In den Fängen der Strippenzieher

Am 9.November 2016 wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neuer Präsident gewählt. Die Art und Weise wie der zuvor statt gefundene Wahlkampf von den westlichen Medien begleitet wurde, wie auch die Reaktion auf den Entscheid der Wahlmänner, wirft ein entwaffnendes Licht auf die sogenannte vierte Gewalt im Banne der fünften Gewalt. Selten wurde die Verquickung von Macht und Medien so offenbar, wie als ein Kandidat wider die etablierten Eliten zum Präsidenten gewählt wurde.


Es ist ein sich ewig wiederholendes Ritual, dass alle vier Jahre in den USA geboten wird. Die zwei großen Parteien der USA, die Republikanische – und die Demokratische Partei ermitteln ihren Kandidaten für das Präsidentenamt und die Wahlmänner der US-amerikanischen Bundesstaaten entscheiden sich für Einen von Beiden. Wer die meisten Stimmen (der Wahlmänner) holt, wird als neuer Präsident im Januar des Folgejahres vereidigt. Zuvor tingelten die Kandidaten wochenlang durch das Land, um ihr Programm vorzustellen und so auf Stimmenfang zu gehen.

Sponsoring versus Demokratie

Um diesen bei jeder Wahl an Gigantismus anwachsenden propagandistischen Aufwand schultern zu können, buhlen die Parteien und Kandidaten um Spenden. Je höher die Summen, desto höher die Präsenz in den Medien und die entsprechende Meinungsbildung beim Wahlvolk.

Die Sponsoren finanzieren ihre Favoriten aus sehr simplen Motiven heraus. Sie versprechen sich Vorteile für sich selbst bzw. die hinter ihnen stehenden Netzwerke. Idealerweise kommt ihr Kandidat sogar aus den eigenen Netzwerken. In einem auf finanziellen Erfolg getrimmten System ist es natürlich von größter Wichtigkeit, Zugang zu den Finanzquellen zu erhalten. Der Staat als größter Schuldner des Landes ist dies ja nur deshalb, weil er auch der größte Auftraggeber und Lohnzahler ist. Privatwirtschaftlich geführte Unternehmen sind vorrangig daran interessiert, den Staat als Melkkuh, als zuverlässigen Auftraggeber zu aquirieren.

Hierfür müssen entsprechend demokratisch gewählte Vertreter in ihren Machtpositionen die gewünschten Entscheidungen treffen. Das geht über die Innenpolitik hinaus, denn durch außenpolitische Entscheidungen, bis hin zum Krieg, lassen sich ebenfalls Aufträge für die Förderer der in Macht gehievten Politiker generieren.

Hinter den Gönnern lassen sich auch die Gewinner der an den Grenzen seines selbst auferlegten Wirtschaftswachstums angelangten kapitalistischen Sytems erkennen. Es sind die Hedgefonds und Investmentgesellschaften sowie die mit ihnen verbundenen Kreditbanken; teilweise verschmolzen in einem unüberschaubaren Casino-System.

Dieser wirtschaftliche Aspekt des US-Wahlkampfes konterkariert natürlich das, was sich Bürger eines demokratischen Landes unter einer demokratischen Wahl vorstellen. Das wissen die Nutznießer des Systems auch und deshalb muss eine Geschichte neben der wirklichen Geschichte gestrickt werden. Das nennt man Propaganda und sie dient also dazu, das Wesen hinter der mit pathetischen Worten gepriesenen Demokratie zu verbergen.

Halten wir kurz inne.

Das ist tatsächlich der Kern unter der Hülle einer – Jahrhunderte lang entwickelten und als bislang fortschrittlichsten Projekts menschlicher Gesellschaften bezeichneten – Demokratie? Und wenn ja, war sie das schon immer? Oder wurde ihr fortschrittlicher Gedanke ursupiert? Ist Demokratie möglicherweise nur eine propagandistische Floskel, um dem Raubtier-Kapitalismus ein menschliches Antlitz zu geben?

Immer wieder Avaaz

Der Blog nocheinparteibuch hat vor einiger Zeit die Sponsoren der Kandidaten für die US-Präsidentenwahl des Jahres 2016 unter die Lupe genommen. Schauen Sie einfach mal dort rein. Als größter Finanzier der Hillary Clinton erscheint die Soros Foundation. Ein Kind der Soros Foundation, Leser meines Blogs wissen das bereits, ist die Kampagnen-Plattform Avaaz. Diese rühmt sich ihres selbstlosen Kampfes für demokratische Werte. Aber schauen Sie mal, was Avaaz nach Trumps Wahlsieg für eine Kampagne startete:

„Liebe Freundinnen und Freunde,

das Unvorstellbare ist passiert. Präsident Trump.

Und schlimmer noch: Jedes Dorf hat seine Donald Trumps, die unsere Demokratien bedrohen.

Das Wichtigste in diesem Moment ist, dass wir eine weltweite Bewegung aufbauen, um sie zu stoppen. Über zwei Millionen von uns haben den offenen Brief von der Welt an Donald Trump unterzeichnet und er ist in vielen wichtigen Medienberichten erwähnt worden.“ [1]

Erkennen Sie sofort die Verlogenheit? Diese Frage ist keine Rethorische, ich denke, ein Großteil der Bevölkerung erkennt die Verlogenheit eben nicht.

Fünf Textstellen habe ich hervor gehoben. Fünf Textstellen, die aggressiv auf Ihr Unterbewusstes zielen, Emotionen bei Ihnen wecken und den reflektierenden Verstand aus hebeln sollen.

„Das Unvorstellbare ist passiert“.

Was Sie verinnerlichen sollen:

Das Schlimmste für Sie, für alle, es ist eingetreten. Die Demokratie, mehr noch, SIE sind gefährdet. Der Dämon hat sich an die Macht geschlichen. Wir müssen jetzt alle große Angst haben. SIE sollen Angst haben. Stellen SIE sich auf Kampf ein, um der Gefahr entschlossen und ohne Zweifel entgegen zu treten.

Was aber ist denn das Unvorstellbare? Es handelt sich um das Ergebnis einer demokratischen Wahl nach US-Gustus, wie sie seit fast einem viertel Jahrtausend stattfinden. Einer der Kandidaten hat die Mehrheit der Stimmen der Wahlmänner erhalten, das nach geltendem US-amerikanischen Recht, und genau dafür, um dem Land als Präsident vor zu stehen.

Wer meint, dieses demokratische Prozedere durch eine (sehr, sehr mild ausgedrückt) außerparlamentarische Kampagne elitärer Strippenzieher negieren zu können, ist undemokratisch. Und genau das macht Avaaz, aber was bedeutet das?

Bereits im ersten Satz zu ihrer Kampagne hat Avaaz offenbart, wie zutiefst undemokratisch sie sind. Sie sind ein Feind demokratischer Regeln. Ergebnisse demokratischer Prozeduren erkennen sie nicht an, wenn es nicht ihren ureigenen privaten Interessen entspricht.


„Jedes Dorf hat seine Donald Trumps, die uns bedrohen.“

Was Sie verstehen sollen:

Seien Sie vorsichtig. Böse Menschen wie Donald Trump lauern überall, auch in Ihrem Umfeld. Denken Sie daran, dass Sie zu den Guten gehören und geben Sie sich nicht mit Leuten ab, die versuchen ein differenziertes Bild von Trump zu zeichnen. Denken Sie daran, er ist Ihr Feind.

