Wie wollen wir zukünftig leben? (3)

Episoden des Alltags — Coronairrsinn an Schulen.


Ob es das Coronavirus gibt? Das ist nicht die entscheidende Frage. Die stellt sich vielmehr darin, wie wir zukünftig Herausforderungen lösen wollen. Etwa so, wie es von einer aktionistischen, hysterisierten, reglementierenden und auffällig repressiv werdenden Bundespolitik vorgegeben wird? Das immer detailliertere Vorschreiben, vor allem Unterbinden sozialer Kontakte, sowie die Entmündigung der Menschen bezüglich der Verantwortung für das eigene Leben führt zu unzähligen kleinen Katastrophen, zu Leid, Vereinsamung, Depression.


Die an der politischen Spitze dieses Staates stehenden Protagonisten hüten sich, auf die unzähligen kleinen und größeren Tragödien im Land aufmerksam zu machen. Warum das so ist, kann nur derjenige herausfinden, der zuvor überhaupt erst in wirklicher Empathie wahrgenommen hat, was derzeit an sozialen Verschiebungen und Brüchen stattfindet. Die Menschen werden fortwährend in ein Dilemma nach dem anderen getrieben, in für sie unauflösbare Konflikte, was neue Konflikte hervorruft. Eine besonders brisante Mischung von ständiger Überforderung der Beteiligten, bürokratisch ausufernden aber medizinisch sinnlosen Reglementieren und dem Antrainieren von Kontaktschuld bei Kindern findet derzeit bundesweit an den Schulen statt.

Die beiden folgenden Beiträge stammen aus der Hand eines pensionierten Lehrers, der seine Kollegen zur Achtsamkeit mahnt. Während er im ersten Aufsatz vor allem deren empathische Seite anzusprechen sucht, wendet er sich im zweiten Text auch an die Eltern und beschreibt außerdem den bürokratischen Wahnsinn der Corona-Maßnahmen und die damit für die Lehrer entstehenden Konflikte. Oder sind es vielleicht eher Bewährungssituationen, lohnende Herausforderungen, in denen diese — Lehrer wie Eltern — vor allem ihr Menschsein und ihren Mut zeigen können?


Liebe Lehrerinnen und Lehrer,

Euch vertrauen Millionen Mütter und Väter jeden Morgen das Beste an, was sie haben, ihre Kinder, oft schon Jugendliche, zuweilen fast Erwachsene. Eltern wie Schüler vertrauen Euch, Ihr bereitetet sie weiter auf ein selbständiges Leben, unsere Zukunft vor, stattet sie mit dem dafür allgemein unabdingbaren Wissen und Können aus, jeden nach seinen Möglichkeiten. Und die Guten von Euch geben das in Euch gesetzte Vertrauen an die Schüler weiter, lehren sie, in sich zu vertrauen, dass sie die Welt erkennen können, weil die Welt erkennbar ist.

Wie wollt Ihr dieses Vertrauen in den Sinn des Lernens anders „lehren“, als durch Euer Beispiel? Euch ist keine „bohrende“ Kinderfrage zu schwer, sie, wenn schon nicht am nächsten Morgen, so doch wenigstens in ein paar Tagen zu beantworten. Gibt es ein schöneres Gefühl, als dass diese eine, — wirklich schwere — Frage noch vor dem Lehrer durch einen Mitschüler zur Freude aller beantwortet wird? Die Besten von Euch dürften „gelernt“ haben, lieber noch ein, zwei Tage mit der erheischten Antwort zu warten, Mitschüler gar zu deren Hilfe „anzustacheln“, damit eben sie selbst es lernen zu vertrauen, keine Frage ist zu schwer — für mich. Und wie gut gelingt es Euch, selbst noch denjenigen Schüler für die im Falle Euch selbst sehr unbequeme Frage noch zu loben, für sein Selbstvertrauen, seinen Mut, seinen Wissensdurst?

