Der seit Monaten regelmäßig auflodernde und dann wieder abebbende Krieg im Nahen Osten kommt allem Anschein nach als Inszenierung daher.
Die Inszenierung wie wohlgeformte Choreographie dieses skurrilen Krieges ist augenfällig. Zu widersprüchlich sind die kommunizierten Handlungen und Verlautbarungen zum Konflikt. Die Nachrichten, die den Informationsraum befüllen, lassen trotzdem Erkenntnisse zu. Eine der jüngsten Episoden im Konflikt bietet dafür weitere Anhaltspunkte.
Die US-Streitkräfte haben in der Vorwoche weitere fünf iranische Öltanker attackiert. Die Schiffe sollen laut Centcom (U.S. Central Command), dem zentralen Kommando der US-Streitkräfte mit Einsatzgebieten unter anderem im Nahen Osten, als zugehöriger „Teil eines milliardenschweren Schattennetzwerkes“ zur Finanzierung der IRGC und ihrer Stellvertreter in der Region fungieren (1).
Die US-Regierung spricht immer wieder von Schattennetzwerken und begründet damit ihr mehr oder weniger aggressives Vorgehen gegen Körperschaften bis hin zu Staaten, die mit Schattennetzwerken in Verbindung gebracht werden. Die Frage nun lautet, ob diese Behauptungen aus der Luft gegriffen sind. Im Falle des Iran konnte man erfahren (Hervorhebung durch Autor):
„Das US-Finanzministerium hat neue Sanktionen gegen ein Netzwerk verhängt, das nach US-Angaben iranisches LPG über Frontfirmen, Schattenbanken und mehrere Gastanker transportiert hat, während die Ladungen als nicht-iranisch dargestellt wurden. Die Maßnahmen betreffen Händler, Finanzintermediäre und sechs LPG-Schiffe. Washington zufolge wurden einige Lieferungen vor dem Weiterverkauf nach Süd- und Ostasien als omanisches Produkt ausgegeben.“ (2)
Das US-Finanzministerium kontrolliert Transaktionen von US-Dollar — weltweit, denn jede Transaktion läuft über eine US-Bank beziehungsweise die US-Filialen einer ausländischen Bank. Nun sanktioniert das Ministerium in immer stärkerem Maße Verstöße gegen Sanktionen. Sanktionen, die den Handel auf Basis des US-Dollars einschränken oder ganz verbieten. Massenmedial wird das emotionale Gehirn des Konsumenten bei Sanktionsverstößen quasi instinktiv auf den Iran und (zum Beispiel) die IRGC gerichtet. Und schlussfolgert beziehungsweise fühlt sich bestätigt, dass es hier tatsächlich „nur“ um einen Krieg gegen den Iran gehen könne.
Doch wenn wir von Finanzintermediären sprechen, dann sind gemeint: Banken. Banken im US-Dollar-Raum, westliche Banken, große westliche Banken. Banken, die an Sanktionen verdienen, die an Sanktionen sogar interessiert sind, weil schließlich erst Sanktionen die Schattensysteme in Wirtschaft und Finanzen notwendig machen. Das sind nicht irgendwelche Banken, es sind Banken aus dem Club des „too big to fail“ (zu groß um pleite zu gehen), zum Beispiel die britische HSBC sowie die US-Banken JP Morgan Chase, Citibank und Bank of New York Mellon (BNY) (3, 4). Sanktionen gehen mit geschürten Konflikten einher und ein weiteres Mal steht im Raum, dass beides offenbar unter anderem deshalb mit Vorsatz betrieben wird, um exklusive Geschäftsgrundlagen, verbunden mit dem Aufbau und der Pflege abhängiger politischer Strukturen in sanktionierten Staaten zu erschaffen.
Das macht aus dem Krieg gegen den Iran einen Krieg gegen Banken? Dieses Bild erscheint zu radikal. Realistischer ist der Gedanke, dass hier ein Krieg geführt wird, um Banken durch Druck von US-Ministerien einzuhegen und ihnen parallel dazu die Grundlage für ihre illegalen, politisch bisher jedoch gedeckten Geschäfte zu entziehen. Denn nicht nur in den USA ist es so, dass ein verqueres Bild politischer Einflussnahme präsentiert wird. Nicht Regierungen, die Politik also, kontrollieren effektiv den Finanzsektor, sondern eher das Gegenteil trifft zu.
