Eine kalkulierte Rentendiskussion und die Desinformation über unser Geldsystem


Die große gesellschaftliche Matrix, nach der wir denken und uns verhalten sollen, ist gewissermaßen ganzheitlich. Sie bedient sich grundlegender Prinzipien, die da zuallererst psychologischer und darauf aufbauend erzählerischer Natur sind. Was aber sind sie nicht? Sie sind nicht wissenschaftlich, sie beruhen nicht auf Naturgesetzen. Auf der hingenommenen Prämisse eines in irgendeiner Art wissenschaftlich zu charakterisierenden Finanzsystems basiert auch die Erzählung einer notwendigen Reform der gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund ihrer angeblich in Zukunft gefährdeten finanziellen Ausstattung.


Vorab für die Einen zur Erleichterung und für die Anderen zur Ernüchterung: Eine Aufbereitung der Funktionsweise des unser Leben so beeinflussenden Finanzsystems wird es hier nicht (dafür aber in absehbarer Zeit) geben. Doch als Fingerzeig darauf, dass die uns übergeholfene Geschichte vom permanenten Mangel an Geld in unserer Gesellschaft irgendwie faul klingt, möge es sehr wohl taugen. Die seit einiger Zeit in den Informationsraum lancierte Diskussion über eine notwendige Neuausrichtung der gesetzlich verbrieften Altersvorsorge ist dafür bestens geeignet.

Wählertäuschung

Freilich: Es gibt ein Vor-dem-Wahlkampf und ein Nach-der-Wahl. Und populistische Parteien wie die CDU — ja, die CDU ist eine populistische, ich sage sogar eine rechtspopulistische Partei — achten darauf, wann sie etwas sagen, oder eben auch nicht. Noch im Sommer 2024 forderten CDU-Politiker, „das Eintrittsalter für den Ruhestand zu erhöhen“ (1).

Doch im Herbst 2024 hatte der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz versichert, dass es „mit ihm keine Rentenkürzung“ geben würde (2). Mit Start des Bundestagswahlkampfes 2025 stellte die CDU dann ihre sogenannte Agenda 2030 vor. Was Rentner und Renten betrifft, wurden diese genau einmal konkret thematisiert:

„Ergänzend werden wir weitere steuerliche Maßnahmen umsetzen, um freiwillige Mehrarbeit attraktiver zu machen. Dazu stellen wir Überstundenzuschläge steuerfrei. Für Rentner, die freiwillig weiterarbeiten möchten, führen wir die Aktivrente ein: Ein Verdienst bis 2.000 Euro im Monat bleibt dann steuerfrei.“ (3)

Stellen wir fest, dass da nicht die Rede davon war, „weiterarbeiten“ zu müssen. In der CDU-Agenda war also auch nirgends von einer direkten oder indirekten Erhöhung des Renteneintrittsalters die Rede. Und ebenso wenig las man in diesem Papier etwas von einer notwendigen Neugestaltung der gesetzlichen Altersvorsorge. Gerade im Wahlkampf fand das Thema schlicht nicht statt (4). Ganz offiziell und im Gegensatz zu den Monate zuvor losgelassenen Testballons tönte es nun aus der CDU-Zentrale: „Das Renteneintrittsalter bleibt stabil bei 67 Jahren“ und „wer unterstellt, die CDU wolle Rentenkürzungen, der lügt“ (5). Alles das kam erst zurück, nachdem die CDU als stärkste Partei aus dem Wahlkampf hervorgegangen war und die Regierung gebildet hatte. So geht Populismus und das Setzen auf die Einfalt der Wähler.

Kann man es Politikern zum Vorwurf machen, wenn sie stets aufs Neue dafür belohnt werden, die Wähler hinters Licht zu führen? Ist es nicht eher so, dass es für die Wähler offensichtlich bequemer ist, sich hinters Licht führen zu lassen? Oder anders ausgedrückt: Wie bestellt, so geliefert.

Aber wer liest schon vor einer Wahl das Grundsatzprogramm der CDU? Dort steht nämlich unmissverständlich:

„Gleichzeitig zeigt die langfristige Entwicklung aber auch, dass wir immer älter werden. Wenn wir unsere Rente stabil und finanzierbar halten wollen, spricht viel dafür, dass die Lebensarbeitszeit für diejenigen, die arbeiten können, steigen muss, und folglich die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung gekoppelt wird.“ (6)

„Spricht viel dafür“? Ist diese Logik stimmig? Wer fragt schon nach, was denn genau für diese These spricht? Ist Geld ein Naturstoff und nur begrenzt verfügbar? Wovon hängt ab, ob Renten stabil und finanzierbar gehalten werden? Greifen wir vor: Das hängt einzig von der Macht und dem existierenden politischen Willen ab.

Das fehlende Geld

2025 wurden etwa 363 Milliarden Euro an Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung ausgezahlt. Dem gegenüber stehen Beiträge der Versicherten in Höhe von 321 Milliarden Euro. Die Differenz von 42 Milliarden Euro sowie Mittel zur Deckung weiterer Ausgaben wurden durch Zuschüsse des Bundes ausgeglichen (7).

An dieser Stelle ist festzuhalten, dass auch die gesetzliche Rentenversicherung eine Prämisse, die aus Sicht des Autors einen Sozialstaat auszeichnen sollte, in mehrfacher Hinsicht nicht erfüllt: das Solidarprinzip. So erhalten mehr als eine Million Menschen, die mindestens 45 Versicherungsjahre aufzuweisen haben, eine Rente von weniger als 1.200 Euro (8). Und auf der anderen Seite gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze für Besserverdienende, eine Beitragsbefreiung ab Bruttoeinkommen von mehr als 8.450 Euro. Für Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung gilt eine Deckelung von 5.800 Euro (9).

Liegt es an den Beamten?

2024 gab es in Deutschland 1,7 Millionen Beamte (10). Der Betrag dürfte höher ausfallen (11), aber gehen wir einmal davon aus, die Durchschnittsbezüge eines Beamten würden bei 4.000 Euro Brutto im Monat liegen. Müssten diese nun 9,8 Prozent in die gesetzlichen Rentenkassen einzahlen, so wie „der ganz normale“ Arbeitnehmer, ergäbe das eine zusätzliche jährliche Beitragssumme von knapp acht Milliarden Euro. Aber der Betrag könnte auch noch höher liegen.

Denn durchschnittlich bekommt ein Beamter bei Eintritt in seinen Ruhestand ein Ruhegehalt von 71,75 Prozent des letzten Dienstbezuges. Das sind 3.240 Euro im Monat. Bei derzeit 1,4 Millionen pensionierten Beamten kostet das die Staatskasse kapitale 90 Milliarden Euro jährlich (gerundet) (12). Und das, ohne dass ein Beamter zuvor auch nur einen müden Euro in die Kasse eingezahlt hat (10i). Wir können festhalten, dass ohne dieses Privileg von Beamtenpensionen das Budget der öffentlichen Haushalte um 90 Milliarden Euro jährlich erleichtert würde. Und zwar um fast den gleichen Betrag, der aus Steuermitteln der gesetzlichen Rentenversicherung zugeschossen wird (13).

