der Coronaepidemie”. Er begründete und belegte ausführlich die Sinnlosigkeit der Maßnahmen, ja gar ihre Gefährlichkeit für Gesundheit und soziales Miteinander der Menschen. Er wies zudem darauf hin, dass diese Maßnahmen relevant im Sinne einer in der Zukunft anstehenden gerichtlichen Aufarbeitung sind, weil sie die Freiheits- und Autonomierechte der Menschen, wie auch deren Gesundheit nachweisbar verletzen.

Was normalerweise zu erwarten wäre, das ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Fakten und Argumenten. Das aber wird schwierig, wenn die einleitend ins Spiel gebrachte kognitive Dissonanz beim Adressaten greift. In der Antwort von Frau Hickmann meine ich eindeutige Zeichen von Dissonanz zu lesen, sie scheint genervt:


Sehr geehrter Herr Frey,

natürlich ist es legitim, dass Sie Ihre Meinung äußern. Das haben Sie nun schon mehrfach und ausführlich zum Thema Corona getan. Sie müssen aber auch akzeptieren, dass nicht immer Ihre Meinung umgesetzt wird.
Die Sozialministerin, Frau Köpping hat an die Bevölkerung appelliert, dass das Tragen der Mund-Nasenbedeckung ein Zeichen von Solidarität bedeutet. Ich schütze weniger mich, viel mehr die anderen.
Nur gemeinsam können wir die Epidemie bekämpfen, dazu sollten wir alle unseren Beitrag leisten.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Hickmann
Referentin Controlling und Berichtswesen

Landeshauptstadt Dresden
Bürgermeisteramt | Abt. Bürgeranliegen


Das wars, Frau Hickmann hat das Problem auf ihre Weise gelöst. Mit einem Basta, nach dem Motto, dass es eben so ist wie es ist und somit keiner weiteren Erörterung bedarf.

Eine Möglichkeit, mit Dissonanz fertigzuwerden, ist die, sich mit aller Macht auf dem Feld festzuhalten, das einem bislang emotionale Sicherheit gab und das eigene Handeln auf diese Art und Weise überzeugend legitimieren konnte. Darüber bin ich nicht sauer. Immerhin habe ich überhaupt eine Antwort bekommen. Aber wie ich nun einmal gestrickt bin, nutze ich das gern, um Frau Hickmann einige Fragen zu stellen. Keine Fragen, die eine Vorführung begleiten, sondern ehrliche Fragen nach dem, was ich zu verstehen suche: dem Warum.


Sehr geehrte Frau Hickmann,

gleich zu Beginn und in Bezug auf Ihr Schreiben möchte ich ein Missverständnis aus dem Weg räumen. Die offenen Briefe an den Oberbürgermeister – dass er nicht persönlich antwortet, bedauere ich sehr – sind von meiner Seite keinesfalls im Sinne eines Austauschs von Meinungen gedacht. Nein, diese offenen Briefe weisen Sie sehr dringend auf Sachverhalte hin. Auf Sachverhalte, die sie motivieren können, wenn nicht gar dazu verpflichten sollten, sie auf ihren Wahrheitswert zu prüfen. Das habe ich natürlich meinerseits getan, bevor ich die Sachverhalte formulierte. Wenn Sie selbiges tun werden, könnten Sie möglicherweise zu den gleichen alarmierenden Schlüssen kommen, wie ich sie beschrieb.

Aber Meinungen, also ein Wettstreit nach dem Motto “Wer hat recht”, stehen hier nicht zur Debatte und ihr Hinweis, die andere Meinung – welche eigentlich? – zu akzeptieren, geht ins Leere.

Aber natürlich verstehe ich Ihre Antwort. Ihre Antwort lässt deutlich darauf schließen, dass Sie von meinen Briefen genervt sind, und wissen Sie was, Frau Hickmann, das ist sehr gut so. Denn den unbequemen Prozess, den Sie noch angehen können, so Sie Mut genug dafür aufbringen, musste ich natürlich auch erst gehen, um bestimmte Sachverhalte zu erkennen. Dissonanz ist für jeden von uns ein gutes Signal, dass etwas in unserem Selbstverständnis um Aufklärung, um Wiederherstellung von Klarheit ringt.

Ihre recht kurze, um nicht zu sagen schnippige Antwort, lässt diese Klarheit vermissen. Sie ist emotional und verwendet moralische Kategorien, um dem Problem, was sich hinter den von mir angesprochenen, alarmierenden Sachverhalten verbirgt, aus dem Wege gehen zu können. Dafür zitieren Sie eine hochrangige Landespolitikerin. Aber bitte, was soll ich mit dem Zitierten anfangen? Inwieweit geht dieses Zitat auf die von mir vorgebrachten – wohlgemerkt handfesten und prüfbaren – Sachverhalte ein? Ist etwas richtig, weil es die Sozialministerin sagt oder ist es dann für uns richtig, wenn wir es selbst kritisch durchdacht und geprüft haben? Letzteres ist natürlich mit bedeutend höherem Energieaufwand verbunden als Glauben – und es erzeugt Dissonanz, wie gesagt.

An was hat Frau Köpping – mit der Sie, Frau Hickmann, sich übrigens auffallend und verständlicherweise solidarisiert haben – doch appelliert?

“[…] dass das Tragen der Mund-Nasenbedeckung ein Zeichen von Solidarität bedeutet. Ich schütze weniger mich, viel mehr die anderen.”

Ein Zeichen von Solidarität also – warum? Warum schützen Sie andere, wenn Sie eine Maske tragen? Sie wiederholen einfach – gestatten Sie dass ich das so deutlich sage – moralisch aufgeladene Worthülsen, die in keiner Weise inhaltlich belastbar sind. Und genau zum Inhaltlichen hatte ich ausführlich Sachverhalte genannt und um Antworten ersucht. 

Wer wird derzeit in diesem Land geschützt? Alte Menschen, die, gleich Strafgefangenen, eingesperrt, entmündigt und zwangsbehandelt werden? Todkranke die statt in den Armen ihrer Lieben im Rahmen von Intensivbehandlungen sterben? Überlastetes, gestresstes Krankenhauspersonal (1)? Wer genießt hier Solidarität? Polizisten, die zum Vollzug verpflichtet werden, um irrsinnige administrative Maßnahmen von Regierungen und Kommunen durchzusetzen? Genießen Verkäufer und Friseure Solidarität, die täglich über Stunden hinweg nachgewiesen zwar nutzlose, dafür aber krankmachende Masken tragen müssen (2)?

Genießen auch die Menschen Solidarität, die im nächsten Winter aufgrund der derzeit verordneten Maßnahmen verstärkt in die Gefahr geraten, sich chronische Atemwegserkrankungen zuzuziehen? Genießen die Menschen Solidarität, die ihre Nächsten teilweise gar nicht oder nur unter unmöglichen Auflagen sehen und umarmen können? Solidarität für all jene, denen die Möglichkeiten der immens wichtigen sozialen Kontakte unter fadenscheinigen Gründen eingeschränkt werden? Wofür steht Solidarität?

Die von der Sozialministerin beschworene Solidarität, die sie auch noch mit der edlen Kategorie des “schützen müssens” verbindet, ist nichts weiter als ein hohle Phrase. Vielleicht ist Ihnen das ja sogar bereits bewusst?

Haben Sie sich einmal mit dem Prinzip und dem sehr natürlichen Sinn von Infektionsketten befasst? Wissen Sie, was erforderlich ist, damit unser Immunsystem gut funktioniert und was es braucht, dass das auch so bleibt? Ist Ihnen bekannt, dass ein ständiges Tragen von Masken vor Nase und Mund unser Immunsystem schwächt? Ist Ihnen außerdem bewusst, dass der Stress der durch die aufrecht erhaltenen Maßnahmen in den Menschen erzeugt wird, ebenfalls nachhaltig unser aller Immunsystem schwächt? Glauben Sie ernsthaft, dass man das mit einer rettenden Impfung wieder “heilen” oder dem vorbeugen kann?

Haben Sie kritisch die Informationen geprüft, die Ihne vorgaukeln, dass “neuartige” Virus sei gefährlich, vor allem für alte Menschen? Wissen Sie, dass zwei Drittel aller 70 bis 79 Jährigen nicht einmal mitbekommen, dass sie das Virus in sich tragen? Wissen Sie, Frau Hickmann, dass dies noch für weitere unzählige Viren und Bakterien gilt, die jeder von uns in seinem Organismus rumschleppt und von denen die Medizin noch nicht einmal einen blassen Schimmer hat?