Die von der Trump-Administration verhängten Sanktionen gegen den Iran scheinen daher die Grundlage für Sanktionen und Druck auf Banken und die von ihnen „gefütterten“ Strukturen zu sein. Das lässt wiederum die Vermutung zu, dass Trumps Regierung den Iran-Konflikt von kleiner Flamme, die bereits über Jahrzehnte hinweg flackerte, auf eine kontrollierte große Flamme gestellt hat und der Konflikt den Machtkampf westlicher Eliten spiegelt. Hinter dem „offiziellen“ Krieg tobt seit längerem ein weiterer, verdeckter Krieg, projiziert in die internationale Politik (5). Dieser verdeckte Krieg erodiert wiederum schrittweise über Jahrzehnte hinweg etablierte Strukturen eines illegalen, global aufgestellten Wirtschafts- und Finanzsystems, welches seine Tentakeln tief in politische Institutionen der Staaten verankert hat. Eines dieser Machtzentren lässt sich zuverlässig in Großbritannien, in der City of London (CoL), orten.
Schauen wir auf einen nächsten Aspekt der jüngsten Episode. Als „Vergeltung“ für den Angriff auf die iranischen Tanker haben die Islamischen Revolutionsgarden (eben die IRGC) des Iran einen vom US-Militär genutzten Luftwaffenstützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. Gleichzeitig kündigte der Iran an, spiegelbildlich Öltanker vor Bahrain und Kuweit zu zerstören. Beides sind Staaten, die den US-Krieg gegen den Iran aktiv unterstützen (6).
Von den 20 Raketen, die auf den jordanischen Stützpunkt Al-Azraq (auch bekannt als Muwaffaq Salti Air Base) zielten, sollen laut offiziellen jordanischen Quellen 18 abgeschossen und zwei weitere in unbesiedelten Gebieten abgestürzt sein (7). Die iranische Seite hingegen sprach von einem (weiteren) verheerenden Angriff (8, 9). Die US-Luftwaffe hat dort Dutzende Kampfflugzeuge vom Typ F-35, F-16 und F-15, Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10C Warthdog sowie Reaper-Angriffsdrohnen stationiert. Außerdem wurde der Stützpunkt für Luftbetankungsflugzeuge und Hubschrauber genutzt (10).
Der Wahrheitsgehalt der beiderseitigen Aussagen zu den Auswirkungen des iranischen Raketenangriffs ist derzeit schwer prüfbar. Dass 20 Raketen im Einsatz waren, wird allerdings von beiden Seiten bestätigt. Das bedeutet aber auch, dass der Stützpunkt mit einer enormen Anzahl moderner wie teurer Patriot-Raketen verteidigt werden musste. Man spricht von 60 bis 100 PAC-3-Raketen, von denen jede, abhängig von der Variante, zwischen 3,4 und 8 Millionen US-Dollar bepreist ist (11). Das bedeutet, dass dem Pentagon allein dieser Einsatz zwischen 200 und 800 Millionen US-Dollar gekostet hat. Hintergrund ist, dass für die Abwehr jeder modernen ballistischen Rakete zwischen drei und fünf Abwehrraketen gestartet werden müssen (12).
Es ist von Bedeutung, dass die USA um die Vergeltungsstrategie der iranischen Militärs wissen, ihnen also der Aufwand bekannt ist, mit dem die eigenen militärischen Objekte auf der arabischen Halbinsel geschützt werden müssen. So wie auch bekannt ist, dass die Vorräte an Patriot-Raketen bedenklich geschrumpft sind. Von etwa 2.300 Stück sind bis zum Juli des Jahres bereits 1.400 verbraucht wurden. Das bedeutet, dass die US-Streitkräfte allein zur Abwehr des oben erwähnten Angriffs ein Zehntel ihres verbleibenden Bestandes verschossen haben (12i).
Das bewusste Kalkulieren mit schwindenden Patriot-Abwehrraketen ist umso bemerkenswerter, als die Kiewer Regierung seit vielen Monaten händeringend um diese, plus der Systeme selbst, bei ihren „Verbündeten“ bittet (13). Das ist aber noch nicht alles. Es bedeutet nämlich außerdem, dass der stärkste militärische Verbündete Israels mit offenen Augen seine Kapazitäten reduziert, was bei seiner erneuten Anfeuerung der Kriege durch Israel potenziell dessen eigenen Schutz erheblich schwächt.
