Die (keinesfalls nur) in der Ukraine grassierende Korruption als Mittel zum Zweck
Korruption wird im Allgemeinen als bedauernswertes und konsequent zu bekämpfendes Phänomen beklagt. Aber gerade aus den Ecken, von wo die Meinungsmacht, also die Macht über den Informationsraum gestaltet wird, sind jene Eliten zu finden, denen an Korruption durchaus gelegen ist. Wir alle sind in unserem Wesen auch Opportunisten. Die Grenzen vom Opportunismus zur Korruption sind fließend und kaum auszumachen. Das kann fatal sein. Denn, wenn wir uns erst einmal im Netz der Korruption verfangen haben, sind wir erpressbar. Diese Methode macht vor der Politik nicht halt. Politiker werden erpressbar, wenn sie zuvor käuflich waren.
Eingangs räumt der Autor ein, dass diese lange Abhandlung in die Reihe US-ukrainischer Geschichten gut hineinpasst, wenngleich anderen Akteuren diesmal eine weit größere Aufmerksamkeit zuteil wird. Auf jeden Fall hat diese Geschichte auch einen britischen Einschlag.
Der „Minditsch-Skandal“ und Energoatom
Das folgende geschah Mitte November 2025:
„Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) [gaben] bekannt, dass sie einen groß angelegten Korruptionsplan im Energiesektor aufgedeckt haben. Die Operation erhielt den Codenamen ‚Midas‘, nach König Midas aus der griechischen Mythologie, der alles, was er berührte, in Gold verwandelte. NABU und SAPO sagten, die Untersuchung, die 15 Monate dauerte und eintausend Stunden Audioaufnahmen umfasste, habe die Beteiligung mehrerer Mitglieder der ukrainischen Regierung aufgedeckt.“ (1)
Im Zentrum der Ermittlungen stand und steht der größte ukrainische Energiekonzern Energoatom. Die dort für die Auftragsvergabe Verantwortlichen ließen sich Aufträge mit Bestechungsgeldern „versüßen“, die sich auf zehn bis fünfzehn Prozent des jeweiligen Auftragswertes beliefen. Auf diese Weise wurden etwa 100 Millionen US-Dollar an Geldern gewaschen (1i). Das NABU betonte:
„Tatsächlich wurde die Leitung eines strategischen Unternehmens mit einem Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro nicht von Beamten, sondern von Außenstehenden ohne formelle Befugnisse ausgeübt.“ (1ii)
Vizepräsident und Vorstandsmitglied von Energoatom war seit Mai 2020 ein Deutscher gewesen: Hartmut Jakob. Im November 2025 wurde er suspendiert (2, 3). Was suchen Ausländer in den Vorständen der größten ukrainischen Unternehmen? Und: Bei aller Liebe zum Detail „vergaßen“ es die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland, dieses kleine, feine Detail wenigstens zu erwähnen (4). Dabei sollte uns die Personalie Hartmut Jakob durchaus interessieren (Hervorhebungen durch Autor):
„Hartmut Jakob ist Investmentbanker, führender Finanzfachmann und Spezialist im Energiesektor mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Er hat einen Master-Abschluss in Internationaler Wirtschaft und Finanzen bei der Johns Hopkins University in den Vereinigten Staaten. Außerdem verfügt er über einen Master-Abschluss in Politikwissenschaft von der Freien Universität Berlin. Zu seinen beruflichen Stationen zählen Tätigkeiten bei der Weltbank und bei führenden Investmentbanken in Osteuropa. Er war Leiter der Energieforschung im Londoner Büro der österreichischen Investmentbank Creditanstalt und hatte die Position des Vorstandsvorsitzenden der Investmentgesellschaft Renaissance Capital Ukraine inne. Er ist deutscher Staatsbürger.“ (a1, 5)
Die Hervorhebungen mögen den geneigten Leser darauf aufmerksam machen, wie in etwa sich der Weg eines Menschen in informelle Netzwerke der Macht gestaltet. Die Frage ist eher rhetorischer Natur: Für wen oder was arbeitet(e) der „führende Finanzfachmann“ Hartmut Jakob — für ukrainische Interessen? Wir werden auf die obige Kurzbiografie zurückkommen. Hat Jakob keinen blassen Schimmer über die korrumptiven Geschäftspraktiken des Unternehmens, dem er vorstand, gehabt? Wozu bedarf es eines sicher fürstlich vergüteten, „führenden Finanzfachmannes“, wenn daraufhin die Korruption in einem Unternehmen nur noch stärker ausufert? Oder darf frevelhaft gefragt werden, ob das Eine in gewisser Weise das Andere bedingt? Die Investmentgesellschaft Renaissance Capital Ukraine hält übrigens auf ihrer Online-Präsenz, zuletzt 2024 aktualisiert, nicht einmal ein Impressum vor, möglicherweise gibt es sie gar nicht mehr und Informationen über diese Gesellschaft sind so gut wie nicht auffindbar (6, 7).
