„Experten“ wie er sind aber leider auch Apologeten zur Weiterführung von Kriegen.


Mögen die von ihnen gelieferten Analysen auch fachlich sauber verfasste Komponenten beinhalten. In den Kriegen des „Wertewestens“ gegen Viren, zur Klimarettung, gegen Diktaturen, vorneweg Russland, sind es immer kaum mehr als eine Handvoll in den Medien herumgereichter Experten, deren Expertisen durch eine hochgradig propagandistisch ausgerichtete Note geprägt werden. Gerade Letzteres ist es aber, das unser Unterbewusstes formt, um uns auf eine Seite, auf „ihre“ Seite, im gerade angesagten Krieg zu ziehen.


Solch eine Mischung ist freilich geeignet, die Protagonisten selbst, eben die „Experten“, zielstrebig in die Idiotie zu führen. Idealerweise hängt man dann als Experte selbst tief drin in den Narrativen, die irrational und gerade deshalb wirkmächtig an das Publikum vermittelt werden. Was nichts anderes bedeutet, als dass man im jeweiligen Narrativ verstrickt ist und die absurde Logik leidenschaftlich vertritt.

Wie gesagt, ist die jeweilige Anzahl dieser Art von Experten überschaubar. Aber sie sind es, die eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung des Informationsraumes spielen. Sie sind es, die Politikern wie auch „Otto Normalverbraucher“ die „passenden“ Argumente in die Hand drücken. Sie sind die für die Gestalter im Hintergrund erforderlichen Architekten der nur scheinbar öffentlichen, in Wirklichkeit der zu veröffentlichenden Meinung. Im aktuellen Machtsystem sind Experten unverzichtbar, um die zum Erhalt benötigte Matrix am Leben zu erhalten.

„Internationaler Terrorismus“, „Klimawende“, PLandemie und Ukraine-Konflikt

Seit dem militärischen Eintreten Russlands in den Ukraine-Konflikt im Februar 2022 erleben wir ein stetiges Herbeireden von Russlands bevorstehender Niederlage. Als Erklärung müssen die üblichen Stereotypen eines imperialen, diktatorischen, gleichzeitig aber rückständigen Russlands herhalten, um so etwas wie Gesetzmäßigkeiten für das Scheitern Russlands und den unvermeidlichen Erfolg westlicher Politik herleiten zu können. Ein solches Bild ist zwar frei erfunden, möchte aber in unseren emotionalen Gehirnen zur Wahrheit werden. Damit wir bereit sind, den Krieg mitzutragen. Nur darum geht es.

Experten bestimmter Coleur werden in den „Qualitätsmedien“ gern aufgeführt. Sie hatten und haben ihre Entsprechung beim Thema Corona, hatten es beim Thema „internationaler Terrorismus“ und genauso auch beim Thema Klima. Alle Themen, welche die Bevölkerungen in Angst und Hysterie zu halten versuchen, haben interessanterweise eine Komponente der „Aufklärung“ durch „unabhängige Experten“.

Marcus Keupp, um den es in diesem Text gehen wird, nennt sich Militärökonom. Er wirkt an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich (1). Im Bereich Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften doziert Marcus Keupp zu eben dem Thema Militärökonomie (2). Seine militärökonomischen und darüber hinausgehenden Einlassungen zum Krieg in der Ukraine lassen allerdings — wie wir gleich sehen werden — die eigentlich zu erwartende Kompetenz vermissen. So es um die Interessen der Profiteure dieses Krieges geht, leistet Keupp freilich ausgezeichnete Arbeit.

Experten der besonderen Art, die so bedingungslos die Propaganda der „guten Seite“ vertreten — nach der die „böse Seite“ nicht nur unmenschlich, sondern auch unfähig sein muss —, werden in den Massenmedien fleißig herumgereicht. Den Autor würde schon interessieren, wie sich dieses Herumreichen organisatorisch abspielt, welche Strukturen und Netzwerke das absichern. Ob Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung, Redaktionsnetzwerk Deutschland, Focus oder auch die öffentlich-rechtlichen Sender: Alle bieten Sie dem „Militärexperten“ seit vielen Monaten eine Bühne für die immer gleichen Botschaften. Das nennt man gleichgeschaltete Berichterstattung. Wurde (auch) Marcus Keupp den „Qualitätsmedien“ gewissermaßen als Experte — von wem auch immer — angeboten?

Erstaunliches also prognostizierte der als Militärexperte herumgereichte Marcus Keupp im März und April des Jahres bereitwillig jedem Massenmedium gegenüber, welches das Erhoffte als vermeintliche Realität wahrgenommen wissen mochte. Sein Blick in die Glaskugel erinnert mich an nach ähnlichen Prinzipien verkündete Prophezeiungen zu anderen gesellschaftlichen Themen.

  1. Wir werden alle sterben durch Corona, wenn wir nicht das tun: „Solidarisch Abstand halten“, maskiert durchs Leben gehen und regelmäßig unseren „Immunschutz“ durch mRNA-Injektionen „auffrischen“. Entsprechend „argumentier(t)en“ die Medien und zogen die immer gleichen, „passenden Experten“ zu Rate.
  2. Wir werden alle sterben durch die „Klimaerhitzung“, wenn wir nicht das tun: „Grüne Technologien“ einführen, Kohlendioxid verbuddeln, verflüssigtes Frackingas nutzen, unsere Landwirtschaft und unser Essverhalten reglementieren, und so weiter. Entsprechend „argumentier(t)en“ die Medien und zogen die immer gleichen, „passenden Experten“ zu Rate.
  3. Wir werden alle sterben durch den „internationalen Terrorismus“, wenn wir nicht das tun: Uns komplett überwachen lassen, Grundrechte aufgeben, uns in anderen Staaten militärisch „engagieren“. Entsprechend „argumentier(t)en“ die Medien und zogen die immer gleichen, „passenden Experten“ zu Rate.

Im Falle des Ukraine-Konfliktes lautet es dann, nur leicht überspitzt, in etwa so:

Wir werden alle sterben, wenn wir jetzt nicht bedingungslos die „demokratische Ukraine“ in ihrem „heroischen Verteidigungskampf“ gegen den „russischen Aggressor“ unterstützen. Die entsprechende „uneingeschränkte Solidarität“ mit Kiew würde freilich den Sieg garantieren. Westliche Moral, Lebensweise, Wirtschaft und Armeen sind dem in Richtung Feudalismus zurück marschierenden russischen System noch allemal überlegen.

Schließlich handelte es sich beim Gegner um einen Koloss auf tönernen Füßen — einen mit inkompetentem, rückständigem Militär und demotivierten Soldaten. Ein Gegner, der sinnlos Menschen verheizen würde, nur um in seinem imperialen Wahn Gebiete im Westen zu erobern. Unser System ist besser, wir sind besser. Daher gewinnen wir, müssen wir gewinnen. Gänge doch mit uns das Gute unter. Nichts anderes erzählen uns Politiker, Medien und… Experten.

Ähnlich muss es in den letzten Tagen des Dritten Reiches aus dem Führerbunker geschallt haben.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Was also prognostizierten von den Medien gebauchpinselte „Militärexperten“ Ende März 2023 für den Herbst des Jahres und wie sieht die Welt ein halbes Jahr später aus?

Die glaubwürdigen Quellen des Marcus Keupp

Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit. Damit zu einem praktischen Beispiel, bei dem sich „Expertenwissen“ in Richtung Idiotie bewegt. Es sei denn, der Informant manipuliert wissend seine Konsumenten. Der Militärökonom Keupp — eine Begrifflichkeit, die mich wiederholt an den Gesundheitsökonomen Lauterbach erinnert — gab im April 2023 freimütig und wiederholt Prognosen ab:

„Experte sieht ‚Desaster‘: Keupp erwartet Putins Niederlage im Oktober

Im Interview mit ZDFheute live zeichnet Militärexperte Keupp ein desaströses Bild der russischen Armee nach. Er rechnet mit einem Sieg der Ukraine im Oktober. Die Abnutzung der russischen Armee sei enorm. Zudem erwartet Keupp künftig noch größere Verluste Russlands. Hier spielen auch westliche Waffenlieferungen an die Ukraine eine Rolle.“ (3)

Beachten wir, dass Keupp von „Putins Niederlage“ sprach. Bereits das ist ein wichtiger Hinweis auf die Befindlichkeiten des „Analysten“. Zudem erfuhren wir:

„10.000 schwere Waffensysteme hat Russland bald verloren. […] Es ist eine Abnutzungsfrage, die Russland schlichtweg nicht durchhalten kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihnen [Russlands Streitkräften] die Reserven ausgehen.“ (3i)

Dabei berief sich Keupp auf „konservative Schätzungen“ einer „unabhängigen Plattform“. Diese nennt sich Oryx und hat ihren Sitz in den Niederlanden. Über ein Impressum verfügt sie nicht. Die einzigen Informationen, die Oryx über sich auf seiner Webseite preis gibt, sehen so aus (b1):

Oryx, Kontaktseite; Bildschirmfoto; https://www.oryxspioenkop.com/p/contact.html; 23.11.2023

Für den „Experten“ Keupp, gleichzeitig Wissenschaftler an einer renommierten akademischen Einrichtung der Schweiz, ist das kein Grund, an der Glaubwürdigkeit von Oryx zu zweifeln. Deren Gründer verdingten sich zuvor bei der „unabhängigen, investigativen“ Plattform Bellingcat. So wie Oryx hat auch Bellingcat einen Sitz in den Niederlanden. Bellingcat ist so unabhängig, dass es sich von der Europäischen Union, der Open Society Foundation des George Soros und dem US-regierungsnahen NED, dem National Endowment for Democracy, finanzieren ließ oder lässt (4, 5).

Ja, und bei Bellingcat lässt sich auch etwas das Geheimnis um die Wirkungsweise der Zitierkartelle lüften. Denn auch die Massenmedien bezahlen Bellingcat für die beauftragten „investigativen Ergebnisse“ zur Befüllung des Informationsraumes (6). Dieser Informationsraum wurde zum Zweck aufgespannt, passende, manipulative, emotional auf den Konsumenten einwirkende Geschichten zu platzieren. Geschichten, die das Denken und Handeln „kleiner“ und „großer“ Leute lenken sollen. Bellingcat lieferte und die Massenmedien verarbeiteten es in ihren Nachrichten: Informationen, nach denen sich die Menschen richten mögen (7 bis 11).

Zitierkartelle bedienen sich bestimmter Quellen, die durch ständige Nutzung und die Qualifizierung als unabhängig und neutral in den Köpfen der Menschen als glaubwürdig umgedeutet werden. Dabei verfügt Oryx nicht einmal über ein Impressum und seine Methoden zur Erfassung von Kriegsschäden sind, gelinde gesagt, unzureichend.

Wenn dann noch hochrangige (ehemalige) Mitglieder der dezent im Hintergrund für die „unabhängigen Plattformen“ wirkenden Nachrichtendienste in das Zitierkartell aufgenommen werden, ist die Farce perfekt. Der gefallene US-General und ehemalige CIA-Chef David Petraeus (12) lobte Oryx über den grünen Klee (Hervorhebungen durch Autor):

„Im Zeitalter von Open-Source-Medien und -Geheimdiensten gibt es eine Website, die tatsächlich absolut bestätigte, verifizierte Zerstörungen von beispielsweise Panzern und Schützenpanzern aufzeichnet. (…) Dies wird durch Fotos bestätigt, mit Metadaten, so dass man sicher sein kann, dass man nicht doppelt zählt, usw.“ (13)

„Bestätigt“ ist eine weitere Begrifflichkeit, die von den Gestaltern der zu veröffentlichenden Meinung gern in den Mund genommen wird, um die Illusion von Glaubwürdigkeit zu erschaffen und zu verstärken. „Bestätigte Fälle“ sind inzwischen allgemein geläufig, um die Illusion einer Pandemie aufrecht zu erhalten — und das bis zum heutigen Tag (14).

Oryx-Mitgründer Joost Oliemans hat auch für Janes gearbeitet, eine weitere, im Jahre 2021 gegründete, britische „Open Source Plattform“, die mit Beratern aus US-Geheimdiensten bestückt ist (15). Es müffelt nur so von westlichen Nachrichtendiensten, wenn man sich mit „unabhängigen Plattformen“ wie Bellingcat, Janes oder Oryx befasst. Doch eine grundlegende Aufgabe von Nachrichtendiensten besteht nun einmal darin, Nachrichten zu produzieren und diese über ein Netz von medialen Plattformen — neuartigen wie etablierten — in den Informationsraum zu lancieren.

Der Militärökonom Marcus Keupp hatte also als DIE Quelle für seine These eines russischen Zusammenbruchs im Herbst 2023 eine völlig unglaubwürdige Quelle, nämlich Oryx, herangezogen und mit dieser den Informationsraum zum wiederholten Male gefüttert. Und das, ohne jemals mehr als Banalitäten über die Quelle geliefert zu haben (16). Wiederholung ist gut im Informationskrieg. Erst Wiederholung manifestiert eine Simulation als vermeintliche Wahrheit im emotionalen Gehirn.

Die flexiblen Simulationen des Marcus Keupp

In der Simulation ist der westliche Sieg über die „russischen Eroberer“ unvermeidlich. Wer jedoch selbst nicht mehr in der Lage ist, die propagierte Simulation von der Wahrheit zu unterscheiden, lässt sich dann auch zu hahnebüchenen Prognosen wie dieser hinreißen:

„Das heisst, wir können für Mitte April eine ukrainische Gegenoffensive mit westlichen Panzern erwarten. […] Die Ukraine wird vermutlich von Saporischja via Melitopol an die Schwarzmeerküste vorstoßen und so die Front in zwei Teile spalten.“ (16i)

Damit hatte der Vorzeigestratege aber noch lange nicht sein Pulver verschossen:

„In der Frühjahrsoffensive werden wir Bilder von westlichen Leopard-2- und Challenger-2-Panzern sehen, die deutlich weiter als russische Panzer schießen und diese daher aus der Ferne eliminieren können. Wenn Sie den Technologieboost bei den Ukrainern sowie die russische Verlustrate und die sich erschöpfenden Ressourcen zusammenrechnen, dann ist eigentlich gar kein anderer Verlauf denkbar als eine russische Niederlage.“ (16ii)

Hat Marcus Keupp tatsächlich eine blasse Ahnung davon, wie der Krieg in der Ukraine wirklich abläuft? Das darf bezweifelt werden. Oder aber er lügt. Das aber ist ein eher theoretischer Gedanke. Denn davon gehe ich nicht aus! Doch die Fakten über den Stand der militärischen Auseinandersetzungen dort waren, bei aller Propaganda, trotzdem prinzipiell immer zugänglich, auch für Keupp.

Die oben zitierten, phantasievollen Behauptungen des Marcus Keupp stammen aus den letzten Märztagen des Jahres. Der April und auch der Mai gingen ins Land, eine Frühjahrsoffensive fand nicht statt und Panzerschlachten schon gar nicht. Dass die Geschichte sich so entwickeln würde — und eben nicht nach der Keuppschen Simulation —, war offensichtlich. Dies zu erkennen, bedurfte keines Expertenwissens. Es bedurfte nicht einmal überdurchschnittlicher Intelligenz. Ein wacher Blick und Unvoreingenommenheit war für solch Erkenntnis freilich unverzichtbar. Davon war und ist ein Marcus Keupp freilich weit entfernt. Seine eigenen Prophezeiungen geschmeidig verdrängend, schwadronierte er nun, im Juni 2023, gegenüber dem ZDF:

„Ich denke, wir sind schon im Stadium der Offensive. Die Ukraine versucht, an verschiedenen Punkten vorzustoßen und quasi die russischen Verteidigungsstellen anzutesten, wo der Widerstand am geringsten ist. Ich muss auch warnen, wenn das Publikum erwartet, da kommt jetzt ein großer romantischer Durchbruch wie im Zweiten Weltkrieg, das wird nicht passieren.“ (17)

Ach, doch schon, vielleicht? Wie jetzt — nichts mehr mit Schwarzmeerküste? Es wird versucht, „anzutesten, wo der Widerstand am geringsten ist“? Ist das jetzt Satire? Das Eine ist, wie Keupp sich seine Wahrheit neu schmiedete, das Andere, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender diese neue Wahrheit ohne jedes Hinterfragen weiter reichte. Das Problem ist: Man musste den Sender dazu nicht einmal instruieren, der machte das ganz von selbst. Da greifen Automatismen. Hätte ein Journalist, also ein Journalist im ureigenen Sinne der Berufsehre, die sich Journalisten doch wohl zugestehen sollten, dazu nicht mal nachhaken können?

Zu früheren Stellungnahmen völlig konträre Aussagen wie die gerade zitierte werden von Journalisten (Journalisten?) einfach stehen gelassen. Kein Nachfragen, geschweige denn Kritik, taucht auf. Noch ein wenig Schwurbelei eines, ho ho!, Militärökonomen und herumgereichten „Experten“?

„Wir werden jetzt für längere Zeit kleinere dezentrale Vorstöße sehen, nicht nur, weil es zur ukrainischen Offensive passt, sondern, weil diese der Ukraine ein sehr viel deutlicheres Bild geben, wie es wirklich bestellt ist um russische Gräben: Sind sie wirklich alle bemannt und befestigt oder stehen sie nur so in der Landschaft? Das Ganze zwingt die Russen zu schwierigen Entscheidungen, denn sie wissen nicht, ist das jetzt der Durchbruch? Sollen wir jetzt Truppen dahin verlagern oder nicht?“ (17i)

Gestatten Sie mir ein wenig mehr Bissigkeit in der Ironie: Man (Keupp) macht sich jetzt also ein „viel deutlicheres Bild, wie es wirklich bestellt ist um russische Gräben“? Monate zuvor hatte der Militärökonom sein Publikum noch folgendermaßen aufgeklärt:

„Die Kriegsanalytik hat sich radikal verändert. Bisher hatten wir Militärexperten, die etwas behauptet haben. Oder wir hatten Formeln oder theoretische Modelle, mit denen etwas berechnet worden ist. Heute sehen Sie fast in Echtzeit, was an der Front passiert.“ (16iii)

Alles sah er praktisch in Echtzeit, vor allem die Schlachtfelder der Zukunft. So prognostizierte Keupp auch die künftigen Panzerschlachten bei Saporoschje. Aber die Gegenwart in Echtzeit hatte er verdrängt. Auch wie westliche Panzer, ganz ohne Panzerschlacht, in Rauch aufgingen (18, 19). Die Realität der Gegenwart war ihm unangenehm. Sie störte nur seine selbstgefällig vertretene Simulation, die ihm regelmäßig so bereitwillig von den Gleichstrommedien abgekauft wurde.

Von Panzerschlachten zum „Antesten“

Er hatte monatelang verdrängt, auf welche Art und Weise die russischen Streitkräfte sich auf das Offensichtliche sehr sorgfältig vorbereiteten. Offensichtlich, weil Jedem, der sich für die Realität tatsächlich interessierte, auch deutlich erkennbar. Sorgfältig in dem Sinne, bei minimierten eigenen Verlusten dem Gegner das Maximum an Verlusten beizubringen. Panzerschlachten waren nicht Teil der russischen Strategie. Aber natürlich waren sie Teil westlicher Simulationen.

Marcus Keupp hat bis heute nicht verstanden, dass der Zweck der russischen Militäroperation in der Ukraine zuallererst darin besteht, den Gegner seiner militärischen Fähigkeiten weitgehend zu berauben. Dazu muss man keine eigenen Panzerarmeen auffahren, um Schlachten des Zweiten Weltkrieges, wie die 1943 am Kursker Bogen, zu reinszenieren.

Es ist brisant, dass die westlichen Mächte, insbesondere die USA und Großbritannien, die Ukraine in die „Frühjahrsoffensive“ im Sommer 2023 trieben — und damit in das Verderben. Weil sie über ihre von der NATO in der Ukraine eingesetzten Aufklärungssysteme in Echtzeit beobachten konnten, wie Russland sich auf diese Offensive vorbereitete (20 bis 23). Oder aber diese Systeme funktionieren inzwischen nicht mehr ausreichend. Keupp hatte im Mai gegenüber dem Deutschlandfunk getönt, dass alle russischen Stellungen im ersten „Open-Source-Krieg der Geschichte“ bekannt seien (24).

Erinnern wir uns also daran, dass Keupp zwei Monate nach seinen kühnen Durchbruchsbehauptungen in Richtung Krim frank und frei — und zwar im Juni — behauptete:

Die Ukraine versucht, an verschiedenen Punkten vorzustoßen und quasi die russischen Verteidigungsstellen anzutesten, wo der Widerstand am geringsten ist.“ (17ii)

Das ist substanzlose Schwurbelei. Wenn dem wirklich so war, dann konnte von einer Offensive, einer strategischen Operation, keine Rede sein. Oder aber diese strategische Operation war von Beginn an zum Scheitern verurteilt und führte zu nichts weiter als Zehntausenden toter ukrainischer Soldaten und Unmengen zerstörten Kriegsmaterials. So etwas nennt Keupp „antesten“. Aber er wollte die Wahrheit nicht wahrhaben.  Auch zwei Monate später nicht, als er einer begierig wie inkompetent lauschenden ZDF-Redakteurin den Sermon doch tatsächlich erneut auftischte, einschließlich seiner angeblich vertrauenswürdigen Oryx-Quellen (siehe auch weiter oben):

„Man muss sich im Klaren sein, die ukrainische Gegenoffensive ist ja immer noch in der Phase, wo man quasi die Befestigungen der Russen so ein bisschen antestet.“ (25)

Das ist Lauterbachsches Niveau, nur dass Keupp eben kein Gesundheitsökonom, sondern Militärökonom ist. Kein wirklicher Militärexperte tischt dem Gegenüber so einen Unsinn auf, dass eine Offensive, eine strategische Bewegung auf dem Schlachtfeld, zwei Monate lang, verbunden mit ungeheuren eigenen Verlusten, den Gegner „antestet“. Keupp aber tut es.

Der September kam und Keupp durfte sich erneut als „Experte“ für öffentlich-rechtliche Sender entfalten. Es ist ein Trauerspiel, wie es dem ZDF über Monate hinweg nicht in den Sinn kam, den Propheten einmal auf den Wahrheitsgehalt seiner Vorhersagen, nun ja, „anzutesten“. Statt dessen schluckt es klaglos die Wiederholung und Ausweitung von Keupps Schwurbelei. Es ist auch faszinierend, zu beobachten, wie standhaft Keupp seine Position verteidigt, in dem er versucht, die Wahrheit auf recht abenteuerliche Art und Weise in sein Narrativ einzuweben.

„Die Ukraine hat einen bedeutenden Durchbruch durch die russischen Linien, […] durch die erste russische Verteidigungslinie geschafft. Und das ist etwas bedeutendes aus einer größeren Perspektive.“ (26)

Zu diesem „bedeutenden Durchbruch“, der keiner ist, kommen wir gleich zurück. Danach malt sich Keupp die Welt, wie sie ihm gefällt. Denn das Ergebnis der „Offensive“ der ukrainischen Armee — gerade im Abschnitt Rabotino (im Süden Richtung Asowsches Meer) — ist bereits zu diesem Zeitpunkt ein Debakel.

Aber er gaukelt sich und den Zuschauern vor, die ukrainischen Streitkräfte könnten aus dem Vollen schöpfen und eine Abnutzungsschlacht gegen das russische Militär gewinnen. Das ist völlig realitätsfremd. Jeder halbwegs bewanderte Militärexperte weiß, dass die Gewinnchancen für solch ein Vorhaben nur dann gegeben sind, wenn eine vielfache eigene Überlegenheit an Menschen und Material gesichert ist. Wovon die Ukraine weit, ganz weit entfernt ist. Aber Keupp will glauben — an den Sieg der Ukraine, der auch sein ganz eigener Sieg ist, wie wir im Weiteren noch erfahren werden:

„Deren Verbände [der 56. russischen Armee] sind nicht mehr voll kampffähig. […] Sie sind vielleicht noch bei 50 Prozent Kampffähigkeit.“ (26i)

Oder auch nicht.

Das obige Bild zeigt den praktisch seit August unveränderten „Einbruch“ ukrainischer Truppen in Richtung der russischen Verteidigungslinien, etwa zehn Kilometer breit und zwölf Kilometer tief. Man kann es auch anders sehen. Der oben zu sehende Einbruch ist gleichzeitig ein Kessel. Die Kessel von Artjemowsk, Rabotino und Awdejewka wirk(t)en wie Honigtöpfe für die ukrainische Armee und in diese Kessel wurden große ukrainische Einheiten von ihrer Führung hinein geworfen, um dann dort aufgerieben zu werden. Die personellen Verluste sind eine einzige Tragödie, die materiellen immens.

Abnutzungskrieg

Aber Keupp spricht davon nicht, er sieht durch seine Brille nur eine „Abnutzung“ russischer Truppen. Das resultiert primär nicht etwa aus den Quellen, die er verwendet, sondern auf seiner durch die verinnerlichte Ideologie gegebenen Beschränktheit. Und die Schwester dieser Beschränktheit nennt sich Arroganz. Daraus resultiert auch der verbohrte moralische, überhebliche Blick auf die Überlegenheit westlicher Demokratien und Waffen. Keupp und nicht nur Keupp zufolge ist die russische Armee samt ihrer Führung inkompetent. Soldaten werden sinnlos verheizt, um kleine Gebiete zu erobern. Das Material geht aus und das ganze Land steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Und das ist schlicht Nonsens.

Auf dieser Basis baut Keupp aber seine Simulationen auf!

Wie geht der Mann nun mit dem Widerspruch zwischen Simulation und Wirklichkeit um?

Die „Abnutzung“ der russischen Armee müsste ja nun irgendwann, nach vier Monaten der ukrainischen Offensive, einschließlich vier Monaten „antesten“, doch so bedeutend sein, dass der vom „Experten“ herbeigeredete „Durchbruch“ dann wohl fällig, ja überfällig wäre. Gehen wir also einfach einen Monat weiter. Es ist nun Anfang Oktober 2023. Putins Sturz, so die Prophezeiung des Militärökonomen vom März, steht angeblich unmittelbar bevor. Aber was lesen wir?

„Wir sind im Moment in einer Abnutzungsphase. Eben weil sich die Ukraine durch die russischen Minenfelder durcharbeiten muss, kommt sie natürlich, in Quadratkilometern Gelände gemessen, relativ langsam voran.“ (27)

Es ist im Grunde unglaublich, was Marcus Keupp da zum besten gibt. Am 6. Oktober tat Keupp so, als wäre auf dem Schlachtfeld bei Rabotino eine neue operative Situation entstanden. Dabei hatten selbst westliche Medien bereits ein Vierteljahr zuvor ausführlich von diesem Problem für die ukrainischen Streitkräfte berichtet (18i).

