Die durch Petrodollars reich gewordenen Scheichs auf der arabischen Halbinsel betreiben eine Politik des Teile-und-herrsche — ganz im Stile des früheren britischen Empire.


Das riesige britische Kolonialreich hatte über Jahrhunderte hinweg Bestand, obwohl die Briten nie über große Streitkräfte für diese Zwecke verfügten. Vielmehr rekrutierten sie in kreativer Art und Weise „Verbündete“ vor Ort. Das taten sie, in dem sie Brüche in den Gesellschaften ausnutzten, Konflikte entfachten oder verstärkten und dafür sorgten, dass nie ein stabiler, innerer Frieden greifen konnte. Ökonomische Abhängigkeiten wurden etabliert, die mit einer Plünderung von Ressourcen der kolonialisierten Gesellschaften einher gingen.


Macht und Geld

Dass der Ausverkauf von nationalen Ressourcen durch fremde Mächte effizient funktionieren konnte, war nur möglich, wenn es jenen gelang, ihre Währung in der kolonisierten Gesellschaft zu etablieren. Wenn diese Währung in ausreichendem Maße traditionelle Warenaustauschbeziehungen ersetzt hatte, wurde sie quasi, oft aber auch per Gesetz allgemeingültig. Dann verlangte jedes Wirtschaften die Verfügbarkeit über eben diese Währung. Und eine Ausweitung verlangte mehr von dieser Währung. Dafür musste und muss neues Geld erschaffen werden — Kredit, Schuldgeld, aus dem Nichts erschaffen durch einen Buchungsvorgang. Das tun Banken innerhalb eines weltweit vernetzten Zentralbankensystems.

Geld muss natürlich in Umlauf gebracht werden, damit es „arbeiten“ kann. Das war und ist der Sinn und Zweck des Geldes, erst recht des Geldes einer Leitwährung. Sie soll möglichst universell akzeptiert, an sie soll umfassend geglaubt werden. Man soll dieser, am besten nur dieser vertrauen, egal wo man sie auf unserem Globus auch antrifft. Leitwährungen werden deshalb von Staaten auch als Reservewährung vorgehalten. Eben weil man damit, sehr vereinfacht ausgedrückt, überall einkaufen kann. Geld ist Glaube. Und je virtueller dieses Geld daher kommt, desto wichtiger ist es, dass dieser Glaube manifest ist und niemals hinterfragt wird. Denn schließlich macht Geld nicht satt. Man kann aber einen Glauben hegen, jederzeit und überall mit Geld etwas zu erlangen, von dem man satt wird. Das ist trügerisch.

Manchmal, wenn der Glaube bröckelt oder durch souveräne Ambitionen ausgehöhlt wird, muss mit militärischer und ökonomischer Macht „nachgeholfen“ werden. Damit kommen wir zum neuen Reichtum der arabischen Scheichtümer.

Denn dort, auf der arabischen Halbinsel, schwimmt man im Geld. Nicht in irgendeinem Geld, sondern in dem der Leitwährung, dem US-Dollar. Dieser US-Dollar wird seit Jahrzehnten auch Petrodollar genannt, weil Öl weltweit vor allem in US-Dollar gehandelt wurde und auch noch wird. Dieser Überschuss an einer Leitwährung reizt dazu, diese regional als Machthebel zu verwenden. Dieser Drang wiederum hat, vor allem in Richtung Afrika, eine unverkennbare koloniale Attitüde, ganz so, wie es in der Vergangenheit im britischen Kolonialreich praktiziert wurde. Wobei Geld allein natürlich nicht genügt. Man muss intrigieren, manipulieren, spalten, fragmentieren. Das nennt man dann Politik. Diese Politik muss aber auch Konkurrenten berücksichtigen, die ähnliche Voraussetzungen mitbringen und ähnliche Konzepte verfolgen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind selbst ein britisches Projekt und wurden erst 1971 formell in die Unabhängigkeit entlassen (1). Dieses kleine Land, mit 86.000 Quadratkilometern Größe und insgesamt etwa zehn Millionen Einwohnern, wird von Saudi-Arabien als bedrohlicher Machtfaktor angesehen. Im Dezember 2025 bombardierte Saudi-Arabien die Stellvertreter der VAE im Jemen und forderte die Emirate auf, das Land zu verlassen. Das taten diese nicht. Weitere Auseinandersetzungen standen bevor, doch dann begann der Krieg Israels und der USA gegen den Iran und der Konflikt wurde faktisch auf Eis gelegt.