Die Gleichen, die gerade formuliert haben, dass ihnen demokratische Prozesse völlig egal sind, wenn die Ergebnisse nicht ihren Interessen entsprechen, werfen Demokratie-Feindlichkeit einem Donald Trump vor – aber nicht nur ihm! Sie betreiben eine Ausgrenzungs-Kampagne, sie sorgen für einen diffamierenden Umgang mit Andersdenkenden, sie zünden den Hassfaktor und sie disziplinieren Menschen, ja auf der „richtigen Seite“ zu stehen.

Avaaz hat also in zwei Sätzen die Demokratie mit Füßen getreten und die Menschen zu Diffamierung, Ausgrenzung und Hass aufgerufen.


„den offenen Brief von der Welt an Donald Trump“

Was Sie glauben sollen:

Die ganze Welt steht gegen den bösen Donald Trump. Schließen Sie sich nicht aus. Seien auch Sie Teil der guten Welt.

2016-11-18_avaaz_versus_trumpHaben Sie die Lüge erkannt? Wir nehmen Dinge oft als gegeben hin, so als ob es eherne Naturgesetze wären. Natürlich ist gerade NICHT die ganze Welt gegen Donald Trump. Das ist auch der Grund, warum Avaaz solch eine Kampagne startete. Denn die Strippenzieher um Soros und Co. wollen eben, dass Sie hassen. Sie wollen den geistigen Krieg in IHNEN gegen Trump entfachen, weil, wenn das gelingt, auch spätere politische Spielchen, die zutiefst undemokratisch sind, von ihnen akzeptiert werden.

Avaaz ist also undemokratisch, ruft zu Ausgrenzung und Hass auf und lügt Sie außerdem an!


„um sie zu stoppen“

Was Sie bedingungslos hinnehmen sollen:

Wir müssen sie stoppen. Irgendwie, aber es muss gelingen. Wir müssen, wir sind dazu moralisch verpflichtet.

Fällt Ihnen etwas auf? Trump wird nicht direkt genannt, so weit geht man dann doch nicht. Dafür ist es irgend Jemand, wer auch immer. Wir nennen sie nicht, aber sie sind gefährlich und sie sind unter uns. Im faschistischen Deutschland gab es diese Plakate: „Feind hört mit!“. Sie werden aufgefordert, zu denunzieren! Worin jetzt speziell die Gefahr liegt, müssen Sie nicht wissen, ein dumpfes Angstgefühl in Ihnen genügt. Aber seien SIE bereit, jene Irgendwelchen zu stoppen. SIE erhalten zum gegebenen Zeitpunkt Anweisungen von uns. Sie müssen jetzt nicht groß nachdenken, wir arbeiten schon daran.

Der demokratische Prinzipien tretende und Hass erfüllte wie verlogene Aufruf bringt IHNEN auch noch Verachtung entgegen, denn er mutiert Ihre Rolle als Mensch zu der eines ausführenden Zombies.


„und er ist in vielen wichtigen Medienberichten erwähnt worden“

Was Sie nicht hinterfragen sollen:

Alle sagen es, deshalb ist es richtig und gut.

Was sind wichtige Medienberichte? Wer entscheidet, was wichtig ist? WELCHE Medien sind es denn, die es erwähnten? Ihnen wurde ein Argument unter geschoben, das keines ist. Ein geradezu alberner propagandistischer Trick, aber inhaltlich nichts sagend. Sie werden an dieser Stelle zusätzlich noch für dumm verkauft. Tja, so werden SIE von den Avaaz-Aktivisten wahr genommen.

Und (so Sie auf diese Petition stießen), haben Sie unterschrieben?

Was mir dabei wichtig ist: Haben Sie erkannt, dass es mir weder um die Politik Hillary Clintons noch um die Donald Trumps ging? Es ging einzig darum aufzuzeigen, dass die Avaaz-Kampagne eine niederträchtige propagandistische Hetze ist, zu der SIE ausdrücklich eingeladen wurden.

Netzwerke und Medien

Die Netzwerke welche ihre Kandidaten lancieren, finanzieren nicht nur deren mediale Präsenz, oft gehören ihnen sogar die Medien selbst oder sie besitzen großen Einfluss auf selbige. Letztlich gibt es in den USA keine unabhängigen Medien, denn alle sind als Privatunternehmen ihren Aktionären oder Besitzern verpflichtet. Und in Deutschland?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein derartiges Bashing von Medien und Politikern gegenüber dem Präsidentenschafts-Kandidaten einer der beiden großen US-Parteien erlebt zu haben. Und was das Ganze noch verschärft: Dieses Bashing wurde auch von den Medien in West- und Mitteleuropa durchgezogen. Hetze gegen unliebsame politische Repräsentanten unliebsamer gesellschaftlicher Systeme oder auch Gruppen war in den vergangenen Jahren ja zum Alltag in den Massenmedien geworden. Was die USA betraf, war es jedoch ein Tabu. Deren Politik wurde eins zu eins vertreten und Abweichungen umgehend als Anti-Amerikanismus verunglimpft.

Nicht mehr im Jahre 2016.

Das Weitertragen der US-Politik lässt sich mit den diversen transatlantischen Netzwerken erklären, welche politisch Handelnde in Europa eng an das Establishment der USA binden. Das sind solche wie:

Nehmen Sie sich ruhig mal Zeit und recherchieren, wer diese Institutionen finanziert, mit welchen Konzernen, Banken, Investmentgesellschaften und Denkfabriken bis hin zu Bildungseinrichtungen sie verbunden sind und welch große Schar von Journalisten sich dort ein Stelldichein gibt.

Aber irgend etwas passt hier nicht.

Unter transatlantischen Netzwerken stellen wir uns gern eine homogene Struktur europäischer Medien, Politik und Konzerne mit den Eliten der USA vor. Dabei verfallen wir oft dem vereinfachenden Gedanken, dass es sich um eine Gruppe gleich Gesinnter handelt, die als verschworene Gemeinschaft den amerikanischen Traum auf der ganzen Welt verbreiten will (was auch immer sie darunter verstehen mögen).

Das aber ist eher nicht der Fall und das zeigt die Reaktion der Medien. Sie und auch die Politik sind ganz offensichtlich mit einer ganz bestimmten Elite der USA verbunden. Und ganz offensichtlich waren alle US-Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte Präsidenten genau jener Elite und die Netzwerke behandelten „ihre“ Präsidenten entsprechend wohl wollend; mochte ihre Politik, gerade nach außen, noch so verheerend gewesen sein.

Im Umkehrschluss haben die großen Medien zwar den Zugang zu den beherrschenden Eliten in den USA (die einen gewissen Filz mit europäischen Machtkartellen bilden) exklusiv. Sie sind behütet und umsorgt, aber auch ideologisch vollständig vereinnahmt. Und damit fehlt ihnen der Zugang zu anderen Interessengruppen; in den USA wie in Europa. Sie haben sich durch ihre einseitige Fokussierung in eine geistige, ideologische Isolation gebracht.

Gerade dass Trump so von den Medien bearbeitet wird, zeigt doch, wie abhängig die Massenmedien von bestimmten Seilschaften sind. Das Feindbild Trump ist Ergebnis der Meinungsbildung durch die ideologischen Netzwerke. Die etablierten Meinungsverbreiter hier in Deutschland können sich eine Zuwendung zu allen anderen politisch-ideologischen Richtungen außer der, aus deren Töpfen sie genährt werden, nicht vorstellen.