Die durchschnittliche Rente eines Arbeitnehmers, der regelmäßig in die Rentenkasse eingezahlt hat, liegt dagegen grob gerechnet bei 1.500 Euro im Monat — wohlgemerkt vor Steuern und Sozialabgaben (14).

Das ist umso erstaunlicher, als die Bezüge jedes Beamten ja auch noch aus öffentlichen Mitteln stammen, also steuer- und schuldenfinanziert sind. Im Nullsummenspiel des Finanzkapitalismus wäre es sicher begrüßenswert, wenn alle volljährigen Mitglieder am Solidarsystem der staatlichen Rentenversicherung teilnehmen würden, also auch Beamte. Das Gleiche gilt damit auch für die Aufhebung von Beitragsbemessungsgrenzen und die einheitliche Berechnung der Renten auf Basis der eingezahlten Beträge. Von einer sozial tatsächlich absichernden gesetzlichen Mindestrente, die jedem betagten Menschen zustehen sollte, gar nicht zu reden.

Die sozial scheinbar so sicheren Perspektiven für Beamte fördern allerdings Konformitätsdenken und Opportunismus. Denn wer, im Gegensatz zu einem Großteil der arbeitenden Bevölkerung, weich gebettet ist, wird ungern darauf verzichten.

Doch um die Frage in der Überschrift zu beantworten: Nein, es liegt nicht an den Beamten. Aber das Geld fehlt doch — oder etwa nicht?

Wie an das fehlende Geld kommen?

In einem Nullsummenspiel wird stets Umverteilung als Königsweg vorgeschlagen. Geld wird umgeschichtet. Bezeichnenderweise kommt das Thema Umschichtung immer dann zur Sprache, wenn es um die Umverteilung zu Lasten sozialer Leistungen geht.

Ein Lösungsansatz der Merz-CDU wurde bereits weiter oben erwähnt. Die Leute sollen einfach länger arbeiten. Damit zahlen sie mehr in die Rentenkasse ein und die Rentenzeit wird auf der anderen Seite wieder kürzer. Das ist ein Beispiel, wie Nullsummenspiele funktionieren. Und der Faktor Arbeit kommt nicht etwa ins Spiel, weil wir eine ungenügende Wertschöpfung und fehlende Arbeitskräfte im Land hätten — auch wenn hier natürlich zu differenzieren ist. Aber hier soll Arbeit das angeblich fehlende Geld „organisieren“ und auf der Ausgabenseite Renten „sparen“. Hier geht es um Geld, nicht etwa um gesellschaftliche Erfordernisse.

Nun, der CDU-Chef und amtierende deutsche Bundeskanzler und Millionär Friedrich Merz ist ja auch ein Geldmann durch und durch. Der Mann tickt in Banknoten und ist selbst von dem, was er da bewirbt, schließlich auch nicht betroffen. Außerdem ist Merz ja auch ein Lobbyist. Er bewirbt Produkte und das klingt erst einmal so (Hervorhebung durch Autor):

„Da die gesetzliche Rente allein eine auskömmliche Alterssicherung in vielen Fällen nicht garantieren kann, wollen wir für alle eine verpflichtende kapitalgedeckte Altersvorsorge einführen.“ (6i)

Die Absicht verschwindet hinter einer Lüge. Das decken wir auf und feilen dafür ein wenig an der obigen Aussage:

Da wir für alle eine verpflichtende kapitalgedeckte Altersvorsorge einführen wollen, garantieren wir nicht mehr die gesetzliche Rente allein als auskömmliche Alterssicherung.

Das Eine lässt sich als Alternative erst dann verkaufen, wenn das Andere zuvor als Bewährtes künstlich verknappt wurde. Denn selbstverständlich kann bei entsprechendem politischen Willen die auskömmliche Alterssicherung garantiert werden. Heutzutage werden ganz andere Dinge garantiert, die freilich nichts mit dem Wesen eines Sozialstaates zu tun haben. Weiß denn jeder, was das ist — eine kapitalgedeckte Altersvorsorge? Eines können wir dazu schon festhalten: Solidarisch ist so etwas auf keinen Fall.

Schon immer hat man den einfältigen Wähler an der Nase herumgeführt, wenn es darum ging, ihn zu schröpfen. Erst werden gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt, dann werden die Maßnahmen mit klangvollen, verführerischen Titeln belegt:

„Bis zum Ende des Jahres werden wir die ersten großen Sozialreformen umgesetzt haben, und die Rente haben wir dabei priorisiert.“ (15)

Das mag bei den Gläubigen so ankommen, als würde hier das Rentensystem „reformiert“, um gerettet zu werden. Doch es wird angegriffen! Es wird angegriffen, weil es schlicht und einfach ein Geschäftsmodell blockiert. Der Kapitalismus unserer Tage ist darauf aus, alles nur Denkbare zu finanzialisieren, zu kapitalisieren. Dafür gibt es die wohltönenden Begriffe globale Gesundheit, Klimaschutz, Verteidigung, Sozialreformen und weitere. Außerdem werden die Menschen mit dieser Finanzialisierung in ein Boot geholt, das auf zutiefst unethischer Fahrt ist.

Bislang hat noch ein Jeder eine gewisse Wahlfreiheit, beim Spiel ums große Geld mitzutun, um auf Kosten Dritter Kasse zu machen — oder eben nicht. Als Kleinanleger bei BlackRock oder Vanguard kann man auch ohne intime Kenntnisse der Szene mit etwas Glück Geld „verdienen“ — Geld „verdienen“ in einem Nullsummenspiel wohlgemerkt. Die „Reformgedanken“ des Friedrich Merz aber verpflichten Sie und mich, in einem Fonds Geld anzulegen. Außerdem ist das alter Wein in neuen Schläuchen. Denn etwas in dieser Art gab es auch bereits früher und freiwillig, zum Beispiel kapitalbildende Lebensversicherungen.

