Journalistische Verstrickungen

Mediale Kompetenz steht im Widerstreit mit unseren Emotionen.


Wir Menschen sind im wahrsten Sinne des Wortes zuallererst fühlende Wesen. Gefühle steuern in großer Dominanz unser Leben. Auf ihnen bauen auch Journalisten ihre rationale, reflektierende Welt auf – jeder für sich selbst in einzigartiger Weise. Sind Journalisten sich dessen bewusst, wenn sie “unabhängig berichten”?


Vorab: Dieser Artikel betrifft keineswegs nur “echte” Journalisten. Denn im weitesten Sinne sind wir doch alle Journalisten. Immer dann, wenn wir selbst von Ereignissen berichten, erzählen wir unsere ureigene Geschichte von dem, was wir erfuhren.

Was ist Journalismus?

Wir könnten uns dazu fein granuliert an einer Definition von Journalismus abarbeiten. Was ich an dieser Stelle nicht für sehr zielführend halte. Versuchen wir einen großen Blick.

Die Macher der Webseite Online-Redakteur verstehen den “Traumberuf” des Journalisten als “wichtige gesellschaftliche Aufgabe” – wohl wahr (1)!

Ihre kurze und knackige Definition gefiel mir:

Du [als Journalist] informierst die Öffentlichkeit über Themen, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind. Du recherchierst und erstellst Beiträge für Print-, Rundfunk- und Onlinemedien.” (2)

Das war es dann auch schon, das Ganze klingt doch mehr als schlüssig – oder doch nicht?

“Themen, die von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung sind”


Das öffentliche Interesse

Unterbewusst und stillschweigend nehmen wir hin, dass es wohl irgendeine objektive Instanz geben wird, die “weiß”, was von allgemeiner Bedeutung, von öffentlichem Interesse ist. Das Gleiche gilt für “die Öffentlichkeit”. Was ist das, “die Öffentlichkeit”? Lernt man auf der Journalisten-Schule diese objektiven Kategorien kennen?

Zum Journalisten kann man sich zum Beispiel ausbilden lassen an der:

  • Axel Springer Akademie
  • Burda Journalistenschule
  • evangelischen Journalistenschule
  • Henri-Nannen-Schule
  • Georg von Holtzbrinck Schule für Wirtschaftsjournalisten
  • RTL Journalistenschule
  • Bayerischen Akademie für Fernsehen
  • Freien Journalistenschule
  • und weiteren

Mir geht es an dieser Stelle nicht um das sicher wertvolle technische Handwerkszeug, das man sich an diesen Bildungseinrichtungen aneignen kann. Es soll daher hier nicht weiter betrachtet werden. An welchen Maßstäben aber richten sich “Themen von allgemeinem Interesse”?

Wer findet die und macht sie publik – tatsächlich die Journalisten (a1)?

Oder ist es möglicherweise umgekehrt? Das heißt, der Journalist glaubte zu finden, bekam es aber vorgesetzt. Wobei das Vorgesetzte wiederum seinen Glauben von Wissen bestätigte?

Werden Themen nicht eher gezielt publik gemacht und erreichen in dessen Folge eine Wertstellung von “allgemeinem Interesse”?

Ein Beispiel – oder auch nicht – für Themen von “allgemeinem Interesse”:

 “EU kritisiert hunderte Festnahmen in Moskau” (3)

Es gab also hunderte Festnahmen in Moskau – warum auch immer.

Es gab in den letzten Monaten übrigens auch tausende Festnahmen in Paris – warum auch immer.

Wen interessiert es, dass die Europäische Union (EU) doppelte Standards auslebt, wenn es um freie Meinungsäußerung geht? Für die ARD-Tagesschau ist aber die “Kritik” der EU an russischen Sicherheitskräften von “allgemeinem Interesse” und wichtig für “die Öffentlichkeit”, die an französischen Sicherheitskräften nicht. Dann gehöre ich schon mal nicht zur Öffentlichkeit.

Einfach nur von etwas berichten, nämlich von Wertungen zu berichten und es anderswo zu lassen: Ja, das kann schon Propaganda sein.

Lernt man auf der Journalistenschule, auf solche “Kleinigkeiten” acht zu geben? Oder sind das Dinge, die man auf einer Schule gar nicht lernen kann?

Jeder drittklassige Politiker oder auch “Experte” kann in den Massenmedien warme Luft ablassen. Einzige Bedingung für die Freigabe des Podiums: Das Thema wie auch die Bewertung müssen von allgemeinem Interesse sein.

