Wie zeigt sich solch ein Verhalten in der Berichterstattung? Das jüngste Geschehen im Ukraine-Konflikt gibt uns aufschlussreiche Hinweise.


Jüngst hat das Empörungs-Management wieder eine starke Rolle bei der Befüllung des Informationsraums gespielt. Routinemäßig wurde Russophopie und Bellizismus mit neuem Futter versehen. So etwas tut man in erster Linie, um einen Krieg zu gewinnen. Manche tun es auch einfach nur, damit der Krieg weitergeht oder gar eskaliert. Und die Letzteren könnten sogar politisch dominieren. Wären die großen, reichweitenstarken Medien unabhängig, dann hätten sie das längst aufs Korn genommen. Da dem nicht so ist, spielen sie ein anderes, beauftragtes Spiel.


Was es mit „den Schwanz einklemmen“ (siehe Titel) auf sich hat, ist natürlich eng mit den Abhängigkeiten verbunden, in welche die Systemmedien verstrickt sind. Probieren wir es mit einem Spannungsbogen und widmen uns diesem Aspekt, wenn wir ihn als passendes Fazit den Artikel beschließen lassen. Doch kommen wir erst einmal zu Nico Lange.

Nico Lange nennt sich Militärexperte, die ARD nennt ihn auch so. Der Autor nennt ihn Claqueur — „eine Person, die bei einem Theaterstück oder einer anderen öffentlichen Aufführung bezahlten Applaus liefert“ (1). Aber noch besser passt wohl Auftragspropagandist:

„»35 ballistische Raketen auf eine schlafende Großstadt« abzufeuern, sei ein klares Kriegsverbrechen. Es solle deshalb Konsequenzen seitens der Europäer geben. Man könne etwa Schengen-Visa für alle Russen stornieren und der Ukraine die deutschen ‚Taurus‘-Marschflugkörper liefern. »Auf jeden Fall muss es Folgen haben, wenn Putin so etwas tut, sonst fühlt er sich ermutigt, das weiterhin zu machen«.“ (2)

Nico Lange ist ein gern in den Medienkosmos geladener Experte. Einer, der den Autor stark an Marcus Keupp erinnert (3). Da diese Experten weniger militärisch aufklären, sondern vielmehr ideologisch argumentieren, erzählen sie auch viel Unsinn. Aber wie das so ist bei Propaganda, bleibt dieser Unsinn in den Köpfen der Konsumenten leider haften. Einfach, weil der Unsinn emotional aufgeladen ist und uns somit für die eingepackten Botschaften empfänglich macht. Nico Lange tut hier eines ganz bestimmt nicht: seine vorhandene oder auch scheinbare Militärexpertise ausbreiten. Wir nehmen dieses Zitat im Weiteren noch gründlicher auseinander.

Strategie der Beeinflussung von Meinungen

Was hier geschieht, war vorhersehbar. Das Skript ist vom Grundsatz her stets gleich gestrickt, es variiert lediglich in den Details. Vor zwei Wochen schrieb der Autor folgende Zeilen. Dort ist von Odessa die Rede, wir können das aber natürlich auch durch andere strategisch wichtige Standorte (Kiew, Charkow, Dniepropetrowsk und weitere) ersetzen:

Aber Russland ist sehr wohl in der Lage, die Situation des Hafens von Odessa als militärischen Umschlagplatz und militärisches Operations- und Angriffszentrum grundlegend zu ändern. Was selbstverständlich einen gewichtigen Einfluss auf das zivile Leben hätte. Nur scheint sich immer mehr herauszuschälen, dass die Führung des Krieges in Form einer „Speziellen Militärischen Operation“ (SMO) so nicht mehr plausibel ist. Der öffentliche Druck in Russland, hier etwas zu ändern, wächst stetig.

