Der Krieg des Richard Herzinger

Über den Link eines Foristen beim Blog Propagandaschau wurde ich auf einen Beitrag aufmerksam, der mich durch seinen Inhalt darauf hinwies, dass sich in den letzten Jahren an der Art und Weise von „Berichterstattung“ unserer Leitmedien offenbar nicht viel geändert hat. Weil der Artikel „Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen“ so exemplarisch für die Propaganda ist, welche die deutsche Bevölkerung aufnimmt, habe ich mir mal wieder die Mühe einer Analyse gemacht.


Was ich empfand, als ich den Artikel Richard Herzingers das erste Mal las, war: Hier spricht ein Mensch, der vollständig in seinen Emotionen gefangen ist. Diese Emotionen sind von Hass und Überhebung dominiert, von einem unerschütterlichen Weltbild und der Überzeugung, an vorderster Front der Guten im Kampf gegen das Böse zu stehen. Herzinger ist ein Überzeugter, ein Gläubiger und Inhalt wie Form seines Aufsatzes sagen mir, dass dieser Mensch schon längst im Krieg ist.

Aufgrund dieser Befangenheit ist Herzinger auch nicht in der Lage, sachlich und abwägend zu schreiben. Da er im (geistigen) Krieg ist, muss er Partei ergreifen. Er ist im Kampf, die logische Folge, wenn ein Feindbild verinnerlicht wurde. Und wie wir sehen werden, hat Richard Herzinger ganz ausgeprägte, tief sitzende Feindbilder. Diese meine Einsicht möchte ich nachfolgend begründen.

Das Wichtigste

Menschen, die Feindbilder ausleben, sind nicht mehr für einen friedlichen, kooperativen Austausch von Meinungen offen. Sie trachten danach, die Mitmenschen geistig zu vereinnahmen, sie mutieren zu Propagandisten. Eines der wirkungsvollsten Werkzeuge verbindet sich mit der trivialen Lebensweisheit:

Der erste Eindruck ist der Beste – oder sagen wir besser – der Stärkste!

Bei Artikeln findet sich der erste Eindruck natürlich in – der Überschrift. Und die Überschrift von Richard Herzingers Kommentar in der Tageszeitung „Die Welt“ lautet eben:

„Der Westen muss Putin jetzt endlich stoppen“ [1]

Kreativ ist das nicht, Eingeweihten wird diese Kampflosung bekannt vorkommen. Wie titelte doch „Der Spiegel“ auf dem Höhepunkt eines kaum noch fassbaren Russland-Bashings im Sommer 2014?:

„Stoppt Putin jetzt“ [2]

Daran hat sich auch danach nichts geändert, die Westfalenpost titelte im Februar 2016:

„Niemand stoppt Putin“ [3]

Oder die FAZ ein Jahr zuvor:

„Auch Aufrüstung stoppt Putin nicht“ [4]

Oder die Berliner Morgenpost:

„Zehntausende Syrer fliehen vor Angriffen – Wer stoppt Putin?“ [5]

Vielleicht noch der Focus?:

„Wer stoppt diesen Mann?“ [6]

Noch nicht genug? Na gut, einen noch von der WAZ:

„Wer stoppt Wladimir Putin?“ [7]

Weitere Beispiele findet der Leser – so er möchte – in Hülle und Fülle. Sind den Redaktionen die Worte nun in den Mund gelegt worden? Diese Frage drängt sich auf und ich möchte sie beantworten mit: Nein. Aber wenn ein Mensch vor etwas Angst hat, dann ist das Gefühl, diese Bedrohung irgendwie stoppen zu müssen (quasi als Strategie den Angriff der Verteidigung vorzuziehen), genauso authentisch wie die Angst selbst!

Also: Diese Leute haben wahrhaftig Angst und lügen deshalb auch nicht in dem Sinne, wie wir glauben, es zu erkennen.

Den Vorwurf der Lüge, der ihnen nun entgegen schlägt, verwerfen sie deshalb nicht etwa mit wissendem teuflischem Grinsen des bösen Hetzers. Sie sind ehrlich empört über die Beleidigung ihrer Arbeit – vor allem jedoch ihrer Person. Meine Wahrnehmung ist eine ganz Andere als die ihre. Glaubt nun der Leser, ich fühle mich bemüßigt, Richard Herzinger zu verteidigen?

Nein, eine Verteidigung dieses Journalisten liegt nicht in meinem Sinn. Aber ein Angriff gegen ihn ist genauso wenig meine Absicht! Es geht um Verstehen. Es geht darum, heraus zu finden, warum Richard Herzinger Angst hat und was unsere Gesellschaft damit zu tun hat, was wir damit zu tun haben. Oder haben wir damit überhaupt nichts zu tun? Woher also kommt die Paranoia in den Medien? Ich korrigiere, denn die Frage brächte allzu schnell vorgefertigte Antworten. Sie greift noch zu kurz und sollte besser lauten: Woher kommt die Paranoia in der Gesellschaft – unser aller Paranoia?

Menschen müssen sich natürlich erst einmal bewusst werden, dass ihre geistige Bequemlichkeit ausgenutzt wird, um sie zu konditionieren, fremd zu steuern. Das tut Richard Herzinger nicht und versucht diese Konditionierung seinerseits mit uns. Nicht aus böser Absicht sondern vielmehr weil auch er geistig bequem ist, selbstzufrieden und dadurch die Fähigkeit verloren hat, sich ehrlich selbst zu hinterfragen. Seine Manipulation ist nicht berechnend sondern unbewusst. Dieser Sachverhalt ist keine Beschönigung der Manipulation sondern eine (wenn wohl auch nicht die ganze) Erklärung. Und zeigt, dass immer zwei Seiten dazu gehören, Opfer und Täter, derjenige der tut und derjenige, der mit sich tun lässt. Herzinger scheint mir beides zu sein.

