Geschichten nicht nur über den russischen Oligarchen Michail Chodorkowski und einen Lord Rothschild


Im Folgenden bespreche ich zwei Personalien, die sich in ihrem Handeln und Selbstverständnis geradezu symbiotisch miteinander verbunden fühlen. Die in dieser Symbiose existenziell aufeinander angewiesen sind und hervorragende Repräsentanten eines kolonialen, räuberischen, finanzialisierten Systems darstellen. So wir das Wesen, die Funktionalität dieses Systems begreifen, wird uns auch eingängig, wie ein gerade einmal 40-jähriger zum reichsten Mann Russlands aufsteigen konnte. Und wir müssen erkennen, dass Chodorkowski als Agent westlicher Mächte seine Seele bereits zu Sowjetzeiten an die Plünderer Russlands verkauft hatte. Dabei soll es in dieser Abhandlung, auch wenn es erst einmal den Anschein hat, gar nicht vorrangig um Chodorkowski gehen.


Die sowjetischen Wurzeln der Oligarchen

In einem unanständig wohlwollend geführten, echten Journalismus verhöhnenden Interview, welches das ZDF mit dem entthronten Oligarchen Chodorkowski führte, machte dieser eine Aussage, die mehr verrät, als es im ersten Augenblick den Anschein haben mag:

„Ich kenne eine sehr große Zahl von Menschen, darunter auch Angehörige der Geheimdienste, die ihrem Land ehrlich dienen und gedient haben.“ (1)

Chodorkowski spricht im Januar 2025 von Geheimdiensten, also nicht nur von einem Geheimdienst. Welche Geheimdienste meint er damit eigentlich? Was veranlasste Chodorkowski zu einer solchen Aussage? Dazu stelle ich dem Leser ein zweites Zitat vor. Es stammt von Filipp Bobkow (im Englischen Filipp Bobkov):

„Wir vom KGB haben einen großen Beitrag zum Prozess der Perestroika geleistet, denn […] ohne sie hätte die Sowjetunion keinen Fortschritt erzielen können.“ (a1, 2)

Wir werden auf diese beiden Aussagen umgehend zurückkommen. Michail Chodorkowski ist ein gebürtiger Moskauer — und er ist ein Karrierist erster Güte. Er genoss die kostenlosen Studienmöglichkeiten in der UdSSR und wurde diplomierter Chemiker. In jenem Jahr, 1986, wurde er auch stellvertretender Komsomolsekretär des Mendelejew-Instituts. Eine steile Parteikarriere bahnte sich an. Doch erwiesen sich die Verbindungen im Komsomol auch in wirtschaftlicher Hinsicht als vorteilhaft. Chodorkowski war sozusagen von Beginn an unternehmenslustig und so eröffnete er unter dem Dach des Komsomol ein Café in Moskau (3). Keine zwei Jahre später gründete er das Zentrum für wissenschaftlich-technisches Schöpfertum der Jugendstiftung für Jugendinitiative (NTTM). Chodorkowski war da noch nicht einmal 25 Jahre alt (4).

Das hatte viel mit den Reformbestrebungen des 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählten Michail Gorbatschow zu tun. Kurz zuvor war unter Gorbatschow das Dekret Nummer 321 erlassen worden, welches privatwirtschaftliche Tätigkeiten in Form von Genossenschaften zuließ (5, 6). Bei Nutzung dieser Unternehmensform mussten keine Steuern und lediglich ein geringer Beitrag in den Gewerkschaftsfonds abgeführt werden (6i). Chodorkowski und sein gerade gegründetes NTTM konnten sofort in die Marktwirtschaft einsteigen und wurden umgehend international tätig. Ja, tatsächlich, im Jahre 1988 tat der sowjetische Jungunternehmer Chodorkowski etwas, was in Sowjetzeiten im Grunde unmöglich war: Er tätigte mit seiner „Jugendstiftung“, die formal als „Zentrum für wissenschaftliches Schöpfertum“ ins Leben gerufen worden war, simple Handelsgeschäfte mit westlichen Unternehmen. Er exportierte russische Matrijoschkas ins westliche Ausland und importierte dafür Computer, Jeans und Brandy (7).

Wie war das möglich? War das etwa eine neue, geniale Geschäftsidee, um im Westen einen Markt für Matrjoschkas aufzureißen? Das war es natürlich nicht. In Massen standen diese in sich verschachtelten Holzpuppen in den Läden der sowjetischen Hauptstadt, in denen privilegierte Zeitgenossen — Künstler, Leistungssportler, Diplomaten und Politiker, im Ausland tätige Ingenieure usw. — ihre (zum Beispiel) US-Dollars loswerden konnten (8). Welche Notwendigkeit ergab sich, dass ein zu gründender Parteibetrieb „unter Aufsicht“ des kommunistischen Komsomol profitable Geschäfte mit dem Klassenfeind abwickelte?

Der Handel mit westlichen Staaten war bis zum Ende der Sowjetunion eine exklusive Angelegenheit von Staatsbetrieben unter der Schirmherrschaft des Außenhandelsministeriums. Was verhalf der gerade gegründeten „Jugendstiftung“, der „Genossenschaft“ Chodorkowskis, zum Privileg, simple, keinesfalls innovative Handelsgeschäfte mit westlichen Partnern zu betreiben? Wobei wir vom Umgang mit Geld, einheimischem Geld wie auch Devisen, noch gar nicht gesprochen haben — aber das kommt jetzt.

„In kürzester Zeit entstanden Tausende Kooperativen gerade im Bereich Handel und Service. Privatwirtschaftliche Aktivitäten, die zuvor als Spekulation verboten waren, wurden damit legalisiert; zugleich boten die neuen Kooperativen die Möglichkeit, illegal erworbenes Kapital zu legalisieren oder ein Startkapital zu erwirtschaften.“ (9)

Das ist schon ziemlich spannend. Wie erwirbt man Kapital illegal? Zum Beispiel indem man ein Gewerbe führt, das nicht angemeldet ist und für das keinerlei Steuern abgeführt werden.

Nun, die „Genossenschaft“ NTTM, die da Marktwirtschaft spielen durfte, war, so komisch das auch klingen mag, ein Unternehmen des Komsomol. Der Komsomol wiederum war die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der KPdSU. Brechen wir das etwas herunter: Die NTTM war also ein Parteibetrieb und machte Geschäfte mit dem Klassenfeind. Und Geschäfte werden nun einmal mit Geld abgewickelt. Ob der Parteibetrieb NTTM seine Geschäfte mit dem Klassenfeind in Rubel abgewickelt hat? Was ging da vor?

In der UdSSR (a2) wurde der Besitz von Devisen streng überwacht. Wer außerhalb der strengen behördlichen Regelungen Devisen erwarb, musste, so man erwischt wurde, mit harten Strafen rechnen. Das galt über das Ende der Sowjetunion hinaus bis zum Jahre 1994 auch in Russland (10). Die politischen Eliten in der Sowjetunion waren sich bewusst, dass die Kontrolle von Finanzströmen eine Machtfrage war. Die bis in die jüngste Vergangenheit überwältigende weltweite Dominanz des US-Dollars ist eine Projektion von Macht. Die Sowjetunion setzte dem als souveräner Staat Grenzen. Grenzen sind wichtig. Sie sind zum Beispiel auch wichtig, um eine nationale Währung zu schützen. Nun spricht leider vieles dafür, dass dieses Riesenland zwar von einer Ideologie getragen, diese aber durch die eigene Nomenklatura in den 1980er-Jahren immer mehr ausgehöhlt worden war. Der Tiefe Staat ist ein Phänomen aller Gesellschaften, nicht nur solcher im „freien Westen“.

Der junge, intelligente wie ehrgeizige, aufgrund seines Alters allerdings unreife Chodorkowski würde nun tun dürfen, was ansonsten einzig und allein Sache staatlicher Institutionen war — und das auch noch in einer Leitungsfunktion. Junge Menschen waren, eben aufgrund ihrer Unreife, stets ein bevorzugtes Missbrauchsopfer. Das gilt nicht nur für körperlichen Missbrauch. Chodorkowski jedenfalls würde im zarten Alter von 26 Jahren dazu berufen werden, eine Privatbank zu führen:

„1989 übernahm Chodorkowski den Vorsitz der Kommerziellen Innovationsbank für wissenschaftlich-technischen Fortschritt, die mit dem Ziel gegründet wurde, Geldmittel für NTTM zu beschaffen. Sie war eine der ersten Privatbanken Russlands. 1990 kaufte die Kommerzielle Innovationsbank dem Exekutivkomitee des Moskauer Sowjets die Firma NTTM ab und benannte sie in Menatep-Invest um. Chodorkowski war nun Generaldirektor von Menatep und ab 1991 Vorstandsvorsitzender. Die Freundschaft mit einem anderen Komsomol-Führer, Alexej Golubowitsch, hatte einen bedeutenden Einfluss auf seinen wachsenden Erfolg, da Golubowitschs Eltern Spitzenpositionen in der Gosbank, der Staatsbank der UdSSR, innehatten.“ (10i)

Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Milliardär taugt auch für Michail Chodorkowski in keiner Weise.

Erforderliche Beziehungsgeflechte

Oftmals wird uns nicht so recht ersichtlich, wer Opfer und Täter ist, wer da wen benutzt. Und das entspricht auch der Realität. Die Realität ist komplex, verbindet unterschiedliche Ebenen — persönliche wie systemische — und deshalb können beide beides sein. Chodorkowski war aufgrund seines passenden Profils ausgewählt worden, so wie ein paar weitere, junge „überzeugte Kommunisten“ im Komsomol. Wer den Blick auf sie richtete, wird noch geklärt.

Der spätere Oligarch Boris Beresowski, geboren 1946, war 1986 bereits 40 Jahre alt und schlägt deshalb altersmäßig etwas aus der Reihe, was die Rekrutierung geeigneter Kader für besondere Aufgaben betrifft. Ansonsten passt auch sein Profil einer begabten wie akademisch ausgebildeten, intelligenten, mit einer gewissen Skrupellosigkeit auf Unternehmungen ausgerichteten Persönlichkeit (11, 12). Geheimdienste aquirieren sich ihr Personal gern an akademischen Einrichtungen. Da unterschied sich der Westen eher nicht vom Osten. Es gibt Indizien, dass Beresowski seit 1979 für den KGB tätig war (13).

Der spätere Oligarch Roman Abramowitsch lag aufgrund seiner Jugend noch näher am Profil von Michail Chodorkowski. Er studierte darstellende Künste und später Rechtswissenschaften. Und er übte sich bereits als 21-jähriger in illegalen Geschäften, indem er aus dem Westen ins Land geschmuggelte Luxusgüter wie Parfüm vertrieb. Obwohl der Besitz von Devisen streng verboten war, schenkten ihm und seiner Frau die Schwiegereltern zu seiner Hochzeit 2.000 US-Dollar. Das ist eine Menge Geld und wurde sofort in den Erwerb von Schmuggelware investiert (14).

Der spätere Oligarch Alexander Konanychin wurde 1966 geboren. Er studierte Aerophysik und Weltraumforschung. Zu jener Zeit betrieb er illegale, profitable Geschäfte in der Baubranche, wofür er aus dem Komsomol und dem Institut, an dem er studierte, ausgeschlossen wurde. 1986 gründete er schließlich die Genossenschaft Schilemstroi (mit nicht erfahrbarem Geschäftsfeld) (15). Außerdem wurde er Geschäftspartner von Chodorkowski. Konanychin geriet Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in das Fadenkreuz ehemaliger KGB-Agenten. Die „Guten“ und offensichtlich Informierten vom FBI halfen ihm, diesen „Nachstellungen“ zu entgehen  (16, 17).

Warum war Konanychin für bestimmte ehemalige KGB-Mitarbeiter in Nach-Sowjetzeiten so interessant? Etwa, weil er ein Musterdemokrat war und aus ethischen Gründen gegen das russische System unter Jelzin und dann unter Putin opponierte? Genau das soll der Medienkonsument glauben. Nur ist Eines Fakt: Alle vier behandelten, und jede für sich auf eine gewisse Art und Weise mit dem KGB in Verbindung stehenden Persönlichkeiten waren samt und sonders skrupellose, räuberische Geschäftemacher.

Doch in Bezug auf Konanychin seien vom Autor noch zwei, freilich nicht bewiesene Hypothesen aufgestellt: Konanychin war ein Agent der anderen Seite — das ist die erste Variante. Die zweite, noch greifbarere lautet: Konanychin war ein Doppelagent, der für beide Seiten tätig war. Vom charakterlichen Profil her war er dafür genauso geeignet wie Chodorkowski. Und dann gibt es sogar Dreifachagenten, aber heben wir uns das noch kurz auf.

Der Souverän über das Geld

Es ist eine Binsenweisheit: Geld ist Macht. Zumindest so lange, wie Geld als der Kitt von wirtschaftlicher Tätigkeit für unentbehrlich angesehen wird. Wer die Kontrolle über das Finanzsystem behauptet, hat entscheidenden Einfluss auf das Gesamtsystem. Doch kommt noch etwas hinzu, was allgemein nicht als Binsenweisheit verstanden wird: Geld ist Glaube. Die Macht des Geldes ergibt sich erst aus dem Glauben an das Geld. Ohne den Glauben ist die Fiktion des Geldes nichts wert. Das fordert gewisse Schlussfolgerungen heraus.

Weiter oben wurde über das restriktiv gehandelte Geldwesen in der Sowjetunion geschrieben. Die Stabilität des Rubel als sowjetischer Währung wurde mittels administrativer politischer und rechtlicher Maßnahmen geschützt. Seit den 1960er-Jahren war das Funktionieren des Geldwesens auf Basis des Rubel immer stärker gefährdet. Und das, obwohl die Regierung sogar die Todesstrafe für schwere Devisenvergehen in ihr Gesetzeswerk aufnahm. Der Grund war einfach, und er fand, wie ein schleichendes Gift, in den Köpfen der Menschen statt. Ideologie ist so wirkmächtig, wie sie brüchig ist. Und wenn Ideologien brüchig werden, dann muss immer mehr Energie investiert werden, um sie als Regelwerk in der Praxis aufrechterhalten zu können.

Da konnten sich die Propagandisten der sich angeblich auf dem Weg in den Kommunismus befindlichen Sowjetunion noch so ins Zeug legen. Der Propaganda des Westens mit den gefüllten Schaufenstern waren sie nicht gewachsen. Und hinter der Illusion, alles bekommen zu können, was man sich an Materiellem so erträumte, stand was? Der US-Dollar. Noch bevor also die Sowjetunion mit dem US-Dollar geflutet wurde, hatte man den ideologischen Kampf, den Glauben an die „richtige“ Währung, westlicherseits bereits gewonnen.

Und dieser offiziell verbotene, aber trotzdem sehr wohl existente Glaube in der Sowjetunion (war es in der DDR eigentlich anders?) war ein gesellschaftsweiter. Dieser Glaube machte natürlich nicht alle zu skrupellosen, machtgierigen Geschäftemachern, wie Chodorkowski es wurde. Doch auch wenn nicht jedermann empfänglich oder korrupt war, so gab es doch — die restriktive offizielle Politik hin oder her — einen stillen Konsens zum Geld. Im Umkehrschluss bedeutet das aber eben auch, dass die Ideologie, mit welcher die Gesellschaften in den sozialistischen Staaten, also auch der UdSSR, betrieben wurde, schlicht und einfach gescheitert war.

In den verschiedenen Schichten der sowjetischen Gesellschaft war der Zugang zur „goldenen Währung“ natürlich unterschiedlich ausgeprägt. Vom simplen, teils durch Behörden und Geheimdienste ermöglichten Bargeldschmuggel über die Grenzen hinweg bis hin zu „kommunistischen Konten“ bei westlichen Banken war alles denkbar. Doch ist sicher eingängig, dass mit dem wachsenden Umfang des US-Dollar-Volumen, der als Schattenwährung in der Sowjetunion kreiste, die Landeswährung, der Rubel, als Währung geschwächt wurde.

Nun bekommt man Dollars nicht einfach geschenkt. Entweder raubt man sie oder man erwirbt sie für echte Werte. Denn, wir haben es erörtert: Auch der Dollar steht nur für Glaube.

Der KGB und das Geld

Filipp Bobkow war noch vom einflussreichen KGB-Chef und späteren KPdSU-Generalsekretär Jurj Andropow zum Chef der Fünften Abteilung des KGB ernannt worden (18). Ihm zur Seite stand Bobkow der für die Terrorismusbekämpfung verantwortliche Alexei Kondaurow. Der Assistent Bobkows, Leonid Weselowski, war für Finanzgeschäfte und Kontakte der KPdSU mit dem Westen verantwortlich (19).

Informationen verkörpern Macht, und Bobkow besaß als hochrangiger KGB-Offizier eine Menge davon. Er besaß auch eine Menge an Informationen über die grassierende Korruption in der sowjetischen Wirtschaft, die unter anderen es ihm erlaubten, später eine eigene Sicherheitsagentur zu betreiben. Einen privaten Nachrichtendienst, der eng mit der bereits zu Sowjetzeiten aus korrupten Netzwerken entstandenen Oligarchenkaste verbunden war. Mit den Daten, die er vom KGB mitgenommen hatte, kontrollierte seine SB MOST Group und 300 vorwiegend vom KGB „mitgenommenen“ Mitarbeiter das im Entstehen begriffene Oligarchengeflecht (20, 21).

War der sowjetische Auslandsgeheimdienst als fünfte Kolonne im Westen unterwegs oder war es eher umgekehrt? Und wenn ja: Durch wen wurde die fünfte Kolonne repräsentiert?

In den Jahren ab 1986 dürfte Filipp Bobkow die Überweisung von Geldern der KPdSU an ausländische Banken überwacht haben. In den Monaten vor Auflösung der Sowjetunion ordnete Bobkow schließlich die Gründung von Handelsunternehmen und Banken an, die von KGB-Offizieren und ihren „vertrauenswürdigen Kontakten“ geleitet wurden. Ein gewisser Richard Palmer tätigte 1999 in einer Anhörung vor dem US-Kongress die folgenden Aussagen zu einem „Projekt“. Aber wer unterwanderte da wen — die „Sowjets“ das westliche Finanzsystem oder war es nicht eher umgekehrt?

„Das Projekt wurde mit Geldern des KGB und der Partei finanziert, »die fast 80 Prozent der 1990 bis 1991 in die neuen Banken, Börsen und Unternehmen investierten Summe ausmachten«, wie Richard Palmer in seiner Aussage vor dem US-Kongress über die sowjetische Unterwanderung des westlichen Finanzsystems erklärte.“ (22)

Woher kam das Startkapital, denn diese neuen Körperschaften würden sofort in das westliche Finanzsystem eingebunden sein? Ohne Kapital ging und geht da gar nichts. Können wir Richard Palmer glauben?

„Herr Palmer [wurde in den 1970er-Jahren] mit sensiblen militärischen Informationsbeschaffungsaufgaben in Europa betraut, deren Details nach wie vor geheim sind. Anschließend wurde Herr Palmer in die Eliteeinheit »Directorate of Operations« der CIA aufgenommen. […] Nach nur neun Jahren bei der CIA begann Herr Palmer eine elfjährige Tätigkeit als leitender Manager für Operationen, während der er dreimal zum Chief of Base und später zum Chief of Station ernannt wurde. In diesen Positionen fungierte er als persönlicher Vertreter des Direktors der CIA im Ausland und als Leiter aller US-Geheimdienstaktivitäten in diesen Ländern. Der Direktor der CIA ernannte Herrn Palmer 1985 und erneut 1990 zum »Exceptional Intelligence Collector« der CIA.“ (23)

Man muss halt wissen, dass Richard Palmer ein hochrangiger Agent der CIA war — und danach einen privaten Nachrichtendienst, Cachet International, führte (23i). Wie es so schön heißt: Einmal Agent, immer Agent. Außerdem erinnern wir uns daran, dass Nachrichtendienste nicht nur Informationen sammeln, sondern diese aufbereiten oder auch „einfach so“ kreieren, um durch die nachfolgende Verbreitung den öffentlichen Informationsraum zu gestalten. Was nun Palmers Informationen betrifft, erfahren wir:

„Während des Kalten Krieges hatte der KGB ein tiefgreifendes Verständnis für die Bankgeschäfte des Westens entwickelt, und die Spionagechefs waren geschickt darin geworden, Agenten im Ausland mit Bargeld zu versorgen. Diese Kompetenz erleichterte das Anhäufen neuer Vermögen. In den letzten Tagen der UdSSR hatte Palmer beobachtet, wie seine alten Gegner aus dem sowjetischen Geheimdienst Milliarden aus der Staatskasse auf private Konten in Europa und den USA schaufelten. Es war einer der größten Raubüberfälle der Geschichte.“ (24)

Ob Richard Palmer „einen der größten Raubüberfälle“ auf den über ein Jahrzehnt in Russland andauernden westlichen Beutezug bezog?

Die CIA war und ist nicht nur ein Nachrichtendienst. Sie ist ein politisches, operatives Instrument des anglo-amerikanischen Tiefen Staates. Das war die CIA übrigens schon immer, Zeit ihres Bestehens, gewesen. Die Erzählung des CIA-Agenten Palmer enthält allerdings einige Wahrheiten. Zum Beispiel, dass man beim sowjetischen Geheimdienst über die trivialen Kenntnisse verfügte, um durch Strohmänner bei westlichen Banken Konten zu eröffnen, um Geld zu bewegen. Das war illegal, aber wenn es der KGB tat… Das gesetzlich festgeschriebene Monopol besaß das sowjetische Außenhandelsministerium, das über seine Außenhandelsbank natürlich in jedem Land, mit dem es Handelsbeziehungen pflegte, Niederlassungen betrieb und mit Konten bei privaten Banken fest in das westliche Finanzsystem integriert war. Nur so war überhaupt die technische Abwicklung zur Aufnahme und Tilgung von Krediten möglich. Die Frage, wie man am Gesetz vorbei bei westlichen Privatbanken Konten befüllen konnte, lässt sich daher leicht beantworten: Man bedurfte einer ausreichend starken Machtposition, und die hatte der KGB.

Was lief da ab in der Sowjetunion?

„Ende 1986 wurden dem informellen Planungsausschuss zwei Beamte der Ersten Hauptverwaltung des KGB (Auslandsaufklärung) zur Seite gestellt, die Erfahrung mit der Überweisung von Geldern ins Ausland sowohl für das Zentralkomitee der Partei als auch für andere operative Zwecke hatten. Es existierten keine schriftlichen Aufzeichnungen ihrer Sitzungen oder Verfahren, mit Ausnahme einer Kopie an den Vorsitzenden des KGB und einer Kopie an den für die Verwaltungsorgane des Politbüros zuständigen Beamten des Zentralkomitees: Wiktor Tschebrikow.“ (22i)

Als Chef des KGB war Wiktor Tschebrikow der direkte Vorgesetzte von Filipp Bobkow. Dazu gab es eine informelle Verbindung zu Nikolai Kruchina:

„Vorsitzender dieser Planungsgruppe war der Schatzmeister des Zentralkomitees, Nikolai Kruchina. Diese ‚Planungsgruppe‘ kam zu dem Schluss, dass zwar zunächst die lokalen KGB-Vertretungen über das System der diplomatischen Post und einfaches Schmuggeln von Koffern mit Geld über die Grenzen genutzt werden könnten, dieses vorübergehende System jedoch aufgrund der Häufigkeit und Höhe der zu transferierenden Gelder sowie der Notwendigkeit, die Zahl der informierten Personen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, langfristig nicht genutzt werden könne.“ (19i)

Der im Zitat erwähnte Nikolai Kruchina erlag übrigens am 26. August 1991 seinen Verletzungen, als er aus dem Fenster seiner im fünften Stock gelegenen Wohnung stürzte (25). Noch 1989 war er Präsident der Most-Bank geworden. Zusammen mit Filipp Bobkow wechselten mehr als hundert KGB-Offiziere ebenfalls zur Most-Bank (26).

Aber mit welchen westlichen Banken kooperierte der sowjetische Geheimdienst? Denn eines ist Fakt: Ohne Banken geht es nicht.

Eine psychologische Operation

Wenn man als KGB über Strohmänner westliche Devisen auf Konten westlicher Banken parken wollte, dann waren zwei, ja drei Dinge notwendig. Die Spuren durften nicht nachverfolgt werden können, die Diskretion der Bank war alles, und es musste Mittelsmänner geben, welche die Verbindung der für solche Zwecke geeigneten Banken, herstellen konnten. Die ersten beiden Aspekte ließen sich recht gut abdecken, wenn man sich eine Schweizer Bank empfehlen ließ. Die Schweiz mit ihrem Bankgeheimnis war stets der geeignete Ort, um „heiße“ Vermögen sicher zwischenzulagern.

Um Spuren zu verwischen, um Geld zu waschen, bedarf es eines vorgeschobenen legalen Geschäfts. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Irgendeine Firma täuscht eine Wirtschaftstätigkeit vor. Oder sie betreibt diese Wirtschaftstätigkeit und täuscht vor, damit Gewinne zu erwirtschaften. Oder man kauft Bürger anderer Staaten, die ganz offiziell Handelsfirmen gründen und eintragen lassen. Diese verdeckten „KGB-Firmen“ bekommen Rohstoffe aus der Sowjetunion deutlich unter den Weltmarktpreisen und verkaufen sie dann zu Weltmarktpreisen und damit gewinnbringend weiter. Man kann über Strohmänner auch ein Schweizer Unternehmen gründen oder man betreibt Wirtschaftsbeziehungen zu einem Schweizer Unternehmen, das seine Finanzen bei einem geeigneten, notwendigerweise schweizerischen Kreditinstitut verwaltet. Das sind Praktiken, die der KGB anwandte und die später von den russischen Oligarchen perfektioniert wurden. Doch ohne ein Netzwerk „da draußen“, auf das man Zugriff bekommt, wird das kaum umsetzbar sein.

Wie gesagt: Verbindungen sind alles. Man nennt solche Konstrukte auch informelle Netzwerke. Nun wird es etwas spekulativ.

Einer der reichsten Männer in den 1970er und 1980er Jahren war der Medienmogul Robert Maxwell. Entgegen dem Spin aller westlichen Massenmedien und des etablierten Politzirkusses äußerte Robert Maxwell, übrigens mit tschechoslowakischen Wurzeln, Verständnis für die russische Intervention beim Prager Frühling. Das brachte dem Geschäftemacher im Westen den Vorwurf ein, „links“ zu sein. Im Osten dagegen erntete er Sympathien — und wurde prompt vom damaligen KPdSU-Chef Leonid Breschnew nach Moskau eingeladen. Man würde sich fortan öfter treffen, Kontakte pflegen und Maxwells Verlag würde gar weltweit ein Buch über das Leben Breschnews herausgeben und bewerben. Maxwell war fortan im Osten — übrigens wurde auch in der DDR ein Buch über Erich Honeckers Leben durch Maxwells Verlag herausgegeben und vertrieben — ein gern gesehener Gast und als solcher pflegte er seine Kontakte zur jeweiligen Nomenklatura (27).

So weit, so schön, könnte man erst einmal annehmen. Denn nichts geht über den verständnisvollen Austausch und gute Beziehungen. Böse Zungen behaupten allerdings, Maxwell hätte sich vom KGB einwickeln lassen. Aber es ist komplizierter, es ist ein Spiel mit Fallen. Die finanziellen Operationen des KGB im Westen scheinen vor allem deshalb funktioniert zu haben, weil sie das westlicherseits auch sollten! Man hatte ihnen verlockende Honigfallen (Honeytraps) aufgestellt. Diese mussten ihnen natürlich erst bekannt gemacht werden. Bevor Robert Maxwell für den KGB Dienste leistete (?), war er bereits ein Agent, ein Agent des MI6. Aber es kommt noch ärger, denn zudem war er auch ein Mann des israelischen Mossad (27i).

Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass der Multimilliardär Robert Maxwell Jude und in seiner Jugend ein aktiver, leidenschaftlicher Antifaschist war, der unter großen Gefahren gegen die deutschen Besatzer in Frankreich kämpfte. Auf seiner abenteuerlichen Flucht strandete Maxwell in Syrien und dort könnte es, noch vor der Gründung Israels, zu den Kontakten gekommen sein, die ihn auch zum Mossad brachten (27ii). Maxwell besaß sowohl die britische als auch die israelische Staatsbürgerschaft (28).

Maxwell pflegte enge Beziehungen zu Israel. Wenn es sich auch nur in etwa so abgespielt haben sollte, wie oben skizziert, dann ist der KGB einer psychologischen Operation, einer PsyOp des MI6 und des Mossad auf den Leim gegangen, an der Maxwell seine Aktie hatte. Dann hat der KGB, in vollem Bewusstsein oder eben auch nicht, als fünfte Kolonne des Westens den Zerfall der Sowjetunion mitbetrieben. Und dafür gibt es Indizien. Indizien, die uns zum Anfang der Geschichte zurückführen — zu Michail Chodorkowski.

Menatep die Schweiz und die Bank of New York

Bruce Rappaport, geboren in Palästina, war israelischer und schweizerischer Staatsbürger. Als Banker und Finanzier „betreute“ er ein weltweit tätiges Handelsimperium. Dafür betrieb Rappaport hunderte von Briefkastenfirmen in Panama, Liberia sowie Antigua und Barbados. Rappaport pflegte ausgezeichnete Beziehungen zur CIA, insbesondere zum früheren CIA-Direktor William Casey (29, 30). Das sind schon einmal keine schlechten Voraussetzungen, um illegale Geschäfte und Transaktionen zu verschleiern. Was Rappaport auch tat. So verdiente er Geld unter anderem mit Waffenschiebereien an kolumbianische Drogenkartelle (31).

Rappaport hatte durch seine Eltern zudem russische wie jüdische Wurzeln, ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt für einen informellen Zugang in die Sowjetunion. Das ging so weit, dass der sowjetische Präsident Gorbatschow sich persönlich für Rappaport einsetzte, um ihm exklusive Aufträge für die Modernisierung der sowjetischen Werften zu ermöglichen (32). Rappaport war ein überzeugter Zionist und dazu ein skrupelloser Geschäftsmann. Außerdem war er im Bankengeschäft aktiv. Im schweizerischen Genf gründete er 1966 die Inter Maritime Bank (33).

Nun ist es wichtig zu wissen, dass diese Bank einen „Ableger“ der Bank of New York repräsentierte und ihr vollständiger Name daher auch Bank of New York-InterMaritime lautet. Als im Zuge von Untersuchungen zu Geldwäscheoperationen in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar die Bank of New York in den Fokus geriet, mussten deren Vertreter die Mitwirkung eingestehen. Diese Bank und die mit ihr verbundene Bank of New York-InterMaritime in der Schweiz hatten in großem Umfang undurchsichtige Geschäfte mit sowjetischen/russischen Akteuren getätigt. Neben Bruce Rappaport stand eine weitere Mitarbeiterin der Bank of New York, Natascha Kagalowskaja, im Fokus der Ermittler (34).

Damit kommen wir also wieder zu Menatep, der Bank des Michail Chodorkowski. Denn genau die Bank of New York (BoNY), so stellte sich heraus, pflegte seit den Zeiten der Perestroika innige Verbindungen zur Menatep-Bank. Insbesondere half sie, Aktien der Bank auf dem US-Markt zu platzieren. Das Osteuropa-Geschäft der BoNY leitete seit 1992 eben Natascha Kagalowskaja. Die wiederum war mit einem ehemaligen leitenden Angestellten von Menatep, Konstantin Kagalowski, verheiratet (35, 36). Wie man sieht, hatte die KGB-Spitze auch kein Problem, Gelder auf Banken windiger Geschäftsleute zu transferieren.

Wie bedeutend Chodorkowskis Rolle als Strohmann für die Ausweidung der Sowjetunion, respektive Russlands war, zeigen die Verbindungen, die sich darüber hinaus bei „seiner“ Bank Menatep auftun. 1988 erwarb die Riggs Bank unter der Leitung von Jonathon Bush (Bruder von George W. Bush) und J. Carter Beese die Mehrheitsanteile an einem Schweizer Unternehmen namens Valmet. Die Riggs Bank unterhielt damit Geschäftsbeziehungen zu Valmet, der European Union Bank (EUB)  in Antigua und zu Menatep. Wir erinnern uns? Der windige zionistische Geschäftsmann Bruce Rappaport betrieb in eben Antigua dutzende Briefkastenfirmen (siehe weiter oben).

Allesamt waren diese Institutionen in Geldwäschegeschäfte (unter anderem) über die oben besprochene Bank of New York und deren Schweizer Ableger (wieder die Erinnerung an Rappaport) verwickelt (37). Über Menatep wie auch über Riggs-Valmet wurden nach Vorgabe aus Bobkows KGB-Direktoraten Devisen aus Russland abgezogen (38).

Die Riggs Bank stand unter Führung des ehemaligen NATO-Botschafters Alton G. Keel. Die EUB in Antigua war eine Gründung der beiden Oligarchen Michail Chodorkowski und Alexander Konanychin (siehe auch weiter oben) (39, 40).

Menatep, Jacob Rothschild und Michail Chodorkowski

Im November 2003 berichtete das britische Blatt Sunday Times folgendes:

„Chodorkowski, der [2003] als reichster Mann Russlands gilt, wurde letzte Woche von russischen Staatsanwälten wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verhaftet. Seine Inhaftierung hat eine Treuhandvereinbarung ausgelöst, die er vor einigen Monaten mit Rothschild geschlossen hatte. Der 67-jährige Rothschild kontrolliert nun die Stimmrechte an einer Beteiligung an Yukos im Wert von fast acht Milliarden Pfund. Damit steht er im Mittelpunkt eines Streits mit dem russischen Staat. Es wird allgemein angenommen, dass die gegen Chodorkowski erhobenen Vorwürfe eine Reaktion auf seine politischen Ambitionen sind, Wladimir Putin als russischen Präsidenten zu beerben.“ (41)

Wochen zuvor wurde bekannt, dass Chodorkowski Lord Jacob Rotschild zum Nachfolger von Yukos ernannt hatte, so der Oligarch wegen Betrugs und Steuerhinterziehung in Haft genommen würde. Gleiches drohte einer Reihe weiterer Führungskräfte bei Yukos. So wie dem engen Vertrauten und Finanzdirektor von Yukos, Platon Lebedew, der zu jener Zeit bereits wegen Betrugsvorwürfen im Gefängnis saß (42, 43).

„Die Ermittlungen wegen Betrugs und Steuerhinterziehung könnten eine Reihe von Führungskräften von Yukos betreffen, und unter diesen Umständen würde sich der Konzern an den Londoner Bankier wenden, erklärte ein Unternehmensvertreter gegenüber der russischen Zeitung Kommersant. Der 66-jährige Lord Rothschild verfügt aufgrund seiner Position als Mitglied der einflussreichen Bankiersdynastie Rothschild über eine Vielzahl hochkarätiger Kontakte in der internationalen Unternehmenswelt, Politik und im Bankwesen.“ (41i)

Fast reflexartig klickt bei den meisten Zeitgenossen der Schalter, um den Verdacht einer kruden „Verschwörungstheorie“ hochsteigen zu lassen, wenn man das Thema Rothschild auch nur anreißt. Denn da ist sie, die City of London (CoL), die sich stets diskret im Hintergrund hält. Das Büro von Lord Rothschild in einer Stellungnahme:

„Chodorkowski ist ein fortschrittlicher Geschäftsmann, der sich für Russland engagierte, […] Lord Rothschild habe keine Geschäftsbeziehungen zu Menatep, einem Unternehmen von Chodorkowski, das 61 Prozent von Yukos besitzt. Lord Rothschild leitet nach wie vor J Rothschild Capital Management, das Fondsmanagementunternehmen, das er vor fast 20 Jahren gegründet hat. Dieses Unternehmen ist heute Teil der größeren Vermögensverwaltungsgruppe St James’s Place Capital unter dem Vorsitz von Sir Mark Weinberg, einem langjährigen Freund und Geschäftspartner.“ (44)

Natürlich unterhielt Rothschild Beziehungen zu Menatep, wenn er die Unternehmungsführung von Yukos zu übernehmen gedachte — und das natürlich bereits vor der Übernahme. Natürlich müssen das keine in Büchern prüfbare Geschäftsbeziehungen sein. Es genügen informelle Beziehungen, und die sind sogar noch wichtiger. Zumal Chodorkowskis Stellvertreter bei Yukos gleichzeitig auch noch Chef der Menatep-Bank war (43i).

Demontage

Aufgrund der gescheiterten Allmachtsphantasien Chodorkowskis, der glaubte, dass jene Leute vom KGB, die ihn groß gemacht hatten, für den gesamten KGB gestanden hätten, musste ein Notfallplan greifen. Ein Notfallplan, der mitnichten von Chodorkowski entwickelt worden war. Aber er durfte ihn verkünden — freilich erst 21 Jahre später:

„Wir hatten beschlossen, einen ‚Beschützer‘ für das Unternehmen in den Trust aufzunehmen. Das ist eine Person, die alles überwacht, was [mit dem Unternehmen] geschieht. […] Er muss vollkommen unabhängig sein und absolutes Vertrauen genießen, da er nur eine einzige Funktion hat. In dem Moment, in dem er sieht, dass die Person, die eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen hält, nicht [richtig] handelt, sondern — sagen wir es so — unter Druck handelt, sollte er einen Umschlag öffnen und die Beteiligung an eine andere Person übergeben, die in diesem Paket genannt ist. Unsere zweite Person war [Leonid] Nevzlin, aber wir haben nie darüber gesprochen, weil niemand wissen sollte, wer der Zweite, wer der Dritte, wer der Vierte und wer der Fünfte ist.“ (45, 46)

Der vom KGB viele Jahre lang gepamperte Chodorkowski hatte die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Gut vorstellbar ist, dass er glaubte, seine alten Kumpels vom KGB würden den vermeintlich kleinen, unauffälligen, zum Präsidentendarsteller gekürten KGB-Offizier Wladimir Putin schon einspuren. Im sowjetischen Geheimdienst, in dem sich faktisch ein Tiefer Staat organisiert hatte, einer, dem der Sowjetstaat so wenig wert war, wie das später auch für Russland galt, gab es eben auch eine ganze Reihe von Leuten, die ich an dieser Stelle ganz sachlich als Patrioten, als Nationalisten bezeichnen würde.

Chodorkowski hatten die eigentlichen Herrscher bis zum Hals mit Geld und Anerkennung vollgestopft, damit er seine Rolle gut spielen würde. Als Yukos plötzlich Steuern zahlen sollte, also angemessene Steuern, und Chodorkowski das Angebot erhielt, seinen Reichtum, wenn auch nicht mehr so horrend, so doch zufriedenstellend zu mehren, sich dafür aber politischer Einflussnahme zu enthalten, wurde man in der CoL unruhig und animierte Chodorkowski, den heldenhaften Vertreter eines Rechtsstaates (47) gegen den „Emporkömmling“ zu spielen — und gleichzeitig in Kauf zu nehmen, dass ihr Oligarch ins Gefängnis gehen dürfte. Politisch ausschlachten ließ sich das noch allemal. Und so berichtete der gewesene Ölbaron Jahrzehnte später über seine Demontage:

„Da das Unternehmen nicht gefährdet werden darf, muss der ‚Beschützer‘ in diesem Fall bemerken, dass ich unter Druck handle, und mir meine Befugnisse entziehen. Und genau das ist passiert, als sie mich ins Gefängnis gesteckt haben. Sie haben mich also ins Gefängnis gesteckt, der Beschützer hat entschieden, dass ich von dort aus [nur] unter Druck Entscheidungen treffen kann, und er hat das Paket an die nächste Person weitergegeben.“ (45i)

So intelligent Chodorkowski war, so blind war er auch. Absurd, zu glauben, dass der vom „Beschützer“ entschiedene Wechsel an der Spitze von Yukos irgendeine Änderung ob seiner Gefährung bewirken würde.

Politische Einflussnahme in Russland nahm natürlich seine Lordschaft Rothschild, also die CoL, nicht direkt wahr. Dafür gibt es Politiker und Stiftungen. Das Datum unten — Wladimir Putin war nun zwei Jahre im Amt und gewisse Dinge deuteten sich an — lässt auf Handlungsbedarf schließen:

„Er ist außerdem gemeinsam mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger Mitbegründer der von Chodorkowski finanzierten Stiftung »Open Russia«, die im Dezember 2001 gegründet wurde, um die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zu fördern. Im März letzten Jahres ernannte Chodorkowski den ehemaligen britischen Außenminister Lord (David) Owen zum Vorsitzenden von Yukos International UK in London.“ (44i)

Und so erzählte Chodorkowski in der Nachbetrachtung über seine Entzauberung dem Publikum auf die Frage, wer dieser ominöse „Beschützer“ denn gewesen sei:

„Ja, natürlich. Das ist einfach eine Persönlichkeit von großem Charakter, über deren Rolle im Unternehmen jeder anders sprach, aber niemand kannte die Wahrheit. Es war der kürzlich verstorbene Lord Jack Rothschild. Er hatte die Funktion des Beschützers inne.“ (45ii)

Wem auch immer Yukos vor seiner Zerschlagung gehörte (48) — die Anteilseigner hatten samt und sonders ihre Konten bei westlichen Banken. Im Nullsummenspiel speiste und speist der Reichtum der russischen Oligarchen das westliche Finanz- und Wirtschaftssystem, das damit seine Bücher pflegen und mit dem Reichtum profitbildend spielen kann.

Fazit

Auf seiner Führungsebene war der KGB erfolgreich unterwandert worden — und die Methoden dafür waren im Grunde simpel. Sie setzten auf unsere menschlichen Schwächen. Es war eine psychosoziale Unterwanderung. Eine entleerte Ideologie von einer idealen, moralisch überlegenen kommunistischen Gesellschaft war ersetzt worden durch permanent stimulierte menschliche Triebe, die sich in Sehnsucht nach Reichtum als neue Ideologie eines vermeintlich glücklich machenden Geldes manifestierten. So bitter es klingen mag, hat sich doch die Sowjetunion zuerst einmal durch ihre Eliten selbst demontiert. Ganz praktisch wurden diese innere Zersetzung durch KGB-General Bobkow und seine Mitarbeiter im Fünften und Sechsten Direktorat des KGB vorangetrieben (49). Zwölf Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion waren fünf der 18 Kandidaten der Kommunistischen Partei Russlands, die 2003 zur Wahl für das russische Parlament, die Duma, antraten, Dollar-Millionäre (50).

Hohe Funktionäre des Staatsapparates der Sowjetunion hatten ihre Bestechlichkeit bewiesen — bis hin zum Geheimdienstapparat. So sie je an die Ideologie einer „besseren“ sozialistischen, gar kommunistischen Gesellschaft geglaubt hatten, war dieser Glaube längst verflossen. Ihr wackliger Glaube schützte sie nicht davor, korrumpiert zu werden. Sie waren bereit für Bestechung — und wurden Agenten fremder Mächte.

Chodorkowski wird der folgende Spruch zugeschrieben:

„Unser Kompass ist der Profit, den man bei strengster Einhaltung aller Gesetze erzielen kann. Unser Idol ist das Kapital, unser Ziel die Milliarde.“ (51)

Was kann uns das lehren? Der Traum vom Reichtum kann zum Albtraum unseres Gewissens ausarten — oder gar zu dessen Auslöschung. Das ist weniger eine Frage des Systems als vielmehr eine unseres Menschseins.

Bitte bleiben Sie in diesem Sinne schön achtsam, liebe Leser.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung — Nicht kommerziell — Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen — insbesondere der deutlich sichtbaren Verlinkung zum Blog des Autors — kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei internen Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden. Letzte Bearbeitung: 1. Februar 2026.

(a1) Die Übersetzungen erfolgten unter Zuhilfenahme von DeepL.com.

(a2) UdSSR steht für (ins Deutsche übersetzt) Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, kurz Sowjetunion.

(1) 17.01.2025; zdf heute; Interview mit Chodorkowski; „Niemand lebt ewig, auch nicht Putin“; https://www.zdfheute.de/politik/ausland/michail-chodorkowski-interview-putin-100.html

(2) 1994; J. Michael Waller; Secret Empire: The KGB in Russia Today; Westview Press, Boulder; ISBN 0-8133-2323-1; Zitat entnommen aus englischsprachiger Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Filipp_Bobkov#Perestroika

(3) 2002; David Hoffman;  The Oligarchs: Wealth and Power in the New Russia; New York, PublicAffairs; S. 100 bis 126; entnommen aus englischsprachiger Wikipedia; https://en.wikipedia.org/wiki/Mikhail_Khodorkovsky#First_business_activities

(4) 31.08.2012; Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg; Galina Sytschjow; Natalja Wassiljewa – Das Schicksal ein Whistleblowerin in Russland. Rekonstruktion und Analyse der Wahrnehmung in Ost und West; https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/5984/1/Ba_arbeit_sytschjow.pdf; S. 12

(5) 2024; Wirtschaftslexikon24.com;  Perestroika; https://www.wirtschaftslexikon24.com/d/perestroika/perestroika.htm

(6, 6i) 16.05.2021; ConsultantPlus; Beschluss des Ministerrats der UdSSR, des Allrussischen Zentralkomitees der Gewerkschaften und des Zentralkomitees der Kommunistischen Jugendliga vom 13.03.1987 Nr. 321 über die Gründung des Allunions-Koordinierungsrates für wissenschaftlich-technische Kreativität der Jugend und die Bezahlung der Mitglieder kreativer Jugendgruppen und festangestellter Mitarbeiter von Zentren für wissenschaftlich-technische Kreativität der Jugend; Direktlink in englischsprachiger Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Center_for_Scientific_and_Technical_Creativity_of_the_Youth

(7) 04.01.2014; World Socialist Web Site; Peter Schwarz; Chodorkowskis Aufstieg zum reichsten Mann Russlands; https://www.wsws.org/de/articles/2014/01/04/olig-j04.html

(8) 10.12.2020; Russia Beyond; Jekaterina Sinelschtschikowa; Strenge Regeln: War der Besitz von US-Dollars in der UdSSR illegal?; https://de.rbth.com/geschichte/84308-us-dollars-sowjetunion-illegal

(9) 2021; Docupedia-Zeitgeschichte; Corinna Kuhr-Korelov; Perestroika und das Ende der Sowjetunion. Ein kontroverser Blick zurück; https://docupedia.de/zg/kuhr_korolev_perestroika_v1_de_2021#cite_ref-ftn21_21-0

(10, 10i) 02.03.2012; Vanity Fair; Masha Gessen; The Wrath of Putin; https://www.vanityfair.com/news/politics/2012/04/vladimir-putin-mikhail-khodorkovsky-russia; Zitat entnommen aus englischsprachiger Wikipedia (12.01.2026): https://en.wikipedia.org/wiki/Mikhail_Khodorkovsky#First_business_activities

(11) 26.03.2013; Russia Beyond; Alexej Bausin; Das Ende einer Ära; Rossijskaja Gaseta; https://de.rbth.com/politik/2013/03/26/das_ende_einer_aera_22655

(12) War War Wann?; Roman Abramowitsch Lebenslauf; https://www.was-war-wann.de/personen/roman-abramowitsch.html; abgerufen: 13.01.2026

(13) 12.10.2007; Olga Wandjscheewa im Interview mit Alexander Chinschtein; Berezovsky war seit 1979 KGB-Agent; https://web.archive.org/web/20171201034825/https://www.kp.ru/daily/23945.5/71120/

(14) 10.02.2011; Leadership Biographies; The Biography of the Great Oil Tycoon Roman Abramovich; https://web.archive.org/web/20110210112455/http://www.leadershipbiographies.com/109/biography-of-roman-abramovich/

(15) 10.05.2011; Snob; Anna Karabasch; Zwanzig Jahre 1991. Alexander Konanichin; https://snob.ru/selected/entry/35182/

(16) Industry Era; Alex Konanykhin; The True Champion; https://www.industry-era.com/vendor-2019-Entrepreneurs-The-True-Champion.php; abgerufen: 13.01.2026

(17) Alex Konanyhkin; Defiance; https://defiancethebook.com/files/Defiance_eBook.pdf; abgerufen: 13.01.2026

(18) TaSS; Filip Bobkow; https://tass.ru/encyclopedia/person/bobkov-filipp-denisovich; abgerufen: 14.01.2026

(19, 19i) 23.01.2003; Stringer; Jurij Nersesow; Opfer des Jüdischen Krieges; https://stringer-news.com/publication.mhtml?PubID=1736&Menu=&Part=39

(20) Aurica; Martin Sparks; Filipp Bobkov: Der Spion, der Russland prägte; https://aurica.ai/de/article/martin-sparks/filipp-bobkov/; abgerufen: 13.01.2026

(21) 08.11.2005; https://web.archive.org/web/20051108090332/http://www.rosvesty.ru/numbers/1762/nongrata/

(22, 22i) 2001; James A. Leach; Russian Money Laundering: Congressional Hearing; DIANE Publishing; S. 314; https://books.google.de/books?id=-dPpeeU84h0C&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

(23, 23i) Cachet International — International Corporate Intelligence; Richard Palmer; https://irp.cdn-website.com/8befd940/files/uploaded/richard-palmer.pdf; abgerufen: 12.01.2026

(24) März 2019; The Atlantic; Franklin Foer; Russian-Style Kleptocracy Is Infiltrating America; https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2019/03/how-kleptocracy-came-to-america/580471/

(25) E.P. Heidner; Collateral Damage U.S. Covert Operations and the Terrorist Attacks on September 11 2001; https://wikispooks.com/w/images/d/db/Collateral_Damage_-_part_1.pdf; ab S. 21

(26) 24.04.2002; FLB; Почему „новые русские“ капиталисты финансируют коммунистов; https://web.archive.org/web/20050220001125/http://www.flb.ru/material.phtml?id=4911

(27 bis 27ii) 20.12.2019; Espionage History Archive; Mark Hackard; Robert Maxwell & The KGB; https://espionagehistoryarchive.com/2019/12/20/robert-maxwell-the-kgb/

(28) 11.11.2026; factually; What role did Robert Maxwell play in the Israeli intelligence community; https://factually.co/fact-checks/politics/robert-maxwell-role-israeli-intelligence-c479bf

(29) 07.01.2026; Intelligence Online; Switzerland — Rappaport Goes into Retirement; https://www.intelligenceonline.com/europe-russia/2005/01/07/rappaport-goes-into-retirement,12580904-art; Artikel hinter Registrierschranke

(30) CIA; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP93-00415R000200230003-2.pdf; S. 3; abgerufen: 14.01.2026

(31) 2011; Dion Philips; Antigua and Barbuda Defense Force: A Preliminary Look; https://www.cavehill.uwi.edu/bnccde/antigua/conference/papers/phillips.html

(32) 19.02.2000; Kompromat; Весь сор в одной избе; https://web.archive.org/web/20231126031543/https://www.compromat.ru/page_9477.htm

(33) 04.02.1988; Steven Greenhouse; A Secret Emporer of Oil and Shipping; New York Times; https://www.nytimes.com/1988/02/04/world/a-secret-emperor-of-oil-and-shipping.html

(34) 26.08.1999; The Economist; Crime without punishment; https://www.economist.com/special/1999/08/26/crime-without-punishment

(35) 22.08.1999; The New York Times; Timothy L. O’Brien, Raymond Bonner; Russian Money-Laundering Investigation Finds a Familiar Swiss Banker in the Middle; https://www.nytimes.com/1999/08/22/world/russian-money-laundering-investigation-finds-familiar-swiss-banker-middle.html

(36) 23.08.1999; The New York Times; Timothy L. O’Brien, Raymond Bonner; Money Laundering Inquiry Uncovers a Woman’s Meteoric Rise; https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/library/world/global/082399russia-bank-launder.html

(37) 02.11.2003; The Times; Simon Bell, Lucinda Kemeny, Andrew Porter; Rothschild is the new power behind Yukos; https://www.thetimes.com/comment/register/article/rothschild-is-the-new-power-behind-yukos-9wtmr3d90nz; Artikel hinter Bezahlschranke

(37) 18.09.1999; Prigovor; Kathleen Day; Riggs Had Ties to Firms in Probe; https://prigovor.ru/en/article/riggs-had-ties-to-firms-in-probe

(38) 17.03.2024; ofcs.report; Robert Dekker; How the biggest heist of a Russian oil company failed; https://www.ofcs.it/internazionale/how-the-biggest-heist-of-a-russian-oil-company-failed/

(39) 15.11.2021; Prigovor, The New York Times; Larry Rohter; New Bank Fraud Wrinkle in Antigua: Russians on the Internet; https://prigovor.ru/en/article/new-bank-fraud-wrinkle-in-antigua-russians-on-the-internet

(40) ICHI.PRO; Geldwäsche und Plünderung Russlands: Die Saga der KGB-Milliarden; https://ichi.pro/de/geldwasche-und-plunderung-russlands-die-saga-der-kgb-milliarden-66892083372063

(41, 41i) 02.11.2003; Washington Times, AFP; Arrested oil tycoon passed shares to banker; https://www.washingtontimes.com/news/2003/nov/2/20031102-111400-3720r/

(42) 05.03.2012; ARD-Tagesschau; Die Stationen des Chodorkowski-Verfahrens; https://www.tagesschau.de/ausland/chodorkowski-ts-102.html

(43, 43i) 22.01.2008; Russland-Aktuell; Platon Lebedew; https://web.archive.org/web/20080122162618/https://www.aktuell.ru/russland/menschen/kurzbiographie/platon_lebedew_71.html

(44, 44i) 13.04.2012; The Standard; James Rossiter; Rothschild lined to take over at Yukos; https://www.standard.co.uk/hp/front/rothschild-lined-to-take-over-at-yukos-6971290.html

(45 bis 45ii) 2024; Twitter; Interview mit Chodorkowsky; https://twitter.com/MyLordBebo/status/1858522646805143902; übernommen von: https://www.youtube.com/watch?v=xVah87LKS04; Ходорковский – девяностые и «Предатели» / вДудь; Mai 2024; Transkript (russisch):  meduza; https://meduza.io/amp/feature/2024/05/22/prigozhin-byl-vragom-kotoryy-mog-oslabit-drugogo-vraga; abgerufen: 30.04.2025

(46) 21.11.2024; Tap News; Alex Krainer; Things they forgot to teach us in school about the way the system really works; https://tapnewswire.com/2024/11/22/things-they-forgot-to-teach-us-in-school-about-the-way-the-system-really-works/

(47) 03.08.2018; Khodorkovsky; Who Guards The Guardians? The Illusion Of Civil Society In Russia; https://khodorkovsky.com/guards-guardians-illusion-civil-society-russia/

(48) Dekoder; Yukos-Aktionäre; https://www.dekoder.org/de/gnose/yukos-aktionaere/; abgerufen: 13.01.2026

(49) 16.05.2005; The Moscow Times; Catherine Belton; Khodorkovsky’s High Stakes Gamble; https://www.themoscowtimes.com/archive/khodorkovskys-high-stakes-gamble

(50) 22.11.2003; The Telegraph; Julius Strauss; Oligarchs take a Left turn on the road to Duma; https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/russia/1447438/Oligarchs-take-a-Left-turn-on-the-road-to-Duma.html

(51) 27.01.2011; Russia Beyond; D. Welikowskij, V. Djatlikowitsch, A. Zygankow; Der Chodor; https://de.rbth.com/articles/2011/01/28/der_chodor_06460

Empfohlen zum Thema:

(e1) 21.11.2024; TrendCompass; Alex Krainer; Things they forgot to teach us in school: the role of corporate „Protectors“; https://trendcompass.substack.com/p/things-they-forgot-to-teach-us-in

(e2) 21.11.2024; Substack; Meaning in History; Mark Wauck; https://meaninginhistory.substack.com/p/money-matters; https://meaninginhistory.substack.com/p/money-matters

(e3) 12.03.2024; VT; Fabio G. C. Carisio; The Powerful and Shady Rothschild Dinasty; https://vtforeignpolicy.com/2024/03/the-powerful-and-shady-rothschild-dynasty/

(e4) 10.07.2024; Sri Lanka Guardian; F. William Engdahl; CIA’s Dirty Games in Subverting Russia — Part 2; https://slguardian.org/cias-dirty-games-in-subverting-russia-part-2/

(Titelbild) Bank Junction, City of London, London; Autor: The wub (Wikimedia); 20.09.2020; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bank_junction_-_2020-09-20_(2).jpg; Lizenz: Creative Commons 4.0

Von Ped

7 Gedanken zu „Russlands Oligarchen und die City of London“
  1. „Der Propaganda des Westens mit den gefüllten Schaufenstern waren sie nicht gewachsen.“

    Der Frontstaat des „Westens“, die BRD, war DAS Schaufenster, das den Osten mürbe machen sollte. Daher weitgehende Arbeitnehmerrechte in der BRD, daher „Wirtschaftswunder“, daher Investitionen in die „Westsektoren“ anstatt Demontage, anstatt Reparation, anstatt Morgenthau-Plan.

    Und seit dieses Schaufenster nicht mehr gebraucht wird, seit 1989, werden alle diese „Errungenschaften“ geschliffen, abgebaut, verschrottet.

    Und ja, die „City of London“ ist der heimliche Nabel der westlichen Welt. Zu dieser Überzeugung muss man kommen, wenn man Historie und Situation des nach wie vor, jetzt eben heimlichen, Weltreich GB offenen Auges studiert.

    Toll was Sie da an aufwändiger Recherche-Arbeit liefern. Vielen Dank.

    1. Ja, jetzt sägen sie sogar noch das schon nicht besonders soziale Bürgergeld ab. Und wer sägt an vorderster Front: die sPD natürlich! Der Raubtierkapitalismus hat nach 1989 sein offenes Gesicht gezeigt, und die Zähne gefletscht – und jetzt beißt er so richtig zu. Aber natürlich immer so, dass sich die Wut der Betroffenen nicht gegen die Verursacher richtet, sondern gegen Mitbetroffene, Gleiche.

      Spalte und Herrsche! Das Spiel, das in der heutigen Form seinen Anfang mit Marx und der Fabian Society nahm.

      Nämlich dem konstruierten Gegensatz zwischen „links“ (das ideologisch marxistisch dominiert wird) und „rechts“ (heute eher diffus, deshalb umso willkürlicher die Zuweisungen und Einordnungen). Eine Konstruktion, die die Erkenntnis verhindert, dass der einzige effektive Gegensatz zwischen „oben“ und uns, zwischen Finanzaristokratie und Normalbürgern besteht. Zwischen solchen die Geld lenken, und uns, die wir nur Geld haben – wenn überhaupt.

      Beim Spalten ist ganz wichtig, dass so extreme Gegenpositionen aufgebaut werden, so viel Hass und Verachtung geschürt wird, dass ein versöhnliches Gespräch nicht mehr möglich ist.

      Und das sehen wir heute beim Klima, beim Feminismus, bei Migration, bei Viren, bei Putin, …, versucht wird es auch bei Gaza, bei China, bei angeblichen Despoten und angeblichen Unterdrückern und Ungerechtigkeiten der Welt, die natürlich immer woanders stattfinden – nicht bei uns, nicht bei „unseren Verbündeten“.

      Die Mutter aller Spaltungen bleibt aber die „links-rechts“-Spaltung. Die ist so tief verwurzelt worden, so effektiv eingebrannt, so medienstark verbreitet, wird in der Bildung, wahrscheinlich heutzutage schon im Kindergarten vermittelt. In Kinder-Bilderbüchern auf jeden Fall.

      Ja, und ist es da ein Wunder, dass dieser Super-Spaltpilz nur von England, London, aus in die Welt kommen konnte?

  2. Schon wieder ein Meisterwerk des „Auseinanderdröselns“ der Zusammenhänge. Erneut eine unglaubliche Stringenz im Zusammenführen der Knackpunkte, die das größere Bild ausmachen. Der Text liest sich spannend wie ein Spionagethriller von LeCarre, Green oder Stieg Larsson. Den allerherzlichsten Dank für Ihre Mühe, wiewohl diese für die allermeisten vergeblich sein dürfte. Aber eben nicht für alle, insbesondere nicht für Ihre Leserschaft. Also, Danke, Danke, Danke.

    Wenn die Insassen im „Imperium der Lügen“ wirklich verstehen würden, was da gerade so abgeht, würden sie völlig ausrasten. Allerdings ist das bei einer Aufmerksamkeitsspanne knapp über der einer Stubenfliege, dem intellektuellen Niveau einer ebensolchen und dem Gedächtnis eines Alzheimerkranken im Endstadium nicht unbedingt wahrscheinlich.

  3. Hervorragend.
    Mit einer Schlussfolgerung gehe ich allerdings nicht konform: Nicht die (M/L) Theorie selbst war gescheitert, sondern deren Umsetzung in der Praxis. Aus dem Grund, den Sie in Ihrem Fazit aufnahmen. Die (Umsetzung), für die Stalin noch gestanden und „mit aller Macht“ versucht hat zu sorgen und für die er von Chruschtschow später bewusst verurteilt und verunglimpft wurde, weil den das „reiche“ westliche Leben ebenfalls lockte.
    Würde der Westen mal wenigstens in (wichtigen) Teilen den Grundlagen dieser Theorie folgen, also verhindern, dass einer durch kapitalistische Wirtschaft, sprich den privaten Besitz der Produktionsmittel und Banken, überhaupt so reich werden KANN, bliebe ihm das erspart, was gerade ist und in Folge noch auf ihn wartet. Worüber so viele jammern und greinen. Stets das Gleiche tun, aber anderes erwarten? Mehr als nur Ignoranz.
    Nicht das menschliche Wesen in seiner Schwäche (Gier, Narzissmus), sondern die Möglichkeit (!), sie auszuleben ist das Problem. Und dann ja auch noch mit „Anerkennung durch die Gesellschaft“.

  4. Warum wird „M/L“, wie es der Kenner nennt, so hochgehalten und verteidigt wie eine göttliche Verfügung?

    Warum glauben so viele Leute im Ernst, ein Deutscher mit jüdischen Bezügen und zionistischem Umgang, in London in aristorkratischem und vermögendem Umfeld arbeitend, ohne nennenswertem Kontakt zu seinem angeblichen Sujet, der Arbeiterklasse, hätte erfolgreich das grundsätzliche Problem der Menschheit richtig analysiert und gelöst, bzw. die korrekte Zukunftsprognose erstellt?

    Wie können vernünftige Menschen zu so einer Idealisierung und Überhöhung eines an seine Zeit und seine Vorurteile gebundenen Menschen kommen?

    Welche objektivierbare Beobachtung spricht dafür, dass nicht M/L sondern nur deren Umsetzung gescheitert sei? Was ist, wenn M/L im Kern faul, falsch und fehlführend ist, zB weil sie dem Wesen des Menschen widerspricht, oder weil die Verhältnisse falsch analysiert wurden?

  5. Die Gesellschaft ist politisch gespalten in (vorwiegend marxistisch orientiertes) „links“ und „rechts“, das Wirtschaftsgeschehen ist gespalten in abhängig Beschäftigte und Unternehmer. Wem dienen all diese Spaltungen, wer profitiert davon? Wer hat ein Interesse daran, dass sich die Bevölkerung nicht einig werden kann, dass sich abhängig Beschäftigte und Unternehmer nicht zusammentun und nicht konstruktiv zusammenarbeiten?

    Natürlich die, die von den Verhältnissen mühelos profitieren: die, ich nenne sie, Finanzaristokratie.

    Nicht der Besitz von Produktionsmitteln ist das Problem, das Problem ist der Besitz der Geldsteuerungsorgane, das private Abschöpfen von Arbeitsergebnissen ohne eigene produktive Tätigkeit sondern durch die pure Lenkung und Administrierung der Geldflüsse.

    Und noch eines: es gibt viele „Linke“ die genau diese Umstände verschleiern. Da wird dann von verstecktem Antisemitismus gemunkelt, wenn man das Wort „Finanzaristokratie“ in den Mund nimmt, auf das asoziale dieser Clique hinweist, die durch pure Finanzmanipulation einen großen Teil der erarbeiteten Leistungen für sich einvernehmen und damit ungeheuere Vermögen aufgebaut haben. Vermögen, dessen Wert durch andere geschaffen wurde und durch nichts als dem Verleihen von aus Nichts geschöpftem Geld bei den Vermögenden entstanden ist.

    Aber wie gesagt: darauf hinzuweisen sei ja Antisemitismus – warum auch immer die entsprechenden Agitatoren auf diese Idee kommen. Vielleicht weil sie selbst im Herzen Exeptionalisten sind, die Vorherrschaft eines Menschenschlags über andere befürworten würden, ja, darauf hin arbeiten?

    Um das klar zu sagen: ich habe keine Probleme mit Menschen, die sich als Juden bezeichnen oder bezeichnet werden. Ich habe aber Probleme mit Leuten, die einen Exeptionalismus für sich beanspruchen aufgrund einer Volkszugehörigkeit, und sei es aufgrund der Zugehörigkeit zu einem selbstbezeichneten „Volk Gottes“.

    Allerdings hat das alles nichts mit dem Problem der Finanzaristokratie zu tun.

  6. Ein sehr guter Artikel mit Antworten die ich lange suchte, die Antworten aber teilweise in seinen Ursprüngen lange zurückliegen. Kürzlich stolperte ich über das Buch „Stalin anders Betrachtet »Buch hier kostenlos als PDF https://www.der-revolutionaer.de/stalin-anders-betrachtet/«“ Wenn man dieses Buch voran stellt, welches sich ebenfalls bis in die Zeit Gorbatschows vorarbeitet, erkennt man welches Grundproblem seit der Entstehung der Sowjetunion ihr inne wohnte und nicht nur dieser sondern der gesamten sozialistischen Welt – der Mensch.
    Dieser neigt entweder zum Narzissmus zur Macht oder er fügt sich wie ein Lamm in das vermeintlich unabwendbare und dann lässt er sich gern durch Blinkblink blenden. So geschehen in den 80er Jahren in der DDR, in der ähnliche wie hier dargestellte Strukturen schon zu DDR Zeiten entstanden Stichwort KOKO.
    Wenn man die einzelnen Erkenntnisse zugrunde legt, fragt man sich wie lange das System in der westlichen Welt in seiner jetzigen Form überlebt, nachdem wie bereits einige Kommentatoren richtig dargestellt, jetzt alles mehr oder weniger geschliffen wird, was als Aushängeschild des „Westen“ gegenüber dem Osten galt, weil nicht mehr notwendig, demaskiert sich die Elite selbst. Sind die Lämmer nun in der Lage, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, man darf zweifeln, wenn man sich die Mehrheit während der vermeintlichen Corona-Pandemie anschaut. Selbst diese mehr oder weniger mittlerweile entblößte Lüge wollen viele trotz RKI-Files nicht wahrhaben.
    Zum Schluß noch einmal DANKE für die Ausführungen.

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