Mach mir die Hände frei. Die britisch gesteuerte Kriegsführung der Ukraine gibt Russland die Argumente, hier entscheidend umzusteuern. Und nun kommen wir zu einem möglichen Grund, warum ARD und Co. so auffallend zurückhaltend operieren, wenn es um die massiven Angriffe auf zivile (wohlgemerkt!), kritische Infrastruktur in Russland geht.

Denn, was vom Autor immer wieder betont wird, ist die Tatsache, dass all diese Realitäten in eine Erzählung gebettet werden. Dafür werden sie passend umgeschrieben, fragmentiert und dekontextuiert. Wenn Russland massive Zerstörungen im Hafen von Odessa anrichten sollte — die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß —, dann wird die psychologische Operation, die gegen die westlichen Bevölkerungen gerichtet ist, die nächste Stufe zünden.

Dann werden nämlich öffentlich-rechtliche Sender manischen Bellizisten wie Strack-Zimmermann und Kiesewetter ein weiteres Mal die Bühne freigeben und ihrer Kriegstreiberei ausschweifend zitierend huldigen. Bei Kiesewetter, der als Bellizist sich schlüssigerweise auch als ein notorischer Lügner aufführt, wird das dann so klingen: „Russland tritt als Terrorstaat auf, der einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt und in sich ein kolonialer und imperialer Staat ist“ (4).

Die logische Kette, welche da geknüpft wird, ist voraussehbar. Sie stellt sich dar in Rufen nach mehr Waffen, nach mehr Unterstützung im „Verteidigungskampf der Ukraine“. Rasch werden ein weiteres Mal in Rekordzeit neue „Rettungspakete geschnürt“, der „Wehretat“ weiter hochgeschraubt, die Bevölkerung hysterisiert. So eben geht Krieg.

Soweit die vor zwei Wochen geäußerten Gedanken. Und prompt wurde für diese Erkenntnis der nächste aussagekräftige Beleg geliefert — frei haus von der ARD-Tagesschau und selbstverständlich in gleicher Weise von den anderen beauftragten und so ziemlich im Gleichschritt marschierenden Systemmedien.

Nehmen wir uns also der Russenhetze des Nico Lange an. Denn etwas anderes ist das nicht. Der Slogan „gegen Hass und Hetze“ ist ein prägnantes Beispiel für die grassierende Doppelmoral in unserer Gesellschaft. Während hierzulande unermüdlich vor „Hass und Hetze“ durch „Rechtsextreme“ gewarnt wird, und man versucht, die politische Opposition über diese Schiene mundtot zu machen, gilt das für regierungskonforme „Hass und Hetze“ ganz offensichtlich nicht.

Emotional wirksamer Unsinn

Verstehen wir uns nicht falsch: Hass ist nicht kriminell. Es ist ein Menschenrecht, zu hassen. Anders sieht es mit Hetze aus. Hetze ist ein auffälliges Merkmal von Propaganda. Mit gelebter Hetze, lebt man nicht nur Hass aus, sondern versucht vielmehr, andere Menschen mit ins Boot zu nehmen, ihnen den eigenen Hass überzustülpen. Mit solchen Methoden lassen sich pogromartige Zustände herstellen, im Kleinen wie im Großen. Gerade solche Methoden sind es, die uns, als im Grunde friedfertige Wesen, kriegsfähig machen.

Ein Mensch, der hetzt, argumentiert vom Grundsatz her nicht rational. Er bastelt sich stets die Logik zurecht, die er für seine Zwecke als tauglich ansieht. Im eingangs genannten Zitat erfahren wir von Nico Lange:

„»35 ballistische Raketen auf eine schlafende Großstadt« abzufeuern, sei ein klares Kriegsverbrechen. Es solle deshalb Konsequenzen seitens der Europäer geben.“ (2i)

Das ist die Aussage eines sogenannten Militärexperten. Eine Aussage, die so wie sie da steht, schlicht und einfach Quatsch ist. Dafür ist sie emotional angereichert („schlafende Großstadt“, „klares Kriegsverbrechen“) und sie ist jedes Kontextes beraubt. Sie ist zusammenhanglos, ganz auf die Emotion gerichtet. Und das ist Vorsatz! Vorsatz gerade auch deshalb, weil aus der unsinnigen Behauptung eine logische Schlussfolgerung konstruiert wird („Es solle deshalb Konsequenzen seitens der Europäer geben“). „Militärexperte“ wiederum ist in diesem Sinne eine Floskel zur Stärkung der Glaubwürdigkeit des Sprechers. Mit solchen, doch eigentlich simplen Tricks wird dafür gesorgt, dass Menschen Unsinn als glaubhaft annehmen.