Hauptwaffe der Propaganda: Gefahr

Erste Regel der Propaganda ist das unaufhörliche Aufzeigen von Gefahren. Ohne erkannte Gefahren keine Angst, ohne Angst keine geistige Kriegsbereitschaft. Die Gefahr – für den nicht Vereinnahmten völlig absurd – ist für den Propagandisten absolut real! Und die Gefahr muss ein Bild haben – ein unmenschliches Bild. Dazu werden entweder Menschengruppen stigmatisiert, gesichtslos als Masse vereinheitlicht, herab gewürdigt, eben entmenscht. Oder man nimmt dem Menschen als Individuum die Menschlichkeit, verteufelt ihn und legitimiert damit das unmenschliche Vorgehen gegen diesen und andere Menschen. [a1]

Die Überschrift in Richard Herzingers Artikel signalisiert also die Gefahr (muss stoppen), überhöht sie (jetzt endlich) und zeigt auf die Gefahr selbst (Putin). Damit ist die wichtigste Botschaft raus und mit maximaler Wirkung beim Rezipienten angekommen. Nicht immer ist der nachfolgende Artikel so gestrickt, dass er die Botschaft der Überschrift mit aller Macht zu verstärken sucht. Oft sind die Texte relativierend, versuchen Ansprüchen journalistischer Sauberkeit gerecht zu werden. Aber wie gesagt: Die wichtigste Botschaft steckt in der Überschrift. Diese Erkenntnis versuche ich übrigens seit einiger Zeit auch für meine Artikel zu berücksichtigen, also ein vernünftiges Maß dafür zu finden, einerseits auf ein Thema durch gut gewählte Überschriften das Interesse zu lenken und andererseits der Versuchung zu entgehen, durch propagandistische Überhöhung mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Selektion und Überhöhung

Richard Herzinger leitet seinen Kommentar nun so ein:

„Seit Längerem schon sind russische Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze im Gange. Putin könnte planen, den Westen zu überrumpeln, solange dieser abgelenkt ist. Das wäre nicht das erste Mal.“  [8]

Zuerst mal der Inhalt, der sich auf den ersten Satz beschränkt:

„Seit Längerem schon sind russische Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze im Gange.“

Richard Herzinger blendet für den Leser aus, dass die Truppenbewegungen auf russischem Territorium stattfinden, und dort auch nicht nur an der Grenze zur Ukraine, sondern in allen möglichen Landesteilen. Jedes Land tut so etwas und wenn jenseits der Grenze Krieg herrscht, dann ist es das Normalste der Welt, dass diesseits der Grenze eine erhöhte militärische Bereitschaft ausgerufen wird. Er verleugnet, dass der Konflikt im Nachbarland militärisch eskalierte, nachdem Panzer der ukrainischen Armee in der Ostukraine auftauchten.

Herzinger blendet weiterhin aus, dass auch ukrainische Truppenbewegungen an der russischen Grenze im Gange sind und dass NATO-Manöver seit anderthalb Jahren fast ohne Unterbrechung in Nähe der russischen Grenze abgehalten werden. Er ist auch im wahrsten Sinne des Wortes unfähig, zu erkennen, dass für die Russen Letztgenanntes seinerseits als Bedrohung aufgefasst werden könnte. Für Herzinger ist das aber bereits eine Bestätigung der im Titel verfassten Bedrohung! Und er spricht seine – für ihn sich wahrhaftig ergebenden – zumindest für mich absurden Befürchtungen aus:

„Putin könnte planen, den Westen zu überrumpeln, solange dieser abgelenkt ist. Das wäre nicht das erste Mal.“

Das ist so irre, dass man eigentlich schon an dieser Stelle die Betrachtung beenden müsste. Es könnte ja auch sein, dass Putin sich zur Frau umoperieren lässt und dann Barack Obama heiratet, wenn dieser gerade abgelenkt ist. Das wäre dann das erste Mal. Es könnte aber auch sein, dass wir aufgrund dieser Paranoia schnurstracks in den Weltkrieg marschieren – und das wäre übrigens nicht das erste Mal. Die Gefahr, dass Zweitgenanntes eintritt – die ist real. Aber nicht für Richard Herzinger!

Wenn jetzt irgendein Leser geneigt ist, zu fordern, Herzinger wegen Hetze gegen das Staatsoberhaupt eines anderen Landes vor ein Gericht zu stellen (was jener Leser ja nicht selbst machen würde), empfehle ich ihm, sich an der nächst besten Friedensaktivität zu beteiligen und wenn er keine findet, diese selbst ins Leben zu rufen. Das wäre eine wirksame Geste (gegen die eigene Ohnmacht), die ich als wirklich gesellschaftlich Sichtbare, Jahr für Jahr auf’s Neue schmerzlich vermisse.

Den Kommentar selbst leitet Herzinger im Ton eines Nachrichtensprechers ein:

„Russlands Präsident Wladimir Putin (Link) hat der Ukraine wegen angeblich versuchter Anschläge Kiews auf der annektierten Krim mit „Gegenmaßnahmen“ gedroht.“ [9]

Seine belegende, die Seriösität beweisende Quelle ist jedoch nichts anderes als ein weiterer vor Gehässigkeit und Hass triefender Artikel aus dem eigenen Hause und die suggerierte Meldung, dass Putin mit Gegenmaßnahmen gedroht hat, schlicht unauffindbar [10]. Nach den selbst gesponnenen Tatsachen, die für Herzinger tatsächlich real sind, schlussfolgert er (übrigens ganz so wie in der Einleitung):

„Es sieht ganz danach aus, dass Putin mit dieser Schauerpropaganda im Anschluss an ein offenbar vom russischen Geheimdienst fabriziertes Komplott und mit den damit verbundenen unverhohlenen Drohungen eine neue militärische Aggression oder gar eine groß angelegte Invasion der Ukraine vorbereitet.“ [11]