Nicht nur der König ist nackt

In einem hoch interessanten Beitrag hat der Blogger Analitik Im Oktober 2016 thematisiert, dass wir endgültig in eine multipolare Welt eingetreten sind. Und er wies, angesichts der Reaktionen aus den Spitzen der US-Politik darauf hin: „Der König ist nackt!“ Wer die seit Ende September 2016 verkündeten Statements von US-Regierungspolitikern (in den ungeschnittenen Originalen!) verfolgt, könnte dem zustimmen. Denn dort ist viel von Mäßigung und Deeskalation als Forderung an die eigene Politik die Rede.

Die in der Falle der eigenen Spin-Doktoren gefangenen großen Medien dagegen taten so, als ob es diese umwälzenden Veränderungen schlicht nicht gäbe. Sie vermittelten unverdrossen das Bild (US-)amerikanischer Stärke und tönten jede Kritik, gerade an der verheerenden US-Außenpolitik mit Bekenntnissen zur (US-)amerikanischen Solidarität hinweg.

Die großen Medienlautsprecher sprachen immer fort vom Anti-Amerikanismus, wenn es darum ging, Kritik oder gar nur abweichende Meinungen weg zu bügeln. Was nicht erkennbar wurde, war die Tatsache, dass diese Meinungsverbreiter selbst zutiefst anti-amerikanisch waren. Bewusst war jenen das nicht und ist es auch heute nicht. Aber mit der fern gesteuerten Medien-Kampagne gegen Donald Trump wurde es offensichtlich:

Auch die selbst ernannten Leitmedien sind nackt!

Ihre Hetze gegen Trump und ihre Ausfälle gegen die US-amerikanischen Wähler, ihre Verletzung von Regeln des Anstands und der Achtung Andersdenkender verriet allen Menschen, dass es keine (US-)amerikanischen Werte sind, welche diese Medien vertreten, sondern ganz einfach Interessen von Eliten. Der ganze Sprachwust von freiheitlich-demokratischen Werten wurde als verlogene Kaschierung dieser Interessen geleiteten Berichterstattung für den aufmerksamen Beobachter nun besser sichtbar.

Im Sinne ihrer Auftraggeber und gefangen in der eigenen Indoktrination wird den Menschen jedoch weiterhin eine (Wunsch-)Welt vorgetäuscht, die ganz und gar nicht der Realität entspricht. Wie das umgesetzt wird, unterscheidet sich praktisch in Nichts von dem, was Kampagnen-Plattformen wie Avaaz (s.o.) veranstalten. 

Ein Beispiel von Möchtegern-Journalismus

Schauen Sie mal, wie eine der größten Gazetten Deutschlands, die Süddeutsche Zeitung jeden Anstand, jeden Abstand, jeden Journalismus, jede Abwägung in der Wertung vermissen lässt. Einfach nur um sich dem Hass gegen ein neues Feindbild (trainiert an vielen vorherigen Feindbildern) hin zu geben:

„Ein Narzisst, ein notorischer Lügner, ein Sexist, ein Rassist, ein Chauvinist, ein Populist, ein Demagoge – vielfach belegt in diesem anderthalbjährigen Wahlkampf, so drastisch es auch klingen mag – ist nun das, was man gemeinhin mächtigster Mann der Welt nennt. Die Vorstellungskraft auch vieler Politiker reicht noch nicht aus, um die Folgen dieser Wahl abzuschätzen. Dass er die USA in gewaltige Probleme stürzen wird, ist jedenfalls keine sonderlich gewagte Vorhersage.“ [2]

Solch freimütigen wie unqualifizierten und beleidigenden Äußerungen gegenüber der jahrelang Kriegs treibenden Hillary Clinton hätte Herrn Gierke eventuell den Job gekostet – übrigens völlig zu Recht. Warum nicht hier?

„Wird er wirklich die Mauer zu Mexiko bauen? Wird er Muslime nicht mehr einreisen lassen? Wird er Millionen illegale Einwanderer abschieben? Wird er die USA aus der Nato herausführen? Wird er die USA wirtschaftlich und politisch isolieren?“ [2]

Achten Sie auf die Gefühle, die Sie empfinden, wenn Sie das lesen. Aber achten Sie auch mal darauf, was Gierke nun folgen lässt:

„Die Welt muss sich vor den USA mit einem solchen Präsidenten durchaus fürchten, doch diesmal löst nicht Amerikas Übermacht die Furcht aus, sondern die brutale Schwäche des Landes, verkörpert durch den oft geradezu pubertär-aggressiven Präsidenten. Trump ist die Verkörperung eines kranken Systems. Ein System, das zu lange zu viele Verlierer produziert hat.“ [2]

Oh je, da hat sich der Propagandist verquatscht. Ist es Ihnen auch aufgefallen?

Von welchem „kranken System“ redet da der SZ-Redakteur? Und er legt noch nach und meint, dass dieses System „zu lange zu viele Verlierer produziert hat“. Ich finde das lustig; diese ungewollten Offenbarungen. Weil die natürlich beim aufmerksamen Leser Fragen produzieren. Zum Beispiel was das für eine „Krankheit“ ist, von der das System befallen ist. Denn zweifellos ist es krank und genau deshalb wurde auch Hillary Clinton, als eine Gallionsfigur für die Krankheit des Systems nicht gewählt.

Aber genau da liegt das Problem. Selbstkritik ist nicht das Ding der an den neokonservativen Eliten der USA klebenden Leitmedien Deutschlands. Hier wäre sie dringend angebracht, um auch mal die Rolle über die eigene dienernde, positiv einseitig wie selektive Berichterstattung im Kontext der führenden Weltmacht zu hinterfragen.

Wir selbst im Banne der Strippenzieher

Und wir? Gebannt schauen wir nach Nordamerika; hoffend, bangend, welche Politik dort wohl in den kommenden Jahren verfolgt werden wird. Wir haben schon wieder Platz genommen in einem neuen Reality-Streifen. Wir tun so, als ob wir nur das wertende, mehr oder weniger wissende Publikum sind. Wie eben im Colosseum von Rom vor zwei Jahrtausenden beschränkt man uns, nein, beschränken wir selbst uns darauf, über andere Menschen zu urteilen, zu richten, um uns dann selbstgefällig wieder zurück zu lehnen.

Dabei unterscheidet sich der Staat Bundesrepublik Deutschland von den USA prinzipiell überhaupt nicht in seinem wirtschaftlich erpresserischen Gebaren; sowohl im eigenen Land als auch gegenüber anderen Staaten. Deutschlands politischer Vormachtsanspruch, seine Arroganz ethisch-moralisch über anderen Gesellschaften zu stehen, ist kein bisschen kleiner, als der der USA. Das wirtschaftlich-politisch-militärische Auftreten Deutschlands geht weit über die einer Vasallenrolle hinaus, die manche ausschließlich zu sehen bereit sind.

Dieses Verhalten des Staates wird von uns allenfalls als Zuschauer bewertet. Und bei all dem geht Eines unter: Unsere tatsächliche eigene Rolle in diesem Schauspiel. Unsere Rolle, die sich darauf bezieht, auf wessen Kosten wir leben, wie wir Verantwortung übernehmen, in wie weit wir uns zum reinen Konsumenten von Politik machen. 

Wir werten im Glauben zu wissen; ein sehr bequemer Glaube, der das (vermeintliche) Wissen nicht hinterfragt. Wir wissen nicht, wie unser Geldsystem funktioniert, wir verstehen nicht, was das für Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem hat. Wir glauben an die Paradigmen von Wirtschaftwachstum und Vollbeschäftigung.