Es geht um Altersvorsorge, um Sicherheit im Alter. Angelegtes Kapital kann dazu nicht taugen, denn es ist immer mit Risiken behaftet. Das gilt auch dann, wenn der Pflichtbeitrag in einem Staatsfonds angelegt würde (16). Wer hier mit den Hufen scharrt, das sind Kapitalgesellschaften mit ihren Investmentfonds und Verbriefungen aller Art. Was diese antreibt, ist die Rendite. Wie die Rendite erzeugt wird, ist sekundär. Primär ist, dass sie erzeugt wird. Aber wenn die Gesellschaft pleite geht, weil das Geschäftsfeld aus Gründen, die wir noch gar nicht kennen können, zusammenbricht, wird wer dafür haften? Damit sind wir bei ETFs (17). Was hier geschieht, lässt sich so herunterbrechen:

Der BlackRock-Kanzler Friedrich Merz (und nicht nur er) verkaufen dem Wähler an der Börse gehandelte Fonds (ETFs steht für Exchange-Traded Funds), Pakete von Wertpapieren, mit denen ganz einfach spekuliert wird, als private Rentenvorsorge. Die Gier und der pure Kapitalismus lassen grüßen. In dieses Spielchen sollen Menschen hineingezogen werden, um für sich „eine auskömmliche Rente zu garantieren“ (siehe CDU-Papier weiter oben).

Ein Massenblatt schrieb im Februar des Jahres treffend wie jubilierend: „Merz will die Deutschen zu kleinen Kapitalisten machen“ (18). Hinzugefügt sei: Ob sie das wollen oder nicht.

ETFs sind Kapitalanlagen und damit Risikoprodukte. Sie sichern keinen gesetzlichen Anspruch auf eine garantierte Rente für den Anleger. Man beachte, dass Merz in seiner Partei seit Jahrzehnten als Finanzexperte gehandelt wird. Er weiß um die Risiken des „Finanzprodukts“ (ein Produkt ist das nicht) und hat die Unvorhersehbarkeit des Marktes bereits 2008 in seinem Buch „Mehr Kapitalismus wagen“ beschrieben (19).

Es geht aber noch perverser. Mittels einer „Frühstartrente“ sollen bereits Kinder ab sechs Jahren in ein „kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot“ einzahlen können. Ja, vorerst können. Natürlich zahlen dann die Eltern für die Kinder ein, die ja noch gar kein Einkommen haben — mal abgesehen vom Taschengeld, das sie von den Eltern bekommen. Aber für solch ein „Altersvorsorgedepot“ findet sich plötzlich wieder Geld in den öffentlichen Kassen (20). Auch hier zur Klarstellung: Das Depot, also der Fonds eines privaten Investmentunternehmens sammelt Geld aus öffentlichen Kassen, damit dieses Geld dann, wie man so schön sagt, im Markt arbeiten kann.

Was sind das für Fonds? Welche Vermögensverwalter und Banken betreuen die Fonds? Welche Konzerne arbeiten mit dem Kapital?

Was bleibt? Diejenigen, deren Realeinkommen sinken, sollen mehr für ihre Altersvorsorge investieren — und das in Produkte einer Geldmaschine.

Aber wo sind tatsächlich die Ursachen zu suchen, dass Befürchtungen geäußert werden, die Rentenkassen würden in Zukunft nicht mehr für die Auszahlung einer vernünftigen Rente für die Versicherten genügen?

Geld ist nicht für alle da

Fangen wir klein an und lassen das folgende Zitat wirken:

„Die EU-Kommission stellt 1,5 Milliarden Euro für die Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie zur Verfügung. Das Geld soll insbesondere dem Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland sowie der Aufrüstung in der EU zugutekommen, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Die Zuschüsse für 2026 und 2027 werden demnach am Dienstag öffentlich ausgeschrieben.“ (21)

Nur, weil es ständig wiederholt wird, wird es nicht richtig. Der „Abwehrkampf der Ukraine“ ist als Erzählung nicht weniger desinformierend als der Begriff einer „europäischen Verteidigungsindustrie“. Es ist ein Muss, stets auf diese massiv verbreiteten Desinformationen hinzuweisen. Aber reden wir von anderen Beträgen.

42 Milliarden Euro aus Bundesmitteln waren 2025 erforderlich, um das Defizit von Einnahmen zu Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung auszugleichen (siehe weiter oben). Im Jahre 2021 betrug der bundesdeutsche Militäretat 38,7 Milliarden Euro (22). Unter dem mit ausufernder Propaganda verbreiteten Vorwand, Deutschland müsste sich auf eine militärische Bedrohung durch Russland einstellen, hat man die Militärausgaben explodieren lassen. Im Jahre 2025 lagen sie mit 86 Milliarden Euro doppelt so hoch wie noch fünf Jahre zuvor. 2026 liegen sie nun bei gar 108 Milliarden Euro (23).

Der Militäretat soll bis zum Jahre 2029 auf geradezu unfassbare 152 Milliarden Euro steigen (24). Als in Deutschland das letzte Mal in solch einer Art und Weise, dazu schuldenbasiert hochgerüstet wurde, endete das ein einem verheerenden Krieg, der, man beachte, von Deutschland begonnen wurde.

Aber wo nur hat die Bundesregierung das viele Geld plötzlich her, was sie für die Rente nicht mehr zu haben vorgibt?

Allein für den Wehretat 2026 hat die Bundesregierung mindestens 39 Milliarden Euro neue Schulden aufgenommen (23i). „Der Russe“ wird Tag für Tag als vermeintliche Gefahr in die Wohnzimmer gezaubert, aber die Gefahr ist schlicht fiktiv. Die erforderliche Finanzierung einer solidarischen, gesetzlichen Rente ist dagegen sehr real. Aber warum ist die Finanzierung des Einen über Schulden gedeckelt und beim Anderen nicht akzeptabel? Wo kommt das Geld, das doch gar nicht da ist, plötzlich her?

Willkommen in der Matrix.

Die Matrix von Schulden und Vermögen

Wir spielen in dieser Matrix mit, weil sie psychologische Seiten an uns „bedient“.

Und auch hierbei spielen die Medien brav mit. So wird auch die von der regierenden Politik vertretene Behauptung, wir hätten ein objektives Problem der Finanzierung von Renten, niemals kritisch hinterfragt. Genauso wie nicht hinterfragt wird, welche Folgen die diversen „Rettungspakete“, „Sondervermögen“ und ähnliches haben. Vor allem aber, wie diese überhaupt entstehen.

Unwissenheit wird ersetzt durch Glauben. Fehlende Achtsamkeit stärkt den Glauben. Gläubige lassen sich manipulieren.