2024 wurden zwei weitere Ausländer in den Aufsichtsrat von Energoatom berufen, der Brite Timothy John Stone und der US-Amerikaner Michael Elliott Kirst (8). Stone ist ein weiterer „führender Finanzfachmann“ (Hervorhebungen durch Autor):
„Timothy John Stone ist Vorsitzender der Nuclear Industry Association of Great Britain sowie von Nuclear Risk Insurers, einem weltweit führenden Anbieter von Nuklearversicherungen. Zuvor war er als unabhängiges Vorstandsmitglied bei Horizon Nuclear Power und als nicht geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei der Europäischen Investitionsbank tätig.“ (8i)
Diese bei Energoatom veröffentlichte Vita ist freilich unvollständig. Timothy Stone wurde nämlich praktisch von der britischen Regierung, für die er seit vielen Jahren tätig war, nach Kiew entsandt. Warum er dort hingelangt ist, könnte mit seinen privatwirtschaftlichen Erfahrungen zu tun haben (Hervorhebungen durch Autor):
„Bevor er Berater der britischen Regierung wurde, war Tim Vorsitzender und Gründer der Global Infrastructure and Projects Group von KPMG, nachdem er mehrere Jahre als Geschäftsführer bei S.G. Warburg in New York und London sowie als Geschäftsführer der Chase Manhattan Bank in New York tätig gewesen war.“ (9)
KPMG gilt als eine der vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, von „bösen Zungen“ auch als Berater für „legale Steuerhinterziehung“ kritisiert (10). Die Investmentbank S.G. Warburg ist inzwischen von der Schweizer Großbank UBS übernommen worden. Die Chase Manhattan Bank fusionierte zwischenzeitlich mit JPMorgan und gehört mit einer Bilanzsumme von 2,6 Billionen US-Dollar zu den größten Banken weltweit mit den größten Hedgefonds weltweit (11). Auch bei Michael Elliott Kirst wurde die Biografie auf der Energoatom-Präsenz passend gestrafft, denn:
„Michael Elliott Kirst ist Gründer und Geschäftsführer von EuroAtlantic Partners und verfügt über umfassende globale Fachkenntnisse im Energiebereich, insbesondere in der Nuklearindustrie. Er hatte Führungspositionen bei der Westinghouse Electric Company inne.“ (8ii)
Zehn Jahre lang, bis 2005, füllte Kirst direkt in Washington die personelle Schnittstelle eines strategischen Unternehmens zu Regierungsstellen der USA aus. Westinghouse war und ist nämlich der führende Hersteller für militärische und zivile Nukleartechnik in den USA. Dazu war Michael Kirst hochrangiger Wirtschaftsberater in Diensten der NATO. Außerdem beriet er Leon Panetta, der immerhin von 2011 bis 2013 als Kriegsminister der USA und zuvor zwei Jahre als CIA-Chef fungierte (12, 13).
Nunmehr, nach dem Wirbel um die Korruption im Energoatom-Konzern, wurden neue Aufsichtsratsmitglieder ernannt, und wo kamen diese her? Richtig, eben aus der Hemisphäre, aus der auch auch ihre Vorgänger herkamen: aus Kanada, den USA und Frankreich (14, a2).
Hier ist von einem der größten ukrainischen Staatskonzerne die Rede. Einem Konzern, der von Ausländern mit hochwertigen Schnittstellen zu Militär, Politik, Wirtschaft und Finanzen der westlichen Fassadendemokratien beaufsichtigt wird. Was soll da schon in Bezug auf Korruption passieren? Wie wir sehen, kann da alles passieren. Und es ist kein Widerspruch, dass dies „unter Aufsicht“ geschieht. Kontrolle und Steuerung sind Kernelemente von praktischer Machtausübung. Wobei Kontrolle permanent angestrebt wird, Steuerung nur bei Bedarf, quasi zur Nachjustierung, wenn die Dinge nicht mehr wie gewünscht vonstatten gehen.
Wolodymyr Selenskyj gewann die ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2019 vor allem deshalb, weil er versprach, konsequent gegen die grassierende Korruption vorzugehen.
Timur Minditsch, Oleksandr Tsukerman und Ihor Kolomoyskyi
Das NABU geht davon aus, dass als Drahtzieher und Anführer dieser Korruptionsaffäre der Geschäftsmann Timur Minditsch gilt. Der inzwischen 47-jährige Minditsch stammt aus Dnjepropetrowsk in der Osukraine und war einer der engsten Mitarbeiter Selenskyjs, bevor dieser 2019 Präsident wurde. Noch im Jahre 2021 feierte Selenskyj seinen Geburtstag in Minditschs Apartment (15).
Minditsch verfügt über gute Verbindungen zu einem der einflussreichsten ukrainischen Oligarchen: Ihor Kolomoyskyi. Kolomoyskyi besitzt übrigens drei Staatsbürgerschaften: die ukrainische, die zypriotische und die israelische. Minditsch ist Filmproduzuent und Miteigentümer von Kvartal 95, einer von Selenskyj mitgegründeten TV-Produktionsfirma. Nach seiner Wahl im Jahr 2019 übertrug Selenskyj die eigenen Unternehmensanteile an andere Partner. Kvartal 95 pflegt eine enge Zusammenarbeit mit 1+1 Media (16), welches mehrheitlich Ihor Kolomoyskyi gehört (17).
Vergessen wir nicht, dass Selenskyjs Wahl zum Präsidenten der Ukraine allenfalls sekundär den Willen des Volkes widerspiegelte. In erster Linie war es das Ergebnis einer erfolgreichen PsyOp (psychologischen Operation), in der über eine sorgfältig orchestrierte Medienkampagne Selenskyj dem Wahlpublikum schmackhaft gemacht wurde.