Wir fragen nicht, warum unsere Armee wirklich im Ausland agiert, wir konsumieren ohne Empathie. Wir sehen nicht, wie unser eigener Staat mit Freihandelsabkommen andere Staaten knebelt, damit wir weiter den „Preisvorteil“ beim Discounter nutzen können.

Wir legen unser Geld an, für unseren Lebensabend, für unsere Kinder – und sind uns nicht bewusst, dass diese Zinserträge anderen Menschen durch Ausbeutung abgepresst werden. Für unsere Bequemlichkeit verzichten wir auf Freiheit und nehmen den Abbau der Faktoren von Freiheit hin. Gleichzeitig schimpfen wir auf die Politiker, die wir als Dienstleister betrachten, die für uns sorgen sollen. 

Dafür hecheln wir den heuchelnden Phrasen von der Durchsetzung einer besseren Welt anderswo hinterher, nehmen ohne Reflexion so ziemlich jedes angebotene Feindbild auf und sind immer ganz schnell dabei, wenn es darum geht, anderen für ihr Elend selbst die Schuld zu geben, damit wir uns selbst auch weiterhin vor Verantwortung drücken können. Wir verurteilen den Terror und bedingen ihn doch mittelbar selbst.

Wir schauen auf die Anderen, eben nicht auf uns. Wir haben verlernt, für andere Meinungen offen zu sein. Wir sind im Kampf und führen so Tag für Tag unsere kleinen Kriege. Wir warten offensichtlich noch immer auf das große Wunder. Dabei kann das nur dann geschehen, wenn wir selbst endlich beginnen, jeder für sich, sein kleines Wunder in Angriff zu nehmen.

Trump oder nicht Trump, das ist nicht die ultimative Frage. Die Frage, um die es sich dreht, ist die, ob wir hier in unserem Land, so weiter machen wollen wie bisher oder ob es uns gelingt, als Gesellschaft den Schalter um zu legen in Richtung einer nach innen wie außen wahrhaftig friedlichen Gesellschaft.


Quellen

[1] aus per E-Mail versendeter Avaaz-Kampagne gegen Donald Trump

[2] Sieg des Enthemmten; Sebastian Gierke; 9.11.2016; http://www.sueddeutsche.de/politik/praesident-trump-sieg-des-enthemmten-1.3237898

[b1] 18.11.2016; Screenshot aus Avaaz-Kampagnen-Mail gegen Donald Trump; Datei: 2016-11-18_Avaaz_versus_Trump.png; Autor: Peds Ansichten; Lizenz: Public Domain

[Titelbild] Name: View of the North Portico and North Lawn of the White House, residence of the President of the United States; Autor: Ed Brown (2005); Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:White_House_North_side?uselang=de#/media/File:White_House.jpg; Lizenz: Gemeinfrei; Bildausschnitt erstellt durch Peds Ansichten

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12 Kommentare zu In den Fängen der Strippenzieher

  1. Don Carlos sagt:

    Guten Tag Ped,

    “ … die Frage, um die es sich dreht, ist die, ob wir hier in unserem Land, so weiter machen wollen wie bisher oder ob es uns gelingt, als Gesellschaft den Schalter um zu legen in Richtung einer nach innen wie außen wahrhaftig friedlichen Gesellschaft.

    Dabei kann das nur dann geschehen, wenn wir selbst endlich beginnen, jeder für sich, sein kleines Wunder in Angriff zu nehmen.“

    Genau.
    Sie schreiben dies, weil Sie wissen. Ich lese dies. Und ich verstehe und kann nur stumm vor dem Bildschirm nicken. Für die Barrikade bin ich zu alt…
    Meine Kinder und Enkel könnten dies. Sie können auch lesen und sie lesen viel. Aber sie begreifen nicht, was Sie und der alte Carl von ihnen will. Sie gucken so komisch und rollen mit den Augen, wenn ich versuche die Situation zu erklären oder mit der Nase drauf stubse.
    Sie sehen nichts und sie verstehen nichts. Die multimedialen Filter wirken absolut selektiv. Die Education ist perfekt. Meine Informationsquellen sind komisch. Günstigstenfalls.
    Freiheit ist nur Freiheit in dem Rahmen, den andere vorgeben? Ach…
    Ne Opa. Ist doch alles Bestens… Hier. Heute. Jetzt. Es ist alles ganz anders.
    Warum das verändern. Das Risiko alles zu verlieren, ist größer als der in Aussicht stehende Gewinn.
    Sie zucken mit den Schultern und wenden sich ab, wenn ich von den Konsequenzen spreche, oder von den Lehren, die ihre Vorfahren – mein Großvater und mein Vater aus zwei Kriegen zogen, nach dem der eine ein Bein und der anderen die halbe Lunge verloren hatte und ich –gottseidank- zwar in eine zerstörte Heimat, aber immerhin in eine Zeit ohne Krieg hineingeboren wurde.
    Das alles ist doch erst ein paar Jahrzehnte her! Meine Schuld, dass die Meinen unwissend sind? Kann sein. Ich weiß es nicht.

    „… und sie sägten an den Ästen, auf denen sie saßen und schrien sich ihre Erfahrungen zu, wie man besser sägen könne. Und fuhren mit Krachen in die Tiefe. Und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe. Und sägten kräftig weiter.“ (Bertold Brecht)

    Das wird nix mehr. Nicht in D. Nicht unter den bestehenden Umständen.
    Aber die hier – die schaffen das. Und diese Stunde tröstet.

    „… Wir warten offensichtlich noch immer auf das große Wunder. “

    Ja.

    Gruß
    D.C.

  2. Ped sagt:

    Werter Don Carlos,

    danke, für Ihre Zeilen!

    Mir fällt es nicht schwer, Sie zu verstehen. Durch meine eigenen Erfahrungen und die guter Freunde, die auch im (hoffentlich sehr, sehr langen) Herbst des Lebens stehen. Die Mutlosigkeit die uns befällt, tut es, weil wir die Ansprüche die wir haben, nicht schultern können. Denn es sind die Ansprüche an Andere.
    Doch niemand sollte dauerhaft mutlos sein, das führt uns nur in die Lethargie und Apathie. Uns können wir immer ändern. Und so können wir auch unsere Fähigkeiten immer erweitern, um unsere Gedanken mit zu teilen. Das größte Potenzial liegt in der Fähigkeit zur Kommunikation, der des Zulassens und vor allem jener, Geduld zu haben. Mit der Entfaltung dieser Potenziale entfaltet sich auch ein anderer, positiverer Blick auf unsere Welt, ohne sie verklärt zu sehen.
    Mir ist aufgefallen, dass Fragen, ehrliche Fragen die Menschen aufwecken, sie in Dissonanz bringen. Gute Fragen, in Intervallen gestellt, die die Menschen nicht überfordern, können zu einer Langzeitwirkung führen.
    Wir sollten vermeiden, anderen ständig belehrend die Welt erklären zu wollen (eine Kunst an der ich mich auch noch fleißig übe), Fragen aber können helfen, dass die Menschen selbst beginnen, ihre Welt zu hinterfragen. Und an diesem Punkt können wir dann durch Wissen helfen.
    Überhaupt wünsche ich mir eine Diskussion, die nach vorn blickt und da haben auch viele der mehr oder weniger „Aufgeklärten“ (wer ist das schon) noch viele, viele Reserven.