Israel ist ein enger Verbündeter der VAE — nicht nur im Krieg gegen den Iran, sondern auch bei der Teilhabe in diversen „Bürgerkriegen“ im Nahen Osten und Nordafrika. Die VAE bestehen aus sieben Emiraten: Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm Al-Quwain, Ras Al-Khaimah und Fujairah. Die treibende Kraft ist Abu Dhabi, ein Familienunternehmen, geführt von The Bani Fatima, den Söhnen von Sheikha Fatima bint Mubarak Al Ketbi, die die einflussreichste der Ehefrauen des verstorbenen Scheichs ist. Heute liegt die ultimative Macht bei Mohamed bin Zayed Al Nahyan, kurz MBZ, dem ältesten ihrer sechs Söhne.

Die VAR und der Jemen

MBZ war lange ein enger Partner von MBS, Saudi-Arabiens Herrscher Mohammed bin Salman. Laut einer hochrangigen saudischen Persönlichkeit, Ahmed Altuwaijri, ist Abu Dhabi Israels Trojanisches Pferd in der Region (2). Zusammen mit Bahrain sind die VAE Unterzeichner der Abraham-Abkommen, die ein Instrument der USA sind, um Israel aus der Isolation zu holen. Die anderen Golfstaaten lehnen diese „Israel-First“-Politik ab und machen deutlich, dass eine Lösung für die Rechte der Palästinenser Vorrang haben muss, auch wenn sie selbst wenig dafür tun.

Das System der Bani Fatimiden lässt sich folgendermaßen beschreiben:

„Man identifiziert ein Land, das von Instabilität geprägt ist, wählt eine Seite (vorzugsweise gegen den politischen Islam) und bietet nicht nur an, die Miliz oder den Kriegsherrn der Wahl zu finanzieren, sondern auch die immense logistische Unterstützung bereitzustellen, über die die VAE verfügen, einschließlich des Lufttransports von Waffen, Nachschub und Soldaten sowie der komplexen Systeme, die erforderlich sind, um beispielsweise gestohlenes Gold in Waffen oder andere Vermögenswerte umzuwandeln.“ (3)

In der Konsequenz hat so etwas stets zur Entstehung von Schattenwirtschaften geführt, die letztlich bedeutende Ressourcen (Gold, Öl, Landwirtschaft, Häfen) kontrollieren und Parallelgesellschaften erschaffen. Libyen, Somalia, Sudan und Jemen wurden alle auf diese Weise manipuliert. Es ist das klassische Teile-und-herrsche: einen Staat von innen heraus zu schwächen, um dann fortwährend Einfluss auszuüben und Ressourcen abzuschöpfen.

„Es geht um Vernetzung und darum, wen man für sich mobilisieren kann — sei es im Informationsbereich oder bei bewaffneten nichtstaatlichen Akteuren wie dem STC (im Jemen). Aber es sind auch die Rohstoffhändler, die Finanziers, die Banken, die Versicherungsgesellschaften und andere Handelsunternehmen, die man mobilisieren kann, um das zu erreichen, worum es bei jeder Strategie geht: Einfluss und Macht.“ (4)

STC steht für den Southern Transitional Council, den Südlichen Übergangsrat, einer Koalition separatistischer Gruppen zur Wiederherstellung des Staates Südjemen (5). Der STC war ursprünglich Teil einer Koalition der vom Westen allgemein anerkannten Regierung des Jemen, welche die Houthi-Rebellen bekämpfte. Mit Unterstützung der VAR hatte der STC im Dezember 2025 eine Offensive gestartet und dabei kurzzeitig mehr als die Hälfte des jeminitischen Territoriums erobert. Dann griff Saudi-Arabien ein. Der STC verlor noch im Januar 2026 alle seine Eroberungen, und mit der Flucht seiner Anführer löste er sich praktisch auf (6).