Wobei Selenskyj selbst wohl nicht die Erkenntnis zuzutrauen ist, dass er, als er sich über seine Popularität als Schauspieler auf das Präsidentenamt einließ, bereits da rettungslos korrumpieren lassen hatte (18). Letztlich wurde die politisch so erfolgreiche Fernsehserie Diener des Volkes schließlich von einem Oligarchen finanziert (19). Dass der ukrainische Kriegspräsident für die Ewigkeit materiell so empfänglich ist wie die Oligarchen, die ihn in das Amt brachten, ist nicht bewiesen und wird daher vom Autor auch nicht behauptet (20). Es sind wohl eher seine Empfänglichkeiten für die Posaunen des Ruhmes, die ihn in das ukrainische Schlangennest der Macht rutschen ließen.
Schließlich unterzeichnete Selenskyj ein Dekret, das Sanktionen gegen Minditsch und einen anderen Geschäftsmann, Oleksandr Tsukerman, verhängt, der ebenfalls in die Korruptionsermittlungen geraten ist. Pikanterweise sind sowohl Tsukerman als auch Minditsch israelische Staatsbürger, was ihnen im Gegensatz zu ukrainischen Staatsbürgern grundsätzlich die freie Ausreise aus dem Land ermöglicht. Das NABU hatte bereits mehrere mit Minditsch in Verbindung stehende Räumlichkeiten durchsucht. Doch bevor bevor das Büro die Ermittlungen offengelegt hatte, verließ Minditsch die Ukraine — ganz legal. Auch der 61-jährige Tsukerman hatte Berichten zufolge die Ukraine verlassen (1iii).
Das ist interessant, nicht wahr? Der große Oligarch Ihor Kolomoyskyi wie auch die kleineren Oligarchen Oleksandr Tsukerman und Timur Minditsch besitzen neben ihrer ukrainischen auch die israelische Staatsbürgerschaft. Das verschafft diesen Leuten unter bestimmten Voraussetzungen eine gewisse politische Immunität in der Ukraine. Zumindest Tsukerman und Minditsch konnten die Ukraine, wohl auch weil über Insider vorinformiert, rechtzeitig verlassen.
Kolomoyskyi sitzt allerdings seit 2023 in Untersuchungshaft — offiziell wegen des Vorwurfs der Korruption, was ja eigentlich schlüssig erscheint. Mit ehrlicher Arbeit wird man schließlich nicht Milliardär (21). Allerdings sollten wir an dieser Stelle aufgeschlossen genug sein, um annehmen zu dürfen, dass Kolomoyskyi wohl im Kampf um die Macht in Kiew seine Möglichkeiten überschätzt hat (22). Dann und tatsächlich erst dann, wenn Macht und Einfluss schwinden, wird auch Korruption juristisch relevant. Auch das ist ein Grund, warum Leute wie Kolomoyskyi, möglicherweise bis zum bitteren Ende, nicht aufhören können.
Renaissance Capital Ukraine
Das Investmentunternehmen Renaissance Capital Ukraine (im weiteren RenCap) wurde oben bereits erwähnt. Einer der Vizedirektoren von Energoatom, Hartmut Jakob, hatte früher für RenCap gearbeitet. Insgesamt sind Informationen zu dieser Firma nur mühselig beschaffbar. Ob das immer so war, darf bezweifelt werden. RenCap wurde einmal so beworben:
„Renaissance Capital Ukraine ist eine führende Full-Service-Investmentbank mit Sitz in der Ukraine. Zum Team von Sayenko Kharenko gehörten der Rechtsanwalt Anton Korobeynikov und der Rechtsberater Nazar Chernyavsky unter der Leitung von Partner Michael Kharenko.“ (23)
Sayenko Kharenko arbeitet inzwischen unter anderem als Rechtsberater für die Deutsche Bank (24), und Michael Kharenko ist weiterhin im Investment-Geschäft tätig (25). Die Abwicklung von RenCap haben also beide gut überstanden (26). Aber was macht RenCap in dieser Betrachtung so interessant? Vielleicht, dass, wie üblich bei politisch gehebelten ukrainischen Unternehmen, auch hier ein Ausländer Regie führte. Direktor von RenCap war nämlich der Belgier Peter Vanhecke. Vanhecke durfte auch in den ukrainischen Medien für neoliberal beauflagte Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) werben — eine bemerkenswerte Reichweite (27).
Bringen wir das zusammen. Einer der größten Energiekonzerne der Ukraine wird unter anderen von Ausländern geführt und beaufsichtigt. Einer der Vizedirektoren von Energoatom, ein Ausländer, kam von RenCap. Aber auch das ukrainische RenCap wurde von Ausländern geführt.
Was macht westliche Staatsbürger oder auch im Westen sozialisierte ukrainische Staatsbürger so interessant für leitende Positionen in großen ukrainischen Unternehmen? Sind die Ukrainer vor Ort zu unbedarft, um diese zu führen? Ganz sicher nicht, hier geht es vielmehr um Einfluss, um Kontrolle und Steuerung von außen — und das ganz sicher nicht vorrangig deshalb, um die Ukraine voranzubringen.