    Seien Sie herzlich gegrüßt von Ped
    PS: Danke für das verlinkte Video!

  3. adolfkurt sagt:

    Zu Don Carlos und Ped: Danke!

    Don Carlos sagt:
    20. November 2016 um 19:30
    Meine Schuld, dass die Meinen unwissend sind? Kann sein. Ich weiß es nicht.

    Ja ich kenne die geschilderte Situation ebenso und es tut mehr weh. Natürlich habe ich eine Mitschuld, das ist außer Frage so. Wäre ich überzeugender, hätte eine bessere Rhetorik und größere Ausstrahlung, hätte ich auch mehr Zuhörer und Erfolge. Jedoch sehe ich auch eine Reihe von Gründen, die ich nicht beeinflussen kann und gegen die wir zum teil auch noch nicht gewappnet sind:
    • Die Mächtigen bestimmen die Bildung und mediale Manipulierung. Dagegen ist der Einzelne ziemlich machtlos, da wir nicht abend all das wieder geraderücken können, was die Kinder oder auch erwachsenen, am Tage als Gift aufgenommen haben.
    • Wir Andersdenkenden werden in den Schulen und Medien als nicht erstzunehmende, als DDR-Versager, Verschwörungstheoretiker usw. diffamiert und wenn wir Abends unsere Erkenntnisse und Erfahrungen anbringen, hört man uns höchsten aus Anstand zu, schiebt aber unsere Argumente sogleich als etwas Unwahres gleich wieder weg.
    • Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten derart rasant verändert, daß wir Menschen erst lernen müssen, wie wir damit klar kommen. Das ist die Informationsüberflutung in der realen und virtuellen Welt. Einmal von der Menge und zum anderen von dem Wahrheitsgehalt. Nicht nur, daß die Meinungsvielfalt gewaltig ist, wird sie noch absichtlich von bestimmten Kräften durch gesteuerte Falschinformationen und Lügen, durch psychologische Experimente einer gewünschten Meinungsbildung oder Verwirrung, schier unbrauchbar gemacht. Wer sich nicht täglich stundenlang mit der Suche nach Wahrheiten beschäftigen kann, hat keine Chance, der Manipulierung und Propaganda der Mächtigen zu entgehen. Wenn wir dann abends mit ‚unseren Wahrheiten‘ kommen, will man in der Regel davon nichts wissen. Man will sich heraushalten und gesundbleiben. Für viele Menschen scheint mir dies eine völlig normale, verständliche Reaktion zu sein.

    Nun kommt Ped mit dem Aufruf:

    Ped sagt:
    20. November 2016 um 21:22
    Das größte Potenzial liegt in der Fähigkeit
    § zur Kommunikation,
    § der des Zulassens
    § und vor allem jener, Geduld zu haben.
    Mit der Entfaltung dieser Potentiale entfaltet sich auch ein anderer, positiverer Blick auf unsere Welt, ohne sie verklärt zu sehen.
    Mir ist aufgefallen, dass Fragen, ehrliche Fragen die Menschen aufwecken, sie in Dissonanz bringen. Gute Fragen, in Intervallen gestellt, die die Menschen nicht überfordern, können zu einer Langzeitwirkung führen.
    Wir sollten vermeiden, anderen ständig belehrend die Welt erklären zu wollen (eine Kunst an der ich mich auch noch fleißig übe), Fragen aber können helfen, dass die Menschen selbst beginnen, ihre Welt zu hinterfragen.

    Trump oder nicht Trump, das ist nicht die ultimative Frage. Die Frage, um die es sich dreht, ist die, ob wir hier in unserem Land, so weiter machen wollen wie bisher oder ob es uns gelingt, als Gesellschaft den Schalter um zu legen in Richtung einer nach innen wie außen wahrhaftig friedlichen Gesellschaft.

    Und da wären wir wieder bei der Frage aller Fragen: Was soll das für eine Gesellschaft sein? Wie sieht die aus? Und wie wollen wir diese Gesellschaft erreichen?
    • Wir sind uns weder über das Ziel noch über den Weg einig.
    • Wir sind als die Veränderungswilligen so zerstritten und zersplittert, daß wir nicht einmal eine wirksame Kampffront gegen die Kriegstreiberei und Waffenlieferungen bilden können.
    • Da die Demokratie nicht mehr für wirkliche Veränderungen zu gebrauchen ist, gibt es für uns gegenwärtig keine Mittel für Veränderungen. Auf der Straße Krach machen und Barrikaden bauen, war gestern.
    • Jeder von uns, die etwas verändern könnten, hat etwas zu verlieren und ist für große Opfer nicht bereit. Und die nichts mehr zu verlieren haben, sind für wirkliche Veränderungen in unserer hochentwickelten Welt nicht mehr in der Lage.

    Also wenn Ped meint, jeder kann etwas tun, dann heißt das für mich: Jeder nach seinen Fähigkeiten.
    Peds Fähigkeit ist die eines Recherchierers und Analytikers der Extraklasse. Er hilft uns, die Lage der Menschheit zu entwirren und zu begreifen. Er öffnet die Augen und befähigt vielleicht Einige, für Veränderungen Ziele und Wege zu finden.
    Es wäre gut, wenn wir dazu die Kommentarfunktion hier nutzen. Fragen stellen, Antworten versuchen, Ziele stellen, Alternativen finden, Wege, unsere Stimme zu multiplizieren u.a.

    Ich freue mich, daß sich wieder einmal eine Diskussion abzeichnet. Viele Grüße von adolfkurt

    • Ped sagt:

      @Adolfkurt

      Danke!
      Aber warum solltet Ihr Schuld haben?
      Verantwortung wird selbst wahr genommen, Schuld wird von anderen aufgebürdet.
      Dieser Begriff Schuld ist für mich auch ein Teil der Matrix; ok, neues Thema 😉
      Euch und allen Lesern eine gute Woche!
      Herzliche Grüße von Ped

      PS: Noch ein kleiner Hinweis, wenn Foristen zitieren wollen, dann können Sie hierfür den Tag
      blockquote (/b-quote) benutzen.

    • Ped sagt:

      @AdolfKurt

      Wir sind uns weder über das Ziel noch über den Weg einig.

      Also einen Weg kenne ich schon. Nach Überlegen sogar Mehrere. Das Ziel ist eine Vision. Ob sie das Ende eines der Wege ist, das weiß ich nicht. Aber Wege kann man gehen – verändern – umkehren – neu beginnen …
      Gehen wir unsere Wege . Unsere Wege können inspirieren …

      Sei herzlich gegrüßt, Ped

  4. adolfkurt sagt:

    Hallo Don Carlos!
    Der Videolink zu einer alternativen Schulbildung ist sehr interessant. Ich las über eine Ausbildung durch die Kinder und Jugendlichen selbst erstmals bei Heinz Göd ( http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069Buch Aus <https://peds-ansichten.de/2016/04/die-glaeubigen-2/ ) und ich bezweifelte diese Möglichkeit und den Nutzen davon. Im Video scheint so eine Bildungsart, unterstützt von Fachleuten, erfolgreich zu sein.
    Diese Bildungsstätte mit Internat ist offensichtlich für die Heranbildung einer Elite geschaffen. So etwas ist unbedingt notwendig, wenn auch damit die allgemeine Schulbildung nicht betroffen und reformiert ist. Das Problem ist doch wohl die Unterschiedlichkeit der Persönlichkeiten und Veranlagungen und im Gegensatz dazu die Massenabfertigung in gemischten Bildungseinheiten.

