Über die massiven Angriffe auf einen russischen Ölhafen wird in den öffentlich-rechtlichen Medien äußerst sparsam informiert.


Sehr reserviert wird bei ARD, ZDF und Deutschlandfunk mit Nachrichten über die Drohnenangriffe auf Tuapse umgegangen. Während private Massenmedien recht ausführlich, freilich eingebettet in die Erzählung vom ukrainischen Verteidigungskampf, von diesen Attacken und den Folgen berichten, findet man bei den Öffentlich-Rechtlichen dazu wenig und auch das nur in ein paar wenige Zeilen gepackt.


Welchen Grund könnte es für diese Zurückhaltung geben? Eine Recherche auf den Internet-Plattformen der öffentlich-rechtlichen Sender brachte äußerst karge Ergebnisse (1, 2). Obwohl dort, in Tuapse, in der Folge eine verheerende, damit auch spektakuläre Umweltkatastrophe ausgebrochen ist.

Auf einer russischen Plattform wurde jüngst ein Bericht zu den Angriffen auf diesen russischen Schwarzmeerhafen veröffentlicht, der hier dem interessierten Leser in deutscher Übersetzung vorangestellt sei (a1):

„Reporter, 29. April 2026:

‚Dominoeffekt‘: Welche Auswirkungen haben die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf die Ölraffinerie in Tuapse für Russland?

Die Angriffe auf die Ölraffinerie in Tuapse haben laut dem analytischen Telegram-Kanal »Whisper of Oil« einen der wichtigsten Exportknotenpunkte am Schwarzen Meer lahmgelegt. Die Zerstörung von Hafenterminals und Tanklagern habe die Lieferungen von Erdöl, Heizöl und Vakuumgasöl in die Türkei, nach China und in andere asiatische Länder zum Erliegen gebracht, so der Kanal.

Rettungskräfte konnten das Austreten brennender Rohstoffe stoppen, doch bildete sich im Wassergebiet ein riesiger Ölteppich von zehntausend Quadratmetern, und ein Ölfilm erstreckte sich über Dutzende Kilometer entlang der Küste, so »Whisper of Oil«.

Analysten fügen hinzu, dass die Stilllegung der Raffinerie verheerende Kettenreaktionen für die gesamte Branche auslöst. Durch die Störung des Logistikzentrums entsteht ein Überschuss an Rohöl, für das es weder Lager- noch Transportkapazitäten gibt.

Dies zwingt die Ölproduzenten dazu, ihre Fördermengen zu drosseln, die im April bereits um 300.000 bis 400.000 Barrel pro Tag gesunken sind. Infolgedessen sanken Russlands Ölexporte auf dem Seeweg im Frühjahr 2026 auf den niedrigsten Stand seit dem Sommer 2024, und dem Haushalt entgehen Steuerausfälle in Milliardenhöhe, betonen Experten.

Es wird darauf hingewiesen, dass die Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur Monate dauern wird und die Lieferungen während dieser Zeit auf weniger rentable Routen umgeleitet werden müssen.

Abschließend weisen Experten darauf hin, dass die Region neben wirtschaftlichen Verlusten auch schwere Umweltschäden erlitten hat. Bei brennenden Lagertanks gelangen krebserregendes Benzol, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid in die Luft. Diese giftigen Stoffe verursachen sauren Regen, den die Einheimischen als »schwarzen Regen« bezeichnen, und in Tuapse wurden Konzentrationen in der Luft gemessen, die zwei- bis dreimal höher liegen als die als gefährlich geltenden Werte.

Kontaminierte Böden und Gewässer erfordern langwierige und kostspielige Sanierungsmaßnahmen — diese unvorhergesehenen Ausgaben werden die finanzielle Lage des Ölsektors unter den Sanktionen zusätzlich belasten, so der Telegram-Kanal abschließend.“ (3)

Erst einmal ist es bemerkenswert, dass die russische Luftabwehr wiederholt nicht in der Lage war, diese strategische Infrastruktur wirksam zu schützen. Während bei den ukrainischen Drohnen-Angriffen auf den Ölhafen bei St. Petersburg der Überraschungseffekt durch Überflüge über baltisches Territorium zum Tragen kam, weiß man in Bezug auf die Schwarzmeerhäfen seit Jahren um die Gefahr. Stand heute hat Russland hat ganz offensichtlich nicht die Mittel, um diesen folgenreichen Attacken wirksam zu begegnen. Doch gibt es da noch mehr.

Beachten wir: Die Ukraine und ihre Streitkräfte sind nicht in der Lage, selbständig solche Operationen gegen hunderte Kilometer von den eigenen Grenzen entfernte russische Infrastruktur durchzuführen.

Beachten wir weiterhin: Die Angriffe erfolgten auf eben kritische Infrastruktur — und in diesem Falle sogar rein zivile kritische Infrastruktur.

Beachten wir zusätzlich: Der Angriff traf nicht nur die russischen Ölexporte, er traf die Empfängerländer des Öls. Er traf Empfängerländer, die einen strategischen Bedarf an diesem Rohstoff haben.

Ziehen wir in Betracht, dass diese Angriffe auf die kritische Infrastruktur im Öl- und Gassektor Russlands keinesfalls nur gegen Russland gerichtet sind.

Wer führt hier gegen wen Krieg?

Welche Folgen könnte das für den Ukraine-Krieg haben? Es wird eine Reaktion Russlands auf die erkennbare neue Strategie geben, welche durch die ukrainischen Streitkräfte umgesetzt wird.

Was beabsichtigen die Drahtzieher dieses neuen Konzepts?

Gibt es einen größeren Kontext? Zum Beispiel einen Kontext zum Iran-Krieg? Denn was hier geschieht, ist eine globale Verringerung des Angebots an Öl und Gas. Und die nächste Frage drängt sich geradezu auf: Wer trägt die Kosten und wer profitiert?

Derzeit wird eine neue, eine globale Krise künstlich erzeugt. Es wird künstlich der nächste Notstand erschaffen. Notstände — wir erinnern uns an die PLandemie — sind bestens geeignet, um „Notfallmaßnahmen“ zu begründen.

Ist sich Russland dessen bewusst? Davon können wir ausgehen.

Eine russische Lösung könnte bedeuten, die Ukraine kriegsunfähig zu machen. Nicht an der Front, sondern an den lebenswichtigen Adern für den NATO-Krieg der Ukraine gegen Russland. Der Ukraine fehlt vielleicht nicht das Geld. Aber Krieg führt man letztendlich trotzdem mit echten materiellen Ressourcen. Und dazu bedarf es Unmengen von Treib- und Schmierstoffen. Zwar wird durch diese Strategie, den Ölexport Russlands zu sabotieren, die Außenhandelsbilanz Russlands geschmälert, doch einen Mangel an den Rohstoffen für die russischen Streitkräfte wird deshalb natürlich nicht erzeugt.

Wie aber sähe es aus, wenn Russland eine symmetrische Antwort geben würde? Eine Antwort, die sich auf die kritische Infrastruktur der Ukraine dramatisch auswirken könnte. Die Antwort ist simpel und sie liegt im Hafen von Odessa.

Dieser Hafen wird als Hub für Waffen und Munition zwar seit Jahren gezielt von russischen Drohnen und Raketen angegriffen, das aber eben gezielt, punktuell. Der Hafen als Ganzes musste nie außer Betrieb genommen werden, und der Grund dafür liegt nicht etwa darin, dass die ukrainische Luftabwehr so wirksam operieren würde. Er liegt vielmehr darin, dass Russland nicht auf totale Zerstörung aus ist, eben keinen totalen Krieg führt und tatsächlich versucht, die Zivilbevölkerung, die ja zu großen Teilen auch russischer Ethnie ist, so weit es geht, zu schonen.

