Die gibt es — wobei zu klären ist, woran man da Erfolge festmachen kann.
Welchen Zweck verfolgt der Einsatz von Luftabwehrsystemen? Das ist nicht gleichzusetzen mit dem, was Luftabwehrsysteme praktisch tun. Natürlich bekämpfen sie angreifende Ziele in der Luft. Doch wenn es um den Zweck geht, werden die Nebelmaschinen des Informationskrieges angelassen. Dann werden Geschichten über den rein defensiven Charakter dieser Waffensysteme erzählt, und dass es darum gänge, die Zivilbevölkerung zu schützen. Zumindest beim Ukraine-Konflikt erleben wir das in Dauerschleife. Auch mit so etwas wird verführt und in den Krieg geführt. Aber reden wir über Erfolge.
Kürzlich haben neun europäische NATO-Staaten mit der Ukraine eine sogenannte Koalition zur Raketenabwehr vereinbart und dabei den defensiven Charakter des Bündnisses betont:
„[Ziel sei es,] eine gemeinsame Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen für Europa aufzubauen. […] Dies ist nicht gegen die Bevölkerung eines anderen Landes gerichtet, sondern zur Verteidigung unserer eigenen Bevölkerung.” (1)
Das ist natürlich eine ziemlich dreiste Lüge. Humanitäre Vorwände waren schon immer gut geeignet, um das Publikum im Sinne der Kriegsführung zu manipulieren. Nachfolgend konnte man erneut nach besseren und mehr Waffen rufen. Beste Beispiele dafür sind die mehr oder weniger verdeckten Aggressionen westlicher Staaten gegen Syrien und Libyen. Ehrlicher wäre es, einzuräumen, dass man den Krieg gegen Russland siegreich gestalten möchte, und im Zuge der Kriegsführung bedarf jede kriegsführende Nation selbstverständlich auch einer funktionierenden Luftabwehr.
Diese „Koalition zur Raketenabwehr“ scheint dem ersten Anschein nach mit heißer Nadel gestrickt, geboren aus der Not. Die Not wiederum ist die Wirkung, die einer Ursache entspringt. Auf die inflationär angewachsenen Angriffe NATO-ukrainischer Drohnen und Raketen auf sein Staatsgebiet hat Russland nämlich reagiert — und das mit Ansage:
„Unsere Reaktionen werden stets spiegelbildlich sein. […] Sie können symmetrisch sein, nur um ein Vielfaches stärker.“ (2)
Dazu kommt aber noch etwas grundsätzliches:
„Es herrscht Krieg. Es ist ein echter Krieg. Wissen Sie, warum es jetzt ein echter Krieg ist? Ursprünglich war es noch eine militärische Sonderoperation. Und sie geht als Krieg weiter, weil hinter Kiew sowohl Berlin als auch Paris, Den Haag und Oslo stehen — leider auch Washington —, denn diese helfen ihnen, mithilfe ihrer Satelliten Ziele anzuvisieren, und sie helfen ihnen, ausländische Waffen über deren gesamte Infrastruktur auf ihre Ziele zu richten.“ (3)
Die von europäischen NATO-Staaten ins Leben gerufene „Koalition zur Raketenabwehr“ ist nämlich gar kein spontan aufgelegtes Projekt. Unter anderem das hat Russlands Führung inzwischen verinnerlicht und in seine Kriegsführung eingepreist, erst recht nach den immer mehr um sich greifenden ukrainischen Angriffen auf russische Tanker- und Frachtschiffe (4). Somit ist nun der Hafen von Odessa als Umschlagplatz für militärische Güter zu einem prominenten, dauerhaften Ziel russischer Drohnen und Raketen geworden (5). Es erinnert den Autor an folgende, zwei Monate zuvor formulierte Erkenntnis:
„Wie aber sähe es aus, wenn Russland eine symmetrische Antwort geben würde? Eine Antwort, die sich auf die kritische, vor allem die militärische Infrastruktur der Ukraine dramatisch auswirken könnte? Die Antwort ist simpel und sie liegt im Hafen von Odessa. Dieser Hafen wird als Hub für Waffen und Munition zwar seit Jahren gezielt von russischen Drohnen und Raketen angegriffen, das aber eben gezielt, punktuell.
Der Hafen als Ganzes musste nie außer Betrieb genommen werden, und der Grund dafür liegt nicht etwa darin, dass die ukrainische Luftabwehr so wirksam operieren würde. Er liegt vielmehr darin, dass Russland nicht auf totale Zerstörung aus ist, eben keinen totalen Krieg führt und tatsächlich versucht, die Zivilbevölkerung, die ja zu großen Teilen auch russischer Ethnie ist, so weit es geht, zu schonen.
Aber Russland ist sehr wohl in der Lage, die Situation des Hafens von Odessa als militärischen Umschlagplatz und militärisches Operations- und Angriffszentrum grundlegend zu ändern. Was selbstverständlich einen gewichtigen Einfluss auf das zivile Leben hätte. Nur scheint sich immer mehr herauszuschälen, dass die Führung des Krieges in Form einer „Speziellen Militärischen Operation“ (SMO) so nicht mehr plausibel ist.“
Der Fokus im nachfolgenden Kommentar sollte auf „kostet“ gelegt werden, denn genau dort liegt der Schlüssel, warum unbedingt neue Patriot-Systeme und Raketen in die Ukraine „müssen“:
„Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die ‚Patriot‘-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen.“ (6)
Diese alarmistische Botschaft lieferte der Kiewer Regierungschef Wolodymyr Selenskyj am 6. Juli. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen tat es ihm gleich:
„Die Ukraine braucht dringend mehr Luftverteidigung.“ (6i)
Noch interessanter ist das, aber das wird es nicht geben — die Auflösung erfolgt später:
„In der Folge dringt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf eine eigene Produktionsstätte für ‚Patriot‘-Flugabwehrraketen. Um wirklich Leben schützen zu können, brauche die Ukraine eine eigene Produktion, sagte Selenskyj in einer abendlichen Videobotschaft. Er sprach von einer europäischen Produktion in der Ukraine oder mit Partnern gemeinsam und stellte den USA in diesem Fall auch Unterstützung bei Einsätzen in Aussicht.“ (7)
Eine Binsenweisheit in auf Profit ausgelegten Gesellschaften lautet: Die Kosten der Einen sind die Gewinne der Anderen. Es ist also ein Nullsummenspiel. Wobei dieses Nullsummenspiel natürlich kein Naturgesetz abbildet.
Auf der operativen Ebene des Ukraine-Konflikts geht es nicht darum, „Leben zu schützen“, weshalb man mehr vom immer Gleichen benötigte. Nein, das Problem des NATO-ukrainischen Krieges liegt darin, dass das Rückgrat der ukrainischen Rüstungsindustrie und der dazu erforderlichen Logistik — ihr Schwerpunkt befindet sich im Großraum Kiew — verwundbar wie nie zuvor in diesem Konflikt ist. Ohne Nachschub, ohne kontinuierliche Versorgung der Streitkräfte verliert man mittel- und langfristig jeden Krieg. Doch bereits jetzt ist die gesamte strategische Umsetzung dieses Krieges — eine der stetigen Eskalation und Zermürbung des bekriegten Landes — ernsthaft in Frage gestellt. Weil man dazu eben auch die Ressourcen und eine funktionierende Logistik benötigt.
So gesehen klingen die Rufe des ukrainischen Präsidenten nach Patriot-Raketen ziemlich hilflos — vielleicht aber auch kalkuliert? Für wen spricht Selenskyj: für seine Bevölkerung? Wohl kaum. Für wen ist es gut, wenn die Ukraine, gemeinsam mit westeuropäischen Rüstungskonzernen ein Patriot-Äquivalent entwickelt — und für wen ist das nicht gut? Derzeit ist der ukrainische Rüstungskonzern Fire Point in aller Munde. Westliche Systemmedien erzählen uns dazu diese Tellerwäschergeschichte:
„Zu Beginn des umfassenden Krieges im Februar 2022 war das Unternehmen, aus dem später Fire Point hervorging, laut Registrierungsunterlagen der ukrainischen Regierung eine Casting-Agentur für Film- und Fernsehproduktionen. Der rechtlich eingetragene Eigentümer, Yehor Skalyha, ist Geschäftsführer eines anderen Unternehmens, At Point, das Drehorte ausfindig macht. Die technische Leiterin von Fire Point, Iryna Terekh, leitete zuvor ein Unternehmen, das Gartenmöbel aus Beton herstellte.“ (a1, 8)
Das zu glauben, erscheint mir unreflektiert oder schlicht naiv. Denn drei Jahre später buchte das „innovative Start-up“ ein Auftragsvolumen von einer Milliarde US-Dollar und stellte Triebwerke, Navigationssysteme und Verbundwerkstoffe, dazu Drohnen und Marschflugkörper her. Darüber hinaus existieren enge Kooperationen mit NATO-Staaten (9, 10). Fire Point ist also ein langfristiges, aufwändig ins Leben gerufene Projekt, eine sorgfältig geplante Erfolgsgeschichte. Was jedoch hat Fire Point mit den Patriot-Luftabwehrsystemen zu tun?