    Auch bei der Elitenausbildung wird eine Massenhaltung in Doppelstockbettenzimmern dem individuellen Bedürfnis besonderer Persönlichkeiten nicht dienlich sein. Insofern sehe ich dies nicht als zukunftsfähig an. Die Bilder einer Freizeit im Schlafraum waren für mich deprimierend und gestellt.
    Einerseits gefällt mir die Erziehung zur Traditionswahrung und Vaterlandsliebe sehr. Leider hat sie eine militärische Hintergrundabsicht und erzieht den Menschen zu einer bestimmten Einseitigkeit, zur unbedingten Disziplin, zu kollektivem Gehorsam. Dies mag für eine Volksgemeinschaft, wie die Russen, in ihrer Situation der scheinbar ewig Bedrohten und Angegriffenen sinnvoll zu sein. Es ist jedoch keine breitenanwendbare Lösung für die Herausbildung einer Menschheit, welche die Zukunft besser oder überhaupt meistert, als wir es vermochten. Trotzdem ein nachdenkenswerter Denkanstoß.

    Nicht alles wurde im Video angesprochen. Besonders wichtig finde ich:
    Der Lernwille, die Begeisterung, die Disziplin und Unterordnung ins Team wurde zum Bedürfnis jedes Schülers. Ein Idealfall, der leider nur bei einer Auslese von Persönlichkeiten zu erreichen ist. Trotzdem ist diese in vielen Experimenten
    Erprobten Zielstellung ausbaufähig.
    Die Achtung der eigenen Kultur und geschichtlichen Erfahrung halte ich für sehr wertvoll, wenn auch im Trend die Völker und Nationen im Kapitalismus und einer hochtechnisierten Zeitepoche angeblich keine Zukunft haben. Es wird eine einheitliche, manipulierte Arbeitsmasse vorausgesagt. Furchtbar!
    Im Video und damit im Konzept der zukunftszugewandten Schule fehlt mir eine Auseinandersetzung mit der Nutzung und Verinnerlichung der wachsenden Möglichkeiten einer wissenschaftlich-technisch-technologisch-grenzseitigen Entwicklung menschlicher Fähigkeiten und ihrer Anwendung. Wenn wir uns einig sind, daß es kein grenzenloses Wachstum gibt, so wird auch die Erkenntnisfähigkeit und Nutzung und Aufrechterhaltung all unserer ‚Errungenschaften‘ ihre Grenzbereiche haben.

    Niemand getraut sich gegenwärtig, in den mir bekannten Informationsquellen, darüber nachzudenken, obwohl es immer notwendiger wird, je mehr wir die Grenzen unserer Ethik und Moral bereits jetzt überschreiten (menschliche Gehirne von außen mit Wissen aufladen / Köpfe oder auch Gehirne implantieren/ Gedankenlesen und manipulieren durch äußere, fremde Einflußnahme u.a.). Die Kinder und Jugendlichen müssen nach meiner Auffassung, von Beginn ihres eigenständigen Denkens an, auf eine Kultur sowie auf Ethik und Moral im eigenen Leben und im Umgang miteinander der Zukunft angemessen vorbereitet werden. Dazu gehören auch eine bestimmte Bescheidenheit, Höflichkeit und Empathiefähigkeit, … Bescheidenheit auch derart, daß man nicht alles haben muß, was man haben könnte.
    Freundliche Grüße von adolfkurt

  5. adolfkurt sagt:

    Lieber Ped!

    Es ist wohltuend, daß Du neben Syrien, dessen Schicksal Du überproportional behandelst, in den letzten Artikeln Dich auch anderen aktuellen Themen widmest. Ich bin für Deine Informations- und Aufklärungsvermittlung außerordentlich dankbar. Es ist wie eine Stimme der Vernunft in dieser trügerischen Zeit. Ich erspare mir eigene Recherchen und nehme das Dargebotene fast ohne kritische Kontrollen wie Öl in mein Getriebe auf.
    Meine wichtigste täglicher Block sind die Nachdenkseiten. Dort erhalt ich von Gleich- oder Ähnlichgesinnten sehr vielseitige Übersichten und Kommentare. Bei Peds-Ansichten studiere ich die aufschlußreichen Detailanalysen und Informationen. An der TU sagte man dazu, ‚für die, welche tiefer schürfen wollen‘. Beide Blogs sind zur geistigen Gesunderhaltung wichtig, denn ich erfahre, daß ich in meinem Denken und Fühlen nicht völlig allein stehe, sondern es von Vielen mitgetragen wird.

    Du schreibst:
    Unter transatlantischen Netzwerken stellen wir uns gern eine homogene Struktur europäischer Medien, Politik und Konzerne mit den Eliten der USA vor. Dabei verfallen wir oft dem vereinfachenden Gedanken, dass es sich um eine Gruppe gleich Gesinnter handelt, die als verschworene Gemeinschaft den amerikanischen Traum auf der ganzen Welt verbreiten will (was auch immer sie darunter verstehen mögen).
    Das aber ist eher nicht der Fall und das zeigt die Reaktion der Medien. Sie und auch die Politik sind ganz offensichtlich mit einer ganz bestimmten Elite der USA verbunden. Und ganz offensichtlich waren alle US-Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte Präsidenten genau jener Elite und die Netzwerke behandelten „ihre“ Präsidenten entsprechend wohl wollend; mochte ihre Politik, gerade nach außen, noch so verheerend gewesen sein.

    Die interessante Herausarbeitung der Abhängigkeit der Medien von einer ganz bestimmten Elite glaube ich nicht so ohne weiteres. Es klingt logisch. Aber es ist vielleicht auch nur ein Irrtum, der aufkommt, wenn man alles und auch alles anzweifelt und dazu seine eigenen Theorien aufstellt.
    Sieht man sich die bisherigen Präsidenten der USA an, so kann man nicht ohne Weiteres davon ausgehen, daß die Eliten nur die demokratische Partei für ihre Ziele ‚mißbrauchen‘.
    Ich gehen davon aus, daß die Mächtigen der USA sich beider großen Parteien bedienen und die Unterschiedlichkeit beider nur demokratisches Theater ist. Der ganze Wahlkampf und die dabei eingesetzten an die zwei Milliarden Dollar sprechen dafür, daß sich der ‚kleine Mann‘ oder der am besten Geeignete niemals bis zur Spitze durchsetzen kann. Es bleibt egal, wer hier die Präsidentschaft innehat, die Politik wird von der Elite, also den Mächtigen gemacht.
    Daß unsere Politik und die Medien erstmals wieder gegen US-Politik eine Propagandaschlacht vollführen, liegt wohl eher daran, entweder uns von etwas anderem abzulenken oder / und uns eine Neutralität eines freien Journalismus vorzuspielen. Sie wissen, daß Mehrheiten zunehmend amerikafeindlich wurden. Da muß man wieder mehr Vertrauen in die ‚Unabhängigkeit der Medien‘ erzeugen und uns eine eigenständige öffentliche Meinung gegenüber der US-Administration vorzutäuschen.
    Herzliche Grüße von adolfkurt

    • Conrath sagt:

      @adolfkurt & Ped

      Sie zitieren Ped mit:

      Unter transatlantischen Netzwerken stellen wir uns gern eine homogene Struktur europäischer Medien, Politik und Konzerne mit den Eliten der USA vor. Dabei verfallen wir oft dem vereinfachenden Gedanken, dass es sich um eine Gruppe gleich Gesinnter handelt, die als verschworene Gemeinschaft den amerikanischen Traum auf der ganzen Welt verbreiten will (was auch immer sie darunter verstehen mögen).
      Das aber ist eher nicht der Fall [..]“

      Das trifft in der Tat wieder den Nagelkopf und zwingt ihn ins Schwarze, Danke Ped.