Der bestellte, präsentierte „Experte für Sicherheit und Verteidigung“ (2ii) glaubt und die Systemmedien veröffentlichen es. Das ist Vorsatz, kein Unvermögen:

„Ich glaube, die Europäer sollten schleunigst neue Raketen bauen, diese testen und Putin damit klarmachen: Wir lassen uns nicht einschüchtern und lassen uns nicht erpressen.“ (2iii)

Unverblümter lässt sich kaum ausdrücken, worum es tatsächlich geht. Ohne große Umwege kommt Lange zur Sache. Ein „Sicherheitsexperte“ hat keine bessere Idee, als „schleunigst neue Raketen zu bauen“. Echte Sicherheitsexperten sind mindestens auch diplomatisch bewandert, Lange gehört nicht dazu. Aber der militärische-industrielle Komplex klatscht in die Hände, während Lange von „nicht einschüchtern lassen“ schwadroniert. Das ist alles so plump, dass man kaum glauben mag, was man da liest (oder hört).

Das zeigt uns, dass Medienberichterstattung aus verschiedenen Blickrichtungen betrachtet werden muss, um zu verstehen, was da zum Beispiel in öffentlich-rechtlichen Sendern vor sich geht. Alles deutet darauf hin, dass dort Entscheider sitzen, welche passende Demagogen rekrutieren, und zwar regelmäßig. Demagogen, auf die man sich verlassen kann und welche in dieser Funktion auch aufgehen, Demagogen, die in ihrer Rolle authentisch wirken. Von einer ausgewogenen Struktur geladener Experten (oder wie immer man die Menschen auch nennen möge) kann überhaupt keine Rede mehr sein. Stets werden Leute geladen, die eine dem zu veröffentlichenden Informationsraum dienende Meinung vertreten.

Dazu kommt eine redaktionelle Einflussnahme auf die formale Gestaltung des Berichts, welche auch wirklich so ziemlich jede Sachinformation mit gewünschten Emotionen verbindet. Vielleicht nicht den Journalisten durchweg, jedoch spätestens den in politisch relevanten Bereichen tätigen Chefredaktionen spreche ich die Fähigkeit zur unabhängigen Berichterstattung ab. Sie sind ideologisch vereinnahmt oder bodenlos opportunistisch. Wären sie es nicht, wären sie innerhalb dieses Systems längst ausgetauscht worden. Die Gestalter des ARD-Tagesschau-Formats dürften außerdem gut in politisch aktive, informelle Netzwerke eingebunden sein. Das ist schließlich auch der Grund für die fortwährende Präsenz des Nico Lange in den Medien (5).

Was fehlt?

Das braucht keiner bestreiten: Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht zum 24. Mai den seit Kriegsbeginn überhaupt schwersten Luftangriff auf Objekte in der ukrainischen Hauptstadt durchgeführt. Das Thema Ukraine-Konflikt wurde am 26. Mai von der ARD-Tagesschau in dieser Weise zusammengefasst (b1):