Es sieht ganz danach aus„, „ein offenbar … fabriziertes Komplott„, bla, bla, bla; er weiß nichts, der Roland Herzinger und lässt uns dafür an seiner Paranoia teilhaben. Er dreht und wendet sich das Bild im Bedrohungs-Modus, dass man nicht aus dem Staunen raus kommt. Hat er doch gerade zuvor über die Bedrohung durch russische Truppenbewegungen auf derem eigenen russischem Boden (aber hallo, wie kann sich das Russland auf seinem Staatsgebiet erlauben? Unerhört.) fabuliert, um nachfolgend einen Anschlag – ebenfalls auf russischem Staatsgebiet – als Schauerpropaganda in sein festgefügtes Weltbild einzuordnen. Da ist er kein Einzelkämpfer, die Öffentlich-Rechtlichen Medien sind sich nicht zu schade, gleichfalls die Regeln journalistischen Anstands zu verletzen (siehe Artikel bei Propagandaschau).

Da aber Herzinger in Putin einen Feind sieht, kann er ihm auch nichts Gutes mehr abgewinnen. Für ihn MUSS Putin böse sein. Und so macht er (das mögliche) Opfer zum Täter und wie im Wahn unterstellt er Russland eine beabsichtigte „militärische Aggression oder gar eine groß angelegte Invasion“ So langsam gehen ihm die Superlative aus, um dem letzten Deppen klar zu machen, warum wir alle endlich Krieg gegen Russland führen müssen.

Wer in so einem Modus rotiert, ist natürlich auch gar nicht mehr fähig, die Frage zu stellen: Wozu?

Warum um alles in der Welt soll Putin [!] die Ukraine überfallen?

Und immer wieder wird der Fokus auf Putin gelegt; fast ist man geneigt anzunehmen, Putin reitet schwer bewaffnet auf einem Rappen in der Ukraine ein, dieser Dämon. Doch ohne jeden Sarkasmus:

Wie bescheuert müsste die russische Führung sein, dieses herunter gewirtschaftete Land mit latenter Russenfeindlichkeit (in seinem Westteil) zu besetzen? Was wollte Russland denn auf diese Weise mit der Ukraine anfangen?! Das einzige was Russland nützen würde – und das völlig unbeachtet WER in der Ukraine regiert, wären stabile funktionierende Verhältnisse im Nachbarland, die den Menschen ein friedliches Zusammenleben ermöglichten.

Wenn die Guten und die Bösen klar definiert sind, das ist nun mal so im (geistigen) Kriegsmodus, dann ist der Richter nicht weit und dem Gegner wird jede moralische Legitimität abgesprochen. Was immer er auch tun wird, es wird ihm nichts nützen. So wie es auch der berüchtigte Blutrichter Roland Freisler demonstrierte, so tut es Herzinger in seinen Artikeln. Die Schuld ist bewiesen (durch was???) und jede seiner (Putin’s) Maßnahmen erhärtet sie nur, zeigt sie doch noch zusätzlich dessen moralische Verwahrlosung und Verschlagenheit. [a2] Das hat Richard Herzinger natürlich längst erkannt:

„Die Schamlosigkeit, mit der der Kreml-Herr die Ukraine des „Terrors“ bezichtigt (Link: http://www.welt.de/157605419) , während er einen Teil dieses Landes annektiert hält und in anderen Teilen durch die Präsenz seiner Besatzungstruppen eine terroristische Willkürherrschaft „separatistischer“ Verbrecherbanden garantiert, spricht Bände.“ [12]

Die Mär von der Annexion der Krim kann hier aufgelöst werden, aber beachte: Immer wieder ist es Putin (neue Wortschöpfung: „Der Kreml-Herr„), auf den Herzinger zeigt, als hätte er den Leibhaftigen enttarnt. Wenn jedoch auch nur ein halbwegs begründeter Verdacht für einen Anschlag auf der Krim gegeben ist, dann ist es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit eines Staatsoberhauptes, dazu Stellung zu nehmen. Das erwarten doch die Bürger und ich frage mich, ob das hier in Deutschland anders ist. Ist es schamlos, wenn die deutsche Bundeskanzlerin entschiedene Worte für vollzogene oder aufgedeckte geplante Anschläge findet? Ach ne, die war ja bei den Guten.

Das ist das Problem. Im Kriegsmodus gibt es keine Gerechtigkeit mehr, auch kein Abwägen, kein Versuch des Verstehens. Das gilt auch für Journalisten, sie mutieren zu Hetzern, denn sie sind damit aktive Kriegsteilnehmer! Und terroristische Anschläge von ukrainischem Territorium aus sind absurd? Die Menschen vergessen zu schnell. Und das hier ist – aus meiner Sicht – ganz klar Terrorismus:

„Nach einem Angriff auf mehrere Stromleitungen ist auf der gesamten Krim der Strom ausgefallen. Die Behörden der ukrainischen Halbinsel, die 2014 von Russland annektiert wurde, riefen den Notstand aus. Knapp zwei Millionen Menschen waren ohne Stromversorgung, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Der Agentur Tass zufolge waren auf dem ukrainischen Festland bei Cherson mehrere Masten der Starkstromleitung gesprengt worden, über die die Halbinsel bisher mit Elektrizität versorgt wurde. Ein Vertreter des ukrainischen Innenministeriums schrieb am Morgen auf Facebook: „Die Masten sind gerade gesprengt worden!“ Die beiden anderen wichtigsten Stromleitungen aus der Ukraine waren bereits am Freitag unterbrochen worden. Der ukrainische Energiekonzern Ukrenergo erklärte, zwei Strommasten seien in der Nacht zu Freitag offenbar mit Sprengsätzen oder durch Beschuss gefällt worden. Die Krim ist bei der Stromversorgung praktisch vollständig auf die Ukraine angewiesen. Wann die Stromversorgung wieder hergestellt sei, nicht abzusehen. [13]

Und ich denke schon, dass auch das hier alle Merkmale von Terror beinhaltet – das ist Realität in der Ukraine:

„Beim Progrom bei Korsun am 20.Februar 2014 wurden wahrscheinlich 27 Menschen von faschistischen Schlägertrupps ermordet (die genaue Zahl ist unbekannt, weil es einige Vermisste gibt) und Hunderte verletzt. Es handelte sich um russischstämmige Krim-Bewohner denen auf der Rückfahrt vom Antimaidan(!) zurück nach Simferopol bzw. Sewastopol logistisch gut durchorganisiert aufgelauert wurde. Die Busse wurden teilweise angezündet, die Menschen stundenlang teils aufs Grausamste gequält, schikaniert, geprügelt. Und die Gewalttäter drohten unmissverständlich: „Wartet nur, wir kommen auch zu Euch auf die Krim, um Euch zu erschlagen und zu erschießen, die von Euch die wir noch nicht erschlagen haben, schlagen wir zu Brei.““ [14][15][16][17][18]

Als nächstes versucht uns Herzinger zu erklären, dass im Sommer die Militärmaschinerie der westlichen Hemisphäre praktisch Urlaub macht und deshalb die dortigen freiheitlichen guten Demokratien dem bösen und unberechenbaren Putin faktisch arglos wie schutzlos ausgeliefert sind. Das von mir ironisch Überhöhte biegt sich Herzinger allen Ernstes als die Wahrheit zurecht, er erfindet sie für sich. Das muss er tun, denn sein Weltbild ist zum Dogma geworden, eine Erschütterung desselben, würde seine Persönlichkeit treffen und das kann er nicht zulassen. Mit dem Zweck, sein Weltbild nach außen hin zu stärken und anderen überzuhelfen, was seinem Ego gut tut, wendet er – und ich denke, auch das macht er unbewusst – einen weiteren Propagandatrick an; Behauptungen einfach so oft wie möglich zu wiederholen. Er verhält sich ähnlich einem religiösen Eiferer und ist geradezu besessen, seine Mitmenschen „zu überzeugen“:

„Seit Längerem schon sind russische Truppenmassierungen und -bewegungen an der ukrainischen Grenze im Gange. Der Zeitpunkt würde zudem zu Putins Methode passen, den Westen zu überrumpeln, wenn dieser durch die Sommerurlaubszeit und durch bestimmte Großereignisse abgelenkt ist.“ [19]

Richard Herzinger hat völlig die Fähigkeit verloren, Dinge in Frage zu stellen, sie neu zu überdenken. Deshalb muss das Narrativ von Russland als bösem Aggressor auch standhaft aufrecht erhalten werden; auch in Bezug auf den Krieg in Georgien:

„Georgien ließ er 2008 im August angreifen, als die westlichen politischen Entscheidungsträger am Strand oder in den Bergen vor sich hin dösten.“ [20]

Unabhängig davon, wer welche Verantwortung an diesem Krieg trug, stellt sich hier die Frage, mit welchem Recht überhaupt westliche Entscheidungsträger in den Konflikt hätten eingreifen dürfen. Bei tieferer Analyse erfährt man außerdem, dass westliche Entscheidungsträger sogar den Konflikt provozierten und also ganz und gar nicht schliefen. [21] WER, den Krieg in Georgien vom Zaume brach, ist seit Jahren hinlänglich bekannt. Nun, alles hat seine Beteiligten und es geht hier nicht darum, die Dinge umzudrehen und Russland zum lichten Hort des Guten zu machen. Es geht um Abwägung und Differenzierung und das hat eine Untersuchungskommission der EU auch getan:

„Nicht eine der Erklärungen der georgischen Behörden, die sie als juristische Rechtfertigungsgründe für den Angriff vorgebracht haben“, ist stichhaltig. „Insbesondere drohte keine groß angelegte russische Militärinvasion, die durch das georgische Militär hätte gestoppt werden müssen“, fügte Tagliavini [Schweizer Diplomatin die den Untersuchungsausschuss leitete] hinzu. Im Bericht heißt es: „Der Beschuss Zchinwalis [der Hauptstadt von Südossetien, der abtrünnigen georgischen Provinz, in der seit den frühen 1990er Jahren russische Truppen stationiert waren] durch die georgischen Streitkräfte in der Nacht vom 7. auf 8. August war der Beginn des groß angelegten bewaffneten Konflikts in Georgien.“ Die Ermittler kamen zu dem Schluss: „Es stellt sich die Frage, ob der Einsatz von Gewalt durch Georgien in der Nacht vom 7. auf 8. August, nach internationalem Recht gerechtfertigt war. Er war es nicht. (…) es ist unmöglich, zu akzeptieren, dass der Beschuss Zchinwalis mit Raketenwerfern und schwerer Artillerie den Erfordernissen entspricht, die an ein notwendiges und verhältnismäßiges Vorgehen gestellt werden. Viele Zivilisten starben schon beim ersten Beschuss von Zchinwali, und weitere wurden getötet oder verwundet, als 1.500 georgische Soldaten in die Stadt eindrangen. Die BBC und Human Rights Watch fanden Hinweise, dass georgische Soldaten mutwillig auf Zivilisten schossen. Sie feuerten wahllos in die Keller, die als Schutzräume dienten. Im EU-Bericht heißt es, die georgischen Übergriffe auf russische Friedenstruppen in Südossetien „in der Anfangsphase des Konflikts“ seien nicht gerechtfertigt gewesen.“ [22]

Dem damaligen georgischen Staatspräsidenten Saakaschwili drohen übrigens in seinem Land elf Jahre Haft; u.a. wegen: „Niederschlagung einer Demonstration mit Tränengas und Gummigeschossen im November 2007 auf der Rustawelis Gamsiri in Tiflis„. Seit 2015 nimmt er allerdings politische Funktionen in der Ukraine wahr. [23]. Doch zurück zu Richard Herzinger, der sich nun in regelrechte Hasstiraden hinein steigert:

„Die Annexion der Krim befahl er am letzten Tag seiner olympischen Doping-Spiele in Sotschi, und derzeit dürfen seine vom russischen Mafia-Staat systematisch in lebendige Drogenlabore verwandelten Sommer-Olympioniken mit Sondererlaubnis seiner Quislinge im IOC in Rio Medaillen sammeln.“ [24]

Da läuft der Geifer nur so aus den Mundwinkeln. Und wie war das mit systematischem staatlichem Doping? Mit welchem Recht durfte dann Deutschland jahrzehntelang Sportler zu den Olympischen Spielen entsenden?

