Die jüngsten russischen Angriffe auf militärische Infrastruktur in der Ukraine und was dies noch bedeutet


In Russland wurde seit längerem über die Art und Weise der russischen Kriegsführung diskutiert. Seit dem Mai 2022 galt es, die NATO-ukrainischen Streitkräfte zu zermürben. Aber in dem Maße, in dem dies fortschritt, stieg der Einsatz des Westens. Eine stetige Eskalation setzte ein. Russlands angestrebte Ziele erfordern einen immer höheren Preis. Und es zeigt sich, dass dies auch mit einer Fehleinschätzung zu tun hat. 


Rückblick und Klarstellung

Führen wir eingangs noch einmal kurz auf, was Russland im Februar 2022 veranlasste, in der Ukraine zu intervenieren:

  1. die immer weiter fortschreitende NATO-Integration der ukrainischen Streitkräfte, sowie deren stetige Aufrüstung,
  2. die systematische Ausgrenzung, Schikanierung und Verfolgung von ethnischen Russen in der Ukraine,
  3. der immer weiter um sich greifende und faschistoide Nationalismus in der Ukraine.

Führende russische Politiker hatten zuvor seit mindestens 15 Jahren unzählige Male darauf hingewiesen, dass die Fortdauer dieser strategisch begründeten Prozesse für Russland selbst als existenzielle Gefährdung wahrgenommen und irgendwann auch nicht mehr hingenommen werden würde. Das galt insbesondere für die sogenannte NATO-Osterweiterung (1).

Konkreter Anlass für die russische Intervention war eine Mitte Februar 2022 im Anlaufen begriffene großangelegte Offensive der Kiewer Truppen gegen die beiden selbsternannten Republiken im Donbass (Donezk, Lugansk). Dieses Gebiet wird überwiegend von ethnischen Russen bewohnt und noch mehr Bürger dort sprechen russisch als ihre Muttersprache. Aufgrund der militärischen Bedrohung dieser Gebiete durch Kiew hatten sich die Republiken von der Ukraine losgesagt und sich nachfolgend mit einem Hilfeersuchen zur militärischen Unterstützung an Russland gewandt.

Dies sei nochmals all jenen ins Stammbuch geschrieben, welche unverdrossen die Mär von einem unprovozierten russischen Angriffskrieg verbreiten und jede andere Sicht pauschal als russische Propaganda abqualifizieren.

Nun währt der Ukraine-Konflikt bereits so lange wie der Erste Weltkrieg. Und es ist zu konstatieren, dass keines der offen von der russischen Führung kommunizierten strategischen Ziele erreicht wurde.

Opfer und Kosten

Die russische Ethnie und ihre Kultur wird in der Ukraine unverändert verfolgt und demontiert. Die NATO-Integration der Ukraine ist keiner militärisch-politischen Neutralität gewichen, sondern hat sich sogar noch verstärkt. Und die faschistischen Traditionen der Ukraine werden gefeiert und kultiviert. Die russische Führung musste sich selbstkritisch hinterfragen, was warum falsch gelaufen ist.

In großen Teilen der russischen Gesellschaft lässt sich seit mehreren Monaten eine wachsende Unzufriedenheit feststellen — und zwar mit der grundsätzlichen Art und Weise, wie der Krieg gegen die Kiewer Regierung und der NATO-gestützten Streitkräfte geführt wird. Es kulminiert in Forderungen, die Spezielle Militärische Operation (SMO) zu den Akten zu legen. Ein Krieg mit angezogener Handbremse würde nur die menschlichen wie materiellen Verluste auf beiden Seiten unnötig erhöhen und jenen in die Hände spielen, die auf die Verstetigung des Krieges setzen.

Anders ausgedrückt, ist durch die andauernde Involvierung Russlands in den Ukraine-Konflikt sogar eben das eingetreten, was sich die Feinde eines souveränen Russlands erhofft haben. Moskau, das bis zum Jahre 2022 seine Feinde im Sinne eines Strebens nach Zusammenarbeit und Diplomatie als „Partner“ bezeichnete, ist in den vergangenen Jahren gründlich desillusioniert worden. Der aus gutgläubigen Wünschen beruhende Selbstbetrug, „Partner“, die keine Partner sind, als solche zu behandeln, ist einer nüchternen Betrachtung dessen was ist, gewichen.

Die jahrelang angewendete Taktik, die ukrainischen Streitkräfte schrittweise aus dem Donbass zu verdrängen, dagegen den Krieg gegen das ukrainische Hinterland nur punktuell und unter Vermeidung ziviler Opfer zu führen, hat in eine strategische Falle geführt. Nicht nur, dass sich vor allem die russische Ethnie auf ukrainischem und russischen Boden seit über vier Jahren gegenseitig auslöscht, was eine Tragödie ersten Ranges darstellt. Eines der vorrangigen Ziele — eben die russische Ethnie zu schützen — ist vollständig fehlgeschlagen. Sowohl der Donbass und die Krim als auch das russische Hinterland und potenziell auch das Weißrusslands sind NATO-ukrainischen Langstreckendrohnen ausgesetzter denn je.

„Die Fortsetzung eines zermürbenden Stellungskriegs unter den gegenwärtigen Bedingungen kommt allein dem kollektiven Westen zugute. Mit ihrem kolossalen finanziellen und technologischen Potenzial ist die NATO in der Lage, das Kiewer Regime endlos mit Waffen zu versorgen und die Ukraine selbst in eine riesige Produktionsstätte für tödliche Drohnen und Raketensysteme zu verwandeln. Die Verteidigung verstreut gelegener Kraftstoff- und Energieversorgungs-, Luftabwehr- und Logistikanlagen tief im Hinterland Russlands erfordert unvergleichlich mehr Ressourcen, als der Feind für kombinierte Luftangriffe aufwendet.“ (2)

Das dies über kurz oder lang zu einer Änderung der operativen Kriegsführung Russlands führen wurde, konnte die mit dem Thema vertrauten Beobachter kaum überraschen. Legitime Anlässe bot die NATO-ukrainische Kriegsführung zuhauf.

Konkrete Auslöser

Mehrfach hatten russische Politiker davor gewarnt, dass die russischen Streitkräfte einer Eskalation der Kampfhandlungen des Gegners spiegelbildlich, jedoch in vielfach stärkerer Intensität begegnen würden.

Drei Aspekte waren es nun, die eine auffällige Änderung der Art und Weise russischer Kriegsführung bewirken würden. Seit Monaten führten die NATO-geführten Kiewer Streitkräfte systematische, groß angelegte Angriffe auf den russischen Öl- und Kraftstoffsektor durch, was im zivilen Bereich zu einer handfesten Kraftstoffknappheit auf russischem Boden führte (3). Dafür nutzten die Kiewer Truppen zügig weiterentwickelte Drohnen mit höherer Reichweite und Zerstörungskraft — was nur durch die konzertierte Unterstützung des Wertewestens möglich war. Technologien, Satellitenaufklärung, nachrichtendienstliche Aufklärung, Kommunikationssysteme, operative Steuerung, massive Lieferung von Waffensystemen oder deren Bestandteilen: Ohne all dies würde es längst keinen Bruderkrieg mehr in Osteuropa geben.

Dann forcierte Kiew den Krieg gegen die Halbinsel Krim:

„Mychajlo Fedorow, der ukrainische Verteidigungsminister, sagte [Mitte Juni], die ukrainischen Streitkräfte würden »die Krim mit Drohnen isolieren«, und fügte hinzu: »Es sieht so aus, als würde die Krim in nächster Zeit zu einer Insel werden.«“ (4)

Der ukrainische Kriegsminister setzte noch einen drauf:

„Wir haben einen logistischen Lockdown angekündigt. Für die Russen beginnt jetzt die Hölle. Die Logistik wird zerschnitten, die Krim wird isoliert.“ (5)

War sich Fedorow nicht im Klaren darüber, dass die russische Reaktion auf diese Eskalation erwartet werden musste — einfach weil diese überfällig war? Wer flüstert der ukrainischen Führung solche Abenteuer ein? Woher stammen die fatalen Fehleinschätzungen zur eigenen Stärke und der des Gegners? Werden diese absichtsvoll gefüttert? Wer trieb Selenskyj in den sogenannten 40-Tage-Plan, um Russland „zum Frieden zu zwingen“ (6)? Wie erklärt sich die Realitätsfremde der Kiewer Führung?

Die Krim wurde erwartungsgemäß nicht „mit Drohnen isoliert“. Dafür wird nun die gesamte Ukraine zunehmend vom Schwarzen Meer isoliert, wobei sie gleichzeitig strategisch wichtige Stützpunkte um Odessa herum verliert, von denen aus der Krieg gegen die Krim und andere russische Küstenregionen am Schwarzen Meer maßgeblich geführt wurde.

Im Juli begannen ukrainische Drohnen im gesamten Schwarzen Meer sowie im Asowschen Meer, Schiffe zu attackieren, die russische Seehäfen anliefen oder verließen — wohlgemerkt zivile russische Schiffe und zivile Schiffe anderer Nationen. Das war der zweite Auslöser, die Hafenanlagen von Odessa und weiteren Städten als legitimes Kriegsziel zu deklarieren. Spiegelbildlich hat Russland begonnen, alle Schiffe anzugreifen, die (zum Beispiel) den Hafen von Odessa als Umschlagplatz benutzen oder dies versuchen. Zusätzlich werden systematisch die Hafenanlagen selbst zerstört (5i, 7).

Parallel zur zwangsweisen Umwandlung der Ukraine in ein Binnenland wird Schritt für Schritt, Nacht für Nacht und inzwischen auch am helllichten Tage der militärisch-industrielle Komplex auf ukrainischem Boden angegriffen, und dazu alles, was noch benötigt wird, um Krieg zu führen: Versorgungswege, strategisch wichtige Brücken, Tankstellen, Gasstationen, Bahnanlagen und Lokomotiven. Das sind keine neuen Ziele, das Ausmaß und die Beständigkeit der Angriffe sind es dagegen sehr wohl (8).

Fazit

Die Ukraine hat die russische Reaktion geradezu herbeigebettelt. Für eine entscheidende Wende im Krieg taugte die Eskalation nie, die NATO-Ukraine ist einem strategischen Sieg über Russland ferner denn je. Und die Strategen im Westen, insbesondere die in London, waren sich erst recht darüber im Klaren, weil sie stets um die Kapazitäten der Luftabwehr der Ukraine wussten, sowohl qualitativ als auch quantitativ (9). So gesehen ergibt die eskalierte Kriegsführung auf russisches Hinterland keinen rechten Sinn.

Es sei denn, es geht primär darum, diesen Krieg am Laufen zu halten, darum, jede Friedenslösung, die den Namen auch wirklich verdient, zu hintertreiben. So betrachtet, erscheint die im ersten Augenblick irrationale Politik wie auch Kriegsstrategie der Kiewer Führung in einem anderen Licht. Sie ist eingebettet in den Informationskrieg, der gegen die Bevölkerungen der „wertewestlichen Allianz“ geführt wird und die Menschen weiter und weiter in das Konzept ewiger Kriege presst. Was — nicht zu vergessen — mit einem stetigen Verlust persönlicher Freiheit verbunden ist.

Abschließend noch ein paar wenige Gedanken zur Finanzierung der Ukraine. Es ist eben nicht die Ukraine, die vom Westen für einen angeblichen Verteidigungskrieg gegen angeblich russische Aggressoren finanziert wird. Was bei der Betrachtung des Konflikts oft untergeht, besteht in der gewichtigen Tatsache, dass die Geldströme in Richtung Kiew eine Transformation durchlaufen. Geschöpft als staatliche oder EU-Anleihen (also Schulden) ein großer, wahrscheinlich sogar der größte Teil dieser öffentlichen Gelder über die Ukraine zurück in den Westen geleitet. Wo sie schließlich auf privaten Konten die Bilanzen veredeln — zum Beispiel die von Konzernen, Banken, Vermögensverwaltern und „Weltverbesserern“. Entweder ganz legal oder/und über korrupte Netzwerke. Alles wie in der PLandemie erlebt, alles so, wie es in jedem Krieg gehandhabt wird.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) AG Friedensforschung; Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der 43. Münchner „Sicherheitskonferenz“ in deutscher Übersetzung; https://www.ag-friedensforschung.de/themen/Sicherheitskonferenz/2007-putin-dt.html; abgerufen: 04.07.2026

(2) 27.06.2026; Reporter; Sergej Marschetskj; Operation „Liquidation“: A Scenario That Will Save Russia from a Strategic Trap; https://en.topcor.ru/72375-operacija-likvidacija-scenarij-kotoryj-spaset-rossiju-ot-strategicheskoj-lovushki.html; https://de.topcor.ru/72375-operacija-likvidacija-scenarij-kotoryj-spaset-rossiju-ot-strategicheskoj-lovushki.html

(3) 10.07.2026; ARD-Tagesschau; Lilia Becker; Langes Warten an Russlands Tankstellen; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russland-krieg-ukraine-tanken-kraftstoff-100.html

(4) 30.06.2026; Merkur; Krim ruft Notstand aus: Treibstoff weg, Strom weg — und Putiin kann die Halbinsel nicht schützen; https://www.merkur.de/politik/ukraine-isoliert-halbinsel-mit-drohnen-krim-ruft-notstand-aus-zr-94371724.html

(5, 5i) 24.07.2026; ARD-Tagesschau; Droht die Rückkehr der Getreidekrise?; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/schwarzes-meer-angriffe-schiffe-100.html

(6) 25.06.2026; Welt; Ukraine startet nach eigenen Angaben 40-tägige Geheimdienstoperation; https://www.welt.de/politik/ausland/article6a3d7aa7afe845031b3ae5b8/druck-auf-russland-ukraine-startet-nach-eigenen-angaben-40-taegige-geheimdienstoperation.html

(7) 16.07.2026; Reporter; Russian military strikes on Odessa ports have disrupted Ukrainian grain exports — Reuters; https://en.topcor.ru/72814-udary-vs-rf-po-portam-v-odesse-obrushili-jeksport-ukrainskogo-zerna-reuters.html

(8) 03.07.2026; Southfront, Death By A Thousand Strikes: Russia Targets Ukraine’s War Machine; https://www.southfront.press/death-by-a-thousand-strikes/

(9) 10.08.2026; Deutsche Welle; Ukraine-Krieg: Wie Kyjiw die Flugabwehr sichern will; https://www.dw.com/de/ukraine-krieg-flugabwehr-patriot-us-abhaengigkeit-v2/a-78307835

(Titelbild) Ukraine, NATO, Flagge; Autor: Wilfried Pohnke (Pixabay); 15.04.2022; https://pixabay.com/photos/nato-ukraine-flag-solidarity-7131948/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert