AfD mit Ansage und die Veränderung des Sagbaren


Der Konservatismus und Rechtsextremismus erleben eine Interpretation im Wandel der Zeiten — mit dem Blick durch das Overton-Fenster. Das Overton-Fenster hat etwas mit den Grenzen des Sagbaren, ja sogar Denkbaren zu tun. Es ist ein Instrument, um Dinge für die Konsumenten in eine veränderte Wahrnehmung zu überführen. Und wer den öffentlichen Informationsraum beherrscht, kann auch die Grenzen des Overton-Fensters verschieben.


Das Overton-Fenster modelliert die Struktur eines Systems von Gut und Böse, des Gewünschten und des Verbotenen, des Lichts und des Dunkels. Was im Dunkel, außerhalb der Rahmen des Fensters liegt, möge uns abschrecken, nur das im Licht ist akzeptabel und mehr noch gewünscht. Das gewissermaßen Diabolische in der politischen Verwendung des Overton-Fensters findet sich in seiner Eigenschaft der Verschiebbarkeit. Einer sanften, geradezu unmerklichen Verschiebung, welche Unsagbares plötzlich denkbar und schließlich sagbar macht. So wie es umgekehrt traditionell akzeptiertes und damit Denk- wie Sagbares in etwas mehr oder weniger Verbotenes überführt.

Damit wird deutlich, dass das Overton-Fenster nicht nur ein politisches, sondern auch und vor allem ein psychologisches Prinzip darstellt — ein Prinzip der Manipulation. Das Overton-Fenster und dessen Eigenschaften beschreiben ein psychologisches, ein moralisch aufgeladenes Prinzip zur Durchsetzung politischer Ziele. Dabei wird dem damit konfrontierten Objekt selten klar, dass viele politische Entscheidungen nicht infolge einer moralisch wertenden Diskussion getroffen wurden. Nein, der Diskurs wurde überhaupt erst ins Leben gerufen, um die von Beginn an gewollte Entscheidung akzeptabel werden zu lassen (1).

Damit kommen wir zur AfD. Im Jahre 2007 warnten hohe CDU-Politiker:

„Es könnte eine Situation eintreten, in der jemand eine rechtskonservative und wirtschaftsliberale Partei gründet, die jene anspricht, die sich von der CDU nicht mehr vertreten fühlen.“ (2)

Fast genau sechs Jahre später war es dann so weit. Aber der Name der Partei geht unter anderem auf eine Episode im Jahre 2010 zurück. Damals hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel einem ersten „Rettungspaket“ für Griechenland zugestimmt und ihre Entscheidung als alternativlos gerechtfertigt (3, 4).

Die Merkel-Regierung war damals in ihrem Kurs Stück für Stück in Richtung der globalistischen Agenda umgeschwenkt. Diese neue Richtung ging weg von souveränen Nationalstaaten, hin zu supranationalen Gebilden, die von technokratischen, nicht dem Wählerwillen unterworfenen Institutionen abhängig sind. Egal, welche Parteien später mit der Regierungsbildung „beauftragt“ waren, blieb dieser Kurs bis heute unverändert. Und das also parteienübergreifend — mit Ausnahme der AfD.

Die AfD wird deshalb als rechtsextremistisch verteufelt, weil sie den Kurs der gleichgeschalteten, etablierten Parteien nicht mitträgt, der auf die globalistische Agenda setzt. Das Overton-Fenster ist so klein geworden, dass eine Abweichung von dieser Agenda nicht hingenommen wird. Das und einzig das ist der Grund für die Ausgrenzungsstrategie der praktisch Herrschenden über die AfD. Der propagierte Rechtsextremismus dieser Tage galt vor zwei Jahrzehnten noch als rechtskonservativ und wirtschaftsliberal (siehe Zitat ganz oben).

Die AfD ist zu einem ernsthaftes Hindernis bei der praktischen Umsetzung eines moralisch aufgeladenen, „regelbasierten“, totalitären und grenzenlosen Superstaates, der auf komplette Überwachung und Kontrolle setzt, geworden.

Die AfD kann somit durchaus als die „alte CDU“ begriffen werden, als eine erzkapitalistische Unternehmerpartei. Gleichzeitig ist sie derzeit das sozusagen kleinere Übel im Vergleich zu dem wahnhafte Konzepte vertretenden konformistischen Rarteiensumpf aus CDU/CSU, SPD, FDP, Bündnis90/Die Grünen und DieLinke. Im Informationsraum, dem Overton-Fenster, wurde aus der altbekannten traditionellen und allgemein akzeptierten Programmatik der früheren CDU durch die Verschiebung ein moralisch unakzeptabler angeblicher Rechtsextremismus in den Farben der AfD.

All das begann bereits vor Jahrzehnten. Woran wir erkennen: Großangelegte Agenden benötigen einen langen Vorlauf. Achtsame Zeitgenossen können diesen Vorlauf erkennen und gegensteuern. In Bezug auf diesen Kurzartikel können wir auf eine spannende Frage stoßen: Wer hat warum ein Interesse daran gehabt, in der oben beschriebenen Art und Weise am Overton-Fenster herumzuwerkeln, und was sind seine Motive?