„Wirtschaftsweise“ ist ein anderer Ausdruck für die berühmt-berüchtigten „Experten“. Was bei „Corona“ ein Christian Drosten, Alena Buyx und Karl Lauterbach, beim Thema Krieg ein Roderich Kiesewetter und Marcus Keupp und beim Thema Klima eine Claudia Kemfert, das sind beim Thema Renten die „Wirtschaftsweisen“, zum Beispiel Veronika Grimm:

„Es braucht Vorschläge, die die Ausgabenbelastung des Bundeshaushalts und auch der Länder und Kommunen senken.“ (15i)

Der nächste „Wirtschaftsweise“ auf der Matte ist Martin Werding. Wie zuletzt beim Management der PLandemie ist das Spalten gesellschaftlicher Gruppen das A und O:

„Was wir dringend brauchen, ist eine Ergänzung unserer umlagefinanzierten gesetzlichen Rente, wo eben die Jungen immer direkt für die Alten zahlen müssen. […] Was wir dringend brauchen, ist ergänzende Kapitaldeckung.“ (25, 26)

Nö, brauchen wir nicht. Werding spielt hier Generationen gegeneinander aus. So wie Gesunde in eine Krankenkasse einzahlen, welche die Behandlung Kranker finanziert, so zahlen die Jungen in eine Rentenkasse ein, welche das Leben der Betagten finanziert. Diese Versicherungen funktionieren nach dem Solidarprinzip, zumindest sollten sie das. Aber der „Wirtschaftsweise“ könnte ja auch vorschlagen, ganz wie bei der Rüstung, dass man Finanzlücken einfach durch Schuldenaufnahme schließt. Das tut er nicht. Weil hier das Schuldenmachen „nur“ den Versicherten (Einzahlern wie Rentnern), also der Sozialgemeinschaft zugute kommt?

Da ist er wieder und wieder: der Betrug mit dem angeblichen Nullsummenspiel. An eine „Klima-Agenda“ und deren künstlich erzeugte Kosten, die Hysterie um eine angebliche russische Bedrohung und deren künstlich erzeugter Kosten oder den „Krieg gegen das Virus“ und die damit künstlich erzeugten Kosten hat sich eine Veronika Grimm und ein Martin Werding nicht herangewagt. Ihr Job ist es, für BlackRock, hust, die CDU-Agenda des BlackRock-Lobbyisten Friedrich Merz zu trommeln.

Es geht nie um Schulden, es geht stets um Geschäftsmodelle. Kennt der geneigte Leser all die Sondervermögen, die gleichzeitig Schulden über hunderte Milliarden Euro darstellen und die Schuldenbremse des Bundes zur Makulatur machten? Hier sind die größten ihrer Art:

  • Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS, Finanzkrise 2008),
  • Investitions- und Tilgungsfonds (ITF),
  • Wirtschaftsstabilisierungsfonds-Corona (WSF-Corona),
  • Sondervermögen Bundeswehr (SV BW),
  • Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK),
  • Sondervermögen gesetzliche Rentenversicherung (SV GR) (27).

Schulden, Kredite und Vermögen drücken sämtlich das Gleiche aus: Bei Banken aus dem Nichts geschöpftes Giralgeld. Banken, die über dieses Geld zuvor gar nicht verfügten. Wer gehört nun wem? Die Banken den Regierungen oder eher die Regierungen den Banken? Warum haben souveräne Staaten eigentlich keine eigenen Banken und somit auch keine Souveränität über die Geldschöpfung? Belassen wir es an dieser Stelle bei den Fragen. Fragen, die neugierig machen sollten.

Motive und Fazit

Für die „private Seite“, die einflussreicher Konzerne und Banken, wird also Geld geschöpft. Auf der gesellschaftlichen Seite, bei den Sozialsystemen, wird dagegen das Intermediärsystem als Grundlage vorgegeben. Also, dass das Geld aus den Beiträgen der Menschen kommen muss, um das System am Leben zu erhalten. Geld müsste vorher existent sein, um verwendet werden zu können.

Der Mangel an Geld für Sozialsysteme ist ein scheinbarer. Er ist politisch gewollt. Genauso wie der offensichtliche Nichtmangel an Geld für die Militarisierung politischem Willen entspringt. Wenn Geld benötigt wird, kann es geschöpft werden. Und das wird getan.

Wenn man die Bevölkerung in soziale Nöte zwingt, macht man sie gleichzeitig dafür bereit, in die Kriegswirtschaft einzutreten. Das wird gesetzlich reguliert. Das Absenken von Sozialstandards ist genauso politischer Wille — und eben nicht „aus der Not geboren“ — wie die Herstellung einer objektiv überhaupt nicht notwendigen Kriegswirtschaft. Denn die Bedrohung ist eine Geschichte, aber die Geschichte spiegelt nicht die Realität. Die Erzählungen von diversen, alarmierenden Bedrohungen sind nicht etwa die Ursache für eine sehr spezielle Politik, sondern Instrumente zur Durchsetzung eben dieser Politik. Die Konzeption der Politik brauchte, um umgesetzt zu werden, eben diese Erzählungen. Erzählungen, die die Gesellschaft zum Mitmachen animiert und im Extremfall dazu zwingt.

Die angeblich dringende „Rentenreform“ ist genauso wenig dringend, wie es der „Kampf gegen das Virus“, der „Kampf gegen die Klimaerhitzung“, der „Kampf gegen die russische Bedrohung“, der „Kampf gegen den Terrorismus“ und alle weiteren ganz dringenden Kämpfe und Reformen waren und sind. Hinter all diesen Agenden stecken samt und sonders Geschäftsmodelle. Geschäftsmodelle, bei denen enorme Summen von Geld bewegt und noch mehr Geld geschöpft wird.

Und weil wir in diesem Text einen gewissen Friedrich Merz nicht nur als Bundeskanzler, sondern auch als Millionär und BlackRock-Lobbyisten ausgemacht hatten, sei noch eine Notiz hintenangestellt. Weil ja schließlich dort, wo so enorm viel Geld geschöpft und bewegt wird, unweigerlich Profiteure warten. Einer der größten dieser Tage nennt sich Rheinmetall. Der größte institutionelle Anleger von Rheinmetall heißt BlackRock (28).

Dort unter anderem endet der Weg eines der größten Sondervermögen (gleichbedeutend mit Kredit und Schulden) des Bundes. Genau in diesen Sphären — zwischen Krieg, Spaltung von gesellschaftlichen Gruppen sowie profitablen Geschäften von Banken, Investoren und Konzern, mittendrin Rheinmetall und BlackRock — bewegt sich der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) 17.08.2024; Tagesspiegel; Sven Lemkemeyer; „An Lebenserwartung anpassen“ CDU will offenbar schnell höheres Rentenalter beschließen; https://www.tagesspiegel.de/politik/an-lebenserwartung-anpassen-cdu-will-offenbar-schnell-hoheres-rentenalter-beschliessen-12213263.html; Artikel hinter Werbebanner

(2) 26.10.2024; ARD-Tagesschau; „Es wird keine Rentenkürzung in Deutschland geben“; https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-ju-rente-100.html

(3) 11.01.206; CDU; Agenda 2030 — Neuer Wohlstand für Deutschland; Beschluss des Bundesvorstandes der CDU Deutschlands; https://www.cdu.de/app/uploads/2025/01/Agenda-2030.pdf

(4) 10.01.2025; CDU; CDU beschließt Agenda 2030; https://www.cdu.de/aktuelles/funktionierender-staat/cdu-beschliesst-agenda-2030/

