Eine weitere Episode mehr oder weniger plumper Propaganda der öffentlich-rechtlichen Sender


Bei der ARD-Tagesschau ist die folgende kleine Geschichte wohl nicht entwickelt worden. Wie schrieben mir doch Redakteure des Sendeformats in früheren Antworten auf offene Briefe: „Wir berichten nur darüber, was andere gesagt haben“. Sprich: Man lügt nicht selbst, sondern gibt Lügen nur weiter. Und glaubt, somit wieder in den Spiegel schauen zu können. Glaubt, man würde damit journalistische Standards pflegen. Wie schon oft betont: Glaube ist nicht alles. Glaube kann bis hin zum Selbstbetrug führen.


Blamieren tun sich hier aber nicht nur Mitarbeiter des mit Zwangsgebühren finanzierten Senders. Blamieren tun sich auch Politiker. Oder geben sie sich für ein Satirestück her?

GELOGEN am 25. April (Zitat in Schreibweise unverändert übernommen):

„Wenn wir die ganzen Sabotage und Spionageaktionen der Russen der letzten Monate sehen, dann spricht alles dafür, dass auch dieser Angriff aus Russland kommt.“ (1)

Nicht eine einzige der impliziten Behauptungen — „die ganzen Sabotage und Spionageaktionen der letzten Monate“ — ist belegt. Und aus diesen substanzlosen Behauptungen wird eine Schlussfolgerung gezogen. Diese und weitere Lügen des „grünen“ Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz werden widerspruchslos von der ARD weiterverbreitet. So wird die Bevölkerung getäuscht, so werden Kriege geführt. Sie werden nicht bloß vorbereitet, sie werden geführt! Und hier werden die arglosen Tagesschau-Konsumenten getäuscht — um sich geistig auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten.

Wie haben „die Russen“ denn das geschafft, was hier behauptet wird? Dazu wird dem Konsumenten hier eine haarsträubende Geschichte aufgetischt. Mehrere Mitglieder der Bundesregierung sowie die Bundestagspräsidentin sollen auf diese Weise „angegriffen“ worden sein:

„Bei der aktuellen Phishing-Attacke geben sich die Angreifer unter anderem als Signal-Support-Mitarbeiter aus. Die Nutzer werden aufgefordert, ihren PIN einzugeben. Tun sie das, haben die Angreifer Zugriff auf die Nachrichten, Fotos und Dokumente, die per Signal geteilt werden und wurden. Offenbar haben die Angreifer mit dieser Masche oft Erfolg.“ (1i)

Ist das jetzt Satire? Kann man so naiv sein? Oder ist das Skript einfach nur hanebüchen? Wenn es so schlimm ist, dann haben wir den Krieg gegen Russland längst verloren. Wobei, Stopp! Mein Krieg ist das nicht, man möchte „lediglich“, dass es auch der meine wird.

Wir reden hier nicht von der 90-jährigen Oma, die Gaunern auf den Leim gegangen ist, die es auf ihr Erspartes abgesehen haben. Wir sprechen von Bundestagsabgeordneten, die laut Verfassung dazu bestimmt und geeignet sein sollen, Entscheidungen im Sinne der Bürger der Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten und zu treffen.

Sollten Mitglieder der Bundesregierung und des Bundestages tatsächlich dermaßen unbedarft sein, dann wäre ein für sie ausgesprochenes Nutzungsverbot von verschlüsselten Kommunikationsdiensten wie Signal wahrscheinlich die beste Lösung. Viel wahrscheinlicher dürfte es aber sein, dass die ganze Geschichte erstunken und erlogen ist. Der „grüne Cyberexperte“ Notz betonte noch:

„Der schwerwiegende Angriff offenbare Schwächen im Bereich des digitalen Schutzes. Und er zeigt vor allen Dingen, dass wir im Fadenkreuz der Tätigkeit von russischen Nachrichtendiensten stehen.“ (1ii)

Unbedarfte, inkompetente, völlig naive Bundestagsabgeordnete, die mit einem Kommunikationsdienst rumspielen dürfen, von dem sie keine Ahnung haben, müssen vor der Tätigkeit von russischen Nachrichtendiensten geschützt werden? Eher möchte der Autor vor solch inkompetenten Abgeordneten geschützt werden. Aber wie gesagt: Es ist wohl doch erstunken und erlogen. Für die Pflege einer Kriegspsychose taugt es allemal. Der Nachrichtendienst, der sich diese krude Story ausgedacht hat, dürfte eher nicht in Russland sitzen. Und, da sind sie ja:

„Seit Februar warnen das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor einer gezielten Angriffswelle auf Signal-Konten. Sie richte sich gegen hochrangige Ziele aus Politik, Militär und Diplomatie sowie Investigativjournalisten.“ (1iii)

Der Clou sind die Investigativjournalisten. Investigativjournalisten sollen besonders mutige, der Wahrheit verpflichtete Journalisten sein. Menschen, die sich auf glattes Geläuf wagen und sich vor allem unbequemen Wahrheiten zu stellen wagen. Ach so, das noch: Ein Investigativjournalist, der auf Anfrage eines „kompetenten Signal-Mitarbeiters“ seine PIN eingibt, dürfte, auch formal, die längste Zeit Investigativjournalist gewesen sein.

Von einem Investigativjournalisten kann auch bei Philipp Eckstein, dem Autor der hier dem Spott preisgegebenen ARD-Tagesschau-Nachricht keine Rede sein. Aber vielleicht sieht er das ja auch selbst so.

Man muss nicht lange rätseln, um die ganze Geschichte als Nonsens, als Unfug, aber eben im Sinne des inneren und äußeren Friedens gefährlichen Unfug zu erkennen. Lügen werden zur vermeintlichen Wahrheit, wenn man sie breit streut und stetig wiederholt. Die reichweitenstärksten Medien sind dafür gerade gut genug, und so lesen wir (Hervorhebungen durch Autor):

„Am Wochenende berichten der Spiegel und die Nachrichtenagentur dpa, dass auch die Bundesregierung betroffen sein soll. Laut Spiegel wurden die Signal-Konten von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Bauministerin Verena Hubertz (SPD) kompromittiert.“ (1iv)

Die nächste Revolver-Geschichte ist bereits auf Sendung. Jetzt hat die Bundesanwaltschaft einen Kasachen festnehmen lassen, der in der bundesdeutschen Hauptstadt öffentliche Einrichtungen mit seinem Samartphone fotografiert hat:

„Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios und des SWR waren die Ermittler dabei einerseits vom großen Umfang des Materials und vom umfassenden Einsatz des Beschuldigten überrascht. Andererseits hat er nach aktuellem Stand der Auswertungen seines Mobiltelefons wohl nur Dinge fotografiert, die öffentlich einsehbar beziehungsweise bekannt sind. Juristisch schließt das aber eine Strafbarkeit wegen »geheimdienstlicher Agententätigkeit« nicht aus.“ (2)

Sollten Sie in der Hauptstadt fotografieren, dann seien Sie vorsichtig, liebe Leser. Hinter Ihnen könnte auch „der Russe“ stecken.

Berichtet wurde das von — halten Sie sich gut fest — „ARD-Sicherheitsexperten“ (2i). Jeder blamiert sich halt, so gut er kann. Und bei der ARD kann man. Inzwischen ist wirklich keine Geschichte mehr geschmacklos genug, als dass man sie dem Konsumenten nicht doch auftischen könnte. Guten Appetit, werter Tagesschau-Nutzer.

Bitte bleiben Sie schön achtsam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

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(1 bis 1iv) 25.04.2025; ARD-Tagesschau; Philipp Eckstein; Bundesregierung vermutet Moskau hinter Signal-Attacke; https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/signal-phishing-attacke-bundesregierung-100.html

(2, 2i) 29.04.2026; ARD-Tagesschau; Michael Götschenberg, Holger Schmidt; Kasache soll für Russland spioniert haben; https://www.tagesschau.de/inland/spionageverdacht-russland-deutschland-100.html

(Titelbild) Pinoccio, Lüge, Nase; Roland Schwerdthöfer (Pixabay); 22.08.2015; https://pixabay.com/de/photos/pinocchio-nase-l%C3%BCgennase-lang-l%C3%BCge-2917652/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

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