„Wie aus einer bisher unveröffentlichten Studie der Humboldt-Universität (HU) Berlin hervorgeht, wurde in der Bundesrepublik Deutschland spätestens seit Beginn der siebziger Jahre offenbar in zahlreichen Sportarten systematisch und organisiert gedopt. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“). Demnach sei in dem etwa 800 Seiten umfassenden Bericht ‚Doping in Deutschland von 1950 bis heute‘, der der „SZ“ vorliegt, detailliert beschrieben.“ [25]

Wenn schon denn schon, sollte es doch heißen. Nicht für Herzinger, der gleich noch das IOC Maß nimmt und mit martialischen Worten zur medialen Hetze gegen die „Quislinge“ aufruft. Was den Krieg in Syrien anbetrifft, ist es eine Unverfrorenheit, der einzigen Großmacht, die tatsächlich legitim und entsprechend den Statuten der Vereinten Nationen und des Völkerrechts militärisch in Syrien agiert, Völkermord vorzuwerfen. Wenn man hetzt, muss man nichts beweisen; mehr noch, ist man unfähig,  sachlich zu begründen, man ist ja auf der guten Seite – im Krieg.

„Mit seiner völkermörderischen Kriegsführung in Syrien hat er [Putin] zudem seine Militärmaschinerie so richtig warmlaufen lassen. Der Westen hat Putins kriegerischen Untaten und seiner erpresserischen Gewaltpolitik bislang keinen nennenswerten Widerstand entgegengesetzt, zur Fortsetzung seines kriegsverbrecherischen Vorgehens in Syrien hat er ihn zuletzt sogar mehr oder weniger offen ermutigt. Der türkische Präsident Erdogan, der es gewagt hatte, durch Abschuss eines russischen Kampfjets über türkischem Territorium ein solches deutliches Stopp-Zeichen zu setzen […]“ [26]

Wahrscheinlich haben sich über 60.000 syrische Soldaten bei Fassbomben-Abwürfen auf ihr eigenes schutzloses Volk und dessen Krankenhäuser selbst umgebracht. Da kommt es auf die eine oder andere Lüge mehr nicht an und es spielt auch keine Rolle, dass der russische Kampf-Jet mitnichten über türkischem Territorium abgeschossen wurde. Herzinger ist so befangen, dass er das vielleicht gelesen hat, aber aufgrund der Konditionierung aussortierte, nämlich die Entschuldigung des türkischem Präsidenten für diesen Abschuss. Ungeachtet dessen wäre es aber auch so völlig unakzeptabel gewesen, denn das NATO-Land Türkei wusste ganz genau, warum der Bomber nahe seiner Grenze agierte – weil es nämlich darüber von Russland informiert wurde! Über jede geplante Flugbewegung. An einer Grenze über die massenweise Waffen und radikale islamistische Kämpfer nach Syrien strömten.

Mir fällt dabei auf, dass Menschen, die sich geistig unterwerfen und dann im Sinne der eingetrichterten Doktrin wie fremdgesteuert den beauftragten Krieg führen, auch ihre fachliche Kompetenz verlieren. Folgerichtig, denn sie sind ja nicht mehr in der Lage quasi von außen beide Seiten eines Konflikts zu betrachten und mit Bemühen um Objektivität von diesem zu berichten bzw. diesen zu bewerten. Haben sie sich doch selbst zum Teil des Konflikts machen lassen.

Und natürlich: Richard Herzinger ist gut gebettet in einem Team, dem beigebracht wurde, so zu ticken wie er und dessen Mitglieder sich nun in ihrer Sicht als verschworener Gemeinschaft gegen das Böse gegenseitig hofieren und in ihrer berechtigten Angst bestätigen. Wäre es anders, wäre er nach einer Hetze wie dieser schon bei der Vorlage des Pamphlets vom Chefredakteur fristlos gekündigt worden. Das Haus Springer trägt aber solche Gedanken mit, sonst würden sie ja auch nicht abgedruckt. Herzinger darf also ein Gemeinschaftswerk präsentieren und damit auch für ihn folgenlos so etwas sagen:

„Der türkische Präsident Erdogan, der es gewagt hatte, durch Abschuss eines russischen Kampfjets über türkischem Territorium ein solches deutliches Stopp-Zeichen zu setzen, ist soeben im Kreml vor dem großen Kriegsherren zu Kreuze gekrochen. Warum also sollte Putin nicht so weitermachen?“ [27]

Das Zitierte lässt sich schlicht als Volksverhetzung werten, als ungenierter Aufruf zum Krieg! Gilt das Grundgesetz nicht für Journalisten? Und gibt es Journalisten, die auch nur vorsichtig gewagt hätten, Herzinger zu widersprechen? Haben das Gros der Journalisten keine Bauchschmerzen, wenn sie dann im nächsten Atemzug von demokratischen Werten schwadronieren, die es zu schützen gilt? Sie haben die wohl nicht und sie führen ihre im Mund geführten Worte damit ad absurdum.

