Wie wollen wir zukünftig leben? (2)

Episoden des Alltags – Nur zu unserem Besten: Schöner neuer Pausenalltag.


Ob es das Coronavirus gibt? Das ist nicht die entscheidende Frage. Die stellt sich vielmehr darin, wie wir zukünftig Herausforderungen lösen wollen. Etwa so, wie es von einer aktionistischen, hysterisierten, reglementierenden und auffällig repressiv werdenden Bundespolitik vorgegeben wird? Das immer detailliertere Vorschreiben, vor allem Unterbinden sozialer Kontakte, sowie die Entmündigung der Menschen bezüglich der Verantwortung für das eigene Leben führt zu unzähligen kleinen Katastrophen, zu Leid, Vereinsamung, Depression.


Die an der politischen Spitze dieses Staates stehenden Protagonisten hüten sich, auf die unzähligen kleinen und größeren Tragödien im Land aufmerksam zu machen. Warum das so ist, kann nur derjenige herausfinden, der zuvor überhaupt erst in wirklicher Empathie wahrgenommen hat, was derzeit an sozialen Verschiebungen und Brüchen stattfindet. Die Menschen werden fortwährend in ein Dilemma nach dem anderen getrieben, in für sie unauflösbare Konflikte, was neue Konflikte hervorruft. Das kann sich in dramatischen Geschehnissen aber auch in stillem Leid äußern – und das möchte der Autor in eher kleinen Geschichten sichtbar machen. Wie sich der Irrsinn der Corona-Maßnahmen wie ein graues Tuch über unseren Alltag legt, beschreibt sehr gut der folgende Erlebnisbericht einer Leserin.


Corina, so blau sind deine Augen oder die Einsamkeit im Büro

Nach tagelanger Einöde im Homeoffice taucht plötzlich ein Licht am Ende des Wochentunnels auf — eine Einladung zum bereichsübergreifenden Frühstück mit einem Urgestein des hauseigenen Inventars. Der Ausblick auf tiefsinnige Gespräche über den Tellerrand beflügelte die Motivation des Tages. Endlich mal wieder Menschen sehen, hören, riechen. Fühlen ist vermutlich dank der fehlenden 1,5 Meter Armlänge nicht möglich. Aber die anderen Sinne werden ihre pure Freude haben. Nun stand es fest: Heute ist mein Bürotag.

Maskentragende Mitmenschen erwartend und eine Portion Unsicherheit im Gepäck bewegte ich mich durch dunkle Flure. Vermutlich entspricht meine Zeitrechnung nicht der meiner Kollegen. Mit einem „das wird schon“ sprang die Vorfreude wieder auf meinen Zug. Lüften, Teekochen, Laptop anwerfen, Blumen besprechen … die Zeit verging. Noch immer Dunkelheit. Vielleicht sitzt der Chef im Dunkelwald bei den Düsterelfen. Klopfen … niemand öffnet. Niemand erscheint. Wehmut steigt empor. Es ist nicht der gewohnte Büroduft, es ist der Geruch von Traurigkeit und Einsamkeit, der in Wogen durch die Flure streift. Dass es doch rhythmische Bewegung gibt, kann man nur anhand der feuchten Türklinken erahnen.

Aber ein Fixstern bleibt … das Frühstück. Bewaffnet mit einer Mund-Nasen-Bedeckung wandern meine Füße in die Gourméetage. Bodenmarkierungen deuten auf die Abstandsregel hin, nur es ist niemand da, der sie beachten könnte. Ein Tisch hindert mich am direkten Zutritt: Kontakterfassungsformulare, ein Kuli, und eine Literflasche Ethanolgemisch. Das Urgestein erscheint. Wir freuen uns umarmungsfrei und ich fülle für uns beide den Zettel aus. Dabei verzichtet der gelernte DDR-Bürger auf humoristische Einlagen, wie Elisabeth die Große mit Gefolge vor Ort am 30.2.2222 um 23:59 Uhr.

Der Zettel wird gleich vor Ort geprüft und eingezogen. Der Gourmetpalast gleicht einem Aquarium, nur weiß man leider nicht, ob man sich innen oder außen befindet. Die strahlenden Edelstahl-Einrahmungen der Plexiglastüren zeugen von einem dauerhaften Design. Der Kloß im Hals wächst und eigentlich hat sich der Hunger gerade verabschiedet. Brav nehmen wir uns in edler Plastikverpackung präsentierte Schnittchen. Liebevoll erscheint ein einsames Rührei auf dem Teller. Das Hirn meldet „Zeit für die Flucht“. Wir betreten den Speiseraum. Der Kloß im Hals wächst.