Nun aber mal Hand aufs Herz, liebe ehemaligen Kollegen, haltet Ihr die Welt — zum gegenwärtigen Zeitpunkt — für immer noch erkennbar?

Ich meine damit nicht die vor Euch sitzenden Schüler, die Euch gegenüber den Vorteil haben, dass sie wissen, dass die eine „Larve“, die vor ihnen „herumtanzt“, nur zu Euch gehören kann. Ihr, liebe Kollegen, seid fast ausnahmslos so gut, dass Ihr (wenigstens mittlerweile) jedem der 20 … 30 Augenpaare zweifelsfrei den — richtigen — Schülernamen zuordnen könnt. Und Ihr seid auch geübt darin, wenigstens grundlegende Emotionen Eurer Schüler diesen Augen und deren „kleiner“ Umgebung auch in der letzten Reihe noch abzulesen. Ihr seid nämlich auch noch schnell, und Ihr erspäht diese rollende Träne, noch bevor sie hinter der Maske wieder verschwindet. Nein, da war es schon vor Corona gute Tradition, dass dann reingerufen werden durfte. „Ich glaube, meine Freundin weint!“, wenn es denn mal keine Freudentränen waren.

Nein, wenigstens mit beschriebener Hilfe seid Ihr ausnahmslos alle in der Lage, auch in diesen schweren Zeiten alles — in der Schule — Notwendige für die Euch Anvertrauten zu erkennen. Mit Euren Schülern pflegt Ihr einen sehr vertrauensvollen Umgang, soweit Euch Zeit und Raum dafür gegeben ist oder wird.

Der Grenzbereich gegenwärtiger Erkennbarkeit, den ich hier meine, liegt eher im Sinn Eures gegenwärtigen Agierens, eventuell Reagierens, wozu ich ein denkbares Beispiel dieser Tage bemühen will. Nehmen wir an, heute Morgen fehlen zwei Schüler — neu — , von denen Ihr genau wisst, die haben gute Gründe dafür, fehlen nie „nur so“. Habt Ihr dabei schon mal die Furcht, gar Angst gespürt, es könnte wenigstens einer ein neuer „Fall“ sein, hoffentlich nicht noch beide, dann könnt Ihr ja bald die ganze Klasse in („häusliche“) Quarantäne schicken?!

Ihr wisst um leider nicht nur einen Fall in anderen Klassen, wo bedauerlicher Weise Eure Kollegen dazu „verdonnert“ wurden, „Dr. Mengele“ zu „spielen“, die sogenannten „Kontaktpersonen der Kategorie I“ zu selektieren. Ja, Vergleiche hinken immer. Nur diese Bezeichnung drängt sich mir vom Gefühl her auf, wenn ich mir vorstelle, ich sollte darüber entscheiden müssen, welche meiner Schüler ab sofort — aus gesundheitlichen Gründen — nicht mehr in meinen Unterricht kommen dürfen, ab- und ausgesondert werden (a1).

Ich weiß um zahlreiche „Fälle“, die selbst in den 14 Tagen ihrer Quarantäne keinen Termin zum Testen bekamen. Sie hatten ja auch gar keine Symptome, welche immer das auch sein sollen. Sie hatten einfach keine Krankheitsanzeichen. Und trotzdem sollen sie — wenigstens vorbeugend — abgesondert sein.

In anderen Schulen geht man da konsequenter vor. Da werden immer ganze Klassen in Quarantäne geschickt, wenn einer einen positiven Test hat. Oder sogar schon, wenn er direkten Kontakt zu einem hatte, der — positiv — getestet wurde? Diese Uneinheitlichkeit bei ein und demselben (vermeintlichen) Virus ist schwerer zu verstehen, oder? Aber Ihr Lehrer sollt „mitmachen“, selektieren. Ist es bisher nur Euer Gewissen oder sind es schon Schüler, die Euch nach Eurem Recht dazu fragen? Ihr erledigt die dem Gesundheitsamt zustehende Arbeit, weil dieses erklärt, selbst in etwa dreiviertel der Fälle nicht der Verfolgung der Infektionsketten nachzukommen. Ihr übernehmt damit aber auch die Verantwortung des Gesundheitsamts. Freiwillig oder gezwungener Maßen?