„Im Juni dieses Jahres unterzeichnete das ukrainische Unternehmen Fire Point […] eine Absichtserklärung mit dem deutschen Rüstungskonzern Hensoldt zur Entwicklung eines neuen Systems [namens Freyja]. Weniger als einen Monat später kündigte Selenskyj an, dass das Luftabwehrsystem in naher Zukunft einsatzbereit sein könnte.“ (11, 12)
Welche Erfolgsaussichten hat das Projekt Freyja? Es hat gute Erfolgsaussichten, aber die Frage muss folgen, auf welcher Ebene diese Erfolge generiert werden. Freyja scheint viel mehr ein westliches Projekt zu sein und Fire Point dessen ukrainisches Feigenblatt. Gleichzeitig sieht es danach aus, dass Freyja ein Konkurrenzprodukt zu den Patriot-Systemen abbildet. Weiter gedacht könnte es auch als Feigenblatt für ein schon seit Jahren vorangetriebenes Projekt herhalten. Gemeint ist das Luftverteidigungssystem SAMP/T NG des französischen Rüstungskonzerns MBDA, mit weiteren Standorten in Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien (13). Die größten Anteilseigner von MBDA sind Airbus (früher EADS), BAE Systems und Leonardo (14). Dieses System scheint dem Patriot-System in seinen technischen Fähigkeiten bereits jetzt überlegen und soll, so sagen es jedenfalls westliche Quellen, bereits erfolgreich in der Ukraine eingesetzt worden sein. Allerdings ist es bis heute nicht annähernd in ausreichender Zahl verfügbar, weder bei den Plattformen noch bei den Raketen (15).
Wie dem auch sei, generiert der über die Ukraine gegen Russland geführte Krieg für den militärisch-industriellen Komplex Aufträge ohne Ende. Wie das alles finanziert wird, ist kein Geheimnis. Die NATO-Staaten geben Anleihen in Rekordhöhe aus, nehmen also verstärkt neue Schulden auf. Die technologische Umsetzung bis hin zu einer großangelegten Serienproduktion steht dagegen auf einem anderen Blatt. Unabhängig davon, dass Westeuropas Rüstungsschmieden angesichts der durch die Kriegshysterie prall gefüllten Auftragsbücher frohgemut in eine kriegerische Zukunft blicken, gibt es gute Gründe, warum im NATO-Europa nach Alternativen für die Patriot-Systeme Ausschau gehalten wird. Dafür lohnt es sich, in die Vergangenheit zu blicken.
Nach einem Angriff Ende Mai 2025 erklärte ein Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, dass durch die Weiterentwicklung der russischen ballistischen Raketen, „die Patriot-Systeme immer schlechter darin sind, sie abzuschießen“. So würden die Iskander-M-Raketen Radarfallen abschießen und bereits auf ihrer ballistischen Flugbahn mehrfach Manöver durchführen, was die Berechnung des Einschlagortes komplizierter machen würde. Zudem würden diese auch noch in der letzten Phase manövrieren, was ein Abfangen praktisch unmöglich machte (16).
Westliche Medien berichteten damals tatsächlich von 400 Raketen und Drohnen, darunter neun ballistischen Raketen. Keine der Raketen konnte abgefangen werden, ein Patriot-Luftabwehrsystem im Wert von einer Milliarde US-Dollar wurde komplett zerstört. Das war beileibe nicht der erste Totalverlust (17). Ein Jahr zuvor waren im Februar und März zwei Patriot-Systeme von Iskander-Raketen zerstört worden, im Juli traf es zwei weitere Plattformen und im Folgemonat sogar drei. Zusammen mit den im Mai 2025 zerstörten Systemen macht das wahrscheinlich die Hälfte von wohl 20 Patriot-Systemen aus, die in die Ukraine entsandt worden waren (18). Von Beginn an waren diese Waffensysteme das erklärte Ziel der russischen Streitkräfte gewesen.
Die erzählte Erfolgsgeschichte der Patriot-Systeme ist genau das: eine Erzählung. Eine Erzählung, bei der es darum geht, den Erfolg der Patriots auf dem Gefechtsfeld (scheinbar) zu dokumentieren. Denn die Wirksamkeit der Patriots war seit derem erstmaligen Einsatz im Irak-Krieg von 1992 wiederholt als fragwürdig einzuschätzen. Im ersten Irak-Krieg waren fast die Hälfte der 158 abgeschossenen Patriot-Raketen fehlgeleitet, trafen also falsche Ziele (19). Theodore Postol, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrt und als Experte für Raketentechnologien gilt, hob bereits in den 1990er-Jahren hervor:
„Die Abfangrate der Patriot während des Golfkriegs war sehr niedrig. Die Beweise aus diesen vorläufigen Studien deuten darauf hin, dass die Abfangrate von Patriot weit unter 10 Prozent, möglicherweise sogar bei Null liegen könnte.“ (20)
Das Patriot-System wurde kontinuierlich weiterentwickelt, einschließlich Radar und Raketen, und konnte trotzdem im harten Einsatz bei Konflikten nie vollständig überzeugen. Auch im nächsten Irak-Krieg, ein Jahrzehnt nach dem ersten, zielten Patriots „erfolgreich“ auf „die Falschen“ (21). Und im Dienste Saudi-Arabiens war das wohlgemerkt modernisierte System nicht zuverlässig in der Lage, Angriffe aus dem Jemen abzuwehren (22).
In den Kriegen gegen Russland und den Iran ist ein zusätzliches Problem aufgetaucht, was schwerwiegende mittelfristige Folgen hat.
Das Patriot-System ist sündhaft teuer, was die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis aufwirft. Die älteren PAC-2-Raketen kosten pro Stück etwa zwei Millionen US-Dollar, die moderneren PAC-3-Raketen schlagen mit jeweils 4,1 Millionen US-Dollar zu Buche. Von den Raketen neueren Typs verfügte die US-Armee im Jahre 2022 über 1.600 Stück. Für 2023 war der Kauf von 252 Raketen zum Gesamtpreis von über einer Milliarde US-Dollar geplant. Das sind doch sehr überschaubare Zahlen, welche den Einsatzplanern und Analysten bereits 2022 die Sorgenfalten ins Gesicht trieben:
„Die hohen Kosten pro Rakete und die relativ geringe Anzahl an Raketen in einer Batterie bedeuten, dass die Patriot-Bediener nicht auf jedes Ziel feuern können. Hochwertige russische Flugzeuge und ballistische Raketen wären geeignete Ziele. Der Einsatz von 4-Millionen-Dollar-Raketen gegen russische Marschflugkörper im Wert von 250.000 Dollar könnte gerechtfertigt sein, wenn diese Raketen sensible Ziele treffen würden. Der Einsatz einer 4-Millionen-Dollar-Rakete gegen eine iranische Shahed-136-Drohne im Wert von 50.000 Dollar wäre dies wahrscheinlich nicht. Selbst bei restriktiven Einsatzregeln müssen Patriot-Einsätze sorgfältig abwägen, auf welche Ziele sie feuern. Sollte Russland große Raketensalven auf das verteidigte Gebiet abfeuern, könnten der Patriot-Batterie schnell die Abfangraketen ausgehen.“ (23)
Diese Sorgen haben sich voll und ganz als berechtigt erwiesen. Zu den hohen Stückpreisen stellt sich als weiterer Schwachpunkt des Patriot-Systems der notorische Mangel an Munition, die dafür benötigt wird, heraus. Die Produktionsrate für die Patriots liegt bei 650 Raketen (PAC-3) pro Jahr (24). Damit lässt sich der Verbrauch durch die Einsätze im Nahen Osten und in der Ukraine nicht kurzfristig, ja nicht einmal mittelfristig ersetzen. Denn schließlich werden neue Systeme buchstäblich und umgehend an die Front geworfen.