RenCap war auf Expansion ausgelegt. Man hoffte, „den Osten“ mit hohen Renditen ausweiden zu können und arbeitete folgerichtig mit ähnlich ausgerichteten Investment-Firmen zusammen, zum Beispiel mit Hedgefonds-Unternehmen wie Citadel aus den USA (28). Wo Investment-Firmen auf der Suche nach Klienten umherstreifen, sind die Berater zur „Sanierung“ und „Umstrukturierung“ nicht weit. Peter Vanhecke war beides. Entsprechend entwickelte sich auch seine Karriere in der Ukraine weiter.
Kaum war RenCap Geschichte, wurde Peter Vanhecke als Berater gesucht und gefunden. Er wurde 2011 zum Vorstandsvorsitzenden des ukrainischen Staatskonzerns Ukrnafta ernannt (29). Wieder sehen wir das beschriebene Muster, in dem ein ukrainisches Unternehmen Steuerung und Führung von außen auferlegt bekommt. Wie läuft das eigentlich mit den Auswahlprozessen für Führungspositionen, insbesondere dort, in der Ukraine? Darf man vorsichtig den Verdacht hegen, dass die dafür notwendigen Netzwerke mit geldwerten Vorteilen gestärkt werden? Welchen Nutzen bringt der Chef eines gescheiterten (?) Investment-Unternehmens als Führungsperson in ein Energieunternehmen ein?
„Der belgische Investmentbanker Peter Vanhecke sollte das mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Öl- und Gasunternehmen Ukrnafta sanieren, als er 2011 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde. Er stellte ein Team zusammen — teilweise aus Reihen seines früheren Arbeitgebers Renaissance Capital —, um den größten Ölproduzenten und zweitgrößten Gasförderer des Landes auf einen Börsengang an einer ausländischen Börse vorzubereiten.“ (30)
Wozu braucht ein staatlich kontrollierter Produzent des strategisch wertvollen Rohstoffs Öl eine Marktkapitalisierung im Ausland? So er sein Öl ausreichend gewinnbehaftet verkaufen kann — und das konnte Ukrnafta ganz sicher auch — wird er immer „flüssig“ sein, nicht nur an Rohöl, sondern auch an Kapital. Man kann ein Unternehmen natürlich auch ausnehmen, um es dann für eine „preiswerte“ Übernahme reif zu machen. Dafür bracht man wiederum geeignete Führungskräfte, welche auf der gleichen Seite des Spielfeldes stehen. Peter Vanhecke ist so einer. Solcherart Dienstleistung muss auch entsprechend gewürdigt werden. Und so kam Vanhecke in den Genuss eines Arbeitsvertrages, den er mit Unternehmen der Minderheitsaktionäre geschlossen hatte, was ihm jährlich mindestens drei Millionen US-Dollar einbrachte (30i).
Erste Frage: Ist das jetzt eigentlich auch Korruption?
Zweite Frage: Wer waren die Minderheitsaktionäre?
Antwort auf die erste Frage: Eigentlich ja, eigentlich eben.
Antwort auf die zweite Frage: Es gab mehrere, aber der größte Aktionär war — Vorhang auf! — Ihor Kolomoyskyi (30ii).
Dabei war Kolomoyskyi selbst auch nur eine politische Schachfigur im großen Ukraine-Geschäft. Nun bietet es sich an zu überprüfen, ob wir es hier mit Zufällen oder mit systemischen Phänomenen zu tun haben. Daher schaute der Autor bei einem weiteren Energiekonzern der Ukraine nach, bei Naftogaz, und was erfahren wir? Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der Kanadier Duncan Nightingale, Mitglieder unter anderen der Däne Erik Rasmussen und der Norweger Martin Anfinnsen, beide zuvor oder gleichzeitig mit hochrangigen Positionen im westlichen Wirtschafts- und Finanzsektor betraut (31).
2015 wurde Peter Vanhecke an der Spitze von Ukrnafta abgelöst — von einem Briten. Mark Rollins hatte zuvor bei Britisch Petroleum (BP) und anderen westlichen Ölkonzernen als Manager gearbeitet (32). Erst seit 2020 steht tatsächlich ein Ukrainer an der Spitze von Ukrnafta (33).
Eine kleine Vorgeschichte
Im Juli 2025 startete der ukrainische Staatssicherheitsdienst SBU im Rahmen einer umfassenden Untersuchung des „Verdachts der russischen Infiltration“ eine Reihe von Razzien beim NABU. Die Wohnungen von über ein Dutzend Mitarbeitern wurden durchsucht und zwei Ermittler festgenommen. Der SBU gab vor, er habe einen NABU-Beamten wegen des Verdachts, ein russischer Spion zu sein, und einen weiteren wegen angeblicher Geschäftsbeziehungen mit Moskau festgenommen. Nach Angaben des Staatssicherheitsdienstes hatten weitere NABU-Beamte Verbindungen zur verbotenen Partei eines flüchtigen ukrainischen Politikers.
Sowohl NABU als auch SAPU wiesen die gegen ihre Mitarbeiter erhobenen Vorwürfe zurück. Stattdessen klagten sie den SBU an, operative Vorarbeit für eine Gesetzesänderung zu leisten, welches die Unabhängigkeit der beiden Behörden faktisch beseitigen sollte.