Ihr könnt jeden Morgen den übervollen Bus an der nächsten Haltestelle und die aus ihm quellende „Horde“ Eurer Schützlinge sehen. Und dennoch wollt ihr ernstlich rechtfertigen können, dass Ihr Kontaktpersonen der Kategorie „gefährlich“ nach Sitzplan(!) selektiert? Ihr rechtfertigt Euch mit den Weisungen Eurer Schulleiter? Der eine „denkt“ eben so, der der Nachbarschule ganz anders?! Nicht Gesetz oder dem folgende Verordnung geben Euch Recht sondern der Schulleiter? Da ist wieder mein Gedanke an Josef Mengele, der sich solcher Art Fragen durch Flucht entziehen konnte.

Wer bin ich, Euch ernstlich Mengele vorzuhalten? Ein richtiges Kollegenschwein? Einer, der sich mehr als zehn Jahre nach seiner Zwangspensionierung über seine (ehemaligen) Kollegen erhebt, Euch mal so richtig zeigen will, was für ein Kerl er ist? Bin ich tatsächlich wichtiger als meine Fragen? Ist es nicht etwa Euer Gewissen, dass Euch längst schon nicht mehr ruhig schlafen lässt? Habt auch Ihr Angst?

Hunde sollen Angst riechen können — beim Menschen. Ihr, da Ihr so gut in die Augen „Eurer“ Kinder schaut, was von mir genau so gemeint ist, wie es hier steht, habt Ihr in diesen Kinderaugen schon die Angst gesehen? Habt Ihr Eure Schüler ermuntert, über ihre Ängste zu sprechen, zum Beispiel dadurch, dass Ihr zugebt, Euch auch ein ganz klein wenig zu fürchten, vielleicht nur überfordert zu sein. Auch Ihr habt mehr Fragen als Antworten?

Dann gesteht Euch genau dies ein, seid ehrlich gegen Euch selbst. Und sucht mit Euren Schülern, gern auch mit deren Eltern gemeinsam nach Antworten. Ihr werdet nach meiner Erfahrung noch viel mehr, ganz bestimmt noch wichtigere Fragen finden. Und es sind oft die Fragen, ja, gerade die bohrenden viel mehr wert als selbst die „besten“ Antworten. Allein das Interesse an den Fragen wird Euch mit Schülern und Eltern verbinden.

Wenn ich von „Friday For Future“ nur etwas richtig verstanden habe, so doch zumindest, dass Schüler die besten Antworten geben können. Und einen ganz wichtigen Teil dieser Antworten habt Ihr Ihnen selbst mit auf den Weg gegeben: das nie Aufhören nach Fragen zu suchen. Nur so ist die Welt tatsächlich erkennbar.

Lasst Euch nicht einlullen von denen, die immer die gleichen Antworten geben, nur nicht auf Eure Fragen. Warum weichen sie Euch aus? Kann sein, sie wissen es nicht besser, trauen es sich nicht, dies zuzugeben. Sie haben eventuell nur kein Interesse, Eure Fragen zu beantworten. Sie hoffen auf Eure Unbedarftheit, Eure Genügsamkeit, Eure Demut. Wenn sie denn tatsächlich nur ihre Dummheit kaschieren wollen, dann sollten sie nicht die sein, die wir unsere Geschicke leiten lassen. Erst recht nicht, wenn sie denn doch Böses im Schilde führen.

