Vor über anderthalb Jahren hat die neue US-Regierung den Staffelstab für den ukrainischen Stellvertreterkrieg gegen Russland abgegeben.


Und sie hat offensichtlich nicht vor, diesen wieder zu übernehmen. Was hat das für Konsequenzen? Eine der Prämissen von Trumps Politik, auch seiner Informationspolitik, scheint die zu sein, seinen Gegnern aber auch vermeintlich Verbündeten im politischen Umfeld die Konsequenzen der von jenen propagierten Konzepte aufzuzeigen, in dem man sie in die Realität überführt. Nach dem Motto „wenn ihr es nicht versteht, dann muss man es euch zeigen“. Dabei „zeigt“ er das nicht nur den betreffenden politischen Eliten sondern auch, und das ist wichtig, der Bevölkerung, die diesen Eliten folgt.


Umbau mittels Informationskrieg

Trump sorgt also dafür, die Wünsche seiner Gegnerschaft scheinbar in Erfüllung gehen zu lassen, in dem er deren Narrative offen, in gefühlt extremer Weise, umsetzt. Bis sich das Desaster am Horizont zeigt und das Projekt — also das seiner Opponenten — zum Scheitern bringt. Es ist ja nicht so, dass der Krieg gegen den Iran eine Idee Trumps gewesen wäre. Auch der Krieg gegen Russland ist ein langfristiges Projekt und keinesfalls von Trump und seinem Team ausgeheckt.

Man braucht sich nur die Berichte der Systemmedien zum Iran und Russland in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu Gemüte führen. Systemmedien, die im hybriden Krieg gegen die beiden Staaten — hier passt hybride Kriegsführung als Begriff tatsächlich — gnadenlos hetzten und die Unvermeidlichkeit des Zusammenbruchs der Staaten herbeischrieben. Freilich alles unter dem Deckmantel der Sicherung von Freiheit und Menschenrechten und dem Widerstand gegen autokratische Systeme, die jederzeit die freie Welt niederwalzen könnten.

Diese Rhetorik hat Trump schlicht und einfach auf die Spitze getrieben. Er hat sie gnadenlos überhöht und damit die Verlogenheit offensichtlich gemacht. Seine sprachlichen Ausfälle gegenüber gerade dem Iran sind nichts weiter als Überhebungen des Narrativs, das wir in vielen Jahren und unzähligen Berichten und Kommentaren auf allen Kanälen, die den Informationsraum befüllen, ertragen durften. Mit diesen Ausfällen kombiniert Trump handfeste Politik, und zwar genau jene, die von seinen Opponenten stets gefordert wurde — nun ja, eigentlich gefordert wurde, denn ein wenig anders hat man das dann doch gehandhabt.

Oft wird über das Scheitern der US-amerikanischen Interventionen in Afghanistan und Irak berichtet. Aber sind diese denn gescheitert? Warum gab es statt schneller Siege endlose Kriege? Weil man es nicht anders konnte oder doch eher, weil man es nicht anders wollte? Die Billionen US-Dollar, welche diese Kriege gefordert haben, sind nämlich nicht verbrannt, sie wurden „nur“ verschoben. Kann es sein, dass die Kriege durch Trump irgendwie ein wenig anders gehandhabt werden?

Was dies betrifft, betreibt der Autor regelmäßig eine kleine Denkübung. Er ersetzt bei Trumps Stellungnahmen zum Iran das Objekt, ersetzt den Iran durch einen anderen Adressaten. So etwas kann gelegentlich hilfreich sein, um herauszufinden, wen eine Person möglicherweise tatsächlich anspricht. Ein Beispiel: Vor Monatsfrist gab US-Finanzminister Scott Bennett die „Operation Economic Outcast“ bekannt:

„Auf Anweisung von Präsident Trump hat das US-Finanzministerium heute die »Operation Economic Outcast« eingeleitet — eine beispiellose Kampagne gegen die Islamische Republik Iran und ihre Unterstützer… Wir starten einen wirtschaftlichen Großangriff auf die weltweiten Finanzverbindungen des Iran. Unser Ziel ist es, jede wirtschaftliche Lebensader zu durchtrennen, die dieses tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran auf sich allein gestellt ist.“ (a1, 1)

Economic outcast lässt sich ins Deutsche als wirtschaftliche Ausgrenzung übersetzen. Hier lässt sich ein Machtkampf vermuten, der zu einem Umbau von Machtstrukturen führen soll. Geht es da wirklich vorrangig um die weltweiten Finanzverbindungen des Iran oder geht es vielleicht eher um die weltweiten Finanzverbindungen eines verdeckten Imperiums in der westlichen Hemisphäre, das unter vielen anderen auch Finanzverbindungen zu Akteuren im Iran unterhält?