Es ist so: Bei Rabotino arbeiteten sich ukrainische Truppen Anfang Oktober seit bereits vier Monaten durch russische Minenfelder. Und es war im Vorfeld völlig klar, welche Aufgabe da auf sie zukommen würde. Schließlich hatte ja Keupp die an seinen Lippen hängenden Konsumenten vor Monaten aufgeklärt, dass man quasi in Echtzeit über die erforderlichen Informationen vom Gefechtsfeld verfügen würde.

Das ist aber nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass ukrainisches Militär auf praktisch ein und derselben Fläche von 120 Quadratkilometern seit vier Monaten Minen räumt. Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man wissen, dass die russischen Streitkräfte in der Lage sind, diese Minenteppiche über Nacht neu auszulegen, besser gesagt auszustreuen. Dafür verfügen sie über ein großes Reservoir von Minenwerfern. Was bei Rabotino seit Monaten vonstatten geht, ist Folgendes:

Die ukrainische Armee stößt mit großen oder kleinen Verbänden, mal mit schweren Waffen, mal mit Infanterie in das Gebiet vor. Sie muss trassenartig Minen beseitigen, was sie zu einem hervorragend zu treffenden Ziel macht. Aber ohne das können die Fahrzeuge und Soldaten nicht weiter zur Kontaktlinie vordringen. Die Kontaktlinie ist die erste von drei russischen Verteidigungslinien. Die Minenfelder liegen in der grauen Zone, sozusagen im Niemandsland. Für die Ukrainer ist das ein mörderisches Unterfangen. Erreicht schließlich ein Bruchteil der Offensiveinheiten die Nähe der Kontaktlinie, wird er von den russischen Truppen aufgerieben. In der darauf folgenden Nacht, innerhalb von sechs bis zwölf Stunden, wird das Gebiet erneut vermint und das tödliche Spiel kann von Neuem beginnen (28).

Das weiß Marcus Keupp nicht?

Keupp redet von „Abnutzung“ russischer Truppen. Das ist nicht nur fachlich Müll. Es ist vor allem verantwortungslos. Denn der Mann redet dem Krieg das Wort und redet dieses Abschlachten ukrainischer Soldaten auch noch als Erfolg schön.

Noch sonnt sich Keupp im Scheinwerferlicht der Medien. Aber nicht er ist es, der die Befüllung des Informationsraumes steuert. Und die Medien-Verantwortlichen haben einen starken Sensor dafür, wann eine Veränderung in der Berichterstattung „droht“. Dafür werden sie — lassen wir offen, von wem — entsprechend „gefüttert“. Am 4. November las ich einen bemerkenswerten Passus innerhalb eines ZDF-Beitrages (Hervorhebung durch Autor):

„Was Saluschnyj [Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte] nicht ausführt, aber implizit anklingen lässt, ist, dass die ins Stocken geratene Gegenoffensive bedeutet, dass nicht nur die ukrainischen Militärplaner den Zustand der russischen Verteidigung und der ukrainischen Armee nicht richtig eingeschätzt haben. Auch die westlichen Militärplaner und Nachrichtendienste haben die Ukraine mit den für eine nüchterne Einschätzung erforderlichen Informationen nicht versorgt. (29)

Warum nun Keupp bei seinen spekulativen Analysen ständig so spektakulär daneben liegt, hat einen schwerwiegenden Grund, der nicht im Fachlichen zu suchen ist.

Weltanschauungskrieger

Keupp mag sich als Wissenschaftler verkaufen, aber als ein solcher praktiziert er in der Öffentlichkeit nie und nimmer. Er kann es nicht. Weil er ein Ideologe, ein Weltanschauungskrieger ist. Das ist der Originalton von Marcus Keupp und nicht etwa der des verteufelten ideologischen Gegners:

„Was hier stattfindet, ist nicht einfach nur ein Krieg […]. Es ist vor allem auch ein Krieg der Weltanschauungen.“ (30)

Wir sind nah am Vokabular, mit dem das Dritte Reich seinen Überfall auf die Sowjetunion moralisch rechtfertigte: „als Überlebenskampf der Weltanschauungen“ (31). So entblättern sich Ideologen, heiße Schreibtischkrieger, die sich selbst zum „objektiven Analysten“ glorifizieren, als abgehoben und verbohrt. Und Keupp nimmt aktiv an diesem Krieg der Weltanschauungen teil:

„Wir haben eine historische Stunde, in der Sie nicht abseitsstehen können. Entweder stellen Sie sich diesem Regime [in Russland] entgegen, oder Sie werden zum Kollaborateur desselben.“ (16ii)

Nun denn, Herr Keupp, der Ukraine gehen derzeit die Soldaten aus. Ich denke, man wird Ihnen den Dienst an der Waffe für den Kampf gegen das „Regime“ in Russland sicher nicht verwehren.

650.000 und damit ein Teil jener ukrainischen Männer im wehrpflichtigen Alter, die Ihren Weltanschauungskrieg, Herr Keupp, nicht mit führen wollen, haben inzwischen die Ukraine verlassen (32). Es ist eben nicht deren Krieg, sondern der Ihre!

Ideologie führt zu Arroganz und gleichzeitig zu Schmalspurigkeit, zu Blindheit. Noch ein, seinem Selbstverständnis nach objektiver, faktenbasierter Keupp? Bitteschön:

„Ich toleriere nicht, dass dieses Imperium weiterhin seine Macht in den Westen, den Kaukasus, nach Zentralasien projiziert und dass die Macht wieder über das Recht regieren soll. Ich werde meine analytischen Fähigkeiten dafür einsetzen, diesen Krieg möglichst objektiv und faktenbasiert zu begleiten. Und das bedeutet insbesondere, die imperialistische Politik des Kreml zu thematisieren, denn diese zielt letztlich gegen den Westen.“ (16iv)

Vergleiche zum Dritten Reich sind bei Keupp angebracht? Unbedingt! Der Mann gibt, sich zum Helden stilisierend, seine Paranoia preis und außerdem etwas, was gemeinhin als Rassismus bezeichnet wird:

„Sollte mir etwas passieren, wäre dies die Krönung eines Analystenlebens. Glauben Sie nicht, die Schweiz sei ein sicherer Raum. Genf ist voll mit russischen Agenten, genauso wie auch Wien und Berlin. Offiziell sind das natürlich «Kulturattachés». Ich kann es nicht oft genug betonen: Das Einzige, was die Russen respektieren, ist Stärke. Also können Sie entweder kollaborieren — auch durch stillschweigende Duldung — oder sich widersetzen.“ (16v)

Der Mann träumt tatsächlich vom Heldentod und glorifiziert sich dabei zum Analysten der besonderen Art.

Noch einmal: Keupp kann einfach kein wirklicher Experte im Sinne wissenschaftlicher, weitgehend unvoreingenommener Betrachtung von Ereignissen sein. Weil er extrem parteiisch und in dieser Verfasstheit schlicht unfähig ist, die Schwarz-Weiß-Brille abzusetzen. Und weil das so ist, rutschen auch plumpe Propagandalügen aus des „Experten“ Munde gefällig heraus:

„Man muss dazu wissen: [Die 76. Luftlandedivision], das ist eine Eliteeinheit und es ist dieselbe Eliteeinheit, die damals die Kriegsverbrechen in Butscha begangen hat.“ (26ii)

Keupp muss das nicht mit Quellen belegen. Er hat auch keine. Was er und jeder andere auch wissen können, ist, dass im März 2022 tatsächlich die 76. Luftlandedivision der russischen Streitkräfte nördlich von Kiew operierte. Mehr weiß er nicht. Denn wie gesagt, er hat für Kriegsverbrechen dieser Einheit keinerlei seriöse Quellen anzubieten. Keine Quellen, die eine unabhängige, unvoreingenommene Untersuchung der Vorfälle von Butscha Ende März 2022 abbilden könnten. Keupp betreibt also Propaganda. Er kann nicht anders. Er ist vollständig in diesen Krieg verstrickt. Und so strickt er folgerichtig wie systematisch an seiner Inkompetenz.

Wurde Keupp auf seine windigen Prognosen — von denen es noch reichlich mehr gibt (33) — je festgenagelt? Oft genug war er ja beim entsprechenden Sender zu Gast. Aber der Scharlatan durfte praktisch ungeschoren weiter als Experte auftreten. Und das erinnert mich frappierend an die PLandemie, an Karl Lauterbach, gern auch Christian Drosten. Es ist doch immer das selbe Prinzip. Es ist bei Keupp nicht anders als bei Lauterbach und Drosten: Sie werden nicht etwa durch die Medienlandschaft geschleift, weil sie Experten, sondern weil sie hervorragende Propagandisten sind. Lauterbach wie Drosten waren und sind die idealen PLandemie-Einpeitscher, Keupp der für den Krieg gegen Russland.

Einen Versuch habe ich letztlich entdeckt, Keupp auf seine Auslassungen „anzutesten“. Es war Katja Keppner von der ARD-Tagesschau, die am 25. September fragte:

„Sie haben bereits im Frühjahr für den Herbst eine entscheidende Wende und gar ein Ende des Krieges prognostiziert. Bleiben sie dabei?“ (34)

Die Antwort war dann diese:

„Im März hatte ich gesagt, dass der Krieg im Oktober strategisch verloren sein wird für Russland. Damit war nicht gemeint, dass die Kampfhandlungen aufhören, sondern dass Russland in einer Lage ist, wo es logistisch nicht mehr leistungsfähig ist und vor der Wahl steht: entweder es zieht die Truppen zurück oder es wird langsam aufgerieben.“ (34i)

Die Realität im Ukraine-Konflikt Ende des Jahres 2023 sieht anders aus. Sie sah übrigens auch am 25. September, als Keupp die obige Antwort gab, anders aus.

Inzwischen ist die ukrainische Armee zu mehr als lokal eng begrenzten, taktischen Offensivaktionen nicht mehr imstande, während sie von Russlands Streitkräften an diversen Stellen der Frontlinie massiv unter Druck gesetzt wird. Das ficht einen Keupp nicht an. Wie ein bockiges Kind beansprucht er „seinen“ Sieg. Am 9. November — vergleichen Sie das, liebe Leser, mit dem ZDF-Beitrag vom 4. November (siehe weiter oben) — tönte er im ZDF:

„Der Krieg ist für Russland strategisch verloren. Russland hat im Moment keine Möglichkeit mehr, an der gesamten Front die Initiative zu gewinnen.“ (35)

Das ist nur noch peinlich. Und Keupp steht mit seiner bellizistischen Haltung des Weltanschauungskriegers, der sich in den Massenmedien austoben darf, beileibe nicht allein (36).

Marcus Keupp und wir

Aber wie ist das möglich? Wie kann es sein, dass die Lauterbachs, Drostens und Keupps so wirkmächtig auftreten?

Wir haben hier ein psychologisches Problem vorliegen, das sich keinesfalls auf die drei oben Genannten beschränkt. Es ist ein Kapitel Massenpsychologie, bei dem sich fatale Denk- und Handlungsmuster in den vorliegenden systemischen Strukturen durch sich selbst erhalten und stärken. Wir leben in traumatisierten Gesellschaften, in denen sich auch weniger verletzte Menschen durch die am stärksten Traumatisierten regieren, führen und lenken lassen. So gesehen ist es auch zu kurz gesprungen, Keupp und Co. als Schuldige anzuprangern.

Weil das allzu bequem ist und von der Tatsache ablenkt, dass so ziemlich alle im System ihre Rolle spielen. Gewissermaßen tun sie das sogar freiwillig. Sie manipulieren sich auch gegenseitig „freiwillig“. Im Grunde nehmen alle am Spiel teil. Auch dann, wenn sie innerhalb des Spieles in Dissonanz geraten, zum Beispiel weil sie Unrecht erfahren haben. Dann versucht man Regeln im Spiel zu ändern, statt aus dem Spiel auszusteigen. Man ist eben doch nicht frei. Man ist im Spiel, in der Matrix gefangen.

Und es fehlt die Kraft, der Wille, die Bereitschaft, den unbequemen Blick von außen auf diese Matrix zu riskieren. Gewohntes, vermeintlich Halt und Sicherheit Gebendes, könnte zusammenbrechen. Daher delegieren wir. Wir tun das unbewusst. Aber wir tun es. Keupp findet seinen Halt über die überbordende Wahrnehmung und Wertschätzung, die seinem propagierten Unsinn entgegengebracht wird. Er braucht aber auf jeden Fall das Publikum. So wie Lauterbach und Drosten. Gleich den Letztgenannten nimmt er seinen Mitspielern dankenswerter Weise das Denken ab. Er liefert holzschnittartige Bilder. Das ist zwar fernab der Realität, doch prägt sich die Einfachheit viel leichter ein.

Aber wenn das Publikum fehlt, richten diese drei auch keinen Schaden an. Sie hängen in der Luft, ihre Propaganda verpufft. Und damit auch der Wille, diese weiter zu verbreiten. Denn eben die vermeintliche Wertschätzung durch das Publikum hat bis dahin ihre narzisstische Seite angetrieben. Ohne Beifall versiegt der Ehrgeiz. Ohne Beifall versiegt freilich auch das Gefühl der bisher Klatschenden, sich im Licht des Beklatschten sonnen zu können. Aber man erspart es sich nun, unreflektiert — und damit ohne großen eigenen, geistigen Aufwand — die vermeintlichen Weisheiten der Koryphäe weitergeben zu müssen.

Diese Herausforderung betrifft übrigens nicht nur die Medien. Sie betrifft uns alle.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen — insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors — kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden. Letzte Bearbeitung: 3. Dezember 2023.

(1) ETH zürich; https://ethz.ch/de/die-eth-zuerich/portraet/geschichte.html; abgerufen: 10.09.2023

(2) ETH zürich; Marcus Keupp; https://ethz.ch/de/utils/search.MTk0MDI5.html; abgerufen: 10.09.2023

(3, 3i) 03.04.2023; ZDF; Tim-Julian Schneider; Keupp erwartet Putins Niederlage im Oktober; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/krieg-verlauf-ende-ukraine-niederlage-russland-100.html

(4) Bellingcat; Annual Report 2021; https://www.bellingcat.com/app/uploads/2022/05/Bellingcat-Annual-Report-2021.pdf; S. 33; abgerufen: 23.11.2023

(5) Bellingcat; Annual Report 2019; https://www.bellingcat.com/app/uploads/2022/02/Bellingcat-Annual-Report-2019p.pdf; S. 46; abgerufen: 23.11.2023

(6) Bellingcat; Annual Report 2022; https://www.bellingcat.com/app/uploads/2023/06/Bellingcat-Annual-Report-2022_com.pdf; S. 32; abgerufen: 23.11.2023

(7) 11.04.2022; BBC News; Ukraine conflict: Why is Russia loosing so many tanks?; https://www.bbc.com/news/world-61021388

(8) 05.04.2022; Forbes; Michael Peck; Russia is Exaggerating Ukraine’s Military Losses; https://www.forbes.com/sites/michaelpeck/2022/04/05/russia-is-exaggerating-ukraines-military-losses/

(9) 14.02.2023; ARD-Tagesschau, Faktenfinder; Pascal Siggelkow; Angaben zu Verlusten „gänzlich unglaubwürdig“; https://www.tagesschau.de/faktenfinder/russland-ukraine-verluste-grafik-101.html

(10) 09.02.2023; CNN; Bred Lendon; Russia may have lost up to half of its operational tank fleet in Ukraine, monitoring group says; https://edition.cnn.com/2023/02/09/europe/1000-russian-tanks-destroyed-ukraine-war-intl-hnk-ml/index.html

(11) 14.02.2023; ZDF; Oliver Klein; Russische Propaganda zu Verlusten in der Ukraine; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/verluste-propaganda-ukraine-krieg-russland-100.html

(12) 23.04.2015; BBC News; David Petraeus and the fall of a general; https://www.bbc.com/news/world-us-canada-20276786

(13) 07.06.2023; Deutsche Welle, News; General Petraeus: The spring offensive will be ‚much more successful‘ than many think; https://www.youtube.com/watch?v=L3qCYIPaPqU&t=236s; Video ist werbeverseucht

(14) 08.11.2023; ARD-Tagesschau; Die Corona-Lage im Überblick; https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-karte-deutschland-101.html

(15) Janes; Advisory Board; https://www.janes.com/about-janes/our-strategic-advisory-board; abgerufen: 23.11.2023

(16 bis 16v) 27.03.2023; Neue Zürcher Zeitung; Marcus Keupp: «Deswegen sage ich: Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben»; https://www.nzz.ch/feuilleton/marcus-keupp-deswegen-sage-ich-russland-wird-den-krieg-im-oktober-verloren-haben-ld.1731488

(17 bis 17ii) 15.06.2023; ZDF; Interview mit Marcus Keupp; „Die Logistik gewinnt am Ende den Krieg“; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/keupp-militaer-ukraine-krieg-russland-100.html

(18, 18i) 04.07.2023; Neue Zürcher Zeitung; Marco Seliger; Minenfelder und Helikopter — ukrainische Offensive kommt trotz westlichen Waffen nur langsam voran; https://www.nzz.ch/international/ukraine-hohe-verluste-an-deutschen-panzern-leopard-2-und-marder-ld.1744995

(19) 15.11.2023; Merkur; Leichte Beute: Putins Drohnen-Piloten knacken Leopard-Panzer; https://www.merkur.de/politik/piloten-finden-knackpunkt-leopard-panzer-wird-im-ukraine-krieg-zur-leichten-beute-putins-drohnen-92655200.html; Artikel hinter Werbeschranke

(20) Defense One; C4ISR: The Military’s Nervous System; https://www.defenseone.com/insights/cards/c4isr-military-nervous-system/; abgerufen: 10.03.2023

(21) THALES; C4ISR; https://www.thalesgroup.com/en/global/activities/defence/naval-forces/c4isr; abgerufen: 09.03.2023

(22) BAE Systems; C4ISR Systems; https://www.baesystems.com/en/productfamily/c4isr-systems; abgerufen: 09.03.2023

(23) 12.05.2016; NATO; NITEC16: Building resilience through secure C4ISR; https://www.ncia.nato.int/about-us/newsroom/nitec16-building-resilience-through-secure-c4isr.html

(24) 04.05.2023; Deutschlandfunk; Tobias Armbrüster; Militärexperte: Die Frühjahrsoffensive hat längst begonnen; https://www.deutschlandfunk.de/ukraine-wann-kommt-fruehjahrsoffensive-interview-mit-marcus-keupp-eth-zuerich-dlf-ab231e15-100.html

(25) 09.08.2023; ZDF; Militärexperte: Entscheidende Phase im Herbst; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/gegenoffensive-logistik-strategisch-ukraine-krieg-russland-100.html

(26 bis 26ii) 01.09.2023; ZDF; Experte: „Gefährlicher Moment für die Russen“; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/gegenoffensive-durchbruch-drohnen-angriffe-ukraine-krieg-russland-100.html

(27) 06.10.2023; ZDF; Experte: „Woche des russischen Blechhaufens“; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/gegenoffensive-abnutzung-keupp-ukraine-krieg-russland-100.html?utm_source=pocket-newtab-de-de

(28) 09.10.2023; Top War; American military analysts report that the Russian Armed Forces have re-mined sections of the front in the Zaporozhye direction; https://en.topwar.ru/227698-amerikanskie-voennye-analitiki-soobschajut-o-povtornom-minirovanii-vs-rf-uchastkov-fronta-na-zaporozhskom-napravlenii.html

(29) 04.11.2023; ZDF; Christian Mölling, András Rácz; Was aus der ukrainischen Gegenoffensive wurde; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/gegenoffensive-scheitern-ukraine-krieg-russland-100.html

(30) 17.06.2022; Die Welt; Putins Krieg: Waffen — Was die Ukraine wirklich braucht; Interview mit Marcus Keupp; https://www.youtube.com/watch?v=_Nte6kd1Ncw

(31) 22.06.2021; Deutsche Welle; Ralf Bosen; 22. Juni 1941: Überfall auf die Sowjetunion; https://www.dw.com/de/vor-80-jahren-nazi-deutschland-greift-sowjetunion-an/a-57903120

(32) 24.11.2023; BBC News, Ukraine; Євростат порахував, що з України виїхали 650 тисяч чоловіків призовного віку; https://www.bbc.com/ukrainian/articles/cd1px4z922wo

(33) 19.02.2023; BR24; Dominic Possoch; Militär-Experte: Putins Ukraine-Strategie „hart am Selbstmord“; https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/militaer-experte-putins-ukraine-strategie-hart-am-selbstmord,TW7hge0

(34, 34i) 25.09.2023; ARD-Tagesschau; „Für Russland ein komplettes Desaster“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/offensive-ukraine-100.html

(35) 09.11.2023; ZDF; Experte: Ukraine-Krieg in „Abnutzungsphase“; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/militaer-front-kaempfe-ukraine-krieg-russland-100.html

(36) 26.11.2023; ZDF; Verliert die Ukraine den Krieg, Herr Mölling?; https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/moelling-offensive-verhandlungen-ukraine-krieg-russland-100.html

(b1) Oryx, Militär, Geheimdienst, Kontaktseite; Bildschirmfoto; https://www.oryxspioenkop.com/p/contact.html; erstellt: 23.11.2023

(b2) Saporoschje-Front; Kessel von Rabotina; 23.09.2023; Quelle: Top War; https://en.topwar.ru/226712-na-juzhno-doneckom-napravlenii-vs-rf-zachischajut-posadki-vokrug-novodoneckogo-i-vernuli-chast-ranee-utrachennoj-territorii.html

(Titelbild) Panzer, Challenger 2; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/57/Challenger_2_Tank_MOD_45154624.jpg/1280px-Challenger_2_Tank_MOD_45154624.jpg; Originalquelle: http://www.defenceimagery.mod.uk/fotoweb/fwbin/download.dll/45153802.jpg; Lizenz: Open Government License 1.0 (https://nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/1/)

Von Ped

28 Gedanken zu „Hofdichter westlicher Siege — Marcus Keupp“
  1. Für einen Militärökonomen liegt es sehr, sehr nahe, das eigene Vermögen in die Rüstungsindustrie zu investieren und zu vermehren. Oder aber er schreibt diesen hoffnungsschwangeren Nonsens im Auftrag der Eigentümer der Rüstungsindustrie -oder beides. Je länger also ein Krieg dauert, desto höher die Rendite für das investierte Kapital des Herrn Militärökonomen und desto höher die Renditen für die Eigentümer der Militärindustrie. Insofern zumindest wäre es für diesen Kriegsgewinnler unsinnig, die Realität zu beschreiben, weil nur der fortdauernde Krieg exorbitante Gewinne garantiert. Dass Leben und Kriegselend sowohl der Ukrainer als auch der Russen solchen schauerlichen Figuren wie dem Keupp vollkommen gleichgültig sind, ist selbstredend.
    .
    .
    Ob Keupp über direkte Verbindungen zum Rüstungssektor verfügt, wissen wir allerdings nicht. Weshalb das eine Behauptung ist, die noch bewiesen werden müsste. Vielleicht kann ja mal jemand recherchieren…
    Herzlich, Ped

    1. Zitat Ped: „Ob Keupp über direkte Verbindungen zum Rüstungssektor verfügt, wissen wir allerdings nicht.“
      .
      Indizien, die dafür sprechen, gibt es jedenfalls genug…
      https://www.welt.de/politik/ausland/video243636797/Krieg-in-der-Ukraine-Marcus-Keupp-fordert-Ruestungsindustrie-anzuwerfen.html
      .
      Als studierter Militärökonom wäre Keupp jedenfalls eine absolute Niete, wenn er das, was er z.B. im Artikel der NZZ behauptet – ausgenommen sei hier seine Einschätzung zu Atomwaffen -, tatsächlich jemals geglaubt hätte. Zumal sich die Behauptung, Russland verliert den Krieg bis Oktober, inzwischen als völlig falsch erwiesen hat…
      https://www.nzz.ch/feuilleton/marcus-keupp-deswegen-sage-ich-russland-wird-den-krieg-im-oktober-verloren-haben-ld.1731488
      .
      Selbst die Neue Züricher Zeitung meint in ihrem Artikel vom März 2023, dass Keupp sich mit solchen Behauptungen zu weit aus dem Fenster lehnt: „Ist eine solche Prognose seriös, und warum riskiert ein Wissenschafter seinen Ruf?“
      .
      Wenn man den Artikel der NZZ aufmerksam liest, wo Keupp versucht, die Leser mit seinen wirren Analysen für dumm zu verkaufen, drängt sich allerdings tatsächlich der Eindruck auf, dass Keupp entweder „absolut nichts drauf hat“, so dass man sich sogar fragt, wie dieser Mann es bloß geschafft hat, an der ETH Zürich Militärökonomie zu studieren, oder dass man letztlich nur noch folgern kann, dass er einfach dreist lügt.
      .
      Ich bin zumindest zu dem Schluss gekommen, dass dieser Mann, bei dem ich in meiner Einschätzung zwischen Idiot und/oder geistig verwirrtem Lügner tendiere, und manchmal auch ein wenig den Eindruck habe, dass er den Blödsinn, den er da erzählt, vielleicht sogar teilweise selbst glaubt (McCarthy lässt grüßen), es eigentlich nicht verdient, sich überhaupt mit ihm zu befassen.

    2. Man kann das russische Vorgehen mit bspw. einer Metapher vergleichen, dass plötzlich ein Gang höher geschalten wird. Wenn man einen bildhaften Vergleich anstrengen möchte, dann vielleicht den einer Boa, die ihr Opfer erst zur Erschöpfung kommen läßt und dann nach und nach den Griff enger zieht. Man sieht in den letzten Wochen, dass die offensiven Aktionen Stück für Stück zunehmen und auch die Intensität dieser. Das ist ein langsamer, schleichender Vorgang, immer unter Berücksichtigung einer taktischen Disziplin. Aktuell sieht es so aus:
      https://southfront.press/military-situation-in-ukraine-on-november-29-2023-map-update/

  2. Die Frage, die sich mir stellt ist, ob diese Protagonisten von dem überzeugt sind, was sie von sich geben, oder ob sie wissen, dass sie Unsinn erzählen, aber diesen Unsinn in Kenntnis seiner Unsinnigkeit aus propagandistischen Gründen im Sinne ihrer Auftraggeber erzählen.