(5) 22.01.2025; CDU; Politikwechsel für sichere Renten; https://www.cdu.de/aktuelles/cdu-deutschlands/politikwechsel-fuer-sichere-renten/

(6, 6i) 2024; Grundsatzprogramm der CDU Deutschlands; https://www.cdu.de/grundsatzprogramm/; S. 58/59

(7) 22.12.2025; Deutsche Rentenversicherung; Statistiken und Berichte; Aktuelle Daten 2026; https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/Zahlen-und-Fakten/Statistiken-und-Berichte/statistiken_und_berichte.html

(8) 22.07.2024; ARD-Tagesschau; Weniger als 1.200 Euro Rente für jeden Fünften; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/rente-deutschland-unter-1200-euro-jeder-fuenfte-100.html

(9) 01.01.2026; Die Bundesregierung; Rechengrößen in der Sozialversicherung; https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/beitragsgemessungsgrenzen-2386514

(10, 10i) 31.08.2025; ARD, WDR; Andreas Poulakos; Hohe Kosten: Brauchen wir so viele Beamte?; https://www1.wdr.de/nachrichten/beamte-linnemann-diskussion-faq-100.html

(11) 26.11.2025; Focus; Christoph Sackmann; Was Beamte verdienen – und warum Sie das als Angestellter kaum erreichen; https://www.focus.de/finanzen/karriere/was-beamte-verdienen-und-warum-das-fuer-angestellte-kaum-erreichbar-ist_1d8f35da-c82b-4953-8612-8add0466f0c6.html

(12) 30.01.2026; Focus; Christoph Sackmann; 1,4 Millionen Pensionäre kosten die Staatshaushalte fast so viel wie 20 Millionen Rentner; https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/1-4-millionen-pensionaere-kosten-die-staatshaushalte-fast-so-viel-wie-20-millionen-rentner_b7016739-e79a-4734-9c54-2b92879fdc55.html

(13) Deutsche Rentenversicherung; Jahresbericht 2024; Beschäftigungshoch beschert hohe Beitragseinnahmen; https://jahresbericht.deutsche-rentenversicherung.de/artikel/beschaeftigungshoch-beschert-hohe-beitragseinnahmen-2024/; abgerufen: 31.03.2026

(14) Wirtschaftsradar; Durchschnittliche Rente in Deutschland 2026; https://wirtschaftsradar.com/durchschnittliche-rente-in-deutschland/; abgerufen: 25.03.2026

(15, 15i) 03.02.2026; ARD-Tagesschau; Merz will Rentenreform noch 2026 auf den Weg bringen; https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/rente-rentenreform-102.html

(16) 09.10.2025; Focus; Christoph Sackmann; Merz will „Pflichtbeitrag zur privaten Altersvorsorge“: Was das für Sie bedeutet; https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/merz-will-pflichtbeitrag-zur-privaten-altersvorsorge-das-steckt-dahinter_db2e69ce-7a93-4c80-a51e-0324804450ed.html

(17) 21.07.2025; Verbraucherzentrale; Welche Vorteile und Nachteile haben ETFs?; https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/welche-vorteile-und-nachteile-haben-etfs-16603

(18) 12.02.2026; Süddeutsche Zeitung; Hendrik Munsberg; Rente: Merz will die Deutschen zu kleinen Kapitalisten machen. Recht hat er!; https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rente-sozialstaat-reformen-friedrich-merz-li.3386367?reduced=true

(19) 13.05.2025; NachDenkSeiten; Werner Rügemer; BlackRock im Kanzleramt?; https://www.nachdenkseiten.de/?p=128643: Primärquelle: Friedrich Merz: Mehr Kapitalismus wagen; München 2008

(20) 27.01.2026; Bundesministerium der Finanzen; Fragen und Antworten zur Frühstart-Rente; https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/fruehstart-rente.html

(21) 30.03.2026; MarketScreener, dpa; EU-Kommission stellt 1,5 Milliarden Euro für Verteidigung bereit; https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/eu-kommission-stellt-1-5-milliarden-euro-fuer-verteidigung-bereit-ce7e51d9db8df520

(22) 09.03.2022; Statistisches Bundesamt; Entwicklung der staatlichen Ausgaben für Verteidigung seit 1991; https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/03/PD22_104_813.html

(23, 23i) 2025; Deutscher Bundestag; Deutlicher Anstieg bei den Verteidigungsausgaben; https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw48-de-verteidigung-1126048; https://dserver.bundestag.de/btd/21/006/2100600.pdf

(24) 23.06.2025; zdf heute, AFP; Regierung hebt Wehretat bis 2029 massiv an; https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/wehretat-bundeswehr-verteidigung-haushalt-anstieg-100.html

(25) 16.11.2025; zdf heute; Rentenpolitik: „Uns stehen 10 bis 15 harte Jahre bevor“; https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/rente-streit-cdu-junge-union-wirtschaftsweise-martin-werding-interview-100.html

(26) 16.11.2025; zdf heute; Martin Feldhoff; Der Scherbenhaufen des Friedrich Merz; https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/merz-junge-union-deutschlandtag-rente-bilanz-100.html

(27) 23.03.2026; Statistisches Bundesamt; Verschuldung der bedeutendsten Sondervermögen des Bundes; https://www.staatsverschuldung.de/sondervermoegen/

(28) Rheinmetall; Stimmrechtsmitteilungen; https://ir.rheinmetall.com/de/investor-relations/veroeffentlichungen/stimmrechtsmitteilungen; abgerufen: 16.03.2026

(Titelbild) Geld, Schein, Spende; Gerd Altmann (Pixabay); 13.04.2018; https://pixabay.com/de/photos/euro-geschenk-geldgeschenk-hand-3317432/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

3 Kommentare zu „Inszenierung eines Rentenproblems“
  1. Es gibt aber Aspekte des Rentenproblems die sich nicht nur um Geld drehen, sondern sehr real sind.
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    In einer sozial funktionalen Gemeinschaft – die aus finanzwirtschaftlicher Sicht völlig dysfunktional ist – kümmert sich die Mama um den Haushalt, während die Oma mit ihren Enkeln Dame spielt und der Opa in der Garage wirscht. (nur mal so anschaulich beispielhaft, die Geschlechterklischees müssen nicht bedient werden, ergeben sich aber in der Regel von selbst)
    Das ist verheerend für das BIP. Die Mama zahlt keine Steuern, die Oma kümmert sich um den Enkel, weshalb man weder Kinderbetreuung noch Altenpflege in Rechnung stellen kann, und wenn’s ganz dumm läuft repariert der Opa auch noch den Abfluss oder lötet gar den kaputten Toaster wieder heile. Eine Katastrophe! Ein finanzieller SUPERGAU! Wer soll denn davon reich werden !?
    Am Ende befinden die noch, man käme mit umlagefinanzierten Renten hin, und haben vielleicht keinen Kapitalstock gebildet. Womit soll Blackrock denn dann spekulieren und ‚hebeln‘? Und wenn sie gar keinen Kapitalstock haben, wie zur Hölle soll man ihnen den dann wegnehmen?? Da ist ja dann gar nichts da, was man mit unsinnigen gesetzlichen Regelungen entwenden könnte?!
    So kann man nicht arbeiten. Deswegen brauchen wir kapitalgedeckte Altersvorsorge, Mütter die zum BIP beitragen (ergo möglichst vollzeit arbeiten – keine Sorge, die kümmern sich trotzdem um den ganzen Hauskram und die Pflege ihrer Eltern; das ist noch besser, weil sie dann mit Burnout zum Arzt kommen und so nochmal zum BIP beisteuern…)
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    Es ist also alles prima wie es ist und wir leben in der besten aller möglichen Welten.
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    *Nur zur Sicherheit – Ironiedetektor bitte bei obigem Text unbedingt einschalten.

  2. Naja, es gibt sicher richtige Punkte, aber die Frage wie Rente finanziert wird ist natürlich eine die auch den Kapitalmarkt betrifft.
    Doch zunächst ist der Beitrag den jeder zahlt doppelt so hoch (19,8%) Denn auch wenn nominell der Arbeitgeber ihn zahlt, ist es natürlich ein teil deines Lohns.
    Der Blick auf die Kapital Rente ist unvollständig. Denn auch bei der Umlage Rente spielt Wirtschaftswachstum eine Rolle, in der Form von Lohnerhöhungen. Deshalb forderten Gewerkschaften mal eine Maschinenbeitrag zur Rente. Denn das nur Löhne zur Finanzierung benutzt werden, ignoriert die Gewinne die durch Rationalisierung gemacht werden. Daher ist der Gedanke diese durch Kapital gewinne am Finanzmarkt einzubeziehen, nicht völlig verkehrt.
    Die Problematik der fehlenden Solidarität einiger privilegierten Bevölkerungsgruppen, ist aber sicher das größte Problem der Rente in Deutschland. Und Kommunikativ in den Medien die fehlende Darstellung das die Rente eine Versicherung ist und keine staatliche Leistung. Die sind nur einige zusätzliche Versprechungen, die die Politik in das Systeme
    einbaut (s. Teufel Tabelle)

    Meine Beobachtung ist das vor allem die Medien schuld an der Entwicklung sind. Da dort die Rente fast immer als kosten für die Allgemeinheit dargestellt wird, die gesenkt werden müssen. Schlimm wurde das seit Schröder. Vorher gab es noch ein Gleichgewicht.

  3. Das Thema Rente triggert mich jedes mal. Ich habe beruflich mit betrieblicher Altersversorgung zu tun, seit rd. 40 Jahren.
    In den Anfangsjahren meines Berufes war die betriebliche Altersversorgung eine Selbstverständlichkeit bei mittleren und großen Unternehmen und nicht eine lächerliche „Entgeltumwandlung“ die Nahles (SPD) durchsetzen konnte, die Regierung daraufhin ein „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ geschaffen hat auf das sie dann ganz dolle stolz waren, mein Berufsstand jedoch noch heute drüber Tränen lacht.
    Da der böse Adolf damals auch die Rentenkasse geplündert hat, so wie es unsere heutigen Politdarsteller es machen, gab es nach dem Krieg kaum Rente. Qualifizierte Fachkräfte waren ebenfalls rar, viele totgeschossen an der Front, von den bösen Russen mit denen wir deshalb ja noch eine offene Rechnung haben. Vor allem Ingenieure aller Art waren knapp und kostbar. Um die Fachkräfte zu binden bot man eine zusätzliche Betriebsrente an, die eine Aufstockung der mageren Staatsrente bilden sollte. Vor allem in der Chemie- und Metallindustrie waren diese Betriebsrenten sehr üppig, teilweise bis zu 20% des Gehalts. Zusammen mit der Staatsrente, ergab sich eine auskömmliche Versorgung. Ich kann mich noch daran erinnern daß ich als Jugendlicher im Fernsehen Werbung der Allianz sah die ein „3-Säulen-Modell“ propagierte: 1. Säule Staatsrente, 2. Säule Betriebsrente und 3. Säule… na wer errät es? Na klar! Die Allianz Lebensversicherung! Was sonst?
    Aber was ich damit sagen will: die Betriebsrente war eine notwendige Selbstverständlichkeit.
    Mit der Zeit aber erodierte dieses Rentensystem. Die Betriebsrenten wurden den Unternehmen vergrault, manchen Unternehmen wurden zu hoch dotierte Versorgungswerke sogar zum Verhängnis durch schlechte Beratung raffgieriger Versicherungsvertreter.
    Zunächst einmal grundsätzliches zu Renten:
    Es geht dabei um Risiken die man abdecken muß. Das praktische am Tod ist, daß der Eintritt des Ereignisses den statistischen Wert 1 hat = Gewißheit. Es geht also gar nicht darum ob die Rentner sterben sondern nur wann. Keiner lebt ewig. Das ist ja schonmal ein Lichtblick. Es ist ein Risiko wenn man zu lange lebt, weil dann das Geld womöglich nicht reicht. Eine Faustregel gebietet Streuung oder „Diversifizierung“ wie man auf Neudeutsch sagt. Risiken muß man streuen. Ein Tausendfüßler fällt so schnell nicht um. Ein Hund mit nur 4 Beinen auch schon nicht. Deshalb sollte sich nicht alles nur auf die Staatsrente focussieren, den auch diese ist nie sicher sondern birgt Risiken.

    1. Die Staatsrente ist eine politisch abgesicherte Rente, das Risiko besteht darin, daß die falschen Leute an die Macht kommen könnten, so wie seit Gerhard Schöder und auch jetzt und weg ist die Kohle.
    38% vom Netto nur noch. Vorher 60%. Nix sicher, Herr Blüm!