Ohne in die Berichte selbst einzusteigen, ist unverkennbar, wie da konnotiert, also über Sprache emotional vorbewertet, verurteilt und gerechtfertigt wird. „Eine Stadt gibt nicht auf“, „Moskau droht“, „die Ukraine und EU-Vertretung wollen sich nicht einschüchtern lassen“, „Kiew räumt auf — und fordert Konsequenzen“. Das ist kein sauberer Journalismus. Aber darauf soll an dieser Stelle nicht gründlicher eingegangen werden. Wie bereits öfter thematisiert, geht es wieder einmal um den fehlenden Part. Es geht um zeitliche Abläufe, die nicht ausreichend dargestellt werden und eine extrem verkürzte Wiedergabe der russischen Sicht. Eine Sicht, die genauso angemessen in Titeln und Vortexten von Berichten zum Ausdruck kommen sollte, wie die des Kriegsgegners. Unabhängige Journalisten und Redakteure können gern eine innere, parteiische Haltung zu Konflikten einnehmen. Aber sie haben das aus ihrer beruflichen Tätigkeit herauszuhalten.

Geht man in der Zeitleiste über das im obigen Bildschirmausschnitt gesichtete Material zurück, findet man das:

  • „Ukrainische Hauptstadt Kiew ist Ziel von massiven Raketen- und Drohnenangriffen“,
  • „ARD-Studio Kiew massiv beschädigt“,
  • „Susanne Petersohn, ARD Kiew, über den schweren russischen Angriff auf Kiew“,
  • „Russland greift Kiew mit Hyperschallraketen und Kampfdrohnen an“,
  • „»Putin will uns einschüchtern«“,
  • „Angriff Russlands auf Kiew mit Hyperschallrakete Oreschnik“,
  • „Feuer, Tote und massive Zerstörung“,
  • „Russischer Großangriff verwüstet Kiew“,
  • „Schwere russische Luftangriffe auf Kiew“,
  • „Kiew meldet schwere russische Luftangriffe“, und immer so weiter (b1i).

Weder die oben zitierten Überschriften noch die Vortexte zu den entsprechenden Berichten geben den geringsten Hinweis auf den fehlenden Part. Und das ist mehr als verdächtig. Hier wird im vollen Bewusstsein eine Information aus dem Informationsraum verbannt — eine wichtige Information.

Das Narrativ und seine Absurditäten

ARD-Korrespondentin in Kiew ist seit Jahren Susanne Petersohn. Sie ist es seit Jahren, weil sie zuverlässig ist, weil sie korrekt berichtet. Korrekt meint nicht journalistisch korrekt, sondern korrekt im Sinne der gewünschten Art und Weise, wie sie aus der Ukraine vom Konflikt mit Russland berichten soll. Vielleicht ist Petersohn ja auch noch dort, weil andere Menschen, die sich dem eigenen journalistischen Credo stärker verpflichtet fühlen, sich nicht für die Kriegspropaganda einer Seite des Konflikts einspannen lassen wollen. Susanne Petersohn ist jedenfalls dem Autor inzwischen ein Begriff. Frau Petersohn wurde unmittelbar nach den jüngsten russischen Angriffen auf Kiew gefragt, aus welchen Gründen Russland diesen Angriff durchgeführt hätte. Ihre Antwort lautete in etwa so:

„Wir haben ja immer wieder in der vergangenen Zeit gehabt, dass Russland, dass Wladimir Putin gesagt hat, das ist jetzt eine Vergeltung für irgendwas. Gestern wurde eine Vergeltung angekündigt vom Kreml für einen vermeintlichen oder mutmaßlichen Schlag, Drohnenangriff.“ (6)

Susanne Petersohn war nicht bereit, die Frage zu beantworten. Sie hätte einfach sachlich den Grund angeben können, den Russland für seine jüngsten Angriffe vorbrachte. Stattdessen wich sie aus. Der Autor geht davon aus, dass Petersohn die Antwort aber sehr wohl kannte. Wenn Jemand in innere Konflikte gerät, dann macht sich das sehr wohl in seinem Verhalten nach außen hin bemerkbar. Petersohns Dissonanzen bei ihren Berichten aus Kiew fielen mir bereits in der Vergangenheit auf. Auch ohne sie dabei zu sehen, spricht dies Bände (Hervorhebung durch Autor):