Aber Russland ist sehr wohl in der Lage, die Situation des Hafens von Odessa als militärischen Umschlagplatz und militärisches Operations- und Angriffszentrum grundlegend zu ändern. Was selbstverständlich einen gewichtigen Einfluss auf das zivile Leben hätte. Nur scheint sich immer mehr herauszuschälen, dass die Führung des Krieges in Form einer „Speziellen Militärischen Operation“ (SMO) so nicht mehr plausibel ist. Der öffentliche Druck in Russland, hier etwas zu ändern, wächst stetig.

Mach mir die Hand frei. Die britisch gesteuerte Kriegsführung der Ukraine gibt Russland die Argumente, hier entscheidend umzusteuern. Und nun kommen wir zu einem möglichen Grund, warum ARD und Co. so auffallend zurückhaltend operieren, wenn es um die massiven Angriffe auf zivile (wohlgemerkt!), kritische Infrastruktur in Russland geht.

Denn, was vom Autor immer wieder betont wird, ist die Tatsache, dass all diese Realitäten in eine Erzählung gebettet werden. Dafür werden sie passend umgeschrieben, fragmentiert und dekontextuiert. Wenn Russland massive Zerstörungen im Hafen von Odessa anrichten sollte — die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß —, dann wird die psychologische Operation, die gegen die westlichen Bevölkerungen gerichtet ist, die nächste Stufe zünden.

Dann werden nämlich öffentlich-rechtliche Sender manischen Bellizisten wie Strack-Zimmermann und Kiesewetter ein weiteres Mal die Bühne freigeben und ihrer Kriegstreiberei ausschweifend zitierend huldigen. Bei Kiesewetter, der als Bellizist sich schlüssigerweise auch als ein notorischer Lügner aufführt, wird das dann so klingen: „Russland tritt als Terrorstaat auf, der einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt und in sich ein kolonialer und imperialer Staat ist“ (4).

Die logische Kette, welche da geknüpft wird, ist voraussehbar. Sie stellt sich dar in Rufen nach mehr Waffen, nach mehr Unterstützung im „Verteidigungskampf der Ukraine“. Rasch werden ein weiteres Mal in Rekordzeit neue „Rettungspakete geschnürt“, der „Wehretat“ weiter hochgeschraubt, die Bevölkerung hysterisiert. So eben geht Krieg.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Die Übersetzungen erfolgten unter Zuhilfenahme von DeepL.com.

(1) 28.04.2026; ARD, MDR; Russland meldet erneut Angriff auf Raffinerie Tuapse; https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/ukraine-krieg-angriff-oel-raffinerie-tuapse-brand-100.html#Raffinierie

(2) 28.04.2026; Deutschlandfunk; Ukrainische Drohnenangriffe: Evakuierungen in Tuapse wegen Raffinerie-Brand; https://www.deutschlandfunk.de/ukrainische-drohnenangriffe-evakuierungen-in-tuapse-wegen-raffinerie-brand-100.html

(3) 29.04.2026; Reporter; Andrey Elistratov; „Cascade effect“: What will the Ukrainian Armed Forces‘ strikes on the Tuapse oil refinery mean for Russia?; https://en.topcor.ru/70823-kaskadnyj-jeffekt-chem-dlja-rf-obernutsja-udary-vsu-po-npz-v-tuapse.html

(4) 27.04.2026; ARD-Tagesschau; Kiesewetter kritisiert russischen „Terrorstaat“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kiesewetter-russland-terrorstaat-100.html; Interessant ein weiteres Mal, wie sich der „Qualitätssender“ nach erprobtem Rezept absichert und Terrorstaat in zitierende Anführungszeichen setzt, damit aber gekonnt die Botschaft in der Überschrift verpackt. Das sind alltägliche, in Fleisch und Blut übergegangene Propagandatechniken.

(Titelbild) Russland, Tuapse, Öl, Brand, Rauch, kritische Infrastruktur; Reporter; 29.04.2026; https://en.topcor.ru/70823-kaskadnyj-jeffekt-chem-dlja-rf-obernutsja-udary-vsu-po-npz-v-tuapse.html

Von Ped

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