    2. Kapitalbasierte Renten tragen ein wirtschaftliches Risiko. Kommt eine Wirtschaftskrise mit Pleitewellen von Banken und Versicherungen ist die Kohle weg. Ah… da gibt es doch noch die Rettungsschirme! Da kann doch rein gar nix Schlimmes passieren… sollte man meinen. Pustekuchen! Jeder kennt doch sicher noch die Hamburg-Mannheimer mit dem netten Herrn Kaiser. Der Typ war ja sowas von cool! Jeden Abend im Fernsehen und immer gut angezogen mit Schlips. Also ich mochte ihn sehr und war voll entsetzt als ich hörte das diese Versicherung pleite gegangen war. Das konnte doch gar nicht sein!
    „Was wird denn jetzt aus Herrn Kaiser?“, fragte ich mich.
    „Was wird aus den Versicherungsleistungen?“ fragten sich die Prämienzahler.
    Da fällt mir an dieser Stelle die Togal-Werbung (Schmerztablette?) ein: „Wir wissen nicht was dieser Herr empfiehlt, wir empfehlen KEINE Versicherungsgesellschaft, besonders KEINE die mit den Prämien teure Fernsehwerbung finanziert. Als die Hamburg-Mannheimer Pleite ging knackste der Rettungsschirm unter der Last, obwohl die HM eine der kleinsten Markteilnehmer bei LV war. Ich kann mir wohl sparen zu beschreiben was passiert, wenn nur Allianz und Alte Leipziger gleichzeitig ins Wanken geraten. Dann nämlich wird die Illusion eines „Rettungsschirmes“ platzen wie eine Seifenblase. Das gleiche gilt übrigens auch für den Einlagenschutzschirm der Banken.
    Man kann also trotz dieser „Rettungsschirme“ sagen:
    Kommt eine schwere Wirtschaftskrise ist die Kohle weg!

    3. Immobilien-Renten (Mieten) sind Renten die bei Tod nicht verfallen wie die Staatsrente. Es sind sog. „ewige Renten“ die nicht nur den Mietzins abwerfen, sondern dadurch daß der Wert einer Immobilie während dieser Zeit sogar noch steigt, zusätzlichen Profit erzeugen, der jedoch nicht ausgezahlt wird, sondern im Objekt verbleibt. Kommt allerdings ein Erdbeben oder eine Flutkatastrophe – wie im Ahrtal – kann das Renditeobjekt vollständig zerstört bzw. einfach weggespült werden. Die Kohle ist damit weg! Das Risiko ist hierbei die Natur.

    4. Betriebsrenten sind auch im Prinzip kapitalbasierte Renten, wobei der Kapitalstock als steuerlich wirksame Rückstellung im Unternehmen angelegt ist. Dadurch aber daß die betriebliche Altersversorgung (BAV) immer weiter gegängelt wurde, indem z.B. seit Ewigkeiten ein obzön hoher Abzinsungssatz, der die Rückstellung künstlich niedrig hält, von 6% pro Jahr vorgeschrieben ist, verloren die Unternehmer mehr und mehr die Lust auf solche Sozialleistungen. Zahlreiche BAG-Urteile, die in deutlicher Mehrheit zu Ungunsten der Unternehmen ausfielen, beschleunigten den Niedergang der BAV zusätzlich. Weitere Totengräber waren die Gewerkschaften die stets höher Löhne aushandelten aber die BAV sterben ließen. Zu guter letzt sind es aber auch die Arbeitnehmer denen die Jacke näher ist als die Hose. Wenn man heute jemand um 30 fragt, ob er später mal eine Betriebsrente haben will oder jetzt einen höheren Lohn – was glaubt ihr wie der sich entscheidet?
    Natürlich für den höheren Lohn, was man hat das hat man. Jemand der 30 ist kann sich nicht mal ansatzweise vorstellen jemals 65 zu sein, das ging mir damals auch so. Die Jungen können sich nicht vorstellen irgendwann alt zu sein und die Alten haben längst vergessen wie es gewesen ist jung zu sein und kaum ein Hemd am Ar… zu haben. Das Risiko ist im Falle einer Betriebsrente daß die Trägerunternehmen des Versorgungssystems in Konkurs gehen. In diesem Fall greift eine sog. Insolvenzversicherung ein, die für die Unternehmen, die eine Pensionsrückstellung für Arbeitnehmer bilden obligat ist.
    Die Wenigsten wissen das:
    a) Betriebsrenten sind abgesichert.
    b) Betriebsrenten sind an den Kaufkraftverlust anzupassen
    Aber für den Insolvenzschutz gelten natürlich die Regeln die für alle Schutzschirme gelten. Gibt es einen wirtschaftlichen Tsunami (Pleitewelle) platzt auch dieser Schirm irgendwann.

    5. Bleiben noch Sachwerte wie Edelmetalle und Aktien oder Staatsanleihen, aber davon habe ich keine Ahnung, ich gebe es ja ehrlich zu, deshalb schreibe ich dazu nix, soll sich jeder selber die Finger daran verbrennen.

    Nun zu dem Generationenproblem welches so alt ist wie der Generationenvertrag:
    Die Jungen Leute wollen ja nicht mal für sich selbst eine Altersversorgung finanzieren. Um so mehr nerven natürlich jetzt wir Babyboomer, die zwar Oma und Opa finanziert bzw. dieses Land zu Reichtum gebracht haben, aber dafür nun erwarten selber eine Rente auf Kosten der von uns, mühsam und unter manch Entbehrungen, aufgezogenen TIK-TOK-Brut gezahlt zu bekommen.
    Aber die zeigen uns nun den Stinkefinger!
    Falsche Erziehung?
    Dann sind wir Babyboomer auch noch solch gewaltige Massen, die wie die Wanderheuschrecken unser nationales Versorgungssystem kahlfressen, daß einem ja Angst und Bange wird!
    Wie sollen denn die jungen Leute, eingeklemmt zwischen YT und TIK-TOK, und dem „Burden of Life-Work-Balance“ sowie unter dem ständigen Terror des Smartphones, überhaupt den Antrieb und die Wirtschaftskraft aufbringen um uns Babyboomer halbwegs auskömmlich zu finanzieren und nebenbei noch TV und Handyflatrate bezahlen?
    Hätte ich auch keinen Bock drauf!
    Außerdem werden viele von den Rentnern dank medizinischem Fortschritt immer älter. Die müßen alle mit durchgefüttert werden. Am besten die kriegen nur noch Suppe, dann spart man immerhin die Kosten für Zahnbehandlung und Prothesen. Da bekommt das Wort von „Löffel abgeben“ wieder eine Bedeutung meinte einst Dieter Hildebrand und setzte hinzu: “ Messer und Gabel aber ebenfalls abgeben, denn damit können die einem ja auch noch ziemlich gefährlich werden“.
    Was also tun?
    Pfand für Zigarettenkippen einführen so daß die Rentner neben den Flaschen und Dosen mehr zum Einsammeln haben?
    Aber wenn die dann immer an der frischen Luft rumlaufen und sich ständig bücken müßen bleiben die doch kerngesund und werden dann noch älter und teurer. Bewegung draußen ist nun mal gesund das sagt jeder Arzt!
    Deshalb sage ich den jungen Leuten: wenn ihr uns Gammelfleisch loswerden wollt, dann sorgt für auskömmliche Renten, denn dann bleiben wir Babyboomer faul zu Hause, lassen uns vom Fernsehen verblöden, schlagen uns den Bauch voll, schlafen danach auf der Couch ein anstatt spazieren zu gehen, werden dick und fett und sterben dann auch recht sozialverträglich an der einen oder anderen Degenerationskrankheit wie Altersdiabetes, Leberverfettung, Schlaganfall oder Herzversagen. Lungenkrebs hat ohne frische Luft auch eine bessere Chance zum Zuge zu kommen, da alte Leute selten lüften, egal ob Raucher oder nicht.
    Manchmal muß man eben das scheinbar Gegenteilige tun um Etwas zu erreichen.