  3. Wie kann man überhaupt annehmen, Russland zu besiegen. Russland hat noch nicht einmal wirklich mit einem Krieg begonnen. Es lässt den Gegner einfach verhungern. Russland kann nur von innen heraus besiegt werden. Darüber kann ich aber aus Unkenntnis nichts sagen. Im Übrigen hat der Westen überhaupt keine Ahnung von wirklicher Kriegsführung. Was hat er denn in den Ländern, die er angriff getan? Bomben und Zerstörung. Dann kamen erst die Landtruppen. Und hat es ihm was gebracht? Nichts! Mit einem besseren bzw. gleichwertigen Gegner ist er noch nicht in Berührung gekommen – bis jetzt. Letztendlich hat der Westen nach WK2 jeden Krieg, den er angezettelt hat, verloren.
    .
    .
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    „Russland hat noch nicht einmal wirklich mit einem Krieg begonnen.“
    Das mag bis in den Herbst 2022 so gewesen sein. Jetzt – zumindest aus meiner Sicht – nicht mehr.
    Herzlich, Ped

    1. Russland hätte natürlich, so wie die USA es z.B. im Irak oder in Syrien gemacht haben, oder Israel in Gaza, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, alles in Schutt und Asche bomben können. Genau so hätte man das auch mit Raketen erledigen können, die mit entsprechend wirkungsvollen Gefechtsköpfen bestückt sind.
      .
      Dann hätte der Krieg in wenigen Tagen – oder von mir aus auch Wochen – entschieden und vorbei sein können. Und erst dann hätte man m.E. überhaupt davon reden können, dass Russland, unter Verzicht auf Atomwaffen, mit annähernd voller Kraft Krieg führt. Insofern würde ich Petra zustimmen.
      .
      Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Russland mit riesigem Abstand das größte, und noch viel wichtiger, das rohstoffreichste Land der Erde ist und inzwischen über hervorragend ausgebildete Ingenieure und Wissenschaftler verfügt, ist es geradezu ein Witz, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass die Ukraine Russland besiegen könnte.
      Das wäre ja nicht mal möglich gewesen, wenn die Nato mit ihrer gesamten Streitmacht an der russischen Grenze aufgetaucht wäre.
      .
      Pepe Escobar hatte das schon vor Jahren geschrieben, dass Russland ab dem Jahre 2015 (bitte mich nicht aufs Jahr festnageln) unbesiegbar sein wird. Kein Land der Erde kann Russland noch etwas anhaben, ohne seinen eigenen Untergang mit einzuplanen.
      .
      Irgendwie fällt es mir auch schwer, zu glauben, dass US-Strategen wie z.B. die vom Council on Foreign Relations, von Stratfor oder RAND, das nicht wissen oder wissen wollen. Wahrscheinlich verdrängen sie die Realität auch nur um ihre längst verlorenen Ziele weiter verfolgen zu können, bzw. den Schein zu wahren, um ihr Gehalt, das sie für ihre schäbige Tätigkeit erhalten, irgendwie noch zu rechtfertigen.
      .
      Wenn man den Blödsinn liest, den die schreiben, kann man es einfach nicht fassen. Wer das nicht glaubt, kann sich beim Anti-Spiegel selbst davon überzeugen…
      https://www.anti-spiegel.ru/2023/die-us-regierung-soll-neu-definieren-was-ein-erfolg-der-ukraine-ist/

    2. Danke Ped. Ich sehe das aber völlig anders oder ich habe ein anderes Bild von einen „wirklichen“ Krieg. Wenn Russland wirklich Krieg führen wollte und zwar richtig, hätte es ohne Rücksicht einfach z.B. das Asow-Stahlwerk mit ein paar bzw. einer einzigen Bombe zerstören können, je nach Typ der Bombe. Sie hätten auch in z.B. Mariupol und andere Städten ganz anders vorgehen können. Die Russen waren immer darauf bedacht, nicht soviel zu zerstören. Schließlich waren es ja die Gebiete, die zur Russischen Föderation beigetreten sind. Wenn die Russen wirklich richtig Krieg hätten machen wollen, hätten sie eine umfangreichere Mobilmachung anordnen können und mit einer größeren Macht an Menschen die Ukros überrollen können. Nur, sie mussten schließlich das Wohlwollen der Russen direkt in Russland und das in den neuen Gebieten behalten. Nun und jetzt lassen sie die Ukros anrennen und immer wieder anrennen – im Prinzip erfolglos. Das ukrainische Volk wird dabei vernichtet, aber auf Anweisung des Westens. Leider. Übrigens, habe ich heute im Teletext gelesen: Da basteln Schüler an Granaten im Schulunterricht an irgendeiner Vorrichtung, dass die Granaten effektiver machen soll. Das hört sich an, wie die Chips aus den Waschmaschinen.

  4. Geschätzter Ped, Sie kommen mir zuvor und dafür herzlichen Dank: Mein Plan war, diesem Experten seine von mir gesammelten, verbalen Schandtaten gelegentlich unter die Augen zu reiben. Sie machen es mir sehr einfach: Diese Mail ging eben von mir an besagten Fachmann:

    Guten Tag Herr Keupp,
    Es ist eine altbekannte Weisheit, dass ein Hochschulstudium nichts beweist ausser, dass derjenige sehr viel auswendig gelernt hat.
    Nachstehender Link sei Ihnen zur Lektüre wärmstens empfohlen:
    https://peds-ansichten.de/2023/11/ukraine-konflikt-marcus-keupp-nzz/
    Mit besten Wünschen,

  5. Ich würde zu vorsichtigem Optimismus raten. Vielleicht fängt sich der gute Keupp ja noch.

    Etwas ähnliches konnte man heuer bei der angesehenen und bewährten Kriegshetzerin Sabine Adler (wenn ich den Namen höre, kommt es mir immer so vor, als hätte jemand “Ramelows Flugscheibe” gesagt) beobachten (unter anderem Deutschlandfunk – Alles von Penetranz). War bisher die Ukraine erst Tage und Stunden, dann Minuten, später Meter, Zentimeter und Millimeter vom Endsieg entfernt, leitet sie ihr neuestes Epos auf die Frage nach der militärischen Lage so ein:
    “Ja, das ist wirklich total schwierig im Moment, da häufen sich wirklich die schlechten Meldungen”.
    Zwar passt das zwischen die neuen Leitplanken der USA, die verzweifelt einen Ausweg aus dem Schwitzkasten zwischen MIK und dem in Lauerstellung befindlichen Trump suchen, aber sie bringt das so geschmeidig rüber, als wäre sie selbst darauf gekommen.

    Immerhin liefert sie eine wirklich originelle Erklärung für die Malaise. Das Wetter ist schuld, erstens. Und dann der Gott-sei-bei-uns im Kreml. Der macht so viel Schotter für seinen Krieg locker, dass die von der Leyen rote Ohren kriegen müsste. Während die Entartete Union bisher läppische 85 Mrd. Euro in Selenskis Sumpf versenkte, buttert dieser Putin 2024 ein Drittel seines Etats in seine imperialistischen Gelüste, in Worten: Vierzig Billionen Euro (sagt sie wirklich).

    Da kann man fast nur mit einem Wortspiel kontern, mit dem Volker Pispers mal die Minsk-II-Täuscherin Merkel verballhornt hatte:

    Bretto oder Nutto?

    https://www.deutschlandfunk.de/entwicklung-in-der-ukraine-dlf-eccf55d7-100.html

  6. Dazu kommen mir spontan ein paar Gedanken. Das eine ist Paul Schreyer auf Multipolar:
    https://multipolar-magazin.de/artikel/nord-stream-und-die-deutsche-psyche
    .
    Das nächste wäre dies: „Ich werde meine analytischen Fähigkeiten dafür einsetzen, diesen Krieg möglichst objektiv und faktenbasiert zu begleiten.“
    Im ersten Moment denke ich spontan – das wäre cool. Dann geht es viel schneller vorbei. Andererseits … gesetzt den Fall Menschen wie Marcus Keupp würden die Agenda in Teilen mitbestimmen. Was würden sie tun, wenn Realität und Fiktion zu weit auseinanderklaffen?
    Direkt logisch emotional erschlösse sich mir die Forderung nach mehr und schwereren Waffen. Das erleben wir ja nun seit über einem Jahr. Es gibt dabei offenbar auch keine echten Grenzen. Man liefert Streubomben und Uranmunition. Inzwischen sind Atomschläge im Gespräch – ja klar da sprechen immer nur „die Russen“ drüber.
    Derweil spricht Dirk Pohlmann vor der Vollversammlung. (wer im ZDF nicht gehört hat worüber, möge sich hier ein Bild machen – wer Zeitmangel hat, und die These schon kennt kann auf 1:13:07 springen:
    https://odysee.com/@Corona-Ausschuss:3/s177de-2:a )
    Und jetzt zuletzt setzt Israel weißen Phosphor ein, wie der Spiegel aufgezeigt hat – augenscheinlich ohne es zu bemerken; dafür braucht es einen Antispiegel. ( https://www.spiegel.de/ausland/israel-krieg-uno-chef-sieht-nahen-osten-am-rande-des-abgrunds-a-be6ace3e-7e5e-4fb0-b1fc-8526699a07e0
    https://www.anti-spiegel.ru/2023/der-spiegel-zeigt-ein-bild-von-israelischen-kriegsverbrechen/ )
    .
    Diese nur gaaaanz kurze Nachzeichnung der Tatsachen lässt also darauf schließen, dass Irrlichter wie dieser Keupp tatsächlich an der Politik und Militärplanung beteiligt sind, und dass sie eine offensichtliche Quelle der massiven Irrationalitäten in allen Bereichen darstellen. Das tut ihrer Wirkmacht allerdings offenbar keinen Abbruch.
    Und wäre damit gar nicht so positiv, wie man im ersten Moment hoffen möchte.

  7. Hat er/sie tatsächlich keine blasse Ahnung? Lügt er/sie?

    Herrn Keupp kenne ich nicht näher und werde mich nicht nur aus Zeitgründen nicht weiter mit ihm befassen. Aber eine ähnlich gelagerte Fallstudie kam kürzlich auf.

    Im Zusammenhang mit der Corona-Plandemie und der damit verbundenen berüchtigten Personalie Alena Buyx, die ja wohl einiges auf dem Kerbholz hat, attestierte Alexander Schwarz bei ansage.org der “Ethikprofessorin” “Dummdreistes Selbstmitleid”.

    Anhand des bei “Presse Club München” verfügbaren Videos könnte man schlussfolgern, dass Fritz Riemann (“Grundformen der Angst”), der ein hoch empathischer Mensch war, hier den Idealtyp seiner hysterischen Persönlichkeitsform gefunden hätte.

    “Auch die Logik ist eine so lästige Realität. Aber auch ihr kann man sich weitgehend entziehen – die eigene Logik ist eben eine andere als die der anderen, darum aber nicht minder logisch. Wenn man schon Gedankensprünge macht, bei denen der andere nicht mitkommt und die er deshalb als unlogisch bezeichnet, so ist das sein Problem; ich selber verstehe sie und finde sie logisch. Und welche phantastischen Möglichkeiten bietet die Sprache, wenn man erst einmal dahintergekommen ist, was man alles mit ihr machen und wie man andere mit ihr matt setzen kann! So entwickelt man eine Pseudologik, die bis zur bewußten oder unbewußten Lüge gehen kann, in der man kaum je zu fassen ist.”

    Kommt es zur Konfrontation mit der Lüge, reagiert Buyx – von Alexander Schwarz schön dargestellt – wie von Riemann beschrieben:

    “Eine weitere Möglichkeit, wenn man Angst bekommt, weil man sich in die Enge getrieben fühlt, ist es, den ‘Spieß umzudrehen’, indem man die Schuld auf den anderen schiebt. Selbstvorwürfe werden dann in Fremdvorwürfe verwandelt, was reflexhaft vor sich geht, wie bei Kindern (…) Wird man kritisiert und werden einem Vorwürfe gemacht, verwandelt man sie sofort in Gegenkritik und Gegenvorwürfe, die unter Umständen von anderswo hergeholt werden und gar nicht zur Diskussion stehen – aber sie entlasten im Augenblick und machen die Selbsteinsicht unnötig. Dieses Projizieren eigener Schuldgefühle als Vorwurf nach außen kann so gesteigert werden, dass man zuletzt selbst fest daran glaubt, der andere sei schuld gewesen …”

    Nebenbei: Auf mich wirkt dieses affektierte Gehabe der Buyx (ohne das Video komplett gesehen zu haben) irgendwie abstoßend. Aber die kurze Sequenz bei ca. Min. 11 sollte man sich nicht entgehen lassen (kein Scherz!): “Ich muss jetzt einen Satz für meinen Mann sagen – wo ist die Kamera?” (Winke-winke und Bussi).

    Für den einen oder anderen mag sich hier ein analytisches Werkzeug auftun; im allgemeinen halte ich Riemanns Buch auch so immer für einen Gewinn.

    https://ansage.org/schmerzfrei-alena-buyx/

    () https://www.youtube.com/watch?v=76mLutZVPMw

  8. Unter den vielen Gründen, warum dieses Stück äußerst wertvoll ist, kann es als Nachschlagwerk dafür dienen, wie falsch ein zertifizierter Experte im Laufe der Entwicklungen im Laufe der Zeit lag und liegen kann, so dass Menschen, die ein kurzes Gedächtnis haben, immer wieder darauf zurückkommen können. Es zeigt eine der methodischen Taktiken dieser Art von Expertise: die „Neuigkeiten“, die mit einer Vorhersage verbunden sind, so zu präsentieren, dass sich die meisten Fernsehzuschauer/innen nicht einmal fünf Minuten später daran erinnern können, welche „Neuigkeiten“ im Einzelnen mit der Vorhersage (oder Einschätzung) verbunden waren, und es so fast unmöglich ist, eine Merkkarte zu entwickeln, um das eigene Verständnis der Situation überhaupt zu überprüfen. Diese Taktik geht Hand in Hand mit der Taktik, dem Publikum (wiederum im Fernsehen) ein Foto oder sogar ein Video zu zeigen und ihm zu erzählen, was es sieht. Der Filmausschnitt wird nicht lange genug gezeigt, damit das Publikum oder ein aufmerksames Mitglied des Publikums bemerkt, dass zum Beispiel jemand in einem der Leichensäcke bei Bucha den Reißverschluss seiner Sack öffnet und anfängt, eine Zigarette zu rauchen. Jede Gegenmaßnahme, mit der man die Leichtgläubigkeit einer wachsenden Zahl von Zuschauern zerstören kann, ist fair.