Wer könnte ein solches Imperium vertreten? Vielleicht die Erben der Neokonservativen, der Hardliner aus der Ära von Bush und Clinton, welche die Welt neu zu ordnen gedachten und über dieses Imperium verdeckte Operationen finanzierten? Oder/und sind es die Globalisten, die ihre Absichten zur Transformation der Gesellschaften in eine undemokratische globale Regierung („Global Governance“) hinter der Verteidigung einer angeblichen Wertegemeinschaft verbargen und verbergen und dabei wahnhafte Ideen zur „Klimarettung“ und „globaler Gesundheit“ zu verkaufen suchen (2)? Allesamt tief in ein kaum kontrolliertes Finanzystem eingebunden, das zu ewiger Geldschöpfung verdammt ist?

Sicher ist: Hinter all dem steht ein knallhartes, lukratives Geschäftsmodell, über welches gewaltige Finanzsummen gehebelt, sprich geschöpft und dann per Spekulation aufgeblasen und verschoben werden. Und das können wir im Kopf behalten, wenn wir uns dem jüngsten Besuch des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj bei Donald Trump in New York zuwenden.

Wegen Umbau nicht mehr drin

Wartet die US-Administration einfach nur darauf, dass Kiew, vor allem aber die Drahtzieher westlich davon, einfach so weiter machen, bis die Friedenslösung unvermeidlich ist — eine Friedenslösung, welche Russlands Forderungen entspricht? Nein, denn es ist nicht so, dass Trump dies als sein Ziel versteht, aber es könnte sozusagen eine Art „Nebeneffekt“ sein. Russlands Erfolg im Ukraine-Krieg wird eine schwere Niederlage der Globalisten sein — und damit auch eine Schwächung von Trumps Gegnerschaft in der westlichen Hemisphäre. Denn so wie der ewige Krieg gegen den Iran ein Geschäftsmodell verbirgt, gilt das auch für den NATO-ukrainischen Krieg gegen Russland.

Öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland berichteten:

„Bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump erklärte er [Selenskyj] sich erneut zur Deeskalation bereit. Die Ukraine sei zu einer Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen bereit. »Das heißt, wir werden keine Angriffe auf Energieanlagen durchführen — auf den gesamten Energiesektor, auf alles«, sagte Selenskyj. Dafür müsse auch Russland auf solche Angriffe verzichten. Der Vorschlag werde von den USA an die russische Seite übermittelt. Allerdings hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow den Vorschlag unter Verweis auf eine angestrebte umfassende Friedensregelung zuvor bereits abgelehnt.“ (3)

Das hat Moskau mehrfach betont: Dass es keine Spielchen mehr akzeptiert, die es dem Gegner ermöglichen, seine Ressourcen aufzufrischen und seine Kampffähigkeiten wiederherzustellen. Aber Trump hat es ebenso zum Ausdruck gebracht, und dabei meinte er nicht einmal Selenskyj persönlich. Er weiß schon, für wen Selenskyj unbedingt bei ihm vorsprechen wollte.

Infolge der Ölknappheit auf dem Markt steigen die weltweiten Preise — auch für russisches Öl. Das konterkariert die Sanktionsbestrebungen der EU (4) und fordert überhaupt Trumps politische Opponenten heraus. Die Drohnenkampagne gegen russisches Hinterland hat nicht zum Erfolg sondern zu einem Bumerangeffekt geführt. Der Krieg wird nun zunehmend über die Zerschlagung der Potenziale im Hinterland geführt und diesen Krieg kann die Ukraine nicht gewinnen (5).

Bereits in der jüngeren Vergangenheit haben die Sponsoren Kiews in solchen Situation einen Waffenstillstand „empfohlen“ (6), so auch diesmal. Trump hat jedoch Selenskyj gegenüber „durch die Blume“ zum Ausdruck gebracht, dass er über den Absender der „Empfehlungen“ Bescheid weiß, nach denen Selenskyj handelt. Denn Trumps Administration achtet peinlich genau darauf, diesen Konflikt als nicht den ihren zu verkaufen. Außer Absichtserklärungen kehrte Selenskyj in den vergangenen Monaten stets mit leeren Händen zurück (7).

