Sprachlosigkeit eines Gesundheitsamtes

Wo sind die mündigen Mitmenschen in den Gesundheitsämtern?


In der Hierarchie der Macht spielen Gesundheitsämter derzeit eine herausragende Rolle. Und das, obwohl sie praktisch am unteren Ende der Befehlskette agieren. Sie setzen die demokratie- und menschenfeindlichen, wie medizinisch sinnfreien Regeln gegenüber der Bevölkerung um. Gesundheitsämter kontrollieren, maßregeln, drohen und bestrafen, ganz wie es sich für Auftragstäter geziemt. Aber zu argumentieren, sie hätten nur im Auftrag gehandelt, wird den Mitarbeitern dort nicht die Seele reinwaschen, sie sind mitverantwortlich für das Leid, das Millionen Menschen seit vielen Monaten angetan wird.


Drei Wochen nach Versenden eines offenen Briefes an das Gesundheitsamt Dresden halte ich die Zeit für gekommen, doch einmal nachzubohren, wie es um die Beantwortung konkreter Fragen steht, die ich dem Amt gestellt hatte. Parallel dazu ordne ich das Schweigen dieser Behörde natürlich ein: Können oder wollen die dort Verantwortlichen nicht?


Offener Brief an das Gesundheitsamt Dresden

gesundheitsamt-corona@dresden.de

Guten Tag,

vor Wochen stellte ich Ihnen eine Reihe von Fragen, deren Beantwortung nicht nur mir mehr Klarheit darüber brächte, auf welcher Grundlage eigentlich die angebliche epidemiologische Lage in der sächsischen Landeshauptstadt bewertet wird. Denn mehr als eine automatisch generierte Nachricht habe ich bis dato nicht von Ihnen erhalten.

Daraus ergeben sich für mich zwei Möglichkeiten: Entweder können Sie die gestellten Fragen nicht beantworten oder sie dürfen es nicht. Diese Fragen bezogen sich auf einen überschaubaren Zeitraum im Juli des Jahres, Zitat aus meiner Anfrage:

„Die Ihnen selbstredend bekannten, täglichen “Fallzahlen” — also Positivtests, nicht gleichbedeutend mit positiv getesteten Personen — lagen seit dem 1. Juli zwischen 0 und 10. Ausnahmen waren der 13. Juli mit 20 und der 16. Juli mit 15 “Fällen”. Von den insgesamt 119 “Fällen” (Stand 21. Juli 2021, (1, 2)) sind 8 “Fälle” bekannt, die mit der Einweisung in ein Krankenhaus verbunden waren (a1). Mehr Informationen waren nicht zu haben.“ (3)

Nun steigt seit einigen Wochen die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Was nicht überrascht, aber mit einer auch nur vagen Abbildung eines Pandemieverlaufs hat solch ein Anstieg natürlich rein gar nichts zu tun. Doch lassen wir das an dieser Stelle außen vor. Ihre Antworten auf präzise Fragen stehen im Fokus. Diese Fragen gliederten sich in zwei Themenkomplexe: Inzidenzen und Testverfahren. Sie seien Ihnen an dieser Stelle erneut vorgelegt:

Inzidenzen

  1. Wie erklären sich die Nachmeldungen von “Fällen” (teilweise 10 Tage später!), so doch von einer übermäßigen Belastung der Labore derzeit nicht ausgegangen werden kann (wenn doch siehe 2.)?
  2. Wie hoch war die Anzahl der PCR-Tests insgesamt, also jener mit negativem plus derer mit positivem Testergebnis?
  3. Wie viele Personen wurden getestet?
  4. Wie viele Personen wurden zweimal, wie viele dreimal usw. usf. getestet?
  5. Wie erklärt sich die vergleichsweise hohe Zahl Testpositiver an bestimmten Tagen? Wurde in einer sozialen – oder medizinischen Einrichtung getestet (Pflegeheim, Klinik, Schule, Kindergarten oder ähnliches)?
  6. Wie viele Personen wurden getestet, ohne dass sie Symptome aufwiesen (medizinisch anlassloses Testen, Kontaktverfolgung)?
  7. Wie viele Personen mussten sich dem PCR-Test unterwerfen, nachdem sie per Antigentest (Schnelltest) positiv getestet worden waren?
  8. Wie viele Personen insgesamt wurden wie oft (ebenfalls insgesamt) positiv getestet, nachdem sie wegen beliebiger Symptome einen Arzt aufgesucht hatten (anlassbezogenes Testen)?
  9. Wie viele Personen wurden insgesamt wie oft jeweils in Kliniken und Pflegeeinrichtungen positiv getestet?
  10. Welche der Krankenhauseinweisungen waren mit anderen Erkrankungen oder Verletzungen verbunden?
  11. Wie viele der positiv getesteten Personen hatten sich zuvor einer gentherapeutischen Behandlung gegen Covid-19 unterzogen?
  12. Wie viele der positiv getesteten Personen mit vorheriger Gentherapie gegen Covid-19 hatten Symptome, die Covid-19 zugeschrieben werden? Welcher Art und Schwere waren die Symptome?