      Aus aktuellem Anlass noch ein Hinweis, der der Mehrheit hier wohl zu höchster Freude Anlass bietet:
      http://analitik.de/2016/11/23/gedanken-ueber-trump-und-den-kontext/

      • Ped sagt:

        Danke Conradt, für den Link zu Analitik!

        Was ich als Gefühl in mir trage, kann er formulieren – und wie! Mal sehen wie lange er noch runter kühlt, bis wieder direkt auf seinem Blog kommentiert werden kann. 😉

        In vielen Blogs monierten Im Februar / März 2016 die Foristen das Verhalten der syrischen und russischen Streitkräfte in Syrien. Erinnern Sie sich? „Inkonsequent, Zeichen von Schwäche, ohne Not lassen wir es zu, dass die Terroristen sich reorganisieren, ein massiver Schlag hätte längst klare Verhältnisse geschaffen.“ Auch heute, in einer viel stärkeren Position, hat sich diese Strategie nicht geändert. Sie verfolgt ein anderes universelles Prinzip, dass eben nicht in bedingungsloser Macht liegt. Und dafür haben vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika gesorgt. SIE haben den letzten Impuls für eine vollständige Neuausrichtung russischer Politik nach außen, aber auch nach innen gegeben.

        Gute Politik ist eben nicht die Arbeit mit der Keule. Niemals war die Propaganda der von ganz bestimmten Eliten gesteuerten westlichen Massenmedien lächerlicher als heute. Aber auch nur deshalb, weil sie ihre Grenzen zeigen durfte. Das ist wichtig für die Bevölkerung, denn viele verkennen, welch schwieriger Prozess es ist, aus einer Indoktrination aus zu brechen.

        Gute Politik ist auch nicht affektiv. Sie lässt den Menschen Zeit zur Besinnung, zum Nachdenken. Niemals hätte es zu 1.000 Versöhnungsabkommen in Syrien kommen können, wenn den Partnern (!) dafür nicht die Zeit gegeben würde.
        Frieden ist eben ein anstrengender, Zeit bedürfender Prozess, der aber dafür mit Nachhaltigkeit glänzt.
        Es geht nicht um Siege auf dem Schlachtfeld, der wahre Sieg ist der, welcher keine Verlierer kennt.

        Russlands Außenpolitik seit dem Jahre 2011 ist phänomenal. Das völlige Durchbrechen der Neocons in den USA, das Umsetzen der (für mich) kranken Strategien von „Schwarmtaktiken“, „Kreativer Zerstörung“, „Offener Gesellschaft“ – verwirklicht über Propaganda-Taktiken wie „Farbrevolutionen“, „humanitärer Interventionen“, „Flugverbotszonen“ und wie sie alle heißen und getragen von hunderten NROs, die Staaten befallen und krank machten. Das hat in Russland einen Impuls der Erneuerung in allen Richtungen ausgelöst. Und vergessen wir nicht: Russland ist ein imperialistischer Staat! Bei allem Fatalismus sollten wir nicht vergessen, dass die Dinge nie vorbestimmt sind. Das kann uns viel Mut machen und uns motivieren, auch zunehmend selbst Dinge in die Hand zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen und dabei weg zu gehen von einer Schwarz-Weiß-Malerei.

        Ja, um auf den Grundgedanken zurück zu kommen. So sehe ich auch die Verhältnisse in den USA. Dort spielt sich ein Machtkampf zwischen verschiedenen Eliten ab. Und einige ahnen, dass offensichtlich einer vollständigen Manipulation der Gesellschaft durch DIE (selbst ernannte) Elite Grenzen gesetzt sind. Wenn die in ihrem Machtanspruch Grenzenlosen nicht in den USA selbst gebremst werden, kann dies das ganze Land in den Abgrund ziehen, mit unübersehbaren Konsequenzen für die Welt. Die Verhältnisse sind aber eben nicht so klar und das hat Donald Trump erkannt. Nicht mehr aber auch nicht weniger – und das ist eben nicht wenig. Die Medien aber verstehen nicht, bei Ihnen gibt es seit einigen Wochen nur noch ein: „Hä? Was? Wie?“

        Die Meden haben keine Alternativen, keinen Blick von außen. Sie hängen vollständig in der Matrix. Sie begreifen nicht einmal, dass Trump innerhalb des Systems auch völlig schlüssig handelt. Dass er im Kontext der Macht handelt und so polarisiert. Aber eben so auch die Bevölkerung wie Machtgruppen auf seine Seite zieht. Schick ist auch das nicht, aber es kann der Welt eine Atempause zur Besinnung geben. UNS eine Pause zur Besinnung geben – die wir gut nutzen sollten. Das Leben gibt uns nicht unendlich viele Chancen.

        Beste Grüße an Sie, Ped

        • Conrath sagt:

          @Ped

          Niemals war die Propaganda der von ganz bestimmten Eliten gesteuerten westlichen Massenmedien lächerlicher als heute.

          Ped

          Genau so ist es, und es klingt wie ein alter Werbespruch für den Underberg Schnaps und ehrlich, ich hätte es vor 1 oder vor 5 Jahren nicht für möglich gehalten, dass sich die Entwicklungen in dieser Weise einmal ergeben werden.

          Analitik spricht auch von der ‚Kirche der Angst‘ und es ist zu ergänzen, niemand sollte mehr in dieser Kirche beten und sie freiwillig unterstützen.

          Die Foren sind immer noch voll von einer Mischung aus Schimpf und Angst, vermutlich die zwei Seiten der einer Medaile mit dem Titel ‚Vertrauensverlust‘ in die Vorsehung oder Gesellschaft oder überhaupt eine Art von kollektivem ‚Zukunftslosigkeitswahn‘.

          Und das Internet kann auch ein Gegengift und Gegenmittel gegen Angst sein, so wie es, via Ballerspielen, Börsenzockerei, Pornoentfremdung (gegen den eigenen Partner – und sich selbst!) und Hasstiraden, Menschen schwächt oder sonst wie gegeneinander aufbringt oder eben nicht.

          Wir entscheiden es, immer wieder neu und gemeinsam, dafür meinen Dank auch zurück an Moderator/ Autor Ped

          Stell Dir vor es ist wieder öffentlich verordnete Angst und keiner fürchtet sich mehr. – FURCHTBAR! [Moderator: 😉 ]

          Habe heute gedacht, dieser […] EU-Präsidenten-Schulz mit seinem weiteren Votum für TTIP und Syriengemetzel/ Syriensanktionen, kommt jetzt einfach nach NRW und soll dann Aussenminister werden. Wie dreist die Politikdarsteller ihre Spielpläne ändern. Der Mann wurde gewählt, verlässt, mir nichts dir nichts, die Veranstaltung, kommt, von niemandem, ausser der Hochfinanz berufen, zurück nach Deutschland?