Einsam sitzt ein weiterer Gast an einem XXL-Zweiertisch und kaut wortlos an seinem Brötchen. Einmeterfünfzig bis zum Tablet des Urgesteins. Mein Hirn vergleicht dies mit den zehn Zentimetern im Bus zu einem mir völlig Unbekannten. Da wir nun allein im Saal sind, können wir uns auch anschreien, um die Kluft zwischen uns zu überwinden. Entspannung und Fröhlichkeit wollen nicht wirklich eintreten. Wir essen, reden über Corina mit den blauen Augen. Jene Corina, die uns aus jeder Zeitung anstarrt, jede TV-Sendung, jedes Gespräch und jede Kolumne beherrscht, jene Corina, deren Macht unermesslich wächst und unser Leben dominiert.

Weltherrschaft nennt man dies wohl, jene Weltherrschaft, die kein Mensch bisher erreichen konnte. Wir lachen uns an und verabreden uns zu einem ausgelassenen Kaffee im häuslichen Domizil. Der Weg geht zurück über die dunklen Flure der Einsamkeit. Auf einmal wird alltäglich, banales zum Nabel der Welt. Wie groß ist die Sehnsucht nach dem Gespräch mit dem Nachbarn über die neuen Müllpreise oder das Lächeln des DHL-Postboten. Bisher verknüpfte ich Einsamkeit an meinen häuslichen Arbeitsplatz. Seit heute hat sie eine ortlose Dimension. Einsamkeit herrscht, wenn Menschen sich nicht in die Augen sehen, sich nicht riechen und spüren können.


Soziales Miteinander, die damit einhergehende Verbundenheit stärkt uns seelisch, aber auch unseren Körper, ohne den die Seele nun einmal nicht kann. Vor allem stärken soziale Bindungen auch unser Immunsystem (1,2). Das wiederum ist dann in der notwendigen Verfassung, souverän mit Erregern aller Art umzugehen, auf die wir tagtäglich treffen. Die befohlene, feingranulierte Vereinsamung der Menschen in all ihren Lebensbereichen, auch noch gepaart mit der ständigen Vermittlung von Angsttriggern, ist mit Sicherheit geeignet, unser Immunsystem zu schwächen (3). Wer gibt eigentlich einem Irgendjemand das Recht, uns über die repressive Durchsetzung absurder “Regeln” — basierend auf Tests mit Null Aussagekraft — krank zu machen? Warum lassen wir das im Alltag zu? Oder gibt es da Alternativen?

Nach dieser weiteren Alltagsgeschichte aus Coronazeiten wiederhole ich deshalb die Frage:

Wollen wir zukünftig tatsächlich so leben? Und wenn nicht: Wie wollen wir also unser weiteres Zusammenleben gestalten? Vor allem: Wann wollen wir damit beginnen?

Es bleibt dabei: Die Antwort auf diese Fragen liegen zuallererst bei jedem selbst und müssen auch im eigenen Handeln beginnen.

Bitte, liebe Leser, bleiben Sie sehr achtsam.


Anmerkungen und Quellen

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(1) Februar 2015; Medizin populär; 7 Wohlfühl-Gebote für ein robustes Immunsystem; https://www.medizinpopulaer.at/archiv/seele-sein/details/article/7-wohlfuehl-gebote-fuer-ein-robustes-immunsystem.html

(2) 26.06.2018; Gesundheitsstadt Berlin; Gute Freunde stärken das Immunsystem; https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/gute-freunde-staerken-das-immunsystem-12442/

(3) 17.12.2012; Neurologen und Psychiater im Netz; Chronischer Stress schwächt das Immunsystem; https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/chronischer-stress-schwaecht-das-immunsystem/

(Titelbild) Parkplatz, Einsamkeit, Leere, Dunkelheit; Autor: Harut Movisyan (Pixabay); 25.07.2015; https://pixabay.com/de/photos/stadt-parkplatz-person-mann-d%C3%BCster-1487891/; Lizenz: Pixabay License

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