Da sind die ewig „qualitätsmedial“ Posaunenden und eben Nicht-Antwortenden denen unter Euch ähnlich, die ihren Schülern eher mal falsche, undurchdachte Antworten geben als zuzugeben, sich da zunächst sachkundig machen zu müssen, um dann adäquat antworten zu können oder auch nicht. Das merken Schüler — nach meiner Erfahrung — sehr schnell, dass jener Lehrer ein „Dünnbrettbohrer“ ist. Dem entziehen sie dann auch schneller das Vertrauen, als es dem „geschätzten“ Kollegen lieb ist. Was haben Schüler auch anderes für Möglichkeiten, sich gegen falsche Lehren zu wehren, als nötigenfalls „über Tische und Bänke zu gehen“? Das hat sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert und auch nicht in diesem.

Ich weiß, die meisten unter Euch und erst recht die Besten wollen mir meinen Mengele-Vergleich am liebsten um die Ohren hauen, und sie haben damit auch völlig recht. Mengele dürfte sich um seine Selektion im KZ Auschwitz, direkter Tod oder vorerst todbringende Arbeit, gerissen haben. Und aber Ihr, liebe Kollegen, alle, werdet nun weiter wie bisher nicht „mit Bauchschmerzen“ die „Hacken zusammenknallen“, Euch nicht gar missbrauchen lassen, sondern als leuchtende Vorbilder über Eure Schulen hinaus Euch zuvorderst Eurer eigenen Überzeugung, dann aber auch schon Recht und Gesetz verpflichtet fühlen, und Euch mit ganzer Kraft weiter für das Wohl und Werden Eurer Schüler einsetzen.

Dafür wünscht Euch mehr denn je viel Kraft, Neugierde, Mut und Erfolge
Dian C.
27.11.2020

P.S. Für mein Rechtsverständnis haben die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, auch UN-Menschenrechtscharta genannt, Gesetzescharakter, sind immer wieder lesens- und erinnernswert(!) und stehen noch über jeder staatlichen Verfassung, so auch dem Grundgesetz dieser Bundesrepublik Deutschland. Unzweifelhaft ist in diesem Land das Grundgesetz das höchste, ein Infektionsschutzgesetz hat sich dem unterzuordnen, sollte keinen grundgesetzwidrigen Notstand erklären oder gar manifestieren dürfen. Damit sei hier sehr kurz — mein — Verständnis von „Recht und Gesetz verpflichtet fühlen“ im Brief umrissen.


Kein Recht auf Schulbesuch oder der Fluch der Selektion

von Dian C.

Wenn — angenommen — Ihr Schulkind dieser Tage früher als erwartet aus der Schule käme, könnte es sein, dass es Ihnen weinend um den Hals fallen wollte, weil es vorerst nicht wieder zur Schule gehen darf. Seltener wird diese Verwehrung des Schulbesuchs aktuell das Ergebnis einer Ordnungsmaßnahme sein. Denn bei dieser landläufig unter dem Begriff “Schulstrafe” bekannten, sollten zuvor Sie als Eltern regelmäßig von dem Lehrerkollegium Ihres Kindes gehört werden und so in diesem Falle im Bilde sein. Ferner schienen die Tränen dann etwas verspätet, wenn auch „besser als gar nicht“. Eher könnte es allerdings sein, dass Ihr Kind eine „Kontaktschuld“ trifft, schlimmsten Falles ein Kontakt der Kategorie I zu einem Corona-„Verdächtigen“.

„Zur Kontaktgruppe I gehören Personen, die einen mindestens 15-minütigen „face-to-face“-Kontakt zu einem „bestätigten Corona-Fall” hatten. Über die jeweiligen Sitzpläne können Sie [gemeint das Lehrerkollegium — Anm. Autor] Schülerinnen und Schüler als Kontaktpersonen der Kategorie I identifizieren, die im Unterricht mit weniger als 1,5 Metern Abstand zu einem bestätigten Corona-Fall gesessen haben.“ So legt es die „Checkliste bei Corona-Fällen in Schulen“ der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (1) fest, die weder einen namentlich Verantwortlichen noch eine Gesetzesgrundlage oder Vergleichbares anführt.