Was Trump, Rubio und Vance, sozusagen die großen Drei im derzeitigen außenpolitischen US-Geschäft, seit Wochen immer eindringlicher gefordert haben, ist ein Ende ukrainischer Angriffe auf russische Ölraffinerien. Noch spannender ist, dass sie diese Forderung aufstellen, ohne gleichgeartetes von Russland zu verlangen. Die stark gefährdeten Interessen mächtiger US-Konzerne wie Chevron und Exxon-Mobil beeinträchtigen allemal mehr das Klima in Washington als ein vor allem von europäischen Eliten erträumter Sieg über Russland (8 bis 11).

Und das hat einen Grund: Man ist realistisch genug einzusehen, dass Russland auf einen solchen Deal einzugehen, bereits eine längere Zeit nicht mehr bereit ist. Man hat in Russland die mit dem „Getreide-Deal“ vermittelte Lektion gut gelernt.

Vage sind auch Washingtons Antworten auf das derzeitige Drängen Selenskyjs nach einem trilateralen Treffen mit Trump und dem russischen Präsidenten. Über informelle Vernetzungen wissen auch Trump und sein Umfeld, dass Putin sich mit Selenskyj nicht zusammensetzen wird. Ganz abgesehen davon, dass Russland eine offizielle Begegnung mit ukrainischen Vertretern nicht irgendwo sondern in Moskau fordert.

Selenskyjs Begegnung in New York währte 40 Minuten, davon waren sieben Monaten für Medienvertreter vorbehalten — das machte effektiv 33 Minuten Zeit für einen Austausch. Auf die Frage nach den Gebieten, welche die Ukraine infolge einer Friedensvereinbarung aufgeben müsste, antwortete Trump nüchtern, dass man sich einigen wird, er aber keine Aussage über die Art und Weise der Einigung machen würde. Selenskyj versuchte unterdessen mehrmals, zu Wort zu kommen. Auf die Frage der US-Offiziellen nach den Angriffen auf russische Ölraffinerien, begann er zu antworten. Trump sprach jedoch weiter über die Dieselpreise in den USA. Von da an lächelte der Gast meist nur noch und nickte. Rein netto soll Selenskyj gerade einmal 40 Sekunden gesprochen haben (12).

Im Telegram-Kanal Resident hat man Einzelheiten eines vertraulichen Gesprächs zwischen Selenskyj und dem CIA-Cheff John Ratcliffe durchsickern lassen. Ratcliffe war im Monat zuvor in Moskau gewesen. Der CIA-Beamte soll am 21. September bei einem Treffen auf dem Shannon-Flughafen in Irland Selenskyj unmissverständlich zur Beendigung der Attacken auf die russische Ölindustrie aufgefordert haben (13, 14).

Hochrangige ukrainische Politiker fühlen sich längst in einer Falle gefangen, die es ihnen nicht mehr erlaubt, souveräne, bilaterale Verhandlungen mit Russland aufzunehmen. So verbleiben sie auch in der Illusion, dass Trump irgendeine geniale Lösung aus dem Hut ziehen würde, die ein Kriegsende mit weichen Aufprall für Kiew sichern würde (15). Und so kommen Ergebnisse wie diese heraus:

„Zugleich betonte Selenskyj, dass Trump ihn nicht darum gebeten habe, auf Angriffe unter anderem auf die Ölindustrie in Russland zu verzichten. Vor einigen Tagen hatte der US-Präsident steigende Dieselpreise in den USA auf ukrainische Attacken gegen russische Raffinerien zurückgeführt. Der ukrainische Präsident bekräftigte, er sei bereit zu einem trilateralen Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Trump. Er hoffe, dass die USA einen Weg finden würden, Moskau zu Verhandlungen jeglicher Art zu bewegen.“ (3i)

Das sind gar keine Ergebnisse. Man wartet auf ein Wunder, doch dieses wird nicht eintreten. Stattdessen erweist sich die reale Perspektive Tag für Tag als härter. Es ist nicht schwer zu begreifen. Wie lauteten im Jahre 2021/2022 die Forderungen Russlands bezüglich der Ukraine?

Freilich ist nun, nach über vier Jahren Krieg, einiges hinzugekommen, so die Forderung nach Anerkennung der zur Russischen Föderation beigetretenen ehemaligen ukrainischen Oblaste Lugansk, Donezk, Saporoschje und Cherson. Glaubt irgendjemand in Kiew tatsächlich ernsthaft, die Bedingungen würden sich verbessern, in dem man einen verlorenen Krieg fortsetzt?