Nun befinden wir uns im Juli 2026. Die beschriebenen Herausforderungen und kaum lösbaren Probleme für das Patriot-Raketenabwehrsystem sind geblieben, ja, haben sich sogar verschärft. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.
„Während der aktiven Phase dieses Konflikts sanken die gesamten Patriot-Bestände von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Israel laut Analysten von »Defence Ukraine« um etwa 86 Prozent. Allein in den ersten 16 Tagen der Operation feuerten die US-Streitkräfte mehr als 400 Abfangraketen ab. Anderen Schätzungen zufolge haben die Golfstaaten innerhalb weniger Monate insgesamt über 1.100 Raketen verschossen — fast ein Drittel der weltweiten Bestände.“ (25)
Dabei ist das Problem noch immer nicht vollständig beschrieben. Dass ballistische Raketen und Marschflugkörper Russlands von der ukrainischen Luftabwehr praktisch überhaupt nicht mehr getroffen wurden, hat eben noch den Grund, dass die Systeme selbst systematisch ausgeschaltet wurden und werden. Die Systeme versagen nicht nur zunehmend bei ihrer Aufgabe, sondern verbrauchen enorme Mengen an teurer Munition, um dann auch noch zerstört zu werden (26). Gar nicht zu reden von den Kollateralschäden, welche durch Flugabwehrraketen verursacht werden können, wenn man sie über dichtbesiedelter ziviler Infrastruktur einsetzt.
Wir haben da also etwas, das sündhaft teuer, nicht in ausreichender Menge verfügbar, uneffektiv und angreifbar ist. Ein System, das seinen vorgegebenen Zweck, der vor allem in der zuverlässigen Abwehr ballistischer Raketen besteht, verfehlt. Das wissen auch die Entscheider bei der NATO, gleich denen in Kiew. Auch im Büro des ukrainischen Präsidenten ist es wohlbekannt. Da können die „Außendienstmitarbeiter“ von Raytheon, dem US-amerikanischen Hersteller der Patriots, noch so auf Achse sein, doch die Defizite der Patriot-Luftabwehrsysteme haben die großen militärischen Konflikte der Gegenwart unbarmherzig offengelegt. Vielleicht sind wir aber bei diesen Überlegungen auf dem Holzweg und die „Außendienstmitarbeiter“ kümmert diese Realität gar nicht.
Wie heißt es doch im Titel dieser Abhandlung: Geschichten über die Erfolge von Patriot-Luftabwehrsystemen. Und tatsächlich sehen diese Erfolge so aus (b1):
Wer waren noch gleich die größten institutionellen Anleger bei Raytheon? Es sind BlackRock (7,4 Prozent), Vanguard (8,9 Prozent) und State Street (8,5 Prozent) (27). Wie ehrlich ist Wolodymyr Selenskyj? Hat er seine Seele an den Teufel verkauft?
„Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die ‚Patriot‘-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen.“ (6ii)
So sagt Selenskyj, aber sein Appell ist beauftragt. Erinnert sich der geneigte Leser noch, wer im Dezember 2025 zu Besuch bei Wolodymyr Selenskyj weilte? Genau, es war Larry Fink, der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock (28). Die vielen Investitionen, mit denen Fink den ukrainischen Präsidenten lockte, hatten sicher ihren Preis. Vergessen wir nicht, dass auch der amtierende Deutsche Bundeskanzler ein BlackRock-„Außendienstmitarbeiter“ ist. Was lässt sich daraus schlussfolgern?
Die Erzählung vom ukrainischen Abwehrkampf gegen den russischen Aggressor ist genauso fiktiv wie die Erfolge der Patriot-Systeme bei der Luftabwehr. Real ist der NATO-ukrainische Krieg gegen Russland und ebenso real sind die Gewinne des militärisch-industriellen Komplexes — in den USA, in den NATO-Staaten und in der Ukraine. Die Gewinne ihrerseits werden über den politischen Einfluss der Investoren abgesichert. Für diese Leute könnte der Krieg noch ewig andauern. Aber das Geschäftsmodell erscheint zunehmend fragil, denn in Bälde könnten Abschreibungen fällig werden.
