Die Gläubigen (1)

Menschen die mein Anliegen verstehen, denen ich vertraue und deren Reichtum an Gedanken mich beeindruckt, gebe ich gern ein Podium auf meiner Seite. Unabhängig davon beachtet bitte, dass die Gast-Artikel natürlich die jeweils (immer einzigartige) Meinung des Autors und nicht die Meinige wieder spiegeln. Im folgenden viel Spaß mit einem Beitrag, den mir Jürgen zugesandt hat.


Ich bedanke mich bei Ped, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, hier in Folge einige Auszüge aus meinen Büchern zum Nachdenken und Diskutieren zu veröffentlichen. Um einigermaßen in eine weit verzweigte Handlung einsteigen zu können, folgen einige einführende Hinweise. Bitte beachten: Es ist ein Roman, also eine fiktive Geschichte, keine wissenschaftliche Arbeit. Inhalte, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen, sind mit (*) markiert.

Folge 1: Deutschland und die Flüchtlinge

Meine Romanfolge „Die Gläubigen“ erzählt das Schicksal eines 20 jährigen Genossen, den das Ministerium für Staatssicherheit der DDR nach einem schweren Unfall gewinnen konnte, Theologie zu studieren, um als Insider aus der evangelischen Kirche heraus als Informant über deren Tätigkeiten gegen die DDR zu berichten. Gegen Ende des Studiums brach die DDR zusammen und der Auftrag wurde damit gegenstandslos. Kurt Roth beschloss trotzdem als Pfarrer tätig zu werden und um aufrichtig zu bleiben, lehrte er als Sozialist den christlichen Glauben. …

Als Mitglied eines im Untergrund tätigen Netzwerkes, was sich durchgreifende Veränderungen des Kapitalismus zum Ziel gesetzt hat, war es unzweckmäßig, in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erringen, zumal der BND und seine Kirchenbehörde sich seit Jahren mit seiner Art, Gottes Wort zu verbreiten, beschäftigten. Die Ereignisse der Jahre 2015/2016 ließen ihm jedoch keine Ruhe, sich dort zu äußern, wo Veränderungswillige seit vielen Monaten zusammenkommen und in guter Absicht den nach seiner Meinung falschen Führern und Ideen hinterherliefen..

Szene 261, 2016 / Klein Partwitz / SIMEKK / Dienstzimmer des Pfarrers

Pfarrer Roth hatte erneut viel im Internet erfahren und die Medien gaben ihm den Rest. Wieder war rechtzeitig eine Terrorzelle ausgehoben. 42 Tote und viele Verletzte, weil sie die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit in die Luft gesprengt hatten, mit samt der Spezialeinsatzgruppe und den noch schlafenden Hausbewohnern. Pegida und ihre Sympathisanten meldeten sich weiterhin mit ihren Forderung: Stoppt den Flüchtlingsstrom!

Wo soll das hinführen? Diese Frage stellte er sich seit Jahren und täglich neu. Er sah nur die Möglichkeit, sich friedlich zu verhalten, die Terroristen damit zu besänftigen und nicht durch Racheakte neu aufzuheizen. Mit den Ausländern menschlich korrekt umgehen, sich in diesem Fall dem Schicksal fügen. Oh, das klingt nicht gut. Es wirkt bequem und feig. Aber er hatte es genauso im Internet gelesen. Stephen Hawking hatte es gesagt: (*) „Angst überwinden und Gewalt bändigen“, wie auch ein französischer Journalist, der viele Monate in IS-Gefangenschaft lebte und der die Rache durch Militärschläge für falsch hält. (*) . Als Geisel habe er hinter die Kulissen der radikalen Islamisten schauen können und macht klar, „ mit Bombardements rechnen sie. Wovor sie sich wirklich fürchten, ist Zusammenhalt. In ihrer Weltanschauung kann die westliche Gesellschaft nicht mit Muslimen zusammen leben.“

Szene 262, 2016 / Montagsdemo Dresden / Theaterplatz / PEGIDA-Kundgebung
„Deutschland und die Flüchtlinge“

Und so trat er eines Montags in Dresden bei der Pegida-Kundgebung mit der nachstehenden Rede auf, die er zuvor auch im Kreis seiner Gläubigen, Gäste der Partnerschaftsvermittlung, Dorfbewohner und einiger Neusiedler in einer Nachdenkstunde sowie auf einer Montagsdemo in Hoyerswerda gehalten hatte:

Der Moderator der Kundgebung kündigte den nächsten Redner an:

„Es spricht nun der Dorfpfarrer von Klein Partwitz, einigen von euch vielleicht vom Sender ‚Findlinge‘ bekannt. Es ist ein von seiner Landeskirche mehrfach angezählter Geistlicher, weil er dem Glauben eine neue Freiheit gibt und gern den Daumen auf die wunden Stellen legt. Hören wir uns an, was er uns zu sagen hat. Pfarrer Roth, du hast das Wort.“

Roth, der etwas seitlich stand, tritt an das Mikrofon. Der Theaterplatz ist gut mit Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft gefüllt. Man grölt ihn zur Begrüßung Mut zu. Die Fahnen und Transparente werden geschwenkt und in Stellung gebracht. Roth wartet, bis Ruhe eintritt. „Liebe Gäste dieser Erde!“ Sein Ton hat durch die Lautsprecher und Größe des Platzes ein ungeheuerliches Volumen, was ihm Mut und Sicherheit gibt. Und so schmettert er jeden Satz auskostend, seine Botschaft in die für ihn ungewohnte Menge an Zuhörern und Zuhörerinnen.

„Liebe Patrioten zur Rettung des Abendlandes! Ich meine nicht nur diejenigen, die den Mut aufbringen, trotz Verunglimpfung, jeden Montag für ihre Einstellung zu demonstrieren. (Pfiffe)

Ich meine alle Deutschen, denen noch etwas liegt an einer deutschen Identität, an unserer Kultur, an unserer Heimat und Landschaft und an unseren Beiträgen zu Philosophie und Kunst, zu Innovation und gesunder Lebensweise, die vorzugsweise unsere Vorfahren in den Fonds der Weltweisheit eingebracht haben. Ich lasse dabei das Negative weg, dass ebenso zu uns Deutschen gehört, was uns ewiglich belasten wird, weil wir auch gezeigt haben, welcher Teufel in uns stecken kann. Also, liebe deutsche Mitbürger. Bedenkt unserer jüngsten Geschichte der Kommerzialisierung durch eine US-amerikanische Weltmachtkultur, die von uns Besitz ergriffen hat, ohne dass ihr euch wehren wolltet und konntet. Was ist eigentlich von der abendländischen Kultur und dem Deutschtum noch übriggeblieben? Denkt nach! (vereinzelte Pfiffe. Ob die nun Zustimmung oder Ablehnung waren, konnte Roth nicht erkennen)

Der Zug ist längst abgefahren. Die Deutschen sterben bald aus, weil ihr es nicht verhindert. (wieder vereinzelte Pfiffe. Roth deutete es inzwischen als: „Recht hat er!“)

Und andere werden an unsere Plätze treten! Dieses edle Land mit seinen verträglichen Temperaturen und seiner fruchtbaren Erde wird niemals unbewohnt bleiben, während Millionen Menschen in Afrikas Sonne verrecken. Was habt ihr denn gedacht? (betroffene Ruhe auf dem Platz)

Sie werden uns besiedeln, die anderen Kulturen und ihr seid fortpflanzungsmäßig zu schwach, euch dagegen zu wehren. Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate von allen Ländern der Erde! Ihr seid zu sehr auf persönlichen Wohlstand, auf euch selbst und auf eure Generation fixiert. Ihr bringt nichts anderes mehr zustande. Gebt es zu. Ihr seid als Deutsche degeneriert, auf dem absterbenden Ast. (pfeifen und Buh-Rufe)

Aber keine Angst! Ihr macht euch unnötige Sorgen. Es wird nicht weiter weh tun, ihr werdet es kaum mitbekommen. Ihr werdet hinüber wachsen in einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte. Und wenn ihr wieder aufwacht, ist sie eure neue liebe gewohnte Gegenwart. Nur ihr seid nicht mehr Deutschland – „über alles in der Welt“, – ihr seid eine Minderheit,- auch in der Regierung und Verwaltung eures ehemaligen Vaterlandes. Und der Rest vom Niedergang einer deutschen Kultur kommt dann von ganz allein. Irgendwann wird die deutsche Sprache nur noch von Exoten gesprochen. (pfeifen und Buh-Rufe)

Ich sagte es schon: Regt euch nicht auf. Das ist nicht mehr zu ändern. So kommt es. Etwas eher oder später, das spielt keine Rolle. (betroffene Ruhe auf dem Platz)

Wenn ihr es noch nicht gemerkt habt, so sage ich es noch einmal deutlich und klar: Ihr lebt in eurer Welt, von der ihr denkt, es sei die wirkliche Welt. Doch die Wirklichkeit ist, dass eine kleine Anzahl von Menschen die eigentlich anarchische Entwicklung beeinflußt und global alles getan hat, dass es so weitergehen wird, – bis sich die Menschheit zugrunde gegiert hat. (Pfeifen und Applaus)