Die Fragen 6 und 8 verdienen besondere Beachtung, weil sie Hinweise darauf geben, wo die Testerei absolut sinnlos ist. Seit September 2020 gibt es auch in Sachsen ein Sentinel zur Beobachtung von Covid-19. Das sind eine Reihe ausgewählter Arztpraxen, deren Aufgabe es ist, einen repräsentativen Überblick zur Verbreitung der vorgeblichen Krankheit zu liefern. Zwischen September 2020 und April 2021 wurden aus den Dresdner Sentinelpraxen 6 — in Worten SECHS — Positivfälle gemeldet, die man dem SARS-CoV-2 — Virus zuschreibt, und übrigens zudem in ganz Sachsen nicht ein einziger Influenzafall (4). Eine Pandemie sieht anders aus, die entsprechenden Praxen wären voll mit “Corona-Patienten” gewesen.

Testverfahren

  1. Die Testkits (Produkte) welcher Hersteller kamen bei den PCR-Tests zur Anwendung? Wie verteilten diese sich zahlenmäßig auf die Tests (unabhängig vom Testergebnis)?
  2. Wie verteilten sich quantitativ die Positivresultate auf die Testkits?
  3. Wurden alle PCR-Tests mit den seitens jeweiliger Spezifikation vorgesehenen Spezifitätstests gefahren?
  4. Wenn 3. nicht zutrifft: Inwieweit wurde auf Spezifitätstests verzichtet (5, 6)? Welche Verantwortungsträger — möglicherweise auch außerhalb des Gesundheitsamtes — entschieden dies?
  5. Sind neben den in den Spezifikationen festgeschriebenen Ct-Werten für ein Positivergebnis auch die Ergebnisse der einzelnen Amplifikationen bei jedem Test dokumentiert?
  6. Wie hoch ist die Anzahl der “Fälle”, bei der begleitend die diagnostische Untersuchung durch einen Arzt stattfand?
  7. Wie hoch ist die Anzahl der Fälle, in der explizit zusätzlich auf andere Erreger getestet oder untersucht wurde?

Gern erinnere ich noch einmal daran, dass es ein Unding ist, dass ein Blogger nach 18 Monaten einer angeblichen Pandemie diese Fragen überhaupt noch stellen muss. So doch die Antworten von Beginn an der breiten Öffentlichkeit hätten vorliegen müssen.

Sie, als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes tun „nur“, was Ihnen aufgetragen? Sie verlangen von den Menschen tatsächlich Isolation und unsinnige Hygienemaßnahmen „nur“ im Auftrag? Oder glauben Sie tatsächlich (noch) an das, was sie da im Rahmen der „Corona-Pandemie“ tun? So alles in der beschworenen „Pandemie“ so klar und eindeutig ist, müsste es Ihnen doch ein Leichtes sein, sachkundig und wissenschaftlich unterlegt, Fragen wie die Obigen zu beantworten. Warum also scheuen Sie Offenheit und die Diskussion zu den vielen Widersprüchlichkeiten im Rahmen Ihrer Arbeit?

Zusätzlich zu diesem erneuten Anschreiben biete ich der Öffentlichkeit ein Flugblatt an, das die Fragen enthält, die Sie nicht in der Lage sind, zu beantworten. Die Intransparenz Ihrer Arbeit paart sich harmonisch mit der Willkür Ihres Maßnahmenkatalogs, der in keiner Weise wissenschaftlich begündet, wo der Nutzen von „Corona-Hygieneregeln“, antisozialer Distanzierung, Massentesterei und „Impfen“ liegen soll (a2). Es liegt mir am Herzen, dass viel mehr Menschen von dieser Verletzung der Grundsätze, auf deren Basis Sie eigentlich tätig zu sein haben, erfahren – nämlich den Menschen eine sinnvolle Unterstützung in deren eigener Verantwortung über ihre Gesundheit zu sein.

In Erwartung Ihrer Antworten freundliche Grüße,

Peter Frey

Liebe Leser, bitte bleiben Sie achtsam und fassen Sie Mut.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Mir wurde berichtet, dass auch Überweisungen positiv Getesteter von einer Klinik in eine andere in der neuen Klinik als “neue Einweisung im Zusammenhang mit Covid-19” verbucht wurden und entsprechend in die Statistiken eingingen.

(a2) Was man allerdings in den FAQs der Sächsischen Landesregierung zu Corona reichlich findet, das sind Strafkataloge für die “Uneinsichtigen”, die “Maskenverweigerer”, jener die die “Regeln” nicht beachten, jener die aus sehr nachvollziehbaren Gründen trotz der allumfassenden Regierungspropaganda einfach keine Angst vor “dem Virus” haben wollen (7). Das passt nur zu gut zur Intransparenz bei Tests und Zählungen.