„Die Ukraine habe versucht, immer wieder zu sagen, das war ein Angriff auf ein Hauptquartier der Spezial- und Elite-Drohneneinheit… ähm … äh der Russen und nicht ein Angriff auf ein ziviles Ziel. Hat immer wieder gesagt, dass es nicht, dass die Ukraine nicht gezielt zivile Ziele angreift. Heute Nacht der Angriff von russischer Seite hat gezielt die Zivilisten treffen wollen. Also auch für uns, es waren Explosionen im Minutentakt.“ (6i)

Der Autor ist der Überzeugung, dass diese ARD-Angestellte in echter Not ist. Gerade deshalb wirkt ihre Stellungnahme auch so erbärmlich. Sie hat sich befohlen, ja nicht etwas falsches zu sagen. Andererseits ändert das nichts an ihrer Verantwortung als Berichterstatter. Natürlich war ihr Einlass: „Heute Nacht der Angriff von russischer Seite hat gezielt Zivilisten treffen wollen.“ ein plumpes Ablenkungsmanöver. Aber wie plump, das muss trotzdem noch einmal sehr deutlich gemacht werden. Wer manipuliert, der wird natürlich trotzdem regelmäßig Opfer seiner eigenen Unlogik. Das bezeugen Angestellte der ARD-Tagesschau regelmäßig. Wir lesen (Hervorhebung durch Autor):

„[Ukrainische] Angriffe folgten auf eine der schwersten russischen Bombardierungen der ukrainischen Hauptstadt Kiew seit Beginn des Kriegs im Februar 2022. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben gestern insgesamt vier Menschen getötet und Dutzende verletzt. Zahlreiche Gebäude in Kiew wurden schwer beschädigt.“ (7)

Was Susanne Petersohn in ihrer Not sagte — „der Angriff von russischer Seite hat gezielt Zivilisten treffen wollen“ (6ii) —, ist mindestens journalistisch unverzeihlich und müsste in einem Sender, der seinen gesetzlich vorgeschriebenen Auftrag wirklich ernst nimmt, zur sofortigen Abberufung der Korrespondentin führen. Aber in einer solchen Welt leben wir nicht. Die plumpe Lüge der Frau Petersohn entlarvt ausgerechnet der eigene Sender. Denn mit welchen Aufwand hat es denn Russland angeblich geschafft, vier Menschen zu töten?

„Die ukrainische Luftwaffe sprach von rund 600 Langstreckendrohnen und 90 Raketen, die Russland in der Nacht auf die Ukraine abgeschossen habe. Damit wäre der Angriff — gerade hinsichtlich der Anzahl an Raketen — einer der bisher schwersten.“ (8)

Das ist nur noch absurd: 600 Langstreckendrohnen und 90 Raketen, von denen der Großteil auf Objekte in und um Kiew zielte, haben zum Tod von vier Menschen geführt. Kann man so blöd sein, den Schwachsinn zu glauben, dass ein solcher Angriff zum Zwecke der Tötung von Zivilisten durchgeführt wurde? Ja, das kann man. Wir sind, ausreichend indoktriniert, jederzeit in der Lage, solchen Schwachsinn für bare Münze zu nehmen.

Das ist ein passender Moment, um noch einmal auf den „Experten für Sicherheit und Verteidigung“, Nico Lange, zurückzukommen.

35 ballistische Raketen und eine schlafende Großstadt

Wie sagte doch der gepriesene Bellizist, das ist er nämlich, im Interview bei der ARD?

„»35 ballistische Raketen auf eine schlafende Großstadt« abzufeuern, sei ein klares Kriegsverbrechen. Es solle deshalb Konsequenzen seitens der Europäer geben.“ (2i)

Susanne Petersohn hat ganz offensichtlich gelogen, als sie behauptete, der russische Angriff habe „gezielt Zivilisten treffen wollen“. und Nico Langes Lüge ist nicht weniger offensichtlich. Man muss nur die, ja, von der ARD-Tagesschau selbst bereitgestellten Informationen, zusammenfügen.