Das alles ist sehr wichtig, denn wenn es um Eingriffe in komplexe Strukturen und Gesellschaften geht, dann ist nämlich Eines unerlässlich: Verhältnismäßigkeit. Wird diese Verhältnismäßigkeit permanent nicht gewahrt und dabei Grundsätze menschlicher Würde und Rechtsstaatlichkeit verletzt, dann kommen wir ganz ohne Zweifel auf eine Ebene, welche verlangt, diese Unverhältnismäßigkeit aufzuarbeiten, auch juristisch. Darum geht es. Noch mehr geht es um den inneren Frieden in dieser Stadt und in diesem Land. Phrasen von Solidarität können diesen Frieden nicht bewahren.

Noch einmal möchte ich Sie zitieren, Frau Hickmann. Sie schrieben zum Abschluss:

“Nur gemeinsam können wir die Epidemie bekämpfen, dazu sollten wir alle unseren Beitrag leisten.”

Ich denke es ist anders: Wir sind eher aufgerufen, lieber alles dafür zu tun, dass keine Epidemie katastrophalen Schaden anrichten kann. Denn Epidemien – hier ausdrücklich verstanden im Sinne krankmachender Epidemien – sind Symptome, nicht das Problem. Infektionen als Solche aber können wir im Prinzip auch gar nicht verhindern und – wie schon gesagt – wir sollten es auch nicht, wenn wir uns nicht selbst nachhaltig schaden wollen.

Niemand in diesem Land muss Angst vor einer Seuche haben, auch nicht vor einer des “neuartigen” Coronavirus. Seuchen sind keine Naturkatastrophen, die einfach so über uns kommen. Seuchen – massenhafte Infektionen, an denen große Teile der Bevölkerung erkranken oder gar sterben –, sie sind eben nicht Ursachen von Elend sondern vielmehr die Folgen. Seuchen folgen dem Elend des Hungers, dem verschmutzten und verkeimten Wasser, elendigen, unwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen in Dunkelheit, Enge und Dreck, dem Fehlen von Sonne und frischer Luft, der Vergiftung der Umwelt, übermäßiger Anwendung von Medikamenten, Auszehrung und nicht zuletzt dem von diversen Ängsten getriebenen Dauerstress ganzer Bevölkerungsgruppen (3).

Wir sollten daher gemeinsam dafür sorgen, dass wir alle in gesunden, auch sozial gesunden Verhältnissen leben können. Wir können uns in Solidarität darum kümmern, dass alle Menschen den angemessenen Zugang zu Sonne und frischer Luft, gesunder Ernährung, sowie Möglichkeiten ausgleichender Bewegung an frischer Luft, wie auch den erforderlichen – von finanziellen Aspekten unabhängigen – Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Wir können uns in Solidarität darum kümmern, achtsam wie heilend mit unseren Mitmenschen umzugehen, was nur greifen kann, wenn wir reichlich soziale Kontakte pflegen und Stress bei uns selbst wie anderen vermeiden.

Wir können Solidarität jederzeit, statt sie wohlgefällig im Mund zu wälzen, wahrhaftig leben. 

Achtungsvoll,

Peter Frey

Nachsatz: Vielleicht ist es nicht die schlechteste Idee mal bei der Risikogruppe, die man – über deren Köpfe hinweg – vorgibt, um wirklich jeden Preis schützen zu müssen, nachzufragen, was die diese betreffenden Menschen unter einem erfüllten, selbstbestimmten Leben verstehen: Petition einer Risikogruppe an die Deutsche Bundeskanzlerin (4)  

Bitte bleiben Sie schön achtsam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(1) 28.04.2020; Matthias Möbius; Risikogruppen; https://www.die-meditierer.org/Blog/Risikogruppen

(2) 09.02.2016; Arthur T. Johnson; Respirator masks protect health but impact performance: a review; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4748517/

(3) 17.07.2018; Was gesund ist, bestimmt Bill Gates; Thomas Kruchem; https://www.deutschlandfunkkultur.de/unabhaengigkeit-der-weltgesundheitsorganisation-gefaehrdet.976.de.html?dram:article_id=423076

(4) Marie Luise Stiefel; Corona: Schützen Sie uns Ältere nicht um diesen Preis! Selbstbestimmt altern und sterben!;  https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-corona-sch%C3%BCtzen-sie-%C3%A4ltere-nicht-um-diesen-preis-selbstbestimmt-altern-und-sterben

(Titelbild) Dresden, Albertinum; Autor: Dieter_G (Pixabay); 09.09.2015; https://pixabay.com/de/photos/dresden-albertinum-kuppel-dach-956187/; Lizenz: Pixabay License

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