Auf Nachfrage bei der Corona-Hotline des Berliner Senats zur Bedeutung von „bestätigtem Fall“ und „‘face-to-face‘-Kontakt“ wurde der neugierige Autor hier an das Robert Koch — Institut verwiesen. Auf dessen Internetseite findet man sehr unterlegte Informationen zur „Kontaktpersonen-Nachverfolgung bei Infektionen durch SARS-CoV-2“ (2) und auch die fraglichen Begrifflichkeiten. „Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichts- (‚face-to-face’) Kontakt mit einem “Quellfall”, beispielsweise im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören zum Beispiel Personen aus demselben Haushalt …“. Sowohl dieser weitere Begriff „Quellfall“ als auch „bestätigter Fall“ werden dort mehrfach benutzt, nur erklärt im Sinne einer gerichtsfesten Begrifflichkeit werden sie andernorts nicht.

Dafür beschreibt weiter unten ein „Empfohlenes Management von Kontaktpersonen der Kategorie I“ genaue Verantwortlichkeiten: „Ermittlung der persönlichen Daten der Kontaktpersonen und bei Veranstaltungen zusätzlich des Namens und der Telefonnummer des Ansprechpartners durch das Gesundheitsamt“ und vor allem „Häusliche Absonderung für 14 Tage (Quarantäne)“. Nur: So dürfte es im Falle Ihres Kindes nicht gelaufen sein, weil die Gesundheitsämter schon lange nicht mehr den „Infektionsketten“ nachgehen — können?! (3)

Auch die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts für Schulen (4) werden in der Praxis nicht wirklich umgesetzt. SchulleiterInnen, Sekretärinnen und vor allem die LehrerInnen arbeiten schon bis „Unterkannte Oberlippe“ und es graust ihnen fast vor neuen „bestätigten Fällen“, die sie wahrscheinlich aus Gründen der Unverzüglichkeit telefonisch vom Gesundheitsamt oder auch von Eltern bzw. SchülerInnen selbst mitgeteilt bekommen. Dann wird gewöhnlich die Klassen- oder LerngruppenlehrerIn oder deren VertreterIn etwa in Zusammenarbeit mit der Schulsekretärin Listen der Kategorie-I- als auch -II-Kontakte in stundenlanger, mühseliger Arbeit erstellen, und versuchen, Eltern telefonisch zu erreichen, um sie über die — wenigstens — vorübergehende Quarantäne zu informieren.

Wie entscheiden aber diese „SelektionslehrerInnen“ über I und II, denn nur bei I ist — häusliche — Quarantäne verpflichtend vorgeschrieben? Wer hatte zu Fridolin X. (den exemplarischen „Corona-Fall“) den kritischen weil über 15minütigen „face-to-face“-Kontakt? Wie lange geht die „Analyse“ zurück, 3 Tage, eine Woche? Gibt Fridolins „Kontakttagebuch“ dies her, ist es vollständig? Waren da „innigliche ‘mouth-to-mouth‘-Kontakte“ dabei, die auch schon bei kürzester Dauer zählen sollen? Nein, „Küssen verboten!“, wussten die „Prinzen“ schon vor Jahren. Zumindest in der Schule, natürlich und erst recht im Unterricht.

Es wurde dem Vernehmen nach eine pragmatische Lösung gefunden: Im Allgemeinen zählen nur unmittelbare Nachbarn im Unterricht, auch die davor und dahinter dazu, alle, die Ungeküssten wie die Sprachlosen. Gut beraten derjenige, der einen Außenplatz, Wand, Fenster oder auch erste und letzte Reihe, gar einen „Eckplatz“ ergattern konnte, der hat ein paar Nachbarn weniger und deswegen mehr Glück. Oder auch Pech, kein schulfrei!?