Was Nico Lange als Militärexperte zweifellos geläufig sein muss, ist die Tatsache, dass in Kriegen Angriffe auf kriegsrelevante Objekte in urbanen Gebieten die geringsten Opfer unter der Zivilbevölkerung verursachen, wenn diese vor dem Morgengrauen erfolgen (a1). Schlicht und einfach deshalb, weil die Straßen weitgehend leer und die angegriffenen Objekte personell weniger stark besetzt sind. Militärische Infrastruktur — Rüstungsobjekte (einschließlich derer mit auch zivilen Aufgaben), Objekte zur Wartung von Militärtechnik, Kommandozentralen, militärisch stets relevante Verkehrsinfrastruktur — haben gesonderte Warn- und Schutzfunktionen. Ein paar Dutzend Menschen in solchen Objekten ein sicheres Entkommen zu ermöglichen, ist eine machbare Aufgabe. Um Größenordnungen höher liegt die Herausforderung, wenn es sich um Millionen von Menschen handelt.

Kiew ist ein Millionenstadt. Aber es wurden nicht (unter anderem) „35 ballistische Raketen auf eine schlafende Großstadt abgefeuert“, sondern auf militärisch relevante Objekte. Das zu einer Zeit, in welcher der Großteil der Kiewer Bürger in den sichersten Bereichen weilten, ihren Wohnungen. Es zeugt von der Präzision der eingesetzten Waffen, wenn dieser massive Angriff lediglich den (natürlich bedauerlichen) Tod von vier Menschen zur Folge hatte. Außerdem wurde die Ukraine unmittelbar zuvor von Russland indirekt über informelle Kanäle von dem bevorstehenden Angriff informiert (9). Ja, diese niedrige Opferzahl ist eigentlich kaum zu fassen. Erst recht, wenn man davon Kenntnis hat, wie mit sehr viel weniger Aufwand, kurz zuvor viel mehr Zivilisten getötet wurden, zum Beispiel auch in der Millionenstadt Moskau (10). Im Sinne des an dieser Stelle aufgegriffenen Themas geht es aber um ein anderes Ereignis.

Frau Petersohn hat davon Kenntnis, aber sie hat es sich verboten, den Konsumenten davon zu berichten. Weiter oben merkte der Autor an, dass Frau Petersohn allein für die Lüge eines jüngsten gezielten Angriffs Russlands auf Zivilisten umgehend ihren Posten in Kiew hätte räumen müssen. Aber wir leben in einer verkehrten Welt. Sie darf genau deshalb dort bleiben. Würde sie uns berichten, was im (früher) ostukrainischen Starobelsk geschehen ist, wäre dagegen ihre Korrespondententätigkeit in der ukrainischen Hauptstadt beendet. Sie hat sich für den Posten entschieden — und gegen ihr Gewissen.

Starobelsk und Fazit

Weitgehend korrekt informierte die ARD-Tagesschau:

„Das russische Militär werde als Antwort auf den ukrainischen Beschuss eines Wohnheims in der von Russland kontrollierten Stadt Starobilsk nun systematisch Rüstungsobjekte und ‚Entscheidungszentren‘ in Kiew angreifen.“ (7i)

In der Nacht zum 22. Mai hatten ukrainische Drohnen in mehreren Wellen ein Ausbildungsgebäude sowie Schulwohnheim der Pädagogischen Universität Lugansk in Starobelsk (Gebiet Lugansk) angegriffen. In den Gebäuden befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 86 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren (11). Mindestens 16 junge Menschen wurden getötet, dutzende verletzt. Weder wurde die Einrichtung militärisch genutzt, noch befinden sich solche Objekte in der Umgebung. Für die Angreifer konnte es keinen Zweifel geben, dass es sich um eine ausschließlich zivil genutzte Einrichtung handelte. Das war bereits klar, als der Angriff geplant wurde, und es war noch klarer, als er durchgeführt wurde.