Falsch: Bedingung ist, dass das Thema wie auch die Bewertung von allgemeinem Interesse sein soll!

Zum Beispiel soll nicht von allgemeinem Interesse sein , dass die EU Kriege gegen andere Staaten führt, so wie sie gleichzeitig jene und weitere Staaten ihrer Ressourcen beraubt. Also wird das bei der ARD-Tagesschau auch nicht berichtet. Das, obwohl es hier um Krieg und Frieden, das Existenzielle an sich geht. Aber es passt einfach nicht in die Agenda, es soll nicht von allgemeinem Interesse sein. Wenn sich eine Redaktion dem unterwirft, was dann?

Dafür sensibilisiert zu sein, lernt man auf einer Journalistenschule ganz offensichtlich nicht. Wo könnte man so etwas dann lernen?

Kann man Journalismus im Sinne einer objektiv betriebenen Verbreitung von Informationen “allgemeinen Interesses” tatsächlich leben?

Es soll oder es soll nicht von allgemeinem Interesse sein, dient der Absicht, dem eigentlichen, aber in der Regel nicht oder nur verklausuliert formulierten Zweck. Für so etwas verwendet man intensiv die Methode des Framing und bettet das Ergebnis in eine Agenda. Schlüssigerweise wird die Definition der Agenda für den Konsumenten in den Sozialwissenschaften Agenda Setting genannt. Daran dürfen sich die Konsumenten fortan abarbeiten, aufreiben, ja zerfleischen. Das Agenda Setting ist Mittel zum Zweck und also keinesfalls gleichzusetzen mit dem Zweck. Vielmehr lenkt die Agenda im politischen Geschehen sehr oft und dann ganz gezielt vom eigentlichen Zweck ab.

Vereinfacht gesagt und auf obiges Beispiel bezogen läuft das so:

Lasse alles weg, was der Zielerreichung im Wege steht und betone das, was ihr dient. Daher muss sich das “demokratische Frankreich” der “gewalttätigen” Gelbwesten erwehren, das “undemokratische Russland” aber unterdrückt die “friedliche Opposition”. Bringe dafür einerseits reichlich “passende” emotionale (!) Wertungen ins Spiel oder zitiere “passende” Wertungen – am besten von “Experten”. Wiederhole dazu die dünnen, selbstredend ebenfalls auf die Absicht reduzierten und damit “passenden” Fakten immer und immer wieder. Niemand kann Dich in der Folge einer speziellen Lüge bezichtigen. Ohne offensichtlich zu lügen, gelingt es Dir so, ein verzerrtes Bild der Realität zu zeichnen – eines im Sinne der Zielerreichung.  Mache auf diese Weise bestimmte Meinungen zur scheinbar “allgemeinen Meinung”, zur Meinung der Öffentlichkeit.

Die Absicht dahinter ist emotional und sie ist sehr scharf gezeichnet. Sie trennt, sie fordert auf, Position zu beziehen. Sie will uns verstricken. Sie fördert unsere Ängste und daraus schließlich den Hass. Welche Absichten die Agenden im Beispiel verfolgen, kann der geneigte Leser selbst herausfinden. Sie zeigen sich in der handfest umgesetzten Politik.


Das heißt aber auch, dass die Initiatoren der Agenden selbst in Emotionen gefangen sind, eben Jenen, die auch die unseren werden sollen. Damit wir uns mit ihnen solidarisieren. Das ist Parteinahme, die uns verpflichtet, auch zum Handeln wider unserer emotionalen Natur! Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Emotionen und Ideologien. Ideologien wiederum werden sehr freizügig mit Werten gleichgesetzt.


Wir können sehr sicher davon ausgehen, dass an journalistischen Bildungseinrichtungen – neben dem technischen Rüstzeug – sehr stark Werte vermittelt werden.

Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche, sondern immer um DIE Werte. Werte haben einen Alleinvertretungsanspruch. Auch und gerade die uns vermittelten, beigebrachten, unterrichteten Werte haben ihn. Das ist nicht zu verwechseln mit den Werten, die wir im Zuge unserer Sozialisierung von frühester Kindheit an selbst entwickeln. Nein, gemeint sind die Werte, die wir uns in einer konditionierenden Atmosphäre erarbeiten, zu Eigen machen. Gemeint sind Werte, die anderen Köpfen entsprangen und nun zu den unseren werden sollen.

Aus gutem Grund fließen Werte überproportional in das Agenda Setting ein – das allein konterkariert bereits Journalismus. Denn als emotionale Konstrukte beeinflussen diese Werte auch primär den emotionalen Teil unseres Gehirns, das limbische System. Wenn Werte ins Spiel kommen, werden wir deshalb sehr nachvollziehbar zuallererst emotional getroffen.