Machen wir uns die Antwort auf die folgende Frage nicht zu einfach: Ist das Vorgehen der Trump-Administration, gerade auch in Bezug auf die Kriege gegen den Iran und Russland, nun Inkompetenz und die Präsentation eines abgehobenen Egomanen oder Teil eines ausgeklügelten Konzepts?
Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.
Anmerkungen und Quellen
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er — einschließlich der Primärquelle — gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.
(1) 08.09.2026; USCENTCOM; U.S. Destroys 5 IRGC Tankers After Iran Targets Another American Warship; https://www.centcom.mil/MEDIA/PUBLIC-RELEASES/Article/4593050/us-destroys-5-irgc-tankers-after-iran-targets-another-american-warship/
(2) 05.06.2026; TankerMap; USA sanktionieren iranisches Schattennetzwerk für LPG-Transporte; https://tankermap.com/de/news/us-sanctions-iran-lpg-shadow-network-2026-06-05
(3) 20.04.2026; Payment Expert; Bank giants HSBC, JPMorgan linked to Iran money laundering scheme; https://paymentexpert.com/2026/04/20/iran-money-laundering-hsbc-jpmorgan/
(4) 23.11.2024; The Economic Times, Bloomberg; US looks into JPMorgan’s ties to Iranian oil kingpin; https://economictimes.indiatimes.com/news/international/world-news/us-looks-into-jpmorgans-ties-to-iranian-oil-kingpin/articleshow/115576986.cms
(5) 21.01.2020; Bankingdive; Anna Hrushka; HSBC whistleblower says Iran sanctions could bring AML into sharper focus; https://www.bankingdive.com/news/iran-sanctions-anti-money-laundering-hsbc-whistleblower/570522/
(6) 09.09.2026; ARD-Tagesschau; USA zerstören fünf iranische Öltanker; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/usa-iran-krieg-angriff-tanker-100.html
(7) 09.09.2026; AlJazeera; Yashraj Sharma; What is Jordan’s Al-Azraq base and why is Iran targeting it?; https://www.aljazeera.com/news/2026/9/9/what-is-jordans-al-azraq-base-and-why-is-iran-targeting-it
(8) 08.09.2026; Shafaq News; IRGC strikes Jordan’s al-Azraq airbase; https://shafaq.com/en/Middle-East/IRGC-strikes-Jordan-s-al-Azraq-airbase
(9) 11.09.2026; Top War; Evgeniya Chernova; 3 aircraft destroyed, 6 damaged – new data on the IRGC strike on the US base; https://en.topwar.ru/289519-3-samoleta-unichtozheny-6-povrezhdeny-novye-dannye-ob-udare-ksir-po-baze-ssha.html
(10) Globalmilitary.net; Muwaffaq Salti Air Base (MSAB / Al Azraq Air Base); https://www.globalmilitary.net/airbases/muwaffaq-salti-air-base/; abgerufen: 11.09.2026
(11) 15.07.2025; Vaihinger Kreiszeitung; Markus Brauer; Was kostet eine Flugabwehrrakete vom Typ Patriot; https://www.vkz.de/lokales/detailansicht/artikel/was-kostet-eine-flugabwehrrakete-vom-typ-patriot-304508/
(12, 12i) 10.09.2026; Clash Report; Ahmet Koçak; One Iranian Salvo May Have Cost US $500M in Patriot Interceptors; https://clashreport.com/defense/articles/one-iranian-salvo-may-have-cost-us-500m-in-patriot-interceptors-whlrcey4ir
(13) 22.07.2025; Deutschlandfunk; Kiew braucht laut Pistorius fünf Patriot-Systeme; https://www.deutschlandfunk.de/kiew-braucht-laut-pistorius-fuenf-patriot-systeme-100.html
(Titelbild) Rakete, Start, Raketenabwehrsystem; Autor: cagrikarip (Pixabay); 05.12.2023; https://pixabay.com/illustrations/ai-generated-missile-launcher-8430402/; Lizenz: Pixabay License