Die ukrainische Operation zielte auf eine zivile Einrichtung. Sie zielte auf Zivilisten, die man vorgibt, von russischer Unterdrückung befreien zu wollen. Wenn das nicht möglich ist, müssen diese Zivilisten also sterben? Beachten wir, dass ukrainisches Militär nach dem eigenen Selbstverständnis sehenden Auges ukrainische Zivilisten in besetzten Gebieten umgebracht hat.

Ob die Einwohner von Starobelsk, die Hinterbliebenen der Opfer dieses Angriffs, allen Ernstes von der Kiewer Regierung „befreit“ werden wollen, ist doch wirklich stark zu bezweifeln. Kriegerische Handlungen solcher Art scheinen doch eher den Charakter von Eroberung und Unterwerfung zu besitzen.

Nun könnte man argumentieren, dass beide Seiten eines Krieges Geschichten erzählen, um das eigene Handeln zu legitimieren. Und das wird auch zur Genüge getan. Im Falle Starobelsk gibt es aber noch etwas hinzuzufügen. Etwas, das direkt auf die öffentlich-rechtlichen Medien auch hierzulande zeigt. Denn die russischen Behörden haben explizit die Medien eingeladen, um nach Starobelsk zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen. Zwei Tage nach der Attacke kamen auch 50 Journalisten aus 19 Ländern in die nun russische Kleinstadt (12). Die großen Medien des Westens, die deutschen einbegriffen, waren nicht vertreten.

Wir können es auch anders ausdrücken. Als es darum ging, sich auf den Weg zu machen, um weitere Erkenntnisse zu den Ereignissen der jüngsten Tage samt deren Folgen zu gewinnen, zogen die „Investigativen“ von der ARD den Schwanz ein. Das sind keine investigativen Journalisten, es sind Auftragsberichterstatter.

Was sind nun die Konsequenzen? Das Kiew dieser Tage ist das Zentrum des militärisch-industriellen Komplexes der Ukraine. Es beherbergt unzählige Rüstungsunternehmen, Kommandostrukturen und militärische Infrastruktur. Es ist ein militärisches Logistikzentrum. Wer Bilder aus Kiew seit 2022 kennt, sieht dort jedoch kaum etwas vom Krieg und dessen Verwüstungen. Die Millionenstadt ist im Grunde unversehrt. Das könnte sich nun ändern. Das russische Außenministerium hat am 25. Mai eine Verlautbarung herausgegeben:

Unter den entstandenen Bedingungen gehen die Streitkräfte der Russischen Föderation zu konsequenten systematischen Angriffen gegen Betriebe des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes in Kiew über, einschließlich konkreter Orte der Entwicklung, Herstellung, Programmierung und Einsatzvorbereitung von Drohnen, die das Kiewer Regime unter Mitwirkung von NATO-Spezialisten benutzt, die für Ersatzteillieferungen, Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Zielsetzung verantwortlich sind. Die Angriffe werden auch gegen Entscheidungszentralen und Kommandostellen erfolgen.“ (13)

Und weiter:

Da oben genannte Objekte über ganz Kiew verteilt sind, informieren wir ausländische Bürger, darunter das Personal von diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen über die Notwendigkeit, die Stadt möglichst schnell zu verlassen, und die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt, sich nicht den Objekten der militärischen und administrativen Infrastruktur des Selenskij-Regimes zu nähern. (13i)

Zu guter Letzt: Russland hat über dieses Vorgehen offiziell die US-Administration informiert, die beiden Außenminister zum Thema telefoniert (14). Das ist keine Nebensächlichkeit. Die Kommunikationskanäle zwischen den beiden Regierungen funktionieren. Das kann noch von Bedeutung werden, wenn eine großangelegte Provokation darauf abzielen sollte, die USA wieder in Gänze in den Ukraine-Konflikt hineinzuziehen — bevor sie sich überhaupt aus diesem herausmanövrieren konnten.