    Es scheint, dass wir jetzt einen Punkt erreichen, den die Klimafanatiker einen „Kipppunkt“ nennen. Der „Westen“ als Ganzes oder die derzeitigen Eliten waren völlig davon überzeugt, dass sie gegen Russland gewinnen würden. Jetzt, da mit jedem Tag deutlicher wird, dass der Westen sein erträumtes Ziel nicht erreichen wird, scheint eine eindeutige Differenzierung stattzufinden, die auf einem verlässlichen und überprüfbaren Maßstab beruht: Macht. Ich würde empfehlen, die Differenzierung in einer ersten Annäherung auf der grundlegendsten Ebene zu halten: Während sich der „Westen“ in diesem Krieg zusammengeschlossen hat – und das wird schon jetzt als großer Erfolg gewertet -, werden wir am Ende eine Welt mit drei großen „Polen“ haben: die USA, China und Russland.

    Das ergibt ein seltsames Schauspiel. Die USA sind stark geschwächt, und das nicht nur wegen all des Geldes, das für die Ukraine und Kriegsmaterial ausgegeben wurde. Unter den Bedingungen eines verlorenen Krieges können sich die USA, ob die Narrative Engineers es nun zugeben oder nicht, von der Ukraine verabschieden und sich um ihre eigenen internen Interessen kümmern. Nachdem sie andere Konflikte durch das Scheitern der üblichen „Teile und Herrsche“-Taktik verloren haben, werden sie sich mit den anderen beiden Großmächten auf einer anderen Grundlage auseinandersetzen müssen. Bluffen funktioniert nicht, Brustklopfen funktioniert nicht und mit Krieg drohen funktioniert auch nicht. Dennoch verfügen die USA über riesige natürliche Ressourcen, viel sauberes Wasser und immense Energieressourcen. Sie können sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen oder können es schnell wieder tun.
    Weder Europa noch der Zusammenschluss der EU-Länder genießt solche Vorteile.

    Ja, aufgrund der Verschuldungssituation der USA ist die Unterstützung der Ukraine (und jetzt auch Israels, aber das ist eine längere Geschichte) durch die USA schon jetzt stark eingeschränkt, und das betrifft nicht nur militärische Lieferungen. Die USA besitzen im Grunde die gesamte ukrainische Regierung und alle ihre zivilen Einrichtungen. Die Ukraine hat keine Wirtschaft mehr, mit der sie Geld verdienen könnte, um für irgendetwas zu bezahlen.

    Aber ich möchte noch etwas Grundsätzlicheres ansprechen. Wie Harald Kujat es ausgedrückt hat, sind Europäer und deutsche Politiker nicht an Politik interessiert. Sie sind Fanatiker. Fanatiker, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu regieren, die so fatale Fehleinschätzungen über die militärische Stärke des Westens gegen Russland gemacht haben und die weder über natürliche Ressourcen und Energie, noch über einen Pool an qualifizierten Arbeitskräften, noch über starke diplomatische Beziehungen zu Ländern auf der ganzen Welt verfügen…, mit anderen Worten, kein Maß an wirklicher Macht haben, setzen sich für die „Rettung der Ukraine“ und Zelensky ein.

    Warum also wird in Europa und in Deutschland – Pistorius – so viel über die Vorbereitung eines Krieges gegen Russland in sechs bis zehn Jahren gesprochen? Bitte, lasst uns darüber nicht empört sein. Behandle es stattdessen als „Phänomen“ oder als ein wildes Exemplar im Zoo. Ist das nicht sowohl ein Zeichen von Fanatismus als auch von krankhafter Kindlichkeit: Es ist, als ob Pistorius und seine Kollegen jetzt sagen müssten: „Angesichts all dessen, was wir getan haben, um Russland zu schwächen, aber gescheitert sind, angesichts der verlorenen Menschenleben auf beiden Seiten, für die wir letztlich verantwortlich sind, wird Putin, wenn er dieses Ding gewinnt, natürlich Jagd auf uns machen, um sich zu rächen.“ Aber wie können sich die europäischen Länder, die EU und die NATO auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten, ohne die materiellen Vorteile der echten Supermächte zu genießen? Die Europäerinnen und Europäer werden sich mit einer Situation konfrontiert sehen, in der die „großen Jungs“ das Problem der europäischen Sicherheit ohne die derzeitigen europäischen Eliten lösen werden. Eine Form der Panik besteht darin, zu sagen, dass „wir“, Europa, die Ukraine unterstützen müssen, um Biden zu helfen, die Wahl 2024 in den USA zu gewinnen, wie es im jüngsten DGAP-Papier heißt. Das bedeutet natürlich, dass Europa eine sterbende Ukraine unterstützen muss, um zu verhindern, dass Trump gewählt wird.

    Das ist eine hyper-pathologische und kindische Logik. Die Situation wird dazu führen, dass die USA und Russland die Diskussion über die von Russland vorgeschlagenen Vertragsentwürfe im Dezember 2021 wieder aufnehmen. Und da die Europäer nichts tun können, um das zu verhindern, plappern sie von Kriegsvorbereitungen, als ob sie aus dem Krieg, den sie gerade verloren haben, nichts lernen müssten. Es ist ein kranker Scherz, den sie sich selbst spielen, und dieser Scherz wird die Form der politischen Entwicklungen in der unmittelbaren Zukunft bestimmen, die vor uns liegt.

    Rein vom Standpunkt der Macht aus betrachtet, ist Europa bereits in der Position eines Bettlers. Mit anderen Worten: Europa ist wie ein Zelensky geworden. Ein Bettelclown… ja, mit einem immensen persönlichen Reichtum, nur damit er nicht „weniger europäisch“ aussieht als seine Kollegen. Der russische Außenminister Lawrow wurde neulich gefragt, was Russland tun würde, wenn Europa anbieten würde, die Beziehungen zu Russland wieder so herzustellen, wie sie vor dem Krieg waren. Lawrow antwortete, dass Europa im Moment nicht ganz oben auf Russlands Agenda steht, aber wenn ein solches Angebot gemacht würde, würde Russland es sich zehnmal überlegen, bevor es es annimmt, wenn es es überhaupt annimmt.

    Die „europäischen Eliten“ werden lernen müssen, dass es sich hier um ein Machtwort handelt. Sie wissen es bereits, auch wenn es schwer ist, es zuzugeben: In den Augen der „europäischen Eliten“ ist Russland, wenn es eine Weltmacht ist, eine Bedrohung. Deshalb besteht die einzige Lösung darin, sich auf einen Krieg vorzubereiten. Wir können uns mit einiger Sicherheit vorstellen, was Putin antworten würde: „Dann versuch’s doch mal.“ Es könnte eine Generation dauern, bis Europa begreift, dass sich die Welt verändert hat.

    Ich erinnere mich an den Besuch des damaligen deutschen Außenministers Steinmeier bei Russland und Lawrow im Jahr 2016. Steinmeier war schockiert über die russische Intervention in Syrien im September 2015. In einer Rede, die er an einer Universität hielt, sagte Steinmeier – bitte schnallt euch an -, dass er mit zwei von Lawrows Kollegen darüber gesprochen habe, wie schockiert er war, und ganz Europa, der ganze Westen war einfach schockiert. Lavrovs Kollegen, so Steinmeier selbst, antworteten, dass Steinmeier alles klar verstehen würde, wenn er Putins Rede auf der Wehrkunde-Konferenz 2007 gelesen hätte. Steinmeier sagte daraufhin, dass er Putins Rede für „sehr dramatisch“ halte, aber er verstehe sie immer noch nicht.

    Wir sind also durch die Phase gegangen, in der wir höflich und diplomatisch zuhören, aber nicht verstehen und dann dem Überbringer die Schuld dafür geben, dass wir nicht verstehen. Jetzt befinden wir uns in der Phase, in der es nicht nötig ist zu reden, weil „wir“, der Westen, stärker sind und wenn wir nicht reden müssen, gibt es offensichtlich nichts, was „wir“ verstehen müssen. Dann werden wir in die Phase eintreten, in der die europäischen Eliten fragen: „Warum sitzen wir nicht mit am Tisch, wenn Entscheidungen über die europäische Sicherheit getroffen werden“? Die Entscheidungen über die Ukraine werden über Zelenskys Kopf hinweg getroffen werden. So funktioniert die reale Welt.

    Also, genug der Vorhersagen. – Lasst uns sehen, was passiert.

  9. Zitat aus dem Artikel: „Wie kann es sein, dass die Lauterbachs, Drostens und Keupps so wirkmächtig auftreten?“
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    Ich meine, dass es zur Klärung dieser Frage gar nicht notwendig ist, psychologische Mechanismen zu bemühen. Der wichtigste Grund ist einfach der, dass es die Lauterbachs, Drostens und Keupps sind, die in den Nachrichtensendungen und Talkshows von ARD, ZDF und Privatsendern zu Wort kommen, und nicht wir. Gleiches gilt für die Gazetten aller großen und weniger großen Medienhäuser. Sie alle zusammen bestimmen maßgeblich, was die Masse als Wahrheit und was als Spinnerei und Verschwörungstheorie wahrnimmt.
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    Das ist die ganz simple Realität, die hier schon oft angesprochen wurde.
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    Wenn wir nun mal rein hypothetisch annehmen, dass wir es wären, die in allen großen Medienhäusern zu Wort kommen, dann würde sich doch sofort ein Heer von einflussreichen Lobbyisten darum bemühen, unsere Sichtweise zu beeinflussen, uns notfalls zu kaufen oder einzuschüchtern. Wenn es ganz dick kommt, würde man uns vielleicht sogar ein „Angebot machen, das wir nicht ablehnen können“. Da kann sich jeder selbst fragen, wie hoch die Bestechungssumme, wie attraktiv das Angebot einer angenehmen und lukrativen Position im Arbeitsleben, oder wie massiv die Bedrohung sein müsste, um es mit der Wahrheit „nicht ganz so genau zu nehmen“.
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    Menschen neigen nun mal zu Korruption, je eher man das versteht, um so besser. Und selbst wenn es gelänge, einen Keupp, einen Drosten oder einen Lauterbach auf den Rechten Weg zu führen, stünde doch gleich der nächste Keupp, Drosten oder Lauterbach bereit, die korrupte Arbeit seines Vorgängers weiterzuführen, eben weil die Menschen nun mal zu Korruption neigen.
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    Die einzige Möglichkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, kann deshalb nur darin bestehen, die Anreize so zu gestalten, dass sich Anstand wieder lohnt und Korruption so gefährlich wird, dass es kaum jemand wagt, dieses Risiko einzugehen. Und eben das kann unmöglich erreicht werden, wenn es Oligarchen sind, die unter Einsatz der unter ihrer Kontrolle stehenden Medien bestimmen, was Anstand ist und was nicht. Wir leben in einer Diktatur der Milliardäre, der Superreichen, wo es als cool gilt, wenn man sein Gegenüber austrickst, übers Ohr haut oder einfach erfolgreich betrügt. Diese Oligarchen, die derartiges Denken und Handeln Hoffähig gemacht haben, versuchen z.Zt. eine globale Diktatur der Milliardäre zu errichten und die letzten Reste von emphatischer, menschlicher Selbstbestimmung und Würde zu beseitigen. Und die Keupps, die Drostens und die Lauterbachs, die Habecks, die Scholze und die Leerböcke sind ihre Wasserträger.
    .
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    Wobei wir alle weniger einen Hang zur Korruptheit als zum Opportunismus besitzen – der im Grunde auch nichts Schlechtes verkörpert.
    Herzlich, Ped

  10. @ped
    „Wir leben in traumatisierten Gesellschaften, in denen sich auch weniger verletzte Menschen durch die am stärksten Traumatisierten regieren, führen und lenken lassen. So gesehen ist es auch zu kurz gesprungen, Keupp und Co. als Schuldige anzuprangern.“
    Ist das als ein Plädoyer für Nachsicht mit solchen Figuren wie Keupp (et al.) zu
    verstehen? M.a.W: Sind alle die betrügerischen Protagonisten, die uns, wie dieser unsägliche Keupp, seit Jahren mit verlogenen Narrativen – sei es nun Plandemie-Propaganda, Klima-Lügen oder Kriegshetze – überzogen und damit (nicht nur) unser Land, sukkzessive, zugrunde gerichtet haben, selbst nur traumatisierte Opfer, die als solche ein Anrecht auf unser Verständnis, auf unsere vorbehaltlose Verzeihung für ihr zerstörerisches Wirken beanspruchen können?