Abgesehen hatte es der STC auf die jemenitischen Öl- und Gasvorkommen sowie weitere Bodenschätze in der Provinz Hadramout. Zudem befindet sich in dieser Provinz die einzige LNG-Anlage des Jemen — mit dem französischen Energiekonzern Total als größtem Anteilseigner (7). Für die gewinnbringende Vermarktung dieser Schätze hatten sich die VAE angeboten. Letztlich kann man die STC-Offensive als ein Projekt der VAE ansehen.

Wer macht die Kasse?

„Aber es sind auch die Rohstoffhändler, die Finanziers, die Banken, die Versicherungsgesellschaften und andere Handelsunternehmen, die man mobilisieren kann, um das zu erreichen, worum es bei jeder Strategie geht: Einfluss und Macht.“ (4i)

Interessant ist, dass die VAR über andere „Verbündete“ auch in tausende afrikanische Söldner „investiert“ haben, um diese in den Jemen zu schleusen, dazu weiter unten mehr.

Die VAR und der Sudan

Durch die Unterstützung der Rapid Support Forces (RSF) im Sudan erlangten die Scheichs der VAE exklusiven Zugriff auf das Gold in der sudanesischen Provinz Darfur. Die dortigen Separatisten kontrollieren einen Teil der Goldminen, und mit Gold bezahlen sie Waffen und Logistik, die ihnen die Scheichs zur Verfügung stellen (8, 9).

Gold ist die Hauptwährung des Bani-Fatima-Imperiums (MBZ und seine Brüder). Dubai ist in der Region als »Stadt des Goldes« bekannt, als der Ort, an dem der Großteil des afrikanischen Gelbmetalls, das zum großen Teil geschmuggelt wird, landet.“ (4ii)

Gold, das vergessen wir nicht, ist auch eine Leitwährung. Gold und Silber sind die wahrscheinlich zeitlosesten Währungen der Welt. Mit diesen Währungen kann man auch Dinge tun, die bei modernen Währungen immer aufwendiger zu bewerkstelligen sind. Man kann den Fluss der Edelmetalle vertuschen. Man kann sie einschmelzen und neu prägen. Sie sind langlebig und hochkonvertibel. Dem Gold der VAE sieht man das Blut der Kriege im Sudan nicht an, auch nicht, wie es als Sicherheit im weltweiten Banken- und Finanzystem landet. Die VAE sind einer der weltweit größten Zwischenhändler für Gold. Gold, das auch nach Europa gelangt.

„Insofern ist die Chance sehr groß, dass, wenn man einen Goldring in Deutschland kauft, da auch sudanesisches Gold mit drin ist.“ (10)

Das ist schlicht und einfach Kolonialismus. Aber nicht nur Gold fließt aus dem Sudan ab. Während Millionen Menschen im Land hungern und über die Vereinten Nationen (die UNO) Nahrungsmittelprogramme für den Sudan verwaltet werden (11), verkaufen die RSF Nahrungsmittel an die VAE. Das können sie, weil sie zuvor Waffen bekamen — über die VAE und trotz eines von der UNO verhängten Waffenembargos (12).

Wenn deutsche Urlauber in einem der extravaganten Hotels in Abu Dhabi ihren Urlaub genießen, dann ist es gut möglich, dass das frische Gemüse oder Fleisch aus einem Gebiet des Sudan stammt, in dem Millionen Menschen an Hunger leiden und weitere Millionen auf der Flucht sind. Kolonialismus kommt bei uns wenig spektakulär daher.