„Tausende gingen in der gesamten Ukraine auf die Straße, um gegen das Gesetz zu protestieren und Selenskyj aufzufordern, sein Veto einzulegen.“ (1iv)
Kurioserweise verschleiert diese Meldung, dass Selenskyj selbst diese Gesetzesänderung beabsichtigt hatte. Aber schau an: In der Ukraine, in der das Kriegsrecht herrscht, bei dem ein ukrainischer Präsident seit einer 2024 durchgepeitschten Gesetzesänderung faktisch auf Lebenszeit im Amt bleiben kann (solange der Krieg eben andauert), gingen plötzlich Tausende Ukrainer auf die Straße. Sie gingen, weil sie es durften — und das wurde ihnen informell auch klar verständlich gemacht. Sie durften nicht nur, sie wurden animiert, sowohl im öffentlichen Informationsraum wie auch über interne Vernetzung. Was waren das für Menschen, die es da plötzlich zum Protest trieb? Aus welchem Umfeld kamen diese vorwiegend? Wir können da nur spekulieren (34, 35).
Manchmal, vor allem wenn es Machtgruppen nützt, funktioniert auch in der Ukraine die Demokratie ganz gut. Denn eines dürfte wohl klar sein: Eine Demonstration in Kiew, die sich für den Schutz der russischen Ethnie, der größten ethnischen Minderheit in der Ukraine eingesetzt hätte, wäre sicher nicht so handzahm behandelt worden, wie das mit den „spontanen Protesten“ für die „Unabhängigkeit des NABU“ der Fall war. Unabhängig war das NABU sowieso nie.
Das NABU, gegründet nach dem Maidan-Putsch, war stets ein verlängerter Arm der westlichen Drahtzieher des Maidan, ein Werkzeug zur permanenten Kontrolle und Steuerung der ukrainischen Politik gewesen. Operativ war es das US-amerikanische FBI, welches die Fäden in Kiew zog. Doch ist das FBI und seine grobpolitische Ausrichtung heute ein anderes als das FBI, das vor zwölf Jahren Mitverantwortung dafür trug, die politischen Strukturen für die neuen Kiewer Machthaber zu gestalten. Damals war eine den transnational globalistischen Eliten ergebene Obama-Regierung oberster Dienstherr des FBI. Inzwischen wird die Behörde jedoch immer stärker von national-konservativen Kräften aus und hinter den Kreisen der Trump-Administration ausgerichtet. Das macht sich auch in ihrem Wirken in Kiew bemerkbar, und das hilft, die jüngeren Aktivitäten des NABU einzuordnen (36 bis 39).
Die „spontanen“ Proteste hatten jedenfalls Erfolg, nur wenige Tage später wurde die „Wiederherstellung der Unabhängigkeit“ von NABU und SAPO per Gesetz wiederhergestellt. Bezeichnend ist, dass Selenskyj ausländische Spitzenpolitiker über den Entwurf, der doch rein nationales Recht betrifft, in vorauseilendem Gehorsam informierte (40). Aber noch etwas verdient Aufmerksamkeit: Schon vor einem Jahr lancierte das NABU Informationen über Ermittlungen gegen das Vorzeigeunternehmen Fire Point (41). Hängt das Eine mit dem Anderen zusammen?
Das NABU war — Einfluss des FBI hin oder her — nie unabhängig, und das ist völlig in Ordnung. Die hier angemahnte Unabhängigkeit ist als Schlagwort, als Opium fürs Volk zu verstehen und manipulativ. Welche Behörde solcher Art ist denn in einem demokratischen Rechtsstaat in welcher Weise unabhängig? Im Zuge der Gewaltenteilung liegt die Befugnis bei einer von der Regierung (der Exekutive) besetzten Behörde. Zuvor hat der Gesetzgeber (die Legislative) die entsprechenden Gesetze oder Verordnungen angenommen, im Falle der Ukraine ist das die Werchowno Rada (42). Das NABU ist eine beauftragte, ermittelnde Behörde und so wenig unabhängig wie es das Bundesamt für Verfassungsschutz in Deutschland auch ist. Pikanterweise gehörte die Gründung einer Behörde wie der NABU zu den Forderungen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Kommission in Bezug auf Visaerleichterungen für ukrainische Bürger, die in die EU reisen wollen.
Wenn eine vor allem durch das US-amerikanische FBI kontrollierte ukrainische Behörde anfängt, Korruptionsvorwürfe gegen ein strategisches Unternehmen in den Medien zu streuen, dann geht es um Macht, um Kontrolle und Steuerung. Der Korruptionsvorwurf mag berechtigt sein. Trotzdem ist es nur das Vehikel für die Öffentlichkeit, um den Machtkampf auszutragen. Die Konflikte zwischen Washington auf der einen sowie London und der Brüsseler Bürokratie auf der anderen Seite sind offensichtlich.
Selenskyj wurde Wochen nach der Affäre um die „Unabhängigkeit des NABU“ gezwungen, seinen langjährigen Berater, den Leiter des Präsidialamtes Andrij Jermak zu entlassen (43). Und das war augenscheinlich NABU-Aktivitäten im Vorfeld zuzuschreiben, einschließlich dessen Medienarbeit. Jermak war eher ein Agent Londons als Washingtons, so viel lässt sich sagen. Er selbst trieb schließlich in den Wochen zuvor über die Einflussnahme auf ukrainische Strafverfolgungsbehörden die Entmachtung des NABU voran (44).