Vielleicht fällt es dem einen oder anderen schwer zu glauben, Schulkinder könnten traurig sein, wenn sie schulfrei „von Amts wegen“ verordnet bekommen. Zu sehr könnte der Blick darauf durch die eigene Schulzeit, deren Unbeschwertheit verbaut sein. Gab es seinerzeit schöneres als „Ausfall“, Freizeit, den verbleibenden Tag mit Freunden bei …, nun sagen wir Fahrradtour, Bolzplatz, mit Mädchen/Jungen „rumhängen“ und wer weiß noch was alles zu verbringen! Ja, was denn, dies alles bei QUARANTÄNE?

Leider könnte heute viel mehr die Erfahrung der Schulkinder und vor allem Jugendlichen gerade diesen Jahres über Pro und Contra entscheiden. Schon jetzt sind die tatsächlichen LERNAUSFÄLLE so gravierend, dass zumindest die etwas Lernmotivierteren eher an die Gefährdung des erfolgreichen Schulabschlusses denken als an ein paar „vergnügte“ Tage, die es ja auch nach Regierungswillen nicht geben darf, zumindest nicht geben soll (5).

Zudem dürfte sogar jedes schulpflichtige Kind ahnen, was „häusliche Quarantäne“ meint. Was es bedeutet, dürften die wenigsten wissen wollen (6). „In der gesamten Zeit der Isolation soll eine räumliche oder zeitliche Trennung von anderen im Haushalt der oder des Betroffenen lebenden, nicht selbst isolierten Personen beachtet werden.“ (6i) Häufig dürfte allein diese Forderung als fast nicht erfüllbar gelten können, da in einer Wohnung, in der eine Familie etwa mit mehr als einem Kind lebt, allein die Zahl der Zimmer geringer sein dürfte als die der Personen. In anderen Bundesländern kann dies schon mal zur Androhung des Kindesentzugs führen (7).

Selbst wenn die oder der „Isolierte“ über ein eigenes Zimmer verfügte, dürfte sich jeder Schwerverbrecher ob seiner Besuchsmöglichkeit oder des täglichen Hofgangs halber glücklich preisen gegenüber Quarantäne 7/24, rund um die Uhr, eigentlich Isolationshaft — für 14 Tage!

Die Auslegungen der „strengen“ Corona-Regeln durch die selektierenden LehrerInnen dürften in aller Regel sehr „wohlwollend“ ausfallen, wünschenswert zum Wohl des Kindes — unter Beachtung des Wohls aller —, was sicher mehr einem Spagat über einem Vulkan ähneln wollte, als Selektion die in dunkler Zeit über Tod und Leben entschieden. Von einzelnen LehrerInnen war zu vernehmen, dass sie sich auch dieser, „einfachen“ Selektion — Quarantäne oder Schule — nicht stellen wollen. Kaum glaubhaft, dass sie sich „nur“ vor dieser, einer weiteren Mehrarbeit drücken, diese von anderen KollegInnen ausführen lassen wollen. Mutmaßlich sind es doch eher menschliche Skrupel, auch und eventuell vor der Anmaßung, über gesundheitliches Befinden der ihnen anvertrauten Kinder ohne wirkliche Grundlage, ohne ärztliche Ausbildung zu entscheiden. Nicht-Arzt als Schreibtischtäter!?

Wenn es denn das Herz dieser LehrerInnen ist, was es ihnen verbietet, mit verantwortlich dafür zu werden, dass auch nur einzelne ihrer SchülerInnen weinen, ihnen Leid zugefügt wird, weil sie „ausgesondert“, von ihren MitschülerInnen und bestenfalls ihren FreundInnen getrennt wurden, auch wenn es „nur“ für 14 Tage ist, dann ist noch nicht alles verloren. Dann besteht Hoffnung, dass sich diese mutigen LehrerInnen nicht unterkriegen lassen, eher Beispiel gebend sind für weitere KollegInnen, es ihnen gleich zu tun, selbst ein klein wenig Widerstand zu leisten. Gemeinsam ist man stärker.