Nun ist bekannt geworden, dass die sudanesischen Milizen auch mit deutschen Waffen unterwegs sind, zum Beispiel mit G36-Gewehren der Firma Heckler & Koch. Und es ergibt sich eine Verbindung zu den VAE:

„Eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion ergab jetzt, dass seit Anfang 2023 Rüstungsgüter im Wert von rund 245 Millionen Euro von Deutschland an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft wurden.“ (12i)

Interessant ist noch, welchen Weg die Ströme von Gold, Waffen und Nahrungsmitteln nehmen.

Die VAE und Libyen

Libyen zeigt uns als nächstes Beispiel das immer gleiche Prinzip: Eine Gesellschaft, ein Regierungssystem wird geschwächt, gespalten und fragmentiert. Dauerhafter, erbitterter Zwist wird gefördert, die Parteien gegeneinander ausgespielt. „Zur Not“ werden auch beide Seiten korrumpiert und aufgerüstet. Ein System von Kriegsherren und mit ihnen eine Schattenwirtschaft wird etabliert. Und der Krieg im Land wird zwar von außen befeuert, aber mit den Ressourcen des Landes bezahlt. So hat man auch Libyen zu einem gescheiterten Staat gemacht.

Im Südosten Libyens, mitten in der Sahara, nahe einer kleinen Oase und nahe der Grenze zum Sudan befindet sich ein Flughafen. Ein Flughafen, der von den Truppen des libyschen Generals Khalifa Haftar kontrolliert wird. Über die vergangenen zwei Jahre hinweg sind auf diesem entlegenen Flugfeld von Kufra hunderte große Transportmaschinen gelandet und gestartet. Entladen wurden Feuerwaffen, gepanzerte Truppenfahrzeuge und Drohnen. Die Maschinen kamen in der Regel aus Abu Dhabi in den VAE (13).

Der libysche General Haftar ist ein typischer Machtpolitiker. Einst ein Verbündeter des gestürzten und ermordeten libyschen Präsidenten Muammar al-Gaddafi paktiert er nun mit jenen Kräften, die an einem dauerhaft zersplitterten und schwachen Libyen dauerhaftes Interesse haben. Dazu gehören die VAE, aber dazu gehört auch Israel und dessen Auslandsgeheimdienst Mossad. Und die VAE liefern europäisches, russisches und israelisches Kriegsmaterial in Haftars halblegales libysches Staatsgebilde (14). Und bekommen dafür unter anderem Libyen als Hub für die Versorgung der sudanesischen RSF mit Kriegsgütern.

Krieg muss bezahlt werden, und um bezahlen zu können, braucht man Konten. Konten liegen auf Banken. Hinter praktisch jedem Geschäft muss zwingend ein Kreditinstitut, eine Bank stehen. Und so wie die Milizen des Islamischen Staaten Zugriff auf Konten und Bezahlsysteme (SWIFT) des westlichen Bankensystems hatten (und haben?), gilt das auch für die Milizen der sudanesischen RSF — und ganz sicher auch für für die Milizen des libyschen Generals Haftar.

Wenn man keine Petrodollars hat, dann kann man auch mit Naturalien handeln, um an solche zu kommen. Denn mit den Petrodollars kauft man schließlich bei internationalen Waffenhändlern ein. Die Naturalien können zum Beispiel Nahrungsmittel sein — und natürlich auch Gold:

„Die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit mindestens Anfang der 2010er Jahre der Hauptabnehmer von sudanesischem Gold und nach wie vor das wichtigste Ziel für geschmuggeltes Gold aus dem Sudan. Offiziellen Angaben zufolge importierten die VAE im Jahr 2022 sudanesisches Gold im Wert von 2,29 Milliarden US-Dollar. Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch weit höher liegen. Schätzungsweise 90 Prozent der sudanesischen Goldproduktion im Wert von rund 13,4 Milliarden US-Dollar werden illegal aus dem Land geschmuggelt.“ (15)