          Darf er das überhaupt, zählt sein Amt in der EU gar nichts? Wie merkwürdig müssen alle diese Hintergrundentscheidungen der Mehrheit langsam aber sicher auffallen und UNS auf die inneren Barrikaden treiben, die sind eben doch nicht zu unterschätzen. Vorzeitiges Verlassen des Arbeitsplatzes führt im normalen Leben schnell zum Arbeitsplatzverlust. Es wäre doch angemessen, Herr Schulz würde dann konsequent auch keinen Rentenanspruch mehr beanspruchen/ bekommen, er gibt seine Rolle auf, glaubt wohl, woanders besser seinem Ego dienen zu können, das Volk/ die Völker, kennt er ja garnicht …

          • Don Carlos sagt:

            @all
            Es ist alles richtig. Jedes Argument, jede Antwort, jede Analyse…
            Und doch: Das passt alles nicht zusammen, denn es hinterlässt nur bei den paar Menschen Verständnis, die sich ohnehin mit den Problemen beschäftigen. Eine erkennbare (Außen-)Wirkung ist nicht wahrnehmbar – für mich nicht wahrnehmbar.
            Deshalb wollte ich eigentlich nichts mehr zu diesem Thema sagen.

            Nur mal so am Rande erlaube ich mir nachträglich folgende Verallgemeinerungen:
            Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass die Medien lügen. Nicht alle, das ist klar. Aber welche nicht? Das ist Problem Nr. 1. Wirklich? Die Medien lügen oder die Menschen dahinter? Aha. Warum? Reden wir mit ihnen. Irgendman bekommt man vielleicht eine Antwort oder auch Besuch…

            Was war eigentlich vor Fernsehen? Und liegt es wirklich erst ein paar Jahrzehnte zurück, dass ein gewisser Gates in seiner Garage postuliert haben soll, dass 640 kBytes für jeden reichen müssten. Und ich habe noch einen Commodore 64. Eigentlich hatte ich ihn damals gar nicht gebraucht… Zeitgeist?

            Wir dürften uns auch darüber einig sein, dass jahrzehntelange Indoktrinationen an unsere Wesenheit (ich habe nicht Seele geschrieben!) nicht spurlos vorüber gegangen sind und uns und unser Denken geprägt haben. Entstand das etwa von selbst oder war hier „Werkzeug >>> C64“ von irgendwem aktiv? Von wem? Bitte genau! Und warum? Ich habe nur Vermutungen, aber ich denke, dies war Absicht, nicht Ziel.

            Es hat dazu geführt, dass die Mehrzahl der Menschen inzwischen außerstande ist, die tsunamiartig überkommenden Informationsfluten zu ordnen und zu deuten. Diese überdecken die eigenen Sehnsüchte und Wünsche und produzieren haarsträubende Einstellungen zur Umwelt und Umfeld. Sie sind geeignet gesellschaftliche Veränderungen gezielt in eine bestimmte Richtung voranzutreiben – zum passiven Einheitsindividuum. Früher nannte man diese Namenlosen Sklaven…
            1948 hatte genau das schon mal jemand nach 1984 projiziert. Die Sache läuft.

            Die Erkenntnis: Es bringt gar nichts, irgendwelche Hoffnungen in neue schillernde Exponenten der gleichen Basis zu setzen. Die Basis ändert sich nie. Aus Nachkommen von Sklavenhändlern, Mördern, Soldaten und Dieben werden nun mal keine hehren Gestalten. Millionen kann man nicht „erarbeiten“. Deshalb sind die, die jetzt als Anführer aufscheinen keine anderen, als die alten Bekannten. Die kommen lediglich mit neuer Perücke und in anderem Gewande. Nix mit Feuer statt Wasser, Himmel statt Hölle. Nein, Teer oder Pech und Cholera oder Pest. Von denen ist nichts anderes zu erwarten als das, was sie schon immer präsentierten. Und wenn man von allen Übeln nur das kleinere wählen kann, muss man mindestens wissen, welches das kleinere ist und nicht glauben.

            Es ist deshalb ein Trugschluss, dass sich derzeit Grundlegendes auf dem Erdenrund ändert. Es sind nur Nuancen veränderter Spielregeln und nur ein paar Figuren sind ausgetauscht. Mit der Dame C. war die Sache schlecht und klar, mit Herrn T. hat die gleiche Soße nur eine andere Konsistenz, vielleicht noch einen anderen Geschmack. Nach Mackie Messer schieben ganz andere die Figuren und die Aktoren sind mindestens seit 1913 immer noch mehr oder weniger die Gleichen.

            Turm bleibt Turm und Läufer Läufer.
            Aber Geostrategie ist kein Schachspiel. Man kann mit einer Taube oder einem Falken kein Schach spielen. Die stolzieren überall herum kippen die Figuren um und kacken zum Schluss noch auf Spielfeld, um in dem Chaos dann als Sieger zu posieren und herum zu gackern, bevor sie sich davon machen. Deshalb nochmals meine Warnung vor jeglicher Euphorie bezüglich der Erwartungen nach dem Figurentausch in den USA oder in Deutschland oder Östereich und Frankreich.
            Aber die sich eben abzeichnende Chance endlich den Vasallenstatus und die Atombomben los zu werden, muss genutzt werden. Frau Nuland hatte es doch schon angesagt, wie man über uns denkt! Aber diese Aussage hat wohl niemand als Handlungsaufforderung verstanden.

            Ich hatte weiter oben ein Video von der Tekos-Schule in Russland verlinkt. Das Video ist etwas mehr als zehn Jahr alt und es gibt inzwischen sehr viel mehr Schulen mit diesen Ansatz (übrigens auch in Österreich). Die älteren von den Absolventen sollten jetzt um die dreißig sein. Wer dieses Video angeschaut hat, wird verstehen, dass diesen Menschen elitäres Gehabe und Getue völlig abgeht. Sie sind wohltuend anders und nehmen nach und nach Positionen ein und bestimmen in Russland immer mehr die zukünftigen gesellschaftlichen Verhältnisse.

            Ein Beispiel: Putin hatte unlängst den Gouverneur von Kaliningrad gefeuert. Dafür nimmt jetzt ein ziemlich junger Kerl diese Position ein. In einem Interview machte der Journalist Alexej Milowanow von Nachrichtenportal >newkaliningrad< noch eine Bemerkung, obwohl das Gespräch eigentlich schon beendet war

            „Wir leben in einem Land, wo ein 30jähriger Mann kein Gouverneur werden kann, wenn er nicht durch irgend jemand protegiert wird, er nicht irgendein Sohn, Enkel, Bruder, Schwiegersohn oder Datschen-Nachbar ist“.
            Gouverneur: „Er kann.“
            Milowanow: „Also Sie sind eine Ausnahme?“
            Gouverneur: „Ich bin die neue Regel“

            Von hier http://kaliningrad-domizil.ru/portal/information/-mit-deutschem-akzent-/morgenrte-in-kaliningrad-die-medienoffensive-des-gouverneurs-/

            Und wir in D rennen immer wieder gegen denselben Balken. An allen Ecken stehen die Zeichen auf Sturm und Zusammenbruch. Keiner sieht es. Wir sind nur noch sprachlos. Ich denke, es ist zu spät. Die Bücher sind schon verbrannt. Niemand in Sicht, der neue Regeln bestimmt. Und es ist weit und breit niemand zu sehen, der den Rattenfängern die Flöte wegnimmt. Nein, stimmt nicht. Es gibt welche. Aber die wollen auch nur die Flöte. Und deren Melodie hört sich nicht sehr viel anders an.
            Soweit meine Randbemerkungen.

            Gruß
            D.C.

  6. andi sagt:

    Die Zusammenfassung unter „Wir selbst im Banne der Strippenzieher“ ist einfach großartig…

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