Aber genau darum geht es: um die Fortsetzung des Krieges als solches. Denn das ist der Zweck des Geschäftsmodells (siehe Bemerkungen eingangs des Artikels).

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er — einschließlich der Primärquelle — gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) 24.08.2026; The White House; Operation Economic Outcast: Total Isolation of the Iranian Regime; https://www.whitehouse.gov/releases/2026/08/operation-economic-outcast-total-isolation-of-the-iranian-regime/

(2) United Nations Global Compact; Cristina Ritter; Governance; https://unglobalcompact.org/what-is-gc/our-work/governance; abgerufen: 24.09.2026

(3, 3i) 23.09.2026; ARD-Tagesschau; Trump und Selenskyj sprechen über begrenzte Waffenruhe; https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-selenskyj-un-100.html

(4) 22.09.2026; Reporter; Grigory Tarasenko; Russian oil is no longer asking for a diskount — now there is a fight for it.; https://en.topcor.ru/74359-rossijskaja-neft-bolshe-ne-prosit-skidku-teper-za-nee-derutsja.html

(5) 23.09.2026; Reporter; Andrey Elistratov; „Air defense breached“: Ukraine names new targets for Russian Armed Forces during strikes on Kyiv; https://en.topcor.ru/74377-pvo-prorvana-na-ukraine-nazvali-novye-celi-vs-rf-pri-udarah-po-kievu.html

(6) 14.12.2025; ARD-Tagesschau; Selenskyj nennt Kompromisse — Kreml erwartet „kaum Gutes“; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-verhandlungen-berlin-100.html

(7) 23.09.2026; Reporter; Andrey Elistratov; „Meeting with Putin and missiles“: Zelensky asks Trump to end the war in Ukraine; https://en.topcor.ru/74366-vstrecha-s-putinym-i-rakety-zelenskij-prosit-trampa-prekratit-vojnu-na-ukraine.html

(8) 12.08.2026; Kyiv Post; Vance Asked Zelensky to Avoid Key Oil Route as Ukraine Targets Russia’s Black Sea Fleet; https://www.kyivpost.com/post/82199

(9) 23.09.2026; Southfront; Ukraine Attacks U.S.-Linked Tankers As It Increasingly Challenges Trump; https://www.southfront.press/ukraine-attacks-u-s-linked-tankers-as-it-increasingly-challenges-trump/

(10) 22.09.2026; comdirekct, dpa; Rubio: Ukraine trifft Schiffe mit Öl für US-Konzerne; https://www.comdirect.de/inf/news/detail.html?CIF_Check=true&ID_NEWS=1167451112

(11) 23.09.2026; Reporter; Andrey Elistratov; „They’ll pass it on through Lavrov“: Kyiv revealed details of Trump’s meeting with Zelensky.; https://en.topcor.ru/74371-peredadut-cherez-lavrova-v-kieve-priveli-podrobnosti-vstrechi-trampa-s-zelenskim.html

(12) 23.09.2026; Reporter; „They didn’t kick him out“: A war correspondent explained what Zelensky „acquired“ after meeting with Trump.; https://en.topcor.ru/74373-ne-vygnali-voenkor-objasnil-chto-priobrel-zelenskij-posle-vstrechi-s-trampom.html

(13) 23.09.2026; Reporter; Andrey Elistrativ; Final warning: Why Zelensky met with the CIA chief has been revealed; https://en.topcor.ru/74382-poslednee-preduprezhdenie-vyjasnilos-zachem-zelenskij-vstrechalsja-s-glavoj-cru.html

(14) 21.09.2026; Reuters; Tom Balmforth, Jonathan Landay; Zelensky an US spy chief Ratcliffe met in Ireland, sources say; https://www.reuters.com/world/europe/zelenskiy-us-spy-chief-ratcliffe-meet-ireland-sources-say-2026-09-21/

(15) 23.09.2026; Reporter; Andrey Elistratov; „Subjectivity Lost“: Ukraine Takes Stock of Zelenskyy’s US Visit; https://en.topcor.ru/74379-subektnost-utrachena-ukraina-podvodit-itogi-vizita-zelenskogo-v-ssha.html

(Titelbild) Ukraine, Flagge; Autor: mi1635592 (Pixabay); 01.03.2022; https://pixabay.com/de/photos/ukraine-flagge-flagge-grunge-flagge-7035311/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert