Big Band der Bundeswehr – Mit klingendem Spiel Richtung Krieg?

Aktion gegen den Krieg

Traditionell findet im Mai jeden Jahres das Dixieland-Festival in Dresden statt, das größte seiner Art weltweit. Ein wunderbares musikalisches Ereignis als Symbol der Völkerverständigung wird jedoch in diesem Jahr aus meiner Sicht grob missbraucht, um die schleichende Militarisierung unserer Gesellschaft voran zu treiben. Der Krieg der Köpfe, der Hirne ist schon im vollen Gange. Nun findet die Rekrutierung für eine Interventions-Armee statt. Die Mahnwache für Frieden in Dresden ist nicht bereit, das sprachlos hinzunehmen. Gern verbreite ich an dieser Stelle deren Aufruf.


Aufruf der Mahnwache für Frieden Dresden, anlässlich der Teilnahme der Bundeswehr-Big Band am Dresdner Dixieland-Festival 2016:

“Am Donnerstag, dem 19.05.2016, 20 Uhr tritt im Rahmen des Dixieland-Festivals in Dresden die Big Band der Bundeswehr auf.

http://www.dixielandfestival-dresden.com/de/festival-2016/konzert-der-bigband-der-bundeswehr.html

Diese gehört dem Organisationsbereich “Streitkräftebasis” der Bundeswehr an. Während Musik nichts Schlimmes und im Allgemeinen natürlich Geschmackssache ist, sehen wir Auftritte der Bundeswehr in zivilen Bereichen problematisch.

Wir erleben seit nunmehr über 10 Jahren einen stetigen Umbau der Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsarmee.

In Artikel 87a des Grundgesetzes wird das Ziel der Bundeswehr ausdrücklich auf die direkte Landesverteidigung festgesetzt. Zur Zeit ist die Bundeswehr weltweit jedoch in 19 Auslandseinsätzen aktiv, darunter auch völkerrechtlich mehr als umstrittene Einsätze. Das aktuellste Beispiel bietet dabei der im Dezember 2015 beschlossene Einsatz in Syrien, welcher ohne die Bitte der syrischen Regierung auf deren Staatsgebiet operiert und dadurch als Angriffskrieg interpretiert werden kann.

Wer sich das aktuelle Strategiepapier der Bundeswehr anschaut (Weißbuch 2016), wird feststellen, dass sich die eigentliche Verteidigungsarmee der BRD mittlerweile in einem absurden ideologischen Kontext von neokolonialer Politik befindet. Die unter Anderem aus der Destabilisierung ganzer Regionen in Nahost resultierende Perpektivlosigkeit und Radikalisierung islamistischer Gruppen wird nicht etwa als Anlass dafür verstanden, westliche Interventionen der letzten 25 Jahre kritisch zu hinterfragen, sondern dazu, ein simples schwarz-weiß Bedrohungsszenario aufzubauen: Der Terror sei ein Angriff auf unsere Freiheiten und Werte, dem man militärisch begegnen könne.

Diese Vorstellung ist vor dem Kontext, dass Terrorismus eine Art der Kriegsführung der Unterlegenen in asymetrischen Kriegen darstellt, nicht nur völlig falsch, sondern in ihrer Einseitigkeit auch schon böswillig. Es wird weder hinterfragt, inwieweit unser Wirtschaftssytem mit seiner Ausbeutung des globalen Südens durch den globalen Norden eine Mitschuld an den Anschlägen in Europa und Nordamerika trägt, noch werden Machtstrukturen und Interessenlagen innerhalb der NATO ernsthaft hinterfragt. Man spricht von Menschenrechten, wo wirtschaftliche Interessen offensichtlich sind. Dieser Logik möchten wir entschieden entgegentreten!

Bundeskriegsministerin [a1] von der Leyen betont derweil immer wieder die Familienfreundlichkeit der Bundeswehr und ihre Rolle als Arbeitgeber. Dass Soldaten auch für imperialistische Interessen ihre Köpfe hinhalten und posttraumatische Belastungsstörungen ganz und gar nicht familienfreundlich sind, verschweigt sie dabei leider. Da nun auch regelmäßig Bundeswehr-Werbungen in der ganzen Stadt auftauchen und versucht wird, dieser Armee einen möglichst zivilen Anstrich zu geben, sehen wir es als notwendig an, diese Zusammenhänge zu thematisieren und das Bewusstsein der Menschen für schleichende Militarisierung zu schärfen.

Ziel des Protests ist es nicht, einzelne Bundeswehrangehörige anzufeinden, sondern Fragen bezüglich der Ausrichtung und ideologischen Einfärbung der Bundeswehr zu stellen. Dem oft unhinterfragten Bild der familienfreundlichen und selbstverständlich immer für das Gute kämpfenden Streitkräfte möchten wir ein anderes entgegenstellen: Nämlich das Bild einer Armee, die sich längst von ihrem reinen Verteidigungsauftrag verabschiedet hat und mehr und mehr zum Instrument neokolonialer, wirtschaftlicher Interessen mutiert.

Deshalb rufen wir euch dazu auf, am Donnerstag vor dem Alten Schlachtruf in Dresden gemeinsam mit uns für eine glaubhafte Friedenspolitik einzustehen.

Weiterführende Hintergründe zur Thematik findet ihr hier:

http://www.imi-online.de/ (Informationsstelle Militarisierung)
https://www.dfg-vk.de/ (Deutsche Friedensgesellschaft)”

Facebook- Event: https://www.facebook.com/events/1772032803008356/

Wenn ihr noch passende Materialien habt, könnt ihr die gern mitbringen. Megafon wird am Start sein, von daher auch Redebeiträge gern gesehen.

Bis dahin! (und Aufruf gern weiterverbreiten 😀 )

Da die Veranstaltung 20 Uhr beginnt, lohnt sich die aktive Teilnahme so ab 17 Uhr vor Ort. Es geht um friedlichen aber hörbaren Protest. Für Ortsfremde hier noch einmal der Link zur Veranstaltungsstätte:

http://www.dixielandfestival-dresden.com/de/festival-2016/konzert-der-bigband-der-bundeswehr.html

Anmerkung

[a1]  Die Bezeichnung “Bundeskriegsministerin” ist keine Polemik sondern die korrekte Bezeichnung einer Rolle, die Frau von der Leyen lebt. “Verteidigungsministerin” als per se Definition kann ohne weiteres als Neusprech bezeichnet werden, bei dem über “Wording” die Begrifflichkeiten umgedreht werden. Verteidigen tut die Bundeswehr derzeit gar nichts.

Bildquelle

Titelbild; File:German Army Leopard 2, assigned to 104th Panzer Battalion.jpg; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:German_Army_Leopard_2,_assigned_to_104th_Panzer_Battalion.jpg?uselang=de; Originalquelle: http://www.flickr.com/photos/usarmyeurope_images/8124205192/in/set-72157631688658714; Autor: US-Army; Lizenz: Public Domain; Bild wurde bearbeitet (Fensteranpassung)