(1) Corona-Dashboard Dresden; https://experience.arcgis.com/experience/d2386f3214c1451c81b242be69bb3d50; abgerufen: 20.07.2021

(2) 20.07.2021; Landeshauptstadt Dresden; Covid-19 — Corona — Fallzahlen; Auswertungsassistent; http://daten.dresden.de/aswdb/asw.dll/?aw=Gesundheit\Corona_Dresden_2020FF_TAB; abgerufen über Open Data Portal der Landeshauptstadt Dresden: https://opendata.dresden.de/informationsportal/#app/mainpage/Gesundheit///

(3) 21.07.2021; Peds Ansichten; Gesundheitsämter als Diener der Politik; https://peds-ansichten.de/2021/07/gesundheitsamt-corona-dresden/

(4) 19.04.2021; Landesuntersuchungsanstalt Sachsen; SARS-CoV-2 — Sentinel im Freistaat Sachsen 2020/2021, 38. KW 2020 – 15. KW 2021; https://www.lua.sachsen.de/download/lua/LUA_HM_SARS_CoV_2021_04.pdf; S. 5-7

(5) 2020/08; biovis — Diagnostik; SARS-CoV-2 / COVID-19 Teil 3; https://www.biovis-diagnostik.eu/wp-content/uploads/Biovis_SARS-CoV-2_Teil3_DE.pdf; S. 5, Zitat: “Da das E-Gen, welches lediglich die Virushülle codiert, aber nicht spezifisch für SARS-CoV-2 ist, sondern auch andere Coronaviren (Sarbecoviren) erkennt […], wurden früher E-Gen-positive Proben mit einer 2. PCR untersucht, um sicherzustellen, dass es sich wirklich um SARS-CoV-2 handelt. Gesucht wurde in der Bestätigungs-PCR nach spezifischen Genen, wie dem RdRPGen, dem S-Gen oder dem ORF1-Gen. Als auf Empfehlung der WHO für endemische Gebiete die Bestätigungstests eingestellt wurden, erfolgte ab April 2020 in vielen kleineren Laboren ein PCR-Nachweis von SARS-CoV-2 nur noch über das E-Gen.”

(6) Zitat aus der Webseite eines Labors in Augsburg (Hervorhebungen durch Autor): “Ab sofort geben wir auf unseren Befunden nur noch das Ergebnis positiv oder negativ aus. Bisher erhielten Sie in Abhängigkeit vom verwendeten Test zwei Ergebnisse. Falls die Probe mit dem Verfahren der Fa. Roche analysiert wurde, haben wir die Messergebnisse für beide Zielsequenzen der PCR (ORF1- und E-Gen) getrennt angegeben. Das ORF1-Gen ist dabei für SARS-CoV-2 spezifisch, während das E-Gen auch in anderen Coronaviren vorkommt.  Die Fälle, in denen nur das ORF-Gen amplifiziert wurde, haben wir auch bisher schon positiv bewertet. Wenige Fälle mit isoliert positivem E-Gen wurden als fraglich eingestuft und führten deshalb immer wieder zu Rückfragen und Problemen hinsichtlich des weiteren Managements betroffener Patienten. Unter Berücksichtigung der epidemiologischen Situation und der insgesamt gestiegenen Positivenrate folgen wir ab sofort der WHO-Empfehlung und geben ein Ergebnis bereits dann als „positiv“ heraus, wenn nur das E-Gen amplifiziert wurde. Um den Befund zu vereinfachen, erscheint deshalb zukünftig nur noch ein Gesamtergebnis (positiv oder negativ). Ein Ergebnis ist [nunmehr] positiv, wenn mindestens eine der beiden Zielsequenzen des SARS-CoV-2 im Abstrichmaterial nachgewiesen wurde. Falls die Probe mit Verfahren von rBiopharm oder TibMolbiol analysiert wurde, haben wir bisher getrennte Screening- und Bestätigungstests [Such- und Spezifitätstests] durchgeführt. Analog zum oben beschrieben Vorgehen beschränken wir uns aufgrund des hohen positiven Vorhersagewerts bei steigender COVID-19-Prävalenz auf  den bisherigen Screeningtest, der auf das [unspezifische] E-Gen zielt.” entnommen: 03.04.2020; http://www.labor-augsburg-mvz.de/de/aktuelles/coronavirus; Inzwischen wurde die Information von der Webseite entfernt, sie kann aber noch über Wayback gefunden werden: https://web.archive.org/web/20200504014525/http://www.labor-augsburg-mvz.de/de/aktuelles/coronavirus

(7) Sächsischen Landesregierung; Antworten auf häufige Fragen zum Nachweis von Coronaschutzimpfungen und Genesung von einer Infektion mit SARS-CoV-2; https://www.coronavirus.sachsen.de/haeufige-fragen-zu-den-ausgangsbeschraenkungen-und-einschraenkungen-des-oeffentlichen-lebens-5074.html; abgerufen: 20.07.2021

(Titelbild) PCR-Test, Test, Labor; Autor: Belova59 (Pixabay); 08.09.2017; https://pixabay.com/de/photos/hintergrund-pcr-tube-tubes-tube-3857771/; Lizenz: Pixabay License