SIE haben die Ressourcen dieser Erde und SIE verkaufen uns bald auch IHR Wasser und IHRE Luft, wenn alles so knapp und verunreinigt ist, dass wir es nicht mehr unbehandelt genießen können . (Getöse des Aufruhrs, der Zustimmung und Empörung)

Sie bestimmen, wie gut es uns geht. (Pfeifen und Applaus)

Eigentlich haben wir die Werte dieser Welt erst geschaffen. Wir können jedoch nicht darüber entscheiden; nicht über den Mehrwert unserer Arbeit und nicht über die Mutter Erde, die allen gehört und die sich Wenige unter den Nagel gerissen haben. (Pfeifen und Applaus)

Wir haben zwar das Gefühl, demokratisch unseren Willen ausgedrückt und eine legitimierte Führung eingesetzt zu haben. Aber das gehört leider zu unserer gegenwärtigen Scheinwelt, in der wir leben. (Pfeifen und Applaus)

Wir hätten uns eher einmal in das Regieren einmischen müssen. Als es noch möglich war. (verhaltenes Pfeifen und mitdenkender Applaus)

Inzwischen sind wir derart konzeptionslos, zerstritten, interessenlos, aufs eigene bedacht, mut- und kraftlos – nur noch nützlich, um Wenige reich zu machen. Mit uns ist nichts mehr anzufangen. Und die militärischen Gewaltpotentiale, die die Reichen vor unseren Zorn wirksam schützen werden, haben wir selbst erst geschaffen. Wir, der Ursprung aller produzierten Werte sind die Schafherde geblieben, von der Jesus Christus so gern sprach. Trotz allen Wissens und aller Aufklärung blieben wir eine genügsame, gehorchende Schafherde. (verhaltenes Pfeifen und nachdenklicher Applaus)

Ja, was hätten wir denn tun können, wenn wir uns eingemischt hätten? Die Antwort ist rein theoretisch. Wir hätten seit langem dafür sorgen müssen, jedwede Einmischung in die inneren Angelegenheiten andere Länder, jegliche Gewaltanwendung, jegliche Waffenlieferung einzustellen. (verhaltenes Pfeifen und nachdenklicher Applaus)

Doch das hieße ja, den Kapitalismus abschwören. Denn Kapitalismus und Krieg, Gier und Gewalt, die sind scheinbar unzertrennlich. Aber die Mehrheit der Menschen hatte sich doch gerade den Sozialismus kaputtmachen lassen. So ein Pech auch. (nachdenkliche Ruhe)

Nun gut. Das ist erst einmal vorbei. Aber nun wird es doch plötzlich Ernst. Der Islam überfällt uns als Hilfebedürftiger und wir wissen und ahnen doch bereits, wie das ausgeht. Was können wir denn tun? Die EU hätte den Arabern vielleicht ein Stück Wüste abkaufen, diese urbar machen und die Flüchtlinge dort ansiedeln können. Das wäre auch nicht teurer geworden, als sie hier anzusiedeln und außerdem noch täglich die teuren Luftangriffe zu fliegen. Hier brauchen wir 30 Euro pro Tag für einen Flüchtling, Energie, Nahrung, Wohnung, Gesundheitsbetreuung und Kultur inklusive. Bei vielleicht 10 Millionen Vertriebenen wären das 300 Millionen Euro je Tag. Der Krieg in den ‚Krisengebieten‘ kostet 1 bis 2 Milliarden Euro je Tag. Nehmen wir nur die 10 Millionen Flüchtlinge – eigentlich sind es ja zur Zeit 60 Millionen Vertriebene – macht rund 200 Euro / Tag, die je Flüchtling zur Verfügung ständen, würde man die kriegerischen Handlungen einstellen. Oder 75.000 Euro je Jahr und Flüchtling. Damit könnte man doch etwas Gescheiteres anfangen, als unser Europa zu islamisieren? (verhaltenes Pfeifen und nachdenklicher Applaus)

Aber das sind nur Gedankenspiele. Ich sage euch jetzt, wie es kommen wird: (neugierige Ruhe)

Ihr werdet bald wieder alle zufrieden sein und kaufen… und feiern … und spielen … und alles vergessen, was da wirklich auf dieser Welt passiert. Ja, die Schönheiten des Orients werden für uns entdeckt. Der Kommerz, dem nichts heilig ist und der vor nichts zurückschreckt, wenn der ein Geschäft wittert, wird dem Islam seine Jungfräulichkeit nehmen und ihn mit der Zeit zu einer lahmen Ente werden lassen, genau so, wie es mit dem Christentum passiert ist. (starkes Pfeifen)

