Feindbild Viren

Eine weitere Betrachtung über unser gestörtes Verhältnis zum menschlichen Leben.


Feindbilder entfremden. Diese Entfremdung geht weit über die gängigen – von Politik und Medien postulierten – Feindbilder hinaus. Feindbilder sind zum universellen Prinzip geworden und die Entfremdung reicht bis in unser Ich. Wir selbst entfremden uns von sich selbst. Erst auf dieser Basis sind Kampagnen wie der Kampf gegen den Coronavirus überhaupt möglich.


Dass wir uns selbst bekämpfen, wenn wir das Fremde bekämpfen, kann uns erst dann klar werden, wenn wir begreifen, dass wir als Individuen selbst immer ein Wir sind. Der Unterschied zwischen Eigenem und Fremden ist kaum auszumachen, wenn wir unseren Organismus genauer untersuchen. In dieser Hinsicht wird der Begriff des Eigenen an sich fragwürdig (1).

Wir fluten unsere Umwelt ständig mit Bakterien, Viren, Körperzellen, DNA. Diese Prozesse finden in ähnlicher Weise auch umgekehrt statt. Es erfolgt ein ständiger und reger Austausch von Informationen, der mit stofflichem Austausch verbunden ist. Das Gesamtsystem Mensch lebt dabei, so wie seine „äußeren” Partner im Biosystem  der Natur in einem temporären, stabilen Gleichgewicht. Aber innerhalb dieses Gleichgewichts finden unaufhörlich Prozesse statt, welche die Grundlage dafür schaffen, dass dieses Gleichgewicht irgendwann kippen wird (2).

Das ist das Spiel des Lebens: Werden und Vergehen. Aber wir verschwinden nicht. Das dynamische Wir geht vielmehr grundsätzlich neue Beziehungen ein, was zur Folge hat, dass die inneren Beziehungen des „Konstrukts” Mensch ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nach außen sichtbar sich aufzulösen beginnen.

Mein Eindruck besteht darin, dass es in der Medizin eine Neigung gibt, die auch die Neigung unseres Systems als Ganzes ist. Eine Neigung zur Abtrennung, die konsequent unterscheidet zwischen dem Ich dem was mir gehört und den Anderen. Das Andere ist das, was mir nicht gehört. Das Andere ist Jenes, über das ich keine Kontrolle ausüben kann. Was ich nicht kontrollieren kann, ist mein Feind.

Damit sind wir bei Viren angelangt. Viren, die vom Grundsatz her als fremd und gefährlich betrachtet werden. Viren sind böse. Böse Viren greifen gute Organismen an. Was böse ist, darf bekämpft werden.

Merken Sie es? Nichts geht über ein klares Feindbild.

Ein Feindbild macht Propaganda erforderlich. Propaganda ist aus Sicht der das Feindbild mit sich Tragenden gut und notwendig. Man nennt es nur nicht mehr so, weil der Begriff im Laufe der Zeit emotional abgewertet, negativ konnotiert wurde. Jetzt nennt man es Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Begriff ist treffend, denn die Öffentlichkeit als Ganzes soll in den Kampf gegen den nächsten Gegner vollständig einbezogen werden.

Vom Grundsatz her ist Feindbilddenken allerdings gar nicht explizit auf ein Objekt gerichtet. Nicht, dass diese Menschen eine Phobie vor Viren hätten und daraus diese spezielle Angst erwachsen würde. Nein, die Phobie ist umfassend, universell, dominierend, vollständig die Menschen ergreifend. Damit ist das Feindbild Viren nur ein Beispiel der universellen Ängste von Menschen. Diese Ängste berühren Urängste, an die man sich nicht heran wagt – zum Beispiel die Angst vor dem Tod oder die fortwährende, geduldete Unterwerfung der eigenen Persönlichkeit.

Ängste zu bekämpfen, halte ich nicht für besonders sinnvoll. Sinnvoll erachte ich es, sich mit ihnen offen und selbstkritisch auseinander zu setzen.

Viren zu bekämpfen, halte ich genauso wenig für sinnvoll. Auch hier ist die Auseinandersetzung eine Alternative.

Wenn Menschen sterben, sterben sie immer an irgendetwas. Wäre es nicht so, würden Menschen ja eben nicht sterben. Der Wandel scheint im Wesen der Natur zu liegen und wir sind schließlich ein Teil dessen.

Sterben Menschen und man sucht nach Schuldigen, die man zuvor ausgemacht hat und auf die man natürlich auch alles Unglück dieser Welt auch das eigene schieben kann, wird man nicht nach dem wirklichen Grund des Sterbens fragen. Alle anderen Aspekte werden beiseite geschoben. Sie stören nur bei der so schönen, klaren Lösung.

Das ist ja auch kein Wunder, ist man doch im Krieg. Krieg ist fokussiert – und in diesem Falle sind die Viren der Feind.