Das gilt natürlich auch für Journalisten und in Folge für die Leser.

Journalismus – das Führen von Journalen zum Zeitgeschehen – ist ein Anspruch, keine umsetzbare Vorschrift. Wie könnte das aussehen?


Journalismus als Anspruch

Wie jedes Handeln ist auch ehrlicher, authentischer Journalismus untrennbar mit der Verantwortungsnahme für das eigene Tun verbunden. Wenn sich Journalismus hinter Opportunismus und Unterordnung einreiht, wird es zu einem Teil von Macht getriebener Propaganda. Die Art und Weise der Propaganda wird durch den Machtanspruch und seine Ideologie bestimmt. Doch egal welche es auch sein mag, ist guter Journalismus aufgerufen, sich dieser zu entziehen. Das ist äußerst ambitioniert!

Journalismus verbietet – so meine ich – nicht eine nach außen bekundete Parteinahme. Doch die Parteinahme kann tatsächlich nur die ureigene Haltung betreffen, nicht die Fremdbestimmte, Ideologisierte. Das Eine von dem Anderen zu trennen, ist nicht so einfach. Dafür müssen wir fähig sein, uns selbst ehrlich wahrzunehmen. Wir benötigen Abstand, um unsere eigenen Emotionen einordnen zu können, auch die Quellen der Emotionen.

Die bekundete Parteinahme, also die eigene – auch emotionale geprägte – Überzeugung, verlangt zudem ein wohldosiertes Maß an Zurückhaltung. Mit gelebter Verantwortung werden wir versuchen, so deutlich wie möglich, die Sachinformation von unseren Überzeugungen zu trennen.

Authentisch zu sein, ist ein universeller Anspruch und betrifft demnach unser gesamtes Tun, also auch das Geschichten erzählen – Journalismus.

Der Anspruch an Objektivität im Journalismus ist gut, aber es muss uns klar sein, dass er nur eingeschränkt umsetzbar ist. Denn wir zeichnen nicht maschinenhaft auf, sondern nehmen mit Emotionen wahr. Auch wenn wir das Wahrgenommene und sogar unsere emotionale Betroffenheit ehrlich verarbeiten, werden diese Emotionen auf die eine oder andere Weise in den Bericht “rutschen”.

Wie gesagt, ist Journalismus das Aufzeichnen von Ereignissen, das Führen eines Journals. Die Ereignisse bekommen einen Zeitstempel und werden in den Kontext zu anderen Ereignissen gesetzt, die zur gleichen oder zu anderen Zeiten stattfinden. Es wird etwas erzählt (4,5,a2).

Immer fließt in das Journal der Versuch des Verstehens, das Bemühen um eigene Klarheit ein. Das beginnt bereits mit der Auswahl der Teilinformationen zum übergeordneten Thema. Journalismus bedeutet, Geschichten von Ereignissen zu erzählen. Die entstandenen Geschichten erzählen aber auch über den Schreiber selbst. Sein zuvor schon manifestiertes inneres Bild vom Umfeld eines Ereignisses fließt in die Geschichte ein und verändert sie dadurch in seinem oder fremden Sinne. Je unbewusster wir das tun und je stärker unser Unterbewusstes dafür benutzt wird, desto stärker wird eine Emotionalität auch in die Erzählung eingehen.

Das ist die Herausforderung: sich des Unterbewussten, unserer Emotionen bewusst zu werden.

Tun wir das nicht, verlieren wir die Distanz, verstricken uns in die Erzählung, werden als Mittler einer Agenda Teil der Geschichte, leben in dieser unsere Sympathien und Antipathien aus, werden parteiisch im Sinne einer Ideologie. Daher ist Distanz auch zeitlich wichtig. In einer redaktionellen Welt, die ständig mit Zeitdruck konfrontiert wird, lässt sich nicht Distanz aufbauen – vor allem nicht die Distanz zur potenziell jederzeit möglichen eigenen Verstrickung in das betreffende Thema.

Oft ist es aber so, dass zwar von Werten gesprochen wird, aber tatsächlich Feindbilder gelebt werden. Die vermittelten Werte dienen dabei direkt und entgegen ihrem Inhalt dazu, in Menschen Schuldgefühle zu provozieren, über die sie dann manipulierbar für die Feindbild-Träger werden.