Doch ist vieles miteinander verwoben. Vielleicht gefällt ja außerdem bestimmten Leuten in der Washingtoner Administration nicht, wer auf welche Weise das Projekt Fire Point aufgezogen hat und zu welchem Zweck weiterbetreibt.
Fire Point und eine Tellerwäschergeschichte
Was Fire Point betrifft, drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hier vor allem um ein britisches Projekt handelt. Damit geht es dann aber auch um mehr als nur um Profitmacherei auf ukrainische Kosten. Zur Erinnerung an dieser Stelle noch einmal die von den Medien präsentierte Tellerwäschergeschichte zur Entstehung von Fire Point:
„Zu Beginn des umfassenden Krieges im Februar 2022 war das Unternehmen, aus dem später Fire Point hervorging, laut Registrierungsunterlagen der ukrainischen Regierung eine Casting-Agentur für Film- und Fernsehproduktionen. Der rechtlich eingetragene Eigentümer, Yehor Skalyha, ist Geschäftsführer eines anderen Unternehmens, ET Point, das Drehorte ausfindig macht. Die technische Leiterin von Fire Point, Iryna Terekh, leitete zuvor ein Unternehmen, das Gartenmöbel aus Beton herstellte.“ (45)
Die Casting-Agentur hieß Centrocast und tatsächlich war Yehor Skalyha ihr Eigentümer, wie Informationen aus den Epstein-Files bestätigen.
Informationen aus den Epstein-Files!?
„Yehor Skalyha, der Inhaber der Casting-Agentur ‚Centrocast‘, wurde von »Kvartal 95« engagiert, einer Filmproduktionsfirma, die Zelensky gehört. Skalyha erwähnt dies in einem seiner Briefe an Epstein und schreibt, dass er »hier in der Ukraine für eine vielversprechende Produktionsfirma arbeite. Sie wird von einem gutaussehenden jüdischen Mann geleitet, der sich für Schauspielerei und Drehbuchschreiben begeistert. Er ist ein großer Fan von dir und möchte helfen.«“ (46)
Wolodymyr Selenskyj, der „gutaussehende jüdische Mann“, wurde in jener Zeit als aufstrebender Star der ukrainischen Filmindustrie bekannt. Centrocast erkundete für die Filme von Kvartal 95 Drehorte und stellte Statisten bereit (47).
„Am 30. Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium eine umfangreiche Reihe von Akten im Zusammenhang mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Unter den Tausenden von Dokumenten geben mehrere Akten Aufschluss über die Verbindungen zwischen Jeffrey Epstein und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Am 3. Januar 2010 schrieb Yehor Skalyha, damals Inhaber der in der Ukraine ansässigen Casting-Agentur Centrocast, eine E-Mail an Epstein, in der er ein 13-jähriges Mädchen mit schauspielerischem Hintergrund beschrieb.“ (46i)
Dem Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass es nicht das erste Angebot des Ukrainers war („We got a new one.“) (b1):

Eine direkte Verbindung Selenskyjs zu Epstein ist damit nicht belegt, sondern lediglich die von Yehor Skalyha, der allerdings seinerseits schon aus beruflichen Gründen in mehr oder weniger engen Kontakt mit Selenskyj gestanden haben muss. Auf die Anfrage Epsteins nach dem Aufenthaltsort des Mädchens, antwortete Skalyha, dass sich das Mädchen in Mariupol in der Ukraine befinde, ein Schengen-Visum besitze und jederzeit ausreisen könne.
„Zwei Wochen später wurde Sofia Zhilenkova, ein 13-jähriges ukrainisches Mädchen, in Mariupol als vermisst gemeldet. Der Artikel auf Ostrov.org beschreibt sie genau so, wie Skalyha sie Epstein geschildert hatte: 173 cm groß, mittelgroßer Körperbau, hellbraunes, hüftlanges Haar und braune Augen. Sie wurde nie gefunden.“ (46ii, 48)
Offen ist, wie zuvor die Verbindung von Skalyha zu Epstein zustande kam. Yehor Skalyha ist der jetzige Besitzer von Fire Point, Fire Point der Rechtsnachfolger von Centrocast, Centrocast arbeitete für Kvartal 95, Kvartal 95, mitbegründet von Wolodymyr Selenskyj, war verbunden mit 1+1 Media von Ihor Kolomoyskyi.
