Über die ungebrochene Kriegspropaganda im Informationsraum
Vier Jahre nach der Inszenierung eines Massakers von Butscha beweisen die öffentlich-rechtlichen Sender, dass dort alles beim alten geblieben ist. Und es stellt sich die Frage, ob man dort weiß, was man tut und ob dessen die Scham verdrängt, in dem man einfach so weitermacht wie bisher. Oder ob es tatsächlich weniger die ethische als vielmehr die fachliche Kompetenz ist, die ARD und Co. verlassen haben. Wie üblich wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen.
Vorab:
Solange es keine unvoreingenommene, seriöse wie transparente Untersuchung der Anfang April 2022 in Butscha stattgefundenen Ereignisse gegeben hat, ist es gerechtfertigt, ja notwendig, die Behauptung über ein dort von russischen Truppen begangenes Massaker an Zivilisten als Desinformation, Propaganda und vorsätzliche Lüge zu qualifizieren.
Schlussfolgernd handelt es sich bei der Erzählung über ein derartiges Massaker um Volksverhetzung und die mediale Vorbereitung eines Angriffskrieges. Denn nicht zuletzt auf dieser Lüge baut schließlich die Erzählung auf, Deutschland müsste sich auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten. Und nicht zuletzt mittels psychologischer Operationen wie dieser wird die Wirtschaft und die Stimmung in der Bevölkerung wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg auf eben Krieg getrimmt. Vergessen wir außerdem nicht, dass erst über diese Butscha-Erzählung sich Russland zu einer langwierigen militärischen Einmischung Russlands in den Ukraine-Konflikt gezwungen fühlte.
Dass das alles so kam, hat etwas mit der Berichterstattung etablierter Medien zu tun, präziser ausgedrückt mit der Berichterstattung der dort angestellten Journalisten. Journalisten? Was ist ein Journalist? Ist es eine Berufung, ein Beruf, eine Qualifikation oder taugt es nur noch als leere Hülle für parteiische, auftragsgetriebene, verstrickte Berichterstatter? Sind Leute, deren Aufgabe ganz offensichtlich darin besteht, Meinungen zu manipulieren und Haltungen, durch eigenes Vorleben gebückte Haltungen zu erzeugen, Journalisten?
Eine weitere wichtige Vorbemerkung:
„Die Moderatoren und Moderatorinnen der tagesthemen schreiben ihre Texte selbst. Dementsprechend sind diese persönlicher und pointierter als bei der tagesschau, deren Sprecher zur strikten Sachlichkeit verpflichtet sind.“ (1)
Das entnahm der Autor der Selbstbeschreibung des ARD-Formats tagesthemen. Krass, dort fühlt man sich also nicht zur „strikten Sachlichkeit“ verpflichtet? Man sieht sich im Sendeformat berufen, Meinung zu machen? Zu was und wem ist man eigentlich tatsächlich verpflichtet? Julia-Niharika Sen leitete am 31. März des Jahres zu einem Bericht von Ereignissen vier Jahre zuvor über, eben jenen von Butscha, und der Moderatorin wurde die Einleitung also nicht untergeschoben.
„In einem Vorort von Kiew wird für die Welt zum ersten Mal offen sichtbar, mit welcher Grausamkeit Russland gegen die Menschen in der Ukraine vorgeht. Von der Hölle auf Erden sprechen Überlebende. So sieht es in Butscha aus, nachdem ukrainische Truppen den Ort zurückerobern. Vor genau vier Jahren finden sie dort hunderte Leichen. Viele der Zivilisten wurden gefoltert und manche wahllos auf offener Straße erschossen. Und immer noch fragen sich viele: Werden die Täter jemals bestraft? Darüber spreche ich gleich mit Kaja Kallas, der EU-Außenbeauftragten, die heute dort war, in Butscha, nur 25 Kilometer vom Zentrum Kiews entfernt. Über das Erinnern grausamer Kriegsverbrechen inmitten des Krieges Susanne Petersohn.“ (2)
Das ist zweifellos ein „pointierter Text“ (siehe weiter oben), pointiert auf „den bösen Russen“ fokussiert. Nach dieser Einleitung folgte ein Vorortbericht von Susanne Petersohn aus Kiew. Ihre Art und Weise von Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt ist dem Autor seit Jahren geläufig. Ende Februar und noch einmal im März 2024 fragte ich die Redaktion und Frau Petersohn:
„[…] können Sie, von der ARD, mir inzwischen die bereits mehrfach von Ihnen geforderten, sodann für Jedermann nachprüfbaren Beweise angeblicher russischer Kriegsverbrechen in Butscha vorlegen?“ (3)
Da lagen die besagten Ereignisse bereits zwei Jahre zurück. Doch weder zuvor noch danach konnte mir jemand aus dem Hause ARD, also auch nicht Frau Petersohn, darauf eine Antwort geben (4 bis 6).