Ein gewisser Jan Böhmermann hat vor Monaten ein satirisches Schmähgedicht zum türkischen Präsidenten Erdogan verfasst. Wie gesagt Satire. Der Aufschrei war markerschütternd. Und wie ist es mit Richard Herzinger? Der schreibt bei einer der größten deutschen Tageszeitungen, gelesen von hunderttausenden Menschen und ruft unverhohlen zum Krieg auf – keine Satire. Und niemanden, vor allem niemanden aus dessen Berufsstand stört das? Oder sind alle nur zu bequem? Oder haben sie Angst? Ist es eine Mischung aus Beidem? Und nicht zuletzt: Fällt die schreibende Zunft denn tatsächlich aus der Art?

Für den in Paranoia gefangenen Kriegshetzer – und ich weise nachdrücklich darauf hin, dass ich diese Titulierung nicht zur Verunglimpfung, sondern zur korrekten Beschreibung der Rolle die er (bewusst oder unbewusst) ausfüllt, verwende – ist es deshalb höchste Zeit:

„Es ist allerhöchste Zeit, dass der Westen endlich aus seinem Wahn erwacht, Putin könne durch gutes Zureden auf den Pfad friedfertiger Vernunft und Rechtschaffenheit zurückgeführt werden, und ein klares Signal setzt, dass er eine neuerliche Aggression gegen die Ukraine ebenso wenig dulden wird wie die fortgesetzte russische Okkupation vom Territorium dieses souveränen Staates.“ [28]

Höchste Zeit wäre es, wenigstens für die Menschen, die erkannt haben, wohin das führen kann, aus ihrer Apathie zu erwachen und wenigstens zu versuchen, ihrem Wunsch nach Frieden nach außen hin Ausdruck zu verleihen. Es wäre wohl nicht der schlechteste Anfang.

Prägende Netzwerke

Bleibt noch die Frage: Was hat Richard Herzinger zu dem gemacht, was er ist? Für mich interessant ist, dass er bspw. bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ein festes Podium hat und dort regelmäßig Artikel verfasst. [29] Könnte die Vernetzung in der DGAP Einfluss auf die journalistische Arbeit des Richard Herzinger haben, insb. in Bezug auf Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit?:

„Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP) ist ein Think tank, der sich als nationales Netzwerk für deutsche Außenpolitik versteht. Seine Gremien werden von Vertretern der Wirtschaft und deren Lobbyorganisationen dominiert.“ [30]

Die nach außen so seriös unparteiisch klingende Organisation ist also ein Lobby-Verein der Wirtschaft. Und sie vertritt ihre ganz eigenen wirtschaftlichen Interessen in der deutschen Außenpolitik. Dazu gehören z.B. offene Wirtschaftsräume, freier Zugang zu Ressourcen und freie Handelswege; also grenzenlose Globalisierung. Was haben wir derzeit für eine Außenpolitik und wie wird sie medial zelebriert? Ist es zu weit hergeholt, dass unter anderem von der DGAP deutschen Journalisten die passenden Gedanken „eingeflüstert“ werden? Ach so, ich möchte dem Leser die englische Entsprechung dieser Organisation nicht vorenthalten:

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik = German Council on Foreign Relations

An der Spitze der DGAP (und gleichzeitig einer der Hauptfinanziers) steht der Milliardär Arend Oetker. Die Oetker-Familie ist inzwischen ein kaum noch zu übersehendes Imperium, welches vielfältigen Einfluss in Wirtschaft, Politik und Medien ausübt. Arend Oetker selbst ist neben seiner Position als deutscher Konzernchef der Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG in Berlin auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. [31] Außerdem ist er Botschafter der Initiative Neue Marktwirtschaft:

„Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist eine marktliberale Lobby-Organisation, die von den Unternehmerverbänden der Metall- und Elektroindustrie (Gesamtmetall) finanziert wird. Sie will u.a. erreichen, dass der Arbeitsmarkt und das Bildungswesen stärker an den Bedürfnissen von Unternehmen ausgerichtet werden.“ [32]

Vorstand und Präsidium der DGAP ist ein Mix aus Wirtschaftsvertretern (Deutsche Bank, Airgroup, Vattenfall, Bertelsmann, Daimler, Allianz …) und ausgesuchten Journalisten, die damit über die Jahre einen gemeinsamen Bund geschlossen haben; parteiisch und auf die eigenen Ziele orientiert. So soll unabhängiger Journalismus leben können? Da ist es kein Wunder, wenn Herzingers Arbeitgeber in  „Die Welt“ ausgesprochen wohlgesonnene, völlig kritiklose, ja geradezu dienernde Artikel zur Oetker-Familie publiziert [33].

Es kann nicht überraschen, wenn unter den Großspendern für die DGAP auch dessen Strippenzieher zu finden sind: Airbus, Deutsche Bank, Herbert Quandt Stiftung, Robert-Bosch-Stiftung, BMW-Stiftung u.a. Schöner Nebeneffekt für die Großindustrie ist, dass sie – über den Missbrauch des Stiftungsgedankens – für Lobby-Arbeit auch noch Steuern senken können. Die Pervertierung wird komplett, wenn man erfährt, dass die DGAP tatsächlich auch noch aus Steuermitteln finanziert wird, denn einer der Mäzene ist: Das Auswärtige Amt, eines der obersten deutschen Bundesbehörden. [34]

Schließlich wollen wir nicht vergessen, wo die DGAP eingebunden ist. Sie ist Teil des Transatlantic Policy Network (TPN) und übernimmt so dessen Charta:

„Das […] TPN ist eine Organisation großer europäischer und US-amerikanischer Unternehmen sowie wirtschaftsnaher Netzwerke, die durch die Einbindung von europäischen und US-amerikanischen Politikern die transatlantische Politik im Sinne ihrer wirtschaftlichen Interessen beeinflusst. Das TPN setzt sich insbesondere für das geplante US-EU-Freihandelsabkommen TTIP ein. “ [35]

Nun erklärt das noch nicht so recht den eifernden Hass, mit dem Herzinger die Spalten seines Blattes füllt. Bekommt er bei der DGAP etwa auch das mit auf dem Weg? Ich denke schon, denn im Vorstand und Präsidium trifft Herzinger u.a. die hier [36]:

  • Arend Oetker: Trilaterale Kommission [37]
  • Elmar Brok: Einer der Mitarchitekten des Maidan, eines inszenierten Volksaufstandes in Kiew
  • Wolfgang Ischinger: Bestens bekannt als Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz; im Vorstand der Atlantik-Brücke sitzend und außerdem Mitglied der Trilateralen Kommission
  • Roland Berger: Stellv. Vorsitzender der Atlantik-Brücke; Botschafter der Initiative Neue Marktwirtschaft (s.o.)
  • Lars P. Field: Leiter des Walter Eucken Instituts
  • Eckard von Klaeden: Vostandsmitglied der Atlantik-Brücke, Beiratsmitglied Atlantische Initiative
  • Heinrich Weiss: Mitglied Trilaterale Kommission
  • Michael J.Inacker: Beiratsmitglied Atlantische Initiative
  • Eberhard Sandschneider: Beiratsmitglied Atlantische Initiative

Für Menschen in diesen Funktionen hat sich der Begriff Transatlantiker eingebürgert. Gegen einen Austausch und Verständigung mit Menschen und Institutionen in den Vereinigten Staaten von Amerika ist selbstredend nichts einzuwenden. Nur ist es leider so, dass Institutionen wie die Atlantik-Brücke, Trilaterale Kommission und Atlantische Initiative als verlängerte Arme ganz bestimmter Eliten der USA geschaffen geworden und ihr primäres praktisches Ziel ganz und gar nicht im vordergründig postulierten Gedanken zu Völkerverständigung und kulturellem Austausch besteht, sondern in der Aufrechterhaltung des Status der USA als der einer imperialistischen Führungsmacht für deren Wirtschafts- und Finanz-Eliten.

Bestimmte Eliten der USA, insb. der Neokonservativen, drehen derzeit mächtig am Rad und stilisieren Russland als den Hauptfeind der freiheitlichen westlichen Demokratien hoch, weil Russlands Politik natürlich die Stellung des Hegemons gefährdet. Eine unipolare Welt mit den USA an der Spitze ist nur dann gesichert, wenn unbegrenzter freier Handel, unbegrenzter Zugang zu Ressourcen möglich ist und dies alles unter der Flagge der Weltwährung US-Dollar geschieht. Um es kürzer zu sagen: Die Geldmaschine ist in Frage gestellt und die Renditen sind gefährdet. Ehe man selbst über Änderungen im eigenen System nachdenkt, wird die Schuld bei Anderen gesucht – und natürlich auch gefunden.

Wenn Schuldige gefunden wurden, hat man was? Ein Feindbild. Der Kreis schließt sich mit diesem großen Bild.

Und Richard Herzinger verkörpert eines der unzähligen kleinen Bilder des großen Bildes.

Und trotzdem hier noch einmal (ausdrücklich betont) meine Ansicht: Wenn wir nicht verstehen, dass die Ausbildung eines solch zementierten Weltbildes innerhalb eines Prozesses und oft schleichend geschieht. Wenn wir nicht verinnerlichen, dass auch wir unter gegebenen Umständen ohne weiteres in die gleichen Denkmuster verfallen können – und das auch regelmäßig im Alltagsleben tun(!), weil wir bequem und unreflektiert Dinge hinnehmen, die uns zum Vorteil gereichen. Ohne zu hinterfragen, ob sie auch anderen gut tun. Wenn wir meinen, dass wir ganz anders sind, besser sind. Dann sind wir schon fast drin in der Falle der Überhebung und des gestreichelten Ego’s – exakt die Voraussetzungen, um zum Dogmatiker zu werden. Dem zu Entgehen, muss ein Mensch etwas aufbringen, was eben nicht immer so einfach ist, wie es oft und gern ausgesprochen wird: Empathie und den Willen die eigene Bequemlichkeit zu überwinden.

Und – hat bereits jemand eine Lösung, wie man mit Kriegstreibern wie Richard Herzinger umgeht? Ich würde die anbieten:

  • Man ignoriert ihn – ihn und seine Gönner. Wer zwingt uns dazu, ein zum Kriege hetzendes Blatt wie „Die Welt“ zu konsumieren?
  • Man klärt Menschen auf, woran sich Kriegshetze erkennen lässt. Das am einfachsten zu erkennende Signal sind wiederkehrende Feindbilder. Damit sind weitere Menschen in der Lage, Hetzer wie Richard Herzinger zu ignorieren.
  • Man wird (endlich) aktiv, für den Frieden.

Für Letztgenanntes existiert kein Schema, hier ist Kreativität und Zusammenarbeit gefragt. Und wenn man diese drei Punkte angeht, so meine ganz persönliche Sicht, verwirft man auch die Idee, „Journalisten“ wie Richard Herzinger bekämpfen zu müssen, es wäre wirklich schade um die schöne Energie …


Anmerkungen

[a1] Übrigens sehe ich das ausschließliche Schönreden, das Überhöhen und Heiligsprechen eines Menschen ebenso als Propaganda. Kein Mensch kann solche Ansprüche erfüllen, die aus einem Platzieren der an sich selbst gestellten, überzogenen Erwartungen bei Anderen resultieren. Mensch ist nicht Teufel und natürlich auch nicht Gott.

[a2] Deshalb ist der Verweis auf die Schauprozesse beim Volksgerichtshof im Dritten Reich nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20.Juli 1944 ganz und gar nicht weit her geholt. Man schaue sich die alten Filmaufnahmen des „Gerichtsprozesses“ an. Richard Herzinger würde es voller Empörung von sich weisen. Aber aus meiner Sicht finden sich in Roland Freislers (dem damaligen obersten Richter des Volksgerichtshofes) „Vernehmungen“ alle Techniken eines vollständig von sich überzeugten und sich über andere hebenden Propagandisten wider, die Herzinger in seinen Hetzschriften anwendet. Einschließlich der eifernden Herabwürdigung seiner (selbst gewählten!) Gegner und dem Absprechen jeder moralischen Legitimität, ja dem Versuch, seinen Opfern die Menschenwürde vollständig zu nehmen.