Denn Millionen Ungläubige werden sich mit dem schmücken und guttun, was dem Muselmann gegenwärtig noch so heilig ist. Ganz unauffällig werden wir das verführerische Angebot annehmen. Unsere Welt wird anders, aber genau so aufregend und liebenswert werden. Neue Gerüche, neue Töne, neue Farben kommen mit denen zu uns, die hier Zuflucht fanden. Und ‚Allah ist groß‘ wird in millionenfacher Reklame als eine wunderschöne Ornamentik überall präsent sein. Wir werden damit Mails verschicken und Geburtstagspakete einwickeln. Nicht weil wir plötzlich daran glauben. Nein, nur weil es schön aussieht, weil es Mode ist. (aufmerksame Nachdenklichkeit)

Und die schlichten Gebäude werden die Grafik des Orients übergestülpt bekommen, natürlich leicht europäisiert. Und man wird burkaähnliche Winterbekleidung und schöne luftige Ganzseiden-Hidschah-Kleider im Sommer tragen. Und die Männer werden es geil finden, wenn da keine Unterwäsche drunter zu sehen ist. Und die Frauen auch. Die sehen sich ja noch viel interessierter gegenseitig an, als es ein Mann je tun würde. (verhaltenes Gelächter)

Wenn wir uns äußerlich alle ähnlich sehen, wird man nicht mehr so aufeinander los gehen. Die Blonden werden sich schwarz färben, um nicht aufzufallen. Um sich nicht von den Mohammedanern abzuheben, werden viele Männer wollige Bärte tragen. (verhaltenes Gelächter)

Ihr sagt heute ‚niemals‘!? Habt ihr nicht auch, ohne einmal nachzudenken, von den Rechten die Glatzen übernommen? So dass man die zwei verschiedenen Welten nicht mehr unterschieden konnte? (verhaltenes Gelächter und Pfiffe)

Habt ihr nicht US-amerikanische Kleidung gekauft, mit großen englischen, nichtssagenden Inschriften, mit Reklamen für irgendwelche Firmen und ihr ward stolz darauf? (verhaltenes Gelächter und Pfiffe)

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts trugen Arbeitslose auf den Boulevards der Einkaufszentren Reklameschilder um den Leib geschnallt. Eine Entwürdigung der Persönlichkeit: „Der Menschen als lebende Litfasäule“, hatte man das genannt. Sie bekamen dafür ein kleines Entgelt. Ihr aber tatet es aus Jux und Dümmlichkeit und bezahltet noch dafür. (betretenes Schweigen, einzelne Pfiffe)

Und das tägliche Gedudel der Werbung und Unterhaltungsindustrie wird orientalischen Rhythmus, Sound und Monotonie bekommen. Jede Stadt will ihre Moschee haben. Eine schöner als die andere. (viele Pfiffe)

Und fast Jedermann wird im Ramadan mit fasten, weil das sooo gesund ist. Und dann wird drei – vier Tage gefeiert – feiern ist ja doch unser Liebstes, was wir haben. (Pfiffe)

Und Spiele! Was werden wohl die Araber für Spielchen mitbringen? Ja, alle christlichen und alle islamischen Feiertage werden wir feiern. Natürlich als bezahlte Arbeitszeit. Wir haben es ja. Die Atheisten feiern ja auch seit alters her alle christlichen Tage mit. Oder geht ein Ungläubiger zum Buß- und Bettag arbeiten? (Roth legte eine kleine Pause ein, es wurde ganz ruhig auf dem großen Platz und so hatte er die Aufmerksamkeit für die folgenden Sätze geschaffen.)

Und nun hört auf, euch so albern jeden Montag durch die Städte zu quälen und gegen etwas anzurennen, was ihr doch nie ändern werdet! Es sei denn ihr schafft den Kapitalismus ab. Aber dazu habt ihr ja keinen Arsch in der Hose. (Starke Pfiffe, die schnell abnehmen und einem Schweigen Platz machen)

Nun habe ich noch für die unter uns einen Trost, denen das doch nicht so gefallen wird. Denn wir Menschen sind ja bekanntlich nicht gleich, auch wenn ich euch jetzt so angesprochen habe, als wären wir es. Also, nach dem Geschilderten (oder gleichzeitig?) wird sich die Welt weiter ändern. Die amerikanische Welt wird etwas verblassen und weil wir uns mit den Russen und die mit den Chinesen und die mit den Indern angefreundet haben – also nicht wir persönlich, aber der uns betreuende Kommerz -, werden wir uns in Mode und Kultur auch diesen Ländern anpassen. Es wird also nie langweilig werden. (Pfiffe)