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sofia in die USA verschleppt wurde und tatsächlich die Person auf den Bildern ist, die zusammen mit Prinz Andrew in Epsteins New Yorker Villa zu sehen ist. Der Zeitpunkt ihres Verschwindens stimmt mit Prinz Andrews letztem offiziellen Treffen mit Epstein im Dezember 2010 in New York City überein. Die Umgebung auf den Bildern entspricht dem Interieur von Epsteins New Yorker Villa. In einer weiteren E-Mail von Skalyha vom 11. Januar 2011 schrieb dieser: »Schade, dass der Prinz unsere kleine Schauspielerin so schlecht behandelt hat.«“ (46iii)
Das ist eine an dieser Stelle nicht weiter verfolgte, aber zumindest erwähnenswerte Verbindung zwischen sich neu etablierenden ukrainischen Eliten auf der einen und britisch-US-amerikanischen Eliten auf der anderen Seite. Doch lassen wir uns an dieser Stelle von einer weiteren märchenhaften Geschichte (siehe die Tellerwäschergeschichte weiter oben) verzaubern — oder doch lieber nicht:
„Wir haben es ziemlich schnell entwickelt. Es dauerte weniger als neun Monate, bis aus der Idee die ersten erfolgreichen Tests auf dem Schlachtfeld wurden. Ich werde Ihnen nichts über die genaue Geschwindigkeit verraten, aber ich kann sagen, dass diese Rakete schneller ist als alle anderen Raketen, über die wir derzeit verfügen […] Sie wird vollständig in der Ukraine produziert.“ (49)
Diese Aussage stammt von Iryna Terekh, eine der drei Besitzer von Fire Point. Danach hat Fire Point als sozusagen Start Up und zuvor in völlig anderen Branchen unterwegs in drei Jahren etwas geschafft, wofür große, mit Hochtechnologie versorgte Rüstungsunternehmen Jahrzehnte benötigten: die Entwicklung eines Marschflugkörpers mit 3.000 Kilometern Reichweite, der einen Sprengkopf von über einer Tonne tragen und bis zu 950 Stundenkilometer schnell sein kann, dazu die einer Rakete, die fast im Hyperschallbereich fliegen kann (50). Das brauchen wir wirklich nicht zu glauben. Was wir da tatsächlich lesen, ist schlicht und einfach eine Tarngeschichte. Flamingo FP-5, so der Name des Marschflugkörpers, ist keine ukrainische Entwicklung.
Erinnert sich der geneigte Leser noch an die Diskussion um den deutschen Marschflugkörper Taurus, der den ukrainischen Streitkräften zur Verfügung gestellt werden sollte? Ist dem einen oder anderen noch geläufig, wie die Briten vor zwei Jahren die deutsche Regierung zu diesem Schritt drängten (51)? Das Aussehen wie auch die außergewöhnlichen Leistungsparameter der FP-5 ähneln in erstaunlicher Weise einem Produkt, das im Februar 2025 von der Milanion Group vorgestellt wurde (52).
„Die Milanion Group Ltd., eine im Jahr 2020 im Vereinigten Königreich eingetragene Privatgesellschaft, ist ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts von Flamingo. […] Die FP-5-Rakete, die Milanion auf der IDEX 2025 vorgestellt hat, ist hinsichtlich Gewicht, Reichweite, Nutzlast und Flugprofil nahezu identisch mit der Flamingo. Der Zeitplan deutet darauf hin, dass die Ukraine die Technologie möglicherweise im Rahmen eines Technologietransfers, einer gemeinsamen Entwicklung oder einer Lizenzproduktion erhalten könnte.“ (53)
„Erhalten könnte“ war die Wortwahl im Sommer 2025. Ein Jahr später ist das „könnte“ zur Gewissheit geworden, das „erhalten könnte“ eine schlichte Manipulation für etwas damals bereits in Umsetzung begriffenes. Ergänzen wir noch die Informationen zum Portfolio der Milanion Group. Die dort entwickelten, weitreichenden Angriffsdrohnen finden gleichfalls ihr Pendant bei Fire Point (Drohnen der FP-1- und FP-2-Serie) (54). Mit Ukrainian Armor produziert Milanion außerdem unbemannte autonome Landfahrzeuge für Kampf- und Versorgungseinsätze, die inzwischen zu tausenden an der ukrainisch-russischen Front eingesetzt werden (55).
Drei engagierte Personen aus dem Mediengeschäft beziehungsweise „Ich-AGs“ beschließen Ende 2022, Drohnen zu bauen, um keine drei Jahre später Rüstungsaufträge in der schwindelerregenden Summe von einer Milliarde US-Dollar einzuheimsen (45i). Keine drei Jahre nach dem Start des Projekts ist Fire Point eng in den militärisch-industriellen Komplex der NATO-Staaten in Europa integriert und produziert technologisch fortschrittliche Drohnensysteme und Raketen zu Tausenden (56, 57). Im Januar 2023 zählte das Unternehmen 18 Beschäftigte, im Juni 2026 waren es 7.000 (58).
Ohne sorgfältige Planung, ohne stetigen, jedoch gut kontrollierten Technologietransfer, ohne die kontinuierliche Bereitstellung von Material und Halbfertigprodukten, vor allem ohne Ströme von Geld ist das alles völlig undenkbar. Das ist keine ukrainische Geschichte, es ist ein Aspekt des NATO-ukrainischen Krieges gegen Russland und gleichzeitig die Umsetzung eines Geschäftsmodells mit vielen Spielern.
Der Artikel leitete mit einem Korruptionsskandal bei Energoatom ein. In diesem Skandal war Ihor Fursenko als ein Schlüsselmitglied für Geldwäscheoperationen verwickelt (59). Bei den Ermittlungen stellte sich jedoch außerdem heraus, dass Fursenko, durch Oleksandr Tsukerman (siehe weiter oben) vermittelt, bei Fire Point in einer Scheinbeschäftigung angestellt war. Fursenko ließ sich aus recht triftigen Gründen auf seine Kurierdienste ein, gab ihm das doch die Möglichkeit, der Zwangsmobilisierung zu entgehen (60, 61).