    Noch ein Wort zur Beitragsbemessungsgrenze. Die wäre unsolidarisch bzw. unfair. Als Selbstständiger hat man enorme Abzüge. Ein Arbeitnehmer muß für seinen Lohn nicht nochmal 1/5 (19%) MWSt durchsetzen, ein Selbstständiger schon. Alles in allem ist die Steuer und Abgabenlast – wenn man nur ein bissel fleißig ist – derart hoch das es einem die Lust nimmt:
    19% MWSt
    11% Gewerbsteuer
    42% Einkommensteuer
    und da hat die Krankenkasse noch gar nix kassiert. Der Beitragssatz der AOK liegt, wenn man auf der BBG von 5,5k ist, bei 1276 Euro, pro Monat. Eine versicherungsmathematisch kalkulierte, private Krankenversicherung kostet die Hälfte. Man kann also sagen daß ca. 25% bei mir ankommen.
    Ich bin eigentlich für einen Sozialstaat aber, nur mal interessehalber gefragt:
    Wie weit soll den die Umverteilung noch gehen?
    Nach Solidarität rufen immer nur die Habenichtse!
    Ich habe mich schwer umgeguckt als ich ungewollt selbstständig werden mußte und mir die Steuerberaterin – die auch nochmal ordentlich Geld kostet, nur um festzustellen wieviel das Regime aus mir herauspressen wird – eröffnete wieviel denn nun bei mir ankommt. Meine Arbeitszeit erhöhte sich von 36 auf 60 Wochenstunden, die Tageslänge blieb leider bei 24 Std., aber alle nennen mich dafür jetzt „Chef“, ich bin also nun der Oberchefboss, ja wie geil ist das denn?
    Ich sag’s Euch: gar nicht geil!
    Ich bin nämlich für alles verantwortlich, auch wenn ich den Mist nicht selbst fabriziert habe, sondern meine Mitarbeiter.
    Ich bin Derjenige der am Schreibtisch sitzen bleibt, wenn alle anderen nach Hause gehen und Samstag in der Firma, wenn alle frei haben, ganz alleine werkelt. Ich hätte gerne wieder einen Chef der die Verantwortung trägt.
    Dann könnte ich Abends wieder ruhig einschlafen ohne mich fragen zu müßen, woher ich als nächstes das Geld für die Löhne bekomme und würde zu denen gehören die Abends und am WE frei haben.
    Vorher wollte ich immer der Chef sein, jetzt nimmer!
    Ich mache das deshalb auch nur bis zur Regelaltersgrenze, dann werfe ich hin und dann müßen mich die jungen Leute mit durchfüttern. Scheiß auf das Geld. Auf den steuerfreien Altersbonus von Merz pfeife ich auch, den gibts nur für Lohnsklaven, warum wohl?
    Die Arbeitsplätze die ich zur Zeit halte sind dann natürlich auch weg, aber nicht mein Problem. Unternehmerische Ehre und Verantwortung zu übernehmen zahlt sich nicht mehr aus. Man gehört zu den sog. „Besserverdienenden“ aber auch zu den „Mehrarbeitenden“ und je nachdem damit zu den Verlierern.
    Manche Geschäfte kann man nicht auf kleiner Flamme führen, das geht einfach nicht mit Work-Life-Balance. Dann verliert man als kleiner Scheißerle nämlich den Konkurrenzkampf wo es heißt immer mehr, immer billiger, immer schneller. Ich hatte anfangs – da hatte ich noch keine Erfahrung mit meiner neuen Verantwortung – mal einen „Durchhänger“ und bin 1 Woche zu Hause geblieben, weil ich „keinen Bock zu arbeiten“ hatte… prompt Auftrag verloren, so schnell kriegt man eine Ohrfeige. Man steht also immer unter Druck.
    Selbstständig zu sein heißt man arbeitet selbst und das ständig.
    Man hat mehr als der Normalo, ja, gehört aber zum Aussatz der „Besserverdienenden“, einem Wildbret auf das die SPD besonders scharf ist und ständig zum Halali bläst von den Linken ganz zu schweigen.
    Aber zur „Elite“ gehört man natürlich nicht, wo denkt ihr hin bei über 70% Gesamtabzüge, wie soll das gehen?
    Die echte „Elite“ arbeitet nämlich nicht, sondern läßt arbeiten. Sogar ich arbeite für die Elite, für wen sonst, für mich selber etwa? Da wüßte ich aber von.
    Ich habe also als Babyboomer die Freiheit der Wahl zwischen Flaschensammeln und Weiterarbeiten um den Ukrainekrieg und Leute wie Bärbock, Habeck oder von der Leyen zu finanzieren.

    Zur Rentenversicherung sage ich abschließend ausdrücklich, daß es nicht an dem Umlageverfahren liegt, sondern am allgemeinen Unverständnis über Altersversorgung und den Raubzügen der Politiker. Die denken nämlich daß es ihr Geld sei. Die deutsche Insolvenzsicherung gibt es seit über 50 Jahren. Sie ist umlagebasiert. Der Beitrag bleibt seit Jahrzehnten stabil, obwohl es schon die ein oder andere Krise gab (z.B. AEG-Pleite oder Finanzkrise 2008) usw.
    Aber an dieser Kasse vergreifen sich auch nicht die Politiker, so wie an der Rentenkasse. Die ist nämlich davor geschützt, durch die Industrie, da gäbe es mächtig eins auf die verdammten Diebesfinger. Die Industrie kann sich gegen Kassenplünderungen wehren und die tut das auch!
    Warum wir eigentlich nicht?
    Laßt euch junge Leute nicht gegen uns Alte aufhetzen, den morgen sind wir in der Gruft und Ihr seid die Alten dann. Keine Sorge wir werden schon sterben, fest versprochen. Das Problem ist: wir wissen halt nur noch nicht wann. Übrigens machen wir sogar vorher noch unsere Arbeitsplätze frei, was bisher nicht thematisiert wurde. Mit etwas Fleiß könnt ihr es also schaffen. Mit „Work-Life-Balance“ jedoch leider nicht.
    Macht Euch lieber jetzt schon mal Gedanken, was Ihr Eurer Brut erzählen wollt, wenn die Euch später nach einem langen und stressigen Arbeitsleben, mal den Gürtel enger schnallt und den Brotkorb hoch hängt.
    Da wäre ich dann gerne Mäuschen.

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