Gott sei Dank: Im ehemaligen Deutschland wird es Landstriche geben, wie heute bei den Sorben und Wenden in der Lausitz, wo das Deutschtum aus der Vergessenheit zurückgeholt und endlich gepflegt wird. (nachdenkliche Ruhe)

Also das deutsche Liedgut unserer Vorfahren, ihre Gedichte und Tänze, Kleidung und sonstigen Gebräuche. Dort wird es noch nach Räucherkerzeln duften, am Weihnachtsbaum hängen keine bunte Lichterketten, sondern echte Wachskerzen, Äpfel und Naschwerk. An anderer Stelle wird man das Lied vom Rhein singen. Ja, auch ein Rheinweinlied, aber ich dachte eher an die Wacht am Rhein. „Es braust ein Ruf wie Donnerhall…“ , mit dem Versprechen: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein. Fest steht und treu, die Wacht am Rhein“. Und dabei werden wir kleine Tränchen vergießen. (in sich gehende Ruhe)

Ja, unsere Großväter der Großväter, das waren noch Kämpfer. Die hatten ein Vaterland, für das es sich lohnte – Verbrechen zu begehen – und zu sterben! Was haben wir? Aber die Jugend wird uns wieder einmal nicht verstehen und wird in der neuen Zeit leben, als sei es eine Errungenschaft der Menschheit. Amen und Friede sei mit euch!“

Viele der Demonstranten standen wie erschlagen. Die übrigen waren auch ruhig geworden. Sie hatten den Sinn der Worte nicht alle verstanden. Roth konnte sich nicht zurückhalten, als er das hoffnungslose Volk so niedergeschlagen sah. Er gab noch eine seelsorgerische Zugabe:

„Allah ist groß. Begreift das endlich. Denn Allah seid ihr selbst. Der Gott, den wir anbeten, steckt in uns, sind wir selbst! Und betet euch nicht ständig selbst an! Denn auch in deinem Nachbarn steckt der gleiche Gott! Ob Gläubiger oder Ungläubiger. Es ist der gleiche Gott. Betet ihn doch gemeinsam an. Macht gemeinsame Sache mit unserem Gott, auf dass es Frieden werde und es uns gut gehe! Amen.“

Eine kleine Nachdenkzeit, dann ertönte eine Invasion an Zustimmung durch Rufe, Applaus und die obligatorischen Pfiffe. Roth war zufrieden. Die Versammlungsleitung nicht. Sie fühlte, wie ihr der Wind aus den Segeln genommen war. Nach dieser Rede ging die Teilnehmerzahl bei den PEGIDA-Demonstrationen und Spaziergängen merklich zurück. Die Medien lobten den Pfarrer. Aber Roth wußte: wenn mich meine Feinde loben, habe ich etwas falsch gemacht. Sei es drum. Es musste einmal gesagt werden.

Ende Folge 1


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Ein Kommentar zu Die Gläubigen (1)

  1. Conrath sagt:

    @PED

    Wieder sende ich Ihnen meinen herzlichen Dank für diesen brillanten Text zu.

    Ja, der sich den Magen verkleinernde SPD-Todesengel, Sigmar, ‘the Gabriel‘, argumentiert als Bankräuber etwa so, gegenüber dem/ einem Staatsanwalt:

    „Her je, wir hatten uns schon lange auf den Bruch vorbereitet, der Grundgedanke stammt sogar von XYZ, daher sollten Sie ‚mir‘ keine Vorwürfe machen, ‚ich‘ bräche das Gesetz, das BIP schmälere ich jedenfalls nicht, so wie ich mich selber nicht schmälere….“

    Dieses sich übergut selbst versorgende ‚ich‘ des Politikers sieht sich offensichtlich überhaupt nicht selber, kennt sich gar nicht.

    Und wer bitte ist Autor_in des Textes/ Buches ‚Dies und Das‘ ? Bzw. ‚Die Gläubigen‘, von 2007, Forist Jürgen? Ich habe nur ein Buch dieses Titels, in 2006 veröffentlicht, gefunden, von der begabten Autorin und Rezensentin Nadja Einzmann (Synonym?) ‚Dies und Das‘, Sie hatten beide Titel, im Kontext zu ‚Die Gläubigen‘ 1-5, erwähnt?

    Beste Grüße sendend

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