Stelle ich damit die Arbeit virologischer Forschung zwecks der Behandlung des Zusammenhangs zwischen dem Auftreten von Viren und in diesem Kontext auftretenden Erkrankungen in Frage? Nein. Der Wille das Wesen dieser Strukturen zu verstehen, kann uns Aufschluss über unser eigenes Wesen geben. Er kann uns darauf hinweisen, wo wir als Wirt dieses Erregers durch unachtsames Verhalten unser eigener Körper und Geist aus dem Gleichgewicht bringen. Viren taugen als Indikatoren aber nicht als Feinde.

Wir dürfen beginnen Dinge in Frage zu stellen, die wir bislang mit großer Selbstverständlichkeit tun: Und das ist die Art und Weise des Umgangs mit Erkrankungen, ihrer Erforschung und Behandlung. Mehr noch das Prinzip, auch bei Krankheiten Schuldige auszumachen.

Es ist leicht, die Ursachen von Konflikten im Außen zu suchen. Weil es so bequem ist, wird es auch ständig so betrieben. Schauen Sie auf unsere Politiker, auf die Medienleute. Aber schauen wir auch auf uns. Wie rasch sind wir geneigt, auf andere zu zeigen, sie als Schuldige abzuqualifizieren, nur um die eigene Rolle nicht in Frage stellen zu müssen.

Die ganze Panikmache um den Coronavirus funktioniert gesamtgesellschaftlich deshalb so „vorzüglich”, weil wir Konflikte grundsätzlich genau so bearbeiten: Das erste was uns einfällt, ist, auf die Suche nach Schuldigen zu gehen.

Schuld das ist ein emotionales Prinzip können nur andere, Fremde, Entfremdete sein. Aber nie darf der Finger auf uns zeigen. Oder aber wir unterwerfen uns dem, der uns in diese psychologische Zwangssituation getrieben hat, was wir unsererseits aber auch zugelassen haben. Diese Unterwerfung ist total und lässt uns zu Funktionswesen mutieren. Und so empfinde ich derzeit auch das Verhalten eines großen Teiles meiner Zeitgenossen.

Weil das so ist, erfragen wir auch nicht die Ursachen, ja den tiefen Sinn von Krankheiten. Daher müssen auch Viren Feinde sein, denn irgendjemand im Außen muss unbedingt gefunden werden, damit wir weiter in unserer vermeintlich bequemen Selbsttäuschung weiterleben können.

Wie der Ritter von der traurigen Gestalt kämpfen wir gegen Windmühlen an, die nichts weiter als eine Projektion unserer inneren Nöte sind, denen wir es nicht wagen, offen in die Augen zu sehen.

Das Datenmaterial zur derzeitigen Coronapandemie lässt genug Erkenntnisse zu, die auf den „Sinn” von Krankheiten, auf die Botschaften die damit verbunden sind, schließen lassen. Dass es den Erreger zuvor nicht gab, ist eine reine Behauptung ohne Evidenz. Wir haben schließlich vorher nicht nach ihm gesucht und er ist uns – neben unzähligen anderen seiner Zunft – nicht aufgefallen.

Vor über zehn Jahren galt eine Pandemie nur als Solche, wenn sie zu massenhaften Erkrankungen und Tod führte. Inzwischen definiert die Weltgesundheitsorganisation allein eine weltweite Infektionswelle – ungeachtet ihrer Folgen, die auch minimal sein können – als Pandemie. Jetzt wird das Erkennen der bloßen Existenz des Virus zum Grund, ihn auszurotten. Eine fragwürdige Einstellung zum Leben.

Verbohrte Wissenschaftler brauchen jetzt nur noch nach Viren suchen, die weltweit übertragen werden und schon ist das eine Pandemie. In den Köpfen emotional als tödlich verankert, obwohl das im speziellen Fall weit, weit weg davon sein kann.

Die Art und Weise, wie ich mit Viren umgehe, ist auch ein Indiz dafür, wie ich mit Menschen umgehe.

Viren sind Erreger. Erreger fordern eine Reaktion. Viren sind Besucher, die austesten, ob sich in der neuen Umgebung ein zuhause einrichten lässt, in der man „Kinder” bekommen und sich also vermehren kann. Viren suchen nach Nischen in Organismen. Sie können es sich in der überwältigenden Anzahl der Fälle gemütlich machen und kommen mit dem restlichen Wir unseres Ichs aus. In jener Phase, in der das Wir im Gleichgewicht seiner Mitglieder existiert, sehe ich da keine Probleme.

Eine Infektion ist daher auch nichts, was man verhindern muss. Unser Immunsystem hat offensichtlich nicht die Aufgabe, Fremdes erbarmungslos niederzumachen, auch nicht Viren.

Was natürlich sinnvoll erscheint, ist zu verhindern, dass ein Erreger in toxischen Mengen unseren Organismus besucht. Toxisch bedeutet giftig. Das Andere ist die Seite in unserem Körper, die mit den Erregern kommunizieren und für das Gleichgewicht sorgen. Ist deren Gleichgewicht gestört, kann ein Erreger auch in geringen Mengen schließlich durch ungehemmte Vermehrung toxisch werden (a1). Dann sprechen wir von Infektionskrankheiten. Wann nun Symptome einer Infektion als Krankheit, statt als durchaus natürliche Reaktion unseres Körpers zu deuten sind, ist noch eine andere Geschichte.