Werte als Fassade

Die von mir weiter oben und zuerst genannte Journalistenschule ist die Axel Springer Akademie. Julian Reichelt von BILD ist Absolvent von Crew XVI der Axel Springer Akademie im Jahre 2003 (6). Stellungnahmen von ihm atmen seine mit großer Überzeugung gelebten Werte.

Julian Reichelt ist im Krieg – und zwar in seinem ganz eigenen Krieg. Wenn man das begriffen hat, versteht man auch warum der Mann so auftritt (7). Er hat keine Achtung und keinen Respekt vor anderen Menschen (8). Zwar nicht seine, aber die von ihm verinnerlichte Meinung ist die einzig Wahre (9). Denn er ist ideologisiert und Ideologien dulden keine andere neben sich. Er ist ohne Würde und Selbstachtung, er ist ein Zyniker. Weil er sich selbst hasst. Er ist permanent emotional in die Ereignisse verstrickt und damit unfähig, Distanz zu diesen aufzubauen. Solche Menschen sind ideal dafür geeignet, um von beliebigen (!) Ideologien eingefangen zu werden.

Julian Reichelt lebt nicht die Rolle eines Journalisten, sondern die eines Kriegers.

Sein Charakter wurde Julian Reichelt sicher nicht auf der Axel Springer Akademie eingeimpft. Aber im Zuge der zu vermittelnden Werte des Springer-Konzerns schien dieser Charakter bestens zur Nutzung geeignet. Was interessiert es mich, wie erfolgreich Julian Reichelts Studium bei der Axel Springer Akademie von der technischen-akademischen Warte aus war? Es ist irrelevant. Relevant ist, dass er ein ideologischer Grabenkämpfer, somit auch selbst extrem geframt und vor allem permanent auf Spaltung gebürstet ist. Er ist in der Lage, ein Feindbild nach dem Anderen aus dem Hut zu zaubern, nur damit er sich nicht mit seinem Selbsthass beschäftigen muss. Ungeachtet der Charakteristika, die auf Kriegsfuß mit anspruchsvollem Journalismus stehen, wurde Julian Reichelt am 1. März 2018 zum Chefredakteur der BILD (Druckausgabe) berufen (10).

Oder wurde er gerade deshalb BILD-Chefredakteur?

Außerdem suchen solche Menschen Ihresgleichen. Ihresgleichen muss nicht auf der Axel Springer Akademie studiert haben. Sie werden gesucht, gefunden, gefördert. Julian Röpcke ist praktisch die Geschichte des “Tellerwäschers der Massenmedien”. Er hat keinerlei journalistische Vorbildung und trotzdem hat er es – so lässt es sein ganzes Auftreten vermelden – zu etwas gebracht. Denn Herr Reichelt hat ihn auf einen Schlag “groß” gemacht. Es sind Brüder im Geiste. Julian Röpcke fühlt sich im eigenen Wesen durch das des Julian Reichelt bestätigt – und umgekehrt. Dass Julian Röpcke auch JihadJulian genannt wird, ist keinesfalls eine Abwertung, sondern stellt seine selbst und intensiv gepflegte Solidarität zu den “syrischen Rebellen” dar. Deren Videos teilt er gern im Netz. Nur handelt es sich bei “seinen Rebellen” zweifelsfrei um Jihadisten, um fanatische Gotteskämpfer – Ideologen so wie Julian Röpcke (11).

Solche Leute können bei BILD aufsteigen. Da gibt es auch keine sozialen Ausgrenzungen. Wer sich der Ideologie der BILD-Familie anpasst, hat Aufstiegschancen.

Eine Journalistenschule – so lässt sich diesbezüglich schlussfolgern – könnte auch ein Neutrum sein. Ein Neutrum, wenn es um das Grundsätzliche des Journalismus geht: Aufrichtigkeit, Achtung und Respekt vor anderen Menschen, die Fähigkeit unvoreingenommen unterschiedliche Sichten einzunehmen und diese Sichten auch in der Berichterstattung angemessen zu würdigen (a3).

Ein guter Journalist ist friedensfähig und lebt das in seiner Arbeit auch konsequent.

Julian Reichelt und Julian Röpcke vertreten in hervorragender Weise die Interessen des Medienkonzerns Axel Springer. Der ist in gleicher Weise seinen Aktionären verpflichtet. Aktionäre sind auf Rendite gebürstet, nicht auf freien, kritischen Journalismus. Der US-amerikanische Investor KKR – nicht ohne Grund auch als “Heuschrecke” bekannt – kauft derzeit fleißig Aktien bei der BILD-Mutter. Es sollen einmal 20 Prozent des gesamten Aktienkapitals von Springer sein. Damit ist dann das Medienhaus auch diesem Investor verpflichtet. Diese Verpflichtung tragen alle Geschäftsausübenden mit, Redakteure, Reporter und Journalisten. Dort sind sie tatsächlich – die verbindlichen Werte, die des Kapitalismus (12,13).