Wann hat es durch wen eine unvoreingenommene, seriöse Untersuchung der Ereignisse in Butscha gegeben? Wann wurde durch wen etwas unternommen, was es der Redaktion und den Journalisten der ARD gestattet, Behauptungen über russische Kriegsverbrechen in Butscha aufzustellen? Es gab diese Untersuchungen nicht, und dass es die nicht gab, liegt nicht in der Verantwortung Russlands. Die ARD-Angestellten betrügen also ihr Publikum. Frau Julia-Niharika Sen und Frau Susanne Petersohn reißen journalistische Standards regelrecht nieder. Denn jede Propaganda geht weg von Journalismus, und dazu gehört auch die antirussische Propaganda der ARD.
Vielleicht aber hat ja Susanne Petersohn in gewisser Weise auch alles richtig gemacht. Richtig gemacht, wenn es ihr vor allem daran gelegen war, die sicher gut dotierte Stelle bei der ARD langfristig abzusichern. Das ist Spekulation aber was bleibt ist: Sie hat ihre Zuschauer vor vier Jahren desinformiert und macht das heute auch noch. Sie tut das offensichtlich, weil es so gewünscht ist, weil es den öffentlich verordneten Zeitgeist bedient, sie arbeitet auftragsbezogen. Welche andere Erklärung könnte sonst noch taugen?
Die wiederholte, ausgiebige Wiedergabe ganz bestimmter Stellungnahmen von ganz bestimmten Politikern integriert sich in die Pflege von Russland-Hetze im öffentlich-rechtlichen Sender:
„Auch die Außenbeauftragte der EU, Kaja Kallas, forderte, die Verantwortlichen zu bestrafen. Die Täter müssten ebenso zur Verantwortung gezogen werden wie diejenigen, die den Befehl zum Töten gegeben hätten, sagte Kallas.“ (7)
Kallas will „Täter zur Verantwortung ziehen“. Was absurd ist. Verantwortung kann man wahrnehmen. Man kann diese weder delegieren noch übertragen. Was die Russland-Hasserin Kaja Kallas erst gar nicht wissen möchte, ist die Antwort auf die Frage, wer die Täter tatsächlich sein könnten. Aber im Russenhass ist es bequem für sie, an eine russische Täterschaft zu glauben. Glauben die ARD-Verantwortlichen mit ihr? Oder singen sie nur und sozusagen gezwungenermaßen Kallas‘ psychotische Ausführungen mit — im Wissen, vielleicht auch nur der Ahnung, wer die wahren Täter sind? Was unterscheidet sie von den etablierten Politikern wie dem deutschen Außenminister Wadephul?
„Als Gründungsmitglied der Schadenersatzkommission und mit dem Einsatz für ein Sondertribunal setze sich Deutschland dafür ein, »dass Russlands Untaten nicht ungestraft bleiben«, erinnerte Wadephul. Er habe dem Generalsekretär des Europarats heute auch offiziell mitgeteilt, dass Deutschland Mitglied des Verwaltungsrats des Sondertribunals werden wolle. »Damit ist ein nächster wichtiger Schritt getan«, sagte Wadephul.“ (7i)
Was behaupten Politiker und Beschäftigte der Massenmedien aus „Glaubensgründen“ und was wider besseren Wissens? Ist es die ideologische Falle, in die sie getappt sind? Was für ein Menschenbild hat der deutsche Außenminister, dessen ultimative Aufgabe als höchster deutscher Diplomat doch darin bestehen muss, zu vermitteln und zu deeskalieren? Johann Wadephul bekleidet das Amt eines Außenministers, doch ausfüllen tut er dieses mitnichten. Wer solche Stellungnahmen abgibt, hat sich die dafür notwendige charakterliche Unfähigkeit selbst ausgestellt:
„Russland wird immer ein Feind für uns bleiben.“ (8)
Wie steht es um die charakterliche Eignung zum Journalismus? Wie ist es zu bewerten, wenn Täter und Opfer des blutigen militärischen Konflikts zur Desinformationspflege instrumentalisiert werden? Florian Kellermanns hier vorgestellter Auszug aus einem Beitrag über kriegsversehrte Sportler in Butscha ist mitsamt einer Verlinkung übernommen:
„Die Turnhalle in Butscha wirkt groß und modern. Sie war schon vor der russischen Großinvasion barrierefrei ausgebaut. Sie blieb unbeschädigt während der Besatzung der Stadt, bei der die russische Armee hier mehr als 400 Zivilisten brutal tötete und viele folterte.“ (9)
Der dargestellte Link ist ein wichtiger Hinweis, wie man Desinformation, Halbwahrheiten und Lügen in den Medien mit hoher Reichweite versieht, die Information vervielfacht, wiederholt und so mit Glaubwürdigkeit versieht. Inhaltlich als Beweis für die Erzählung von einem russischerseits begangenen Massaker taugt er schließlich in keiner Weise. Und Journalisten müssen das sehen. Sie müssen sehen, dass das keine sachliche, der Wahrheit verpflichtete Berichterstattung darstellt. Wenn sie es wissen, es aber trotzdem tun: Sind sie dann noch Journalisten?
