Im Grunde ist diese augenscheinlich provokative Frage überflüssig. Natürlich ist Merz ein Agent.


Die Frage müsste vielmehr lauten: Für wen arbeitet Friedrich Merz? Dafür gibt es reichlich Indizien. Umso erstaunlicher — oder auch nicht —, stellt sich die Befassung mit diesen Indizien dar. Deutlicher gesagt, findet eine solche Befassung im öffentlichen Informationsraum kaum statt. Warum ist das so? Noch wichtiger scheint dem Autor aber etwas anderes. Wenn ein Mensch befangen und in Abhängigkeiten gefangen Deutscher Bundeskanzler wird, und dies bekannt ist: Warum wird sein Tun im Amt gerade unter diesem Aspekt nicht angemessen kritisch verfolgt?


Das Wort Agent hat etwas anrüchiges, deshalb auch wirkt es in der Überschrift provokativ. Allerdings beschreibt es in seiner nüchternen Bedeutung nichts weiter als einen zur Wahrung und Vertretung von Interessen Beauftragten. So sollte der deutsche Agent Friedrich Merz die Interessen der Bundesrepublik Deutschland vertreten wie das der russische Agent Wladimir Putin für die der Russischen Föderation tun sollte. Dabei sollte uns die Tätigkeit des deutschen Agenten naturgemäß mehr umtreiben als die des russischen.

Ein gängiges wie lebensnahes Sprichwort lautet: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Der Lebensweg eines jeden Menschen, seine Entscheidungen, sein Handeln, liefern die Indizien für seine Motive. Als soziale Wesen sind wir geneigt Abhängigkeiten einzugehen. Unser Opportunismus, ein natürlicher, menschlicher Hang Herausforderungen bequem und mit minimalen Energieaufwand zu bewältigen, ist eine starke wie eher unauffällige Kraft auf dem Weg in Abhängigkeiten. Opportunismus hat nichts von der Dramatik bei Ängsten. Allerdings kann uns die Angst einholen, wenn wir uns über unseren Opportunismus dermaßen in Abhängigkeiten manövriert haben, dass wir uns der negativen Begleitumstände dieser Abhängigkeiten bewusst werden. Dann kann Angst eine starke Waffe sein, um den Ausstieg zu verhindern.

Was es für den Aufstieg braucht

Opportunismus lebt nicht nur von Bequemlichkeit sondern auch von Oberflächlichkeit, von einem Mangel an Achtsamkeit. Menschen mit überzogenem Ego fehlt es in der Regel an Achtsamkeit. Ihre vermeintlich erfolgreiche Karriere steht für sie im Mittelpunkt, und ebenso sehen sie über die möglichen Folgen ihres Handelns hinweg. Mit einem Übermaß an Ego ausgestattete Menschen sind bereit einen hohen Preis zu zahlen, sowohl für sich selbst als auch für ihre Mitmenschen.

Nehmen wir als Drittes noch den Narzissmus, das gezielt öffentlichkeitswirksame Auftreten, das selbstverliebte Sonnen in der Menge, die Präsentation simpler Lösungsmodelle für komplexe Probleme, um beim Publikum zu punkten, von diesem gefeiert zu werden. Opportunismus, Egoismus und Narzissmus: Sind das hervorragende Charaktermerkmale eines Friedrich Merz?

Das narzisstische Gen ist bei Merz bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei einer Reihe von Mitbewerbern in der jüngeren deutschen Politiklandschaft (mehr dazu siehe weiter unten). Doch ohne Egoismus kein Streben nach Macht. Das Machtgen impliziert ein Mindestmaß an Rücksichtslosigkeit um Gegner ausstechen zu können. Als vor einem Vierteljahrhundert, nach dem Ende der Ära des Helmut Kohl, der Machtkampf um die Führung der CDU entbrannte, musste es ein Friedrich Merz sehr persönlich genommen haben, von einer Angela Merkel ausgestochen zu werden. Merkel schrieb später:

„Es gab ein Problem, und zwar von Beginn an: Wir wollten beide Chef werden.“ (1)

Und so lange man sein eigenes Wesen nicht kritisch hinterfragt, wird man auch sein Leben lang versuchen auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Mit der Rolle eines Juniorchefs unter Merkel mochte sich Merz 2007 nicht mehr abgeben. Er zog sich aus der Spitzenpolitik zurück. Doch in der Folgezeit würde er über den Drehtüreffekt für seine zweite politische Karriere fit gemacht werden. Und dessen war sich Friedrich Merz auch jederzeit im Klaren. Es begann schließlich lange bevor er überhaupt seine erste Politkarriere unterbrach. Merz war beizeiten ein Mann der Unternehmen, und zwar nicht etwa der kleinen sondern der großen, der ganz großen. Im Berliner Tagesspiegel war 2007 zu lesen:

„In der Wirtschaft war Merz immer wieder hoch gehandelt worden. »Wird Merz neuer Bahn-Chef?« titelte die ‚Bild‘-Zeitung im April 2006. Zwar wurde der Bericht umgehend dementiert, doch Merz war wieder einmal im Gespräch. Viel wurde seither über seine Ambitionen spekuliert. Seit Mitte 2005 gehört er dem Aufsichtsrat der Deutschen Börse an. Außerdem berät er als Anwalt den Energiekonzern RAG beim Börsengang — was parteiintern von vielen kritisch gesehen wird.“ (2)

Schon damals gab es also eine bedenkliche, konfliktträchtige Vermischung der Interessenvertretung durch Friedrich Merz. Merz ist gelernter Jurist. Doch beizeiten wurde er von seiner Partei als Finanzexperte verkauft. Das passte insofern, als der spätere Bundeskanzler bereits vor über zwei Jahrzehnten zu einer wichtigen Schnittstelle zwischen Politik auf der einen und Banken- wie Konzernwirtschaft auf der anderen Seite aufgebaut worden war.

Merz steht hier als Politiker exemplarisch, jedoch beileibe nicht exklusiv! Merz steht für Normalität im hohen Politikbetrieb. Wenn in diesem Politikbetrieb so getan wird, als vertrete man die Interessen der Wähler, man sein Geschäft jedoch in Wirklichkeit für Partikularinteressen betreibt, wie nennt man das? Passt vielleicht Politzirkus?

Friedrich Merz und sein ehrlich verdientes Geld

Durch ihre fehlgeschlagene Beteiligung an riskanten Spekulationsgeschäften mit verbrieften Wertpapieren war die Landesbank von Nordrhein-Westfalen, auch als WestLB bekannt, seit 2007 in Schwierigkeiten geraten. Nach dem üblichen Prinzip des too-big-too-fail, im Deutschen in etwa als zu-groß-zum-Pleitegehen zu verstehen, „rettete“ der Staat das Institut und seine Idee bestand darin, selbiges an einen privaten Investor zu verkaufen (3).

Im Zuge dessen bestellte der Bankenrettungsfonds SoFFin den gerade aus dem Deutschen Bundestag ausgeschiedenen Friedrich Merz zum sogenannten Veräußerungsbeauftragten. Für diese Tätigkeit erhielt Merz pro Kalendertag 5.000 Euro „ehrlich verdientes Geld“. Eine öffentliche Behörde schanzte Merz also innerhalb eines Jahres 1,5 Millionen Euro aus Steuermitteln für „Veräußerungsbemühungen“ zu — die übrigens scheiterten. Der Autor grübelt noch immer angestrengt darüber nach, wie man an solch einen durch Steuern finanzierten Beratervertrag kommt. Eine ausgebildete Pflegekraft kann für solch ein Salär mindestens 50 Jahre stricken. Womit sie an die Lebensarbeitszeit herankommen dürfte, die der Merz dieser Tage dem arbeitenden Volk zuzumuten gedenkt (4).

Wie aus dem Bericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des NRW-Landtags zu den Vorgängen rund um die WestLB hervorgeht, sei das „nicht gerade billige Angebot“ (so der frühere NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans) für Merz selbst ein Honorar gewesen, das „Standardstundensätzen“ entsprochen hätte (3i).

Bereits seit 2005, noch als aktiver Bundestagsabgeordneter, hatte der Transatlantiker Merz einen Beratervertrag bei der deutschen Tochter der US-amerikanischen Antwaltskanzlei Mayer Brown erhalten (5). Und er erhielt den SoFFin-Auftrag als Mayer-Brown Partner:

„Eine zentrale Rolle spielte dabei Beobachtern zufolge die Erfahrung der Kanzlei mit notleidenden Krediten […]. Mayer Brown genießt in diesem Bereich seit Jahren einiges Renommee. 2007 war die Kanzlei an der ersten Verbriefung von notleidenden Krediten in Deutschland beteiligt.“ (6)

Kam die Bundesbehörde SoFFin 2010 rein zufällig auf Friedrich Merz, um dem gerade ausgeschiedenen Bundestagsabgeordneten Hilfe zu leisten, damit er nicht in prekären Verhältnissen versank? Wie kam es, dass Mayer Brown bereits die drei vorherigen Jahre für gutes Geld bei der Sanierung oder Abwicklung notleidender Kreditinstitute öffentlichen Behörden beratend zur Seite stehen durfte? Kann es sein, dass ein netter Onkel von Mayer Brown wiederum drei Jahre zuvor auf den Noch-CDU-Vizevorsitzenden zugekommen war, um eine beiderseitig nützliche Kooperation anzubieten?

Oder war das alles reiner Zufall?

An Mayer Brown flossen schließlich zwei Millionen Euro und Mayer Brown hatte letztlich auch den Tagessatz von 5.000 Euro für seinen Partner Merz aufgerufen — kein Problem für den Ex-Politiker und zukünftigen Politiker, den späteren Bundeskanzler. Es war ja nur Steuergeld, dessen Ausgabenkürzung er mit spitzer Feder bei den unteren Einkommen ansetzt, aber, Gott bewahre, nicht bei sich. Übrigens durfte sich auch die US-Kanzlei Morgan Stanley mit 3,6 Millionen Euro bei der SoFFin bedienen (7).

Pikanterweise bekam Friedrich Merz sein „ehrlich verdientes Geld“ bald auch von einem Geldwäscheverein. Tatsächlich war er sogar im deutschen Ableger Mitglied dessen Verwaltungsrates und später dem Aufsichtsrat angehörig. Dabei handelt es sich um die renommierte britische Großbank HSBC (in Deutschland HSBC Trinkaus & Burkhardt). Tatsächlich fanden US-Ermittler heraus, dass HSBC kurz vor dem Engagement von Merz bis zu sieben Milliarden US-Dollar von Geldwäschegeschäften aus dem Drogenhandel in die USA transferiert hatten. Außerdem wurden Verbindungen zu saudischen Banken aufgedeckt, die an der Finanzierung von al-Qaida beteiligt waren (8). HSBC zahlte eine Rekordstrafe von 1,9 Milliarden US-Dollar um eine Strafverfolgung zu vermeiden (9).

2010/11 war Merz parallel als „Veräußerungsbeauftragter“ respektive Mayer Brown-Partner für die SoFFin einerseits und für HSBC Trinkaus & Burkhard andererseits tätig. Und wie es der Teufel will, gab es doch in genau dieser Zeit Verhandlungen über einen Teilverkauf der WestLB an HSBC. Dass Merz in gewisser Weise wenigstens indirekt an beiden Seiten des Verhandlungstisches saß, war selbstverständlich auch einfach lediglich ein dummer Zufall (8i, 10). Wenn der Autor dem geneigten Publikum nun noch erzählt, dass einer der Premium-Klienten von Mayer Brown eben HSBC war (11) und das HSBC auch noch in die sogenannten CumEx-Geschäfte zur illegalen Steuervermeidung verstrickt war (12)…

Kaum, dass Friedrich Merz so richtig in seine fürstlich bezahlten Nebentätigkeiten als Mayer Brown-Partner eingestiegen war, klagte er 2006 gegen die Offenlegung seiner Nebentätigkeiten (13). Nebentätigkeiten deshalb, weil seine primäre Aufgabe eigentlich in der Wahrnehmung seiner vom Wähler übertragenen und großzügig vergüteten Rolle als Bundestagsabgeordneter bestand. Dort scheint er sich nicht gerade Einen abgebrochen zu haben. Bereits ein Jahr später saß Merz ganz nebenbei in sieben Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräten deutscher Unternehmen (14). Und dieser Merz erklärt seinen an der Nase herumgeführten Wählern heute, dass sie gefälligst den Gürtel enger schnallen müssten.

Dabei haben wir noch nicht einmal von BlackRock geredet, aber das kommt nun gleich.

Wie deutsch sind deutsche Unternehmen?

Im Februar 2026 reiste Merz nach China — mit ihm 30 hochrangige Wirtschaftsvertreter der deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW, dazu solche von Siemens, Adidas und mehrerer mittelständischer Unternehmen (15). Damit kann man rasch zur Auffassung gelangen, dass der Bundeskanzler deutsche Interessen vertrat. Nun gibt es da ein Aber: Wie deutsch sind eigentlich heutzutage deutsche Großkonzerne?

Der US-amerikanische Vermögensverwalter BlackRock hält derzeit rund 6,2 Prozent der Anteile an der Mercedes-Benz Gruppe (16) und etwa 3,5 Prozent bei Daimler Truck (17). Der Tochterkonzern Daimler Truck setzt derzeit übrigens voll auf „Wachstum im Defence-Bereich“ (18). BlackRock hält außerdem 3,8 Prozent der Anteile der BMW Group (19). Etwa 20 Prozent der Aktien finden sich als Streubesitz in den Händen institutioneller Anleger in den USA (20), neben BlackRock solche wie Vanguard und JPMorgan (21).

Mindestens zehn Prozent der stimmberechtigten Stammaktien am Volkswagen-Konzern hält die in den USA eingetragene katarische Investmentgesellschaft Qatar Holding LLC (22). Wer in die Fonds der Gesellschaft investiert, war nicht ermittelbar (23, 24) — und damit auch nicht, inwieweit BlackRock und Seinesgleichen involviert sind. Etwa 6,6 Prozent der Anteile am Siemens Konzern hält erneut BlackRock (25). Weitere Anteile halten unter anderen HSBC und „die üblichen Verdächtigen“ aus den USA wie BNP Paribas, Vanguard, JPMorgan und State Street (26).

Und wie sieht es mit Adidas aus? BlackRock hält etwa 7,7 Prozent der Anteile am Sportartikelhersteller (27), weitere fünf Prozent liegen bei Goldman Sachs und drei Prozent bei The Capital Group, beides US-Investoren (28). Die hier kurz recherchierten Daten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber unübersehbar ist die allgegenwärtige Präsenz von BlackRock.

Nun die heikle Frage: Vertritt Friedrich Merz die Interessen der deutschen Industrie oder die derer Investoren?

BlackRock ist der Größte unter den Großen der weltweit agierenden Finanzkonzerne. Das betriebene Konzept von BlackRock ist eines von Globalisten. Es richtet sein Augenmerk nicht auf nationale Interessen sondern auf die zu erzielenden Renditen. Der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz hat vier Jahre lang in führender Position bei BlackRock Deutschland gewirkt. Sein dort opulent vergüteter Job hatte einen klaren Zweck. Merz war und ist ein Lobbyist, egal ob Bundeskanzler oder nicht.

Der BlackRock-Kanzler

Von 2016 bis 2020 wurde Merz fürstlich bezahlt für die Leitung der deutschen Tochter des BlackRock-Imperiums. Seinen Aufsichtsratsposten honorierte man mit jährlich 150.000 Euro, ein zusätzlicher Beratervertrag dürfte ihm jährlich mindestens die gleiche Summe eingebracht haben. Merz arrangierte Treffen von BlackRock-Chef Larry Fink mit deutschen Bundesministern wie Wolfgang Schäuble, Peter Altmaier und Olaf Scholz und weiteren hochrangigen Politikern wie Kanzleramtschef Helge Braun und Vizekanzler Sigmar Gabriel — und dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit (29). Das lässt sich als vorbildliche Kungelei von gewählten Politikern mit der Finanzwirtschaft charakterisieren — und zwar der Finanzwirtschaft eines fremden Staates.

BlackRock, dessen Geschäft darin besteht, das Vermögen schwerreicher wie politisch einflussreicher institutioneller Investoren aber auch privater Anleger (Menschen wie Sie und ich) zu mehren, berät die US-amerikanische Fed (Federal Reserve, US-Zentralbank), die EZB (Europäische Zentralbank) und die Europäische Kommission. Es berät sie im Sinne seines Geschäfts, darüber sollte es keinerlei Zweifel geben. So stellt sich die direkte Einflussnahme eines Finanzkonzerns auf nationale und supranationale Politik dar (30).

BlackRock und die Seinen vertreten ihre Investoren in den lukrativsten Sparten der Gegenwart. Lukrativ vor allem deshalb, weil in diesen kräftig unter dem werbenden Begriff Public Private Partnership (PPP, zu deutsch Öffentlich Private Partnerschaft)  großzügig aus nationalen Haushalten zugeschossen wird. Das ist die Pharmabranche („Corona“ lässt grüßen), Ölindustrie (Fracking), Landwirtschaft (Gentechnologien), Digitalkonzerne und nicht zuletzt der Rüstungssektor. Die verschlungenen Pfade der unzähligen Investments, die BlackRock in Unternehmensbeteiligungen möglichst gewinnbringend platziert, führen zu „alten Bekannten“ wie Microsoft, Google, Apple, Amazon und weiteren.

BlackRock ist übrigens auch der offizielle Koordinator für den Wiederaufbau der Ukraine. Die maximale Ruinierung der Ukraine verspricht für die Zukunft glänzende Geschäfte (31). Da kommt die bundesdeutsche Politik — mit Friedrich Merz an der Spitze —, die auf einen Kampf bis zum letzten Ukrainer setzt, gerade recht.

Friedrich Merz hätte als vorbildlicher Demokrat und Politiker einer Vorzeigedemokratie nie und nimmer das Amt des Bundeskanzlers übernehmen dürfen. Im Wissen um die bestehenden Interessenkonflikte hätte er ganz von sich aus, aufgrund von Gewissensgründen, das Mandat ablehnen müssen. Das hat er nicht getan. So, wie es andere auch nicht tun und taten. Eben weil diese Demokratie sich stets aufs Neue als eine Fassadendemokratie entpuppt.

Fazit mit Personalvergleich

Der Autor erkennt, dass Friedrich Merz beides ist: ein abgehobener Egomane und ausgeprägter Opportunist. Was die große Masse der Bevölkerung in diesem Land wirklich bewegt, ist nicht sein Problem. Dafür wurde er auch nicht zum Bundeskanzler gekürt. Damit steht Merz nicht allein. Trotzdem unterscheidet er sich von anderen hochrangigen deutschen Politikern unserer Tage. Denn eines ist Merz nicht: politisch dumm und ideologisch verstrahlt. Er wird nie solche Dummheiten von sich geben wie eine Annalena Baerbock.

Von Doppelmoral und diplomatischer Inkompetenz getränkt, tönte die damalige deutsche Außenministerin im Jahre 2024 bei ihrem Besuch in China:

„Gerade für den Schutz deutscher und europäischer Werte und Interessen müssen wir am Intensivsten mit Jenen sprechen, mit denen wir in etlichen Dingen anderer Meinung sind oder die andere Rollen wahrnehmen als wir. […] Drohnen aus chinesischen Fabriken und nordkoreanische Truppen, die den Frieden mitten in Europa angreifen, verletzen unsere europäischen Sicherheitsinteressen.” (32)

In der Berliner Zeitung kommentierte das treffend Frank Sieren:

„Konfrontativ, weithin der Welt entrückt und mit heißer Luft aufgepumpt nimmt die Außenministerin China aufs Korn. Doch die Welt steht nicht hinter ihr.“ (32i)

Im Jahre zuvor hatte Baerbock, wohlgemerkt als amtierende Außenministerin, Chinas Präsidenten Xi Jinping zum Diktator abgestempelt (33). Mehr selbstüberhebender Narzissmus geht kaum. Und es war nicht der einzige Tritt ins Fettnäpfchen, welcher dem „Lehrmeister aus dem Westen“ (34) unterlief. Pragmatismus, welcher die konsequente Vertretung von Interessen — für wen auch immer — natürlich nicht ausschließt, war der sich in infantiler Weise gebärdenden Baerbock stets fremd. Bei Friedrich Merz sieht das anders aus. Zu seinem China-Besuch im Februar 2026 führte er aus:

„Wir wollen unsere umfassende strategische Partnerschaft stärken. Eine wichtige Rolle hat heute die Frage gespielt, wie wir unseren Wettbewerb gestalten. Das ist nicht nur wirtschaftlich von Bedeutung, sondern das sagt auch etwas über die Qualität unserer Partnerschaft aus. Chinesen und Deutschen ist bewusst: Unser wirtschaftlicher Austausch trägt ganz maßgeblich zum Wohlstand beider Länder bei. Dass hier zwei der drei größten Volkswirtschaften der Welt miteinander Handel treiben, entfaltet eine große Kraft, und zwar sowohl für uns als auch darüber hinaus.“ (35)

Anders ausgedrückt: Unter vier Augen wird mir Friedrich Merz vermitteln, dass seine öffentlichen Äußerungen nicht persönlich aufzufassen seien. Politik sei nun einmal ein schmutziges Geschäft. Annalena Baerbock dagegen glaubt ganz fest an das, was sie in der Öffentlichkeit von sich gibt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die regelmäßig getätigten Behauptungen des Multimillionärs Merz (36) weniger dreist und skrupellos wären als die von Baerbock. Sie sind vielmehr wohlkalkuliert und bedienen Erwartungen. Kleiner Gedankenanreiz: Eine Neuausrichtung des Rentensystems in Richtung privater Fürsorge wäre voll und ganz im Sinne von BlackRock (37). Denn was Merz aus gutem Grund nicht an die große Glocke hängt: Es geht um ein Geschäftsmodell, aus dem sich viel Profit saugen lässt.

Merz ist also kein gläubiger Eiferer. Dafür ist er ein Zyniker, was typisch für kalkulierende Machtmenschen ist. Als sich der mit „ehrlicher Arbeit“ zum abgehobenen Multimillionär hochgediente Politiker — der sich sich als Teil der „gehobenen Mittelschicht“ betrachtet (38, a1) — über mangelnde Arbeitsmoral der Deutschen echauffiert hatte:

„Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten.“ (39),

wehte ihm der Wind ins Gesicht. Es war kein Problem, kurz darauf einen Schwenk zu machen:

„Aber wir haben in Deutschland Gruppen, vor allen Dingen unter den Jüngeren, die sehr, sehr viel arbeiten.“ (39i),

um damit gleich wieder die Jungen gegen die Alten auszustechen. Zynismus beschreibt eben auch einen Selbstbetrug, einen permanenten Selbstbetrug gegenüber noch immer im Selbst vorhandene, tiefsitzende ethische Überzeugungen.

Aber Beide, Baerbock und Merz, sind Spiegel unserer Gesellschaft. Sie sitzen in ihren Positionen, weil ein Teil der Gesellschaft solche Menschen hofiert. Sie sitzen aber vor allem deshalb dort, weil es die Mehrheit der Menschen auch überhaupt nicht interessiert, inwieweit Abhängigkeiten von Merz und Co die praktische Arbeit innerhalb ihres Mandats als Politiker bestimmen, was sich doch dann wiederum auf die Gesellschaft als Ganzes auswirkt.

Bitte bleiben Sie achtsam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden.

(a1) Der Multimillionär Friedrich Merz hat keine Probleme mit sich und der Welt, als Bundeskanzler 36.000 Euro im Jahr, die an Kosten für die Pflege seiner Haut und Haarpracht anfallen, der Bundeskasse in Rechnung zu stellen. Das ist ein Betrag, den die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung in diesem Land (der Autor eingeschlossen) gern und mit Kusshand als Jahresbruttoeinkommen (wohlgemerkt Brutto und vor Steuern) einstreichen würde (40).

(1) 01.12.2025; Merkur; Christian Deutschländer; Parteifreunde und Erzfeinde: Warum sich Merz und Merkel zutiefst misstrauen; https://www.merkur.de/politik/misstrauen-cdu-groessen-im-clinch-warum-sich-merz-und-merkel-zutiefst-93546710.html

(2) 06.02.2007; Tagesspiegel; Merz-Rückzug: Grübeln in der Union; https://www.tagesspiegel.de/politik/grubeln-in-der-union-1445821.html

(3, 3i) 11.01.2021; news.de; Franziska Kais; Friedrich Merz Vermögen: Seine Millionengeschäfte als Lobbyist, Aufsichtsrat und Berater; https://www.news.de/politik/855727990/friedrich-merz-vermoegen-einkommen-in-politik-und-privatwirtschaft-millionaer-als-lobbyist-aufsichtsrat-cdu-politiker-und-berater/1/

(4) 14.07.2025; Deutschlandfunk; Thuy-An Nguyen; Wohlstand durch mehr Arbeit: ein leeres Versprechen; https://www.deutschlandfunkkultur.de/wohlstand-wachstum-arbeit-ungleichheit-mittelschicht-arbeitszeit-debatte-merz-100.html

(5) Mayer Brown; Früherer Partner Friedrich Merz; https://www.mayerbrown.com/de/people/m/merz-friedrich; abgerufen: 18.03.2026

(6) 17.06.2010; juve; Norbert Parzinger; WestLB: Mayer Brown-Partner Friedrich Merz leitet Verkauf; https://www.juve.de/markt-und-management/nl102403/

(7) 06.06.2011; Welt, dpa; Sebastian Jost; Berater der WestLB kassierten Millionenhonorare; https://www.welt.de/wirtschaft/article13415366/Anwaelte-Berater-der-WestLB-kassierten-Millionenhonorare.html

(8) 17.07.2012; NBC News; Alastair Jamieson; Report: HSBC allowed money laundering that likely funded terror, drugs; https://www.nbcnews.com/businessmain/report-hsbc-allowed-money-laundering-likely-funded-terror-drugs-889170

(9) 25.05.2025; LabNews; Geldwäscheskandale bei HSBC in Europa: Ein Schatten über Friedrich Merz; https://labnews.io/geldwaescheskandale-bei-hsbc-in-europa-ein-schatten-ueber-friedrich-merz/

(10) 15.08.2011; Tagesspiegel; Trinkaus hat Interesse an der WestLB, HSBC will zur Konkurrenz aufschließen; https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/trinkaus-hat-interesse-an-der-westlb-hsbc-will-zur-konkurrenz-aufschliessen-1940383.html

(11) 06.08.2018; Mayer Brown; Mayer Brown advises HSBC on commercialising ‚Know Your Client‘ software solution; https://web.archive.org/web/20190719202729/https://www.mayerbrown.com/en/news/2018/08/mayer-brown-advises-hsbc-on-commercialising-know-y, sowie 30.09.2022; Mayer Brown Secures High-Profile Appellate Victory For HSBC; https://web.archive.org/web/20251006043808/https://www.mayerbrown.com/en/news/2022/10/mayer-brown-secures-high-profile-appellate-victory-for-hsbc

(12) 07.11.2018; Finanzwende; Offener Brief an Friedrich Merz; https://www.finanzwende.de/themen/cumex/offener-brief-an-friedrich-merz/

(13) 22.11.2024; Lobbycontrol; Christina Deckwirth; Friedrich Merz: Kanzlerkandidat mit Lobbykontakten; https://www.lobbycontrol.de/aus-der-lobbywelt/friedrich-merz-kanzlerkandidat-mit-lobbykontakten-118722/

(14) 11.07.2007; Manager Magazin; Christian Buchholz; Die Nebeneinkünfte des Friedrich Merz; https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-493053.html

(15) 18.03.2026; RT deutsch; Ladislav Zemánek; Wenn Ideologie der Realität nicht standhält: Warum Deutschland sich wieder China zuwendet; https://freedert.online/asien/273691-wenn-ideologie-realitaet-nicht-standhaelt/

(16) 17.03.2026; Ad Hoc News; Mercedes-Benz Group Aktie: BlackRock passt Beteiligung an — Signal für Stabilität?; https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/mercedes-benz-group-aktie-blackrock-passt-beteiligung-an-signal-fuer/68699003

(17) 02.05.2025; Daimler Truck Aktie: BlackRock rührt sich!; Stock World; https://www.stock-world.de/daimler-truck-aktie-blackrock-ruehrt-sich/

(18) 28.01.2025; Daimler Truck; Zetros; Daimler Truck setzt auf Wachstum im Defence-Bereich; https://www.daimlertruck.com/newsroom/pressemitteilung/daimler-truck-setzt-auf-wachstum-im-defence-bereich-52960581

(19) 15.07.2025; Market Screener; BMW: Stimmrechtsmitteilung BlackRock; https://www.marketscreener.com/quote/stock/BMW-AG-56358353/news/BMW-Stimmrechtsmitteilung-BlackRock-15-07-2025-50521415/

(20) 31.12.2025; BMW Group; Aktionärsstruktur; https://www.bmwgroup.com/de/investor-relations/aktie.html#aktionaersstruktur

(21) 17.03.2026; Fintel; Bayerische Motoren Werke Aktiengesellschaft; https://fintel.io/so/de/bmw

(22) 12.11.2024; Finanzen, Immobilien und Vermögen von VIPS & Promis; Wem gehört Volkswagen — Aktuelle Eigentumsverhältnisse; https://www.uamr.de/wem-gehoert-volkswagen/#Qatar_Investment_Authority_als_Grossinvestor

(23) Zawya; Qatar Holding LLC; https://www.zawya.com/company/5035487758/qatar-holding-llc; abgerufen: 18.03.2026

(24) QIA; Funds; https://www.qia.qa/en/portfolio/Pages/Funds.aspx; abgerufen: 18.03.2026

(25) 12.06.2025; Stock World; Siemens Aktie: Analysten-Jubel und BlackRock-Manöver!; https://www.stock-world.de/siemens-aktie-analysten-jubel-und-blackrock-manoever/

(26) Trading View; Siemens Aktiengesellschaft; Funds holding the stock; https://www.tradingview.com/symbols/XETR-SIE/etfs/; abgerufen: 18.03.2026

(27) F18.08.2025; boerse-express; Felix Baarz; Adidas Aktie: BlackRock schlägt zu!; https://www.boerse-express.com/news/articles/adidas-aktie-blackrock-schlaegt-zu-818286

(28) adidas; Geschäftsbericht 2025; https://report.adidas-group.com/2025/de/konzernabschluss/konzernanhang/erlaeuterungen-zur-konzernbilanz/auf-anteilseigner-entfallendes-kapital.html; abgerufen: 18.03.2026

(29) 21.01.2019; Deutscher Bundestag, 19. Wahlperiode; Drucksache 19/7190; https://dserver.bundestag.de/btd/19/071/1907190.pdf

(30) 13.02.2025; NachDenkSeiten; Werner Rügemer; BlackRock im Kanzleramt?; https://www.nachdenkseiten.de/?p=128643

(31) 11.12.2025; Berliner Zeitung; Nicolas Butylin; Kein Merz, kein Macron, kein Tusk: Übernimmt jetzt Blackrock die Ukraine-Verhandlungen?; https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/europa-isoliert-uebernimmt-jetzt-blackrock-die-ukraine-verhandlungen-li.10009765

(32, 32i) 03.12.2024; Berliner Zeitung; Frank Sieren; Annalena Baerbock in Peking: Auch bei ihrem letzten Besuch keine Harmonie; https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/annalena-baerbock-in-peking-auch-bei-ihrem-letzten-besuch-keine-harmonie-li.2277766

(33) 18.09.2023; ARD-Tagesschau; Benjamin Eyssel; Empörung in China über „Diktator“-Aussage; https://www.tagesschau.de/ausland/asien/baerbock-china-118.html

(34) 14.12.2024; Merkur; Baerbock mit heiklem China-Besuch — in der deutschen Wirtschaft schrillen die Alarmglocken; https://www.merkur.de/wirtschaft/baerbock-mit-heiklem-china-besuch-in-der-deutschen-wirtschaft-schrillen-die-alarmglocken-zr-93455646.html

(35) 25.02.2026; Der Bundeskanzler; Merz in Peking: Partnerschaft in eine gute Zukunft führen; https://www.bundeskanzler.de/bk-de/aktuelles/statement-kanzler-peking-2408662

(36) 26.02.2025; HL Journal; Janette Reims; Friedrich Merz Privatvermögen; https://hl-journal.de/friedrich-merz-privatvermoegen/

(37) 03.02.2026; ARD-Tagesschau; Merz will Rentenreform noch 2026 auf den Weg bringen; https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/rente-rentenreform-102.html

(38) 03.02.2025; taz; Jost Maurin; Gutverdiener unter sich; https://taz.de/Merz-Soeder-und-Reichtum/!6063163/

(39, 39i) 25.05.2025; Merkur; Simone Schröder; Polarisierende Arbeitsmoral-Aussagen: Merz muss zurückrudern; https://www.merkur.de/politik/polarisierende-arbeitsmoral-aussagen-merz-muss-zurueckrudern-93747254.html

(40) 22.11.2025; Merkur; Nail Akkoyun; Hohe Friseurkosten? Linke stichelt gegen „abgehobenen Merz“; https://www.merkur.de/politik/hohe-friseurkosten-linke-stichelt-gegen-abgehobenen-merz-zr-94049875.html

(Titelbild) Geld, Vertrag, Glauben; Autor: Gerd Altmann (Pixabay); 11.04.2016; https://pixabay.com/de/illustrations/h%C3%A4nde-sch%C3%BCtteln-h%C3%A4ndesch%C3%BCtteln-euro-1319624/; Lizenz: Pixabay License

Von Ped

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