Quellen

[1][8][9][11][12][19][20][24][26][27][28] http://www.welt.de/politik/article157605794/Der-Westen-muss-Putin-jetzt-endlich-stoppen.html

[2] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-128364478.html

[3] http://www.presseportal.de/pm/58966/3247595

[4] http://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine-krieg-merkel-auch-aufruestung-stoppt-putin-nicht-13415044.html

[5] http://www.morgenpost.de/politik/article207026971/Zehntausende-Syrer-fliehen-vor-Angriffen-Wer-stoppt-Putin.html

[6] http://www.focus.de/politik/ausland/politik-wer-stoppt-diesen-mann_id_4018397.html

[7] http://www.derwesten.de/politik/wer-stoppt-wladimir-putin-aimp-id11551765.html

[10] http://www.welt.de/157590327

[13] https://www.tagesschau.de/ausland/krim-strom-101.html

[14] http://peds-ansichten.de/2015/04/die-krim-krise-ursachen-und-hintergruende-2/

[15] Das Progrom von Korsun; Ulf Gerka; 14.12.14; https://groups.google.com/forum/#!topic/de.soc.politik.misc/siurLv-e3BA

[16] http://de.ukraine-human-rights.org/das-pogrom-von-korsun/

[17] White Book On Violations Of Human Rights And The Rule Of Law In Ukraine; 05/2014; http://www.globalsecurity.org/military/l…-mofa201405.pdf; http://www.voltairenet.org/IMG/pdf/White_Book_Voltaire_Network_-2.pdf

[18] https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2014/02/24/wie-eurofaschisten-unbewaffnete-einwohner-der-krim-ermordet-haben/

[21] https://www.radio-utopie.de/2008/08/09/saakaschwilis-blitzkrieg-deutsche-waffen-eingesetzt-israelische-militaerberater-und-us-soldaten-im-land/

[22] https://www.wsws.org/de/articles/2009/10/geor-o08.html][http://www.ceiig.ch/

[23] https://de.wikipedia.org/wiki/Micheil_Saakaschwili

[25] http://www.spiegel.de/sport/sonst/studie-der-humboldt-universitaet-systematisches-doping-in-der-brd-a-914597.html

[29] https://dgap.org/en/ip-journal/authors/208

[30] https://lobbypedia.de/wiki/Deutsche_Gesellschaft_f%C3%BCr_Ausw%C3%A4rtige_Politik

[31] https://de.wikipedia.org/wiki/Arend_Oetker

[32] https://lobbypedia.de/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

[33] http://www.welt.de/print-wams/article613319/Der-andere-Oetker.html

[34] https://lobbypedia.de/wiki/Deutsche_Gesellschaft_f%C3%BCr_Ausw%C3%A4rtige_Politik

[35] https://lobbypedia.de/wiki/Transatlantic_Policy_Network

[36] https://lobbypedia.de/wiki/Deutsche_Gesellschaft_f%C3%BCr_Ausw%C3%A4rtige_Politik

[37] https://de.wikipedia.org/wiki/Arend_Oetker

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Politik und Gesellschaft, Psychologie und Philosophie abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Kommentare zu Der Krieg des Richard Herzinger

  1. Tom sagt:

    Zentrale Rolle = Zentrale Schuld
    Ohne Mainstreammedien deren Aufgabe es ist uns innerhalb einer Wahrheitsmatrix zu halten, wäre vieles unmöglich.
    Das diese Kriegshetzer das unbewusst machen. Nein
    Ignorieren? ? Die Printmedien verlieren dramatisch aber was ändert sich ?
    Was nützt eine Friedensbewegung über die der Mainstream nicht berichtet?
    Was der Mainstream mit Gegnern macht, ist diffamieren verleumden und in die extremen Ecken drängen. Das würde meiner Meinung nach auch einer wiederauferstehenden Friedensbewegung nicht anders ergehen.
    Der Mainstream berichtet nicht über die 250000 friedlichen Teilnehmer er wird über 25 bezahlte vermummte linksextreme berichten die mit Baseballschlägern auf irgendwas einschlagen.
    Solange es so schwierig ist, Mitmenschen aus der Matrix zu befreien obwohl es genügend Quellen jenseits der Propaganda gibt kann ignorieren nicht der richtige Weg sein.
    AP,Reuters und Co, da geht es doch los mit der stets einseitigen NATO propaganda
    und mit diesen Quellen im Rücken weiß jeder der Geld verdienen will, was er zu schreiben hat. Ein überaus perfektioniertes System dessen Opfer die Objektivität ist.
    Der richtige Weg ich kenne ihn nicht.

    • Ped sagt:

      @Tom

      Suchen Sie weiter. Was ich am Ende des Artikels schrieb, waren lediglich meine Schlussfolgerungen – und diese als Angebot.
      Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber warten Sie nicht auf den „Erlöser“.
      Versuchen Sie, die Fragen, die Sie um treiben, präzise zu formulieren. Sie finden die Antworten bei sich selbst. Denn Sie haben den wichtigsten Schritt schon gemacht; umzuschalten aus der Lethargie in die eines wachen Beobachters. Das ist die Voraussetzung für Veränderungen – und schon das strahlt aus.
      In der Vielfalt liegt die Stärke. Ich freue mich auf Ihre Angebote 😉

      Seien Sie bestens gegrüßt
      Ped

  2. Wiwaldi sagt:

    Wunderbare Analyse, meinen Dank an Sie!
    Es ist gut das es Seiten wie Ihre oder Analitik gibt, Sie muessten viel mehr Menschen erreichen. Meine Hochachtung und weiter so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.