Nun trat Selenskyj mit dem Vorschlag hervor, Patriot-Raketen selbst in Lizenz zu bauen, in der Ukraine. Er weiß, dass das nicht funktionieren kann. Er weiß, dass er nur als Strohmann, als Lobbyist für Raytheon und BlackRock auftritt, damit die Produktion der PAC-3-Raketen in den NATO-Staaten — die sich noch sicher vor russischen Luftangriffen wähnen — hochgefahren werden kann. Dazu passen Bestrebungen, den Marschflugkörper FP-5 Flamingo von Fire Point (siehe weiter oben) in Deutschland zu produzieren (29). All das nur aus dem Grund, die Farce weiter zu leben, dass die NATO lediglich die Ukraine unterstützen würde, aber kein direkter Kriegsteilnehmer sei. Was die PAC-3-Produktion betrifft, könnte Raytheon das gefallen. Konterkariert es doch die Emanzipationsbestrebungen der europäischen Rüstungsindustrie, eigene Luftabwehrsysteme weiterzuentwickeln und vor allem in größerer Stückzahl herzustellen.
Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.
Anmerkungen und Quellen
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.
(a1) Die Übersetzungen erfolgten unter Zuhilfenahme von DeepL.com.
(1) 13.07.2026; ARD-Tagesschau; Europäer schmieden Bündnis für Raketenabwehr; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-buendnisraketenabwehr-europa-100.html
(2) 14.07.2026; RT deutsch; Putin über ukrainische Angriffe: „Unsere Reaktion ist stets symmetrisch — nur um ein Vielfaches stärker“; https://freedert.online/kurzclips/video/285823-putin-ueber-ukrainische-angriffe-unsere/
(3) 06.07.2026; RT deutsch; Peskow: Dank des Westens ist die Sonderoperation nun ein echter Krieg; https://freedert.online/kurzclips/video/285176-peskow-dank-westens-ist-sonderoperation-nun-echter-krieg/
(4) 14.07.2026; ARD-Tagesschau; Ukraine greift Ölproduktion an, Russland ein Schiff; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/angriffe-ukraine-russland-104.html
(5) 15.07.2026; Reporter; Russian Armed Forces are carrying out a massive attack on ships off the coast of Odessa; https://en.topcor.ru/72784-vs-rf-massovo-atakujut-suda-u-beregov-odessy.html
(6 bis 6ii) 06.07.2026; ARD-Tagesschau; Mehrere Tote nach Angriffen auf die Ukraine; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-russland-angriffe-176.html
(7) 02.07.2026; ARD-Tagesschau; Selenskyj fordert eigene Produktion von „Patriot“-Raketen; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-patriot-104.html
(8) 26.10.2025; New York Times; Andrew E. Kramer; 3 Years Ago It Was a Casting Agency. Now It Has $1 Billion in Drone Contracts.; https://www.nytimes.com/2025/10/26/world/europe/ukraine-fire-point-drones-flamingo.html
(9) FPRT; about; https://www.fprt.dk/en/about; abgerufen: 15.07.2026
(10) 02.12.2025; ARD-Tagesschau; Ukraine baut Rüstungsfabrik in Dänemark; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/ukraine-ruestungsfirma-daenemark-100.html
(11) 10.07.2026; Top War; Wladimir Lietkin; Zelenskyy announced the timeframe for the appearance of a Ukrainian analogue of the American Patriot air defense system.; https://en.topwar.ru/286002-zelenskij-nazval-sroki-pojavlenija-ukrainskogo-analoga-amerikanskogo-zrk-patriot.html
(12) 17.06.2026; militär aktuell; Christian Bendl; Hensoldt und Fire Points Partnerschaft für Raketenabwehrsystem Freyja; https://militaeraktuell.at/hensoldt-fire-point-raketenabwehrsystem-freyja/
(13) 14.07.2026; Halbangst; SAMP/T: Europas mobiler Schutzschild gegen moderne Bedrohungen aus der Luft; https://halbangst.de/2026/07/14/samp-t-europas-mobiler-schutzschild-gegen-moderne-bedrohungen-aus-der-luft/
(14) MBDA; Shareholders; https://web.archive.org/web/20120814181646/http://www.mbda-systems.com/about-mbda/shareholders/; abgerufen: 15.07.2026