Der Autor hat sich gründlich mit den Ereignissen von Butscha befasst — mit dem was bislang bekannt ist auf der einen und der Art und Weise wie darüber berichtet wird auf der anderen Seite:
Die Möglichkeit, sich mit diesem allgemein verfügbaren Wissen zu befassen, stand den ARD-Redaktionen seit vier Jahren offen. Eine vom Autor angestoßene sachliche Auseinandersetzung zum Thema lief stets ins Leere, war also augenscheinlich nicht gewollt. Warum das so ist, lassen uns die Verantwortlichen allenfalls erahnen, in dem man die Art und Weise der Berichterstattung auf der systemischen und psychologischen Ebene untersucht und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen zieht.
Die Erzählung von Butscha regelmäßig zu entlarven und das dem Publikum weiterzugeben, ist aus Sicht des Autors eine unbedingte Notwendigkeit. Denn sie ist eine der Schlüsselerzählungen zur Frage von Krieg und Frieden, insbesondere in Bezug auf Russland. Der Glaube an Erzählungen wie diese zieht die Menschen in den Krieg, deshalb gilt es auch weiterhin, Angebote zu schaffen, die diesen Glauben aufweichen und, noch besser, durch Wissen ersetzen.
Dieser Artikel wird, wie vorherige seiner Art auch, verschiedenen Gremien der ARD zur Kenntnis gebracht.
Bitte bleiben Sie sehr achtsam, liebe Leser.
Anmerkungen und Quellen
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.
(1) 02.03.2026; ARD-Tagesschau; tagesthemen; https://www.tagesschau.de/ueber-uns/moderatoren-sprecher/tagesthemen-4466.html
(2) 31.03.2026; ARD-Tagesschau, Tagesthemen; Julia-Niharika Sen, Susanne Petersohn; https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-1570888.html
(3) 24.04.2024; Peds Ansichten; Frage an die ARD-Tagesschau: Was geschah in Mariupol?; https://peds-ansichten.de/2024/02/ard-tagesschau-susanne-petersohn-mariupol-truth-hounds/
(4) 13.03.2024; Peds Ansichten; Frage an die ARD-Tagesschau: Was geschah in Mariupol? (2); https://peds-ansichten.de/2024/03/frage-an-die-ard-tagesschau-was-geschah-in-mariupol-2/
(5) 19.03.2026; Peds Ansichten; Frage an die ARD-Tagesschau: Was geschah in Mariupol (3); https://peds-ansichten.de/2024/03/frage-an-die-ard-tagesschau-was-geschah-in-mariupol-3/
(6) 24.04.2022; Peds Ansichten; Empörung und Sanktionen; https://peds-ansichten.de/2022/04/wdr-russland-ukraine-butscha-entsetzen-sanktionen-fake-news/
(7, 7i) 31.03.2026; ARD-Tagesschau; „Hölle auf Erden“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-gedenken-butscha-102.html
(8) 28.04.2025; Berliner Zeitung; Thomas Fasbender; Künftiger Außenminister Wadepuhl: „Russland wird immer ein Feind für uns bleiben“; https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/kuenftiger-aussenminister-wadephul-russland-wird-immer-ein-feind-fuer-uns-bleiben-li.2320148; Artikel hinter Bezahlschranke
(9) 03.04.2026; ARD-Tagesschau; Florian Kellermann; Zurück ins Leben; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-versehrtensport-100.html
(Titelbild) 22.05.2020; Tastatur, Fake News; Autor: Gerd Altmann; https://pixabay.com/de/illustrations/fake-fake-news-corona-virus-medien-5205183/; Lizenz: Pixabay License