„Pünktlich“ 2017, vor dem erneuten Ausbruch des militärischen Konflikts im Sudan, lockerten die USA, die Macht hinter dem Petrodollar, die über den Sudan verhängten Sanktionen für den Zugang zum internationalen Bankensystem. Zuvor hatte sich das Engagement von Banken der VAE in den sudanesischen Finanzsektor bereits beträchtlich erhöht. Bereits 2005 hatte die sudanesische Regierung 60 Prozent ihrer Anteile an der größten Bank des Landes, der Bank of Khartoum an die Dubai Islamic Bank veräußert, die wiederum 2008 mit der Emirates and Sudan Bank fusionierte. Die Familien hinter den Banken haben ihren Einfluss im Sudan systematisch ausgebaut und es hat sich ein auch ökonomisch-finanzieller Filz mit den mächtigsten Kriegsherrn im Sudan ausgebildet (15i, 16).

Diese Kriegsherren „vermieten“ ihre Söldner an die VAE, damit sie in anderen Regionen, zum Beispiel im Jemen, die Interessen der Scheichs militärisch vertreten (17).

Die VAE und die Bundesrepublik Deutschland

Das deutsche Sturmgewehre auch den Weg zu den Milizen im Sudan gefunden haben, wurde ja bereits erwähnt. Nun verhandeln der deutsch-französische Luftfahrtkonzern und die VAE derzeit über ein Milliardengeschäft. Es geht um den Militärtransporter Airbus A400M. Diese Maschine ist in der Lage, größere gepanzerte Fahrzeuge zu transportieren (18). Dazu gehört der Nimr, ein gepanzertes Fahrzeug, das die Emirate, freilich mit Zulieferungen aus westlichen Staaten, selbst herstellen (19). Das ist deshalb interessant, weil der Nimr bei den Truppen der sudanesischen RSF gesichtet wurde. Die VAR möchten die A400M gern im eigenen Land montieren (13i).

Im November 2025 reiste die deutsche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nach Abu Dhabi. In einer Pressemitteilung ließ sie dazu verlauten:

„Mit dieser Reise vertiefen wir unsere Zusammenarbeit und erschließen neue Chancen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind dafür zentrale Partner — wirtschaftlich dynamisch, kapitalstark und technologisch ambitioniert. In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen muss Deutschland seine strategischen Partnerschaften aktiv gestalten.“ (20)

Je nach Kenntnis kann man aus dieser Stellungnahme unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Und die Frage muss gestellt werden, welchen Anteil Deutschland an „einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen“ hat (21).

Fazit

Die vom britischen Empire gepflegte Politik des Teile-und-herrsche haben Staaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu der ihren gemacht. Wiederum hinter dieser Politik steht ein international nach wie vor enorm mächtig aufgestelltes Ökosystem des internationalen Bankensystems mit dem Petrodollar als Leitwährung. Der arabische Analyst Elfadil Ibrahim fasst es so zusammen:

„Die Maßnahmen der VAE im Sudan stehen im Einklang mit der umfassenderen Strategie Abu Dhabis, nicht staatliche Akteure (oft mit sezessionistischen Tendenzen) zu unterstützen, um Zugang zu wertvollen Ressourcen und strategisch wichtigen Standorten zu erhalten. Dieser Ansatz spiegelt das Engagement der VAE in anderen Regionen wider, insbesondere im Osten Libyens und in Somalia.“ (15ii)

Die VAE sind einer der weltweit größten Waffenimporteure und verkaufen diese Waffen in großem Maßstab weiter in Konfliktgebiete (22). Jeder dieser Importe und Exporte hinterlässt einen Fußabdruck im weltweiten Finanzsystem des Petrodollars. Dieses Finanzsystem unterliegt einer strikten Kontrolle. Wenn ein Embargo auf Waffenlieferungen verletzt wird, sind die Kontrolleure des Systems ohne weiteres in der Lage, die Verantwortlichen hart zu bestrafen. Schlicht und einfach, in dem man ihnen den Zugang zum Finanzsystem sperrt. Aber das wird nicht getan. Das Waffenembargo für den Sudan dient dem schönen Schein. Eine ernsthafte Durchsetzung verletzte jedoch mannigfaltige Interessen, vor allem geopolitische, wirtschaftliche und monetäre Interessen.

Deutsche Politiker haben das in ihrem Tun und Reden berücksichtigt (20i). Die Beziehungen zu den VAE, Saudi-Arabien und Israel dürfen nicht getrübt werden. Schon gar nicht, wenn es um die destruktive Rolle dieser Staaten im Nahen Osten geht. Schließlich sitzen die Profiteure solcher Art von Politik auch und gerade in Europa, in Deutschland, und das nicht erst seit kurzem (23).

Übrigens: Wenn der Glaube an das Geld hinwegschmilzt, dann ist das mit dem Verlust des Glaubens an die Macht gekoppelt. Das Eine bedingt das Andere. Die US-Regierung hat vor zwei Wochen angedeutet, dass die Golfstaaten sich an den Kosten der Aggression Israels und der USA gegen den Iran beteiligen sollten. Auf der anderen Seite verlieren die VAE Milliarden US-Dollar durch die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran — forciert durch die USA. Diese Sperrung lässt sich aber aufheben, indem dem Iran die geforderten Durchfahrtsgebühren gezahlt werden, die aber in Yuan (China) oder in Kryptowährungen.

Das hätte sich noch vor 20 Jahren kein Golfstaat gewagt anzudrohen: Die VAE haben aufgrund dieser Sachlage das US-Finanzministerium unter anderem darüber informiert, im Ölhandel ganz oder teilweise auf den Yuan als Zahlungsmittel umzuschwenken. Außerdem liebäugeln sie mit der Schließung der US-Basen im Land (24). Ist das wirklich beabsichtigt — und möglicherweise nicht nur durch die VAE? Der Autor hat wiederholt die Annahme geäußert, dass es der Trump-Regierung ernst damit ist, sich mit ihrer militärischen Präsenz zumindest aus Teilen des Nahen Ostens zurückzuziehen.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) Historische Enzyklopädie; Die britische Kolonisierung der Vereinigten Arabischen Emirate; https://globhistory.org/de/article/oae/britanskaya_kolonizaciya_obedinennyh_arabskih_emiratov; abgerufen: 23.04.2026

(2) Februar 2026; Middle East Eye; The David Hearst Podcast; Abu Dhabi: Israel’s Trojan Horse; https://www.youtube.com/watch?v=uiPSPg_PMbo

(3) 15.04.2026; Seniora.org; Eugene Doyle; Teile und herrsche — das böse Genie der VAE; https://seniora.org/politik-wirtschaft/politik/teile-und-herrsche-das-boese-genie-der-vae

(4 bis 4ii) 05.01.2026; Youtube; The Thinking Muslim; Andreas Krieg; Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den VAE: Jemen und das Ende eines Bündnisses?; https://www.youtube.com/watch?v=0BmCF05sZs4&t=25s

(5) 20.04.2026; IR Insider; Elan Zakim; The Fracture of the Saudi-UAE Alliance in Yemen; https://www.irinsider.org/middle-east-north-africa/u0ap84kr1vexo3vrsa4oyvqouevkws

(6) 21.04.2026; The RCHK Truth; Triton Wong; Yemen’s STC: The rise and fall of a failed southern experiment; https://www.therchktruth.org/general-news/2026/4/19/yemens-stc-the-rise-and-fall-of-a-failed-southern-experiment

(7) 15.10.2009; Oil & Gas Journal; Warren R. True; Yemen LNG yields first production into glutted market; https://www.ogj.com/pipelines-transportation/lng/article/17277276/yemen-lng-yields-first-production-into-glutted-market?

(8) 10.08.2023; The Wall Street Journal; Nicholas Bariyo, Benoit Faucon; A U.S. Ally Promised to Send Aid to Sudan. It Sent Weapons Instead.; https://www.wsj.com/world/africa/a-u-s-ally-promised-to-send-aid-to-sudan-it-sent-weapons-instead-82d396f

(9) März 2025; Chatham House; Ahmed Soliman; Gold and the war in Sudan; https://www.chathamhouse.org/2025/03/gold-and-war-sudan/04-how-sudans-gold-sector-connects-regional-conflict-ecosystem

(10) 26.10.2025; zdf heute; Anette Hoffmann; Wie „Blutgold“ den Krieg im Sudan finanziert; https://www.zdfheute.de/politik/ausland/eskalation-sudan-krieg-interview-100.html

(11) Welthungerhilfe; Sudan; https://www.welthungerhilfe.de/informieren/laender/sudan/; abgerufen: 23.04.2026

(12, 12i) 25.11.2025; zdf heute; Johannes Lieber; Deutsche Waffen im Sudan? VAE unter Verdacht; https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/waffenexporte-deutschland-sudan-100.html

(13, 13i) taz; Simone Schlindwein, Mirco Keilberth, Cem-Odos Gueler; Wie Waffen aus Europa nach Darfur gelangen; https://taz.de/Illegale-Ruestungsexporte-in-den-Sudan/!6127396/

(14) 15.07.2025; Islamic News; Haftars Verbindungen zu Israel und den VAE; https://islamicnews.de/2025/06/15/analyse-haftars-verbindungen-zu-israel-und-den-vae/

(15 bis 15ii) 12.08.2025; Free21; Mohammad Khansa; Fünf Gründe, warum die Vereinigten Arabischen Emirate auf den Sudan fixiert sind; https://free21.org/fuenf-gruende-warum-die-vereinigten-arabischen-emirate-auf-den-sudan-fixiert-sind/

(16) 15.01.2024; United Nations, Security Council; S/2024/65; https://docs.un.org/en/S/2024/65

(17) 26.07.2023; The Tahrir Institute For Middle East Policy; Reem Abbas; Money Is Power: Hemedti and the RSF’s Paramilitary Industrial Complex; https://timep.org/2023/07/26/money-is-power-hemedti-and-the-rsfs-paramilitary-industrial-complex-in-sudan/ 

(18) Airbus; A400M; https://www.airbus.com/en/products-services/defence/military-aircraft/a400m; abgerufen: 23.04.2026

(19) 11.03.2026; dubai-immo.com; Guillaume Giroux; Die Armee der Vereinigten Arabischen Emirate […]; https://dubai-immo.com/de/armee-emirats-arabes-unis-puissance-militaire/

(20, 20i) 16.11.2025; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Pressemitteilung; https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2025/11/20251116-bundesministerin-reiche-reist-in-die-vereinigten-arabischen-emirate.html

(21) 08.10.2020; Ohne Rüstung Leben; Wie deutsche Waffen in den Bürgerkrieg in Libyen gelangen; https://www.ohne-ruestung-leben.de/nachrichten/article/ruestungsexporte-wie-deutsche-waffen-in-den-buergerkrieg-in-libyen-gelangen-393.html

(22) 25.07.2024; Anmesty International; Sudan: Massenhafte Waffenlieferungen sorgen trotz Embargo für Tote; https://www.amnesty.de/pressemitteilung/sudan-massenhafte-waffenlieferungen-ruestungsimporte-trotz-embargo

(23) 06.02.2019; Deutsche Welle; Nermin Ismail; Deutsche Waffen töten im Jemenkrieg; https://www.dw.com/de/deutsche-waffen-töten-im-jemenkrieg/a-47386710

(24) 19.04.2026; The Wall Street Journal; David S. Cloud; U.A.E. Asks U.S. About a Wartime Financial Lifeline; https://www.wsj.com/world/middle-east/u-a-e-asks-u-s-for-a-wartime-financial-lifeline-3f9ea3a0; Artikel hinter Bezahlschranke; siehe auch: 20.04.2026; RT deutsch; VAE erwägen Abschied vom Petrodollar; https://freedert.online/der-nahe-osten/277714-vereinigte-arabische-emirate-ueberlegen-abschied/

(Titelbild) Gold, Geld, Barren, Schatz; Autor: myshoun (Pixabay); 09.11.2025; https://pixabay.com/illustrations/value-honey-metal-treasure-9943095/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

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