Jeder Mensch sollte das Wohl aller Menschen fördern.

Eltern sollten natürlich zuerst das Wohl des eigenen Kindes im Auge haben, ihre Kinder unterstützen. So zum Beispiel auch, wenn die Noten am Ende des Jahres nicht so ausfallen, wie gewünscht. LehrerInnen, die SchülerInnen „ausgesondert“ haben, könnten sich dafür verantworten müssen, dann auch noch schlechte Noten vergeben zu haben, weshalb sie es wohl besser nicht tun sollten und mit dem Wissen hier wohl auch gar nicht erst versuchen werden.

(Der Zusammenhang scheint wenigstens dem Autor, der selbst einmal Berliner Schüler unterrichten durfte, so offenbar, dass er gerade damit allen, nicht nur Berliner Schülern und Eltern toi, toi, toi wünscht.)

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Der Leser bringt den drastischen Vergleich zu dem KZ-“Arzt” Dr. Mengele, um darauf aufmerksam zu machen, dass Lehrer sich dazu benutzen lassen, zu selektieren. Damit sollen sie, als Nichtärzte und wissend oder unwissend über die medizinische Sinnlosigkeit der Maßnahme, darüber entscheiden, ob ein Kind “isoliert”, also eingesperrt wird; eingesperrt als “Corona-Verdächtiger”. Ein Großteil der Menschen hierzulande kann sich noch immer nicht vorstellen, dass der Geist des Faschismus aus Banalem erwuchs und gerade jetzt auf verschiedenen Ebenen an Grundlagen für dessen Auferstehung gewirkt wird. Letztlich sind es dann — wie vor Jahrzehnten — “die Kleinen”, die ihn in Betrieb nehmen. Lehrer wie Eltern haben jedoch immer eine Wahl.

(1) 16.10.2020; Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Berlin; Checkliste bei Corona-Fällen in Schulen; http://www.berlin.de/sen/bjf/coronavirus/aktuelles/checkliste-bei-corona-faellen-in-schulen.pdf

(2) 16.11.2020; RKI; Kontaktpersonen-Nachverfolgung bei Infektionen durch SARS-CoV-2; https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html

(3) 19.10.2020; ARD-Tagesschau; Iris Marx; Kontrollverlust mit Ansage; https://www.tagesschau.de/gesundheitsaemter-kontaktnachverfolgung-101.html

(4) 12.10.2020; RKI; SARS-CoV-2-Testkriterien für Schulen während der COVID-19-Pandemie (12.10.2020); https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Teststrategie/Testkriterien-Schulen.pdf

(5) 12.11.2020; Rubikon; Renate Reuther; Schluss mit lustig — Warum nun gerade nicht Ruhe, sondern Feiern Bürgerpflicht ist; https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-lustig-4

(6) 19.11.2020; Berlin.de, Der Regierende Bürgermeister von Berlin — Senatskanzlei, Informationen zum Coronavirus (Covid-19); Quarantäne-Regelungen der Bezirke; https://www.berlin.de/corona/massnahmen/quarantaene/

(7) 27.08.2020; Ruhr Nachrichten; Kindesentzug bei Quarantäne-Verstößen: NRW-Gesundheitsminister widerspricht Gesundheitsämtern; https://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/kindesentzug-bei-quarantaene-verstoessen-nrw-gesundheitsministerium-haelt-das-fuer-moeglich-1549903.html

(Titelbild) Kind, Schüler, Lernen, Schule; Autor: Gerd Altmann (Pixabay); 15.06.2017; https://pixabay.com/de/photos/lernen-mathematik-kind-m%C3%A4dchen-2405206/; Lizenz: Pixabay License

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