    1. Wem bringt es etwas, sich als Richter zu strapazieren? Kann ich Keupp ändern? Kann ich den PCR-Scharlatan ändern, oder den Krankheitsminister?
      Was ich tun kann, ist darauf hinzuweisen, welche Rolle diese Leute spielen und aus dieser Erkenntnis heraus mein Verhalten als Vorbild anzubieten. Das man gern kritisch beäugen kann.
      Wie ich bereits im Artikel schrieb, verschwinden die Probleme, welche diese Propagandisten hervorrufen, genau dann, wenn die Menschen dies auch erkennen. Und letztlich links liegen lassen. Nicht das Bekämpfen sehe ich als Aufgabe, sondern die Fokussierung unserer Energien weg von den gestalteten Angstzentren. Dafür betreibe ich, so verantwortungsvoll mir das möglich ist, Aufklärung.
      Gerichte mögen einen Nutzen im Sinne von Aufarbeitung haben, aber sie ändern nichts. Für die Masse, so sie sich weiter so verhält, sind es auch nur bequeme Instanzen, am eigenen Verhalten nichts zu verändern.

      Herzlich, Ped

      1. Sehr geehrter Ped,
        auch an dieser Stelle wieder einmal vielen Dank für Ihre wertvolle Arbeit hier.
        Und Ihrem sehr guten Kommentar kann ich nur noch hinzufügen: Mein Reden, schon seit Langem und deswegen auch immer wieder mein Hinweis darauf, diesen Gestalten einfach keine Energie/Aufmerksamkeit zu schenken, sondern diese Energie zu verwenden, um unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten, jeder mit seinen Fähigkeiten, so wie Sie es eben mit diesem Blog bereits praktizieren.
        Liebe Grüße
        David Bommert

      2. Sehr weise Sätze für mich, bei Rainer Füllmich hab ich nie verstanden was die gerichtliche Aufarbeitung bringen soll die letztendlich wohl nur sein privates Geschäftskonzept war und warum dem Ausschuss anscheinend dafür 6-stellige Summen gespendet wurden. Als ob das Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, noch dazu vor dt. oder US-Gerichten…

        Viele befinden sich in einem moralischen Dilemma bzw. starker ethischer Konditionierung. Ich wurde hier
        https://open.substack.com/pub/lillygebert/p/macht-moral-mut?r=1b1paw&utm_campaign=comment-list-share-cta&utm_medium=web&comments=true&commentId=44675182
        dazu schon zum Kommentar verleitet, deswegen paste ich nur den Link hier.

        Wir müssen v.a. aufhören auch in vielen alternativen Medien nur die gleiche Sau zu beobachten wie Sie in die andere Richtung getrieben wird, sondern uns fragen wie wir zu einer unverrückbaren Gegenethik ohne Konditionierung kommen können. Frieden ist in diesen Zeiten der selektiven Wahrnehmung und Konditionierung ein diffusiver Begriff und Krieg meist „outgesourced“ über Stellvertreterkriege und ich fürchte damit kein unverrückbares erreichbares Ziel mehr, auf das sich die Mehrheit einigen könnte, wenn die westl. „Werte“ verteidigt werden angeblich. Ihr Kommentar zu Ende gedacht würde doch auch bedeuten, das es elementar wäre neben Pandemie und Kriegen in Ukraine und Gaza, mindestens zu 50% auch über Dinge zu diskutieren in den alternativen Medien die nicht diesen inszenierten Ängsten folgen, sondern der gesellschaftlichen Resilienz und ethischen „Mobilmachung“ gegenüber den Staatsterroristen dienen. Ohne dies bleiben leider für mich auch viele alternative Portale wenig hilfreich bzw. spalten mehr mit, als dass sie Resilienz und Ignorieren der Medienagenden fördern. Es braucht v.a. medialen Raum und Aufruf, um über andere Dinge, Zukunft, Wirtschaften zu reflektieren. Sicher fängt das mit den Analysen auf Blogs wie ihren wie es der Westen besser nicht machen sollte an, also wie wollen wir dann leben und wir wissen die Zahl der Ungeimpften und Friedensbefürworter ist zwar kleiner als die schweigende Mehrheit, aber zigfach größer als die der nutzniessenden Eliten.

  11. Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf die folgende Diskussion lenken, https://www.youtube.com/watch?v=nleU4LjpKiI&t=0s Strategie Für Deutschland – Krieg im Nahen Osten zwischen Ex-BND Gerhard Schilder und Ex-Verfassungsschutz Maaßen. Meiner Meinung nach gibt es mehrere Merkmale der Diskussion, die uns mit erheblichem Gewinn auf die Fragen eingehen lassen, die hier kürzlich aufgeworfen wurden, sowohl im vorliegenden Artikel als auch im Artikel über Dummheit. Schindler und Maaßen diskutieren über Deutschland, Europa, Israel-Palästina und die USA. Wenn das Publikum uninformiert ist, d.h. wenn das Publikum nur Zugang zu dem Narrativ hat, das von den ÖR-Sendern gefüttert wird, wird die Diskussion ziemlich seltsam oder “ hochgestochen“ erscheinen. Es gibt kaum eine Diskussion über „Informationen“, die beiden Fachleute diskutieren ihre jeweiligen Einschätzungen. Manchmal könnt ihr – d.h. die Menschen hier in der Community – jedoch zumindest erahnen, welche Informationen den Einschätzungen zugrunde liegen, aber diese Informationen wären in Deutschland tabu, wenn sie jemand einfach so berichten würde. Manchmal werden Bewertungen auf der Grundlage offensichtlich unvollständiger, selektiver Informationen abgegeben, die ebenfalls nicht erwähnt werden, weil es in Deutschland tabu wäre, darüber zu sprechen.
    Am Anfang gibt es jedoch ein überraschendes Zwischenspiel: Die Israelis sprechen von einem „israelischen 9-11“. Das israelische Establishment hält das offenbar für eine gute Narrative, weil der amerikanische 9-11 so entsetzlich war, dass er alles entschuldigte oder rechtfertigte, was die Amerikaner als Vergeltung taten. Das Problem ist, dass dieser Begriff heute, lange nach dem 11. September, für einen großen Teil der westlichen Bevölkerung eine Büchse der Pandora ist. Die Bevölkerung und die Staatsoberhäupter anderer Länder, z. B. des Irak, Afghanistans oder Libyens, würden ihn natürlich anders interpretieren. In jedem Fall würdet ihr wahrscheinlich vermuten, dass die Büchse der Pandora in Deutschland tabu ist, aber die Frage kam in der Diskussion auf, weil sie für jeden, der überhaupt denkt, unvermeidlich ist: Wie war der Hamas-Anschlag am 7. Oktober möglich? Nun, wie war der „Al-Qaida“-Anschlag am 11. September möglich? Schhhh….! Halte den Mund. Schindler war derjenige, der geantwortet hat. Bitte überprüfe das, was ich jetzt sage, selbst.
    Es könnte sein, dass die Geheimdienste die Informationen hatten, aber nur eine falsche Einschätzung vorgenommen haben, wie Schindler meinte; oder es könnte sein, dass die Geheimdienste Informationen hatten und auch eine richtige Einschätzung; es könnte sein, dass die Geheimdienste die richtige Einschätzung hatten, aber die politische Führung eine andere Einschätzung hatte. – Beachte, dass Schindler nichts „Falsches“ gesagt hat. Das einzig „Falsche“ war, dass er den Köder schluckte und die Frage beantwortete. Er hätte einfach sagen können, dass er nicht weiß, wie es dazu kommen konnte. Alles, was Schindler sagte, wies auf Maaßen und seinen Streit mit Angela Merkel über die Terminologie der „Hexenjagd“ zurück.
    Was Schindler sagte, war also das Äquivalent des alten Witzes: Zwei Geschäftsfreunde machen eine Fahrt in einem Heißluftballon; die Wolken ziehen sich zusammen und sie können nicht mehr navigieren oder sehen, wo sie sind. Plötzlich öffnen sich die Wolken für kurze Zeit, und die beiden im Ballon sehen einen Bauern auf dem Feld unter ihnen. Sie rufen zu ihm hinunter und fragen: „Wo sind wir?!“, und der Bauer antwortet: „In einem Ballon.“ Dann ziehen sich die Wolken wieder zu. Der erste Geschäftsfreund sagt dem anderen: „Der Typ ist ein Mathematiker.“ „Wieso das?“, fragt sein Partner. „Er hat gerade eine sehr präzise Antwort gegeben, die völlig nutzlos ist.“ Aber der Ex-Chef des BND sollte keine nutzlosen Antworten über die israelischen Geheimdienste geben, denn das wirft nur ein Schlaglicht auf die „Büchse der Pandora“ des 11. September.
    Maaßen beschloss, nicht auf die Frage zu antworten. Stattdessen meinte er (und ich stimme ihm zu), dass die Amerikaner versuchen, die Israelis zurückzuhalten. Das hat er während der Diskussion mehrmals gesagt. – Vergiss nicht, das sind Profis. In diesem Fall hat Maaßen bewiesen, dass er besser informiert ist als Schindler. (Ich werde jetzt nicht sagen, woher ich weiß, was er weiß, aber es ist nicht schwer, es herauszufinden. Und das ist eine der Eigenschaften von Maaßen: Er sagt sehr oft Dinge, die auf den ersten Blick eine vollständige Idee zu sein scheinen, aber es gibt einen offenen Bereich, in dem der Zuhörer die Idee selbst vervollständigen muss.)
    Ich werde nicht versuchen, die gesamte Diskussion wiederzugeben. Sie sprechen über die Ukraine. Wie ihr euch denken könnt, gibt es in diesem Bereich ein Minenfeld von Tabus. Schindler spielt den Naiven: Er bietet sogar die „Information“ an, dass es keinen Sinn macht, mehr Waffen in die Ukraine zu schicken, weil die Ukraine keine Soldaten hat, die sie einsetzen können. Aber seine Opferzahlen sind ein Hirngespinst: 180.00 Tote, Verwundete oder Vermisste. Wenn diese Zahl stimmen würde, gäbe es noch genügend ukrainische Reserven, aber die gibt es nicht. Er hat zwar recht, dass es keine Reserve gibt und es daher keinen Sinn macht, mehr Waffen zu schicken, aber als Profi will er nicht dabei erwischt werden, dass er etwas „Falsches“ sagt, aber ihr wisst ja, dass es falsch ist. Wenn er wüsste, wie viele Soldaten die Ukraine in der Zeit der russischen Zerstörung von drei ganzen Armeen verloren hat, oder wenn er die jüngste Behauptung des russischen Verteidigungsministeriums widerlegen night könnte, dass die Ukraine nur in den Sommer- bis Herbstmonaten der gescheiterten „Gegenoffensive“ 125.000 Soldaten verloren hat, dann könnte er den Zuhörer davon überzeugen, dass die Ukraine keine Reserven hat. So wie es aussieht, gibt er wieder eine „nutzlose Antwort“, oder eine, die keinen Sinn ergibt, aber seine Schlussfolgerung ist trotzdem richtig.
    Maaßen ist weit weniger an einem korrekten Narrativ interessiert. Europa sitzt auf dem heißen Stuhl, weil die USA die Ukraine in Europas Schoß abladen und einen „Südvietnam-Sieg“ durchziehen werden, d.h. ein paar Waffen mehr liefern, um das Narrativ zu stützen, und dann wieder gehen. Ich bin gespannt, wann die Bundestagsparteien anfangen, Maaßen „antiamerikanisch“ zu nennen, denn das ist er nicht. Er führt das Beispiel Vietnam an, aber es gibt noch viele andere: Er stützt seine Einschätzung auf ein historisches Muster, und solche historischen Muster werden sich immer durchsetzen, egal was Politiker sagen. Implizit lässt sich das gleiche Argument auch für Israel anführen. Aber Schindler ist überzeugt, dass die Amerikaner sich vielleicht aus der Ukraine zurückziehen, aber Israel bis zum Ende unterstützen und verteidigen werden. Die Naivität seines Arguments unterstützt Maaßen. Maaßen kann wieder sagen, was er weiß, oder er kann seine Einschätzung abgeben. Es gibt keinen Grund für eine Auseinandersetzung mit Schindler.
    An einer Stelle behauptet Maaßen jedoch, dass Putin „ein Interesse“ am israelisch-palästinensischen Konflikt hat. Er verweist auf die guten Beziehungen zwischen Russland und dem Iran. Er erwähnt nicht die guten Beziehungen zwischen Israel und Russland und auch nicht, dass Israel sich nicht dem amerikanischen Zug angeschlossen hat, der wegen der Ukraine Sanktionen gegen Russland verhängt hat.
    Hat Maaßen diese Informationen nicht? Er ist ein Profi. Er weiß es. Er weiß es, aber er sagt es nicht. Können wir sagen, dass Maaßen behauptet, Putin habe den Hamas-Angriff über den Iran ausgelöst?
    Das wäre dumm. Vor einigen Monaten gab es eine weitere Diskussion zwischen Schindler und Maaßen, in der Schindler versuchte, die Sabotage der Nordstream auf Russland zu schieben. Maaßen behauptete, dass es weitaus wahrscheinlichere Kandidaten gibt. Er nannte keine konkreten Kandidaten, aber das war das „Falsche“, was er sagte. Jetzt sagt Maaßen also nichts „Falsches“. Es ist ganz offensichtlich, dass Russland „ein Interesse hat“, denn der Konflikt zeigt, dass die USA nicht in der Lage sind, die von ihnen beanspruchte Polizistenrolle zu erfüllen, die Rolle der „unverzichtbaren Nation“, ohne die die Welt angeblich ins Chaos stürzen würde. Und natürlich haben die USA, auch wenn sie im Moment etwas wackelig auf den Beinen sind, mächtige Verbündete, die helfen, die unverzichtbaren „westlichen Werte“ durchzusetzen, z.B. die EU und die NATO. Oder ist das ein Hirngespinst?
    Russland brauchte nichts zu tun, um seine „Interessen“ zu stärken, denn die USA und der Westen insgesamt, einschließlich der EU und der NATO, sind durchaus in der Lage, die Dinge ganz allein zu vermasseln. Wenn das ein verlässliches historisches Muster ist, dann ist es die Blindheit der professionellen Geheimdienstler, nicht zu berücksichtigen, was Putin in diesem Punkt unbedingt wissen muss. Sie werden es nicht sagen, weil sie nichts „Falsches“ sagen können, aber sie wissen es. Die Welt sieht aus, als würde sie im Chaos versinken, und wo ist diese unverzichtbare Nation? Wo ist der „Garten“ von Josef Borrell? Die Vereinten Nationen haben sich als impotent erwiesen (in diesem Punkt stimmt Schindler zu).
    Maaßen möchte vielleicht mit Putin diskutieren, der darauf besteht, dass die USA „ein Interesse“ daran haben, Chaos zu verbreiten, weil ihre Tage als kontrollierender Hegemon vorbei sind. Wenn Putin behauptet, die USA hätten ein Interesse am Chaos, meint er damit, dass die USA das Chaos verursacht haben. Das könnte durchaus ein Element der Büchse der Pandora vom 11. September sein. Wenn Maaßen behauptet, Russland habe ein Interesse, bedeutet das nicht unbedingt, dass Russland das Chaos verursacht hat. Aber noch einmal: Maaßen hat nichts „Falsches“ gesagt. Der kranke Witz ist, dass die USA, wie so oft und wie wir aus historischen Mustern wissen, Chaos verursachen, um zu beweisen, dass sie Ordnung schaffen können, aber sie schaffen nie Ordnung. Sie richten immer ein Chaos an und hinterlassen Tod und Zerstörung, bevor sie sich in den sicheren Hafen weit jenseits des Ozeans zurückziehen.
    Mit anderen Worten: Die US-Politik ist symbolisch das Covid-Spiel: Schaffe ein Problem, um deine unwirksame, aber profitable Lösung durchzusetzen.
    Zu diesem Gedankensprung ist Maaßen noch nicht bereit, und selbst wenn er ihn macht, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis er sich traut, ihn öffentlich zu vertreten. Schindler ist jedenfalls überzeugt, dass nur Amerika Zelensky zu Verhandlungen bewegen kann, bevor die gesamte Ukraine zusammenbricht und noch mehr Menschen sterben. Schindler gibt also zu, dass Deutschland und Europa machtlos sind. Deutschland und Europa sind machtlos… und die USA? Die USA, egal wer Präsident ist, können sich zurückziehen, weil es klug ist, nicht noch mehr Geld in eine verlustreiche Investition zu stecken, und „Europa“ könnte mächtig genug sein, um das auch deutlich zu machen. Es ist einfach vernünftig. Bevor du riskierst, alles zu verlieren, ist es klug, dich zu retten. Verlässlichkeit und Vertrauen sind gut für Sonntagspredigten, aber politische Entscheidungsträger müssen Entscheidungen auf der Grundlage von Informationen treffen. Maaßen sagt, wiederum ohne etwas Falsches zu sagen, dass eine Lösung in der Ukraine schwierig ist, weil das Vertrauen zerstört wurde. Wenn das stimmt, dann wird die Lösung aufgezwungen, und zwar nicht von den USA oder dem Westen. Das ist die logische Schlussfolgerung, aber Maaßen sagt nichts „Falsches“.
    Trotzdem warf die Diskussion eine Menge Büchse der Pandora auf den Tisch, eine sehr ungewöhnliche Diskussion für deutsche Zuhörer. Vieles macht keinen Sinn, aber eine Diskussion, die so anschaulich zeigt, dass es keinen Sinn macht, ist ziemlich wertvoll. Das ist ganz im Sinne von Maaßen.