Wenn wir BILD konsumieren, konsumieren wir auch die über dieses Blatt transportierten Ängste. Ängste sind in ihrer emotionalen Wertigkeit überragend, daher verstricken wir uns auch sehr schnell, wenn man uns die Ängste “mundgerecht” mit “passenden” Objekten assoziiert. Wir suchen die dadurch konstruierten Situationen aufzulösen, wir fliehen oder werden aggressiv oder wir verharren passiv – sediert. Die Angst selbst ist dadurch in keiner Weise gebannt oder gar aufgelöst. Das kann nur eines: Mut!

Frieden bedarf vor allem des Mutes.

Letztlich ist die Absicht zum Frieden sicher nicht der schlechteste Kompass für guten Journalismus. Wird solch Mut an Journalistenschulen gelehrt?

Der folgende Gedanke ist für mich sehr reizvoll, er streichelt meine eigenen Emotionen, nur: Wenn ich Julian Röpcke sein bellizistisches Mundwerk mit Panzer-Tape zuklebe, hatte ich keinen Mut. Vielmehr ist meine Angst in Aggression umgeschlagen.

Wichtig ist mir daher noch dieses: Spiegeln wir das Ganze! Achten wir darauf, dass unsere Erzählungen, Berichte, Journale nicht – unterbewusst, also emotional getriggert – ihrerseits die Absicht verfolgen, die andere Seite abzuwerten. Allein schon die Betrachtung als “die andere Seite” birgt die Gefahr der Abwertung und Respektlosigkeit.

Bitte bleiben Sie in diesem Sinne schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(a1) Natürlich gibt es nicht DIE Journalisten. Die Kritik bezieht sich auf den Journalismus, der für Eigeninteressen tendenziös, selektiv und parteiisch berichtet und der leider nach wie vor dominierend auf die Medienlandschaft wirkt. Der Verfasser ignoriert auch nicht, dass diese zweifelhafte Art von Journalismus auch außerhalb des Mainstreams gehäuft anzutreffen ist.

(a2) Was das Führen von Journalen, das Aufzeichnen von Berichten angeht, wird auch oft unterschieden zwischen dem (allgemeinen) Journalismus und Journalistik.

(a3) Wenn auch die Persönlichkeit des Julian Reichelt im Kontext zur Axel Springer Akademie besonders krass ausfällt, so soll dieser Artikel trotzdem keinen Verriss von Journalistenschulen darstellen. Er möchte aber klar auf die Grenzen solcher Einrichtungen hinweisen.

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.

(1,2) https://www.online-redakteur.biz/journalist; entnommen: 20.7.2019

(3) 28.7.2019; https://www.tagesschau.de/ausland/opposition-moskau-109.html

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Journal_(Magazin); abgerufen; 27.7.2019

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Buchf%C3%BChrung#Journal_(Grundbuch); 27.7.2019

(6) https://www.axel-springer-akademie.de/teams.html; abgerufen: 27.7.2019

(7) Jens Berger; 15.3.2018; https://www.nachdenkseiten.de/?p=42945#more-42945

(8) 16.3.2019; https://koenig-haunstetten.de/2019/03/16/das-mediale-massaker-des-julian-reichelt/

(9) 22.2.2019; https://meedia.de/2018/02/22/interview-mit-rt-international-zum-bild-coup-auftritt-von-titanic-redakteur-bei-kreml-nahem-sender-stoesst-auf-kritik/

(10) https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Reichelt; abgerufen: 28.7.2019

(11) Wolfgang Jungmann; 24.11.2015; https://spiegelkabinett-blog.blogspot.com/2015/11/jihadjulian-ropcke-von-bild.html

(12) Gregory Lipinski; 26.7.2019; https://meedia.de/2019/07/26/668-erreicht-us-finanzinvestor-kkr-hofft-im-schlussspurt-des-springer-deals-auf-grosse-fonds/

(13) Rolf-Herbert Peters; 22.9.2008; https://www.stern.de/wirtschaft/news/heuschrecken-investoren-kaufen–pluendern–wegwerfen-3754228.html

(Titelbild) Journalist, Kamera; Autor: AndyLeungHK (Pixabay); 5.5.2014; https://pixabay.com/de/photos/hongkong-medien-kamera-journalist-2654533/; Lizenz: Pixabay License

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