Anders sieht es also aus, wenn das komplexe Gleichgewicht zwischen den unzähligen Gruppen von Mikroorganismen und anderen Bausteinen massiv gestört wird. Dann können Viren der ausschlaggebende Faktor sein, dass das Wir kollabiert. Dann muss man aber nach diesen Faktoren suchen, statt das Virus als Schuldigen auszumachen.

Es ist wie mit all den anderen gesellschaftlichen Problemen: Man wagt es nicht, die wirklichen Ursachen anzugehen. Ja, man wagt es ja nicht einmal, die Ursachen überhaupt offen anzusprechen. Man meidet um jeden Preis die eigenen dunklen Flecken. Lieber lässt man sich verführen, missbrauchen, entrechten und entmündigen.

Der Kampf gegen den Coronavirus ist deshalb so meine Sicht eine Flucht vor den wahren Problemen unserer Gesellschaften im Großen und vor den eigenen blinden Flecken im Kleinen.

Aber dieser Kampf ist auch ein Präzedenzfall. Wenn er im gesellschaftlichen Bewusstsein als erfolgreich abgehakt werden sollte, wird es ihn wieder geben. Vielleicht im kommenden Jahr, vielleicht erst in fünf Jahren. Aber es wird wieder geschehen. Eine wilde Hatz auf einen Virus wird losgetreten werden. Er wird entdeckt werden, man wird eine Korrelation zwischen Gestorbenen und Virus „entdecken”, eine Testmethode entwickeln und „ungewöhnliche, aber unbedingt notwendige” Maßnahmen durchsetzen.

Das alles wird erneut begleitet werden vom unverfrorenen Spiel mit den Urängsten der Menschen, zu denen in erster Linie die Angst vor Krankheit und Tod zählen.

Manch einem mag das zu abgefahren klingen. Aber der Kapitalismus, den wir alle mehr oder weniger mittragen, beruhte immer auf Geschäftsmodellen, die finanziellen Gewinn im Auge haben. Wenn die daraus entwickelten Geschäfte genug Gewinn einschließlich dem an Macht versprachen, wurden sie auch von jeher amoralisch verfolgt. Dieses Amoralische hatte immer eine extrem starke emotionale Komponente, mit der man die zu benutzenden Objekte köderte.

Hunderte, möglicherweise Tausende Arten von Viren und Bakterien leben in und durch unseren Körper. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn wir leben offenbar auch durch diese Wesen. Sie haben in mir noch nicht erschlossener Weise unsere Entwicklung als Mensch befördert, zumindest ermöglicht. Schließlich gäbe es uns sonst nicht mehr. Jetzt beginnen wir, einzelne Vertreter dieser Wesen aufzuspüren, als Gefahr festzumachen und gnadenlos zu jagen ohne Rücksicht auf Verluste.

Schauen Sie sich die Jagd auf den Coronavirus in diesen Tagen an. Wer sehen will, sieht schon jetzt die Verluste.

Angst vor Viren ist unangebracht. Angst vor Menschen, die uns diese Angst ständig einreden: Die sollten wir ernst nehmen und Schlussfolgerungen ziehen. Denn es gilt die hier bereits mehrfach zum Ausdruck gebrachte Regel:

Wenn wir nicht tun, wird mit uns getan.

Nachtrag:

Wer eine Petition zeichnen möchte, welche die sofortige Aufhebung aller Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten – welche mit einem angeblichen Kampf gegen den Coronavirus begründet sind – fordert, kann das hier tun:

Bitte seien Sie sehr achtsam.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen – insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors – kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Wir müssen die Betrachtung keinesfalls auf Viren und Bakterien beschränken. Sowohl im chinesischen Wuhan als auch in der norditalienischen Poebene wurden die menschlichen Organismen schlicht durch Überkonzentrationen von Chemikalien erregt und aus dem Gleichgewicht gebracht. Das ist eine der Facetten von Unehrlichkeit in der gegenwärtigen Coronahysterie: Dass die seit Jahrzehnten prägenden Aspekte wie mulitresistente Keime und hohe Umweltbelastung nonchalant in den Hintergrund geschoben und alle katastrophalen Ereignisse dem Virus zugeschoben werden.

(1) 15.01.2016; Florian Rötzer; https://www.heise.de/tp/features/Der-Mensch-30-Billionen-Zellen-und-39-Billionen-Bakterien-3377757.html

(2) Dezember 1997; Walter Doerfler, Rainer Schubbert; https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=8940

(Titelbild) Angst, Virus, Panik; Autor: TPHeinz (Pixabay); 15.03.2020; https://pixabay.com/de/photos/coronavirus-angst-corona-virus-4931407/; Lizenz: Pixabay License

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