    1. Zitat: „Russland brauchte nichts zu tun, um seine „Interessen“ zu stärken, denn die USA und der Westen insgesamt, einschließlich der EU und der NATO, sind durchaus in der Lage, die Dinge ganz allein zu vermasseln. Wenn das ein verlässliches historisches Muster ist, dann ist es die Blindheit der professionellen Geheimdienstler, nicht zu berücksichtigen…“
      .
      So sehe ich das auch, habe aber immer wieder Probleme damit, zu glauben, dass solche Institutionen so unfähige Leute in ihren Reihen haben. Man sollte doch annehmen, dass die Geheimdienste, die in der Regel stets über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, sich die klügsten Köpfe holen. Das scheint aber nicht, oder vielleicht besser nicht mehr so zu sein.
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      Das würde aber immerhin den Trend bestätigen, den wir auch in der Politik beobachten. Die Mächtigen hinter den Kulissen brauchen Leute in Politik und Institutionen, die gerade noch klug genug sind, um einen Auftrag korrekt umzusetzen, nicht aber, um selbständig zu denken und zu handeln. Leerbock ist ein prima Beispiel dafür. Aber sie brauchen im engeren Kreis auch loyale Leute, die über eine gewisse Kreativität und selbstständige Handlungsfähigkeit verfügen, die dabei helfen, die Ziele der Mächtigen zu erreichen. Hierfür wäre vielleicht Merkel ein relativ gutes Beispiel gewesen.
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      Das es zur Strategie der USA gehört, über die Verbreitung von Chaos in der Welt ihre Vormachtstellung zu wahren, hatte Analitik in seinem letzten Artikel sehr treffend formuliert.
      Ich zitiere hier den letzten Absatz des Artikels: „Die ganze Welt soll brennen, vor diesem Hintergrund sollen die USA der einzige ruhige Hafen sein, wohin sich Industrie, Technologie und Finanzen retten. Anders können die USA nicht wettbewerbsfähig sein. Sie haben der Welt weiterhin nicht genug Konstruktives zu bieten. Um vorteilhaft zu sein, müssen sie alle anderen in Chaos stürzen.“ – http://analitik.de/
      Dieser Absatz fasst m.E. die Essenz der aktuellen Vorgänge ganz gut zusammen.
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      Übrigens – Zitat: „Und natürlich haben die USA, auch wenn sie im Moment etwas wackelig auf den Beinen sind, mächtige Verbündete, die helfen, die unverzichtbaren „westlichen Werte“ durchzusetzen“
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      Bei solchen Aussagen regt sich in mir augenblicklich Widerstand und ich spüre, bei langsam steigender Herzfrequenz, den unwillkürlich in mir aufsteigenden Unwillen gegen diese, allem was ich darüber zu wissen glaube, widersprechenden Behauptung. Bereits eine solche, auf den ersten Blick nebensächlich erscheinende Aussage, scheint sich bei mir bereits wie eine Art Psychoterror auszuwirken.
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      Vielen Dank, lieber George, für deine immer wieder äusserst interessanten Einschätzungen und Analysen.

    2. Ich fand die Hinweise, das der Angriff der Hamas ein 11.09. gewesen sei – in meinem Fall nicht von israelischen sondern von deutschen Politikern – erfrischend ehrlich.
      In dem Moment habe ich begriffen, was passiert ist und alle Geschehnisse machen gemeinsam einen Sinn. Zum Beispiel, dass die Kibbuzim angegriffen wurden, wie Moshe Zuckermann es beschrieben hat.

      1. Ein höchst aufschlussreicher Artikel dazu ist bei Voltaire.net erschienen.
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        Die Ungereimtheiten vom 7. Oktober – Was hinter Benjamin Netanjahus Lügen und den Ausflüchten der Hamas steckt…
        https://www.voltairenet.org/article220074.html
        .
        Neben den bekannten Berichten von Zeugenaussagen, dass die IDF am 7. Oktober mehr israelische Zivilisten getötet haben soll als die HAMAS, kommt Thierry Meyssan u.a. zu dem Schluss, dass Netanjahu und die Hamas verdeckt zusammenarbeiten, wobei Netanjahu das Leben der Israelis völlig egal ist, genau so wie der HAMAS das Leben der Palästinenser. Letztlich sieht es so aus, als wenn beide, Netanjahu und die HAMAS, Werkzeuge der Angelsachsen – USA und Britannien – sind, um sich die Energieressourcen vor der Küste Gazas, die de jure den Palästinensern gehören, anzueignen. Das scheint überhaupt der Grund für den Krieg gegen Gaza zu sein, wie ja auch Thomas Röper in einem Artikel thematisiert hatte. Dabei ist davon auszugehen, dass man Israel wohl noch solange gewähren lassen wird, wie sie für die Anglos von Nutzen sind und die Drecksarbeit für sie erledigen.

  12. Lieber Ped,
    mal wieder, ein ganz großes Dankeschön für den verfassten (und natürlich alle Anderen) Artikel, der mMn sowohl inhaltlich, als auch stilistisch, großartig ist!
    Die Gabe Kompliziertes so präzise, kurz und verständlich zu fassen, finde ich immer wieder faszinierend.
    Auch ihre unermüdliche Aufforderung an das Friedliche nötigt mir Respekt ab.
    Eine kleine Spende, als Ausdruck meiner Wertschätzung ihrer Arbeit, unter Wahrung ihrer Maximalgrenze, ist getätigt.
    Danke…..und einen besinnlichen ersten Advent
    Gruß

  13. OT – Seymour Hersh mit einem Aufsehen erregenden Artikel zur Entwicklung im Ukrainekonflikt
    .
    GENERAL TO GENERAL
    A potential peace is being negotiated in Ukraine by military leaders
    (In der Ukraine wird derzeit von Militärführern über einen möglichen Frieden verhandelt)
    Seymour Hersh – Dec 1, 2023
    .
    Zitat aus dem Artikel (Maschinenübersetzt): „Es waren ein paar harte Monate für Präsident Joe Biden und sein schwachsinniges außenpolitisches Team. Israel geht in seinem Krieg gegen die Hamas seinen eigenen Weg, mit erneuten Bombardierungen im Gazastreifen, und die amerikanische Öffentlichkeit ist erbittert gespalten, was sich in Umfragen widerspiegelt, die weiterhin ungünstig für das Weiße Haus ausfallen.
    .
    Unterdessen blieben auch der Präsident und seine außenpolitischen Berater außen vor, da ernsthafte Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine rasch an Dynamik gewonnen haben.
    .
    „Jeder in Europa redet darüber“ – die Friedensgespräche –, sagte mir Anfang dieser Woche ein amerikanischer Geschäftsmann, der sich jahrelang in der Regierung mit hochrangigen diplomatischen und militärischen Angelegenheiten der Ukraine befasst hat. „Aber es gibt viele Fragen zwischen einem Waffenstillstand und einer Einigung.“ Der erfahrene Journalist Anataol Lieven schrieb diese Woche, dass die Lage auf dem Schlachtfeld in der Ukraine und damit „ein Waffenstillstand und Verhandlungen über eine Friedenslösung für die Ukraine immer notwendiger werden“. Er sagte, dass es für die ukrainische Regierung unter Wolodymyr Selenskyj „außerordentlich schwierig“ sei, den Gesprächen zuzustimmen, da sie sich wiederholt geweigert habe, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verhandeln.
    .
    Die treibende Kraft dieser Gespräche war nicht Washington oder Moskau oder Biden oder Putin, sondern die beiden hochrangigen Generäle, die den Krieg führen, Waleri Gerassimow aus Russland und Waleri Zaluzhny aus der Ukraine.“ Zitat Ende
    .
    weiterlesen (nur über Bezahlschranke)…
    https://seymourhersh.substack.com/p/general-to-general
    .
    Die Nachrichtenagentur TASS hat ebenfalls einen kurze Meldung zu Hersh’s Artikel herausgegeben:
    .
    Russland und die Ukraine führten private militärische Friedensgespräche – Hersh…
    https://tass-com.translate.goog/world/1715005?utm_source=google.com&_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de
    .
    Original engl.:
    Russia, Ukraine engaged in private military-to-military peace talks – Hersh…
    https://tass.com/world/1715005
    .
    Demnach sieht ein mögliches Abkommen vor, dass Russland die Krim und die ohnehin bereits Russland angegliederten, ehemaligen Ostgebiete der Ukraine bei Russland bleiben, während Russland der Ukraine die Nato-Mitgliedschaft erlauben würde, allerdings ohne das auf dem Gebiet der Ukraine westliche Truppen und Kriegsgerät stationiert werden dürfen.
    .
    Aus meiner Sicht ist es schwer vorstellbar, dass Russland diesen Kompromiss annehmen würde, auch wenn der vorgesehene Pseudo-Natobeitritt, der in Wirklichkeit aber keiner ist und wohl nur der Gesichtswahrung des Westens dienen soll, gewisse Sicherheitsgarantien für Russland beinhalten würde. Auf jeden Fall wäre aber die Naziregierung in Kiew immer noch im Amt, womit Russland eines seiner wichtigsten Ziele, nämlich die Entnazifizierung der Ukraine, nicht erreichen würde. Da wäre also zumindest noch Bedarf, nachzuverhandeln. Warten wir mal ab, wie es weitergeht.

  14. Vielen Dank für diesen schönen Artikel.

    Interessanterweise hat unser Miltärexperte nicht einmal Grundwehrdienst geleistet. Es ist in etwa so, wie wenn ein Mönch auf einmal Experte für Fragen der Sexualökonomie ist. Leider sind wir mit vielen derartigen Experten gesegnet, die von den Grundlagen keinerlei Vorstellung mehr besitzen. Das betrifft leider nicht nur den Mediensektor.

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