Die Vorzeigeraketen von Fire Point basieren auf westlicher Technologie. Das Geld fließt über westliche Kredite (die wiederum mit eigener Schuldenaufnahme „abgesichert“) und den ukrainischen Staatshaushalt zu Fire Point. Kritische Komponenten wie Raketentreibstoff werden in das vermeintlich sichere westliche Hinterland ausgelagert (62). Ausdrücklich hat Selenskyj diesbezüglich Norwegen, Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Litauen benannt (63).
So man die Epstein-Files ernst nimmt, ist es eine seit Jahrzehnten bestehende Vernetzung westlicher Eliten zu Leuten aus dem Dunstkreis des Oligarchen Ihor Kolomoyskyi, die Fire Point zu dem gemacht haben, was es heute ist. Yehor Skalyha, einer der Miteigentümer von Fire Point, ist Teil dieses Netzwerkes. Seine Kontakte zu Epstein sagen genug (46iv). Und damit ist Fire Point lediglich eine täuschende Fassade der westlichen Geldmaschine. Es ist eine Transferstelle für die immensen Geldströme, die von westlichen Staaten als Schulden aufgenommen werden, um über den ukrainischen Umweg private „Investoren“ eben im Westen zu bereichern.
Gehen wir abschließend noch davon aus, dass die derzeitigen Proteste gegen den mehr oder weniger erzwungenen Rücktritt des ukrainischen Kriegsministers Fedorow (64) — in Russland sarkastisch auch Papp-Maidan genannt — in Wirklichkeit einen Verteilungskampf um Geldflüsse darstellen. Genauer gesagt, wohin die Geldflüsse umgeleitet werden, welche in die Ukraine strömen (65). Denn der Großteil dieses Geldes bleibt dort nicht. Aber das ist schon wieder eine neue Geschichte.
Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.
Anmerkungen und Quellen
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen — insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors — kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.
(a1) Die Übersetzungen aus dem Englischen erfolgten unter Zuhilfenahme von DeepL.com.
(a2) Der frühere Westinghouse-Direktor Patrick Fragman ist Ende Mai 2026 von seinen Posten als stellvertretender Vorsitzender und unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrates bei Energoatom vorzeitig zurückgetreten. Er begründete seine Entscheidung mit Überlastung (66).
(1 bis 1iv) 15.11.2025; The European Circle; Operation „Midas“: Alles, was Sie über die Antikorruptionsermittlungen in der Ukraine wissen müssen; https://www.european-circle.de/operation-midas-alles-was-sie-ueber-antikorruptionsermittlungen-in-der-ukraine-wissen-muessen/
(2) 12.11.2025; Komersant; Government dismisses Energoatom vice president: what is known; https://komersant.ua/en/uriad-usunuv-z-posady-vitse-prezydenta-enerhoatomu-shcho-vidomo/
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(58) 03.07.2026; SatMeteo; Diese Rakete soll die Wende im Ukraine-Krieg bringen; https://satmeteo.com/de/news/diese-rakete-soll-die-wende-im-ukraine-krieg-bringen-5d8680cd7dc643ffa6e070ec10edea7a
(59) 12.11.2025; Yuliia Zavodska; The court remanded the chief accountant in the „Energoatom“ case Ihor Fursenko into custody; https://babel.ua/en/news/123000-the-court-remanded-the-chief-accountant-in-the-energoatom-case-ihor-fursenko-into-custody
(60) 12.04.2026; PressWay; Der Eigentümer des ukrainischen Drohnenherstellers Fire Point, Denys Shtilerman, bereinigt Korruptionsverbindungen zu Figuren aus den „Mindich-Aufnahmen“; https://pressway.net/news/305878-der_eigentmer_dec_ukrainischen_drohnenherstellers_fire_point_denys_shtilerman_bereinigt_korruptionsverbindungen_zu_figuren_aus_den_mindich-aufnahmen
(61) 13.11.2025; The Kyiv Independent; Kollen Post; Corruption investigation reveals startling link between defense company Fire Point, Zelensky’s associate Mindich; https://kyivindependent.com/money-man-for-mindich-energy-corruption-scheme-was-employed-by-flamingo-maker-fire-point/
(62) 02.12.2025; ARD-Tagesschau; Ukraine baut Rüstungsfabrik in Dänemark; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/ukraine-ruestungsfirma-daenemark-100.html
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(64) 16.07.2026; ARD-Tagesschau; Ghilko Gläßgen; Was hinter der Ablösung von Fedorow steckt; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-fedorow-ruecktritt-100.html
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(b1) Yehor Skalyha, Ukraine, Jeffrey Epstein, Mail; 03.01.2010; Epstein-Files; https://web.archive.org/web/20260310230006/https://epsteinfilesdb.com/ukrainian-casting-agency-tied-to-zelensky-supplied-epstein-with-underage-girls/
(Titelbild) Dollar, Puppe, Marionette, Oligarch; Autor: geralt (Pixabay); 03.04.2023; https://pixabay.com/de/illustrations/marionette-bildung-person-f%c3%a4den-7894709/; Lizenz: Pixabay License