Bitte bleiben Sie achtsam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Wir setzen an dieser Stelle voraus, dass der Krieg nicht auf die Zivilbevölkerung abzielt, sondern auf die Schwächung der militärischen Potenziale des Gegners. Dass dies der Realität oft nicht standhält, muss hier nicht weiter diskutiert werden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Claqueur; abgerufen: 26.05.2026

(2) 24.05.2026; ARD-Tagesschau; „Putin will uns einschüchtern“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/putin-oreshnik-lange-100.html

(3) 18.08.2023; taz; Jan Pfaff; „Wir haben die Minen unterschätzt“; https://taz.de/Interview-mit-Militaerexperten-zur-Ukraine/!5950485/

(4) 27.04.2026; ARD-Tagesschau; Kiesewetter kritisiert russischen „Terrorstaat“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kiesewetter-russland-terrorstaat-100.html; Interessant ein weiteres Mal, wie sich der „Qualitätssender“ nach erprobtem Rezept absichert und Terrorstaat in zitierende Anführungszeichen setzt, damit aber gekonnt die Botschaft in der Überschrift verpackt. Das sind alltägliche, in Fleisch und Blut übergegangene Propagandatechniken.

(5) 25.11.2025; Ikonisch Welt; Wer ist Nico Lange? — Ein umfassendes Porträt des deutschen Sicherheitsexperten; https://ikonischwelt.de/nico-lange-deutschlands-einflussreicher-militarexperte/

(6) 24.05.2026; ARD-Tagesschau; Susanne Petersohn, ARD Kiew, zum russischen Angriff auf Kiew; https://www.tagesschau.de/video/video-1588672.html; siehe auch: https://freedert.online/international/281134-vergeltung-fuer-irgendwas-tagesschau-leugnet/

(7, 7i) 25.05.2026; ARD-Tagesschau; Kiew räumt auf — und fordert Konsequenzen; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-aufraeumen-sicherheitsrat-100.html

(8) 24.05.2026; ARD-Tagesschau; Florian Kellermann; Feuer, Tote und massive Zerstörung; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russland-angriffe-kiew-110.html

(9) 23.05.2026; U.S. Embassy In Ukraine; Security Alert — U.S. Embassy Kyiv, Ukraine (May 23, 2026); https://ua.usembassy.gov/security-alert-u-s-embassy-kyiv-ukraine-may-23-2026/

(10) 17.05.2026; Southfront; 17th May Mass Attacks On Civilians In Russia; https://www.southfront.press/may-17-ukraines-mass-drone-attack-on-russian-civilians/

(11) 22.05.2026; rumble; RT DE; Ukrainischer Angriff auf Schule in Russland: Sechs Tote und zahlreiche verletzte Jugendliche; https://rumble.com/v7a8usy-ukrainischer-angriff-auf-schule-in-russland-sechs-tote-und-zahlreiche-verle.html

(12) 25.05.2026; rumble; RT DE; Irischer Journalist in Starobelsk: Ihr habt mit euren Steuern die Ermordung von Kindern bezahlt; https://rumble.com/v7ad7uq-irischer-journalist-in-starobelsk-ihr-habt-mit-euren-steuern-die-ermordung-.html?e9s=rel_v2_ep

(13, 13i) 25.05.2026; Telegram; МИД России; https://t.me/MID_Russia/82470; Übersetzung ins Deutsche: https://de-rtnews.com/russland/281192-mass-geduld-ist-voll-moskau/

(14) 25.05.2026; The Ministry of Foreign Affairs of the Russian Federation; Press release on Foreign Minister Sergey Lavrov’s telephone conversation with US Secretary of State Marco Rubio; https://mid.ru/en/foreign_policy/news/2112032/

(b1, b1i) ARD-Tagesschau; Ukraine-Konflikt, 26.05.2026; https://www.tagesschau.de/thema/ukraine; Bildschirmschnappschuss

(Titelbild) Kiew, Ukraine; Autor: Artem Apukhtin (Pixabay); 10.09.2017; https://pixabay.com/de/photos/kiew-panorama-saum-ukraine-himmel-2735204/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

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