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(1) 18.11.2025; ISGATEC; Evert Smit; Was ist das „Overton-Fenster“ – und warum müssen wir es verschieben?; https://www.isgatec.com/artikel/was-ist-das-overton-fenster-und-warum-mussen-wir-es-verschieben/41054

(2) 12.02.2007; Welt, Spiegel; Friedrich Merz‘ Vater verlässt die CDU im Groll; https://www.welt.de/politik/article698654/Parteien-Friedrich-Merz-Vater-verlaesst-die-CDU-im-Groll.html

(3) AfD, Landesverband Sachsen; Kleine Parteigeschichte der AfD; https://afdsachsen.de/kleine-parteigeschichte-der-afd/; abgerufen: 17.03.2026

(4) 19.05.2021; ARD-Tagesschau; David Rose; So viel Geld floss nach Griechenland; https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/rettungspakete-101.html

(Titelbild) Lupe, Fenster, Licht; Autor: Gerd Altmann (Pixabay); 02.03.2016; https://pixabay.com/de/illustrations/fenster-hand-lupe-suchen-kontrolle-1231893/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

2 Kommentare zu „Peds Gedankensplitter (8)“
  1. Wohin die Reise geht. Wer sich umschaut und feststellt, dass „rechte“ „Alternativseiten“ wie Tichy, Achgut, Apollo, Ansage, Nius, Wallasch, … den Zionismus und das Primat Israels verteidigen und die Renaissance der Kernkraft bewerben (was Letzteres weider nur im Interesse der Profiteure in der Finanzoligarchie liegt). Aktuell ist zB auf der Seite von Vera Lengsfeld eine Aufforderung an Deutschland/EU sich am Krieg von USreal gegen den Iran (China/Russland) zu beteiligen. Begründung: die „Verteidigung“ der See- und Handelswege und niedere Energiepreise.

    Ganz klar: die „Rechten“ Positionieren sich als „Verteidiger des Abendlandes“ (mit Israel-Unterstützung als oberste Pflicht) gegen den „Osten“, gegen die BRICS-Staaten, gegen den „globalen Süden“.

    Die Situation ist nach meinem Eindruck so:
    die Abschaltung der Kernkraft war damals ein Betriebsunfall, wahrscheinlich der Einhegung und dem Einspannen der „Grünen“ geschuldet. Das muss rückabgewickelt werden, in dn Augen der Profiteure. Zwar wird mit der CO2-Bepreisung auch viel Profit gemacht, aber Kernkraft UND CO2-Bepreisung ergibt noch viel mehr Profit.
    Die freizügige Migrationsförderung hat ihren Zenit der Profiterzeugung und Politnützlichkeit überschritten und wird nun heruntergefahren, andere „linke“ Ideen wie die der Ausgrenzung unliebsamer Meinungen und Aussonderung von „Störern“ konnte nur in einem „linken“ Umfedld eingeführt werden (sowie Hartz4, Riester, „bester Niedriglohnsektor in Europa“ nie unter der cDU sondern nur unter der sPD durchsetzbar und möglich war).

    Ausgrenzung, Delegitimierung von kritischen Stimmen, Aussonderung von „Störern“ (wie Jaques Baud, Hüseyin Dogru, …) kann nahtlos in das „rechte“ Wirlichkeitskonstrukt überführt werden.

    Ja, und die Globalisierung stößt an ihre Grenzen, nämlich China, Russland, Iran, BRICS, erwachendes Afrika.

    Wir lassen uns gerne täuschen, aber die Umwertung heutiger (falscher, „linker“) Werte zu zukünftigen (falschen, „rechten“) Werten wird nicht durch Vernunft oder dem Druck des Demos bestimmt sondern einzig und alleine weil die Herrscher genau das geplant haben und unter deren Anleitung durchgeführt wird.
    Ja, doch, der Zwang zur Umdekoration des Affentheater von „links“ auf „rechts“ mag aus der Volksstimmung entspringen. Aber diese Masche der Umdekoration (bei Beibehaltung aller Unterdrückungs- und Profitmechanismen) des Affentheaters ist ständig geübte Praxis in „Demokratien“. In den USA ist das das ewige hin und her umschalten zwischen Reps auf Dems und Dems auf Reps, … . Bei uns eben etwas anspruchsvoller mit noch ein paar Kleinparteien dazwischen.

    Das Volk hat die Schnauze voll und wählt AfD. Und die Herrschenden sagen: „Na gut. Auch die AfD haben wir schon so gut wie in der Pfanne. Lasst uns die Umdekoraton beginnen. Langsam. Es soll ja doch möglichst keine Unruhen geben.“ (Wobei die auch mit Unruhen keine Probleme hätten und auch daraus ihren Profit schlagen würden.

    Also bleibt die Frage: wie kann das je anders werden. Das einzige was mir dazu einfällt: Auklären, Aufklären, Aufklären.

    Und zwar primär über das Finanzsystem das der Ursprung der Ausbeutung und Bedrückung ist, unter der wir leben.

    Man mache sich nur mal klar: ein sozial verbundenes, kooperatives, erfülltes, auskömmliches, friedliches, nachhaltiges, naturschonendes Leben mit nur geringem Arbeitseinsatz ist mit dem Gemeinwohl verpflichtetem Einsatz moderner Technik leicht möglich – wenn nur die Zinsknute und der Profit wegfallen würden. Eine Pyramide bleibt nur mit der Spitze eine Pyramide. Wird diese gekappt, erodiert die Pyramide zu einem weiten Feld der Gleichberechtigung. Es ist die, offen gezeigte, hervorgehobene Spitze der auf der Dollarnote abgebildeten Pyramide, die für unser ganzes Elend verantwortlich ist.

    Grüße, Albrecht

  2. Es muss erst noch viel schlechter werden, bevor es wieder besser werden kann. Und das auf allen Feldern, ob kulturell, mental, und in Sachen „Werte“. Alles ist darauf aufgebaut. Die Wirtschaft. Die Politik. Sämtliche Lebensentwürfe.

    Die westlich Welt hat fertig. Wir können nur gespannt und gebannt den Untergang dokumentieren. So wie das hier von Ped aufs Vortrefflichste gemacht wird.

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