(15) 02.01.2026; Norsk Luftvern; Europe’s long-range air defense decision: SAMP/T NG versus Next-Generation Patriot; https://norskluftvern.com/2026/01/02/europes-long-range-air-defense-decision-samp-t-ng-versus-next-generation-patriot/
(16) 24.05.2025; strana.ua; РФ улучшила свои баллистические ракеты, поэтому Patriot стали хуже их сбивать — Игнат;
https://strana.news/news/485500–rossija-modernizirovala-svoi-rakety-chto-uslozhnilo-rabotu-dlja-pvo.html
(17) 26.05.2026; The Washington Post; Siobhán O’Grady, Serhiy Morgeunov, Isobel Koshiw; Trump considers sanctions after Russian air raids, calls Putin ‘crazy’; https://www.washingtonpost.com/world/2025/05/25/ukraine-war-russia-missile-drone-attack/
(18) 27.05.2025; Military Watch Magazine; Ukrainian Air Force Highlights Patriot System’s Combat Limitations: U.S.-Supplied Air Defences’ Effectiveness in Question; https://militarywatchmagazine.com/article/patriot-effectiveness-questioned-ukrainian-air-force
(19) 07.04.1992; DTIC; Steven A. Hildreth; Evaluation of U.S. Army Assessment of Patriot Antitactical Missile Effectiveness in the War Against Iraq; https://apps.dtic.mil/sti/citations/ADA344634; https://apps.dtic.mil/sti/pdfs/ADA344634.pdf
(20) 27.05.2025; Military Watch Magazine; American Missile Defenses‘ Repeated Combat Failures; Implications for East Asia and the Middle East — Part Two; https://militarywatchmagazine.com/article/american-missile-defenses-repeated-combat-failures-implications-for-east-asia-and-the-middle-east-part-two
(21) 16.02.2025; SOFREP; Guy D. McCarole; Aviation History: The 2003 Patriot Missile Friendly Fire Incident That Downed a US Navy F/A-18 in Iraq; https://sofrep.com/military-history/aviation-history-the-2003-patriot-missile-friendly-fire-incident-that-downed-a-us-navy-f-a-18-in-iraq/; Artikel hinter Werbeschranke
(22) 22.09.2019; Global Research; Michel Chossudovsky; The Attack on Saudi Arabia’s Oil Facility. The Patriot Air Defence System Failed. Why?; https://www.globalresearch.ca/the-attack-on-saudi-arabias-oil-facility-the-patriot-air-defence-system-failed-why/5689779
(23) 16.12.2022; CSIS; Mark F. Cancian, Tom Karako; Patriot to Ukraine: What Does It Mean?; https://www.csis.org/analysis/patriot-ukraine-what-does-it-mean#new_tab
(24) 25.05.2025; The Economist; Russia is raining hellfire on Ukraine; https://www.economist.com/europe/2025/05/25/russia-is-raining-hellfire-on-ukraine
(25) 09.07.2026; Southfront; Ukraine’s Unfixable Missile Defense Problem; https://www.southfront.press/ukraines-unfixable-missile-defense-problem/
(26) 28.05.2025; Moon of Alabama; U.S.-Supplied Air Defense Fail In Ukraine; https://www.moonofalabama.org/2025/05/us-supplied-air-defences-fail-in-ukraine.html
(27) boerse.de; Raytheon Technologies Aktie; https://www.boerse.de/unternehmensprofil/Raytheon-Technologies-Aktie/US75513E1010#aktionaersstruktur; abgerufen: 15.07.2026
(28) jouwatch; BlackRock am Ukraine-Verhandlungstisch: Die Kriegsprofiteure kommen aus der Deckung; https://journalistenwatch.com/2025/12/13/blackrock-am-ukraine-verhandlungstisch-die-kriegsprofiteure-kommen-aus-der-deckung/
(29) 14.06.2026; Monrose Aktuell; Fire Point und Diehl planen Flamingo-Produktion in Deutschland; https://monrose.de/2026/06/14/fire-point-und-diehl-planen-moegliche-flamingo-produktion-in-deutschland/
(b1) finanzen.net; Raytheon Technologies Aktie Chart; https://www.finanzen.net/aktien/raytheon_technologies-aktie; Bildschirmausschnitt; abgerufen: 15.07.2026
(Titelbild) Patriot, Raketenabwehrsystem bei Übungen in Polen; 21.03.2015; US-Army; dvids; Autor: Randall Jackson; https://www.dvidshub.net/image/1828812/usareur-soldiers-train-with-polish-partners; Lizenz: Public Domain
